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Illustriertes Sountagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

M 140,

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/4 M., bei den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. lexkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 18. Juni 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS

sowie die Annoncen-Bmeaux von Haasenstein und Bögler

in Frankfurt c. M., Tasse!, Magdeburg u Wien; Rudolf XXV. Mraana.

Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u- Köln; G. L-

Daube u. So. in Frankfurt a- M., Berlin, Hannover, Pari«.

Eine« Mgrmake« Aufruf veröffentlicht der Vorstand des konsnvatwen Landes- Vereins im Königinch Sachsen (Vorsitzer der Freiherr von Friesen.) Der größte Teil der Ausführungen dieses Schriftstückes verdient, da es sich nicht aus schließlich auf sächsische Verhälinisse bezieht, die all­gemeine Beachtung aller Gesinnungsgenossen. Ter Ausruf geht von der angeblich zurzeit bestehenden Absicht der Bundesregierungen aus, ba8 am 30. Sep tember erlöschende Sozialistengesetz ohne Ersatz ab­laufen zu laffen, nn> lautet dann wie folgt: '

Mit dem Gesetz kommt eine wichtige Handhake in Wegfall, welche der Staatsgewalt bisher be willigt war, um den wüsten Agitationen einer den Umsturz alles Bestehenden anstrebcndcn Partei die notwendigen Schranken entgegen zu stellen. Täuschen wir uns nicht! Dieser Schranken entledigt, werden jene Agitationen, von denen uns die Reichstags- wählen am 20. Februar d. I bereits einen Vor­geschmack gegeben haben, das Land in wilder Un- gebundcnheit überfluten! Vielleicht, daß die Führer dieser Bewegung den gewaltsamen Umsturz durch offene Empörung zurzeit nicht beabsichtigen, vielleicht, daß sie selbst in der Täuschung besangen sind, die von ihnen irregeleiteten Waffen beherrschen zu können! Durch die Aufreizung dieser Massen zu immer größerer Begehrlichkeit, zur Unzu­friedenheit mit den bestehenden staatlichen und gesell­schaftlichen Verhältnisfen, durch falsche Versprechungen materiellen Gewinns, wird ihre Erregung zu einem Grade gesteigert werden, welcher an die Stelle der ruhigen Sprache der Vernunft lediglich diejenige blinder Leidenschaft zur Geltung kommen laffen wird. Wohin diese Entsesselung der se>t Jahrzehnten auf­geregten Leidenschaften führen wird, kann niemand bestimmen. Selbst die frevelhaften Urheber derselben werden ihnen machtlos gcgenüberstehen. Ihre Bc teuerungen, die Lösung der sozialen Frage auf gesetz lichem Wege zu erstreben, find deshalb wertlos. Nur eine starke und mächtige Staatsregierung wird das Volk gegen den Sturm schützen können, dessen Vorboten nicht zu verkennen sind. Ein pflichttreues erprobtes Beamtentum, ein wohlgerüstetcs, zuver läisigis Heer verbürgen die gewissenhafte und ener­gische Ausführung der Maßregeln, welche wir dann von der Weisheit unserer Regierungen zu erwarten haben. Die mächtigste Stütze einer Regierung liegt aber in dem Volke selbst, findet ihien unerschütter­lichen Grund in der Treue und dem Vertrauen des Volkes zur Regierung.

Treuer Kirbe Koh«.

Roman von U. Rosen.

(Fortsetzung.)

.Er ist der betzündtyfle Deiner Freier und ich schütze ihn höher als alle übrigen', fuhr der Graf fort. .Hast Da gar keine Liebe für mich, keine Rücksicht für fbte Wünsche Detms alten Vaters? Denke an Dich selbst, mein Kindl War würde die Gesellschaft von Dir sagen, wenn sie wüßte, daß Da dem eigenen Vater ein unergründetes Geheimnis bist? Ich habe einen seltsamen Argwohn, Beatrice*

Einen Argwohn, Papa? Einen Argwohn, der nch gegen mich richtet?" rief Beatrice erregt. Eine zornige Röte färbte ihre Waugeu «ud halb erstaunt, halb erschrocken starrte fie dem Grafen ins Gesicht.

Ich liebe das Wort Argwohn in Verbindung vst dem Namen meiner Tochter nicht", entgegnete der Vater verwirrt.Allein, welches andere Wort würde «etue Meinung so genau auSdrückeu? Ich weiß nicht, was ich von Dir denken soll, Beatrice. Du bist »icht, was Du scheinst. AIS Lord Ormoud vor fünf Jahren hier war, sagte er mir, daß Du eiu doppeltes Leben führtest. Seine Andeutungen find mir hundert Mal durch meine eigene Beobachtung bestätigt worden. Du bist etwas ganz Anderes, als wofür Du Dich wsgiebst."

Beatrice fuhr auf. Ihr Blick suchte die tänzeln- den Flammen des Kamins auf, als ob fie fürchtete, ihre Seele könnte fich durch die Augen verraten. »Ich verstehe Dich nicht, Papa", nunrmelte fie.

Ich will mich bemühen, mich Dir zu erkläreu", «tgegnete der Gras.Du stehst au der Spitze meines Haushalts, empfängst unsere Gäste, präfidtrst unseren Bällen uud Gesellschaften und erfüllst alle diese Pflichten mit Anmut uud Würde, ich selbst aber habe kehr wenig von Dir. Tag für Tag, Abend für «brnd beliebt eS Dir, Dich geheimnisvoll in Deinen Gemächern einzuschließeu, zu welchen Du Niemanden Zutritt gestattest. Keine Botschaft dringt dann zu

Der Ausruf ermahnt hierauf dringend die Ge­sinnungsgenossen, sitzt, wo es noch Zeit ist, im ganzen Lande in Vereinigungen zusaminenzuireten, welche uns befähigen, dem drohenden Ansturm mit vereinten Kräften fest geschloffen entgegenzutreten, oder bereits bestehenden konservativen Vereinen sich anzuschlüßen. Die Ziele der konservativen Vereine werden in dem Aufruf wie folgt präzisiert:

Die konservativen Vereine treiben keine eilfertige Parteipolitik. Der deutschen Nation die Segnungen christlicher Kultur zu erhalten, die stetige Fort­entwickelung derselben auf allen Gebieten des Volks­lebens zu fördern, die gleiche Teilnahme aller Stände des Volkes an diesen Segnungen zu sichern, die wirtschaftlich Schwachen gegen die Ausbeutung Stärkerer zu schützen, das sind ihre Ziele, das find die gemeinsamen Ziele der großen Mehr^ heit der Nation! Die Erreichung dieser Ziele erblicken sie vor allem gewährleistet in der Erhaltung eines starken Königtums, in der Festigung der sitt­lichen Bonde, welches letzteres mit dem Volke ver- birdet, in der Gewährung der Mittel, deren das Königtum bedarf, um jene Ziele zu erreichen und der Bedrohung durch Angriffe von Innen und Außen zu begegnen! Arbeiter, Handwerker, Gelehrte, Künstler, Gewerbetreibende, Landleute, Beamte, Lehrer, Geistliche, Glieder aus allen Ständen haben sich in unser en Vereinen in unauslöschlicher Liebe zum Vaterlande zusammevgefunden. An die Ange hörigen aller Stände, welche noch keiner Vereinigung angehören, ergeht unser Aufruf zum Beitritt zu denselben, beziehentlich zur Neubildung von Ver­einigung! n. Lassen Sie unS gegenüber dem drohen­den Aisturme eine feste Mauer bilden um die Altäre unfeier Kirchen, um die Throne unserer Fürsten, um die Bildungsstätten unseres Volkes, um die Heimstätten ckristlicher und deutscher Sitte. Möge Berzagrheit, Kleinmut, Gleichgiltigkeit, welche leider so oft bei den Wahlen den Gegnern zum Siege verholfen haben, verschwinden in jetziger ernster Zeit. Tie unS allen drohende Gefahr läßt sich weder einerseits ableugnen, noch ist sie andererseits !o groß, daß sie nicht durch den festen Zusammen­schluß aller staatserhaltenden Elemente bezwungen werden könnte. Möge darum unsere Bitte um Bei­tritt zu den bestehenden konservativen Vereinigungen, sowie um Bildung weiterer Vereinigungen, wo es notwendig erscheint, bei allen Beherzigung finden, denen die Ei Haltung christlicher Zucht und Sitte, staatlicher Gesetzmäßigkeit, stetigen, geistigen und wirtschaftlichen Fortschritts, geordneter öffentlicher

Dir, kein Lebenszeichen von Dir verirrt fich dann hinaus zu uns. Es ist, als ob Deine Wohnung eiu Grabgewölbe wäre. Wie oft habe ich an Deine Thür geklopft, ohne eine Antwort zu erhalten. Bet meinem letzten Gichtanfall ließ ich Dich rufen, mein Zustand war bedenklich nud dennoch kargst Dn stundenlang nicht znw Vorschein, schicktest Dn nicht einmal, Dich nach meinem Befinden zu erkuudigeu. Wo ist die Lösung dicfis Geheimnisses, Beatrice?"

Die Tochter des Grafen verharrte in regungs­los m Schweigen wie eine Bildsäule.

Ich habe versucht, wir diese Frage selbst zu be- antrooiten", fuhr der Graf fort.Wenn (8 für Dich eine Möglichkeit gäbe, das Haus so beständig ohne mein Wissen zu verlassen, würde ich glauben, daß Du die Hälfte Deiner freien Zeit fern von dem Väter- lichen Dache verlebst. Ich habe bemerkt, daß dieses seltsame Abschließen auf unserem Landsitze nicht fiatt findet. Stellt die Gesellschaft zn hohe Ansprüche an Deine Kraft, oder vergeudest Dn die fehlenden Slnuden in einem Opiumrausch? Ich frage Dich wieder, Beatrice, was bedeuten diese Perioden des Schweigens und der Abgeschiedenheit in Deinem Leben ?"

Beatrice erhob langsam den Kopf nnb wendete ihr Gesicht dem Lichte zu. Aus ihren Wangen brannte ein glühendes Rot. Ihre strahlenden Augen flammten wie Sonnen. Ihr ganzes Wesen verriet eine unter» drückte Erregung, einen Aufruhr ihrer in allen Tiefen erschütterten Natur.

.Ich habe Dir keine Erklärung zu geben, Papa', sagte fie mit leidenschaftlich bebender Stimme. »Denke von mir was Dn willst, argwöhn« was Du magst, ich habe Dir nichts zn sagen. Glaube mich dem Opiumrausch, dem HadschiLttänmen verfallen, aber vergiß nickt, daß ich Deine Tochter nnb ebenso stolz bin, tote Du, daß ich lieber fterbeu würde, als den alten erlauchten Namen der Berrils durch den leisesten Hauch zu trüben. Das genüge Dir, Papa!'

Beatrrce schien in diesem Augenblick in der Lhat die Verkörperung deS FawilieustolzrS. Hoch anfge»

Gejellfchafls- und innerer Familienverhältnisse am Herzen liegt. Es gilt der Erfüllung der heiligsten Pflichten gegen Staat und Gesellschaft!

Ksittsches Keich.

Berlin, 16. Juri. Aus Wien geht derPost" die Nachricht zu, daß der Kaiser die Einladung des Kaisers von Oesterreich-Ungarn zur Beiwohnung der Manöver in Siebenbürgen angenommen hat. Es gilt als wahrscheinlich, daß sich damit ein Besuch der beiden Kaiser in Ungarn verbinden wird. Dieser würde nach den Manövern in Schlesien erfolgen. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge würde in den allernächsten Tagen die Verlobung der Prinzessin Vict or ia, Schwester des Kaisers, mit dem Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe am kaiserlichen Hof­lager proklamiert werden. sPrivz Adolf Wilhelm Victor, der jüngste Sohn des regierenden Fürsten von Sckaumkurg-Lippe, ist geboren 20. Juli 1853 und steht als Rittmeister ä, la suite des Königs- husarenregimeuts in Bomi.f Einer Mitteilung der »K. Z.' zufolge würde auch die jüngste Schwester des Kaisers, Prinzssin Margarethe, sich demnächst mit dem Erbprinzen Wilhelm von Nassau verloben. DieNordd. Allg. Ztg.' be­zeichnet alle bisherigen Nachrichten über die Wieder­besitzung des Postens des Unterstaatsfekretärs Grafen Berchem als der thatsächlichen Begründung ent­behrend. Eine hierauf bezügliche Entschließung sei an maßgebender Stelle überhaupt noch nicht gefaßt und keine bestimmte Persönlichkeit für den Posten in Aussicht genommen. Die Kommission des Reichs­tages zur Vorberatung der Vorlage, betreffend den Arbeiterschutz, genehmigte rach der Vorlage die Bestimmung, daß in Fabriken Kinder unter 14 Je hren täglich nur 6 Stunden, sowie daß junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren 10 Stunden beschäftigt werden dürfen, lehnte dagegen die Be­fugnis des Bundesrates für ausnahmsweise Gestattung der Beschäftigung von Kindern über 13 Jahren in Fabriken, sowie die dazu gestellten Anträge ab. Der Fonds für das Bismarck-Denkmal hat bereits die Höbe vom 312 000 Mark erreicht. Zum Erzbischof in Posen soll nach derKreuz- Ztg." in Regierungskreisen der Feldpropst der Armee, Bischof Aßmaun, der frühere Propst an der St. Hedwigskirche in Berlin, in Aussicht genommen sein. Bischof Aßmanu ist Deutscher, aber auch der pol­nischen Sprache mächtig. Dem Erfinder des Mannlicher-Gewehres, Ober- Ingenieur Mann­licher zu Wien, ist der Königliche Kronen-Oiden

richtet staud fie in ihrer gebteterischeu Schönheit wie eine Göttin da, in ihrer Seele und in ihrem Herzen war offenbar keine Spur einer Schwäche vorhanden. Ihr Vater sah fie an und seufzte.

In diesem Augenblick teilte fich die schwere Sammetport e.e abermals nnb Lord Eduard Ormond trat in doS Gemach. In den Augen des jungen Mannes glüte ein eigeuthümlicheS Feuer und ein seltsames Lächeln umspielte seinen von dem dichten Schnurrbart fast ganz verdeckten Mund. Ormonds Wesen verriet, daß er die Unterredung zwischen Vater und Tochter von Anfang bis Ende belauscht hatte. Das Sprühen und Funkeln der grauen Augen erlosch und das hüpfende Licht tu denselben verschwand, ehe er von dem Grafen und Beatrice bemerkt wurde.

Lord Ormond stand in der Blüte des Mannes­alters. Er wurde allgemein hübsch genannt nnb seine vieljährigen Reisen in fernen Landen nnb bte wunderbaren Abenteuer, bie er unter allen Himmels- strichen erlebt hatte, verliehen ihm ben Glorienschein der Romantik nnb wachten ihn in bet vornehmen Welt zu einem Selben tote Lara nnb bet Corsar von Bryon. Seine ursprünglich helle GestchtSfarbe war bu'ch ben Kampf mit ben Stürmen nnb bet Sonne bet Tropen gebräunt worben. Sein hellbloubeS Haar ringelte fich in dünnen spärlichen Locken über der hohen Stirn. Die Angen waren scharf, kalt nnb grausam in ihrem Ausdrrck. Klein nnb enggeschlitzt wie bie eines Chinesen, blitzten fie zuweilen in einem phosphorartigen Schimmer auf, der bewies, daß der englische Ahasver eine räukeusüchtige Seele nnb nn> gezüaelte Leidenschaften besaß.

Daß Lord Ormond Beatrice Bertil liebte, be­zeugte sein unermüdlich! s Werben, seine nnerschütter. liche Treue, die niemals an dem endlichen Siege ber» zweifelte. Et war verarmt, von Schulden erdrückt, durch ein wüstes Leben erschöpft, mit dem festen Ent­schlüsse nach England znrückgekehrt, seine Ansprüche ans BeatticenS Hand durchzusitzen. Bei dem Anblick der strahlenden Schönheit der Gräfin loderte die

3. Klasse verliehen worden. DerAllg. Ztg.' wird von hier geschrieben: »In der Feldarttllerie gelangt demnächst ebn Geschoß zur Einführung und zum Versuch in der praktischen Verwendung bei der Truppe, welche- je nach Bedarf als Granate oder Shrapnel zu benützen ist. Daß ein derartiges Eiuheitsgeschoß sowohl die Munitionsausrüstung der Feldartillerie, wie auch die Bedienung der Geschütze ganz wesentlich vereinfachen und einen eigenen wich­tigen Fortschritt in dieser Richtung bezeichnen würde, lügt auf der Hand. Vorläufig werden jedoch neben der versuchsweisen Einführung dieses neuen Geschoffes noch die bisher benutzten Granat- oder Shrapnel- Geschosse zur weiteren Verwendung gelangen und ferner wird neben diesen Geschossen die Ausrüfiung der Feldartillerie mit einigen Kartätschschüffen für das Geschütz als Verteidigungsmittel gegen über­raschenden Angriff der Kavallerie beibehalten werden. Man hegt jedoch in artilleristischen Kreisen die zu­versichtliche Erwartung, daß das neue Geschoß sich beim Truppergebrauche bewähren und daß es binnen kurzem gelingen werde, daS neue Einheitsgeschoß auch für die Verwendung als Kartätsche nutzbar zu machen. Die deutsche Feldartillerie würde, wenn diese Er­wartung sich bestätigt, künftig ein Universalgeschoß besitzen, dessen Konstruktion bisher von keinem an­deren Heere erzielt wurde. DieN. Allg. Ztg." läßt dahin gestellt, ob die Mitteilungen derSt. James Gazette" bezüglich der Abgrenzung der deut­schen und englischen Interessensphären, in Afrika glaubwürdig oder unglaubwürdig feien. ES wäre jedoch ein politischer Fehler, wenn man sich um den Preis gewiffer Zugeständnisse in Afrika nicht gute Beziehungen zu England sicherte und nicht streitige Punkte beseitig'e, die geeignet feien, eine tiefere Verstimmung zwischen den befreun­deten Regierungen beider Länder hervorzurufen. Die Abstimmung über die Militärvorlage läßt sich gegenwärtig schon ziemlich klar übersehen bis auf die Zentrumkpartei und die Polen. Da zwei Mandate vakant sind, so kommen 395 Abgeordnete in Frage. Wenn man annimmt, daß die 10 Elsässer, welche keiner Fraktion angehören, ebenso wie bei der Militärvorlage 1887, an der Abstimmung nicht teilnehmen, so bleiben 385 Abgeordnete übrig. Die absolute Mehrheit beträgt also 193 Stimmen. Ge­schloffen gegen die Vorlage werden stimmen 64 Freisinnige, 10 Bolkspartei, 11 Deutschhannoveraner, 35 Sozialesten und 3 Wilde, zusammen 123. Ge­schlossen für die Militärvorlage werden stimmen 71 Konservative, 19 Freikonservative, 41 National-

Liebe , bie er ihr feit zwanzig Jahren widmete, zu neuen Flammen aus. Beide Hände ausstreckend, eilte er ans ben Grafen zu, ber Überrascht nnb erfreut anssprang, ihn zu begrüßen.

Beatrice gestattete ihrem heimgekehrten Verehrer, ihre kalten, juweleugeschmückten Hände zu ergreifen, nnb ihn höflich willkommen heißenb, würbe sie wärmer bei ben ungeheuchelteu Kundgebungen seines Ent­zückens über das Wiedersehen. Unter seinem heißen Blicke liebender Bewunderung errötete fie leicht.

Von dem milden Wesen BeatricenS ermutigt, begann der Graf zu hoffen, daß seine Vorstellungen die gewünschte Wirkung bei der Tochter hervorge- rufen hätten, nnb fie geneigt sei, das sehnlichste Ver­langen seines Vaterherzens zn erfüllen nnb ben Freier zu erhören, ber jetzt vor ihr staub.

Sie müssen meinen ungestümen Eintritt ent­schuldigen", lächelte Lord Ormond, fich auf ben Sessel setzenb, ben Beatrice ihm auwies. »Ich sagte bem Diener, der mich sogleich wiebererkannte, ich wollte, wie eS in alter Zett meine Gewohnheit gewesen, mich selbst onmelben, nm Sie Beide zu überraschen, nnb ich schmeichle mir, baß ich bamit erfolgreich war. Der Benilsche Palast war mir stets ein zweites Vaterhaus, er ist unverändert ge» blieben; möchte nur fie, bie diese Räume zu einem Parabiese gestaltet, ihren Sinn geänbert haben.'

Er blickte ernst nnb flchenb auf Beatrice, bie ihren alten Hochmut nnb ihre kühle Zurückhaltung wieber angenommen hatte. .Ich ändere mich niemals, Lord Ormond', erwiderte fie bedeutsam, den Spitzen­fächer vor bem Gesicht entfaltenb, um seinen Augen auSzuweicheu.Ich war immer Ihre Freundin, und bin eS noch.'

.Nicht mehr, Beatrice?' flüsterte ber Gast.

Die zunehmende Kälte BeatticenS war eine nicht miß,überstehende Antwort.

Lord Ormond ließ fich nicht davon abschrecken, feine Huldigungen fortzusetzen nnb tu bem Bemühen sortznsahren, einen angenehmen Eindruck zu erzielen.