M 108
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV. ^abraana. Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: G. L-
Daube u- So. in Frankfurt tu M., Berlin, Hannover, PariS-
Erscheint.täglich außer an Werktagen nach Sonn» und 6WI3 ■**♦!***♦♦.*
Feiertagen. — Quartal-MonnementS-PreiS bei der Expe- ZvIUvvlltU*
dition 2*/t Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. _
Bchellgeld). JnsertionSgebühr für die gefpattene Zeile FrNtHg, 9. Mm 1890, 10 Pfg., Reklamen für bte geile 25 Pfg. u
Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
DeAfches UM.
Berlin, 7. Mai. Der „Nordd. Allg. Zig." zufolge wird der Kaiser am 10. Mai Ab ends einer Einladung des österreichischen Botschafters zur Tafel entsprechen und darauf die Reise nach Schlesien an- tretcn. — Die Thronrede, mittelst deren gestern der neugewählte Reichstag eröffnet wurde, läßt klar genug bemerken, wie das Schwergewicht der dem Parlamente gestellten Aufgaben auf dem sozialpoli- tischen Gebiete liegt. Zu den Fragen so dringlicher Natur, daß es nicht thunlich erschien, die Einberufung des Reichstages länger hinauszuschieben, rechnet -er Kaiser vornehmlich auch den Ausbau der Ar- beitersckutzgesetzgebung. Die hierüber angekündigte Vorlage, wird der Sympathie weitester Kreise begegnen, insbesondere hat die deutsch-konservative Partei den sozialen und sozial politischen Fragen von jeher so lebhaftes Jnterefle erwiesen, daß es außer Zweifel fteht, die zu erwartende Borlage werde auch von dieser Seite mit lebhaftem Interesse entgegen genommen werden. Wenn die Thronrede davon spricht, die Gesetzgebung solle „innerhalb der staatlichen Ordnung berechtigten und erfüllbaren Wünschen der arbeitenden Bevölkerung Rechnung tragen", so liegt schon darin ausgesprochen, daß in keiner Weise daran gedacht sein kann, sozialistische Utopieen verwirklichen zu wollen, was gegenüber mancherlei Preßerörte rungen der letzten Zeit nicht ohne Wert ist. Wie aber im Weißen Saale mit Befriedigung die Ankündigung ausgenommen wurde, neben der Fürsorge für den Arbeiterschutz solle dahm gestrebt werden, der zunehmenden Zuchtlosigkeit jugendlicher Arbeiter gegenüber das elterliche Ansehen zu stärken, zu welchem Zwecke die Borschristen über Arbeitsbücher z« ergänzen wären, so wird dieses Streben lebhaftesten Wiederhall im Lande sinken, wo man jene zunehmende Zuchtlosigkeit vielfach mit Sorge be- »dachtet hat. Es wird das vermutlich umsomehr der Fall sein, als sich die Thronrede jeder Stnbeu tung einer Absicht enthält, die mit dem Erlöschen des gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie noch in Kraft stehenden Gesetzes entstehende Lücke füllen zu wollen. Man wird im Lande diesen Verzicht der Neichsregierung kaum anders, als einen unfreiwilligen, ihr durch die parlamentarischen Verhältnisse aufxenötigten verstehen; damit werden indeffen jene Besorgniffe kaum zerstreut werden, welche sich an das Erlöschen jenes Gesetzes bezüglich eines üppigen Wucherns der fo- jialrevolutionairen Propaganda knüpfen. Wenn
(Nachdruck verboten.)
Heiße GlMen.
Erzählung von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
„Die Frau war krank, zum Sterben krank", fuhr »er alle Manu fort, „ein wildes Fieber schüttelte wreu zarten Leib. AIS wir zu ihr traten, da richtete sti ein Paar schöne, doch schon halb gebrochene Augen »Ü flehendem Ausdrnck auf uns hin und zeigte mit der Hand ans das Kindchen. Meine Bona hob dasselbe liebreich empor und bettete eS warm an ihre «rüst. Da warf ihr die Frau eiseu Blick zu, so, rührend, so flehend, so dankbar —ach, Seelchen, den Blick vergeß' ich Im Leben nicht. Und dann murmelte ste ohne Unterlaß Worte vor fich hin, die wir nicht begriffen, denn sie sprach deutsch. Aber auf uusere Trage gab sie feine Antwort, sie verstand offenbar »usere Sprache nicht. Znletzt, als eS mit ihr aus Sterben ging, da faltete sie die Hände über der Brust >md betete. Meine Bona beugte fich mttleidig über ste und reichte ihr noch einmal daS Kind an die Appen zum letzten Kuß. Und bald darauf halle das <r»e Geschöpf seinen Geist anSgehancht.
Da saßen wir Beide nun wie versteint bei der «eiche nnb meine Bona hielt einen kleinen zappeln.
Säugling auf dem Schooß, der vor Kälte nnb Hunger schrie. Aber fie war stets ein resolntes Weib Vwesen und hatte das Herz auf dem rechte» Fleck. So wußte sie auch hier bald Rat. Eie kramte aus Mer Tasche ein Stück Zucker hervor, ließ den Regen darauf fallen und machte aus dem Zipfel ihres Inches einen kleinen Säuger, bett stopfte fie dem Schreihals in den Mund und nuu wurde er ruhig Und still. Und ich lief uach Czeustochau hin und hotte de» Doktor nnb de» Pfarrer. Der Dottor tonnte Urilich nicht mehr helfen. Die Frau war und blieb «t. Der Herr Pfarrer sprach de» Segen über die «iche und ordnete das Begräbnis au. Dort oben uuf dem Heine» Gottesacker bei der Rochuskapelle
aber dir Thronrede darauf bet traut, daß die arbeitende Bevölkerung, je mehr sie den gewissenhaften Ernst erkenne, mit welchem das Reich ihre Lage befriedigend zu gestalten bestrebt ist, sich desto mehr werde der Gefahren bewußt werden, die ihr aus der Geltendmachung maßloser und unerfüllbarer Anforderungen erwachsen müffen, so ist andererseits noch nicht ausgeschlossen, daß auch die sozialrevolutionäre Agitation das Wachsen jener Erkenntnis zu stören nach wie vor bemüht sein wird. „Und wenn auch jedem Versuche, an der Rechtsordnung gewaltsam zu rütteln, mit unbeugsamer Entschlossenheit entgegengetreten wird", wie solches, ein ebenfalls mit lebhaftestem Beifall seitens des Parlaments aufgenommener Satz der Thronrede als Beruf und Willen des Kaisers und seiner hohen Verbündeten hinstellt, so entspringt daraus auch die Eikenntnis der Notwendigkeit, die breiten Schichten ruhiger, in der Arbeit die Befriedigung ihres Lebens erblickender Arbeiter vor der steten Beunruhigung durch das schleichende Gift einer konsequenten unterwühlenden Agitation zu behüten. Jene Bedenken, welche an die Schwierigkeiten anknüpften, die in den Bedingnissen ter internationalen Konkurrenz der Erweiterung des Arbeiterschutzes entgegenstehen, dürften durch die Versicherung der Thronrede beschwichtigt werden, daß es sich bei der beabsichtigten Reform „nur um solche Maßnahmen handeln könne, welche ohne Gefährdung der vaterländischen Gewerbthätigkeit und damit ter wichtigsten Lebensinteressen der Arbeiter selbst ausführbar find." Der Hinweis auf die internationale Konferenz, bereit Beschlüsse fortwirken werden als eine Aussaat, die mit Gottes Hülfe zum Segen der Arbeiter aller Länder aufgehen wird, führt daraus zurück, daß dasjenige Maß von Arbeiterschutz, welches wir in unserer Gesetzgebung verwirklichen können, davon abhängig bleibt, wie weit die anderen, an der Konserenz beteiligt gewesenen Länder deren Beschlüffe in Wirklichkeiten umsetzen werden. Nicht nur beim deutschen Volke, sondern in der ganzen gesitteten Well wird man mit Freude die Versicherung begrüßen, wie die dauernde Erhaltung des Friedens unausgesetzt das Ziel des Strebens der auswärtigen Politik des Deutschen Kaisers bleiben soll, und wie der Kaiser der Ucberzeugung Ausdruck geben durste, daß es ihm gelungen ist, bei allen auswärtigen Regierungen das Vertrauen in die Zuverlässigkeit dieser seiner Friedenspolitik zu befestigen. Wenn die verbündeten Regierungen, um dieses Ziel sicher zu stellen, eine weitere Verstärkung unserer Wehrkraft
liegt fie begraben. Meine Bona schmückte den Sarg mit Blumen nnb ließ brei Seelenmesse» in bet Kirche für das fremde Weib lese«. Und dann pflegte ste den einsamen Grabhügel bis an ihr Ente. Und alle Jahre am Allerseelentage wanderte fie nach der Rochns- kapelle. Sie steckte eine geweihte, brennende Wachskerze ans das Grab, legte einen frischen Blumenkranz daneben nnb betete ein stilles Vaterunser für die Unglückliche."
Der Alte verstummte. Er holle tief Athen, und wischte fich ben Schweiß von bet Stirn. Draußen klatschte bei Regen "vf das Pflaster, im Zimmer wat nichts zu hören als das »uanfhörliche Ticktack bet Uht, sonst blieb alles still.
«Unb das Kind, Vater?" schrie Jadwiga plötzlich aus. .Wo blieb das Kind?"
»Wo denn sonst als bei uns", erwiderte er, ben Faden feiner Erzählung wieder ausnehmend. .Meine Bona hatte es lieb gewonnen, fie nahm das arme HLlflose Wesen, bas — wie fie sagte, die Mabonna ihr sandte, mütterlich an ihr Herz. Sie ließ ihm sofort die heilige Taufe geben nnb wir 'zogen eS auf wie unser leibliches Kind. Viel Sorge und Mühe machte eS ja nicht, und da» bischen Futter, was solch ein kleines Ding braucht, hatten wir reichlich. Um alle Schätze der Welt hätten wir eS nicht wieder von uns gelaßen, denn je älter eS wurde, je lieber hatten wir es. ES wat auch ein süß-S Geschöpf, blond, zart und fein, schön wie ein Engel, eine Augenweide für die ganze Stadt. Die Edelfrau auf Lygotta wat völlig vernarrt darin; fie kam jeden Tag, um eS zu sehen, zu Herzen und zu küffen, fie spielte mll ihm nnb fütterte eS mit Suchen unb Zucketwerk. — Und das Klub — das warst Du! — Da, als Du gerade acht Jahre alt geworben, da kam ein Tag, ein furchtbarer Tag. Meine Bona starb nnb ließ uns Selbe allein. DaS war ein Schmerz, zu groß für mich, denn ich liebte mein Weib. Ich schrie, ich tobte, ich klagte Sott an, ich fanb weder Ruhe noch Trost nnb wünschte mir ben Tob. SS jagte mich aus bem »er«
für erforderlich erachten, so ist kaum ernste Sorge, daß sie darin nicht die notwendige Unterstützung des Reichstages finden sollten, haben doch die Wahlen von 1887 jedem erkennbar gemacht, wohin in dieser Hinsicht der Wille der Nation verläuft. Mit gleicher Befriedigung wird der die deutsche Kolonialpolitik berührende Satz der Thronrede begrüßt werden, welcher die Absicht andeutet, auch auf diesem Gebiete dem betretenen und mit gutem Erfolg gegangenen Wege weiter zu folgen. Was die Auf- befferung der Beamtenbesoldungen betrifft, so kann nach dem Vorausgegangenen diese Angelegenheit als eine irgendwie streitige kaum erachtet werden. So bietet denn die Thronrede den Rahmen für eine zwar auf wenige Aufgaben beschränkte, aber dessen ungeachtet hochwichtige und bedeutsame parlamentarische Arbeit. Alle konservativen und staatserhaltenden Elemente werden sich gerne dem Wunsche des Kaisers anschließen, durch diese Arbeit neue feste Bürgschaften für die innere Wohlfahrt und die äußere Sicherheit des Vaterlandes gewonnen zu sehen. Man wird das Ziel solcher gemeinsamen Arbeit erreichen, wenn man jenen Parteigeist bannt, der um selbstischer Jntereffen willen die Zielpunkte des gemeinsamen Strebens verdunkelt und verrückt. Trotz der erhöhten Parteizersplitterung durch die letzten Reichstagswahlen wird man auf ein befriedigendes Ergebnis der beginnenden Reichstagssession rechnen dürfen, sofern man das Gemeinsame voran- und das Trennende zuröckzustellen sich entschließt.
— Die Verhandlungen der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses über die Gehaltserhöhungen der Beamten haben zu dem Ergebnisse geführt, die Vorlage dahin umzugestalten, daß nicht der Betrag von 18 Millionen Mark der Regierung zur Disposition gestellt, sondern die in der Anlage zu der Vorlage aufgesührten Verwendungszwecke hinsichtlich der Erhöhungen der Gehälter der unteren unb mittleren Beamten in das Gesetz selbst ausgenommen, etatifurt werden. Die Bewilligung der für die Stellenzulagen unb die diätarisch beschäftigten Beamten geforderten Mittel soll nach den Beschlüffen der Budgetkommission nur auf ein Jahr erfolgen, so daß bei dem Erscheinen dieser Positionen im nächsten Etat das Haus freie Hand behält. Wenn auch über die Alterszulagen der Lehrer die Beschluß- faffung der Budgetkommission noch aussteht, so erscheint doch daS Zustandekommen der Vorlage in allen ihren materiellen Vorschlägen durchaus gesichert, da die von der Kommission vorgenommenen
ödeten Haus und ich suchte Betäubung und Zerstreuung in der Schenke; ich trank Wein und Schnaps unb vergaß alles Elend habet Aber es war ein Leben, das kein Leben war! — Und eines andere» Tages holte die Edelfrau von Lygotta auch Dich von mir fort, um Dich besser pfleg-» und erziehe» zu können. Nun war ich ganz allein, — aber es rührte mich kaum noch. Mein Herz war tot und leer, wie ausgebrannt. — Nu» wurde bte Kneipe meine wirkliche Heimat. Die Wirtschaft ging indeß zurück unb die Not grinste herein. Niemanb kümmerte fich burum. So lebte ich weiter, Tage, Monate und Jahre. Was Wnnber, wenn ich immer mehr Branntwein trank, wenn ich roh würbe und schlecht! — Später, als Du erwachsen warst, suchtest D» bei mir nach Kräften Ordnung zu schaffen, aber ich lohnte Dir schlecht dafür! Ich war wild unb hart nnb böse nnb achtete nicht Deinen stillen Gram. — Aber von jetzt an soll es anders werden, Du kannst mir» glauben, Jadwiluschka, ich habS geschworen nnb Wort halte ich — ober ber Teufel soll mich holen!"
Doch nun versagte bem Allen bte Stimme, er war von bem viele» Sieben ganz hinfällig geworden. DaS junge Mädchen kauerte in fich versunken, regungslos aus ihrem Stuhl.
.Hat denn Niemand erfahren können, aus welcher Gegend meine arme Mutter nach Czeustochau kam?" fragte fie endlich. .Hat fie nichts hinterlasse», was Aufschluß über ihre Person, ihre Verhältnisse geben konnte?"
.Tu lieber Sott, darum kümmert fich kein Mensch. Wer fragt wohl viel nach einem fremden, kranken Weibe, daS am Wegrain stirbt! Freilich zuerst, da jammerte ber Wojewobe übet bte Kosten, welche bem Stabtsäckel durch den Unterhalt eines fremden KtndeS erwachsen würben, unb die alle» Weiber zeterten auch. Sie warfen bie kleine Handtasche mit ben Sachen ber Unglückliche» in ben tiefen See bei ber RownSkapelle, nnb alles, was bie fremde Fra» an ihrem Leibe trag, mürbe; mit ihr begraben, nur ein kleines golbeneS
Aenderungen lediglich formaler Natur sind. — Reichskommissar Wißmann hat nunmehr auch im Süden der deutsch - ostafrikanischen Küste seine erste Waffenthat mit bestem Erfolge vollfühlt. Der gut befestigte Ort Kilwa, ein Hauptsitz der Aufständischen, ist genommen worden. Der „K. Z." wird darüber aus Sansibar vom Mittwoch folgendes berichtet: Kilwa ist heute von den Arabern geräumt worden, nachdem es von den deutschen Schiffen beschossen und von Major Wißmann, der im Anmarsch siegreiche Kämpfe zu bestehen hatte, vom Süden her angegriffen worden war. Zwei Schwarze sind gefallen, die Verfolgung wird morgen begonnen werden. Das Wetter ist entsetzlich; das Depeschenboot „Ma" wird vermißt. — Die konservative Fraktion des Reichstages hat sich konstituirt und zum Lor sitzenden Frhrn. v. Manteuffel an Stelle von Helldorfs, welcher früher diese Stellung bekleidet hat, aber nicht wiedergewählt worden ist, neugewählt. Sonst find noch in den Vorstand wiedergewählt worden: Graf Kleist - Schmenzin, Ackermann und Wichmann. — Dem „Berl. Tagebl" zufolge, brachte die deutsch - freisinnige Partei folgende Anträge ein: 1. Interpellation wegen Fortbestehens des Paßzwanges an ber elsaß-lothringen Grenze. 2. Interpellation wegen des Schweizer Nieder- laffungsvertrages. 3. Interpellation wegen der Strafvollstreckung an Gefangenen wegen politischer Vergehen. 4. Resolution betr. Einsetzung eines Gerichtes oder Berwaltungsgerichtes zur Entscheidung über Zollstreitigkeiten.
Altenburg, 6. Mai. Bon dem Kaiserbesuche hier in Altenburg wird in den hiesigen Zeitungen noch folgendes beachtenswerte Wort des Monarchen mitgeteilt: „Ich bin bestrebt, das Wohl aller Stände und aller Klassen zu fördern, besonders auch daS des Bauern. Daher wünsche ich, daß die Bauernschaft stets in Frieden ihre Felder bebauen kann, und dafür will ich wirken, so lange ich lebe."
München, 7. Mai. Die „Allgemeine Ztg." vernimmt, Kriegsminister von Heinleth habe seine Entlaffung erbeten. Die Minister Frhr. v. Crailsheim und Frhr. v. Feilitsch begeben fich am 11. Mai nach Berlin. — Der Prinzregent genehmigte die Entlassung des Knegsministers von Heinleth unter Verleihung des Großkreuzes des Verdienstordens der bayerischen Krone und ernannte den Generalleutnant von Safferling zum Kriegsminister.
A«sLa«ö.
Wien, 7. Mai. Das „Fremdenblatt" bezeichne^
Herz, das an einer Bernsteinkette befestigt war, nahm meine Bona ber Toten vom Halse, nm eS für Dich zum Audeuke» au bte nie gekannte Mutter aufzuheben. ES ist basselbe, baS ich Dir bet Deiner Firmelung übergab."
Jabwtga schnellte von ihrem Sitze empor. .DaS Herz, baS goldene Herz l" jammerte ste auf. .JesnS Maria, eS war von ihr und ich wußte eS nicht — ich gab eS fort! — Aber Du mußt es mir wieder schaffe» — Du mußt zum Probst gehe» und ihn bitten, daß er mir baS einzige Andenken an mein totes Mütterlein wieder gtebt — Du mußt, Vater, Du mußt eS ihnu!"
»Zum Probst? — Ich verstehe baS nicht. Was hat bet Probst mit Deinem goldenen Herz zu schaffen?"
DaS Mädchen fentte erglühend das Köpfchen, fie flüsterte kaum hörbar: «Ich ging heute morgen auf den JaSnagora zu unserer schwarzen Madonna nnb klagte ihr meine Seelennot, ich bat nm ihre Hilfe unb Gnabe nnb schenkte ihr mein Herz. Ach, ich wußte ja nicht, von wem baSselbe stammt! Doch jetzt erzählst Du bem Prior, wie t(jener mir das Kleinod ist, nicht wahr, Vater? Unb dann versprich ihm ein anderes, besseres Geschenk für bie Mabonna. Ich will Tag nnb Nacht dafür arbeiten, ich will alles geben, was ber Prior haben will!" — Unb nun barg fie das Gesicht in beide Hände und schluchzte. .Ach, daß ich auch so arm bin, so bettelarm, und nicht gleich etwas Anderes für die heilige Jungfrau habe!"
.Ich will» versuchen Jadwiluschka, ich will zum Prior gehen und Fürbitte für Dich thnn, aber laß nur baS schreckliche Weinen!"
Jadwiga stürzte zu bem Alten hin, ergriff feine Hänbe nnb preßte fie zärtlich an ihre Brust. .Ach, Du lieber Vater", sagte fie, .wie soll ich Dir daS vergelten? Wie soll ich Dir alles vergette», was Dn einst an mit armem verlassenen Wurme gethan? Dn gutes Väterchen, Du!"
(Fortsetzung folgt.)