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M 133.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Sxpe- dition 2*/t Mk., bet den Postämtern 2 M. SO Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaüene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 10. Juni 1890

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bögler ___

in Frankfurt a. M., Caflel, Magdeburg u. Wien ; Rudolf XXV. Jahraana. Mvffe in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln: B- L- M *') u o

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Ium. Gegenüber der von einem hiesigen Korrespondenzbureau der breiteten falschen stachricht, der Kaiser habe seine Reise nach Christiania wsgegeben, sind wir in der Sage, sestzustellev, daß w Gegenteil der Kaiser vor wenigen Togen mit dem Chef des Marinckabinetts die letzten Rcisean- «rdnungen getroffen habe und zu dem festgesetzten kerwirie abreisen werde. Tas Befinden des Erb- piwzen von Meiningen ist bedeutend bester. Die ,Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die von vielen Blät­tern gebrachte Meldung, daß beabsichtigt sei, von tzravenrcuth als Gouverneur nach Kamerun zu vcr setzen, für vollständig aus der Lust gegriffen, niet: als sei davon die Rede gewesen. Dem »Berliner Togebl.' und derBost. Ztg." zufolge hat der Luudesrat die Vorlage über die Erhöhung der Be mlen- und Osfiziersgehälter mit Einstimmigkeit an- gtnommt«. Dieselbe verlangt Netto 19 929 082 Mk. Diese Summe fitzt sich rechnerisch also zusammen: 1. Zu Diensteinkommens Verbesserungen für O'fiziere (bi5 zum Major einschließlich) und Aerzie des Reichs Heeres a) Preußen 3 501540, b) Sachsen 299 910, C) Württemberg 184 890, im ganzen 3 986 340 Mk. 2. Zu Diensteinkommensverbefferungen für O fizllre md Aerzte der kaiserlichen Marine 189 140 Mk. 3. Zu Diensteinkommcnsverbesterungen für etats mäßige Beamte 11 921 263 Dk. 4. Zu Dienst- niikcmmensVerbesserungen für diätarisch beschäftigte Leamte und Unter Beamte 2 536 657 Mk. 5. Stellen zulagen 540 000 Mk. 6. An Bayern zur Aus johlung 750 682 Mk. Die Summe ist durch Er- tohung der Matrikularbeiträge auszubringen. Die Berieilung aus die Einzelfiaaten bleibt Vorbehalten. Dem Bundesrat ist die größte Elle bei der Erle­digung der Sache anempfohlen worden. Beigegebtn sind der Vorlage 17 Beilagen mit Utbersichten und Nachweisurgen, darunter mehrere Heste von Daumen- stärke. Die Arbeitcrschutz Kommission des Reichs- toges genehmigte nach längerer Diskussion den Para zrophen 105 d, wonach der Bundesrat befugt ist, für gewisse Betrübe eine Ausnchme von der Sonn­tagsruhe zu gestatten, in der Fassung der Regierungs Vorlage mit dem Zusatze, der Bundesrat solle die bkzüglrchen Bestimmungen dem Reichstage zur Kennt- Äsnahme vorlegen. Die Kommission stimmte ferner lern Paragraphen 105e und f gemäß der Re­gierungsvorlage zu. Der Kaiserin wurden heute mittag die Teilnehmerinnen am diesjährigen Turn- karsus der Turnlehrer - Bildungsanstalt vorgefübrt.

Sittbtuttidirbr.

Novelle von R. vom Wald.

Erste» Kapitel.

Wer hätte nicht schon gehört von der Heimstätte Äen echten Studeuteulebevs, von dem ti yllisch ge »geuen Musensitze, in dem die Lieblinge uns Heroen v>ter unseren Dichter» g l bt und gewirkt haben, von dem berühmten alten Jena! Am linken User der «bereu Saale breitet stch das nicht allzu große vtädtchen euS, umgeben von üppig grünenden Wiesen «ab Gärten, umgürt, t von einem doppelten, ab. dechseluugsreichen Kranze malerisch abfallender Berge *>tt prangenden Obsthaineu und Weingeläudeu. Heute ist eS der Knotenpunkt zweier vnkehrSreicher «ahulioien zwischen Weimar und Gera einerseits §rd Großheringen und Saalfeld anderersests geworden. ®kle reiche Engländer und Schotten habe» sich hier prächtige Bille» gebaut, wohlfituirte Familie» von «lierwärts her haben sich in schöngebanten neuer, mndenen Vorstädten avgefiedelt. Der Frewdevzuzug M bedeutend zugevomweo, fett diefts idyllische «tädtcheu in de» Weltverkehr mst hereingezogen Sarde» ist.

Aber mau wvß dort geweseu und jahrelang »vter «en Wohlthateu, und Freiheiten der ahna water ge- «bt haben, als der schrille Ton des Dampfrosses bier noch nicht zu hören war, als mau noch mit dem Lwnibns, dem sogenannten »Bummler', von Apolda «us über daS öde alte Schlachtfeld von 1806 durch «8 liebliche Mühlthal hereinfuhr nach dem Ztelpuukl «er Waudertour, den mau sich in weiter Ferne ge. letzt hatte, und au dem man ans der Wiffevfchaft Quellen schöpfen vnd ei» echter flotter Student werden

Ein flotter Stndeutl Wer das jemals gewesen, «er wird sicher auch voch im späten Alter gern der Wischen Zett gedenke», die er damals durchlebt, die von farbigem Baude umschlungen, die baute ^tndeutenwütze aus dem jugendlichen Haupt, das

UnterstaaisfekretLr Barlhausen, Ministerial- Direktor Kügler, Geheimer Rat Wätzold, Präsident Tappen vom Provinzial - Schulkollegium, Provinzialschulrat Pilger, Seminardircktor Supprian, Profeffor Wäzold, der Oberturvwart Dr Angeistein u. a. Ehrengäste empfingen mit den Lehrern und Lehrerinnen der An 'talt die Kaiserin, deren Erscheinen sich etwas ver­zögert hatte. Die Borstellurg begann mit Ordnungs­und Gang - Hebungen, die von allen 5 Abteilungen mit 93 Schülerinnen ausgesührt wurden; unter Ober­leitung des Oberlehrers Eckler wurden sodann von den ersten 3 Abteilungen Freiübungen gemacht und hierauf nach dem bekannten LiedO Wanderlust" ein Reigen geschritten. Den zweiten Teil der Vor­führung bildeten Gerätübungen: die 4. Abteilung übte Rundlauf, die 5. turnte an den Schw«be- stangen, die 2. am Springkasten. Em Tanzreigen beschloß diesen Teil der Vorführung. Tie 3. Ab­teilungHebungen mit Handgeräten" mußte etwas gekürzt werden, sie bestand in Hebungen mit Holz- und Eilenstäben. Auch hieran schloß sich wieder Ge­sangreigen (Blaue Lust"). Es folgten dann wieder Gcräiüburgen der 1., 2. und 4. Abteilung an der wagerechten und an der schrägen Leiter und an schrägen Stangen. Der Beschluß der ganzen Vor- tellung bildete endlich ein zusammengesetzter Kastag netten- Ball und Reifenreigen. Die Kaiserin sprach ihre volle Befriedigung aus.

Die Beschlüsse der Ardeiter'chvtzkommission des Reichstags haben die 105 bis 105o folgender­maßen gestaltet: § 105 (unverändert): Die Fest fitzung der Verhältnisse zwischen den selbstständigen Gewerbetreibenden und den gewerblichen Arbeitern ist, vorbehaltlich der durch Reichsgesetz begründeten Beschränkungen, Gegenstand freier Hebereintunft. § 105a. (Alinea 1 abgelehnt): Welche Tage als Festtage gelten, bestimmen unter Berücksichtigung der örtlichen und konfessionellen Verhältnisse die Landesregieiungen. § 105b (Neu): Im Betriebe von Bergwerken, Salinen, Ausbereitungsanstalten, Brüchen und Gruben, von Hüttenwerken, Fabriken und Werkstätten, von Zimmerplätzen und anderen Bauhöfen, von Wersten und Ziegeleien, sowie bei Bauten aller Art dürfen Arbeiter an Sonn- und Festtagen nicht beschäftigt werden. Die den Arbeitern zu gewährende Ruhe hat für jeden Sonn- und Festtag mindestens dreißig, für das Weihnachts-, Oster- und Pfingstsest sechzig Stunden und in sonstigen Fällen für zwei aufeinander folgende Fest tage 48 Stunden zu dauern. Die Ruhezeit hat am vorhergehenden Werktage frühestens um 6,

Herz von Liebe zur Wifseuschast erfüllt »»d vielleicht auch »och von Liebe zu etwas Anderem.

Blöde Jugeud-Eselei nennt Heine diese wunderbar poetische, frische, erste echte Jugendliebe. Ach, der Arme muß sie nie empfunden haben, sonst hätte er anders gesprochen! Mag sich der flotte Bnisch, den so gewandt den Schläger zn führen versteht und in Akten und Pandekten, in griechischer Philosophie, wie in den gelehrten medizinischen Schriften vortreff- lich Bescheid weiß, anch täppisch benehmen der ®e- liebten seines Herzens gegenüber, mag er nicht wissen wie er feine Gefühle in Worte kleiden soll; besser das, als die Raffinirtheit der Gennßsnat und die frühzeitige Verderbtheit Derer, mit welch«» Heinrich Heine de» größten Teil seines Lebens verkehrt, nnb von denen er zu Unrecht Deutschland nnb deutsche Jugend verachten gelernt hat!

Wer dcs nicht glaube» wollte, der brauchte nur an einem schöne» Frühlingsabende des JahreS 1872 be» munteren Studenten zuzufchauen, welche auf der alten Oelmühle, Olea genannt, dem EawbrinnS ein gar fröhlich Trankrpfer dar brachten. Nicht nach strengem Komment wurde gekneipt, sondern in zwang­losen Bahnen bewegte sich die Unterhaltung, und nur, wenn ein Allgemeines, ein vom ganzen Chor zu singendes Lied angestimmt werden sollte, schlug der Präses, Spund genannt, und im Philisterlebeu sich des nicht ganz nngewöhnlichen Namens Müller er. freuend, auf den Tisch und stimmte mit mächtigem vterboß eine der beliebten Sueipweisen an. Es war eine originelle Figur, dieser Spund! Ein für seine 25 Jahre eigentlich schon zu entwickeltes Schmeer- häuchlein hätte in Verbindung mit dem fleischigen, in sanströtlichem Glanze strahlendem Antlitz in ihm eher einen jugendlichen Repräsentanten behaglichen BürgetthnmS vermuten laffett, als den flotten Studio, hätten nicht feine kleinen Augen fo schlau Über die dicken Backen gefunkelt, und das gemütlich überlegene Lächeln, welches feinen Mund umspielte, den Mensche», tenner erraten lassen, daß von diesem Spund ein

spätestens um 12 Uhr abends zu beginnen. Im ^andelsgewerbe dürfen Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen nichr länger als 5 Stunden beschäftigt werden. Am ersten Weih nachts-, ersten Oster- und ersten Psingstfeiertag dürfen Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter tm Handels­gewerbe nicht beschäftigt werden. Für die letzten vier Wochen vor Weihnachten, sowie für einzelne Sonn- und Festtage, an welchen örtliche Verhält- niffe einen erweiterten Geschäftsverkehr erforderlich machen, kann die Polizeibehörde eine Vermehrung der Stunden, während welcher die Beschäftigung rattfinden darf, zulaffen, jedoch nicht über 10 Stunden. Die Stunden, während welcher die Bc- chästigung stattfinden. darf, werden unter Berück­sichtigung der für den öffentlichen Gottesdienst be- "timmten Zeit von der Polizeibehörde festgestellt. Die Feststellung kann für verschiedene Zweige der Handelsgewerbe verschieden erfolgen. § 105c (Neu): Die Bestimmungen des § 105b finden keine An­wendung: 1. auf Arbeiten, welche zur Beseitigung eines Notstandes oder zur Abwendung einer Gefahr oder im öffentlichen Jntereffe unverzüglich borge nomrnen werden müssen. 1 a. Für einen Sonntag auf Arbeiten zur Durchführung der gesetzlich borge chnebenen Inventur; 2. auf Arbeiten zur Reinigung und Instandhaltung, durch welche der regelmäßige Fortgang deS eigenen oder eines fremden Betriebes bedingt ist, sowie auf Arbeiten, von welchen die Wiederaufnahme des bollen werkthätigen Betriebes abhängig ist, sofern nicht diese Arbeiten an Werk­tagen borgenommen werden können; 3. aus Arbeiten, welche zur Verhütung des Verderbens bon Roh- 'toffen oder des Mißlingens bon Arbeitserzeugniffen erforderlich sind, sofern nicht diese Arbeiten an Werk­tagen borgenommen werden können; 4 auf Gast- und Schankwirtschafts- sowie auf Verkehrsgewerbe. Gewerbetreibende, welche Arbeiter an Sonn- und Festtagen mit Arbeiten der unter Ziffer 1 bis 3 erwähnten Art beschäftigen, sind berpflichtet, ein Verzeichnis anzulegen, in welches für jeden Sonn unb Festtag die Zahl der beschäftigten Arbeiter, die Dauer ihrer Beschäftigung sowie die Art der vor- £enommtnen Arbeiten einzutragen sind. Das Ver­zeichnis ist auf Erfordern der OrtSpolizeibehörde sowie dem in § 139b bezeichneten Beamten jederzeit zur Einsicht vorzulegen. Bei den unter Ziffer 2 und 3 bezeichneten Arbeiten, sofern dieselben länger als 3 Stunt en da: ern, sind die Gewerbetreibenden verpflichtet, jeden Arbeiter entweder an jedem dritten Sonntage oder Festtage volle 36 Stunden, ober an

eblerer Tropfen verzapft werden tonnte, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Rechts neben ihm faß eine lang aufgeschossene Gestalt. Joseph Huber war der Sohu eines protestantischeu Geistlichen in Süddeutschland und hatte ursprünglich den Beruf seines VaterS eiuschlageu sollen. Aber eine famose stelle Quart markierte sich in seinem Gesicht allzu deutlich, als baß er mit ihr die Kanzel hätte be­steigen können, nnb so hatte er denn beschlossen, frischweg umzusattelu, nnb statt eines Arztes ber Seele ein solcher deS Körpers zu werben. Noch weiter rechts saß ein kräftiger Westsale, Fritz von bet Recke. Reckenhaft war anch seine Gestalt nnb mit seinem blonbeu Haar unb seinen blauen Augen, bent Erbteil seines altsächfischeu Stammes, war er so recht baS Urbtlb eines kräftigen germanischen Jünglings. Auf ber anberen Seite saß neben bem Präses ein kleines kugelrundes Kerlchen. Mathematiker war er seines Zeichens nnb etwas verschroben war er natürlich auch; aber sonst ein herzensguter Kerl unb trotz seines ewigen Streit-.s mit bem reckenhaften Westfalen, ob deffeu juristische nnb kameralistische Wissenschaft ober feine Mathematik ber Menschheit in höherem Grade zu nützen berufen fei, ber beste Freund dieses seines Gegner». Pudelnärrisch sah es aus, wenn die beide zusammen über die Straße gingen; ein schärferer Kontrast als ber zwischen blefen beiden Erscheinungen ließ sich kaum denken. Und dieser kleine Mathematiker, Knirps mit Kneip- namen und Frenze! mit Familiennamen, war ve-liebt, entsetzlich verliebt in die hübsche Klara Frieder, all- gemein ob ihrer allerdings etwas abnormen Körper, größe die Telegropheustange genannt. Besagte Zele, gropheustange erfreute sich neben anderen Vorteilen auch de» Besitzes einer recht hübschen Freundin mit dem poetischen Namen Marie Rosenau, deren äußere Erscheinung diesem Namen voll unb ganz entsprach. Von mittlerem Wüchse, schlank gebaut, ohne der Fülle zu entbehren, zeichnete sie sich aus durch jenen wunder, baren Reiz, de» man so oft gesunden zu habe» meint

jedem zweiten Sonntage ober Festtage mindestens in der Zeit von 6 Hhr morgen» bis 6 Hhr abends von der Arbeit frei zu lasten."

Eisenach, 6. Juni. Die deutsch - evangelische Kirchenkonserenz wurde gestern auf ber Wartburg mit einem GotteSbienst eröffnet, bei welchem ber Oberhosprebiger Dr. Kögel bie Prebigt hielt. Zu ber Konferenz finb mit Genehmigung des Kaiser» als Abgeordnete ber obersten evangelischen Kirchcn- behörben in Preußen folgende Herrn entsandt worden: 1) für die älteren Provinzen: die Mitglieder des evangelischen Ober-Kirchenrates Ober Konsistorialrat Ober - Hosprediger und Generalsuperintendent Dr. Kögel, Ober - Konsistorialrat Dr. Frhr. v. d. Goltz, Ober-Konsistorialrat Hsfprediger Bayer aus Berlin; 2) für die neueren Provinzen: ber Prästbent bes l'önigl Landes Konsistoriums in Hannover Dr. Mejer, Ober-Konsistorialrat Abt Dr. Uhlhorn von Hannover, Konsistorial-Präsident Dr. Mommsen von Kiel und Konsistorial-Präsident Dr. v. Weyrauch von Caffel.

München, 7. Juni. Im Befinden des Ministers Lutz ist keine Besterung zu verzeichnen. Zeitweise treten Atmungsbeschwerden auf, welche des nachts des Deftern den Schlaf verscheuchen, so daß auch in ber letz!en Nacht Morphiumeinspritzungen zu Hilfe genommen werden mußten.

AitsIlNkÄ.

Pest, 7. Juni. Der Kaiser empfing die Präsi­denten der Delegationen und antwortete auf deren Ansprachen; Die politische Sage sei seit bem letzte» Jahre im wesentlichen unverändert; die freundschaft­lichen Beziehungen zu allen Mächten bestärkten den Kaiser in der Hoffnung auf die Erhaltung deS Friedens; ein kraftvolles Zusammenstehen mit den Verbündeten und ein vertrauensvolles Zusammen­wirken zu den gemeinsamen Friedenszielen bildeten auch ferner die bereits bewährte Bürgschaft für die all­gemeine Wohlfahrt. Die An sprachen der Delegatiors- prasidenten drückten die Bereitwilligkeit zur Be­willigung jeder Ausgabe aus, welche unumgänglich notwendig fei» um das Ansehen unb bie Verteidigungs­fähigkeit ber Monarchie intakt zu erhalten, unb dabei der Opserfreudigkeit der Nation Rechnung trage. Die Ansprache Czartoryskis betont den all­gemeinen Wunsch eines dauernden gefestigten Friedens, jene TiSzaS die Notwendigkeit der größten Wach­samkeit und Entschiedenheit der gemeinsamen Regierung gegenüber den Symptomen, welche im abgelaufenen Jahre in den internationalen Verhältnissen unb in bem inneren Leben einzelner fremder Staaten auf«

unb tu Wirklichkeit so selten findet, durch die wohl- thueude ruhige Harmonie ihres Wesen», welche ber liebliche» Erscheinung gleichsam als Folie diente. Ma» konnte wirklich von ihr sagen wie Schiller von dem Mädchen au» der Fremde: »Beseeligend war ihre Nähe, und alle Herze» wurde» weit." Die halbe Studentenschaft von J:ua hatte der holde» Marie ihr Herz geweiht, mit ihnen auch »nser Westfale, sowie der diesem gegenüberfitzeude Fritz Rencka, einer der hübschesten und schneidigsten unter allen Musen- söhnen Jenas, der das ferne Siebenbürgen sei» Vaterland nannte. Zu feinen Rivalen gehörte auch NckolauS Sterkowitsch, der Sohu eines der reichst n Kaufleute erster Gilde in Petersburg, der neben ihm ou der Kneiptafel faß unb wohl etwas von den Ge. fühlen ahnen mochte, die seinen Nachbar beseelt« n. Denn er strich stch wiederholt langsam mit der wohl- gepflegten weißen Hand über den kurzen aber dichte» schwarze» Vollbart, der die untere Hälfte seines Antlitzes beschattete, wie er stets zu thun pflegte, wenn er über irgend etwas tm Unklare» war, und warf feinem Nachbar eigeuthümlich forschende Blicke zu.

Die Unterhaltnng drehte sich nm Leistungen auf dem Gebiete der Gymnastik, namentlich der Russe rühmte sich feiner körperliche» Gewandtheit und Kraft, unb eS war wohl auch nur einer aus dem fröhliche» Zecherkreise, der blonde Westfale, der ihn in dieser Beziehung übertraf. Eben hatte der Raffe behauptet, er könne den Weg von Ieva nach Burgau, etwa eine Stunde Weges, in der Zeit von Mittag bis Abend sechsmal zurücklegen. Zu allgemeiner Heiter kett erklärte auf einmal der kleine kugelrunde Mathematiker: er könne das auch. »Knirps, Dn reunommierst", rief man ihm von allen Seiten z», er aber blieb bei seiner Behauptnn« stehen «nd schlvg Sterkowitsch eine Wette vor, worauf dieser sofort einging. Wer von den Beiden von 17 Uhr am häufigsten die Strecke von Jena nach Burgau zurücklegeu würde, sollte Sieger sein nnb fortan das Recht haben, am Bierttsch zu seinem sonstigen Namen da» ehr ude