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Sachlage. Man mag nur einmal praktisch die Wirkung der internationalen Arbeiterverbrüderung versuchen, es wird eine recht, recht bittere Lehre werden.
Marburg,
Dienstag, 3. Juni 1890.
Für den Monat Juni kann die vverhesfische Aeittmz mit ihren Beiblättern Kreisbiatt
Kk die Kreise Marburg u«s Kirchhain
und
-llu-riertes Souutagsbtatr
durch alle Postanstalten bezogen werden.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen und in hiesiger Stadt die Expedition.
Die Exped. der Oberh. Zeitg.
dazu führen, daß wir auch ferner neue Formationen erörtern, daß nach einiger Zeit wir die großen Schlachtenkörper, die Divisionen und Korps, aufstellen, wie wir in Preußen die- eben gethan, in Bayern es angestrebt wird. Ich erachte für die Zukunft den Weg für unS angezeigt, daß wir auS uns selbst hrrausdie alte Kraft entwickeln, welche wir für die Entscheidung zu erreichen fähig sind. Es ist die Konsequenz des Scharnhorstschen Gedankens der allgemeinen Wehrpflicht, die er selbst in seinen Projekten gezogen hat, daß jeder Waffenfähige auch zum Gebrauch der Waffen ausgebildet wird. Nun haben wir augenblicklich jährlich etwa 11 600 zurückgestellter Leute, außerdem etwa 20 000 bedingt Taugliche ; aus der Gesammtzahl derselben — für den Augenblick, wo drei Jahrgänge zur Verfügung stehen — also etwa 54 000 Mann. Wir sind in der Lage, diese sofort einzustrllen. Aber wenn wir solide ausbilden wollen — und dies wollen wir — so müssen und können wir nur schrittweise vorgehen. Wir wollen uns nicht in die Breite ausdehnen, sondern den Zuschuß an Mannschaften wollen wir dem inneren Gehalte der Armee und der weiteren Entwickelung der einzelnen Waffen zukommen lassen. Wir können auch aus Mangel an AusbildungSpersonal nur sehr schrittweise so vorgehen, so daß wir auf längere Zeit hinaus abschnittweise vorgehen würden; zuerst etwa- schneller, um den Vorsprung der anderen ein wenig auszugleichen; später kann nnr in dem Prozentsätze fortgefahren werden, den die Zunahme der Bevölkerung ergiebt. Einzelheiten und Perioden kann ich nicht angeben; es ist eine Grundlage, bei welcher jede Etappe mit Ihnen vereinbart werden muß, wenn die Angelegenheit an Sie herantritt, eine Grundlage, die noch gar keine feste Gestalt erhalten, welche vor allem die Zustimmung der verbündeten Regierungen erfordert, welchen noch gar keine Gelegenheit gegeben worden ist, Stellung dazu zu nehmen. Jedenfalls binden Sie sich bei der jetzigen Vorlage noch in keiner Weise. Stellung zu der Sache kann wohl nur genommen werden, wenn ein fertiges Projekt dasteht."
Weimar, 31. Mai. Heute sand hier unter sehr zahlreicher Beteiligung die diesjährige Hauptversammlung der Gocthegesellschaft unter dem Vorsitze des Wirklichen Geheimen Rates Löper statt. Die hier anwesenden Mitglieder der großherzoglichen Familie wohnten der Versammlung bei. Der verlesene Jahresbericht gedenkt der Kaiserin Augusta, der begeisterten Förderin der Ziele der Gesellschaft, in wärmster Weise. Die Festrede hielt Löper über und Rose» in reichlicher Fülle waren darüber verstreut. Auch da« schwarze Eiseukreuz, das ihren Namen trug, war mit Roseu umkräuzt uud die goldeuen Sonnenlichter huschten darüber hin und her und küßten dev duftenden Rosenhügel.
Gräfin Antonia, durch Unpäßlichkeit verhindert, früher zn reisen, war gerade zur rechten Zeit »ach Mentoue gekommen, um der Beerdigung ihrer Tochter beizawohnen. Sie hatte ihr etuztgeS Kind verloren, sie hatte eS anseheo müffeo, daß mau ihr das Liebste auf beu Kirchhof trug, ach, sie war untröstlich. Aber sie litt schweigend und ohne Klage», sie schloß ihren Schwerz in ihr tiefste» Herz, wie das stet» ihre G.- wohuheit war.
Sie wußte uichis davon, daß Roman eine so überaus unglückliche Ehe mit Spiridia geführt hatte, sie konnte es nicht vifleu, da Beide sich niemals bet ihr darüber beklagt hatte». Auch Frau Casimir« hatte ihre triftigen Gründe gehabt, zu schweizeu. Deuu obgleich ihr mitunter das Zusammenleben mit deu so weuig harmonierenden Kindern uuerttäglich war, so wußte sie sich doch immer mit den mauutg- saltigru Vorzügen und Geuüffeu, welche der Retchthum ihr jetzt bieten konnte, zu entschädigen und zu trösten.
Nun war Spiridia tot, mm war alles vorüber, sie starb versöhnt. Wer hätte eS gewagt, jetzt noch deu Schleier von der Vergaugeuhett zu ziehen und das bekümmerte Mutterherz mtt »och größerem Schmerz zu kränken.
Der Tag der Abreise war bestimmt. Roman besuchte noch einmal die letzte Ruhestätte seiner Fran, um Abschied zu uehmeu. Er staub lauge regnugSlvS davor uud begrub sei» Sestcht iu beide Hände. Nau war alles vorbei, die ttüde Vergaugeuhett lag hinter ihm. Er lttt wohl »och uuter dem heiße» Weh, das iu deu ersteu Tagen jeden Trost von ihm gewiefeu hatte, ja, er bedauerte Spiridia auftichtig; die sich wie ein Engel sauft, schmerzlos uud mtt dem Suffe der Bersöhuuug aus de» Lippeu iu deu Himmel ge» schwullgeu hatte, aber er war jetzt ftei, ftei, erlöst
-eirtsches Leich.
Berlin, 31. Mai. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der Kaiser, welcher gestern bereits aufgestanden war, konnte heute die Fußbekleidung wieder anlegen und Gehversuche im Zimmer machen. — Anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung Friedrichs des Großen zogen die Wachen heute in Padeanzug auf. Alle königlichen Gebäude haben geflaggt. Auf Befehl des Kaisers wurde nachmittags 3 Uhr im Lustgarten ein Salut von 101 Kanonendonner abgeseuert. Auch wurde auf Befehl des Kaisers der Eingang zu der Gruft in der Potsdamer Garnisonkirche prachtvoll dekoriert und das Berliner Denkmal unter den Linden festlich geschmückt. An der Vorderfront des Denkmals befindet sich ein Riescnlorbeerkranz mit den Initialen: „W R." und der Inschrift: „Dem Andenken meines großen Vorfahren am 150jährigen Gedenktage seiner Thronbesteigung." Die Regierungsund königlichen Gebäude sind beflaggt. — Die Minister des Innern und für Handel und Gewerbe haben die Regierungspräsidentkn durch Erlaß vom 13. d. M. veranlaßt, die Gemeinden daraus hinzuweisen, daß es wünschenswert ist, daß für Unternehmungen, deren Entwickelung in ihrem Jntereffe liegt, soweit dieselben nicht aus den Mitteln der Gemeinde selbst und für deren Rechnung ins Werk gesetzt werden, deutsches und nicht ausländisches Kapital herangezogen werde und daß die Gemeinden diesen Gesichtspunkt bei Erteilung etwa erforderlicher Konzessionen und bei dem Abschluß von Verträgen mit Unternehmern sich gegenwärtig halten.
— Die Erklärung des Kriegsministers in der Militär-Kommission des Reichtags betreffs der militärischen Zukunftspläne, lautet nach dem Protokoll der Kommission. „Wenn die bedeutende Uebcrlegenheit für die Zukunft bei den Nachbarstaaten fcstgestellt ist, so ist es klar, daß wir nicht die Hände in den Schooß legen können. Es fragt sich, welchen Weg wir einschlagen sollen. Wir haben bisher sorgfälttg nach beiden Seiten hir gesehen, daß man dort keinen zu großen Vorsprung erlange, und darnach unsere Forderungen gestellt. Wie ich bereits in der ersten Sitzung darauf hingewiesen habe, lagen Verhältnisse vor, welche dies gestalteten. Mit dem Momente der Durchführung des französischen Wehrgesctzes geht dies nicht weiter. Der bisherige Weg wird ich fühle, daß ich sterbe — sterbe» muß. Versprich mir, daß ich hier ruhe» darf, «»ter de» Rose» »ud Palme» MeutoucS, wo ich Frieden fand."
Ihn übermannte der Schmerz, er warf sich auf seiueu Sitz zurück »ud seufzte laut. Südlich sagte er: „Spiridia, mein armes, armes Weib, ich der. spreche es Du!"
Sie nickte befriedigt, bann sah sie ihn lange »nd unverwandt an, als wollte fie sein Bild mitnehmen i» eine andere, schönere Welt. Plötzlich erbleichte fie, ihr Atem stockte, bk müden Augen schloffen sich.
Roma» spraog erschrocken ans, kniete nieder »nd umfaßte mit beiden Armen die fast leblose Gestalt, er weinte nnd schleuchzte vor Angst nnb vor Schmerz.
„Weine nicht, weine nicht*, hauchte fie äogstlich. Wenn es doch sein muß, ist eS bester, Du kauerst nicht so sehr. — Ach Roman, iu Deinen Armen stirbt eS fich so schön I*
Ein Lächeln s.liger Befriedigung verklärt« ihr wachsbleiches Geficht. Sie öffnete noch einmal die Augen, ihr letzter halb gebrochener Blick gehörte dem geliebten Manne an.
„Roman, mein Freund*, flüsterte fie fast unhör. bar, „iS wird dunkel, ich sehe Dich nicht mehr, Roman!* — Ihre Stimme erlosch mit seinem Namen. Dann staub ihr Atem still. Sie war sauft und friedlich eutschlnmmert, ohne Kampf uud ohne Ringe». Das Sterben war ihr zur Erlösung geworden.
Er drückte ihr saust die Augeu zu, heiß und uu- aufhaltsam flössen seine Thrinen in dar stille blaffe Geficht der toten Fran.
Ueber dem Garten brestete fich dar Dnnkel der Nacht. Der Vogel hatte sei» Lied beendet, er hob eine Schwingen und flog über das Meer. Und in den Wipfeln der Palme» flüsterte nnb rannte es wie leiser Kttchengesang. *
Spiridia war seit einer Woche begraben, nnter den Pinien nnb Palmen Mentones, wie fie e« gewünscht hatte. Eine Rosenhecke umschloß ihre Grnst,
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnemeMs-PreiS bei der Expedition 2*/t Mk., bet den Postämtern 2 M. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Schaaren Oesterreich - Ungarn aufzuwcisen hat, das lehrt die Streikgeschichte dieses Jahres. Der Schweizer Arbeiter steht dem Deutschewgleich, aber seine Gesamtzahl ist zu ge: ing, der Belgische ist politisch völlig unrei: und hört nur auf seine Führer. Bei allen diesen Nationen und bei der großen Maste ihrer Arbeiter ist das Hauptftreben eine Verbesserung der Einnahmen, die häufig, oder mit Ausnahme einzelner englischer Jndustrieen, stets schlechter als in Deutschland sind. Hat der englische Industriearbeiter größere Einnahmen, so hat er aber auch erheblich mehr Ausgaben, und wenn sich in Frankreich einzelne Arbelterkategorien besser stehen, als ihre Kameraden in Deutschland, so liegt das an dem wirtschaftlichen Reichtum und der Fruchtbarkeit des Landes. Blicken wir aber in die Verhältniste der französischen Berg arbeiter und Hüttenleute z. B., so stoßen wir auf elende Zustände.
Bei einer internationalen Arbeiterverbrüderung würde der deutsche Arbeiter moralisch wie finanziell also nichts gewinnen, sondern verlieren, und zum Schluß würde man ihn, wenn er für Andere die Kastanien aus dem Feuer geholt hat, auslachen. Die deutsche Gutmütigkeit und das deutsche Vertrauen hat an unseren Grenzen ein Ende; im Auslande fieht man erst auf das Nehmen, und dann kommt das Geben noch lange nicht. Keiner Nation ziehmt es übermütig zu sein und auf die andere herabzu- blicken, aber seinen Nationalstolz, den soll sich niemand nehmen lassen, damit ist es eine schöne Sache, und was ein starkes Vaterland wert ist, das erkennt erst der, welcher allein weit draußen in der Fremde steht. Kommt er dann in Not, so Hilst ihm alle Freundschaft zu anderen Nationen keinen Pfifferling. Er kann sterben und verderben, so viel er will. Aber das Nationalgefühl, das Bewußtsein der gemeinsamen Heimat, desstlben Vaterlandes, die lassen den Deutschen im Auslande gern dem in Bedrängnis befindlichen Landsmanne bcispringen. Biele deutsche Arbeiter haben ihren Wanderstab durch ganz Europa gesetzt, durch ihre Tüchtigkeit sich Liebe und Achtung ihrer Brotherren errungen. Aber wo blieb diesen deutschen Arbeitern gegenüber die internationale Freundschaft der fremdländischen Arbeiter? Die suchen wir bis heute vergebens. Unter der Waske des Deutschenhasses biflen die Pariser Arbeiter die Tausende von deutsch«n Arbeitern aus den dortigen Werkstätten fort und in Loudon ist schon seit Jahr und Tag eine recht scharfe Agitation gegen die deutsche Einwanderung int Gange. Das ist die
Roman hatte Sptrtdta in den Garten getragen an de» frenndlichsten Platz. Dort stand «ine große Cypreste »nd darunter eine Rasenbank. Er bereitete ihr aus Kiffen und Decke» ein b quemes Ruhelage: and bett.k sie sorglich darauf, da fie schon zu schwach war, um aufrecht zu fitzen. Die Krankheit hatte sich sehr rasch weiter entwickelt, eS gab keine Hoffnung aus G-nesung mehr — die arme Frau war rettungslos dem Tode verfallen.
Roman setzte fich zu ihr nnb fie schmiegte fich sanft an ihn. Ihre großen, schon halb umflorten Augen schweiften langsam über die schöne Landschaft bin, die vor ihnen auSgebreitet lag. Der erste rofige Abendschein färbte dieselbe mtt Purpur »nd Gold nnd purpurne Wölkchen schwammen am Himmel. All.S rings umher war herrlich nnb groß, erhaben und schön. Von ber Kirche ber Mabonna della Sedio tönte das Ave-Maria-Läute» herüber, nnb oben im Wipfel des Baumes fang ein Vogel fein Abendlied. Der Tag war zur Rüste gegangen. '
SpiridiaS halb verschleierter Blick schweifte hin und her, er folgte den Wolke» und bann wteber ben auf nnb nieder gleitende» Fischerbarkru auf der blaue» Meere!flut, er ruhte eine Weil« auf ben hohen Bergen, auf ben Palmen- nnb Oliv-nwäldern, »nd haftete bann ans ber freundlichen Stadt mit ben bunten Häusern nnb roten Dächern. Unb in ihrer Seele fing c8 leise zu klinge» an, eine Sehnsucht »ach dem Leben, nach Jugendfrende, Liebe nnb Lust erfaßte sie plötzlich — znm fitzte n Male. Sie richtete fich empor, ihre Angen lenchteten auf.
„Roman, steh bk herrliche Welt', sagte fie. „Dort das Meer nnb bk schneeigen Kuppen ber Alpe». Ach steh, wie schön! Unb rings nm ans her die Palmen nnb Rosen. Wie baS duftet und grüßt und winkt! Und in dieser herrlichen Well, so nahe mir, bist Du, mein Freund, mein Licht, mein Stern! — Wie wunderschön ist doch da» End« für mich!*
Sie stützt« ihre Hand auf seine Schnlter nnb neigte fich zn ihm. „Roman', flüsterte fie. „Roman,
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bogle« üa Frankfurt a.M., C^el Magdeburg m Wien; Rudolf XXV Moste mFrankfurt a. M., Berlin,München u. Köln:G.L. AA¥' M Daube u. So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
International uud national.
Ein Teil der Führer der deutschen Arbeiterbewegung, nicht etwa alle, strebt bekanntlich darau' hin, der Arbeiterbewegung einen intet nationalen Charakter zu geben, d. h. die Arbeiter aller Länder zu einem gemeinsamen Vorgehen, zu europätschen Streiks zu vereinen. Es ist nun eine Thatsache, daß dieser Zug sich in größerem Maßstabe eigentlich nur unter den deutschen Arbeiterführern findet, daß diejenigen des Auslandes aber gar nicht daran denken, soweit zu gehen, wie etwa die Herren Bebel und Liebknecht wollen. Eine internationale Verbrüderung aller Arbeiter ist schon um deswillen ein Nonsens, weil der Bildungsgrad der Arbeiter ebenso derschieden ist, wie ihr Einkommen. Unsere deutschen Arbeiter haben gar keine Ahnung davon, wie un wiffend und roh zugleich die Arbeiter des Auslandes vielfach sind, Eigenschaften, für welche die Arbeiter- Unruhen des letzten Jahres sehr umfangreiche Beläge gegeben haben. Mit dem Bildungsgrade des deutschen Arbeiters kann sich nur der schweizer und ein mäßiger Teil der englischen missen. Man glaube nur nicht, daß in England alle Sh beiter groß da stehen, Hunderttausende führen noch ein jämmerliches Dasein. Der französische Arbeiter spricht viel und geschickt, hat große gewerbliche Fähigkeiten, aber, mit geringen Ausnahmen, nicht die Bildung, welche Mete Volksschule giebt. Seine Kenntniffe beruhen auf der Lektüre einer Skandalpresse, welche die schmutzigsten Geschichten mit Vorliebe breittritt. Der italienische Arbeiter steht sich, was sein Einkommen betrifft, herzlich schlecht; so gering, wie seine Ein- uahmen ist auch seine Schulbildung. Wie rohe
(Nachdruck verboten.)
Heiße Gtttihe«.
Erzählung von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Gott sei gepriesen, nnn brach ein neues Leben an, jnn konnte fie auch ganz ohne GewiffenSbiffe nach Kom reifen, nnn durfte sie sich mit Lust am Karneval ffgötze», ben» Roman war da unb wachte mit Zärtlichkeit übet feine arme, kranke Fra».
Am nächsten Tage war baS junge Ehepaar allein Frau v. Bielirska war abgereist.
Roman pflegte Spiridia mit unermüdlicher Sorg. Wt, er hatte unzählige kleine Aufmersamkeiteu für l>e, welche fie mit Rührung nnb Dankbarkeit entgegen. Mw. Alle ihre Wünsche waren ihm Befehl, er «ag fie buchstäblich auf Händen nnb verließ fie keine vtnnde, weder bei Tag, noch bei Nacht. Sein krankes «eib schien ihm das Kostbarste, was die Well besaß tau Heiligthuw.
— Doch Spiridia wurde mit jedem Tag« schwächer elender, aber fie grämte fich nicht mehr. Sie «h dem Ende mit Ergebung entgegen; Gott hatte 91 de» letzte» Wunsch erfüllt: Sie hatte sich mit wrem (Satten versöhnt, fie hatte seine Freundschaft gewonnen und durfte noch eine Zett lang unaus- Mechlich glücklich fein. Nun wollte fie ruhig sterben.
So vergingen mehrere Wochen. Das Wetter herrlich, die Natur prankte in unbeschreiblicher «evlichkeit. Der kleine Kurort schwamm tu einer Men Flut von Licht und Glanz und durch die »arme Lust zog ei» süßer Duft von Blumen nnb Mchten. Unb ein Tag schien immer köstlicher als p.r andere, ber blaue Himmel wölbte fich wolkenlos a«r ber parabiefischeu Landschaft, baS blaue Meer Miete i» ber Sonne, wie mit Millionen sunkeln- Jy Brillanten überstreut nnb weiße Segel glitten Warn über bk glänzende Fläche nnb noch weißere Woben schwebten barfiber hin mb badeten fich im Mbenen Sonnenschein.