ns
Mai,
n t in.
rd
fei agr fing.
6 Uhr
5 bittet ad.
i.
"tttns )aselbst änner» lisch 6 Brücke. ; wird [3427 1890.
rrt. ntia.
mg ihr im
[ebeten,
»d.
e«
>eu- te xumen, färben, b.
einsten Bä«, n sehr c Hüte eschieht 13298
■*, 4.
v an«
dT
ät em- billigst 11,
rei (3273
rschule.
männ« preis« [3339
tU,
Marburg che und r eine
gegen Exped. [3429
Caffel 890.
!N t: Die kaudelS Di«
Sertra« buvdeü-
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 114.
Erscheint -täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Preir bei der Expedition 2*/* Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JusertionSgebühr für die gefpaUene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 17. Mai 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfutt a. M., Eaffel, Magdeburg u Wien; Rudolf XXV. ^aüraana. Moste in Frankfutt a- M., Berlin, München u. Köln; G. L- “ u □*
Daube u. Eo. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Patts.
DeMfches Reich.
Berlin, 14. Mal. Heute mittag fand im Reichstage eine Sitzung des preußischen Staats Ministeriums statt. — Die heute begonnene Generaldebatte über die Militärvorlage wird noch in der Freitagssitzung den Reichstag in Anspruch nehmen. Eine gewisie Bedeutung hat vielleicht die zunächst nicht verstandene Elklärung des Kriegsministers, daß über kurz oder lang für die weitere Entwickelung des Heeres ein Organisationsplan werde vorgelegt werden, besten Grundsätze und Grundzüoe er bereits in der Kommission mitteilen werde. Graf Moltke, der in derselben vornehm bescheidenen Haltung und trotz seiner 90 Jahre auch noch mit derselben Rüstigkeit wie früher sprach, wurde von der lautlos lauschenden Versammlung mit einer gewiflen ehrfurchtsdollen Aufmerksamkeit angehört, obwohl seine Rede doch nur eine Wiederholung der allgemein politisch militärischen Sätze ist, die er auS gleichem Anlaß in früheren Sessionen vorgetragen hat. Obwohl alle Parteien auf die Kommission und die angeblich dort noch zu liefernden Nachweise zur Begründung der Vorlage hinwiesen, gilt die Annahme derselben, und zwar die unveränderte, für durchaus sicher. Es wird auch ein erheblicher Teil der Freisinnigen und das Gros des Zentrums dafür stimmen. — Dem Reichstage wird jedenfalls noch in dieser Session eine Vorlage zugehen in Betreff Errichtung de- Denkmals für Kaiser Wilhelm I. auf der Schloßfreiheit in Gestalt eines Reiterstandbildes, worin der Kaiser in der sein Wesen auszeichnenden schlichten i Hoheit verkörpert werden soll. Für den Entwurf des Denkmals soll ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben werden. — Die dem Reichstage soeben unterbreitete Militärvorlage fordert unter anderem auch die Gewährung von Geldmitteln zur Einstellung von Prämien an gut gediente Unteroffiziere, j Prämien, die mit der Länge der Dienstzeit steigen und nach Ablauf des fünften DienstjahreS 50 Mk., nach dem 6. Dienstjahr 100 Mk., nach dem 7. Dienstjahr 200 Mk., nach dem 8. Dienstjahr 350 '°qrt, nach dem 9. Dienstjahr 550 Mk., nach dem
Dienstjahr 800 Mk., nach dem 11. Dienstjahr 900 Mk., nach dem 12. Dienstjahr 1000 Mk. betragen. Diese Prämien sind namentlich Beihülfen für die nach 9 resp. 12 Jahren Dienstzeit ausscheidenden llnterosfiziere, die denselben bei dem Eintritt in eine, alsdann erdiente Zivilstellung die Mittel zur ersten Einrichtung und Equipierung resp. zur Gründung tines Haushalts bieten sollen. Bisher wird nur
(Nachdruck verboten.)
Heiße GlMrn.
Erzählung von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
»Doch nun weiß ichs ja, war»« Sie es thaien*. Ahr Jadwiga fort, «von gestern bis heute bin ich sehend geworden, Sie konnten nicht anders and ich habe Ihnen verziehen — von ganzer Seele I Warum »ollen Sie aber jetzt »och das grausame Spiel fort- setze», warum? Sie wissen doch, daß ein Makel auf vir ruht, daß meine Mutter eine Bettlerin war, die elend am Wegrain zu Grunde ging, — daß eine Vereinigung mit mir unmöglich ist. Wir zwei tonnen »immer zusammen, vir find geschieden für ewig, denn ich wäre Ihr Verderben, Ihr Fluch! — Sie sagte« er ja auch, Pau Roman!*
.Ich sprach im Wahnwitz und bitter habe ich »eine Worte bereut. Und steh, bald darauf kam es vie eine Erleuchtung über mich, die Zweifel, Bedenken und Vorurteile schwauden wie Schatten dahin vid meine grenzenlose Liebe zu Dir behielt die Ober- Hand. Und nun weiß ichs, daß es auf Erdeu nichts Höheres, Heiligeres geben kann, als ein geliebtes Herz, das Einem ganz zn eigen ist. WaS ist Glanz, «»sehen, Reichthum dagegen, nichts kann Ersatz dafür biete». Werde die Meine, Jadwiga, ohne Dich kau» ich nicht leben! Ich will Dein Sklave, Da sollst meine oarewna sein, für Dich will ich arbeiten, erwerben, "»gen nnb mit dem Schlimmsten käwpsev. WaS sich Mir hindernd i» den Weg stellt, will ich beseitigen! Jadwiga, sei mein! — Wenn Du mich noch nicht «ben kannst, so soll meine große, alles überwindende «ebe auch Dein Herz überwinden nnb eS wach rnfeu ®»8 dem Schlamm», der es jetzt noch umfangen M. Unb bann in völliger Bereinigung mit einanber Ard unsere Zukunft nur noch ein Himmel voll» «ückseligkeit fein!*
Roman kniete vor ihr nieder, ein leidenschaftliches Teuer brannte in feinen Sage». .Jadwiga*, flüsterte
öen nach dem 9. Dienstjahr mit Aussicht auf Zivil- versorgung ausscheidenden Unteroffizieren eine einmalige Unterstützung von 165 Mk. gewährt. —Die „Nordd. Allg. 3tg.“ kommt auch heute wieder auf die Erledigung der Arbeiterschutzfrage zurück und sogt: „Für die Frage, denn zu einer solchen scheint man es im Reichstage nicht allein von freisinniger Seite werden laffen zu wollen, ob die Arbeiter- schutzvorlage in dieser Session erledigt ober die parlamentarische Entschließung über dieselbe bis zum Herbst vertagt werden könne, kommt wesentlich auch der Umstand in Betracht, daß die Vorbereitung zahlreicher und wichtiger anderer Vorlagen für Preußen, z. B. die Regelung der Bergwerksarbeit, nicht vorwärts kommen könnte, sondern stocken müßte, sofern der Reichstag, den Wünschen der Reichsregierung und der Konservativen entgegen, die Entscheidung über die ihm gemachte Vorlage hinausschieben sollte." — Wenn es sich bestätigt, daß das Zentrum das Gesetz über die Verwendung der Sperrgelder wirklich abzulehnen entschloffen ist, so sch idet diese Vorlage aus dem Beratungsstoff des Abgeordnetenhauses aus und der Schluß der Session vor Pfingsten wird desto wahrscheinlicher. Der Ge samtvorstand des Abgeordnetenhauses hat das vom Herrenhaus angenommene Projekt der Errichtung eines gemeinsamen Geschäftshauses für den Landtag heute gebilligt; das Ministerium wird jetzt das Projekt ausarbeiten. — Die „Nationalzeitung" ist gestern in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Hauptbeteiligter ist Abgeordneter Hammacher.
Königsberg, 14. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute, vormittags 9 Uhr, hier ein getroffen. — Der Kaiser wurde am Bahnhofe von dem Oberpräsidenten von Schlieckmann, den Generalen v. Bronsart und v. d. Knesebeck, dem Polizeipräsidenten v. Brand, dem Oberbürgermeister Selke re. empfangen. Der Kaiser schritt die Ehren- kompagnie unter den Klängen der Nationalhymne ab und fuhr sodann in die festlich geschmückte Stadt. An der Fest-Tribüne in der Sattlergaffe, wo die Ehrenjungsrauen, in Rosa unb Lichtblau gekleidet, aufgestellt waren, wurden die Majestäten durch eine Ansprache des Oberbürgermeisters und den Borttag eines poetischen Festgedichtes begrüßt. Kaiser und Kaiserin nahmen kostbare Blumen- und Kranzspenden entgegen und fuhren bann unter Salutschüffen und Glockengeläute nach dem Schlöffe, voraus eine halbe Eskadron des Kürassier - Regimentes Gras Wrangel, ebenso eine halbe Eskadron dem Wagen folgend. Längs der Feststraße hatten sich die Bet
er, .habe mich lieb, ein wenig nur — ich bitte Dich — werde mein!*
Das Mädchen schauerte leise iu sich zusammen. Groß» Gott, ein Paradies voll Liebe und Glück stand vor ihr offen, aber fie durfte nicht hinein. Gebrochenen Hetzens, einsam mußte fie ihre Straße ziehen, fort in die weite liebelose Welt.
Einen Moment verwirrteu sich ihre Gedanken, es wurde dunkel in ihr, als versagte ihr die Kraft, länger gegen den geliebten Mann und ihr eigenes Her, zu kämpfe». Ein fiuubetäubendes Weh erfaßte sie, ihre Seele rang in schwerster Pein. „WaS soll ich thnn?" dachte fie, „Allmächtiger, hilf mit, rette mich vor mir selber, zeige mir btn rechten Weg, laß mich nnb ihn nicht zu Schaube» werden I" Eine namenlose Angst zitterte durch ihr Gemüt und ein Krampf schnürte ihr die Brust zusammen. Doch »ach einiger Zeit ermannte fie sich wieder, bcs Bewußtsein, mit ihrer Schwäche Romans Unglück zu besiegeln, verlieh ihr den Mut, seiner Liebe nnb ben berauschenben Bildern zu entsagen.
Roman bemerkte ihr Schwanken, 'ihr Ringen. Jrbe Regung ihres Herzens prägte sich im schnellste» Wechsel ans ben lieblichen Zügen aus. Er zog fie sanft an sich heran und küßte ihre Hände. „Du kleine Thöriu", sagte et mit weicher bewegter Stimme, „da stehst Du nun da und grübelst nnb überlegst nnb machst uns schließlich Leibe unglücklich bamit. Siehst Du (8 Herrn gar nicht ein, daß wir zusammen gehören nnb uns nicht trennen bfirfen bis tn alle Ewigkeit hinein? Blicke doch nicht so statt, Jabwiluschka, weine nicht, sei heilet. Ich küffe Dir die Thräne» von ben süßen Bbnangen.“ Seine Stimme sank zu einem Geflüster herab. „Tu meine Freude, meine Wonne, darf ich auch Deinen Purpurmund küsse»? — Holdes Lieb, darf ich, erlaubst Du es mir?"
„Eie dürfen mich nicht küffe», Pan Roman", erwiderte fie rauh. „Ich bin nicht Ihre Braut und will es niemals werden!"
Und nun tiß fie fich von ihm los und blieb hoch-
eine, Gewerke, Korporationen und Schulen aufgestellt. Am Schlöffe stand eine Ehrenkompagnie des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm I., auf deren linken Flügel die inaktiven Generale Ausstellung genommen hatten, die von dem Kaiser mit huldreichen Worten begrüßt wurden. Die Majestäten wurden überall von einer dichtgedrängten Volksmenge jubelnd begrüßt. Im Schlosse fand große Vorstellung statt. — Die Fahrt nach dem großen Exerzierplätze bei Devau zur Parade des 1. Armee- Korps erfolgte seitens der Majestäten vor 11 Uhr durch die Französische und Königsstraße, deren Häuser einen selten reichen Flaggen- und Guirlanden- schmuck angelegt hatten Auch auf dieser Fahrt begleiteten stürmische Jubelruse, die sich fortdauernd widerholten, das Allerhöchste Kaiserpaar. Die Parade wurde vom Kommandeur der 1. Division, Generalleutnant v. Werder kommandiert; die Truppen waren in zwei Treffen aufgestellt. Das erste Treffen befehligte der Kommandeur der 2. Division Generalleutnant John von Freyend, das zweite Treffen der Kommandeur der 1. Kavallerie-Brigade, Generalmajor v. Below. Es fand ein zweimalig» Vorbeimarsch der Truppen statt. Se. Majestät waren bei Devau zu Pferde gestiegen. — Auf dem Paradefelde hatten fich auch die Kriegervereine, ca. 1400 Mann stark, unter Führung des Generalmajors z. D. v. Auer aufgestellt, welche Se. Majestät der Kaiser beim Eintreffen auf dem Paradefeld zunächst besichtigte, alsdann erfolgte das Abreiten der Truppenfront. Beim zweiten Truppen - Vorbeimarsch sührte der Kaiser der Kaiserin die Grenadiere des I. Ostpreußischen Grenadier-Regiments König Friedrich III. Nr. 1 vor. Se. Majestät trug große Generalsuniform und das Band des Schwarzen Adlerordens. Ihre Majestät war schwarz gekleidet und fuhr in vierspänniger Hofequipage mit Spitzreiter. Die Parade im allgemeinen, wie auch besonder- der Vorübermarsch der Truppen, nahm einen glänzenden Verlauf. Se. Majestät ritten nach Beendigung der Parade zur Fahnen-Kompagnie, setzten sich an die Spitze derselben und ritten so zur Stadt zurück, wiederum von unendlichem Jubel empfangen und begleitet. — Oberbürgermeister Selke erläßt folgende Bekanntmachung: „Der Kaiser geruhte, mich heute beim Empfang im Schlosse huldvollster Weise zu beauf» tragen, zur Kenntnis der Bürgerschaft zu bringen, wie sehr die überaus glänzende Ausschmückung der Stabt und die Aufstellung bei feinem heutigen Einzüge, namentlich aber die wahrhaft herzliche Begrüßung allerseits seinem Herzen wohlgethan habe,
aufatmeub ein paar Schritte entfernt von ihm stehe». ,Ach, Pau Rowan, seien Sie barmherzig, quälen Sie mich nicht so*, rief fie h»zz»reißenb aus. »Ich kann, ich barf Ihre Brant, Ihr Weib nicht werben, lasse» Sie mich gehen.*
Roman hörte fie au wie zerschmettert, in seinen bnnleln Wimpern schimmerte es naß. Denn schwer unb beängstige«!» legte sich trostlose Verzweiflung auf fein warmes Herz unb das warme Blut in ben Abern wollte stocke».
,Du hast mich also vicht lieb, gar nicht lieb*, stotterte er mit heiserer Stimme.
JadwigaS bleiches Antlitz wurde «och bleicher, wie das einer Sterbenden, fie starrte schmerzverloren vor fich nieder. Ach, fie durfte ja nicht an fein Herz finken und ihm sage«: Ich liebe Dich tausend Mal, mehr wie Du denkst und weit über Menscheu- worte hinaus, aber weil ich Dich so sehr liebe, will ich Dir entsage». Sie mußte schweigen, fie mußte das Rechte thu». — Sie that »och mehr: fie wendete langsam ben Kops von ihm weg unb sprach mit fester Stimme die Lüge aus: «Nein, Pau Roma«, ich liebe Sie nicht, ich werbe Sie niemals lieben lernen!*
Sein Gesicht verzerrte fich, eine Feuerglnt flammte ja darüber hin, er bedeckte rasch mit bei Hand bie Stirn nnb atmete mühsam.
Minute nm Minute verrann. Der Winb rauschte stärker burch bie Baumgipfel, immer näher krochen bie grauen, feuchten Nebel heran, mobrig», tote«. Hafter Erdgernch stieg in bie Lüfte. DaS bleiche Monbenlicht zuckte gespensterhast auf ben Gräber« hi« unb her unb über bie düstere Kapellenwand mit ben bieten, grob getünchten Ornamente». Unb bann huschte ein breiter, kalt» Strahl über zwei stumm nnb regungslos sich gegeuüberstehende Menschenkinder, bie sich mit von Schmerz durchwühlten leichen- blaffeu Gesichtern in die trockene», brennenden Auge» starrten, weil fie fich nicht liebe» durften unb veil fie wußte», daß »»» alles für sie zu Eube war — alle» Glück, alle Freude unb alle Seligkeit.!- .
unb ihr dafür den Dank des Kaiserpaares auszu- sprechen." — Aus die Ansprache des Oberbürgermeisters »widerte der Kaiser mit herzlichem Dank für den freundlichen Empfang, er fei mit Kaiser Wilhelm I. schon in Königsberg gewesen und wiffe aus deffen Munde, wie teuer ihm diese Stadt gewesen sei. Sein Großvater habe ihm oft gesagt, welche Wirkung die Zeit und die Erlebniffe hier im Jahre 1813 auf ihn geübt hätten. In dieser Stadt hätten sich Anschauungen und Grundsätze bei ihm gebildet, die für feine späteren Entschließungen vo» Einfluß gewesen wären. „Seien Sie versichert, daß auch ich in den Bahnen meines Großvaters wandeln werde und daß die Stadt Königsberg in meinem Herzen stets einen besonderen Platz einnehmen wird." Auch die Kai'»in dankte für die gehörten Worte und reichte dem Oberbürgermeister die Hand zum Kuß. — Um 6 Uhr sand ein Diu» im Schlöffe statt. Die Zahl der Gedecke betrug 360. DaS Essen verlief aufs Glänzendste. Bei der Galatafel saß der Kaiser und zu sein» rechten die Kaiserin an der hufeisenförmigen, prachtvoll mit Silberaufsätzen geschmückten Tafel mit der Generalität und den höchsten Behörde; sieben kleinere Längstaseln nahmen die übrigen Geladenen auf. Die Tafelmusik lieferte die Kapelle des Grenadier-Regiments König Friedrich III. Der Kaiser brachte folgenden Toast ans: Er freue sich, in der Wiegenstadt deS Königtums zu weilen, von woher die Erhebung unb Wiedererstarkung des niedergeworsenen Vaterlandes durch ausharrende Treue und festhaltende Liebe zum Königshaufe entflamme und »blühe. Die Provinz sei eine Säule des Vaterlandes, eine Quelle für die Entwickelung Preußens. Tüchtige Männer unb tüchtige Soldaten entsprossen ihr. Eine strebsame landwirtschaftliche Bevölkerung fei der Boden, woraus Preußen seine Kraft schöpfe. Er erachte es als Pflicht, so lange er regiere, für die Stärkung unb Erhaltung der Landbevölkerung zu sorgen. Ec trinke auf die Wohlfahrt und das Gedeihen des fortschreitenden, sich hebenden und blühenden Ostpreußens. „Möge es verschont bleiben von Kriegszeiten. Sollte es aber nach Gottes Ratschluß ihm auferlegt sein, seine Grenzen zu verteidigen, so wird Ostpreußens Schwert nicht minder dem Feinde mit» spielen wie eS 1870 gethan. Die Provinz lebe hoch!" (Lauter Beifall.) Die Illumination verlief aufs Glänzendste. Oberbürgermeister Selke erhielt den Kronenorden 2. Klaffe, Oberpräsident v. Schlieck- mann wurde zum Wirklichen Geheimen-Rat, Graf Eulenburg-Praffen zum Obermarschall des König-
Ja, Roman wußte eS nun, in JadwigaS binnen Angen stand alles geschrieben nnb ein alte», einfaches Lieb tönte plötzlich wie ein sanftes Flüstern in seine verzweifelnbe Seele hinein:
lieber ben Sternen wirb klar eS einst »»ben, Wie ich gehandelt und wie ich gedacht, WaS ich geltiten, geopfert auf Erden.--
lieber ben Sternen verschwindet bie Täuschung, Dort siehst Du alles enträtselt, euthüllt.
Dir ist btenieben nun Ruhe beschiebeu, Welche kein störenber Mißlant entweiht; Unb in Dein Herz zieht ewiger Stieben, Mit mir ist nur Unruh, Sorgen unb Streit.
Ein tiefer Seufzer entrang sich feiner Brust. Ja, bas zarte, schwache Mädchen bort lehrte ihm bie Ent- fagnug einer Liebe, bie Bekämpfung einer Selben» schäft, bie Beide ins Verderben stürzen mußte. Unb fie besiegelte das alles mit ihrer eigenen Aufopferung— sie ging, nm ihn vor Elend, vor Schande zu retten.
Vom Jasuagora zog »och eine Pilgerschar in8 Land hinab und näherte fich bet Rochuskapelle, an bet ihr Weg vorüberfühlte. Langsam schritten die Leute babiu. Einzelne fangen ihre Pilgerlieber ab nnb in schwermütigen Weisen schwebten die Töne burch bie Lust. Manche beteten leise, noch andere stolperten müde nnb abgespannt vorwärts, ohne ein Wort hören zu lassen. Doch bie Meisten waten munter und guter Dinge unb würben nicht mfibe, bie unvergleichlichen Wnnderthaten der heiligen Mutter von Czeustochan zu preisen und über das hehre Fest zu reden, besten Glorie nnb Majestät »ach ihrer Anficht auf der ganzen Welt nicht seines Gleichen hatte.
Die Wallfahrer hatten das Ufer des Sumpfsees erreicht nnb verharrten hier kurze Zett, nm auszu- ruhen. Manch ängstliches Weibleiu blickte schanberub auf bie im Nachtthau funkelnden, mondbeglänzten Grüfte, um fich dann hastig zu bekreuzigen und insgeheim ben Schutz Marias anzurufeu.
(Fortsetzung folgt)