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. j r'x'.rx in Frankfurt a. M., Taste!, Magdeburg u Wien; Rudolf XXV. ^-abraana.

Mittwock 1L ^lini 1890. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L

«UHUWVUJ, ±1. x)wul 1OCFV. u. t0.inFrankfurt a. M.. Berlin, Hannover, Paris.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Li» Stück Nachspiel ptm Kulturkampf ist im preußischen Abgeordnetenhause soeben zu Ende gekommen. Die kirchlichen Maigefitze sind bekannter­maßen infolge der veränderten Verhältnisse zum großen Teil entweder bereiis aufgehoben oder dermaßen durchlöchert, daß so ziemlich alle Wünsche der katholischen Kirche haben erfüllt werden können Die preußische Regierung wollte nun auch das schon seit Jahr und Tag nicht mehr zur Anwendung ge­langte sogenannte Sperrgesetz aus der Welt schaffen. In den Zeiten, als die Wogen des Kulturkampfes am höchsten gingen, war unter dem Ministerium Falk das Sperrgesttz angenommen worden. Sein Prinzip war, solchen katholischen Geistlichen und Bistümern, die, resp. in welchen die Anerkennung der staatlichen Maigesetze verweigert ward. d-e Zu Wendungen aus Staatsmitteln zu sperren. That sächlich wurden also diese Gehälter und sonstigen Bezüge beschlagnahmt. Heute nun ist das Sperr­gesetz ein wertloses Blatt Papier, an das Niemand mehr denkt; aber der Sperrgelderfonds ist noch da, dos heißt, die auf Grund des Sperrgesetzes kon­fiszierten Gelder. Die Summe ist eine sehr stattliche, nach Millionen zählende, und über die Verwendung derselben sollte nun durch die neue Sperrgelder­vorlage Verfügung getroffen werden. Dre preußische Regierung wollte den einzelnen katholischen Bis­tümern zwar nicht das im Laufe der Jahre ange­sammelte Kapital baar zurückzahlen, wohl aber ihnen eine jährliche Rebte von 3/i Prozent dieses Kapitals überweisen. Bei den Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause über diesen Gesetzentwurf, die zeitweise einen außerordentlich heftigen Charakter annahmen, machten sich nun drei Strömungen geltend: Zuerst betonte die Zentrumspartei, daß das Sperrgesetz überhaupt eine Ungerechtigkeit ge­wesen sei; die Gehälter sperre sei ohne Recht erfolgt und zum mindesten müffe der katholischen Kirche daS im Laufe der Jahre argesammelte Kapital frei und ohne irgend welche einschränkenden Bedingungen zurückgegeben werden. Bei Konservativen und Nationalliberalen trat die folgende Auffassung hervor: Durch das Sperrgesetz, das volle rechtliche Krall habe, seien die Gehälter beschlagnahmt und jedweder Rechtsanspruch darauf für die katholische Kirche ver­loren gegangen. Wenn die preußische Regierung nun aus Billigkeitsgründen eine Rente von 3*4 Proz. biete, so sei das das Höchste, was gewährt werden könne. Wolle aber das Zentrum dies Entgegen­kommen nicht annehmen, dann hätten auch die

SludrrUrrrttrbe.

Novelle von R- v o m W a l d.

(Fortsetzung.)

Am meisten schien ihr die hünenhafte Gestalt deS jungen Westfalen zv gefalle», vielleicht gerade deshalb, veil er mit seinem echt gerwanischeo Typus einen so frappanten Kontrast zu ihr selbst bildete. Sie gab stch ersichtlich Mühe, ihn in die Umerhaltnug, deren Thema des Leben der vornehmen Welt in Parts blldete, hineinzuztehen, während er fie mehr mit den Ange» eines Mannes betrachtete, der einen reinen Genuß in der Betrachtnng eines schönen Kunstwerke? findet, 018 mit denen eines Liebhabers, dem nur der Besitz Befriedigung gewährt. Dagegen schienRencka, der Stebenbürge, ganz geblendet von dem faiciviren- den Anblick, dem Schmetterling zn vergleichen, welcher »U magnetischer Gewalt von der Flamme anaezogen, in immer engeren und engeren Kreisen dieselbe um­flattert, .bis er endlich fie erreicht und in ihr seinen Untergang findet. Er benutzte jede Grlegeuheit, sich der jungen Prinzessin zn nähern, und schien glücklich, Venn der Blick ihrer schönen Augeneinen Moment länger auf ihm rnhte, als auf den Andere». Mit dollen Zügen trank er daS süße Gift der Liebe. Lergeffea war die holde Marie Rosenau, der er früher sei» Herz geweiht. Wie konnte sich auch die nordische RosrnknoSpe vergleichen mit der in voller Pracht er. blühten Blume des Südens! Und doch, wer sich nicht blenden ließ durch äußere Reize allein, hätte der «stere» entschiede» ben Vorzug gegeben. Marie fritte ein tiefes Gemüt von echt deutscher Innigkeit, während die Bojarentochter nur dem Genuß leben, von Zerstreuung zu Zerstreuung jagen zn wollen schien. Marie wäre zufrieden gewesen, wenn ihr, Vie eS in einem schönen Liede heißt »eine Hütte und sein Herz" za Teil geworden wäre, selbßverständlich ohne daß fie eS Übel genommen hätte, wenn diese Hütte recht groß, so mehr Villa und mit Plüsch, vöbrln auSglstattet gewesen wäre. Joanna dagegen

übrigen Parteien keinen Anlaß, bei ihrer Zustim­mung zu verharren Endlich betonten die Frei­sinnigen, daß cs wünschenswert sei, die Sperrgelder­angelegenheit aus der Welt zu bringen, gleichviel ob lie Zentrumspartei der bezüglichen Vorlage zustimme oder nicht. Bei diesen Ansichten sind alle beteiligten Parteien stehen geblieben, und so ist denn gar nichts zu Stande gekommen, der Gesetzentwurf ist abge­lehnt, der Vermittlungsversuch der Regierung ins Waffer gefallen. In den Debatten ist, wie schon gesagt, der Kulturkampf oft in recht scharfer Weise gestreift worden. Aber eS wird doch Niemandem, weder auf dieser, noch auf jener Seite, gelingen, den alten Zwist wieder lebendig zu machen. Die Bevölkerung will von kirchlichen Streitigkeiten absolut nichts wissen, noch viel weniger, als von politischen. Unter solchen Umständen ist der Mißton, mit welchem die Beratung ter Sperrgeldervorlage in der zweiten preußischen Kammer endete, nicht allzu tragisch zu nehmen. Freuen wird sich über das Mißlingen des Bersöhnungsversuches Niemand, und man wird sich bis zum Winter, zur neuen Parlamentssefsion, der Erkenntnis schon erschlößen, daß man mit dem Ver­tragen am weitesten kommt. Gegenwärtig hatte man sich auf die Ansichten über die ©perrgelber- Vorlage gewissermaßeneingeschworen-; später wird man ruhigeren Auffassungen zugänglich werden, und dann auch eine Einigung erfolgen. Die christliche Kirche ist der Friede; die beiden Konfessionen haben also wahrhaftig keinen Anlaß zu einem Spczialkriege unter sich, am wenigsten heute.

ßemlches Leich.

Berlin, 9. Juri. Der Kronprinz von Italien passierte gestern früh 7*/i Uhr den Zentralbahnhof. Der italienische Botschafter, die Mitglieder der Bot schäft und der Stadtkommandant waren anwesend. DieN. A. Ztg.- widmet dem krorprinzlichenGast eine warmempfundene Begrüßung und schreibt u. a. Bewegt sich heute die Begrüßung des erlauchten Gastes nur in engerem Rahn en, als bei Gelegenheit des vorjährigen Empfanges, so sind doch die Em pfindungen, welche die Herzen bewegen, und die Gefühle der Freude über diesen Besuch dieselben, wie in der Vergangenheit. Denn in der frohen Erkenntnis von der schützenden und sriedenerhalten- den Macht der alliierten Staaten findet diese Be­gegnung die Teilnahme aller Gesellschaftsklaffen und aller Schichten der Bevölkerung in beiden Ländern, wird sie zu einer neuen und feierlichen Friedens kundgebung, an welcher die Gewohnheit des Friedens

bedurfte der Genüsse des Lebens, tote die Pflanze der Sonnenstrahlen. Heute, von einem Kreise von Be. wnuderern umgeben, schien fir sich außerordentlich wohl zu fühle». Häufiger noch als sonst erschien das verführerische Lächeln auf ihren Sippen. In verhältnismäßig kurzen Pansen führte die kleine Hand, deren Finger von blitzende» Ringe» strahlte», daS hohe Kelchglas mit dem perlenden Sekt an die Lippen. Vielleicht auch that fie es nur, um in halb unbewußter Krk tterie die klassischen Formen ihres Armes bewundern zu lcsse», von dem bei derartigen Bewegungen der weite Aeimel zurückfiel, sodaß die herrliche Rundung desselben fast gänzlich unverhüllt war. Dabei verlieh ihr lebh'fteS Mienenspiel ihren Zügen immer höhere Reize, besonders wenn bei der lebhaften Unterhaltung eine Bluitoelle, ihr in daS Antlitz steigend, den etwas dunklen aber wunderbar zarten Teint durchschimmerte. Kein schöneres Modell für eine Bachanti» konnte eS gebe», daS gestand sich selbst Fritz o. d. Recke, der kühle Norddeutsche, und unwillkürlich trat er ihr einen Schritt näher, als fie j tzt im scherzenden Ton die Frage au ihn richtete, ob eS denn wahr sei, daß es tu .seiner Heimat, tu Westfale», noch wilde Bären »ud Auerochse» gebe? Ec konnte fich dem Reiz der von ihr geistvoll ge­führten Unterhaltung nicht entziehen, wiewohl die junge Fürstin bei dieser eine Unwissenheit in geo­graphischen und historischen Kenntuifleu verriet, welche sich eben wieder nur mit ben fremdartigen exotischen Verhältnissen entschnldtgen ließ, unter welchen jste ausgewachsen war. Eo frug sie, als fie gehört hatte, daß zum vollen Wichs der Studenten auch Kanonen gehörten, bekanntlich die Bezeichnung für die hohen Stiefel der Studer>teu, warum die Herren, wenn bei ihren Festen durchaus geschossen werden wüßte, fich nicht lieber die Kanonen nachfahren ließen, und ob das denn nicht gefährlich sei?

.So gefährlich ist kein Kanonenschuß, als ein Blick ans schönen Mädchenaugen*, erwiderte Rencka mit etwas unbeholfener Galanterie.

mehr und mehr erstarkt. So ist denn der gegen­wärtige Aufenthalt des erlauchten Sprosien des Hauses Savoyen in unserer Mitte eine vermehrte Bürgschaft für die Befestigung und Erstarkung des im Hinblick auf die Gemeinschaft großer vitaler In­teressen geknüpften Bandes." Der Bundesrat be­schloß, daS Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms auf dem Platze der bisherigen Schloßfrciheit in Gestalt eines Riiterstandbildes zu errichten und über den Denkmalsentwurf einen engeren Wettbewerb auszu- chreiben. Ferner stimmte der Bundesrat der Ab­schließung eines Vertrages über bett internationalen Eisenbahnfrachtverkehr auf Grund der Entwürfe der Berner Konferenz, jedoch vorbehaltlich der Ratifi kation, zu. DerReichsanzeiger" meldet: Das Staatsministerium beschloß, den zu KapitulatVikaren gewählten Domherren Kraus und Likows'i die Aus­übung der bischöflichen Rechte und Verrichtungen ohne die vorgeschriebene eidliche Verpflichtung zu gestatten. Die Arbeiterschutzkommissisn des Reichs­tages beendete die erste Beratung über die Sonn- tagsarbeit. Paragraph 106g betreffend die Aus­dehnung des Verbots der Sonntagsarbeit aufgrund kaiserlicher Verordnung wurde gegen den Widerspruch des Ministers Berlepsch mit einem Zusatz - Antrag Bebels angenommen, daß solche kaiserliche Verord­nungen dem nächsten Reichstage zur Kenntnisnahme mitzutellen seien. Paragraph 105h, Absatz 2, wurde mit derMaßgabe angenommen, daß dasHimmelfahrtsfest den übrigen großen Festtagen gleichzustellen sei. Vier Anarchisten sind, wie wir jetzt nachträglich er­fahren, vor einigen Wochen hier wegen anarchistischer Umtriebe verhaftet worden, und es ist bereits die Anklage gegen sie erhoben. Wie der hiesigen Polizei längst bekannt ist, besteht eine Organisation, welche sich als eine anarchistiche bezeichnet, regelmäßig anarchistische Blätter verbreitet und gelegentlich einmal aus sicherem Hinterhalte andere zu Blutthaten auf fordert, hier im vierten Reichstagswahlkreise seit der Reichstagswahl von 1887. Die Betreffenden waren mit der Wiederwahl des als gemäßigt geltenden sozialistische»' Abg. Singer nicht einverstanden und gründeten damals eine anarchistische Sektion. Die Sozialdem *ratie befehden sie eben so heftig wie den Staat. Uebrigens sind viele von diesen Menschen auch kriminell nichts weniger als intakte Personen. Der am meisten Belastete unter den vier Angeklagten ist ein etwa 40jähriger, stark verwachsener Maler Behn. Die Anklage gründet sich auf eine ganze Reihe von Paragraphen des Strafgesetzbuches und des Sozialistengesetzes. Die bet den Verhafteten

«Schießen lassen muß der Student die Stiefel» auch manchmal", bemerkte v. d. Recke, nachdem er ihr die nötigen Erklärungen gegeben hatte, .nämlich wenn er kein MooS mehr hat."

«Wozu braucht denn der Student Moos?" .Moos heißt im studentischen Jargon soviel alS Geld!"

.Aha, dann ist wohl ein bemoostes Haupt derjenige, welcher recht viel Geld hat?"

.Leider ist häufig das Gegenteil der Fall", seufzte Rencka mit so komischen Miene», daß die Privzesst» in ein heiteres Lachen auSbrach. .Ein bemoostes Haupt ist ein recht alter Student."

.So, so! Da gehts ja den Studenten tote ben Karpfen, bei benen auch bie bemoosten Häupter bie ältesten find."

.Mag sein, daß diefis Bild an8 dem Fischteich genommen ist. Die Studenten können fich trösten mit den jungen Damen, die ja auch tu der Z itz welche man bet den männlichen Individuen als Flegeljahre bezeichnet, den wenig poetischen Namen Backfisch tragen."

.(Siebt es hier auch hübsche .Backfisch-.?' frug die Prinzessin neugierig.

.Durchlaucht können fie sehen, wenn Sie einmal Sonntag Nachmittag nach Burgau einen Ausflug unternehmen."

,O, das will ich fugen meinem Bruder! Aber warum warten bis Sonntag! Wir können machen die Partie schon morgen!"

.Das trifft fich köstlich!' rief Rencka lebhaft. .Wir muffen morgen auch nach Burgau, um eine Wette zwischen zwei Kommilitonen zur Entscheidung zu bringen."

ES wurde dann beschloffen, schon am nächsten Mittag die Partie zu unternehmen und fich in Burgau Rendezvous zu geben.

Drittes Kapitel.

üm nächsten Mittag ein Uhr waren unsere Be­kannten am Lobder-Thor versammelt. Die grennbt

Vorgefundenen Korrespondenzen sollen übrigens noch weitere Verbindungen mit ausländischen Anarchisten aufgedeckt habe».

Potsdam, 9. Juni. Der Kronprinz von Italien traf 8 Uhr 5 Min. auf dem festlich ge- chmückten Bahnhose ein, wo eine Ehrenwache von den Gardejägern aufgestellt war. Der Kaiser in Gardeulanenuniform küßte den Kronprinzen mehr­mals, hierauf folgte die herzliche Begrüßung durch die anwesenden Prinzen, Parademarsch, sodann Vorstellung deS gegenseitigen Gefolges und der Spitzen der Behörden. In vierspännigem Gala­wagen fuhr der Kaiser mit dem Kronprinzen nach dem Stadlschloß, wo nach dem Parademarsch der Ehrenwache der Kronprinz in seine Gemächer ge­leitet wurde. Nach kurzer Rast fuhren der Kaiser und der Kronprinz nach dem neuen Palais, um die Kaiserin zu begrüßen. Nach Einnahme des Früh­stücks stiegen Kaiser und Kronprinz zu Pferde und ritten nach dem Bornstädter Feld zur Besichtigung der Kavallerie.

Görlitz, 8. Juni. (Fugendspiele. Kursus.) Die von dem Kultusminister v. Goßler jetzt für Görlitz eingerichteten Kurse für auswärtige Lehrer zur Ein­führung in die Technik der Jugendfpiele erfreuen sich eines überaus lebhaften Zuspruches. Der erste Kursus mit 35 Lehrern, die aus allen Teilen Deutschlands erscheinen werden, nimmt heute seinen Anfang. Weitere Kurse werden int Laufe dieses Sommers unter der Leitung des Gymnasialdirektors Dr. Eitner hier folgen. Auch das Ausland hat bereits eine Anzahl Lehrer angemeldet, die gerne zugelaffen werden sollen. Dies Jntereffe ist im hohen Grade erfreulich, da hiermit Veranlaffung zu einer weitergehenden körperlichen Ausbildung unserer Jugend gegeben und der vorhandenen Früh­reife in wirksamer Weise entgegengearbeitet wird.

Dortmund, 8. Juni. Der gestern und heute hier abgehaltene 14. westfälische Städtetag beschäf­tigte sich zunächst mit Dotation der Lehrer an den Volksschulen; es sollen bekanntlich nur Lehrer an Schulen in Städten unter 10 000 Einwohner die Allerszulagen erhalten, nicht aber auch solche in größeren Städten. In Westfalen giebt es aber eine Reihe kleiner Städte, die ihre Lehrer höher besolden, als es in manchen größeren Städten ge­schieht. Herr Gewerbeschuldirekior Dr. Holzmüller ouS Hagen hielt sodann einen Vortrag über höhere Bürgerschulen und gewerbliche Fachschulen. Redner hält die höhere Bürgerschule mit festem Lehrplan (sechsklasfige), als die beste Schule für den Mittel-

rteten dem kleinen Mathematiker Frenzel, in Hinblick ans dir AnSfichtslosigkeit einer Konkurrenz mit dem langbeinigen Sterkowttsch, doch lieber von vornherein fein Fäßchen Bier zu bezahle»; er aber versicherte pathetisch, fich anf fein Ptedeftal sicher verlassen zu können, und so gingen Beide ab. Der lange Sterko- witsch war natürlich bald weit voraus; wie wunderte er fich aber, als er, »ach Jena zurückkehrend, den kleinen Frenzel schon auf dem zweite» Gauge unterwegs fand I Er wollte nicht glauben, daß jener bis in Burgau gewesen sei; als er aber wieder dort angekommen war, verficherte ihn von der Recke, der dort als Zeuge aufgestellt war, daß der Kleine in der That vage- wesen sei. Zum zweiten, zum dritten Male wieder­holte fich derselbe ihm unerklärliche Vorfall, und eine Ahnung deS wahren Sachverhalts stieg erst in ihm auf, als er immer wieder demselben Wagen begegnete. Der kleine Knirps hatte nämlich, genau dem Wort, laut der Wette entsprechend, den Weg von Jena nach Burgau stets zu Fuß zurückgelegt, de» Rückweg da­gegen im geschlofseue» Wagen. AIS Sterkowttsch sah, wie er überlistet worden war, war eS bereits zu spät» daS gleiche Mittel anzusenden; eS blieb ihm nichts weiter übrig, als gute Mi-ne zum bösen Spiel zu machen, und fich für besiegt zu erklären. Er sollte inbeffen noch eine Genngthuung insofern haben, als der Präfide Spund, der natürlich als Unparteiischer fnngirte, auch den kleinen MaihematikaS zur Strafe für die Anwendung einer derartigen List verurteilte, gleichfalls ein Fäßchen zu panieren, das an einem der nächsten Kneipabende geleert werde» sollte. Set der schönen Wirtin wurde daS Bier entnommen. Man ließ eS »ach der nahegelegenen Ruine der Lobda- bnrg biuanf bringen, wo man ben Fürsten und feine Schwester bereits 'ntraf. Köstlich amüfirte» sich diese über das lustige Treiben der Studenten. Die unter- gehende Sonne vergoldete mit ihren Strahlen die altersgrauen Bnrgtrfimmer, zu denen die jugendlichen Studenten mit ihren farbigen Bändern und bauten Mützen, mit ben von Jugendlnst blitzenden Augen