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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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®*“9^Sonntag, 25. Mai 1890. MV- Jahrgang.

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Für den Monat Juni kann die vverhesfische Zeitung mit ihren Beiblättern Ureisblatt

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Eine ganze Reihe von Jahren können wir nun schon zurückdenken, die alle mit größeren oder kleineren kargen, alle mit weniger oder mehr unruhigen Lagen beganren. In diesem Jahre ist es nicht anders gewesen. Wohl waltet über dem deutschen Reiche bte feste Kraft gepaart mit Einsicht und Weisheit, aber dem Volke, das arbeitet an seiner Entwicklung, vorwärts im kräftigen Ringen zur Aus­dehnung seiner Mannhaftigkeit, zur Erprobung seiner Stärke bleiben auch, gleichwie dem rastlos thätigen einzelnen Manne, ernstere Stunden nicht erspart, in denen die ganze Vaterlandsliebe mit treuem ernsten Vürgersinn sich paaren muß, in denen zu erwägen ist, was uns gut und was schädlich für das große Ganze ist. Deutschland und die Deutschen haben solche Stunden auch im Beginn dieses Jahres ge­habt, dieses Jahres, des einen klaren Wendepunkt bildet in den Büchern der Geschichte des zweiten deutschen Kaiserreiches. Es waren ernste, aber auch große Tage, der Kaiser und das Volk spannten wiederholt ihre ganze Kraft an, um gefahrvollen Zwischenfällen zu w.ehren, es gab einen Kampf um die besten Güter der Menschheit, um Wahrheit und Recht. Ter Streit ist noch nicht ausgekämpft, die Waffen sind nicht in das Rüsthaus zurückgebracht worden, es ist noch kein fester Friede geschlossen worden^ aber den Sturm- und Drargtogen ist der gefolgt, auf die unruhigen Wochen das schöne, herrliche Pfingsten. Etwas wie eine Beschämung ist Äer die Kreise gekommen, die am lautesten haderten, «an hat vielfach eingesehen, daß der Hader gegen das bestehende Weltgesetz nichts Anderes bedeutet, als

Hr dir Kreise Marburg «uv Kirchhaiv

und

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durch alle Postanstalten bezogen werden.

In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen und in hiesiger Stadt die Expedition.

Die Exped. der Oberh. Zeitg.

-Znm Pfingstfest.

das Schaffen einer Grube, die später die in sich be­graben wird, welche sie öffneten. So ist es still geworden ringsum im Land, feiertäglich still. Dann und wann erschallt wohl noch einmal schrill ein Kampf- und Zornruf, aber er nimmt sich aus wie Mißgetön, und schwächer und schwächer wird das Echo, welches er findet. So brauchen wir uns denn nicht erst in eine pfingstliche Stimmung mühsam hineinzuarbeiten, sie ist bereits da und läßt uns das liebliche Fest so begehen, wie es seiner würdig, befreit und losgelöst von kleinen Sorgen des Alltags­lebens. Wir grüßen frohen Herzens Pfingsten, wir hoffen und wünschen, daß das Zauberfest mit lindem Hauch auch die Gemüter streifen möge, die noch unter dem Banne der verfchloffenen Kampftage stehen und die Welt mit finsteren Augen anschauen. Die Welt ist schon schön und am herrlichsten ist sie zu Pfingsten. Was den goldenen Sonnenglanz des Pfingstfestes trüben kann, das sind allein Thaten der Menschen. Frohes Herz und leichter Sinn, Genügsamkeit und Zufriedenheit sie find die Begleiter von Pfingsten, mögen sie unsere Freunde auch in den solgenden Wochen bleiben.

Sorgen und Klagen, wann werden sie jemals auf Erdrn nicht mehr laut werden? Sie kommen immer wieder zum Vorschein, nur zu häufig freilich selbstverschuldet, nur zu häufig aus kleinen Anfängen durch eigene Schuld erst groß gemacht. Daran zu erinnern, giebt es keine besiere Gelegenheit als Pfingsten, das Pfingstfest dieses Jahres, dem bekannte Sturmwochen vorangegargen sind. War daS Alles nötig, mußte das Alles sein? Pfingsten ist das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes, es ist die Feier zur Erinnerung an die christliche Kirche, deren Macht nie versagt hat, obgleich sie von ganz anderen Stürmen schon umwogt gewesen ist, als heute. Bald zwei Jahrtausende sind verfloffen, seit die Lehre der Menschheit erklungen ist, über die zu allen Zeiten viele gespöttelt haben, deren gewaltige Kraft aber schließlich doch ein jeder empfunden hat. Deutsch­land gehört zu den Ländern, in welchen von je her die strengste Religiosität obgewaltet hat. Zucht und Ehrbarkeit zeichneten schon unsere heidnischen Vor­fahren aus, durch Treue und Kraft ist Deutschland groß geworden. Noch nicht verklungen ist jenes be­rühmte Wort: „Ein einiges Deutschland ist unbe sicgbar V' Heute hat es wie ein Wirbelwind viele unreife Gemüter gefaßt, sie schwanken hin und her wie ein Rohr, bis Erfahrung und Lebensweisheit am Ende die schwache Pflanze kräfiigen. Auch der stärkste Sturm verrauscht und noch dem schlimmsten

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Psnigttrosen.

Ihr hört die Nachtigall im Haine schlagen, »er Vögel Chor von Lenz nab Liebe fingen, «nb Bächleins Rauschen bnrch die Lüfte dringen 3» sonnenhellen, warmen Maientagen, «ta Blütcndom entstand in hehrer Schöne, «»hin Ihr hört nnb sehet: Jubeltöne *«b zarte Blumen, duftig, farbenprächtig! «it WaldeSsäuselu mischt bald leis, bald mächtig Sich Saug und Klang von frohen Pilgerschaare», Das Lallen Greiser tu den Silberhaaren Und Jubelruf vou bloudgelockteu Kleinen, Die fich zum Riugeltanze fröhlich einen 1 Dazwischen süßes Lachen, heimlich Kosen; AdwedeS Leid auf Erden scheint verschwunden, Dafür erblühen tausend Pfiagftfest-Roseu. «ewahret ihrer drei in allen Stunden, Die schönsten aus dem gangen Blumenreiche, nie, was sie bedeuten, von Euch weiche:

Die erste ist ein hoher, hehrer Glaube, Der «ns erhellt, wenn böse Tage kommen, «n, wenn die zweite in der Brust entglommen, Die Liebe, alle Sorgen läßt entweichen.

*tan nimm die Hoffnung noch als dritte Gabe, Du deutsche» Volk als heilig Htmmelszeichen, wahre treu die Rose« bis zum Grabe, Daß Dir keiu Feind das Schönste,. Beste raube!

Max vittrich.

(Nachdruck verboten.)

Heiße Slutherr.

Erzählung von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Der Graf lachte kurz und hart auf. Daun fuhr ’ hastig fort:

» traurig nnb nuglücklich die Erhebung nuferer Mo« endete^ weiß jeder Pole. Eie kostete unzählige ^pser und dar Vaterland blutete an» tanfenb Wunden.

,3u dem mörderischen Kampfe bet Praga traf mich eine feindliche Kugel und ich siechte lang an einem zerschossenen Beine dahin, doch stand ich mit Margarethe tu fortwährendem Briefwechsel. In ihrem letzten Briefe vertraute sie mir ei« Gehetmuts an, das ich sckou lange dunkel geahnt. Jetzt forderten Ehre und Pflicht meine schleunige Vermählung mit dem geliebten Mädchen, bte mir alles geopfert. Unb der Gedanke, mein Schicksal mit dem ihrigen zu ver. knüpfen, sie als theuere Gattin in mein Haus zu führen nnb als angesehener Laubedelmanu auf meinen Gütern ein prosaisches, aber glückliches Dasein mit ihr zu leben, erfüllte mein Herz mit hoher Freude, denu ich liebte mein blondes deutsches Gretchen innig und treu. Daß ich al» Stammerbe eiueS alten feudalen MagnatengeschlechlS, das früher sogar mit Polens Königen verschwägert war, eine Mesalliance schließen würde, bekümmerte mich wenig; ich war reich und unabhängig und konnte thuu, was mir beliebte.

»Aber eS kam anders, ganz anders, wie ich wollte und dackte — und eS hätte doch so gut nnb schön werden können.

.Meine Wunde gestattete mir nicht, sofort nach Deutschlaud zu reifen, ich mußte noch warten, warten mit einem Herzen voller Sehnsucht nnb Ungeduld. DaS innere Fieber verschlimmerte mein Leiden nnb fesselte mich von Neuem an mein Bett. Und in­zwischen trat die Katastrophe ein, früher, als ich ver­mutete. Margarethe hatte mir eine Tochter geschenkt.

.Da meinte ich wie ein kleines Sind, meinte viele Tage nnb Nächte hindurch; ich litt furchtbar ich mar mir wahnsinnig. Denn nun erst, nachdem Unglück und Schmerzen mich geprüft hatten, wo das feurige junge Blut fünfter nnb milber geworden mar, kam mir mein grenzenloser Leichtsinn, meine ungeheure Schlechtigkeit zum Bewußtsein. Denn gerade jetzt in bet Not, in ber" Gefahr wußte ich fern von Margarethe bleiben, in ben schweren Stunden, mo meine Gegenwart durch die Pflicht ber Liebe bnrch. ans erforberltch mar. Mit lahmen Gliedern mar

Gewitter gewinnt goldener Sonnenschein wieder oie Oberhand. Und es ist schon, wie oben angedeutet, besser geworden zum Teil, den Frühlingsstürmen ist das Pfingstfest gefolgt. Aber lassen wir es nicht bei halbem Werke bewenden, beherzigen wir die schönen, tiefergreifenden Lehren des Pfingstfestes, sprechen wir nicht allein, üben wir unausgesetzt, mehr und mehr praktisches Christentum durch die That. Ob der Anfang schwer, ob der Lohn gering zunächst sein mag, was macht das Alles aus? Nichts! An schwerer Arbeit erprobt sich erst der feste Wille, ihr Gelingen macht sie erst des Ruhmes wert; denn leichtes Mühen ist Tändelei, die kein Bestehen hat. Und was den Dank anbetrifft? Das Rechte be­lohnt sich immer und ewig, daran ist nicht zu zweifeln. Hält auch der Wintersturm das Samenkorn in der Erde lange zurück, einmal geht eS doch auf. So auch hier! Wer heute fortstößt in trotzigem Ueber- mut, was freundlich ihm geboten wird, lernt später schon bitten. Das Leben hat manchen steifen Nacken schon gebeugt! Pfingsten erfreut die Welt, suchen wir Alle es uns froh in der Welt zu machen. Viel kann geschehen, wenn auch bei weitem nicht alles. Aber besser wird es sicher, thut jeder fein Teil bei der allgemeinen Arbeit. Dazu ein herzliches: .Frohes Pfingstfest!"

Veatslbes Ktidt.

Berlin, 23. Mai. Ter Kaiser traf 8 Uhr 20 Minuten auf dem Friedrichsbahnhof ein und begab sich sofort zum Paradefeld. Das Wetter ist prachtvoll. Eine unabsehbare Menschenmenge hielt die Sttaßen besetzt und empfing den Kaiser mit jubelnden Zurusen. Die Kaiserin fuhr von Potsdam unmittelbar auf das Tempelhofer Feld, von wo beide Majestäten auf einige Stunden in das hiesige Schloß zurückkehrten. — Der Kaiser wird auf seiner Reise nach Rußland der „Nat.-L>b. Corr." zufolge von dem Reichskanzler v. Caprivi begleitet sein. — Der Kaiser telegraphierte an die Witwe Franseckys: „Ich erinnere Mich in Dankbarkeit der großen Ver­dienste, die Ihr verstorbener Gemahl sich um das Vaterland erworben hat. Mit Mir trauert die Armee um den Tod des ausgezeichneten Generals. Ich spreche Ihnen bei dem schweren Verluste Meine aufrichtige Teilnahme aus." Der Kaiser befahl die Beisetzung mit allen einem aktiven Generale zu- steherden Ehren. — Der Kaiser konferierte nach der Parade mit Caprivi und mit dem Schatzsekretär Marschall. — Der Bundesrat beschloß, vom l.Jult ab eine Zwischenportostufe von 5 Pfg. für Druck -

ich an mein Schmerzenslager gebannt, ich konnte nicht z« ihr eilen, ich konnte nur Thräueu vergießen nnb in ohnmächtiger Wut mit ben Zähnen knirschen. Und mein armes blondes Lieb litt «och mehr wie ich, tausendfach mehr. ES gab viele Klatschbasen in EmS, alte nnb junge, und sie steckten die Köpfe zu­sammen und zischelte« mit ben giftigen Zunge«. Alle» was man nur Schlechtes von einem Mädchen glaube« Ian«, sagte« sie Margarethe« nach. Und in kurzer Zeit mar ihr Ruf zerstört, ihre Ehre ver­nichtet. Fürsprecher hatte da» arme Wesen ja nicht nnb ich konnte ihr nicht zu Hülfe kommen. Die Freunde zogen fich von ihr zurück, denn die Welt ist ja so lielloS und so hart — unb halb staub sie ü.-retnfammt, verlasse« nnb gemiebe« ba. Ja, sie mußte ben bitte« Kelch bis zur Neige leeren nnb >aS brach ihr baS Herz, das konnte sie nicht Über- leben. Voller Verzweiflung schlug fie einen eigen» mächtigen Weg ein, denn ohne mich zu benachrichtigen, noch schwach nnb krank nnb jebes Schutzes entbehrend, nahm fie ihr Kindchen auf den Arm und trat die Reise zu mir, nach Polen an.

»Von diesem Tage an blieben Margarethe nnb unser Töchterchen spurlos verschwnnben. In damaliger Zett lauerte in Polen noch Gefahr unb Tob auf ebem Schritte unb habet ging manches Mensche«, leben zu Grunde, ohne daß jemals bte geringste - künde zu den Angehörigen drang. So blieben auch meine Nachforschungen nach ben so rätselschaft Ver- chwunbeneu ohne jeden Erfolg. Aufrufe in Zeitungen und anderen öffentlichen Blättern waren ebenso nutzlos wie die Einmischung ber Behörbeu, bie ich zur Hilfe nahm. Ans der wetten Reise durch das fremde, augenblicklich so »ermtlberte und unwirtliche Land, waren alle Beide verloren gegangen und verschollen. iBo nnb wie, habe ich niemals erfahren können. Dann kamen ei« paar lange, erbarmungslos lange Jabre für mich voll Webmnt nnb Trauer — endlich vermischte fich aHeB, maS mir unverwischbar erschien. Ich schloß mich ber Vergangenheit ab, fie erschien

iachcn von 50 bis 100 Gramm einschließlich einzu- führen. Der Bundesrat ermächtigte den Reichskanzler, Ausnahmen von dem Verbote der Ein- und Durch­fuhr lebender Schafe aus Oesterreich - Ungarn und Rußland hinsichtlich einzelner Tiere zu Zuchtzwecken zuzulassen, ferner den bayerischen Wirtschaftbesitzern in den Grenzbezirken, die während des Sommers benachbarte Weiden in den österreichischen Hochalpen mit Schafherden beziehen, die Zurückführung der Schafe nebst den während der Weidezeit der Herde zugewachsenen Lämmern unter Kontrollmaßregeln zu gestatten. — General v. Stosch veröffentlicht folgende Erklärung: In einem Blatte von heute morgen findet sich ein Telegramm aus Berlin, welches mir die Autorschaft der Broschüre „Videant consules“ ein­fach zuspricht. Die vereheliche Redaktion ersuche ich dies zu widerrufen. Ich habe die Broschüre weder verfaßt, noch gelesen. Ergebenst Stosch. — Gegen­über der angeblich „aus guter Quelle" geschöpften Nachricht eines Berliner Korrespondenten der „Saale- Zeitungs, es habe „zwischen Herrn v. Caprivi und dem Fürsten Bismarck in diesen Tagen durch be­sondere Kabinettskuriere ein lebhafter Schriftwechsel stattgefunden", bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.": .Die Quelle mag .gut" sein, die Nachrickt aber ist gänzlich unwahr." — Das Zentralkomitee für das dem Fürsten BiSmarck zu errichtende National- Denkmal veröffentlicht ein zweites Verzeichnis der eingegangenen Beittäge, die sich jetzt auf ungefähr 183 000 Mk. belaufen. ES ist dabei zu berück­sichtigen, daß die zahlreichen Ortsausschüsse erst in jüngster Zeit gebildet worden sind und in ihrer größten Mehrzahl ihre Beiträge überhaupt noch nicht haben absühren können. Bisher sind von Ortsaus­schüssen nur auS Hamburg, Wiesbaden, Zweibrücken, Rostock und von der deutschen Kolonie in Smyrna erste Raten eingegangen. Jetzt liegt auch der Aufruf vor, den der Londoner Ortsausschuß erlassen hat, um in dem vereinten Königreich von Großbritannien und Irland ansässige Deutsche aufzufordern, sich an der Kundgebung zu beteiligen, welche den Dark des deutschen Volkes ausdrücken soll für die großen Ver­dienste des Fürsten Bismarck um das Vaterland. Der Aufruf hebt mit Recht hervor, daß gerade die Deutschen im Auslande tief empfunden haben, welchen Umschwung in ihrer Stellung die Gründung deS deutschen Reiches hervorgerufen hat, und daß es deshalb alle für ihre Pflicht ansehen werden, sich an dem Volksdank für den Fürsten Bismarck zu beteiligen. Der Stufruf ist von den hervorragendsten Deutschen in England unterzeichnet, insbesondere auch

mir nur noch wie' ein entschwundener Traum, nnb begann ein neues, von Gott begnadigtes Leben.

»Aber jetzt werde ich wieder Tag nnb Nacht >arau beuten müssen, einem armen Sünder gleich, ber feine Schuld nicht sühnen kann, ich mag leben oder sterben. Denn meine Jugendsünde ist es, bie Margarethe hinaus trieb in ben Tod, in da» Ver. )erbeu. Unb das martert mir bas Gewissen entzwei das tötet mich, Jesus Maria, daS überwinde ich nicht!"

Noch hatte der Graf nicht ausgesprochen, als auch eine Gemahlin schon zu ihm trat nnb ihm saust bie Hanb auf den Mund legte.

»Stanislaw, beruhige Dich", sagte fie ernst. »Gott ist barmherzig nnb Rene entsühnt! Aber baS Recht ber Lebenden ist größer, wie das ber Toten — nnb Dir lebt eine Tochter, Margarethens Kind. An ihr kannst Du gut machen, was Dir an jener versagt war. Kommt die Hilfe auch jetzt erst, so wirb eS doch nicht zu spät sein. Unb ich, ich helfe Dir babei!"

»Mein Kind, ihr Kind: ja eS lebt, eS ist ba! Ich Antonia nnb Du selbst mahnst mich barau. — Du bist ein Engel voll Güte, Du verzeihst nnb richtest zugleich ben Schuldigen ans!" Der Gras sprang jastig auf, sank vor ihr aus die Knie und preßte eine Lippe« auf ihre Füße.

»Nicht so, nicht so, Stanislaw!" Sie beugte sich zu ihm herab nnb reichte ihm bie Hand. »Was ich thue, ist meine Gattenpflicht. Und wenn eS Dir recht iß, so reifen wir heute noch «ach Polen ab, nm Jadwiga aufzusucheu nnb fie in anbere, ihr würdigere Verhältnisse zu bringen. ES ist selbstverständlich, daß D« fie adoptirst und ihr alle Rechte einränmft, auf welche fie als Deine Tochter Anspruch machen darf l"

Er erhob fich von seine« ttniee« nnb zog feine «emahliu in bte Arme, er preßte fein bleiche», von Thränen überströntte» Antlitz fest an ihr Herz, an dies treue, edle Herz, das so seltsam mit ber fast männlichen Energie ihres Wesens konttastirte.

(Fortsetzung folgt)