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läsfigter Ort.

(Fortsetzung folgt.)

eine Anzahl melancholisch im Winde rauschender Zitterpappeln und gerade vor dem Portal desselben strecken ein paar halb abgestorbene Kiefern ihre kahlen struppigen Neste gen Himmel. Das PlLttschern und dumpfe Rauschen des Sees, der unheimliche Ruf der Unken und ein unaufhörliches Froschge quake bringen in die melancholische Stille und Einsamkest dieser wüsten und oben Gegend einiges Leben hinein.

Im Volke geht die Sage, daß der heilige RochnS darüber ergrimmt, daß man ihm an dieser schaurigen nud verlassenen Stätte eine Kapelle erbaute, jährlich ein Sühnopfer verlangt. Und eg vergeht in der That fast kein Jahr, ohne daß nicht Jemand hier, sei es au» Unvorsichtigkeit, sei es absichtlich, daS Leben verliert. Und meistens find eS junge Mädchen, die hier ein graufigeS Ende suchen.

Neben der Kop-lle befindet fich ein kleiner Kirch» Hof, anf dem jene Unglücklichen beerdigt werden. Dieser Gottesacker ist ein unendlich trauriger und vernach»

ter Erfinder, sondern mit den obersten Sätzen seines Systems lehnt er sich an einige englische Schrift­steller an, die schon zur Zeit der französischen Re­volution die ganze kommunistische Dogmatik mit mehr oder weniger logischer Folgerichtigkeit entwickelt haben. Diese nun gehen sämtlich von dem Hauptsatze aus, daß die Werte, welche sich als Ergebnis irgend welchen gewerblichen Betriebes darstellen, in ihrem ganzen Umfang von den dabei beteiligten Lohn­arbeitern geschaffen würden, daß aber die Kapitalisten (Fabrikunternehmer, Grundbesitzer u. s. w.) es ver­ständen, den größeren Teil des Arbeitsertrages für sich wegzunehmen, also, ohne selbst zu arbeiten, das Erzeugnis der Arbeit anderer sich anzueignen. Kampf gegen dieAusbeuter" wurde die Losung. Schon in drei Stunden, meinte einer dieser alten kommunistischen Theoretiker, habe der Arbeiter so viel Werte geschaffen, als er im Arbeitslohn wieder erstattet erhalte. Wenn also 12 Stunden gearbeitet werde, so komme ein Viertel der Produktion dem Arbeiter zugute, drei volle Viertel wanderten in die Tasche des kapitalistischen Unternehmers.

Die Behauptung, in dieser Weise ausgesprochen, mochte allzu phantastisch erscheinen. Karl Marx sagte: acht Stunden Arbeit mögen in allen Zweigen der Industrie gewährt werden, dabei kann der Unter­nehmer den bisherigen Lohn weiterzahlen, ohne daß die Produktion stillsteht. Der Kapitalist, der schon übermäßig reich ist, gewinnt dann eben ein bischen weniger.

Dieses ist die Quelle der Achtstundenforderung. Aus der Theorie des Kommunismus entsprungen, bleibt sie in ihrer Tendenz eine durchaus kommu­nistische. Denn das Wesentliche bei der Forderung ist ja nicht die Zeitbestimmung von 8 Stunden, sondern die gesetzliche Garantie des bisherigen Lohn­betrages als eines Minimallohnes. Die Forderung geht direkt auf Vernichtung des freien Arbeitsver­trages, auf Fixierung des Arbeitslohnes durch den Staat. Ersaßt aber der Staat diesen Kernpunkt des ökonomischen Prozesses, den Arbeitslohn, um denselben nach seiner Willkür zu regeln, so legt er damit die Hand auf das ganze Getriebe der wirt­schaftlichen Thätigkeit. Mit dem verstaatlichten Ar­beitslohn ist das System der kommunistischen Kollek­tivwirtschaft im Prinzip gegeben.

Die Bedeutung der sozialistischen Achtstunden- Agitaticn ist also keine andere, als die eines Sturm­laufs auf die bestehende Wirtschaftsordnung der Ge­sellschaft.

Tie sozialistiiche Agitation verdeckt in schlauer

Per sozialistische Achtstundentag.

Als die Sozialdemokratie den 1. Mai als Feier­tag ansagte, um denselben ganz der Betrachtung des dieigeteilten Ideals von acht Stunden Schla', acht Stunden Erholung und wenn nötig fein sollte acht Stunden Arbeit zu widmen, da mag sich wohl mancher ruhige Bürger, der sonst kein unaufmerk- . sanier Zeitungsleser ist, gefragt haben, wie doch diese Forderung so Plötzlich zu dem Rang der augenblick­lich wichtigsten und aktuellsteninternationalen Frage" ewporgehoben worden fei. Etwas Langweiligeres als ben Sozialismus kann man sich im allgemeinen nicht denken, ganz natürlich, wir sehen ja seine Dogmen und deren Entwickelung kaum irgendwo ankrüpsen an die unendliche Fülle praktischer Er fahrung, deren Besonderheiten immer neue Anregung geben, neues Interesse wcckm. Alles, was der So­zialismus hat und gfebt, ist herausgespornen aus ei­nigen dürftigen Abstiaktionen der grauen Theorie. Nur die Kraftwörter der agitatorischen Polemik ver­mögen ihr in den Augen von Unkundigen einigen Schein wirklicher Lebensenergie zu geben. Oede, schal, unersprießlich ist alles, was der Natur Zwang authut,- selbst die Republik des göttlichen Platon nicht ausgeschloffen!

So ist es denn auch dem Zeitungsleser nicht zu verdenken, wenn er es ablehnt, neben Anderem, was Einen im Leben langweilen mag, sich auch noch mit den Berichten über sozialdemokratische Versammlungen zu befassen. Wer diese genauer verfolgte, weiß, daß seit einer Reihe von Jahren die Forderung des acht­stündigen Arbeitstages sich mehr und mehr in den Bordengrund der Agitation drängte. Besonders be­merkbar war die Thatsache in England, wo die For­derung, verbunden mit dem Verlangen einer staat­lichen Durchführung derselben, zunächst einen leb­haften Streit mit allen Gewerkvereinen veranlaßte.

Warum müssen es nun gerade acht Stunden Ar­beit sein? Dasür giebt es keinen anderen ersicht­lichen Grund, als daß Er es gesagt hat, Er, der große Karl Marx, der Prophet des modernen So­zialismus. Nicht ein praktisches Bedürfnis, das sich in diesem oder jenem Teile des Volkes fühlbar ge­macht hätte, hat das Verlangen nach dem Acht- stmdentag geboren, es ist hervorgegangen aus einer ökonomischen Theorie, der Wirtschaftstheorie der Kom­munisten.

Unsere heutigen Kommunisten oder Sozialisten haben alle ihre Grundgedanken aus den Schriften des Karl Marx geschöpft, aber Marx selbst ist nicht

Liede nnb Ehrfurcht gegen mich, heirate Sptridio nnb wache ms Beide glücklich! Roman, ich bitte Dich, Rowan, hörst Dn, ich meine eS gut!--*

Der junge Edelmann drängte sauft die weinende Frau von sich fort und auf das Ruhebett zurück. Du verlangst Unmögliches von wir", sagte er dumpf, da ich Dir gewöhnlich in allen Stücken not gebe, so möchtest Du, daß ich Dir wie ein Sklave gehorche. Aber tea8 diese Sache betrifft, werde ich handeln, wie es wir gefällt. Ich loste wich nicht verkaufen, verstehst Tu mich?" Er wandte sich vuwillig von ihr ob, nahm seine Mütze und ging ohne Groß zur Thür.

DaS soll also heißen: Du willst die Komtesse nicht", schrie Frau von Bielinska gellend aus.Ach, Du schlechter Sohn, so lohnst Du mir!" Und nun fing fie wieder au zu jammern und zu weinen, fie riß ihr Tascheutnch in kleine Fetzen und warf eS Roman vor die Füße, fie raste förmlich vor ohn­mächtigem Zorn und zerrte mitten bebenden Fingern an ihrem Haar herum.

Roman fühlte, wie ihm alles Blut zch Kopfe stieg, er wußte fich gewaltsam beherrschen, um den Respekt und die Pietät vor seiner Mutter aufrecht zu erhalten.

.Gönne wir ein wenig Rvhe, Mawa", sagte er endlich mit mühsam errvvgener Faflvvg. .Ich kann heute nicht wehr mit Dir darüber spreche» viel» leicht morgen oder später."

Die Edelftau hüllte das Gesicht in ihr Kleid und wimmerte wie ein kleines Sind. .Gut, Rowan", sagte fie matt, .morgen wirst Du hcffeutlich vernünftig sei», denn Deine Weigerung würbe mir ben Tod geben. Ja, ich fühle mein Leben ernstlich bedroht, denn weine Pulse stocken und mich verläßt alle Kraft. Rnfe BrouiSIawa herbei, fie soll mir meinen Karmeliter­geist bringen." Eie warf den Kops in die Polster znrück und schloß die Angen.

Roman blieb noch eine Weile mit finsteren Blicken vor ihr stehen. Zu seiner Seele fhrttten alle möglichen Empfindungen. Er liebte feine Mutter nnb ertrug

Weise bie Hauptsache: die staatliche Normierung bes Minimallohnes unb giebt mit bem Vorschieben der Achtstundenforderung der Sache einen verhältnis­mäßig harmlosen Anstrich. So ausgesprochen erhält die Forderung eine gewiffe äußerliche Aehnlichkeit mit zwei anderen, ebenfalls auf der sozialpolitischen Tagesordnung stehenden Bestrebungen, die aber prinzipiell ganz anders begründet sind, einen ganz anderen Charakter aufweisen und eine andere Trag­weite besitzen. Erstens ist von der sozialistischen Achtstundenforderung gänzlich verschieden das Be­streben, staatlicherseits eine Grenze festzusetzen, über welche hinaus der Arbeiter mit Rücksicht auf seine Gesundheit, feine sittliche und geistige Existenz, nicht mit erschöpfender Arbeit belastet werden darf. Eine einfache Maßnahme der öffentlichen Hygieine und Wohlfahrtspflege, zu welcher der Staat prinzipiell ohne Frage das Recht besitzt. Ein ganz anderes Ding als der kommunistische Achtstundentag ist auch das Bestreben einzelner Gewerkvereine, mit Rücksicht auf die Verhältnisse eines besonderen Betriebes, auf die Kraftanstrengung, die erfordert wird, auf etwaige vielleicht monopolartig günstige Bedingungen des Betriebes u. bergt die Arbeitszeit möglichst herab­zusetzen durch Regelung der Sache zwischen den wirtschaftlich Beteiligten.

Die sozialdemokratische Agitation nimmt den Staat in Anspruch / sie geht prinzipiell darauf aus, jeden Unterschied zwischen den verschiedenen Betriebs­arten zu verwischen.

Der Achtstundentag mit fixiertem Minimallohn ist der Kommunismus!

Steiger und überhaupt alle Werksbeamten der preußischen Staatsbergwerke beim nächstjährigen Etat zu Staatsbeamten ernannt werden. In Berlin soll in nächster Zeit eine Kommission behufs Beratung über die weitere Ueberführung der Alters- und Un­fallversicherung auf die Knappschaftsvereine zusammen­treten.

Ein Bericht der Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses, der soeben ausgegeben wurde, bezieht sich auf Petitionen betreffend die Bewilligung von Alterszulagen für Volksschullehrer unb die Zu­lassung der Frauen zum ärztlichen und wiffenschaft- lichen Lehrberufe. Ueber bie erste Reihe von Petitionen, die im großen und ganzen ben gleichen Inhalt haben, wurde am 19. April verhandelt. Zur Vorgeschichte wurde bemerkt, daß die Ein­richtung von Dienstalterszulagen für Volksschullehrer auf Anregung des Abgeordnetenhauses im Jahre 1873 eingeführt wurde. Damals wurden 700 000 Thaler bewilligt; doch erst, als im darauffolgenden Jahre noch 400 000 Thaler hinzugesügt wurden, konnten den Lehrern nach zehnjähriger Dienstzeit 30, nach 20jähriger 60 Thaler bewilligt werden (ihat- sächlich stellte sich in der Praxis diese Dienstzeit auf 12 respektive 22 Jahre). Maßgebend für die Ver­teilung dieser Dievstalterszulagen ist ein Mmisterial- erlaß vom 18. Juni 1873, auf den auch die in Frage kommenden Petitionen größtenteils Bezug nehmen. Hier war die Gewährung der Dienst- alterszulage in zwei Fällen versagt, erstens, wenn die Lehrer ein reichliches b. t nicht nur ein aus­kömmliches Stelleneinkommen beziehen. Dies soll angenommen werden, wenn die Stelle doppelt soviel abwirft, als der Minimalsatz für dieselbe ist. Zweitens, wo bei größeren Schulverbänden durch planmäßige Abstufung der Lehrergehälter resp. Einführung von Dienstalterszulagen für die angemeffene Besoldung älterer Lehrer bereits gesorgt ist oder füglich gesorgt werden kann." Nachdem durch das Volksschulent­lastungsgesetz im EiatLjahr 1889/90 die etatsmäßigen Mittel für die Dienstalterszulagen auf 4 850 000 Mark, unb letztere auf 100, 200 und 300 Mark nach 10-, 20- und 30jähriger Dienstzeit erhöht wurden, mußten die von dem Genuß der Alters­zulagen ausgeschloffenen Lehrer erst recht den Wunsch hegen, daß diese auch ihnen gewährt würden. In Folge der dadurch sich mehrenden Petitionen beschloß das Abgeordnetenhaus im vorigen Jahre, die Re­gierung um Einstellung eines höheren Betrages für Dienstalterszulagen zu ersuchen. Die Regierung be­antwortete diese Resolution in der Uebersicht über

Pas goldene Per?.

Eine italienische Humoreske von Giuseppe Perrate.

(Schluß.)

Ich nehme fie anch nicht", sagte Benudetto plötzlich entschloffeu. .Aber", fnhr er kläglich fort, »ich habe Geld von ihr bekommen, unb wenn fie eS wieber haben will*Ach was", fiel Giuseppina ein,geschenkt ist geschenkt. Doch mir fällt etwas ein. Siehst Da, hier habe ich ein golbeueS Herz, das hat wir bie Gräfin vom Schlöffe, meine Pathiu, einmal geschenkt. Das gieb der Ehecca, bann bist Dn fie loSl"

,Dn bist zn gut, GiuseppinaI" antwortete er. Redensarten", lachte fie.Aber eS wäre ja eine Sünbe, wenn ein so junget Mensch einem solche» Weibe auheiwfallen sollte. Ich thue nur ein gutes Werk, wenn ich Dir helfe, nnb ich hoffe, bie Maborma wirb el mir anrechnen."

Marburg,

Mittwoch, 14. Mai 1890

VrNtlches Reick.

Berlin, 12. Mai. DieNordd. Allg. Zig." schreibt: Die Vorlage über die Beamtengehalts­erhöhung wird von dem Abgeordnetenhause noch vor Pfingsten erledigt werden. Mit dem Sperrgelder­gesetz ist dies unmöglich. Es hängt von der Ent­schließung der Regierung ab, ob deshalb die Land­tagssession über Pfingsten hinaus fortzusetzen sein wird. D.ie Konservativen wollen die Regierungs­vorlage anmhmen, sofern das Zentrum für dieselbe stimmt, und lehnen deshalb alle Versuche ab, die Vorlage für bie Interessen der katholischen Kirche ungünstiger zu gestalten. Die Konservativen sind jedoch bereit, eine Bestimmung aufzunehmen, wonach, wenn sich ein Bischof mit der Staatsregierung über die Verwendung der Rente nicht verständigen kann, die Rente dem Emeritenfonds zufließen soll. DerKölnischen Zeitung" zufolge werden sämtliche

ihre Lannen mit himmlischer Geduld. Aber diesmal konnte er nicht gehorsam fein. Eine Verbindung mit der Komteß war ihm unmöglich. Auf seiner tiefen Neigung z« Jabwiga wurzelte fein ganzes Lebens­glück, er wußte, baß er ohne fie ein elenber Mensch fein und bleiben würbe. Eine heiße Sehnsucht nach ihr ergriff ihn uub zugleich packte ihn eine furchtbare Augst. Es war allmählig dunkel geworden und di- höchste Zeit, um bie Geliebte aus ben Edelhof znrück- zuführen. Er verließ rasch bas Zimmer, eilte bie Treppe hinab unb in ben dämmerigen Garten hinaus.

Feuchter Nebel lag über Bäumen nnb Büschen. Der Regen hatte aufgehört unb ber Abendwind flüsterte in ben Blättern. Ringsum war es still, kein Meuscheulant zu hören, auch bie Vöglein waren bereits zu Neste gegangen. In ber Veranda kauerte bie alte Michalina auf ber harten Holzbank unb nickte und wackelte im Halbschlummer mit bem greisen Haupte hin unb her nnb bie graue Hauskatze schnurrte aus ihrem Schooße. Draußen Über der Laubschaft schwebte ein rosiger Schein, ber vom westlichen Himmel kam, wo bie Sonne nutergegaugen war in Wolken von Pnrpnr nnb Gold.

Roman schritt hastig Wetter. An ber kleinen Gitterpforte, bie ans bie Laubstraße hinausführte, blieb er einen Moment stehen nnb blickte spähend über bas weite Feld. ES war einsam nnb öde, nur ein Käuzchen flog mit schrillem Schrei darüber hinweg. Nun sah er nach seiner Uhr. Halb zehn! Großer Gott, so spät schon, wie viel Zeit hatte er bereits versäumt! Unb bann stürzte er weiter, wie gehetzt in atemloser Hast, nur bem heißen Drange folgend, der ihn ruhelos vorwärts trieb.--

Die Rochuskapelle, ein kleines düsteres Gebinde, liegt etwa eine Viertelstunde von Czeustochan ent­fernt, am Ufer eines halb versumpften trüben Sees. Hinter ihr dehnt fich eine bannt» und schattenlose Haide ans, aus welcher tiefe unergründliche Moore mit kleinen schlammigen Wassertümpeln wechseln. DaS vervttterte, säst rnineuhaste Bauwerk umgeben

»ureigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes, sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u-Wien; Rudolf XXV. Mraatta Masse in Frankfurt a. M.,Berlin,München u.Köln:@.L. 'VluMUuu»'

Daube u. So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

(Nachdruck verboten.)

Heiße Klntsten.

Erzählung von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Meine StandeSehre verletze ich durch eine Heirat »tt Jadwiga nicht", fuhr Roman fort,denn fie ist kein unb tugendhaft wie eine Heilige. Darum ist es jetzt auch meine Pflicht, das junge Mädchen, welches bis heute unter unserer Obhut stand, vor jeder Be» fchimpiung zu schützen und ihr die Heimat zu geben, berer fie würdig ist."

Die Edelsrau sprang heftig empor, fie bebte vor Zorn.Nein, nein", tief fie außer sich,tausendmal «ein! Ich will nicht und Du mutzt gehorchen. Du hast Pflichten gegen mich zu erfüllen, Roman, wage «8, fie zu umgehen I Es find heilige von Gott selbst kivgefetzte Sohn es pflichten! Unsere Verhältuifle er­fordern eS, daß Du eine reiche Erbin wählst und sicht ein armes Mädchen. Der Graf Kwilecki wird Dir mtt Freuden seine Tochter Spiridia zur Gattin -eben. Sie ist das reichste Edelfräuleiu nnb Deine Etanbesgenoffeu werden Dich nm diese glänzende Partie beneiden! Dn darsst nnr die Hand nach diesem kostbaren Kleinod ansstrccke», so ist eS Sein, ich iveiß es gewiß."

Rowan richtete fich langsam empor und starrte die geistesabwesend vor fich hin.

,,Ich möchte Dich gern recht glücklich sehen, mein lieber Sohn", fuhr schmeichelnd die Pani Cafimira «ort, in dem fie liebkosend über seine Wangen strich. **5u mirS zu Liebe, erfülle meinen Wunsch, halte ta Komtesse Spiridia an, Du wirst keinen Korb be­kommen. Ach, Roman, Du mußt Deine alte, arme Matnschka nicht zur Verzweiflung bringen, ihr nicht dit Deinen Thorhetten da» Herz brechen, ich habe Dich ja so Heb, so unmenschlich lieb! Unb nnn Wang fie, in Thränen anSbrechend, beide Arme nm Wien Hals nnb schluchzte unter Küffen.Ach, Dn, Du, mein Sind, mein Romane k, beweise jetzt Deine

Erscheint.täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Quartal-AbonnernentS-PreiS bei der Expe­dition SV. Mk-, bei den Postämtern 2 MI. SV Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.