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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. —
Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 113.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Ouartal-Wonnementr-PreiS bei der Expedition 21/* Mk., btt den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 15. Mai 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Eaffel, Magdeburg u- Wien; Rudolf XXV Moffe m Frankfurt e. M., Berlin,München u. Köln; T. L Daube u. Lo. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover, Paris.
Lrichskaryler von Caprivi
Fürst Bismarcks Nachfolger ist jetzt zum ersten- male vor den deuischen Reichstag hingetreten und hat einen sehr bedeutenden Erfolg errungen; au allen Seiten deS Hauses, auch da, wo man den Ausführungen des Reichskanzlers nicht prinzipiell zustimmte, wurden die Wirkungen dieser leidenschaftslosen, aber von ungemeiner Offenheit und tiefer Einsicht zeugenden Rede verspürt. Herr v. Caprivi galt schon lange als einer der besten deutschen Generale; im Reichstage hat sich nun gezeigt, daß er auch zu den besten parlamentarischtn Rednern der Gegenwart gehört. Ob der zweite deutsche Reichs- kanzbr sich jemals zu einem so gewaltigen, weitblickenden Staatsmann entwickeln wird, wie Fürst Bismarck es gewesen? Wer will das sagen! Aber im Reichstage füllte Herr von Caprivi feinen Platz völlig aus, das ganze Haus lauschte seinen Ausführungen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, begegnete seinem Vortrage mit der größten Achtung. Der Reichskanzler zeigt auch in der Parlaments debatte den erfahrenen Militär; er vermeidet alle Nebensächlichkeiten, geht der Sache kräftig auf den Grund, entwickelt mit gutem Humor seine Ansicht und spricht gerade und ehrlich heraus seine Ueber- zeugung aus. Dabei besitzt Herr von Caprivi, der doch als Parlamentarier eigentlich ein Neuling ist, eine seltene Schlagfertigkeit, die präzis beleuchtet, um was es sich handelt. Der Reichstag war ge- wiffermaßen überrascht, in dem neuen ersten Reichsbeamten einen Mann zu finden, der seinen ersten Größen so energisch Konkurrenz macht; das ergab fich auch aus den einzelnen Reden. Alle Abgeordneten sprachen von Herrn von Caprivi mit einer außergewöhnlichen Achtung, die kleine Exzellenz war förmlich entzückt von ihm. Herr v. Caprivi hat somit einen großen Erfolg errungen; die Gegner seiner Ansichten zu bekehren, das ist ihm nicht gelungen und wird ihm auch nicht gelingen, aber der Reichstag hat ihn gern sprechen hören, und als die Sitzung zu Ende war, da hatte niemand ein Wort des Tadels gegen den neuen leitenden Minister. Damit ist viel gewonnen.
Die Morgenblätter der hiesigen Zeitungen erkennen sämtlich die vollendete höfliche Form der gestrigen Rede des Reichskanzlers v. Caprivi an. Die »Vossische Ztg." meint, die Rede zeige, daß Caprivi in seinen Anschauungen über die Kolonialpolitik vielfach auf dem gleichen Boden mit den Freisinnigen stehe, ähnlich rücksichtslos sei nach wie vor vom
(Nachdruck verboten.)
Heiße Sinthern
Erzählung von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Einzelne Erlen und Weiden »wsteheu die eiuge- snvkeneu Grabhügel, welche mit hoch aufgeschossene» Gräsern und Halmen bedkckt find. Ei» unaufhörliches unheimliches Flüstern und Säuseln zieht durch diese Gräser, ein Wisper» und Raune», als wen» die Geister der Abgeschiedene» Zwiesprach mit einander hielten. Hinten im Winkel des Friedhofes, unter einem großen Weißdorubufch, befand sich die letzte Ruhestätte von Jadwigas Mutter. Ei» Rothkehlche» hatte in de« dichten Laubwerk sein Nestchen gebaut «rd saug früh uud spät sein Lied über dem eiusameu Grabe, auf welchem Immortellen und Heideblnweu einen buuteu Teppich gewebt hatten.
Und hierher hatte Jadwiga trotz der späte» Abend, stvude ihre Schritte gelenkt, denn ihr Herz trieb sie, am Grabe der Mvtter zu beten »ad ihr Lebewohl zu sagen, ehe ste tu die Fremde zog.
Al» ste vor dem ihr wohlbekannten blumigen Hügel stand — ste hatte die Pflegemntter als Kind so ahuuvgsloS dorthin beglellet — da überlies fie «« heftiges Zittern, eS schüttelte ihren ganzen Körper. Sie sank aus die Knie, vergrub ihre Stirne tu das hohe, regenfeuchte Blättergewirr uud weiute — weiote bitterlich.
Da »Uten tu der Erde lag ja'das eiuzige Wesen, § da» natürliche Baude fie knüpfte», vou dessen Dasein fie heute erst erfahren. — Dorten nuten lag — >hr eigene», liebe» Mütterlein.
Jadwiga weinte immer heftiger. Sch, warn» «ar mau nicht barmherziger gegen fie geweseu und hatte ste mtt ihr zusammen sterbe» laffeut „Sch warn« nicht, warm» nicht?" so flüsterte sie mtt den ttckeudea Lippen. Und dann betete fie hastig ein «aterunser »ach de« ander», während fie die Sßerlen
Bundesrats tisch an der blinden Kolonialschwärmerei Kritik geübt worden; der neue Reichskanzler mache kein Hehl daraus, daß er jeder Erweiterung der Kolonialpolitik abgeneigt sei. —Die »Nationalzeitung* sagt, sie sei vollauf zufrieden, denn die Kolonialpolitik werde in vollem Umfange, wie sie jetzt im Gange sei, weitergefühlt werden. — Das „Dtsch. Togebl." hebt hervor, daß die „Erwartung mancher verehrlicheu Mitglieder des hohen Reichstages, daß hier gewisse Differenzpunkte zwischen den Anschauungen des gegenwärtigen obersten Rcichs- beamten und desien Vorgänger zur Erscheinung treten und der Kritik nach der einen oder anderen Seite sehr leicht gewisse Anhaltspunkte geben könnten", gründlich getäuscht worden sei. »Herr v. Caprivi nahm sowohl hinsichtlich der Vergangenheit wie der Zukunft ganz genau den nämlichen Standpunkt ein, wie der Mann, der vor ihm auf demselben Platze gesprochen. Aber er ließ auch von vornherein keinen Zweifel darüber bestehen, daß, so wie die Sache jetzt llege, on ein Zurück nicht zu denken sei, wenn wir nicht Verluste an Ehre und Geld haben wollten. Da wir aber nicht zurück könnten, müßten wir fortschreiten . . . Nahm der Herr Reichskanzler von Caprivi den Gegnern der Kolonialpolitik jeden Borwand, ihn als Kolonialmenschen anzusprechen, so hat doch kaum jemals zuvor ein verantwortlicher Minister in Deutschland mehr Gründe für die Fortführung der Kolonialpolitik angeführt, als der Nachfolger des Fürsten Bismarck . . . Einen hohen Flug nahm die Rede des Herrn Reichskanzlers, als er von der Berechtigung des nationalen Idealismus sprach und an den Abgeordneten Bamberger die Frage richtete, was Deutschland ohne diesen seinen, wie ihn Bamberger nenne, romantischen Sinn geblieben sein und wo der deutsche Reichstag sitzen würde. — Meisterhaft war auch die Zurückweisung, die Herr v. Caprivi der Bambergerschen Bedenklichkeit wegen auswärtiger Verwickelungen zuteil werden ließ." — Die „Post" ist mit der Rede ebenfalls sehr zufrieden. Sie schreibt: „Die Freunde der deutschen Kolonialpolitik, zu denen wer uns vor allen zählen, können durch die gestrigen Auslassungen des Kanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen nur vollkommen zufriedengestellt fein. Der Reichskanzler, der zum ersten mal in dieser Würde zum Reichstage sprach, hat gezeigt, daß er bei dieser schwierigen Frage in hohem Grade Umsicht und Entschlossenheit verbindet. Derjenige Gedanke des Reichskanzlers, der uns am meifün erfreut hat, lag in der Ausführung, daß der Kolonialdrang ein Er-
ihreS Rosenkränze» krampfhaft zwischen den fieberhaft bebenden Fingern hindurchgleite» ließ.
Wie lange Zeit so vergangen, fie wußte e» nicht, den» eine dumpfe Betäubung hielt ste Minuteu, Stunde« gefangen. Ju ihrem übergroßeu Schmerz vergaß fie die Außeuwelt.
Inzwischen war der Mond am Himmel herauf- gezogen uud breitete seine« Zavberglauz über Flur und Wald und auch über de» eiusameu Gottesacker. Vou den Feldern wehte ei» frischer Wiad und brachte eiue» würzige» Kräuterduft mtt, voa Thymian, Wachholder und Rosmarin. Ueber dem Snwpfsee schwebte» weißliche Nebelschleier vod ballte» fich zu phautastischeu Forme» zusammen. Unheimlich murmelte und gurgelte daS tiefe grünliche Gewässer, fc-
Jadwiga hatte fich endlich müde und matt geweint und gebetet. Ganz verwirrt hob fie de» Kopf empor uud blickte umher.
Auf dem Friedhöfe herrschte die Ruhe deS Todes. DaS düstere Mauerwerk der Rochuskapelle hob sich grau uud spukhaft tu der Luft umher, während alle andere» Gegenstände fahl uud gespeusttrhaft iu dem bleichen Moudeultcht erschieuen.
Eine heiße Angst legte sich auf deS Mädchens Gemüt, auf ihr laut und aufgeregt klopfendes Herz WaS sollte »un werden — wohin sollte» ihre kleine» Füße on» wandern? — Sie mußte einen Entschluß fassen und doch kannte fie die Welt nicht, die weite, große, frembe Erdenwelt.
Und lauter drang da» dumpfe, geheimnisvolle fianscheu der Wellen durch die Stille der Nacht. Sie schieueu zu rufe», zu winkeu, zu locken: .Komm doch, o komm doch, hier findest Du Ruh, hier findest Du Frieden — wir wasche» olle» Herzeleid und allen erben jammer von Dir ab nnb wiegen Dich sauft und linde hinein iu ei» selige» Vergessen; — komme doch, o komme, hier ist die ewige Rub l'— So klang e» bestrickend uud verheißend iu ihr Ohr, fie mußte fich gewaltsam bezwinge», um de» verführerischen Stimme« nicht jn folge«. — Aber »ei», da» durst«
zeugnis des nationalen Idealismus ist, einer Kraftquelle, die man nicht ungestraft verstopfen oder verschütten kann. Dieser Gedanke, der demjenigen Teil des heutigen Geschlechts, der sich in Demokratie und Freifinn repräsentiert sieht, so namenlos lächerlich vorkommt, ist eigentlich das entscheidende Symptom für die Lebensfähigkeit der Völker." — Die „Krenzztg." bemerkt zunächst, daß über die vom Reich einzunehmende Haltung auf kolonialpolitischem Gebiet in dankenswerter Weise Klarheit geboten worden sei. Herr v. Caprivi habe sich trotz seiner Zurückhaltung und Mäßigung in den Ausdrücken als der volle Gegner der Ausführungen des Abgeordneten Bamberger gezeigt, welcher die ganze Kolonialpolitik vom Standpunkte der Kosten und des Gewinne» nach Prozenten betrachtet. Sehr fein und schlagend habe der Reichskanzler hierauf geantwortet: Wenn man die Entstehungsgeschichte unserer Kolonialpolitik betrachte, so läge die Annahme nahe, daß noch andere Gründe, als die Hoffnung auf materiellen Erwerb mitgewirkt haben müßten; sonst würden so viele vorsichtige, verständige Männer bei ihrem Beginn und ihrer Weiterführung wohl nicht mitgewirkt haben. Weiter habe der Reichskanzler das vom Dr. Bamberger offenbar gar nicht verstandene nationale Empfinden in einer Weise hervorgehoben, welche eine scharfe Beobachtungsgabe erkennen lasse. Im Anschluß hieran faßt die „Krenzztg." ihr Schlußurteil also zusammen: „Diesen Darlegungen müssen alle zustimmen, welche ohne zu große Wärme, aber mit Sinn für nationale Größe der Kolonialpolitik gefolgt sind. Die Kolonialpolitik ist so auf dem besten Wege, uns die richtige Stellung unter den Mächten zur See zu sichern und uns vor Ueber- stürzung zu bewahren."
Deutsches Nrich.
Berlin, 13. Mai. Dem „Reichsanzeiger" zufolge hat der Kaiser dem bayerischen Minister des Atußern Frhrn. v. Crailsheim das Großkreuz des Roten Adler-Ordens verliehen. — Zu den Aeußerungen, welche Se. Majestät der Kaiser beim Empfange des Reichtags-Präsidiums gethan, bringt die „Köln. Volksztg." eine von den bisherigen abweichende Version. Darnach hätte Se. Majestät unter direkter Wendung an den zweiten Vizepräsidenten, den Abg. Baumbach (nicht „zu den drei Präsidenten gewendet"), diesen gebeten, „daß er und seine Freunde darauf hinwirken möchten, daß nicht Artikel in der freisinnigen Presse erschienen, welche die Militärvorlage von vornherein als Unsinn und auf falschen
sie nicht, da» nicht, — das war Sünde. Mochte ihr Schicksal anch noch so traurig sei», fie wollte e» trage», benn ste wußte einen Gott über fich, bet ein Vater bet armen verlassenen Waisen jwar. Und sie war geschickt nnb verstand zn arbeiten. Was fie auch in der kurzen Spanne Zeit vou gestern bis heute durchlebt, durchkämpft nnb durchlitten, ste wußte es überwinde». A»f Gott nnb ans ihre eigene Kraft wollte ste fortan bauen und mutig ein neues Leben beginne«.
Sie erhob fich von ihre« Kuieeu, «ahm ihre kleine Reisetasche vom Bode» auf nnb schickte fich zur Wauberung a». Sie hatte bereit» den Kirchhof verlassen uub wollte eben an ber Kapelle vorbeischlüpfeu, al» ein eiliger nnb fester Tritt von ber Landstraße hörbar wurde.
Das Mädchen lauschte g'spanut, bann zuckte sie heftig zusammen, fie hatte Romans Schritt erkannt. Das Blut stürmte ihr heiß in das arme gequälte Herz hinein.
.Roma», mein Sott, Roman", flüsterte fie. — Kam er, fie z« suchen in ber traurigen Nacht, ste zu trösten in ihrem Elend? — Sie durfte ihn also »och einmal sehe», noch einmal hinetvschauen in sein liebes, schönes Geficht. Noch ei» letzte» Mal, — so zum Abschied: Uud bann — niemals toieber.
Sie preßte beibe Hände auf ihre ungestüm wogende Brust, es war ihr, als ob der Bodeu unter ihr wanke.
Der junge Edelmauu kam schnell näher. SIS er die hell vom Monde beschienene schlanke Mäbchen- gestalt bemerkte, war er mit wenigen hastige» Schritten an ihrer Seite. Er faßte nach be» kleinen kalten Hänben, bie fie ihm willenlos überließ.
.Jadwiga!'
.Eie. Pa» Roma», Sie?' sagte fie fast »nhörbar.
.Ich, ich! — llnb Gott sei gepriesen, ich fiube Dich evblich, nachdem ich Dich lange vergeblich ge- ucht habe. Aber wie katt D» bist, arme», armes Kinb l Wie konntest Du nur nach diesem verrufenen Orte gehe», spät, i» ttefster Nacht? Stthst D» nicht
Zahlen beruhend darstellten. Dieselbe sei seit einem Jahre auf das Sorgfältigste vorbereitet worden u. s. w. Die „Freisinnige Zeitung" des Abg. Richter bringt die Version der Worte de» Kaisers: Die Vorlage sei „jahrelang" vorbereitet worden. Diese Version hat bereits zu der Unterstellung Anlaß gegeben, daß durch dieselbe die Ungenauigkeit früherer Aeußerungen des Kriegsministers dargethan werde, welche die Notwendigkeit weiterer Erhöhungen der Friedenspräsenzstärke als nicht in Aussicht stehend bezeichneten. Zu dieser Unterstellung ist auf Grund einer genauen Wiedergabe der Worte des Kaisers kein Anlaß." In seiner nächsten Nummer kommt das Blatt auf die Angelegenheit zurück und schreibt: „Zur Ergänzung fügen wir (nach Mitteilung desselben gut unterrichteten Gewährsmannes) noch bei, daß der Kaiser äußerte, die Vorlage habe der Begutachtung aller deutschen Militärbevollmächtigten und sonstiger Autoritäten unterlege». Mehrere dieser Gutachter seien noch zum besonderen Bericht nach Berlin befohlen worden. Jeder Mann sei berechnet, jeder Groschen erwogen worden. Da sei es doch schmerzlich, wenn von vornherein und ehe bie Reichsregie- rung Gelegenheit gehabt, sich ausführlich zu äußern, in der freisinnigen Presse so unbillig über die Vorlage abgesprochen werde. Die „Freis. Ztg." hat bekanntlich darauf hingewiese», daß der „Reichs- Anzeiger" bereits vor Einbringung der Vorlage einen Artikel zu Gunsten der Vorlage gebracht habe. Der Hauptunterschieb der verschiedenen Darstellungen liegt natürlich in dem Umstande, daß der Kaiser nach der unsrigen seine Kritik direkt und ausschließlich an den freisinnigen Abgeordneten Baumbach, den zweiten Vizepräsidenten richtete, während es anderSwo hieß, er habe zu dem gesamten Präsidium gesprochen und diesem nahe gelegt, „die weitere Kritck der Vorlage in der Presse zu verhindern." Daß ein solches Ersuchen in hohem Grade befremden mußte, ist klar, schon da das Reichstags-Präsidium gar nicht in der Lage ist, aus die Presse einzuwirken. Bestätigt sich unsere Darstellung, fo bekommt der betreffende Satz ein ganz anderes Gesicht." — Es ist gewiß bemerkenswert, daß die große Preffe des Zentrums diejenige des Freisinns auf ihrer vorzeitigen Kritik der Militärvorlage „sitzen" läßt. — Das Kaiserpaar wird, der Kaiser aus Wirschkowitz, die Kaiserin aus Berlin kommend, und von Dirschau auS gemeinsam reisend, Mittwoch vormittag 9 Uhr in Königsberg eintreffen. Für Mittwoch ist große Parade, Fackelzug der Studenten, Ständchen der Gesangvereine u. s. w. angesetzt. Am Himmelfahrt-
die giftige» Dünste aus dem See steigen, die Dein Leben in Gefahr bringe»?'
.Wer fragt danach?* erwiderte ste leise nnb traurig.
»Ich, ich, Jadwiga! Ach, ich bin beinahe vergangen vor Angst nm Dich. Aber nun laß un» schnell heimgehen, hier ißs schämig! Komm!'
Sie preßte die Lippen aufeinander nnb versuchte ihre Hänbe au» ben feinen zu befreie». .Lasse» Sie mich, Pau Roma»', stammelte ste, .Ihr Weg ist uicht ber meine — ich kehre nicht mteber nach Lhzotta zurück — ich kann keinem Menschen bart unter bie Angen treten. Nein, nie, niemals mehr!'
Sei« Geficht verfinsterte fich, er ««schloß bie zitterube» Mädchenhäube noch fester.
.Sprich nicht mehr babon, ich weiß alles! Arme Jabwiga, man hat Dir entsetzlich wehe gethan. Doch von nun an stehst Du unter meinem Schutz. Keiner soll wagen, Dir auch nur ein Haar zu krümme«. Und wen« man Dich verachtet, will ich Dich verehre« nnb Dich niemals verlassen!'
Sie schüttelte abwehrenb da» Haupt. .Sie solle» keine Mühe bavou haben, Pa» Roman, ich gehe noch in biefer Stunde fort, vielleicht »ach Pose», wo Niemand mich kennt.'
Romans braune Augen ruhte» voller Wehmut aus ihre« schöne», totblasse» Zügen.
»Ich bitte Dich, gieb diese» Gedanke« auf. D« willst i« die unbekannte Ferne ziehen. — D«, die D» fast niemals von hier fort gekommen bist? D», et» schwaches, zartes Mädchen, willst ben Kampf mit be« Lebe» aufuehmen, Dich Gefahre» anSsetze», vo« denen D» kaum eine Ahnung hast, um endlich unter fremden Leuten ein klägliches Unterkommen zu finden? — Und hast Du schon daran gedacht, waS Dein Fortgehen Denen bedeutet, bie Dich Heb hake», bie Deiner lieben Nähe bedürfen? Hält Dich denn kein Gefühl der Pflicht, ber Zuneigung für bie zurück, welche Deine Kinbhett beschützt nnb behütet habe»?' v. Sie schluchzte laut auf, ihr Kopf sank ihr auf bie Brust nieber. .Sprechen Sie nicht so, da» bricht