Die Entscheidung
über die neue Militärvorlage steht in der Militär- kommission des Reichstages jetzt vor der Thür; wird die von der Militärverwaltung geforderte Ver- stärkung der Reichsarmee schon dort genehmigt, so ist die Annahme im Plenum des Reichstages natürlich erst recht gesichert; in keinem Falle wird aber eine Ablehnung befürchtet. Es kann sich nur darum handeln, wie groß die Mehrheit sein wird, mit welcher die Forderung zur Annahme gelangt. Würde die Militärverwaltung die Einführung der zwei' jährigen Dienstzeit für die Infanterie vom Herbst 1891 ob zugestanden haben, so wäre der Gesetzentwurf von allen Parteien des Reichstages, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, einstimmig ange romwen. Da der Kriegsminister indesien eine so schnelle Einführung der abgekürzten Dienstzeit für unmöglich erklärt hat, so werden noch eine Reihe ton Stimmen absplittern. Die Militärverwaltung hat darauf hingewiesen, daß das rauchlose Pulver eine besonders gründliche Ausbildung der Infanterie notwendig mache, und daß noch nicht darauf zu rechnen fei. daß im Lause von zwei Jahren düs Ziel erreicht werde. ES ist "selbstverständlich, daß der Fachmann hier das letzte Wort sprechen wird, immerhin geben die Darlegungen des Reichskanzlers und auch des Kriegsministers die Aussicht, daß schließlich doch einmal die zweijährige Dienstzeit kommen wird, und das wird schon im Laufe dieses Jahrzehnts der Fall sein, nachdem alle große Staaten erkannt haben werden, daß die Verstärkung der Waffenrüstung in noch erhöhtem Maße unmöglich ist, weil es an Menschen fehlt. Die jetzige Verstärkung des Friedensstandes der Reichsarmee wird vor allem durch den Hinweis auf Frankreich begründet, wo allerdings jeder junge Mann, der nicht körperlich untauglich ist, zum Soldaten ausgebildet wird, mag er nun in der Familie entbehrt werden können, oder nicht. Frankreichs Kriegsstärke über- trifft heute noch die Deutsche, aber die deutsche Ausbildung übertrifft wieder die französische. Und, was vor ollem zu beachten, noch wehr Rekruten kann die französische Regierung nicht austreiben. Die BevölkerungSzunahme ist in Frankreich anerkanntermaßen weit geringer, als in Deutschland, alle Bestimmungen, durch welche kinderreichen Familien recht bedeutende Staatsunterstützungen gewährt werden, haben diese Thalsache nicht geändert und sie kommt gerade sür die Aimeestärke sehr wuchtig in Betracht. Deutschland blickt auf Frankreich, von den dortigen
SMtntatliriit.
Novelle von R. vom Wald.
(Forffetzung.)
Wir folgten ihm. Kaum wurde der Polizei. Leutnant unserer ansichtig, so ries er: »Ah, das find ja wieder Die mit der Bohle, fort, fort I* Wir eut- seruteu uns, wiederum nach einer anderen Richtung, während der Nachtwächter, ganz verdutzt, vergebliche Versuche machte, seinem Borgesetzteu die Sache zu «klären. Nicht lauge dauerte es, so griff uns der dritte Nachtwächter auf, nnd die bereits geschilderten kzeueu wiederholten sich. Kaum war jedoch der Polizei. Leutnant zvm vierten Mal in dieser Nacht vusertwegen gestört worden, so rief er in Heller Wvt dou seinem Sessel aufspringend: »Wae, find di« verdammten Kerle mit der Bohle schon wieder da? Wächter, bringen Sie sofort die Herren ans meinem Revier hinaus, sonst hört der Radau ja doch die tanze Nacht nicht auf!' So geschah eS; vir gingen ta Bewußtsein, unfern Zweck erreicht zu haben, mit frohem Mut nach Hause. Der Polizei. Leutnant aber behandelte uns seit der Zest mit anSgesuchter Artigkeit, weuu wir, was ja öfters vorkam, wieder ritmal mit ihm zu thuu bekamen; ein Beweis, daß ihm vor einer Wiederholvng derartiger Scherze bangte.
Ncch eine Menge ähnlicher Streiche wurde» erzählt wvd verschiedene Vorschläge für den Ulk bi8 heutigen Abends gemacht, ohne daß sich etwas recht paffendes gesunde» hätte. Da hatte Knirps, der kleine Mathe, »atiker, eine» gloriose» Einfall:
,Kommilitonen', sprach er, »wie wäre eS, weuu wir einem der Nachtwächter einen recht heilsamen Schrecken eiujagtev, ich will Evch gleich erzählen, auf welche Weisel Unser guter Huber hat vom letzten Raskeuball noch eine jeuer Maske», die sich durch aiueu Drnck au eiuer Feder zu eiurr das Doppelte der gewöhnliche» Measchevlänge erreichenden Gestatt drrlävgeru lasse». Ja dieser MaSke wvß einer von einem Nachtwächter entgegentrete», »nd während
Maßnahmen wird auch sür uns die künftige Entwicklung des Militärwesens abhängen.
Neue Militärfordcrungen machen im Reichstage keiner Partei Freude, und der Reichskanzler hat in der Militär kommission sehr offen erklärt, daß er nicht daran denke, bloS um der Soldaten willen immer mehr Militär zu fordern. Dir ganzen neuen Armecforderungen hat Herr v. Caprivi bei seinem Amtsantritt fix und fertig vorgefunden, sie hatten auch bereits die Zustimmung des Fürsten Bismarck erhalten. Was jetzt gekommen ist, wäre also in jedem Fall gekommen, mochte nun Fürst Bismarck bleiben oder gehen. Es ist Thatsache, daß Deutschland unter den Mächten des Friedensbundes am meisten für seine Wehrkraft der Zahl nach gethan hat; im Verhältnis zur Größe der Staaten hat aber Italien cm meisten gethan. Ter Steuerdruck in dem schönen südlichen Lande ist ungemein schwer, und wäre nicht die Fruchtbarkeit des Landes und die Genügsamkeit des Italieners, der mehr von Mehl und Reis, als vom Fleisch lebt, so wären diese Lasten nicht zu ertragen. Für deutsche Verhältnisse wären sie einfach unmöglich. Oesterreich-Ungarn ging bisher in militärischen Fragen noch am langsamsten vor, aber auch dort wird es anders kommen. Der Kriegsmirister hat in den Delegationen zu Pest bereits mitgeteilt, daß in den nächsten Jahren hohe Neuforderungen und auch eine Erhöhung der Friedensstärke der Armee zu erwarten sei, wenngleich die finanzielle Leistungsfähigkeit nicht erlaube, in dem Umfange vorzugehcn, wie Deutschland. Daß die Finanzlage von Oesterreich- Ungarn erheblich schlechter, als die Deutschlands ist, ist ja oller Welt bekannt. Es ist für uns allerdings kein voller Trost, in den steigenden Milttärlasten Leidensgefährten zu haben, aber, wohin wir uns drehen und wenden in Europa, überall sehen wir eine Erhöhung der Wehrkraft, eine Verstärkung der Schlagfertigkeit der Armee. Alle Staaten wünschen, daß endlich einmal ein Stillstand komme, aber niemand fängt damit an, und es ist voraukzusehen, daß cs in Zukunft immer weiter geht, bis man eben nicht mehr weiter kann. Frankreich ist diesem Termin, wie oben schon angedeutet, am allernächsten, cs ist mit Sikbenmkilenstiefeln aukgeschrittcn, und zuerst am Ziele argckommen. Es wird sich auch zuerst überlegen müffen, was weiter werden soll. Keine französische Partei sagt zu neuen Militär- forderungen auch nur eine Silbe, kein Wort des Tadels ist über die mit dem Melinit verschwendeten Millionen gefallen, aber was helfen alle Millionen, wenn die Menschen zu Ende sind?
des GespräckS sich zu doppelter Höhe »»fschwellen lasten.' Jubelnder allseitiger Beifall begrüßte diesen Vorschlag; Sprnd jedoch brachte noch ein Amendement zn demselben ein. ,3m Deutschen Hanse fitzt, wie ich vorhin im Vorbeigehen gesehen, noch Schwarz, der Wucherer und Leuteschinder. Jagen wir dem ans diese Weise einen Schrecken ei», so ihn» wir ein gutes Werk; den» dieser Kerl hat schon hunderte braver Familie» elcud gemacht »nd an den Bettelstab gebracht.
Sofort brach wo» auf, um diese» Vorschlag zur Ausführung zn bringen. Joseph Huber wnrde geweckt nnd mnßte natürlich sofort mit, nachdem der kleine Frenzrl sich bet ihm kostümirt hatte. Durch einen Blick in daS .Deutsche HauS' überzeugte mau sich, daß Joseph Schwarz noch vorhanden war nud begab sich dann, da er sich schon znm Aufbruch zu rtsten schien, schleunigst nach dem JohanniSthor, welches er paffiren mnßte. Nicht lauge dauerte cS auch, fo kam er daher. Der kleiue Frenzrl hatte sich am Bach »iedergefetzt und deu feine Gestalt umhüllenden roten Mantel des Maskenkostüms, welches einen Mephisto voestellte, derartig um sich drapirt, daß er einem kleinen runden Klnwpen glich.
»Schwarz! Joseph Schwarz I' ries er mit dnwpfer Stimme.
»Wer ruft mich?' frug Schwarz etwa» beklommen, in dem schwachen Licht der vom halbbedeckteu Himmel fchiwmerudeu Sterne einige Schritte noch der Gegend zu wachend, ans welcher die Stimme erklungeu war.
»Ich werde Dich mit wir nehmen in wein Reich binnen Jahresfrist, fo Dn nicht abläflest von Deinem sträflichen Wandel, Du Peiniger der Armen! Dn Blntsangei! Zum letzteu Mal wirst Du gewarnt! Gehe in Dich und beffere Dich, sonst holt Dich der Teufel!'
Mtt dieseu Worte» spraug er avf, riesengroß ewporwochsend, nnd Schwarz, der im Bewußtsein seiner Schandthate», feig, wie alle Bösewichte, einige Schritte MÜckgrvicheu war, brüllte vor Angst und
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juni. Kaiser Wilhelm hat dem Kronprinzen Viktor Emanuel von Italien das Großkreuz des Hohenzollernschen Hausordens verliehen. König Humbert hat sür diese Auszeichnung seinem hohen Verbündeten auf telegraphischem Wege seinen Dank ausgesprochen. — Es ist jetzt endgiltig entschieden, daß die Kaiserin ihren Gemahl aus seinen Reisen nach Norwegen und England nicht begleiten wird, ebenso nicht nach Rußland wilkommen wird. Erst bei Beginn der Herbstmanröver werden die Majestäten wieder zusammen treffen. — Ueber Fürst Bismarcks Reisepläne laufen die folgenden Nachrichten um: Es sind bereits die Anordnungen für eine längere Reise der fürstlichen Familie getroffen, welche dieselbe bis zum Oktober von Friedrichsruhe fernhalten wird. Ferner soll der Fürst beabsichtigen, den Winter in Südfronkreich, entweder in Nizza oder deffcn Umgebung zu verbringen, und auf der Reise dorthin auch Paris besuchen wollen. — In der Militärkommission des RcichstageS beantragte Dr. Windthorst eine Resulution, worin die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Regierung erstens wegen der sonst unerschwinglichen Kosten von der beabsichtigte Heranziehung der Gesamtheit der Wehrfähigen zum Dienste absehen, zweitens den Ersatz des Septennats durch das Etatsjahr als Bewilligungsfrist zugeben werde und worin cs drittens heißt, das HauS wolle die Regierung um die Herabminderung der Präsenzzeit bei der aktiven Armee entweder durch Verlängerung der Rckrutenvakanz oder durch Vermehrung der Dispositionsbeurlaubungen ersuchen, viertens wird die Regierung um Erwägung der Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei den Fußtruppen ersucht. Zunächst wurde der die Formationsgrundlage enthaltende § 2 der Vorlage mit 20 gegen 8 Stimmen angenommen. Die Diskussion über den § 1 (Friedenspräsenz), wobei Dr. Windthorst sich für die Vorlage erklärte, indem er den jetzigen Augenblick nicht sür geeignet zu parlamentarischen Kraftproben halte, wurde durch Beginn der Plenarsitzung unterbrochen. — Die Verschmelzung des Oberhof- marschallamteS mit dem Ober - Zeremonien- meisteramte und die Verlegung des letzteren in das königliche Schloß dürfte, wie man aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, in nicht zu langer Zeit erfolgen. Die oberste Leitung bleibt in den Händen des Grafen A. zu Eulenburg, welchem in seiner bisherigen Stellung als Ober - Zeremonien meist er vor
lief, so rasch ihn seine Beine tragen wollten, seiner Behausung zn. Hinter ihm her aber scholl, tote Hohnlachen der Dämonen ans den Lüften klingend, das Hihi! Hoho! und Jncha! der im Thor nnd in der Nähe desselben versteckten Studenten, die alsdann, froh des Geschehenen, sich zur Rnhe begaben.
Was aber das beste an diesem wahrhaftigen Stndentenstreich ist, das ist, daß der Schreck wirklich heilsam wirkte nnd Schwarz, in seinem Aberglauben fest überzeugt, den leibhaftigen GottseibeinnS gesehen zn haben, sich fortan znm Guten wandte.
Fünftes Kapitel.
Wonnigliche Tränme nwschwebten das jungstäu- liche Lager der holde» Marie. Sie ahnte nicht, was ihr bevorstand. ' Denn wenige Tage nnr vergingen, an deren jedem ihr ein Liebeszeichen des von ihr mit der ganzen schwärmerischen Innigkeit ihres reinen Gemütes Geliebten zn Teil wurde, da wurden anch an ihr die Worte des alten Volksliedes zur Wahrheit:
.ES kam ein Reif in der Frühlingsnacht, er fiel ans die zarten Blanblümeleiu. Die Blümelein find gestorben, — verdorben —'!
Der gute Spund war eS, der ahunugSlos ihrem LiebcSfrühling ein jähes Ende bereitete. Er erzählte, als sie bei ihrer Koufine Klara war, daß Fritz von der Recke jetzt ganz in den Banden der schöne» walachischev Prinzcsfiu zn liegen scheine, daß er fast jeden Abend ,im Bären' bei Joanua nnd ihrem Bruder zubringe, und, allem Anscheine nach, bald die schöne Joauna ihm ihre Hand zum Bunde für das Leben reichen würde. Wie Dolchstöße drangen diese Worte in daS Herz des liebenden Mädchens. Nnr mit Mühe vermochte sie ihrer Bewegnng äußerlich Herr zu werden, nnd sobald eS ihr unter einem schicklichen Vorwande gelungen war, fich znrückzn- zieheu, eilte fie ans ibr Zimmer, und machte in heißen Thränenstiömen den Qualen Luft, welche ihr Inneres gereiften. Lange dauerte es, ehe sie fich durch den Schmerz zur Klarheit durchgerungen hatte. Noch konnte, noch wollte fie nicht glauben, daß Fritz ihr
zügliche Kräfte bei seiner umfangreichen und schwierigen Arbeit zur Verfügung gestanden haben, welche ihm auch fernerhin beiaffen bleiben. Es werden demnach in Zukunft Ober - Hssmarschallamt, Ober- Zeremonienmeisteramt und Heroldsamt unter einer Leitung vereinigt fein. Was nun die bisherigen Titel „Ober-Hof- und Hausmarschall' und »Ober- Zeremonienmeister betrifft, so soll die Absicht vorliegen, dem Grafen zu Eulenburg das Prädikat „Ober-Hofmeister' beizulegen, eine Würde, wie solche am Wiener Hofe besteht. — Der »Nordd. Allg. Ztg." zufolge nimmt an dem internationalen Aerztekongresse in Berlin außer einer Abordnung der französischen Militärärzte auch eine von dem französischen Unterrichtsminister entsandte Deputation, bestehend aus den hervorragenden Professoren Leon Lefort, Bouchard und Charles Richel, teil. Ersterer ist in Deutschland rühmlichst bekannt, da er wiederholt unter Bekämpfung aller Angriffe die Pflege und sorgsame Behandlung der französischen Kriegsgefangenen anerkannte, stets den medizinischen Einrichtungen und Forschritten in Deutschland warme Teilnahme zuwendete und fie in der französischen Wissenschaft vertrat. — Obwohl die Nachtragsetats auf 1890/91 noch nicht sämtlich festgestellt sind, so sind doch in den preußischen Einzel-Ressorts die Vorbereitungen für den Etat auf 1891/92 schon in vollem Gange; denn am 1. Juli ist der Termin, an welchem die Anmeldung von Mehrbedürfnifsen bei der Finanzverwaltung vorgelegt und begründet sein muß. Die „Berl. Polit. Nachr.' schreiben mit bezug darauf: Wenn bisher die Neuanfmderungen innerhalb der Staatsregierung mit solcher Strenge auf ihre Notwendigkeit geprüft wurden, daß Abstriche im Abgeordnetenhause nur ganz ausnahmsweise ein getreten sind so läge zu einem derartigen strengen Verfahren für 1891/92 noch besonderer Anlaß vor. Da der Reservefonds für außerdentliche Schuldentilgung in dem Staatsschulden-Etat seinem vollen Betrage nach für die Erhöhung der Beamten-Gehälter verwendet ist, bietet der laufende Etat nicht einmal mehr für die aus der preußischen Gesetzgebung zu gewärtigenden Mehrausgaben (Reliktenverforgung der Volksschullehrer 2C.), geschweige denn zur Deckung des Mehrbedarfs an Matrikularumlagen die Mittel. Der beträchtliche Ueberschuß des Jahres 1889/90 muß, abgesehen von den Bedenken, welche sich der Heranziehung außerordentlicher Einnahmen zur Deckung ordentlicher Ausgaben entgegenstellen, nach dem Eisenbahngarantiegesetze im vollen Betrage zur Schulden-
untreu, daß er nur ein leichtfertiges Spiel mit ihrem Herze» getrieben, obgleich einet seiner besten Freunde es ihr erzählt. Da drang am nächste» Tage schon eine Kunde an ihr Ohr, die ihr jeden Zweifel benahm: Rencka hatte in eifersüchtiger Leidenschaft Fritz von der Recke znm Duell gefordert! Wie eine eisige Rinde legte eS fich bei dieser Botschaft nm ihr warm- fühlendes Herz, und thräuenloS, wiewohl im tiefsten Innern erschüttert, schickte fie ihm den Ring zurück, mit welchem er zum Zeichen dcs Verlöbnisses ihre Hand geschmückt, ohne auch nnr ein Wort der Aufklärung hinzuzufügen. Aus welchem Grunde dies geschehe, daS, meine fie, müsse ihm doch wohl offenbar fein.
Aber wie vom Donner gerührt war Fritz von der Recke, al» er seinen Ring zurück empfing. Er wollte seinen Augen nicht trauen, er glaubte, ein böser Traum halte ihn umfangen, »ud erst allmählich dämmerte in ihm die Ueberzengung ans, daß eS Wahrheit, schmerzvolle Wirklichkeit sei. Er wat fich keiner Schuld bewußt. Wohl wat er dem Entgegenkommen der schöne» Prinzessin nicht mehr anSgewichen, wohl hatte er fich ihr in einer Weise genähert, daß e» de» Auschet» hatte, al» werbe er nm ihre Liede, aber die» Alle» war nur geschehen, weil er sah, daß sein Freund Rencka tief, nnr zu tief in die Netze bet schönen Eirene verstrickt war, unb weil ber Verdacht, den er gegen diesen bezüglich deS Geschwister- paare» geäußert, inzwischen immer neue Nahrung gewonnen hatte. Fast an jedem Abend gewann der Prinz bedeutende Summen, .welche die Kosten seines Aufwande» wohl nm das Zehnfache Übertrafen, und immer uuverhüllter spielte die schöne Joauna, wenn sie sich von Fritz unbeobachtet glaubte, die Rolle deS Lockvogels, ohne daß diese ihr den Widerwillen eiuzuflößen schien, den jede» ehrbare Mädchen in gleichem Falle empfunden haben würde. ES hatte ihn gedrängt, seinem Freunde Rencka seine Beobachtungen mitzuteilen, aber dieser war ihm i» so schroffer Weise entg egeugetreten, daß von ber Recke, tief ber
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M 137.
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Marburg,
Sonnabend, 14. Juni 1890.
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in Frankfutt a. M., Taffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXV. Jabraana.
Masse in Frankfutt e. M., Berlin, München u. Köln;®.£
Daube u- Co. in Frankfutt tu M., Berlin, Hannover, PariS-