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Es war cm Ende des Septembers. Der Sommer war vergangen mit seiner Llumenp rächt, seinen wonnigen Tagen und Nächten. Der Vöglein süße Lieder waren velklvvgeu und der Herbst zog ins Land mit feuchten Nebeln und kühlen Lüften. Weiße duftige Gespiuuste umwoben Baum vud Strauch oder schwebten, zarten Blüteuflecke» gleich, langsam über Felder vud Haiden. Am Ufer der Wartha seufzte das dürre Schilf im Winde und Scharen wilder Gänse zogen schreiend rach dem Süden. Auf den Weiden zündeten sich die Kinder, welche doS Bieh hüteten, kleine Feverleiu an, um sich daran zu wärmeu denu ein frischer Nordost strich schon fühlbar über das Flachland hin. Ta und dort lugte au sonniger St lle wohl roch ein vorwitziges Blvmeuglkckchev hervor — aber nur kurze Zeit. Die rauhe rordische Natur berührte die l.tzieu Kiuder der Flora mit ihrem eifigeu Koste vud tötete fie gewaltsam.

_ 8® St. Michaelstcge hatten sich die grauen Herbstnebel zerteilt und die strahlende nvd wärmende Sonne brach siegreich durch die Wolken. Wenn avch von Norde» her roch ein kühler Wiud über die Fluren bliek, so spannte sich doch wieder einmal ein tiesblaver Himmel über die Landschaft und bald lag allis wie überströmt von einer Flut warmen und goldigen Lichtes vud eS wehte eine milde sommerliche Luft. Uud au diesem Michaelstoge ohne Gleichen glitzerte vud schimmerte auch das alte Herrenhaus von Lygotta im Eruueuscheiu, daß eS eiue wahre Lust gab.

SIS viele Lage vud Woche» laug die Souue ve,schwand, eiu düstere» Grau sich um Erde vud Himmel legte uud kalter Regeu gegen die Fenster klatschte, da hatte die alte Michalina irSgeheim alle Wetterheilige» avgi fleht nvd mit den heiß« steo Bitten bestürmt, damtt endlich dieser schreckliche Wettergreuel ende. Uud Michalina konnte zufrieden sei», ihre

Marburg,

Sonntag, 18. Mai 1890.

sozialistischen Standpunkte aus ist die Ausführung des Blattes vollkommen folgerichtig; warum sollte die Sozialdemokratie sich dem landwirtschaftlichen Kleinbetriebe freundlicher, als dem industriellen gegen­überstell« n? — Sir Percy Anderson reist morgen in Privatangelegenheiten rach London. Da die Unterhandlungen mit d«m Auswärtigen Amte aber noch nicht beendet sind, kehrt er demnächst zurück, um dieselben sortzusetzen.

Königsberg, 15. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin fuhren Nachmittags 4 Uhr nach Louisen- wahl. Obwohl die Stunde des Besuches Vormittags noch nicht seststond, hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum in den Hufen eingesunden, das die An­kommenden enthusiastisch begrüßte. Nach einem viertelstündigen Besuche des Louisenhauscs begab sich das kaiserliche Paar nach dem Fort Marienberg, um die dortigen neuen Arbeiten zu besichtigen. Um 6 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach dem Schlosie. Zu d«m auf 7 Uhr eingesetzten Diner waren mit Einladungen beehrt worden: der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident, der Oberpräsident, scwie mehrere andere Herren. — Das Kaiser paar besuchte gestern Nachmittag nach Rückkehr vom Louisenhause die Kirche in Judittcn, die älteste des Samlandcs und wohnte daselbst dem Gottesdienste bei. Abends war bei dem Kaiser kleine Tafel von 40 Gedecken, bei der Kaiserin kleine Tamentafel von 80 Gedecken. Um 9‘/> Uhr war Zapfenstreich mit glänzendem Verlauf; der Kaiser zeigte sich wiederholt am Fenster in lebhafter Unterhaltung mit seimn Gästen. Der Schloßturm strahlte in rotem und grünem benga lifchcn Feuer, Raketen stiegen auf. Nach dem Zapfenstreich um 10*/* Uhr erschien das Kaiserpaar bei dem Abmarsch-.der Musikkorps «om Fenster und wurde vom stürmischen Jubel der Menge im Schloß Hose begrüßt. — Der Kaiser- fuhr rm 6‘/t Uhr über Devan nach Werben, darauf nach Qucdnau, woselbst er eine Festungsübung bei dem Fort Quednau persönlich leitete. Der Kaiser ließ das von ihm besetzte Fort angreisen, und verteidigte cs durch schweres Geschütz; mit Sturm schloß dir Uekung. Hiernach begab sich der Kaiser zur Be­sichtigung des Hafers Pillau. In Pillau traf der Kaiser um 9 Uhr 30 Minuten ein, besichtigte die Land- und Sceforts. Nach der Besichtigung fuhr der Kaiser in die See hinaus, wo vier Torpedo Boote liegen. Ter hier vor Anker liegende russische Tmpedojöger salutierte bei der Vorbeffahrt. Um 1IV» Uhr k«hrte der Kaiser von Pillau hierher zurück und begab sich sofort in das Schloß. Die

hin uud her uud stürzte Lau», schwer aufschlageud, zu Bodeu.

Kaiserin besuchte morgens 9 Uhr das Krankenhaus ; der Barmherzigkeit, wohnte daselbst der Einsegnung 1 zweier Hilfsschwestein bei und fuhr nach dem : Kinderhort, woselbst ein achtjähriges Mädchen i einen Blumenstrauß überreichte. Hierauf fuhr ' sie nach den Erziehungsanstalten. — Bei : dem Besuch des Krankenhauses der Barmherzig- , fett ließ sich die Kaiserin durch den Ober Präsidenten den Damen und Herrn des Vorstandes vorstellen. : Tarn wohnte sie der feierlichen Einsegnung von

15 neuen Schwestern und der Jubiläumsfeier einer 1 Schwester bei. Nach der Predigt des Pfarrers Götz 1 durchschritt die Kaiserin die Krankcnsäle, hörte kurze

G«dichtvorträge der Kinder und verließ nach einstün­digem Aufenthalt freundlichst dankend das Haus. । Auf der Straße wurde sie von dem meist aus

Frauen und Kindern bestehenden Publikum jubelnd begrüßt; cs durchbrach die Barriere der Schutzleute und stürmte bis zum Wogen der Kaiserin, um dieser Blumen darzureichen, welche die Kaiserin gnädig evtgegcnnahm, ind«m sie zugleich den Schutzleuten abwehrte. Hierauf besuchte die Kaiserin den Herr lich geschmückten Kinderhort, wo außer dem Vor­sitzenden Polizeirat Jagielski Oberpräsidialrat Toma- schewski und Frau Regierungsrat Arnold, Geh. Kommerzienrat Schröter, Frau Dr. Robert Simon und Frau Landeshauptmann Stockhausen rc. an­wesend waren. Die Kaiserin war begleitet vom Oberpräsidenten, Polizeipräsidenten und Oberbürger­meister nebst Gemahlinnen, sie unterhielt sich nament­lich mit Frau Therese Simon, der Inhaberin einer Reihe von Verdienstkreuzen und Ehrenzeichen. Huld­voll nahm die Kaiserin einen poetischen Gruß und ein Rosenbouquet von der kleinen Sprecherin entgegen und richtete- anerkennende- Worte an den Polizeirat Jagielski, der die Führung durch die Räume über­nommen hatte. Schließlich nahm die Kaiserin von der Vorsteherin des Seminars eine von Seminaristinnen der Anstalt gefertigte rot mit Gold g«stickte Mappe entgegen. Sodann folgte ein Besuch in den Er­ziehungsanstalten, wo sich die Kaiserin gleichfalls anerkennend äußerte und wiederholt Fragen an die Zöglinge richtete. Um 1 Uhr begab sich die Kaiserin zu dem von Ständen gegebenen Diner nach der Börse. — Bei dem heutigen Diner der Provinzial- stände zu Ehren Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in der prachtvoll geschmückten Börse wurden die Majestäten durch den Landtagsmarschall Grafen zu Eulenburg an der Treppe empfangen und nach dem großen Saale geleitet. In der Mitte der Längstafel nahmen die Majestäten unter einem

Wünsche wurde» erfüllt, schöner uud herrlicher als fie begehrt uud erhofft hatte.

Auf dem Edelhofe herrschte au diesem Tage eiu geschäftiges Hasten uud Treiben und das Schlößchen hatte feinen besten Sonntagsstaat angelegt. Die Mauern waren bis zur Dachfirst hinauf mit Tannen- grün uud Guirlavden geschmückt, um die Veranda schmiegte fich das grüne Gezweig deS EphevS und die Fenster hatte man mit Vogelbeeren umkräuzt, welche wie rote Korallen in die Ferne leuchteten. Vor dem Portal streckten fich ein paar hohe, mit Blumengewinden geschmückte Flaggenstangen in die Luft, — lustig flatterten die rotweiße» Fahne» im Winde.

Echo» früh am Nachmittage strahlte das Herren­haus iu hellem Lichterglavz, nvd in dem geräumigen GefellfchaftSsaale versammelten sich gegen Abeud eine große Anzahl vou Herren uud Damen, nm dem HochzeitSseste des jungen Herrn von Bieliuski bei- znwohue».

Aber auch ungeladene Gäste fanden fich in großer Menge et». Draußen im Garten aus dem breiten Rasenplatz standeu sie Kopf an Kopf uud erwarteten den Hochzeitszug, wenn er zur Kirche fuhr, um ihn neugierig auzvstauuen. Nach der Trauung wurden die Leute aufs Reichlichste bewirtet. Pavel uud Michaliua gingen mit großen Tabletts umher und teilten Branntwein, Bier, Wnrst, Kuchen uud andere Speisen unter sie aus, den» so erforderte eS der Brauch bei einer polnischen HochzeichtSfeier. Es liebt daun eine Gastfreundschaft ohne Grenzen.

Später tarnen einige Musikanten mit Fiedel» u»d Dudelsäcke» herbei, die alsbald zvm Tanz ausspielten. Uud im Nu hatte fich ein wilder Mazurek entwickelt. Die Männer stampften »ach dem Takte der M»fik mit de» Füße» den Bode», sprangen mit ihren Tänzerinnen johlend in die Luft empor und schwentteu ie in wirbelnden Kreisen herum, bis ihnen fast der Item verging. Und dem Mazurek folgte der

Krakowiak, wobei fich Groß und Klein au den Händen

I purpurnen Thronhimmel Platz, während des Musik- I korps des Kürassierregiments eine Fanfare blies.

1 Nach dem zweiten Gange feierte Graf Eulenburg die - Majestäten, sprach seinen Dank für Allerhöchstderen : Erscheinen aus und brachte das Hoch auf Seine i Majestät den deutschen Kaiser und König und Ihre - Majestät die deutsche Kaiserin und Königin. Nach 1 dem dritten Gange brachte Se. Majestät den Toast ■ auf die Provinz aus, in welchem Allerhöchstderselbe 1 etwa folgend«s sagte: Ec stehe auf dem Boden der ■ Wiege des Königtums, wo auch Sein Großvater in > neuerer Zeit vom Altar die Krone genommen und ' auf das Haupt gesetzt. An diesem Königtum von : GotteS Gnaden werde, wie alle Hohenzollern thaten, auch Er festhalten und ebenso festhalten an der Auf-

1 saffung, daß sie die Krone von Gottes Gnaden er- 1 halten und auch nur Gott allein Rechenschaft schuldig : seien. Diese Provinz aber, die so trübe Tage mit dem Könighause erlebt, wo der König und die Königin

i einen Einblick in das Bürgerleben, die Bürger ; wiederum einen Einblick in das Familienleben des. Herrscherhauses genommen, da sei ein festes Zu­sammenhalten zwischen dem Herrscherhause und dem Volk unwandelbar, darum habe Er auch eine ganz besondere Anhänglichkeit und Vorliebe für die Pro­vinz. Die Provinz sei aber ihrem Hauptbestandteil nach eine ackerbautreibende; auch Er werde sein Hauptaugenmerk auf die Landwirtschaft richten und werde alles thun, was zu ihrem Gedeihen erfor­derlich,- man möge Geduld haben und Ihm Zeit kaffen; ein guter Bauernstand sei die beste Grund­lage des Staates. Den Frieden wolle Er aufrecht erhalten, das könne Er, denn hinter Sich habe Er ein Heer, das den Frieden erzwingen könne. Wie Er gesonnen, daS beste für die Provinz zu thun, ftF stehe Er auch dafür ein, daß der, der an der Pro­vinz rühren wolle, ihn finden werde, wie einen „Rocher de bronce". Nach Schluß des Diners begab sich Se. Majestät der Kaiser zunächst nach dem Schlöffe und fuhr alsdann nach dem Bahnhofe, von wo um 4 Uhr die Abreise rach Schlobittcn erfolgte.

Hamburg, 16. Mai. Gestern abend sand ein starker Andrang von Volksmaffen nach der Stein­straße statt. Starke Polizeiabteilungen zu Pferd und zu Fuß hielten alle Zugänge besetzt und zerstreuten die Ansammlungen mit Leichtigkeit. Gegen 11 Uhr konnte die Polizei zurückgezogen werden. — Der „Hamburgische Korrespondent" meldet: Die Direktion der Gasanstalt ist durch neuangeworbene Arbeiter vom Nordostseekanalbau, teils Italiener, tcilsSchwcizer,

faßte uud fich unter lautern Jauchzen und Schreie» wie toll unter einander drehte.

Es war ein gewaltiger Lärm hier draußen, dabei wurde uach Kräfte» gegesse» und gezecht. Mit be­geisterte» Hochrufen trank man unzählige Male die Gesundheit dcS jungen Paares — unglaublich viel Schnaps wurde dabei vertilgt. Die denkbar größte Freude gab sich aber in dem begeisterten Absingen aller Nationallieder kund, die ei» junger Bursche mit der Guitarre begleitete.

»bet auch in den festlich geschmückte» Säle» des Schlößchens, aus welchen dem Eintretenden ei» wahrer Lichtstrom entgegenflutete, spielte sich eiu Stück echt polnischen Lebens ab. Alle Räume waren glänzend renoviert und zeugten von Schönheitssinn und künstlerischem Verständnis. Heute verwaudette fie außerdem eine Fülle der herrlichste» Blume», welche die Luft mit würzigem Wohlgeruch erfüllte, in einen köstlichen Garten.

3» der Mitte des großen SpeifesaaleS stand die mit fast königlicher Pracht geschmückte Hochzeitstafel. DaS mit feiner Auswahl zusammengestellte Mahl wurde auf schweren silberne» Schüsseln und Tellern servirt, derer altertümliche Pracht und Schönheit daS Auge blendete. Die Gäste, welche sorgsam ans den vor­nehmsten AdelSfamilien d«s Landes gewählt waren begrüßten fich mit ungemeiner Liebenswürdigkeit. Sie küßten sich die Wangen, die Schulter und Hände fie machte» sich Komplimente und überboten sich in Michen Redensarten und lebhaften Frenndfchafts- verstcherungeu. Zur Feier des TageS wurde natürlich ehr staik gezecht und der feurige Ungar- und Surgunderweiu erhitzte die Köpfe. Ma» lachte und chwatzte, fang und jubelte — weinte, zankte, zürnte fich, nm fich in der folgenden Minute wieder zn versöhnen, zu herzen und $n küssen, — kurz, man gab fich mit vollster Seele dem Senuffe de» Augen- ilicks hin.

(Fortsetzung folgt.)

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Jerttfches Reich.

Berlin, 16. Mai. Ter Bundesrat übetwies den Antrag betreffend die Errichtung eines National­denkmals für Kaiser Wilhelm I. den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen, und nahm von der Vorlage betreffend die weitere Sammlung von Aktenstücken über Ostafrika Kenntnis. — Die Beamten des kaiserlichen Civilkabinetts sind abermals vermehrt worden, und das infolge der un­glaublichen Arbeitslast, welche von denselben bewäl­tigt werden muß. Im Vergleiche zu den Anforde- mngcn, die unter Kaiser Wilhelm I. daran g«stellt wurden, handelt es sich heute der „B. B. Zlg." zufolge, um eine Verdreifachung der laufenden Ge­schäfte, welche auf Befehl'des Kaisers stets mit thunlichfier Promptheit erledigt werden müffen. Be­sonders groß ist die Zahl der Immediatgesuche aller Art, welche gerade aus der Arbeiterklcsse tagtäglich zugehen. Ganze Korporationen pflegen im uner­schütterlichen Vertrauen auf seinen einsichtsvollen Cchutz ihre Bitten um Mohlsohrlseinrickturgen direkt an den Kaiser zu richten, welcher in den Grenzen des Möglichen allen solchen Petitionen gerecht zu werden trachtet. Soweit es sich um sozialpolitische Angelegenheiten handelt, Hot der Kaiser ein für alle- umi beschleunigte Erledigung angeordnet und die in Betracht kommenden Lokalbehörden haben oft alle Hände boll zu thun, um rechtzeitig die telegraphisch requirirten Ermittelungen cbzuschließen. Derartigen Gesuchen widmet der Kaiser seine befffnbere Auf­merksamkeit. — Tie Stellung der Sozialdemokratie zu den Getreidezöllen bezeichnet ein Arbeiterblatt uach einer seither nicht beachteten Seite hin. Dos Blatt sagt: „Auch wenn die Land wirtschaft, und zwar namentlich gerade die kleinere, ohi e die Ge­treidezölle zugrunde gehen muß, so bewilligen wir ihr die Zölle doch nicht. Denn je eher der private Betrieb der Landwirtschaft auihört, sich zu rentiren, m so eher beginnt die gesellschaftliche Betriebsweise. .Aus diesem Grunde ist es der Sozialdemokratie nicht unerwünscht, wen» für die Landwirtschaft, obwohl sie einer der allerwichtigsten Zweige der rationalen Produktion ist, der staatliche Schutz fortfällt." Ter scharfe Gegensatz zwischen den'liberalen und den sozialdemokratischen Getreidezollgegnern, wie er auch Gegenwärtig aus dem gemäßigten freisinnigen Anträge und der radikalen Vorlage der Sozialisten hervor­geht, ist damit bezeichnet und begründet. Jeder Nichtsozialist kann die Absichten der Sozialisten in diesem Punkte natürlich nur mißbilligen. Vom

(Nachdruck verboten.)

Heiße Glttthen.

Erzählung von Johanna Berger.

(Forffetzung.)

Träumerisch flogen Jadwtgas traurige Blicke Über die rastende Pilgerschar. Doch plötzlich zuckte fie deftig zusammen, denn ebenso schnell, tote ein grillet Blitz eine dunkle Wolke durchbricht, flog auch ein glücklicher Gedanke durch ihr Hirn. Nn» torßte sie die fie rasch und unter ficherm Schutz von hier fort« wmmen konnte. Golt selbst hatte ihr Hülfe gesandt, « würde ferner für fie sorge».

Eie warf einen laugen, bange» Blick auf Roman, der i» tiefste» Schmerz versunken noch immer an der »opeveuwand lehnte, dann markte fie zu ihm hin, de taumelte beim erste» Schritt. Und nun reichte sie ihm die eiskalte Recht«: ,Leb wohl', so klang '» fast tonlos von ihre» Lippe». .Gott stärke Dich •tomaul*

8r umklammerte ihre Hand, ein Paar krawps- «ste Laute brachen ans seinem Munde hervor — «Puchen konnte er nicht.

Doch fie machte fich sanft von ihm loS, glitt wie «v Schatte» a» ihm vorüber und schloß fich rasch *'w Zuge der Wallfahrer an, um unbeachtet und uverkanut mit ihnen weiter zu wandern. Bei TageS- «bruch war fie bereits i» anderer Gegend, wo fie »ersuche» wollte, durch ehrliche Arbeit ihr Leben * friste».

Semen sah fie nicht gehe», er hatte wild anf- Vöhueud beide Hände vor daS Gesicht geschlagen. «S er sich endlich ermannte, war die Geliebte ver- jwteunbe». Tie letzten Pilger zogen eben noch singend •K der Kapelle vorüber.

t, -Jadwiga, Jadwigal« schrie er in die Nacht . N°us. Ein paar Leute wandte» verwundert die We, doch kam keine Antwort zurück. Ta zog : ■»»enlofer Jammer sein Herz zusammen, ein dnwpfek Nansen klang in seinem Hirn — er wankte hülfloS