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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Mrchhain. —

Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Marburg.

Städtchen weiß ich gar lieb und traut, «ie nie wein Auge es je geschaut.

«m Städtchen ist es voll Glück nud Frend, Draus ist verbannt das dunkle Leid.

Die krumme» Gäßchen bergab, bergan

Die schwiegen aus alte Schloß sich hinan und müssen erzählen, was immer geschieht, Weils alte Schloß das so gerne steht.

Das hört ste erzählen von Mut uod vou Kraft, 8on frischem Geiste, der thätig schafft und kühn nur immer das Wahre erstrebt, Damit das Schöne gedeiht und lebt.

Daun rühmen ste Freundschaft uud Treue uud Lieb', Wofür das Herz stets offen blieb, Iie rühmen den freien Studeutengefang, Der^ftei aus fröhlichen Kehlen drang.

Uud auch den Schmiß iw Stndenteugeficht vergessen geschwätzig die Gäßchen nicht, Doch ober der Schönsten AtUgeletn fein, Die müßten gesehu, nicht beschrieben sein.

Das alte Schloß, es stehet nud lauscht

Dem Worte der Gäßchen, das zn ihm rauscht.

$8 hat verkommen die freudige Mähr', Drob freut fich sein steiuerueS Herz so sehr.

Äd segnend steht eS auf bergiger Höh, Damit eS dem Städtchen stet» wohl ergeh.

Daß olles so bleibe dravf hat eS wohl acht Und immer hält eS gar trenlich die Wacht.

Du fragst mich, welches Städtchen ich «ei»?

Dies Etädtcheu kann ja nur Marburg sein. Durchwandre die Welt in die Kren, nud die Over, 6» fällt Dir nirgend» da» Scheide» so schwer.

M 133.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Ouartal-MonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene ßeüfr»

10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 8. Juni 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg u Wien: Rudolf XXV. Mraatta. Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln:®. L- 9UU9*

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Deittschrs Reich.

Berlin, 6. Juni. Tie Militürkommission des zieichstcgcs setzte heute ihre Beratungen fort. Eiawsselrctär Freiherr von Maltzahn erklärte, men »üsse die gegenwärtige Vorlage sür sich ohne Hin­blick auf etwa später noch kommende Vorlagen be­trachten. Ueber die Kosten der Aussiihrung gebe die Vorlage selbst hinlängliche Auskunft. Zur Deckung sei eine Anleihe erforderlich. Im Lause der Tiskussicn, an welcher sich Windthorst, von Lennigsen, Freiherr von Huene, Hinze, Müller, Gros Stolberg, Richter und Orlerer beteiligten, erllärte der Krieg!Minister v. Verdy, es werde noch eine Vorlage zur besseren Heranbildung der Reserven und weiteren Armierung eingebracht werden. Alle Wehrfähigen sollten nicht sofort ausgebildet und eirgestellt werden, es solle vielmehr jetzt nur eine Grundlage gelegt werden. Die jetzige Forderung sei gegenüber dem französischen Wehrgesetze eine sehr gelinge. Ueber die Frage, ob jährliche Feststellung der Präserzstärke oder Seplennat, könne er sich nicht bestimmt aussprechen, weil er dazu nicht er­mächtigt sei. — Tie „Voss. Ztg." und das „Berl Tagebl.« melden über die dem Bundesräte zuge- gargene Vorlage, betr. die Verkcsierung der Gehälter der Osfiziere und Reichsbcamten: Im ganzen werden verlangt 19 929 082 Mk.) für die Osfiziere bis einschließlich zum Major 3 501340 Mk., für die Marine 189140 Mk, für etatsmäßige Beamte 11 921 263 M., für diätarisch angeslellte 2 536 657M, für Stellenzulagen 340 000 M. An Bayern kommen pr Auszahlung 750 682 M. Für die Beratung vnrd dem Bundesrate die höchste Eile anempfohlen. — Zwischen den drei für die Sperrgelder Vorlage ein- getretenen Fraktionen und dem Zentrum sanden Lerhardlungen statt, welche eine das Zustandekommen der Gesetzvorlage ermöglichende Haltung des Zentrums nach dem Grundsätze des tolerari posse, eventuell Stimmenthaltung des Zentrums in Aussicht nahmen. Die Verhandlungen sind jedoch gescheitert, das Zu­standekommen des Gesetzes in dritter Lesung ist des halb nicht wahrscheinlich. — Die Gewerbegerichts- Lommifsion des Reichstages nahm die Vorlage in zweiter Lesung vorwiegend nach den Beschlüsien der ersten Lesung mit einzelnen redaktionellen Aenderungcn an. — Die Unterrichts-Kommission des Landtages lehnte die von Dr. Würmeling beantragte Resolution ab, wonach die Regierung zur baldigen Einbringung eines Unterrichtsgesetzes aufgcfordert werden sollte. — Die Arbeitcrschutz- Kommission des Reichstages beriet

heute über § 105c, Absatz 2 /Anlegung eines Ver­zeichnisses der an einzelnen Sonntagen beschäftigten Arbeiter). Die Sozialisten beantragten, die Kontrolle über die Sonntagsarbciten einem Arbeitsamte zu übertragen. Dieser Antrag wird abgelehnt und der Absatz in der Faffung der Regierungsvorlage ange­nommen. Absatz 3 wird dahin abgeändert, daß die Befreiung eines Arbeiters von der Arbeit an jedem dritten, beziehungsweise zweiten Sonntag nur dann eintrctcn muß, wenn die Sonntagsarbeit vorher über drei Stunden gedauert hat. Die Sonntags­ruhe soll am dritten Sonntag statt 24 Stunden 36 Stunden dauern. — Der „Reichs-Anz." erklärt, daß die von der „Nordd. Allg. Ztg." gebrachte Be­richtigung der „Königsberger Hartungschen Ztg." betreffs der angeblich geplanten Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren in Königsberg zutreffend ist.

— Die mehrfach mit perlen Zweifeln an ihrer Richügkeit kurz erwähnte Meldung der „N. Fr. Pr." aus Berlin über ein angebliche vertrauliches Rund­schreiben des Reichskanzlers von Caprivi lautet: „Die Unterredungen auswärtiger, namentlich russischer und französischer Journalisten mit dem Fürsten Bis­marck haben, wie begreiflich, die Aufmerksamkeit der leitenden Kreise des Deutschen Reiches wachgerufen und in denselben den Gedanken angeregt, ob es nicht rätlich und ar gemessen wäre, etwas Entscheiden­des zu unternehmen, eventuell die Fortsetzung ähn­licher Veröffentlichungen auf dem geeigneten Wege zu verhindern. Offenbar war dafür die Erwägung meßgcbend, daß die außerordentliche Autorität des Fürsten Bismarck im Auslande leicht dazu führen könnte, seine Kundgebungen mit jenen der offiziellen deutschen Politik zu verwechseln und dadurch eine Verwirrung der Auffassungen hervorzurufen, welche man nicht gleichgiltig hinnehmen könnte. Es muß wohl hierüber auch dem Kaiser Bericht erstattet worden sein, da Kaiser Wilhelm, wie wir erfahren auch eine Entscheidung getroffen hat. Dieselbe laute gegenüber dem Gedanken, den Fürsten Bismarck in seinen Aeußerungen als Privatmann zu beschränken entschieden abweisend. Es müsse der Welt das Schau­spiel erspart bleiben, sagte Kaiser Wilhelm, mit an- zusehen, daß sich die Notwendigkeit ergeben könnte, dem größten Statsmanne des Deutschen Reiches in seiner. Handlungen als Privatmann Beschränkungen aufzuerlegen, wenn auch nicht außer Acht gclaffen werden kann, daß jene Jouralisten, die vom Fürsten Bismarck empfangen, und jene publizistischen Organe, in denen die Unterredungen mit ihm veröffentlicht wurden, solchen Staaten angehören, die nicht zu den

intimen Freunden des Deutschen Reiches zählen. Mehr als alles andere beweise dieser Umstand schon, daß man es nur mit den Aeußerungen des Privat mannes zu Ihun habe, welcher der aktuellen Reichs- rokilik vollständig entrückt ist, und daß man der Not- oendigkeit überhoben sei, noch des Weiteren zu ver- ichern, daß, was immer Fürst Bismarck den Ver­tretern sranzösischer und russischer Journale gesagt habe möge, dies auf den Gang der offiziellen Politik des Deutschen Reiches keinen wie immer be schaffenen Einfluß haben könne. Diese an höchster Stelle erflosflne Resolution hat auch in einem ver­traulichen Rundschreiben Ausdruck gefunden, welches £>exr von Caprivi vor einiger Zeit an die Vertreter des Reiches im Auslande gerichtet hat. Dieselben wurden angewiesen, sich im Falle einer Anfrage in dem h er an gebeuteten Sinne üher die Kundgebungen des Fürsten Bismarck zu äußern."

Potsdam, 5. Juni. Der Kronprinz von Ita­lien wird dem Vernehmen nach am Montag Vor­mittag aus Petersburg zum Besuche am hiesigen Hofe eintreffen und während der Dauer feines Aufent­haltes im königlichen Stadtfchloffe Wohnung nehmen. Während der Anwesenheit des italienischen Thron­folgers werden bei den Majestäten mehrere größere Hoffestlichkeiten stattfinden. Soweit bis jetzt bekannt, gedenkt der Kronprinz von Italien etwa 4 bis 5 Tage hier zu verweilen.

Hamburg, 5. Juni. Der Verband deutscher Müller hält feine diesjährige General-Versammlung vom 6. bis 9. Juli hier ab. Auf der Tagesord­nung stehen neben internen Angelegenheiten Referate über den Mehlhandel, den Verkauf von Futterstoffen, einheitliches Getreidegewicht, Feuerversicherung, Ar­beiterfrage, Haftpflicht und Technisches.

Arrslarrd.

Bern, 6. Juni. Das Bundesratsmitglied Welti erklärte im Nationalrate, es sei gegründete Aussicht vorhanden, daß daS internationale Uebereinkommen betreffs der Eisenbahnfracht demnächst die Ratifikation sämtlicher beteiligten Staaten erhalte. Nach den Mitteilungen des Bundesratsmitgliedes Deucher er­klärte ffch Oesterreich-Ungarn zur Revision des Ver­trages mit der Schweiz betreffs des Viehverkehrs bereit.

Neffe«-Naffarr.

Marburg, 7. Juni. Am Sonntag, den 8. Juni, findet morgens 9 Uhr in der reformierten Stadt- und Universitätskirche ein akademisch er G ottes-

dieilst statt, in welchem Herr Prof. Dr. Achelis die Predigt halten wird.

Marburg, 7. Juni. Morgen, Sonntag den 8. Juni, findet Hierselbst die VIII. Generalver- ammlung des „Aerzte-Bereins für den Re­gierungsbezirk Cassel" statt.

Marburg, 7. Juni. Gestern beging das hie- ige Gymnasium das seit dem Jahre 1855 an demselben gefeierte Frühlingsfest. Zu diesem Zwecke begaben fich Lehrer und Schüler um 3 Uhr nach­mittags unter Vorantritt der Kapelle des Gymna- iasten-MusikvereinS, welche schöne Märsche spielte, und mit den zahlreichen Klaffenfahnen in festlichem Zuge, in dessen Mitte die städtische Musikkapelle ein- gcreiht war, durch die Stadt nach dem Dammels- berg, wo das Fest alsbald mit dem gemeinsamen Gesang des Hoffmannschep „Deutschland, Deutschland über Alles" seinen Anfang nahm. Nachdem die einzelnen Klassen an den vorgesehenen Plätzen eine Erquickung eingenommen, trug der Gesangchor des Gymnasiums unter Leitung des neuen Gefanglehrers, Herrn Witt, und zum Teil unter Begleitung der Schülerkapelle drei Chorlieder recht brav vor. Nach einer angemessenen Pause führten fodann die Unter­tertianer nach dem Kommando ihres Turnlehrers, Herrn Dr. Fischer, Stabübungen in vortrefflicher Weise aus. Im unmittelbaren Anschluß an diese, marschierte der unter den Schülern der oberen Klaffen bestehende Turnverein auf den Hauptplatz ein und führte an zu diesem Zweck in den Wald mit heraufgenommenen Geräten (Bock, Pferd, Barren, Springe!) unter Leitung des Oberprimaners Nöll ein Schauturnen aus, welches wohl allen Anwesenden den Beweis lieferte, auf welch' hoher Stufe die Ausbildung in den Leibesübungen am hiesigen Gymnasium steht. Während sodann die Sextaner einen hölzernen Adler mit kleinen Keulen abwarfen und die anderen Klaffen sich durch Spiele, die älteren Schüler auch durch ein Tänzchen unterhielten, verging die Zeit gar rasch. Nach einem von dem Direktor ausgebrachten Hoch und dem Gesang des „Heil Dir im Siegerkranz", wurde gegen *49 Uhr der Rückmarsch in die Stadt an getreten, wo sich der Zug vor dem Gymnasial­gebäude nach dem Spiel des „Gebetes" auslöste. Mit besonderem Dank wurde es seitens der Schule ausgenommen, daß die Elttrn und Angehörigen der Schüler sich in so außerordentlich großer Anzahl eingefunden hatten und 4>urch ihre Anwesenheit dem Feste eine besondere Weihe gaben. So darf dann das diesjährige Frühlingsfest des Gymnasiums,

Und wird DirS einsam und trübt fich Dein Blick, Dau» eile schnell nach Marburg zurück.

Dort sprudelt der Jugend ewiger Ouell, Und glaube, der macht daS Äug' wieder hell.

M. v. Ascheradeo.

(Nachdruck oetboten.]

Nofen.

Erinnerungen eines Deutschen aus Mexiko.

(Schluß.)

„Mein Bataillon hat keine Lust mehr, fich für diesen Lumpeukttser noch die Glieder entzwei schießen zu lassen. Wir wollen mit dem Präfideoteu Juarez Friede« machen uud seinem General die Stadt über­geben. Sind Sie damit einverstanden, gut, so be­halten Sie ihren Degen, auderufalls aber —*

„Erbärmlicher Verräter I" schrie der Major. „Steht e» so! Aber noch ist das Spiel nicht gewonnen." Mit Blitzesschnelle übersah er die Lage. Hinter Loreua auf der Treppe befaud fich nur noch ein Offizier, alle übrigen warteten draußen vor dem Hause. Mit Riesenkraft ergriff Berndt, wieder vorspringend, die beiden Männer, warf sie, bevor ste fich zur Wehr setzen kouuieu, in sein Zimmer, schloß die Thür ab, nud eilte dann wie er ging uud stand, wst dem Säbel in der Hand, unbedeckten Hauptes, an der Brust die Rose, welche er vor kurzem ausgewählt, ans die Sttaße hinab.

Houderte von Augen richteten fich ans ihn, an dessen Gesicht keine Wimper zuckte. Mit Donnerstimme «klang über den Platz das Kommando zum Autteteu. Vermint folgten die Soldaten, während die Osfiziere erstaunt dastanden. Aber Berndt ließ ihnen keine Zett zum Befinuen, der Befehl „Marsch!" folgte, nnb der größere Teil der Soldaten folgte ihm zn dem Staut quartier seine» BatMouS. Daffelbe wurde glücklich erreicht, auch der Matqni» de Lasfius kam mit seinen Mannschasten herbei, die Gefahr war

überwunden. Lorena unb seine Mitschuldigen hatten inzwischen den Moment benützt und waren ans Sau Jose zum Feinde entflohen.

Arnold vou Berudt änderte sofort die Truppen- aufstellnug, er zog die Hauptmacht auf den schwächsten Punkt der Stadt, ließ die wenigen Geschütze, welche man zur Hand hatte, auffahren und that alle», was zur Verteidigung dieueu tonnte, aber er verhehlte sich keinen Augenblick, daß der Feind nur kurze Zeit auf­zuhalten sein werde. Der böse Geist unter den Truppen war deutlich hervorgetreten, nnb wenn auch bet Ausstanb im Moment gebrochen war, es ließ sich voraussehen, baß fie nicht lange aushalten würben, wenn nur erst bet Kampf im ®ange war. Er sandte einen Offizier nach Qneretaro, nm Nachricht von dem Stande der Dinge zn geben, und einen Boten an seine Gemahlin, wie die Lage der Dinge sei.

Der General Jnarez hatte durch Lorena und die anderen Ueberlänfer ganz genau erfahren, wie die Dinge in San Jose standen. Auch er war überzeugt, baß die Mexikaner nicht lange Stand halten würden, nnb so ging er benn mit bet gesamten Macht znm Angriff über. Mit großer Mühe schlngeu bie Ver- teibiger den Angriff ab, aber zugleich erhielt Berndt eine Kuube, bie ihn tief erschütterte: Der Marquis be LasfiuS war von seinen eigenen revoltierenben Leuten erschoffeu, welche jetzt aus der Stadt hinaus znm Feinde eilten. Auch die Soldaten von Lorenas Bataillon folgten, und als die Feinde von Neuem zum Angriff vonückten, sah Major von Berndt fich noch an der Spitze von etwa sechshundert Manu. Damit dem Sturme zu widerstehen, war unmöglich, eS mußte der Rückzug augetreten werden.

Die Republikaner drangen mit der größten Eile nach, nnb bie kaiserlichen Truppen gerieten in schwere BebrängniS; immer mehr Eolbaten verliefen fich, und schließlich sah fich Sruolb gezwungen, fich mtt dem Sem seiner Eolbaten von zweihundert Mann, unter denen fich viele Nicht-Mexikaner befanden, in die nahe Hacienda Lorena zn werfen. ES war ein

schmerzliches Wiedersehen zwischen beiden Gatten aber zu vielen Zärtlichkeiten war keine Zeit vorhanden. Vergebens drang der Major in Isabella, fie möge nach Queretaro fliehen, fie erklärte, bleiben und de« Kampfe beiwohnen zu wollen.

Eine Nacht nnb einen halben Tag hielt bie tapfere Schar bie Besitzung, bann mußte ste bie Waffen strecken. Don Lorena war als Befehlshaber ber republikanischen Truppen zurückgeblieben, welche bie Gefangenen bewachen sollten. — „WaS wirb ans meinem Gemahl?" fragte Isabella. — „Er bleibt kriegsgefangen, feien Sie ohne Sorge, schöne Konstue V* versetzte Don Hernando. — „ES ist gut", erwiderte ste, „ich werbe mich znm kommanbierenden General begeben, nnb ihn nm bie Erlaubnis bitten, daß Arnold auf der Hacienda bleiben kann!"

Arnold von Berndt hatte einen Schuß in den Arm bekommen, er trug denselben in einer Binde. Wie er, waren auch die meisten der noch lebenden ein- huudertzweinnd vierzig Kämpfer verletzt. Irgend welche Pflege sanden sie nicht, da fie in den Ställen der Hacienda eiugesperrt waren. ES war am Abend, als ste aufgefordert wurde», ins Freie zn treten, in die Mitte einer starken Abteilung Infanterie. Ein Offizier Jnarez' hat vor die Gefangenen hin nnb verlas ein Dekret, »ach welchem fie, ba fie mit ben Waffen gegen bie republikanische Regierung gekämpft, sofort staud- rechtlich burch Pulver unb »Blei erschaffen werben würbe». Ei» Schrei ber Entrüstung folgte, laute Proteste, aber ber M-xikauer achtete nicht barauf, laut nnb bestimmt erscholl sein Kommando: „Ge­laden l" Da sahen denn die Männer an der langen Hofwand, daß das Ende ihre» Lebens nahe sei. Sie drückten einander die Hände, Major von Beruht hob grüßend den gesunden Arm nnb schritt bann zu be« mächtigen Rosenbusch an ber Ecke, ber über nnb über mit Purpurrosen bebeckt war. Lächelnd brach er eine Blume, küßte sie nnb warf fie durch da» offene Fenster tn da» nahe Zimmer seiner Gattin. „Feuer l" Ein furchtbarer Knall, nochmal» nnb abermal» nnb