Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
JUL 131.
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Marburg-
Sonnabend, 7. Juni 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. MatteS,
sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bögler ___ _ ,
in Frankfurt a. M., Lastet, Magdeburg » Wien; Rudolf XXV. Jahraana. Moffe in Frankfurt a. M., Berltn, München u. Köln -G. L- M *) ö "
Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Das Geld.
Im wirtschaftlichen Leben giebt es keinen Stillstand, ebenso wenig läßt eS sich auch Vorschriften machen. DaS tritt heute außerordentlich deutlich zu Tage in der Bewertung desjenigen Gegenstardes, »elcher allen Sterblichen am willkommensten ist, des Geldes. Jeder Leser weiß, daß dos Geld außer ordent lich wohlfeil geworden war; die Zinsen waren wieder md wieder gefallen, und trotzdem halten die Staats- papiere einen Kursstand erreicht, welcher das Glück einer Rentiers zu einem sehr zweifelhaften machte. Die dreieinhalbprozentige deutsche Reichsanleihe hatte einen Kursstand von 1051/« erreicht, ein Besitz von zehntausend Thaler» dieser Papiere brachte also rund dreihundert Thaler Zinsen; das Wort vom „armen reichen" Mann war zur Wahrheit geworden. Im vorigen Jahre wurde angesichts dieser Gddlage bei uns in Deutschland schon ernstlich der Gedanke erörtert, ob nicht die Zinsen der Reichsanleihe aus drei Prozent herabgesetzt werden könnten. Gegen diesen Vorschlag ist aus Billigkeitsgründen Protest erhoben worden, und daß er jetzt nochmals vorgebrocht wird, ist ausgeschlossen, denn der Wert des Geldes ist heute unleugbar so gestiegen, so daß eine dreipro- zentige Reichsanleihe einfach keine Abnehmer finden würde. Ist doch die letzte dreieinhalbprozentige Reichsanleihe von 129 Millionen schon zu zwei Dritteln nur vom Publikum gezeichnet. Der frühere niedrige Wertstard des Geldes war unhaltbar, darum ist nun die Wendung gekommen, die sich schwarz auf weiß in einem stärkere Sinken der Papiere mit niedrigen Zinsen und in einem Steigen des Zinsfußes für Hypotheken u. s. w. schon bemerkbar machen. Es ist nur eins zu wünschen, daß nicht eine sortschrei tende Verteuerung des Geldes eintritt; die Folgen davon wären Verteuerung der Produktion auf der einen, Minderung des Absatzes auf der anderen Seite.
Der Umschwung auf dem Geldmärkte hat verschiedene Ursachen; einer Börsenspekulation verdankt er seinen Ursprung nicht, das geht deutlich aus der Teilnahmlosigkeit des Publikums bei der letzten Reichsanleihe hervor. Die Gründe sind andere, und die hervorragendsten unter ihnen sind wieder die Streiks und die allgemeine Geschäftsbeunruhigung, welche dadurch hervorgerufen ist. Und zwar ist die Einwirkung eine verschiedene gewesen: Zunächst haben die fortwährenden Arbeitseinstellungen die Neubildung von Kapitalien verhindert. Das vorhandene Geld lag fest und somit ist thatsächlich eine Geldknappheit vorhanden. Daß bei geringen Vor-
(Nachdruck ocrboten.]
Nofe«.
Erinnerungen eines Deutschen aus Mexiko.
Zn Ende ging es mit dem Kaiser Max und seiner Herrlichkell, und gerade die, auf welche er am stchersteu vertraut, verließen ihn am früheste», um zur Partei des Präfideute« Juarez, des rückfichtSlofeu, aber uu- gemein klugen and verschlagenen Gegners Maximilians, überzutreten. Der österreichische Kaisersohn, den die Verlockungen deS dritten Napoleon bewogen hatte», über daS Meer zu kowmeu, war zu gut und zu ehrlit
für die Mexikaner, bei denen der persönliche Vorteil Hand in Hand mit dem uatiouale» Hasse ging. Seit auch die unglückliche Kaiseriu Charlotte Vergebers in den Tuillerten zu Paris um Beistand für ihren Gemahl, um RLckseudnng der frauzöfischeu Trvppeu gefleht hatte, wurde der Kamps ein hoffnungsloser. Alle Tapferkeit vermochte uicht daS Sriegsglück wieder an die kaiserlichen Fahnen zu fesseln, und Maximilian ah mit Ruhe de« Aevßersteu eutgegeu, daS sic; pätrr in Oueretaro erfüllte, wo Pulver und Blei einem Leben ein Eude machte. Furchtlos wie er gelebt, starb der Kaiser von Mixiko.
In deu Monaten, welche bhftm Drama voran- ginge», war die Lage der kaiserlichen Trvppeu rioe uusSglich schwierige. Die Zahl der Städte, welche dem Kaiser treu ergeben waren, war eine äußerst geringe geworden, den» Juarez Soldaten plünderte» allerdings gegen deu Willeu des Präfideutev, jede» Ort a»S, welcher die Kaiserlichen unterstützt hatte. Das schreckte und wachte immer mehr Mexikaner der uvtergeheude» Sonne abwendig. Verpflegung und Quartiere waren nuter solchen Verhältnissen ost schwierig und erst nach vielem Streit und Hader zu erlangen, dabei waren eitle feindliche Angriffe Einzelner zu bekämpfen, die nicht einmal bestraft werde» konnte», den» die Mexikaner hielten gegen die Fremden zusammen. Kampf nnb Entbehrungen begleiteten somit de» eine» Tag wie de» anbeten,
täten ter Preis einer Ware steigt, ist selbverständ- lich und genau ebenso ist es bri drm Gelbe. Infolge der Streiks wuchsen aber für viele Gewerbetreibenden die finanziellen Verlkgenheiter, sie brauchten mehr Geld; die Nachfrage nach Geld stieg also, während dos Angebot sank. Das war der zweite Grund für die Geldverteuerung, sie hat sich namentlich auf dem ' Saumarkle bemerkbar gemacht, der auf Jahre hinaus chwer geschädigt, oft in seiner Unternehmungskraft gehemmt ist. Denn ohne effektiven Nutzen arbeiten, will eben niemand. Dann haben die Streiks zur allgemeinen Verteuerung der Bedürfniffe in ganz erheblichem Maße beigetragen und andern Umstände end dann noch hinzugekommen. Niedrige Zinsen, johe Preise, das ging aber beim besten Willen nicht, und der Wechsel mußte damit von selbst kommen, wie es jetzt geschehen ist.
Diese Bewegung im Gildmarkt zeigt, daß der gesammte wirtschafiliche Verkehr eine sich selbst regn lierende Maschinerie bildet, an der Niemand ungestraft sich zu schaffen machen darf. Die Streiks haben das Geld vertheuert, weil sie die Preise erhöhten, den geschäftlichen Erfolg schwer schädigten. Hätte das Publikum die nötige Kaufkraft gehabt, so wäre schon ohne alle Lohnbewegungen ein Steigen von Preisen und Löhnen eingetreten, wie das in früheren Jahren stets der Fall gewesen. Aber man wollte alles künstlich zwingen und nun zeigt es sich, daß das Unmögliche absolut nicht erzwungen werden kann, daß auf verkehrte Handlungsweise nothwendigerweisr ein Rückschlag eintreten muß. Das geschäftliche Leben wird sich anders in der Zukunft gestalten, als mancher Streitprediger erwartet hat, und wir wollen nur wünschen, daß die deutsche Industrie nicht die volle Wucht des Rückschlages der Streikjahre erfahren möge. An gutem Muth und freudigem Geist fehlt es noch nicht in Deutschland, aber noch einmal darf er nicht auf die Probe gestellt werden, sonst erleben nicht nur Deutschland, sondern alle europäischen Statten viele» enormen Produktionsaus- sall, wie er noch nicht dagewesen ist. Und sich davon wieder zu erholen, wird dem doch nicht leicht sein.
Aeiktschrs Reich.
83erlitt, 5. Juni. Die Gerüchte über einen angeblich dem Reichskanzler v. Caprivi zugefloßenen Unfall, welche heute, namentlich an der Börse, umgingen, haben als thatsächliche Unterlege nur, daß das Pferd des Kanzlers bei der Rückkehr von einem Spazierritte ausglitt und zu Falle kam. Weder
täglich wurde die Zahl der Kämpfer geringer, sank bet Mol bet übrig Bleibenden tiefer.
Noch besonders unbehaglich war die Stellung bet nicht wenigen Deutschen nnb Oesterreicher, bie freiwillig zu Maximilians Fahnen geeilt waren. Die mexikanischen Soldaten gehorchte» ihnen vielfach nnr mürrisch, nnb es bedurfte großer Kraft, nm bie nötige Autorität aufrecht zu erhalten. ES gab so manche Nacht, in welcher bet gelobene Revolver nicht auS bet Hanb des Schläfers kam, bet auf einen Ueberfall bet eigenen Leute vorbereitet fein mußte, jp Einer fdienen Ausnahme unter ben fremden Offiziere» erfreute sich bet Major Arnold von Berndt, ein Deutscher, aus ben Rheinländer gebürtig, welcher die frohe Laune feiner Landsleute nicht nnr mit übers Meer gebracht, sondern fie sich auch in trüben Tagen bewahrt hatte. Er war noch jung, eigentlich zu jung für einen Major nnb Bataillons- kowmaubenr, aber in biefen bfiftere» Zeiten galt nur bie Tüchtigkeit btS Mannes, nicht fein Alter, nnb biuzukam, daß bte Mexikaner an ihtu mit großer Neigung hinge». Zum Teil beruhte biefelbe au bet Fähigkeit des MajorS, fich bem Charakter bet Eingeborene» in hohem Maße auzupaffen, bann aber kam bet Umstand gewaltig in Betracht, daß Herr vo» Berndt eine Tochter des Landes als Gemahlin heimgeführt hatte. Isabella di Lorena war die Tochter eines großen Grundbesitzers, der fich im Bürgerkriege bisher ziemlich neutral verhalten hatte, um keine Schädigung feines EigeuthnmS heraufzubeschwören. Berndt hatte mit feinem Bataillon einmal auf dem Marsche bie Hacienda Lorena» berührt, dort die blühende, glntängtge Isabella kennen gelernt, fich in fie verliebt, Gegenliebe gefunden nnb fie in ein paar Tagen als Gattin heimgeführt. In biefen SriegS- zeiteu war ein Zöger» nicht ratsam, nnb auch Herr von Lorena hatte keine Schwierigkeiten erhoben» als er bemerkte, daß feine Tochter entschlossen war, ihren Billen durchzusetzen. Seit bet Hochzeit begleitete, wie e» in Mexiko nicht feiten war, Isabella von
der Reiter noch das Tier haben auch nur den ge ringstea Schaden erlitten. Der Kanzler hat unmittelbar darauf die üblichen Vorträge in gewohnter Weise entgegengenommen, sich auch mittags zu Fuß in die Sitzung des Staatsministeriums begeben. — Heute vormittags 9*/* Uhr erfolgte die Grundsteinlegung der Emmauskirche am Lausitzer Platz. Nach dem Gesang, der Festansprache und der Vorlesung der Stistungsurkunde vollzog im Auftrage des Kaisers Prinz Friedrich Leopold die drei Hammer- chläge, danach der Minister v. Goßler und die Spitzen der kirchlichen und städtischen Behörden. — Das Befinden des Erbprinzen von Meiningen hat ich seit gestern nicht verändert. — Der dem Bundes- rat zugegangene zweite Nachtragsetat, welcher die Aufbeffcrung der Beamtengehälter betrifft und mit einem Betrage von über 10 Millionen Mark sich ausgleicht, ist von so vielen Anlagen, Berechnungen und Nachweisungen (einer Riesenarbeit des Reichschatzamts) begleitet, daß damit dem Reichstag eine Arbeit wie mit einem vollständigen Reichshaushalt erwächst, deren Erledigung allein die Zeit bis gegen Ende Juli vollauf in Anspruch nehmen muß. Selbstverständlich ist der Etat von einer umfassenden Begründung begleitet. Wie man erfährt, betont dieselbe die für die Dauer vorgenommene Erhöhung der Gehälter und weist nach, daß sich die Aufstellung im Hinblick auf die Dringlichkeit einer Aufbesserung auch der Mittlern Beamten nicht an die enger» Grenzen gehalten hat, welche in Preußen unter Vorbehalt künftigen allgemeinern Vorgehens jetzt gezogen werden müßten. Die Vorlage berücksichtigt also außer den Unter beamten auch die Subaltern- 6tamten (Tarifklasse 5 des Wohnungsgeldzuschußgesetzes) und die Beamten der Tarifklasse 3. Auszuscheiden sind nur einzelne Kategorien, besonders deren Bezüge schon neu geregelt worden sind, z. B. Auditeure, Lehrer an Kadettenanstallen n. f. w. Für künftig Vorbehalten ist die Ausbesserung der Beamten, die höher stehen als Tansklasse 3, welch letztere auch bei Osfizieren und Aerzten die abschließende Grenze bildet. Für Premierleutnants, Hauptleute zweiter Klasse und Stabsoffiziere der Tarifklasse 3 ist eine allgemeine Erhöhung angesetzt. Das Gehalt ist durch alle Waffengattungen ohne Verschiedenheit der einzelnen Chargen gleichbemessen worden, das Gehalt der Hauptleute erster Klasse allgemein auf den höhern Satz gebracht. Im großen und ganzen ist, wie wir erfahren, bei den Erhöhungen lediglich das Bedürfnis maßgebend gewesen und bei der überars großen Mannigfaltigkeit
Berndt ihren Gatten ans allen KrtegSzügen, hielt nicht selten sogar im Gefecht ruhig an feiner Seite »»d that für die Leute ihres Gemahls alles, was nur in ihren Kräften stand. Vo» der Hacienda Lorena wurden wieder und wieder Lebensmittel für die Soldaten herangeschafft, und ans alle dem erklärte fich das enge und vortreffliche Verhältnis, welches zwischen Major von Berndt nnb seinen Mixikauern bestand.
Kaiser Moximiltan war bereits »ach Queretaro gegangen, um dort feine Macht zum letzten Schlage z» sammel», nnb bie Truppen Juarez' rückten von allen Selten heran. Um Ihnen ben Marsch zu erschwere», war et» Teil vo» McximilianS Truppe» beorbert, eine kleine feste Stabt aus bem Wege nach Oueretaro unbebtngt so lange zu halten, bi8 bie kaiserlichen Truppen völlig gefammelt nnb zur Schlacht bereit seien. Major von Berndt befand fich mit feinem Bataillon unter der An dcegarde, doch war diesmal seine Gattin nicht bet ihr». Nach seinem Willen war fie zu der bisher unbelästigten Harienda ihres Vater» gegangen. Die kaiserliche» Truppe», welche ben kleinen Ort San Jose hallen sollten, waren im Ganzen 1500 Mann stark, zu wenig für eine offene Schlacht, aber genügend zur Sperrung des Weges. Die Truppenmacht bestand aus drei Bataillonen: bem BerubtS, einem zweiten unter einem der wenigen Franzosen, die im Lande geblieben waren, Marquis de LasfiuS, und dem brüten unter Do» Heruaudo Lorena, einem Vetter der Frau von Berndt. Das Kommando führte Oberst Lopez, ein M« k'kauer, den Moxlnrilian al» einen seiner treuesten Offiziere bettachtete.
Major von Berndt hatte mll seinen Leuten bte Verteidigung der stärksten Stelle erhallen. Er v der französische MarqaiS machten ben Oberst Lopez vergeblich baranf aufmerksam, daß man alle Rxa t auf bie Verteidigung beB Zuganges aus bet Ebene verwenden müsse, bas Bataillon Lorena sei viel pr schwach, biefe Stellung zu hallen. Der Oberst wie»
der bisherigen Sätze eine gleichmäßige prozentliche Erhöhung nicht als geeignet erschienen, um dem Bedürfnis abzuhelfen. — Ein hiesiges Börsenblatt meldet heut Abend: Die weitaussehenden Pläne I laifer Wilhelms II. zur Befestigung deS Friedens dürften in der allernächsten Zett einen großen Erfolg zu verzeichnen haben. Es handelt sich um nichts geringeres, als um die Annäherung Rußlands und Oesterreich», der beiden im Orient konkurrirenden Staate». Die Nordreife des Erzherzogs Karl Ludwig i Bruders des Kaisers) mit seinem Sohne hat den weck, eine Begegnung des Kaisers Franz Josef mit dem Czaren anzubahnen. Dank der Offenheit der deutschen Politik, soll der Czar nicht abgeneigt sein, ich der Friedensliga anzuschließen, wenngleich nur n der Weise etwa wie England, Falls, wie zu hoffen steht, die Reise des Erzherzogs Karl Ludwig guten Erfolg Hai, wird im Laufe der nächsten Monate eine Drei-Kaiser-Begegnung stattfinden. Wir hören, daß diese Begegnung im August stattfinden könnte. Kaiser Wilhelm II. wird in der ersten August-Woche in England anwesend sein und von Osborne auf der Insel Wight, wo er als Gast der Königin von England weile» wird, die feststehende Reise nach Rußland unternehmen, um welche Zeit, wie gesagt, eine Dreikaiser - Entrevue an einem noch näher zu bezeichnenden Orte gedacht werden kann. Ueber die Veränderung der Weltlage zu Gunsten eines dauernden Friedens, zur Anbahnung erträglicher Verhältnisse am Balkan in dem Momente ein Wort zu verlieren, da das in Aussicht gestellte Ereignis Wirklichkeit würde, halten wir für überflüssig. — Es wird bestätigt, daß Fürst Bismarck am 21. d. M. nach England zu reisen beabsichtigt. Nach einem Telegramm des H. T. B. aus Amsterdam stellt die Niederländische Eisenbahn-Gesellschaft dem Fürsten sür die Reise nach London einen Extrazug von Venlo nach Vlissingen zur Verfügung. Fürst Bismarck von seiner Gemahlin und Herbert Bismarck begleitet, trifft am 21. Juni früh in Venlo ein. Die liebet« fahrt nach London erfolgt von Vlissingen per Extradampfer.
Düffeldorf, 5. Juni. Das Reichsgericht genehmigte die Revision des Urteils des Elberfelder Schwurgerichts gegen die Zeugen Rieckmann, Krause und Gemmer, welche wegen Meineides, begangen in dem Wuppenlhaler Sozialistenprozeß, zu l*/i resp. einem Jahre Zuchthaus verurteilt waren, und verwies die Angelegenheit zur abermaligen Verhandlung an das Schwurgericht Elberfeld.
>te beiden Offiziere barsch ab, erklärte, er werde nach Oueretaro znrückrelten, nnb übergab für bie Zeit einer Abwesenheit bem Don Lorena ben Oberbefehl.
Berndt nnb der Marquis blickten einander mit stummem Ingrimm an: »Soll mich doch der Teufel holen", brach Berndt endlich ans, „wenn da nicht eine nene Halluukerei im Spiel ist. Dem Lorena träne ich nicht über den Weg. Aber wehe dem Kerl, wenn er falsche» Spiel treibt!* Damit faßte er an seinen Revolver. Der Franzose nickte zustimmend.
Ernst schritt Arnold von Berndt in sei» Quartier zurück. Dort wartete feiner eine köstliche Gabe: Isabella hatte ihrem Gatten mll einem Briefchen eine wunderbare Rosensawmlnng übersandt, Rosen waren deS Majors erklärte Lieblinge, nnb konnte er nnr einer KnoSpe habhaft werbe», so erhielt fie auch den Platz an seiner Brust. Jetzt wählte er bie schönste ans von allen. „Die trage ich morgen tm Gefecht!* sagte er leise. „Ob wir nnS noch einmal Wiedersehen, Isabella?*
Zn einem kurzen Schlafe warf er fich aus ein dürftiges Ruhelager, doch die Zeit der Ruhe war nur sehr kur, bemeffen. Draußen ans der Straße gab e8 plötzlich ein wütendes Geschrei, dazwischen wurde geblasen, man lief hin nnb her, kurz, es hätte nicht schlimmer sei» können, tpenn bie Stadt bereits im feindlichen Besitz gewesen wäre. Berndt eilte an das Fenster. Der Platz vor seinem Hanse war vou Truppe» Überfüllt, nnmtitelbar vor der HauSthür staub der Major Lorena mit anderen Offizieren. Arnold gürtete schnell ben Säbel nm, steckte ben Revolver in bte Tasche nnb wollte hiuanSstürzeu, als ihm auf der Treppe Don Lorena schon entgegenkam. Die beibe» Männer maßen sich mit stechenden Blicken. „Ihren Degen, Herr von Beruht l* sagte Lorena. — Der Major sprang schnell in fein Zimmer zurück. — „Meinen Degen, warum?*
Der Mexikaner lächelte spöttisch.
(Schluß felgt)