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JH 129.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Ml., bei den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertiouSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 5. Juni 1890.

Nnzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annonceu-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV. Jabraana. Moffe m Fraickfurt a. M., Berlin, München u. Köln: G. L- M u

Daube u. So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Der Anfang vom L«-e

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ob Krieg oder Fr« den, denn es wird sonst von

öu Jahr durch Deutschland und seine Ver- llr II bfinbeten mehr überflügelt werden. Und stutzt man

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naturgemäß kann es auch mehr Soldaten im Ernst- salle ausbieten, wenn jeder Mann hcrangezogen wird, als unser westlicher Nachbar. Wenn nun aber unter gewissen notwendigen anderweiten Erleichte­rungen jeder waffenfähige Deutsche Soldat sein wird, kann wird der ernste Moment gekommen sein, in dem man sich in Paris darüber klar werden muß: Tas nun? Bisher hat Frankreich ununterbrochen seine Wehrkraft verstärkt, auf jede militärische Maß­nahmen Deutschlands ist an der Seine ein Trumpf gesetzt, und auch die bekannte Zweiteilung unseres leichsländischen Armeekorps, die durchaus keine neue Truppender stärkung in Elsaß-Lothringen bedeutet, wird von Frankreich durch Verdoppelung seines Grenzarmeekorps beantwortet. Aber den Pariser Herren wird heute schon schwül zu Mute, sie sehen den Augenblick näher und näher rücken, in welchem die Waffenrüstung Frankreichs einen Stillstand cr-

m Paris vor dem furchtbaren Wagnis, dann be­ginnt auch die Periode der Abrüstung, sie wird sich dann nicht mehr aufhalten lasten, die Völker können rufathmen.

Die Chauvinisten und Revanchepolitiker in Paris gründen ihre bekannten Hoffnungen immer noch auf die militärische Stärke Fiankreichs; auf die Hilfe

fahren muß, nämlich dann, wenn das Menschen- vnaterial auf die Neige geht, wenn Frankreich sich »außer Stande sieht, dieselbe Soldatenmasse auf die

1 Meine zu bringen, wie Dculschland. Und diesen «lugen blick werden wir im Laufe des Jahrzehnts »erreichen, in ihm wird man sich entscheiden müssen: »Krieg oder Frieden. da weitere Machtverstärkung 7^»|immöglich ist. Deutschland will keinen Krieg, Franfi reich wird sich dann endgiltig entscheiden wüsten,

in den europäischen Kriegsrüstungen ist gekommen; i eine andere Bedeutung hat die neue deutsche Militär- Vorlage nicht, und die Erklärungen, welche der

Lriegsminister von Berdy in der MilitärkomMission s des Reichstages über die künftigen Wünsche und

Pläne der Militärverwaltung abgegeben hat, 6fr » (tätigen dos. Die Militärverwaltung hat den Wunsch, daß in der Zukunft olle zum Militärdienst brauch­baren jungen Leute aktiv ausgebildet werden, wie (8 in Frankreich nach dem neuen Armeegesetz schon jetzt geschieht. Deutschland hat nun aber eine erheblich stärkere Bewohrerzchl als Frankreich;

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1.1868)

(Nachdruck verboten.)

Heiße Glnthen.

Erzählung von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Ju einer der tiefen Wandnischen der hohen Logenfenster, welche über See vnd Park in die srenod- «che, grüne G-gend hinausfchauten und in denen «tte, weiche, gleichfalls mit dunkelem Sammet be. i°gene Sitze angebracht waren, saß Jadwiga, halb erborgen von den schweren Brocatvorhängeu an ihrem Etrickrahmen. Neben ihr stand ein innber Arbeit?- »rb mit bunten Knänelu und Seidensträhnen an. »füllt. Sie stickte au einem ganzen Dntzend Deckchen M die steifen hochleutgen Stühle in Gräfin Antonias EtaatSzimmer.

Ihre Toilette war sehr sorgfältig gewählt. Ein »eißer, reich mit echten Spitzen besetzter Rock floß ® weichen Falte» au ihrer herrlicheu Gestalt herab ttb ein rubinrotes, feibeneg Hebei kleid war mit einem «welenbesetzteu Gürtel nm die Taille befestigt. Es »ar ein wahrer Prachtanzug; Gräfin Antonia liebte ts sehr, daß Jadwiga eine reiche Toilette machte, »tun Gäste aus dem Schlosse waren.

Das Sonnenlicht fiel mit schrägem Strahle durch «te runden Butzenscheiben der Fenster ans das seiden, »eiche, goldene Haar deS Mädchers, das in üppigen «cken, nnr von einem Peilenreif gehalten, über den »rißen Nacken wogte. Sie saß regungslos da, und »ährend ihre Finger fich gerävfchlos bewegten und die Nadel Stich für Stich dnrch die Arbeit fahr, Mühten in ihrem Gemüt die schönsten Tränwe. Ar leise klopfendes Herz war sanft und rein wie die FrühlingSlnft da draußen. Frieden leuchtete ihr *»8 den blauen Augen und Gesundheit von der Ivumtueu Wange.

Fünf Jahre ungetrübten Glücke» hasten eS Jadwiga Ar leichte» Sache gemacht, guten Mutes zu fein. *ag auf Tag und Stunde auf Stunde waren ihr so Mich entschwunden, daß fie kau« merkte, wie die

Rußlands, von der man früher so viel sich versprach, baut man heute weniger fest. Die Revanchehoffnung ist es gewesen, welche die Deputiertenkammer bei Regierung Millionen über Millionen hat bewilligen lassen für Militäraukgaben; man wollte bas Bewußtsein der Menge nicht zerstören, dem Deutschen Reiche durch btt Maste der Soldaten und des Kriegs Materials voraus zu sein. Die Zeitungen haben immer wieder auf diese Thatsache hingewiesen und damit die Eitelkeit der Bevölkerung gekitzelt, so daß sie über die enormen Ausgaben forisah. Wenn man aber nun in den folgenden Jahren wird eingestehen wüsten, daß Deutschland Frankreich überflügelt hat, was dann? An Chauvinisten, welche einen Krieg auf alle Fälle fordern, wird es dann gewiß nicht fehlen, aber ebensowenig an Männern, welche mit kühlem Blute die Thatsachen ins Auge fassen, und aus ihnen die Folgerung ziehen, daß ein Krieg nicht nur Frankreich, sondern auch die Republik ruinieren würde. Wenn ein Kriegsausgang zweifelhaft ist, denn mag die. Leidenschaft schon über kühle Er­wägungen den Sieg davontragen, aber jetzt, zum Ausgange des 19. Jahrhunderts, wird es auch den größten Chauvinisten kaum gelingen, alle Franzosen zu der Ansicht zu bekehren, daß Frankreich als Sieger über die Mächte des Friedensbundes, die ihm weit überlegen sind, her vorgehen wird. Und auch mit Rußlands Hilse kann es an Sieg nicht denken. Das ist die Sachlage und sie zeigt, daß die Militär-Maßnahmen m d Rüstungen notwendiger­weise aushören müssen, wenn sie richt mehr fortge- sitzt werden können. Aus dem Boden lassen sich Soldaten nicht stampfen. Wir können unsererseits mit gutem Mut in die Zukunft sehen, denn, wenn auch die Entscheidung Jahr für Jahr näher rückt, der Krieg wird von Jahr zu Jahr unwahrschein­licher. Die Gefahr für Europa liegt heute nicht so sehr im Westen, als im Osten. Ein chauvinistisches Frankreich ist nicht so besorgniserregend, wie ein panslawistisches Rußland, das nur dem Haste folgt oder von Verzweiflung getrieben wird. Und so leicht tritt in Petersburg dieser Wechsel nicht ein.

Kmtfches Reich.

Berlin, 3. Juni. DerReichSanzeiger" meldet: Der Kaiser unternahm gestern den ersten Ausritt, die Besserung schreitet in erfreulichster Weise fort. Der Kaiser arbeitete heute mit dem StaatSstkretär des Marireamts und anderen höheren Militärs, empfing den Okerpostrat Krätke, den bisherigen Landeshauptmann von Neuguinea sowie eine Depu-

Zett verging. Unter dem v-redelnben Einfluß ihrer Eltern haste sie auch gelernt, die Gewalt ihrer Empfinbungen zu beherrschen, und in ber licht- »nb liebevollen Atmosphäre, in ber sie lebte, schien allmälig ihre HerzenSwnnbe zu vernarben. Mitunter freilich kam boch einmal ber Schmerz ihrer früheren Erleb- niste über fie nnb bewältigte fie.

Daun beschlich sie eine seltsame Bangigkeit, es schien ihr, als wäre bie beständige Ruhe nnb Heiter­keit ihrer Seele etwas Unnatürliches, nnb nun er. blickte fie fchanbernd einen langen, langen Zug kommender einsamer Jahre vor fich, ohne ein Enbe erschauen zu können, ein enblich beglückrnbeS nnb erlösendes Enbe.

In solcher Gemütsverfassung befand sie fich gerabe, als bie Zofe ihr einen Brief von Roman überbrachte. Sie errötete nnb schaute lange auf baS Siegel, bas sein Wappen trug, nnb heftig bebten ihre Finger, als fie bas Papier entfaltete. In fieberhafter Hast laS sie seine Zeile», während eine Thränenflnt ihr aus be» Augen brach. Sie breitete weit ihre Arme ans, als wollte fie etwas fasse» nnb an ihre Brust ziehen, und ihren Lippen entrangen fich die schluchze», den Worte: »Roman, Roman, nnn felge ich Dir, nun gehöre ich zu Dir für alle Zeit. Ich will Dich lieben und ehre» und Dein demütiges glückliches Weib fein, bis mein Ange bricht.'

Dann fiel fie auf ihre »nie und verrichtete ein stilles Gebet. Romans Brief It fie fest an das hochklopfende Herz gedrückt, zwischen den gefalteten zitternden Händen. Nachdem fie ihre Fassung wieder erlangt hatte, ging fie still, mit nassen, aber von Seligkeit leuchtenden Augen zu den Elter». Siu unaussprechlich glückseliger Zug lag aus ihre» schönen Zügen, als fie der Gräfin Antonia Romans Schreiben hinreichte.

Das Antlitz derselbe» verklärte eia heller Strahl der Frevde, als fie de» Brief geltfe» hatte: fie zog Jadwiga an fich und küßte fie zärtlich.

«Was hast Du, Antonia«, sagt« ungeduldig der

tation des Kongresses der deutschen Jnnungs- und Handwerkerverbände. Der »Nordd. Allg. Ztg." zufolge sind der Landesdirektor ber Provinz Branden­burg, v. Levetzow, der Rittergutsbesitzer v. Helldorf auf Breda, der Klosterprobst Gras Reventlow zu Preetz und der Kammergerichtspräsident Drenkmann in das Herrenhaus berufen worden, letzterer unter Bestellung als Kronsyndikus. Die Meldung, der Kaiser habe sich in Königsberg dahin ausgesprochen, er plane in nicht langer Zeit mit dem Kaiser von Rußland in Königsberg zusammenzutreffen, wird von derNordd. Allg. Ztg." als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet. DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt betreffs der gehässigen Auslastungen zweier Berliner Blätter über die von Ungarn aus beabsichtigte Reise nach Berlin. Jene Stimmen, denen man in Ungarn leider eine Bedeutung zuge­messen habe, hätten in Deutschland kein Echo ge­funden und nur Kopfschütteln und Entrüstung er­regt. Oesterreich Ungarn sei ein Freund Deutsch lands, die Oesterreicher oder Ungarn, ob vereinzelt ober in Gruppen, könnten stets sicher sein, in Freunbeslanb die gastfreundlichste Aufnahme zu finden. Die Reichstagskommifsion zur Vorbe­ratung der Novelle zur Gewerbeordnung trat heute zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Bon einer Generaldebatte wurde abgesehen. Ferner wurde beschlossen, den von den Sozialdemokraten einge­brachten parallel gehenden Gesetzentwurf nicht in Anlehnung an die Regierungsvorlage zu diskutieren, da jener Entwurf noch nicht im Plenum zur Be­ratung gestanden und nicht der Kommission zuge­wiesen sei. Es bleibt vielmehr den Antragstellern überlassen, zu den einzelnen Paragraphen ihre Gegenanträge zu formulieren. Alsdann wurde in bie materielle Erörterung des § 105 eingetreten, welcher in Absatz 1 übereinstimmend in dem be­ste henden Gesetz und der Novelle lautet:Die Fest, ietzung bet Verhältnisse zwischen ben sebststänbigen Gewerbetreibenben und den gewerblichen Arbeitern ist, vorbehaltlich ber burch Reichsgesetz begründeten Beschränkungen, Gegenstand freier Uebereinkunft.* In dem gegenwärtigen Gesetz folgen hierauf folgende zwei Absätze: Zum Arbeiten an Sonn- und Fest­tagen können bie Gewerbetreibenben die Arbeiter nicht verpflichten. Arbeiten, welche nach ber Natur des Gewerbebetriebes einen Aufschub ober eine Unterbrechung nicht gestatten, fallen unter bie vor­stehende Bestimmung nicht. Welche Tage als Fest­tage gelten, bestimmen bie Landesregierungen." In der vorgelegten Novelle sind diese beiden Absätze

Graf, .der Brief ist von Roman, wie ich sehe! Warum meint Jadwiga, ist ihm etwas zugestoßen? Ist in Lygotta etwas besonderes pasfirt?"

.Nein, nichts, Stanislaw, aber Roma» wirbt um bie Hanb unserer Tochter. Er hat sich gleich selbst an Jabwiga gewandt nnb wie ich aus seinem Schreiben «sehe, scheint er seiner Sache ziemlich ficher zu sei». Im Mai, wen» bie Veilchen blühen, wenn Dein Namenstag ist, will er uns »nb feine Br-mt besuchen. Und Du haft boch nichts bagegen, lieber Man», Du nimmst Romans Werbung an und machst zwei Mensche», bie fich schon lange lieben, glücklich?"

Dem Grafen wurden bie Angen fencht, er blickte eine Weile in tiefer Bewegung vor fich nieder, dann faßte er nach dem Briefe und las. Einen Moment später flatterte das Blatt zu Bode». Er ergriff JadwigaS beide Hände und schaute ihr forschend in das sanft gerötete Gesicht.

.Hast Dn ihn lieb, willst Dn ihu heiraten?"

Sie sah zu ihm auf mit strahlenden Augen. An ihren seidenweichen Wimpern schimmerten noch immer ein paar Helle Tropfen, aber fie lächelte beglückt de» Grafe» an nnb flüsterte ein leises ,3a!"

Er schwieg lange in ihrem Anblick versunken, bann strich et zärtlich über ihr blonbeS Haar. ,ES wirb uns schmerzen, Dich zn verlieren", sagte er, .boch Deine erste Pflicht ist eS, bem Manne zu folge», Den Dein Herz sich anSerwählt, unb ihm alles zu fein!*

Seit bem Eintreffen von Romans Brief, welchen Graf Stanislaw selbst beantwortet hatte, waren zwei Monate vergangen unb Jadwiga hatte seitdem nichts von Roman gehört. Wie seltsam: Wenn fie auf die vergangenen fünf Jahre zurückblickte, so erschienen ihr dieselben kürzer als die verflossenen FrühlingSwochen, die ihr im Fieber bräutlicher Sehnsucht und Unge­duld wie eine Ewigkeit erschienen. Ihre Phantasie zauberten ihr Roman» Bild so deutlich vor, als hätte fie gestern an der RochnSkapelle von ihm Abschied genommen, denn die lange Trennung hatte ihre Liebe fftt ihn wohl unterdrücken, aber niemals ertöten

fortgelassen und statt derselben ein neuer § 105 a in Vorschlag gebracht, welcher lautet:Zum Arbeiten an Sonn- und Festtagen können die Gewerbetrelben- ben bie Arbeiter nur insofern verpflichten, als es sich um Arbeiten handelt, welche nach den Bestim­mungen dieses Gesetzes auch an Sonn- und Fest­tagen vorgenommen werden dürfen. Welche Tage als Festtage gelten, bestimmen unter Berücksichtigung der örtlichen nnb konfessionellen Verhältnisse bie Landesregierungen." Von der Kommission wurden nun die Vorschläge der Novelle mit 12 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Der Bundesrat wird sich bekanntlich in einer seiner nächsten Sitzungen über den ihm vom Reichskanzler zugegangenen und von ihm an die Ausschüsse zur Vorberatung überwiesenen Antrag betreffs der Errichtung eines Nationaldenk- mals für Kaiser Wilhelm I. schlüssig machen. Ver­mutlich dürfte der Antrag im wesentlichen so an­genommen werden, wie er gestellt ist. Es würde sich demnach, was die Platzfrage betrifft, nur noch um die Schloßfreiheit handeln. Um an der Schloß­freiheit einen für bie Aufnahme bes StanbbilbeS ausreichenben Raum zu gewinnen, wirb sich bekannt­lich neben der Beseitigung ber vorhanbenen Gebäude eine teilweise Zuschüttung ober Ueberwölbrmg bes angrenzenben Wasserlaufs als notwenbig Heraus­stellen. Ans dem so gewonnenen Platze nun ließe sich bie Errichtung des Standbildes in verschiedener Anordnung denken. Entweder könnte das Stand­bild unter Verlegung der an der Schloßfront hin- laufenden Straße in enge Verbindung mit dem Schloßbau gebracht werden oder es könnte durch die Straße von dem Schlosse getrennt der Schloß- sront gegenüber in passender architektonischer An­ordnung an den Wasserlauf der Spree gerückt werden. Wie wir hören, ist man in zur Beurteilung der Frage kompetenten Kreisen bet Ansicht, daß der letztere Weg vorzuziehen wäre. Einmal würde dadurch der historische Charakter der Schloßfront, insbesondere des Hauptportals, das nicht verbaut werden dürfte, geschont werden, sodann würde eine größere malerische Wirkung erzielt und schließlich würde auch vermieden werden, das Denkmal als einen bloßen Annex der Schloßarchitektur erscheinen zu lassen. Bei jeder monumentalen Gestaltung deS Platzes würde nur darauf Rücksicht zu nehmen sein, daß bie Schütze bes Mühlengrabens wegen der Vor- flut unb Schleusenverhältniffe bes vorüberführenden Spreearmes in der jetzigen Einrichtung erhalten bleibt, und demgemäß wird dieselbe sei es durch eine, geringe terrassenförmige Erhöhung des Platzes,

können. Ihr Herz schlug heftig bet dem Gesaute» an das Wiedersehen, es war ihr zu Mute, als wäre bis dahi» ihr Dasein nur ei» Traum gemefeu, als könne sie erst an seiner Seite ein wirkliches Leben leben.

Und alle diese Empfindungen bewegte» auch heute, an dem schönen Maitage, wo Roman kommen sollte, ihre Seele, während die Finger mit den seidenen Faden spielten und so eifrig an ber Arbeit nestelten, als wollten fie dieselbe bis zum Abend fertig schaffen.

Währenddem herrschte im Schlosse die regsamste Geschäftigkeit. Die Diener hatten alle Hände voll mit Vorbereitungen für die vielen Gäste zu ihun, die fich bereits in den Gesellschaftssälen versammelten. Gräfin Antonia machte mit der vornehmen Würde, welche ihr eigen war, die Honneurs, während ihr Gemahl dann und wann unruhige Streiszüge nach be» Nebenräume» anstellte, nm nachzuseheu, ob Roman noch nicht angenommen war.

ES war nahe an drei Uhr Nachmittags, als eine elegante Britschka mit zwei feurigen Lithauem be­spannt ans den Schloßhof rollte. Noch ehe das Ge­fährt vor bem Portal anhielt, sprang der junge Herr v. BieliuSki heraus und flog die Stufen zum Vestibül hinauf. Von dort waren nur ein paar Schritte bis zum Familieuzimmer der Kwileckis.

Romans Herz klopfte ungestüm, als er vor der Thür dieses schönen, traulichen Gemaches stand, an das er so oft gedacht und welches er trotzdem fünf Jahre laug ängstlich gemieden hatte. Nun durfte er eS endlich wieder betreten.

Er legte die zitternde Hand auf den Drücker und schöpfte tief Atem. Dann trat er hastig über die Schwelle. Die er hier zu sehen erwartet hatte, war nicht da, dafür stand Graf Stanislaw plötzlich vor ihm, der eben wieder eine Wanderung durch alle Räume gemacht hatte.

»Väterchen, liebes Väterchen!" rief Roman ans unb eilte ihm, vor Aufregung zttternd, mit möge* streckten Armen entgegen.

(Schluß folgt)