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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Mrchhain. —
Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Jtt 135.
Erscheint täglich außer an Werktage« nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-WonnementS-Preis bei der Erpe- dition 2‘/t MI-, bet den Postämtern 2 Mk. 50 Psg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespallene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 12. Juni 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV Qafirflrtttrt Mosse in Frankfurt «. M., Berlin, München u. Köln; S. L
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Baris.
Der Reichstag
hat seine Arbeiten wieder ausgenommen; die Annahme aber, die Session werde zum 1. Juli geschlossen werden, ist allgemein aufgegeben. Auch dann, wenn das Arbeitersltutzgesetz eist im Herbst erledigt werden soll, wird es unmöglich sein, roch in diesem Monat die Beratungen zum Abschluß zu dringen. DaS Arbeitspensum des Reichstages ist bereits erweitert. Die Vorlage betr. die Erhöhung der Beamtevgehälter berücksichtigt auch die Osfiziere, and dieser Umstand wird die Debatte sehr in die Sänge ziehen. Angekündigt ist ferner noch ein Gesetzentwurf betr. den Bau von strategischen Bahnen. Such diese Forderung wird sehr eingehend geprüft werden. Die Hauptsache bleibt aber immer die Militärvorlage oder richtiger die Zukunflspläne der MUitärvcrwaltung. In der Kommission des Reichstages ist durch die Verhandlungen mit Sicherheit sestgestellt, daß für die gegenwärtig geforderte Erhöhung der Friedensstärke um 18 000 Mann eine unbedingte Mehrheit in der Volksvertretung vorhanden ist, und die Sache würde recht schnell erledigt sein, wenn es sich nur um diese Forderung handelte. Aber der Kriegsminister hat bereits deutlich verlautbaren kaffen, daß in der Zukunft noch weitere Militärvorlagen folgen werden, und es handelt sich nun darum, wie werden in Zukunft die Losten aufgebracht werden? Ziemlich allgemein wünscht man im Reichstage die Einsührung der zweijährigen Dienstzeit für die Infanterie, um durch die Ersparniffe, welche mit dem dritten Jahre gemacht werden, die Mehrausgaben der Zukunst zu decken. Tie Militärverwaltung sagt auch durchaus nicht, daß die zweijährige Dienstzeit niemals kommen soll, sie sogt nur, cs sei heute verfrüht, darüber zu verhandeln. So stehen die Dinge heute, schwierig, aber nicht allzuschwierig, denn, was besonders zu beachten ist, die Verhandlungen in der Militärkommission werden höchst sachlich und ohne alle Hitze geführt, und das ist schon viel wert. Aber aus dem Labirynth der steigenden Militärausgaben den Ausweg zu finden, geht nicht so schnell, dazu gehört Zeit. Und da nun einmal die Steigerung der Ausgaben sicher ist, so muß auch über die Deckung ein Einvernehmen hergestellt werden, denn sonst hat die ganze Bewilligung keinen Wert. Deutschland ist kein reiches Land, wie England und Frankreich, wo man um 50 Millionen Militärgelder nur wenig Worte macht, Deutschland ist ober auch nicht arm, und wenn Vorsicht geboten ist, so ist es um deswillen,
tamit unsere Finanzen nicht ruiniert, unsere Crcdit- verhältnifle nicht erschüttert werden. Das Deutsche Reich steht in Europa nächst England und dem kleinen Holland am glänzendsten fincnziell do, während Italien, Frankreich, Oesterreich-Ungarn und Rußland bekanntlich so diele Schulden wie Sand am Meer haben. Deutschland soll wehrkiästig fein, mit Recht; aber Deutschland soll auch wirtschaftlich stark fein. Beides mit einander zu vereinen, muffen Mittel und Wege gefunden werden, und es ist zu hoffen, daß man sie finden wird. Ein solches Mittel wäre es schon, wenn die Militärverwaltung annähernd einen Termin in Aussicht stellte, von dem ab die zweijährige Dienstpflicht eingeführt werden kann.
-rvtfches Reick.
®erlitt, 10. Juni. Der „Roichsanzeiger" bringt in seinem nichiawtlich>n Teile einen Artikel über die von der Regierung in der friedfertigsten Absicht eingebrackte und an der ablehnenden Haltung der Zenlrumspartci gescheiterte Spe rrge ld e rVorlage, welcher die bereits von dem Kultusminister v. Goßler bei der Beratung des Landtoges hervor- gehobenen Gesichtspunkie nochmals aussührlich hervorhebt und die Thalsache wiederholt, daß der heilige Stuhl erklärt habe, er werde gegen die Grundsätze der Vorlage weder einen Widerspruch erheben, noch Schwierigkeiten machen. Der Ariikel schließt: Die Regierung sei sich bewußt, das Gute cuf dem einzig möglichen Wege gewollt zu haben. Wenn sie an der Erreichung des Zieles verhindert worden sei, so liege die Ursache in dem Nachhalle der durch die früheren Differenzen zwischen dem Staat und der koiholischen Kirche hervorgerufenen Stimmung. Gleichwohl würde hoffentlich der Zwischenfall die friedlichen Berholtniffe keineswegs beeinträchtigen; bei ollseitigem gutem Willen sei es erreichbar, daß die auf eine Verschärfung ter Gegensätze sich richtenden Strömungen sich allmählich verlieren. — Die Kommission des Reichstages zur Vorberatung des Arbeiterschutzgesetzes genehmigte die §§ 106 und 107 unter Ablehnung der Anträge der Sozialisten in der Foffung der Regierungsvorlage und genehmigte ferner die §§ 108 bis 111 nach der Vorlage, sowie § 112 mit der Abänderung, daß bei unzulässigen Eintragungen, Vermerken oder Merk malen neue Arbeitsbücher auszustellen sind. — Die Budgetkomwission deS Herrenhauses stimmte dem Beamten-NachtragSetat zu. — Ter Reichstags- und Landtags-Abgeordrete von Wedel! Malchow ist heute aberd während der Soiröe
beim Staatsminister von Bötticher von einem Schlag anfalle getroffen worden und gestorben. Friedrich von Wedell - Malchow, geb. 23. April 1823 zu Malchow, studierte in Bonn und Berlin die Rechte und widmete sich alsdann dem Justizdienste. Im Jahre 1848 übernahm er die Bewirtschaftung seiner Güter Malchow und Polzow und trat aus der juristischen Lausbahn aus. Dem preußischen Abgeordnetenhause gehörte er seit 1866 ununterbrochen, dem deutschen Reichstage von 1871—75 und aufs neue seit 1877 an, wo er innerhalb der konservativen Fraktion einen hervorragenden Platz einnchm. Mit seinem Tode gelangt das Mandat sür den 4. Wahlkreis des Regierungsbezirks Potsdam in Erledigung. — Der frühere Abgeordnete Theodor Schröder (Lippstadt) ist Sonntag vormittag einem längeren Nierenleiden erlegen. Der Verstorbene gehörte dem Zentrum an. Er nahm an den Kulturkampsverhandlungen regen Anteil und trat später in sehr erfolgreicher Weise für die Wirtschvfts- und Sozialpolitik des Fürsten Bismarck und gegen die Gegner derselben auf den Plan. Bor anderthalb Jahren ließ er sich in Berlin als Rechtsanwalt beim Kommergcricht nieder. — Eingegangen ist beim Reichstage eine Vorlage, betreffend die Erricktung eines Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I.— Wie von Seiten der Bolkspartei Stimmung gegen die Militärvorlage gemacht wird, ergiebt sich aus folgender im »Stuttgarter Beobachter" veröffentlichten Kundgebung des Landesausschuffes der VolkSpartei in Württemberg: »An die Parteigenossen. Die von Parteimitgliedern und Bolksvereinen veranlaßten Petitionen gegen die Militärvorlage und die zweijährige Dienstzeit sind behufs gemeinsamer Uebermittelurg an den Reichstag dem Vorstand des Bezirksvereins Balingen, Herrn Robert Göbel in Elbingen, einzusenden. Angesicht- der allerjüngsten Forderungen von neuen Millionen zur Erhöhung der Osfizierkgehälter und der für Herbst angekündigten enormen Militärsteigerungen wird sich die Partei offiziell mit der Frage bcfassen, auf welchem Wege der Stimmung deS Volkes allseitig Ausdruck zu verleihen ist."
— Es ist von großer Wichtigkeit, einiges Nähere über die finanzielle Seite der neuen Militärvorlage, nämlich über die Art der Beschaffung der Mittel dasür zu erfahren. Die bereits mitgeteilten Angaben des ReichsschotzsekretärS in der Militärkommis- sion werden durch die nachstehenden genaueren Aus- sührungen in wesentlichen Punkren ergänzt. Schatz- jetieiär Frhr. v. Maltzahn erklärte, daß die im
Bundesrat vorbereitete neue Vorlage für strategische Eisenbahnen eine Anleihe von etwa 20 Millionen Mark nötig machen werde; der Rcichszuschuß für die Jnvaliditätsversicherung werde im ersten Jahre 7 Millionen,, im zweiten 9, im dritten bis 13 Millionen betragen und sich dann weiter steigern; die Zinsen für die neue Anleihe, die Kosten der zur Beratung stehenden Militärvorlage, die beabsichtigten GehaltSverbefferungem einschließlich derjenigen für die Offiziere und die Kosten für Ostafrika würden, abgesehen von den unbenannten Ziffern der Heerespläne, sür die Zukunft es nötig machen, nach einigen Jahren wenigstens 60 Millionen Mark Deckungswittel mehr für Ausgaben zu beschaffen, als der gegenwärtige Etat erfordert. Auf die Dauer sei eS unmöglich, derartig gestiegene Ausgaben zu decken, ohne die Quellen des Einkommens für das Reich und die Einzelstaaten zu steigern. Daraus folgt zunächst, daß man sich allen Anträgen auf Verminderung der Reichseinnahmen, insbesondere auf Herabsetzung der Kornzölle und Verminderung der Einnahmen bei der Zuckersteuer widersetzen müffe. Woher aber die weitere Deckung nehmen? Er müsse bestreiten, daß für Ausgaben, die man für gerechtfertigt erachte, eine Mehrbelastung nicht mehr zulässig sei. DieS ergebe sich aus einer Vergleichung der Belastung der deutschen Steuerzahler gegenüber der der Nachbarstaaten. Ueber neue Steuerquellen könne er gegenwärtig, im Juni, noch keine Auskunft geben. Die Höhe der erforderlichen Summe weise gleichzeitig auf eine Vermehrung der Einnahmen im Reiche und in den Einzelstaaten hin. Eine Reichseinkommensteuer sei schwer durch- sührbar. Näher liege es, eine Eröhung der Einkommensteuern in den Einzelstaaten vorzunehmen, wie solche in Preußen geplant werde. Steuervorlagen auf Vorrat könne er sitzt nicht machen, aber an Vorarbeiten werde es nicht fehlen, und die nächste Session werde hinreichend mit Steuervorlagen beschäftigt werden, denn das Geld wachse nicht aus dem Boden. Haben die Herren Abgeordneten die Ucberzeuguttg gewonnen, daß die jetzige Militärvorlage nötig sei, dann werden sie auch für die Deckung sorgen müssen. Er sei sehr dankbar, wenn man ihn auf Artikel, wie Streichhölzer und Quittungen, die eine Steuer vertragen könnten, aufmerksam mache. Was die Anleiheverhältnisse des Reiches betreffe, so habe die vor einigen Tagen stattgehabte Konferenz des Bankpräsidenten sich mit der Lösung des bisherigen Konsortialverhältniffes befaßt. Er habe allerdings den Markt aufnahme-
Mein Hessenland *)♦
»Ich kenne ein Land, so reich nnd so schön, «oll golbner Aehreu die Felder;
Dort grünen vom Thal bis zn sonnigen Höh'« Dufthauchende dunkele Wälder.
Dort hab' ich als Kind an der Mutter Hand 3u Blüten und Blumen gesessen;
Erüß Gott dich, tu Heimat, du herrliches Land, Herz Deutschland, mein blühendes Hessenl «om Main bis zur Weser, zur Werra und Lahn, 6in Land voll duftender Matten, Dort glänzen die Städte im lenzigen Plan, Heimstätte der tapferen flotten.
Dort stand weine Wiege am Fuldastraud, Dort hab' ich die Welt oft v-rgeflen, Wenn hoch auf der Berge serusteigeudem Rand 3ch trnnlenen Blickes gesessen.
Den Burgen und Schlössern im Wald meinen Gruß, Den Höhen im Frührotsftrahle, Den Flüssen, umspielend der Berge Fuß, Den Städten und Flecken im Thalel «rüß Gott, wo ich einst an der Mutter Hand 3u Blüten und Blumen gesessen:
«rüß Gott dich, du Heimat, du herrliches Land, herz Deutschland, mein blühendes Hessen!'
*) Aus Carl Preser'S Gedichten, Verlag von Ernst Hühn in Cassel.
SrflLr«tr«lirl»e.
Novelle von R. vom Wald
(Fortsetzung.)
,WaS will man dagegen lhnn? Nur nm eins bitte W, daß Sie nicht zu lange anSdehucn diese Zettl' .Soweit es von mir abhSugt, werde ich mich be-
*ühru, Ihre Befehle prompte ft zu erfüllen.'
.Und von der andern Seite wird man Ihnen bei
stehen, prophezeihe ich IhnenI" Damit verließ sie ihn, um sich wieder dem Spiel zuzuwenden. Unmittelbar nachdem dies geschehen, stand Rencka neben ihm.
.Du haft Dich ja recht intim mit der schönen Prinzessin unterhalten', sprach dieser zu ihm.
»Warum nickt? Sie hat in ihrer Unterhaltung beinahe soviel Bcstechendes, wie in ihrer äußeren Erscheinung."
„Nicht wahr?" verfitzte Rercka eifrig. „O, es ist ein Göiterwrib! Jede Bewegung voll Grazie, jedcs Wort voll mühsam zmückgehaltener Leidenschaft und doch nie die Grenze des ewig Weiblichen vergessend. Wahrhaftig, ich weiß keinen anderen Ausdruck, als den vorhin gebrauchten: Ein Eötterweibl"
„Nimm Dich nur in Schi, daß sie Dir nicht zu gefährlich nird. Sie sieht mir ganz so ans, als ge. hörte sie zu Jenen, welche in wollüstiger Grausau keit kein größeres Vergnügen kennen, als Männer zu quälen und unglücklich zu machen."
„Und woraus willst Du das schlichen? Sie ist so jung und unerfahren!"
„Diese wollüstige Grausamkeit ist manchen Weibern angeboren wie den Kotzen, und wehe dem, der solchen Frauen fein Hetz weiht!"
„Solltest Du eifersüchtig fein", frag Rencka mit plötzlich erwachtem Mißtrauen, „und wich von ihr abzuschreckeu suchen? Freilich hättest Du mehr Eharceu, Tu bist reich und aus altadligew Hanse! Aber ich träume ja auch nicht davon, daß die Prinzessin wir auf unser altes sieber bürgisches Herrenhaus folgen könnte; doch ich bin wie berauscht in ihrer Nähe, ich träume — o, störe ihn nicht, diesen schönen Traum, ich werde früh genug auS ihm erwachen!'
»Wollte Gott, ich könnte Dir dazu verhelfen, daß Dein Traum zur Wahrheit würde, von Herzen gern wollt ich eS thnu, so wahr ich Dein Freund bin! Aber eben veil ich dies bin, und weil ich die FriundrS pflicht ernst auffasse, warne ich Dich. Mir gefällt der Eifer nicht, mit welche» die Prinzessin sich am
Spiel beteiligt; mir gefällt die Gier nicht, mit welcher Prinz BoreSkn feinen Gewinn einstreicht.'
»Glaubst Du, er fei geldgierig? Hast Du vergessen, wie er hier mit vollen Händen fein Geld ausstreute?'
,DaS beweist nichts! Aber genieße Du vorläufig noch Dein Glück, ich werde über Euch wachen. Nur spiele nicht zu toll, laß eS, für heute wenigstens, ganz sein!'
Bald darauf trennten sich die beiden Freunde von dem gastfreundlichen Wirt und begaben fich nach Haus.
Viertes Kapitel.
Einige Wochen vergingen, in denen die beiden Studenten Abends weist Gäste deS Fürsten waren. Herr von der Rccke beuvtzte diese Zeit, um den Prinzen zu beobachten, und eS stieg ein seltsamer Verdacht in ihm auf. Er sah, daß der Prinz fast an jedem Abend beträchtliche Geldsummen gewann, und daS wunderbare Glück des Rumänen erregte fein Staunen in hohem Grade. Er konnte fich znlctzt deS Gedankens nicht emschlagen, daß dies nicht mit rechten Dingen zuginge. Aber andererseits: Siu Fürst Boresku und ein Hochstapler? Das erschien ja ganz undenkbar I So genau er auch beobachtete, er konnte nur entdecken, daß der Prinz mit außerordentlicher Geschicklichkeit die Karten handhabte, aber kein Zeichen eint8 falschen Spieles wurde offenbar. Avffolleuder war das Be. nehmen JoanuaS. Sie fitzte fich stets in die Nähe derjenigen Herren, welche am Spiel nicht teilnahmen, und wußte dieselben durch die ihr eigene Gabe sprühen- der und witziger Unterhaltung, sowie durch den Genuß der von ihr kredenzten Weine dahin zu bringen, daß sie die von ihnen anfänglich geübte Zurückhaltung onfgabtn und bald zu den eifrigsten Spielern zählten. Nur bei von der Recke selbst wollte ihr dos nicht gelingen. Aber fie ließ ihn ihren Mißerfolg in keiner Weise empfinden; im Gegenteil, fast schien eS, als freue fie fich desselben und suche durch verdoppelte Liebenswürdigkeit den weniger günstigen Eindruck zu verwischen, den, wie fie mit feinem weiblichen Instinkt wohl bemerkt hatte, ihr Spieleifer aus ihn hervor-
brachte. Er hätte kein junger Mann sein müffen, um dies nicht zu bemerken, aber statt daß es ihn mit der freudigen Seligkeit erfüllte, mit welcher Rencka eine derartige Behandlung begrüßt haben würde, fühlte er sich peinlich berührt durch das unverkennbare Entgegenkommen der jungen Dame, welches mit den ihm anerzogenen Begriffen von Schicklichkeit nicht recht in Einklang zu bringen war. Auch Andere und in erster Linie Rencka bemerkten das eigeuthümliche Verhältnis zwischen den Beiden, und letzterer fühlte fich bald von den Qualen glühender Eifersucht gepeinigt. ES dauerte nicht lange, bis dieselbe zum Ausbruch kommen sollte.
In tiefes Sinnen verloren, wie wohl diese Angelegenheit glücklich zn Ende zu 'bringen fei, saß von der Recke eines Nachmittags auf seinem Zimmer, als plötzlich kräftige Tritte aus der Treppe hörbar mürben und Frepud Spund in das Zimmer trat
»Was, altes Haus, fitzest da und fängst Grillen*, rief er lustig ans, »statt bei diesem schönen Wetter Natur zu kneipen. Nun, Gott sei Dank, iS bin in der Lage, Dir zu helfen. Sollst mtt 'rauskommen, eine Partie mitmachen! Mein BÄchen Klara und ihre Freundin Marie Rosenau find auch dabei. Hast Du Lust? Gebüffelt hast Du doch in letzter Zett genug, man bekam Dich ja kaum einmal an unseren Kneipabenden zu sehen.'
»Gewiß komme ich mit!' rief von der Recke er- freut, »und wohin soll eS denn gehen?'
»Nach Cospeda. Wir gehen unfern gewohnten Weg. Die Chauffee hinaus und bann rechts ab, ben Rückweg nehmen wir über die Berge. Schön, daß Du mithältst; ich will um noch ein paar Kommilitonen animieren und Du sollst sehen, wir machen eine famose Spritzfahrt Also auf Wiedersehen heut nachmittag um 4 Uhr am JohauuiSthor!'
ES war eine recht fröhliche kleine Gesellschaft die fich Nack mittags zum JohanuiSthor hinaus bewegte. Au der Spitze ging Klaras Mutter, in ihrer Figur genau das Gegenteil der Tochter. Eher einet