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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Erscheint .täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-,

Feiertagen. Quattal-AbonnementL-PreiS bei der Expe- Zvt(lrvUrfl| sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler

ditton 2*/t Mk., bei den Postämtern 2 M. 50 Pfg. (exkl. in Franlfutt a. M., Eaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV. Hahraana.

Bestellgeld). JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeile SUHtttDOtf). 7. 902(11 1890. Moffe m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. "

10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. Daube u. So. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, PattS.

Amtsches Leich.

Potsdam, 5. Mai. Der Kaiser ist nachts 1 Uhr 40 Minuten auf der Wildparkstation einge­troffen und begab sich sofort nach dem neuen Palais

Berti«, 5. Mai. Der Bundesrat erteilte in der am 3. d. Mts. unter dem Vorsitz des Vize- Präsidenten des Staats-Ministeriums, Staatssekretärs des Innern Dr. von Bötticher abgehaltenen Plenar­sitzung dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend Ab­änderung der Gewerbeordnung, die Zustimmung. Der Entwurf von Bestimmungen über die Be­arbeitung der Ergebniffe der Volkszählung von 1890 wurde den Ausschüssen für Rechnungswesen, für das Landheer und die Festungen und sür Zoll- und Steuerwesen zur Vorberatung übergeben. Mit der bereits erfolgten UeberWeisung des Gesetzentwurfs, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Elat für das Etatsjahr 1890/91, oh den Ausschuß für Rechnungswesen erklärte sich die Versammlung einverstanden. Der Bundesrat versammelte sich heute wiederum zu einer Plenar­sitzung. Auch die vereinigten Ausschüffe für das Landheer und die Festungen und sür Rechnungs wesen, der Ausschuß für Rechnungswesen sowie der Ausschuß für Handel und Verkehr hielten heute Sitzungen ab. Die zu erwartende Militärvorlage bezweckt, wie derReichsanz." schreibt, in erster Linie die notwendig gewordene Verstärkung der Feld-Artillerie durch Formatton von 70 Batterien (in der gesamten deutschen Armee) sowie der dazu erforderlichen Abteilungs - Stäbe, außerdem die Er­gänzung der neu errichteten beiden preußischen Armee- Corps an Spezialtruppen. Die bisherigen Ver- stärkungen der Artillerie, sowie die Erhöhung der Etats der am 1. April d. I. in die Reichslande vorgeschobenen Infanterie-Truppenteile hatten, unter Festhaltung der durch das letzte Septennat-Gesetz gegebenen Präsenzziffer nur durch Schwächung der Infanterie stattfinden können. Die Berhältniffe bei unseren Rachbaren gestatten nicht, weitere Ver­mehrungen auf diesem Wege eintreten zu laffen. Unsere Infanterie kann nicht weiter geschwächt werden, ihre Cadres bedürfen selbst dringend der Verstärkung. Die zur Zeit gültige Präseuzziffer ist unter diesen Umständen nicht mehr festzuhalten, und wird daher eine neue Präsenzziffer bis zum Ablauf der jetzt gültigen Septennatsperiode gefordert werden. Ferner stehen Etatserhöhungcn, hauptsächlich bei den Infanterie- und Kavallerie - Truppenteilen an der West- und Ostgrenze, in Aussicht. Diese Truppen-

(Nachdruck verboten.)

Heiße Slrtthen.

Erzählung von Johanna Berger.

(Forffetzung.)

Voller Scham und Verwirrung, unfähig sich so- fort zu fasse», strebt« sie ausS Geradewohl fort, um ihm unbemerkt auSzuweicheu, doch in ihrer Beklommen- hell uud Herzensangst verfehlle st« das rechte Ziel und anstatt zu entrinne», kam ste immer in das Ge­dränge hinein. Ueberall hin uud her gestoßen nnd geschoben uud von der nugeheuren Menscher flut fort» gerissen, verlor ste die Kraft, fich zu befreien, und Plötzlich befand ste fich inmitten des ProcesstonSzugeS tob zwar zwischen den auSerwählten Marieumädcheu toter dem roten Baldachin. Sofort machte fich eine große Bestürznug nud Aufregung unter diesen be- merkbar. Die sanften andächtigen Mllnen in ihren Gesichtern waren im Nu verschwunden uud die rofigeu Mädchenlippen, auf denen noch die lltzten Töne eine» frommen Gesanges schwebten, stießen plötzlich sehr Profane Worte der Enttüstuug nud der SergerS aus.

»Sebeuedelle Maria, was will dieses Mädchen hier unter dem Bethimmel? Solche Frechheit ist ivllklich mrerhört l Wie kau» fie fich unterstehen, fich «nter die auSerwählten Jungfraueu zu mischen?' ~ Dergleichen Aeußerunge», von zornige» Blicken «gleitet, trafen Jadwiga und Übertinten die Strophen ftt Litanei, welche die ring» umherstehenden Kinder stogen.

.Laßt das Mädchen mll nur gehen und hallet «u Zug nicht aas«, bat Komtesse Spllidia. .Jadwiga ist eben so fromm und unbescholten wie wir, ich bllte G«ch, hallet Frieden.»

.Nein, Komtesse, dar geht nicht an», schrie die Achter der Bürgermeisters, indem fie mll rollenden Gagen um fich blickte. .Die Jadwiga gehört nicht * «NS, denn ste ist ei» Findelkind. Ihre Mutter

eine Russalka, oder Zygauka, oder Gott weiß die hinter dem Zanue gestorben ist. Wir

teile müssen bei Eintritt eines Krieges sofort, ohne das Eintreffen von Reserven abwarten zu kämen, an die Grenze Vorrücken, um etwaige feindliche Ein­fälle abzuwehren und den Aufmarsch der aus dem Innern des Reiches herankommenden Heereskörper zu sichern. Zur Erfüllung solcher Aufgaben be­dürfen sie eines höheren Präsenzstandes im Frieden. In den Reichslar den hat deshalb die gesamte In­fanterie bereits einen erhöhten Etat mit Ausnahme der 4 dort jetzt garnisonierenden Jäger Bataillone. Für diese letzteren, sowie auch für die in Elsaß Lothringen stehenden Kavallerie - Regimenter, welche bisher nur auf normalem Etat standen, wird eine Ei Höhung des Friedenspräsenzstandes für erforderlich erachtet. Auch an der Ostgrenze werden, wenn auch in geringerem Maße, Etats-Verstärkungen der in erster Linie stehenden Truppenteile beabsichtigt. Diese Maßnahmen werden die Sicherheit unserer Grenzprovinzen erhöhen und unsere Mobilmachung erleichtern. Eine weitere Forderung wird durch die beabsichtigte Neuformation einer Königlich bayerischen 5. Division bedingt. Die gleichmäßige Gliederung der größeren Schlachtenkörper zugleich Grundlage der Friedens-Ausbildung, wie der Führung im Kriege ist in Sachsen bereits seit längerer Zeit erreicht, in Preußen durch die Formation der beiden neuen Armee Corps angestrebt worden; eine solche muß nunmehr auch in Bayern, wo die vorhandenen 2 Armee - CorpS übermäßig stark find, hergestellt werde». Endlich wird der Einführung von Unter- osfizier-Dienstprämien entgegenzusehen sein, da das Benefizium des CivilversorgungsscheineS allein sich nicht als ausreichend erweist, um der Armee einen an Zahl und Güte ausreichenden Unterosfizier-Ersatz zuzusühren und im Besonderen ältere Unteroffiziere in genügender Zahl im aktiven Dienst zu erhalten. Die jährlichen laufenden Kosten für die beabsichtigten Maßnahmen werden für sämtliche Kontingente des ReichsheereS die Summe von 18 Millionen Mark nicht übersteigen. Der »Reichsanzeiger" veröffent­licht das Gesetz, betreffenb die Abänderung der MilitärstrafgerichtS-Ordnung, ferner die Ernennung deS Staatssekretärs im Reichsmarineamte, Hollmann, zum Bundesratsbevollmächtigten. Die.National­zeitung" meldet: Kapitän Casati, früherer Gouver­neur der egypttschen Provinz Barelghasal, später jahrelang bei Emin Pascha, ist jetzt in deutsche Dienste getreten. Dem heutigen Diner bei dem französischen Botschafter Herbette zu Ehren des Reichskanzler- v. Caprivi wohnten Staatssekretär Frh. v. Marschall, die Gesandten Frh. v. Lerchen-

tönnen unmöglich dulden, daß solche Kinder rntt nnS Marienmädche» gehen! Da» wäre eine Schande nufer Leben lang!»

.Ja, die Wanda hat recht, Komtesse, und wir wissens All-, daß fie die Wahrheit redet», riefen jetzt noch ein paar Fräulein, während fie mll höhnischem nud geringschätzeudem Lächeln das halb ohnmächttge Mädchen musterten.

Komtesse Spiridia war hefttg erschrocken. Bei ihrer angeborenen Schüchternheit wagte fie e» nicht mehr, ein gutes beschwichtigendes Wort für die Arme einzulegen, fie begnügte fich damit, derselben mttleidige Blicke znznwerfen.

Der ProcesfionSzug war dmch diese» toverhoffte» Vorgang ins Stocken geraten, denn auch die stugenden Schulkinder hatten ihr Lied jäh abgebrochen, sprangen jetzt wild nm Jadwiga herum, rissen fie an den langen Zöpfen und schrien aus Leibeskräften:Hixen. mädchen! Daterublut! Schwabevpriuzefstn!» rc. Männer und Weiber blieben stehen und starrten neu. gierig das an allen Gliedern zitternde Mädchen an. Ein gelbes zerlumptes Bettelweib hob drohend die Faust und zeterte ihr da»Piie-krew-memcza (deutsche» Hundeblut) gerade in das Besicht. Uud immer mehr schoben und drängten fich die Menschen heran. Frauen kreischten und Kinder weinten, Flüche und Schrltvorte wurden laut. Biele suchten fich ge- waltsam Bahn zu brechen. Wenn e» so weiter fort» ging, mußte sicher ein Unglück entstehen. Da sprang plötzlich ei» junger Priester unter den Baldachin, faßte da» in starrer Betäubung dastehende Mädchen am Arm und riß e» schnell au» den Reihen der ans- erwählte» Jungfrauen hinweg, welche nun endlich be- rnbigt, ihren Gesang wieder anstimmten und fich lang­sam vorwärts bewegten. Die Menge folgte nach und so kam der unterbrochene Procefston».Zng allmälig wieder in Sang.

Jadwiga war an einen settwärt» stehenden Baum getaumelt, andern fie fichsetzhielf, denn es schwindelte ihr. Wie ein Blitzschlag an» heiterem Himmel war

seldt, Frh. v. Cramm, Graf Hohenthal, v. Moser, der Vertreter der Hansaftädte, Krüger, und die Militärbevollmächtigten von Bayern und Sachsen bei. Der geschäftsführende Ausschuß des deutschen Emin Pascha- Komitees erhielt den telegraphisch ange­kündigte Brief von Peters aus Kapiö in Kamassia, vom 16. Januar am Baringo Nyanza datiert. Die Expedition marschierte den Tanafluß hinauf bis zum Ouellengebiete des Lagarte, vom 16. bis zum 28. November durch das Bergland Miemoni, zog nach vergeblichen Versuchen, den Tana zu überbrücken, am rechten Ufer desselben nach Kikaja, durch Leikipia bis zum Baringosee. Die Expedition hatte vielfache Kämpfe mit den Eingeborenen; am 22. Dezember bei Etbejetet am Ngarejebis mit den Massais, wobei ein Askari an Peters Seite fiel. In der Christnacht fand ein Ueberfall durch die Maffai statt. Am 7. Januar erfolgte die Ankunft in Nymps am Baringo- See, von wo die Expedition am 13. Januar nach dem Victoria - Nyanza aufbrach. Es bestand die Kolonne am 16. Januar aus Peters und von Tiedemann, fünfzig Trägern, zehn Soldaten, drei Kamelführern, zwei Küchenjungen, drei Dienern, zwei Kamelen, sechs Eseln und 315 Schafen. Peters hatte über Emin am 16. Januar roch keine Nach­richt. Er hoffte in neun Tagen in Kabaras in der Landschaft Kavirondo zu fein, und am Victoria- Nyanza etwas über Emin zu erfahren. Die feierliche Eröffnung deS Reichstages, dessen Mit­glieder sich zum Test schon heute in Berlin einge­sunden haben und Fraktionssitzungen abhalten, wird morgen vom Kaiser selbst vollzogen werden. Mit größerer Spannung als sonst sieht man der in der letzten Konferenz mit Caprivi vereinbarten Thronrede entgegen, weil man erwartet, daß sie sich nicht nur über die nächsten Aufgaben des Reichstages ver­breiten wird, sondern auch in gößeren Zügen aus Anlaß des Kanzlerwechsels Ziel und Methode der auswärtigen und inneren Politik behandeln wird.

DieNordd. Allg. Zig." schreibt: Als im Frühling des Jahres 1876 eine Anzahl hervor­ragender und verdienstvoller Männer sich an das Werk mochte, die infolge der parlamentarischen und politischen Kämpfe der vorhergegangenen Jahre zer­splitterte konservative Partei neu zu organisieren und diesen wichtigsten Faktor deS Parteilebens da­mit nach allen Richtungen hin wieder zur berech­tigten Geltung zu bringen hat dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" an diesen Bestrebungen vom ersten Augenblicke an mit der lebendigsten Teilnahme mitgewirkt. Mit dem Programm vom 13. Juli

all da» Furchtbare auf Jadwiga herabgefahren. ES war gerade, als wäre fie plötzlich in einen grausigen Abgrund gestürzt, aus dem sie nicht wieder empor, klimmen konnte. Sie griff krampfhaft nach ihrem Kopfe; nach ihrer Stirn, war fie denn wahnsinnig, oder waren «8 die Menschen, welche fie verhöhnt, be» schimpft und mißhandelt hatten? Einen Findling hatte man fie genannt. DaS war eine offenbare Lüge. Sie besaß ja einen Vater. Daß er arm war unb fich täglich in Branntwein deS Gute» zu viel that, war hierorts keine Schande, das thaten die meisten Männer in Czenstocha». Und ihre Mutter? Sie war tot und zeitlebens eine brave rechtschaffene Frau gewesen; mit den heiligen Sterbesakramenten gestärkt, war fie selig in ihrem Bette entschlafen und nicht hinter dem Zaun, wie ein schlechte» Weibsbild. Ja gewiß, die Leute logen alle, sie konnten unmöglich die Wahrheit gesprochen haben. Aber wenn doch alle» Wahrhett war?

Sie brach in die Knie zusammen, wie vernichtet sank ste zu Bode». Wie ein fortgeworseue» Bündel lag fie auf den harten Fliesen be» Klosterhofes, ohne fich rühren zu können. Sie blieb regungslos, trotz- dem rings um fie herum noch immer bet Menschen, ström wogte nnb flutete. Ihr Ohr vernahm den Lobgesang der Pilger, da» Glockeugelänte und die brausenden Posanneutöne, sowie den tausendfachen Lärm, aber fie hörte alle» wie im Traum. Mall und kraftlos lehnte fie ihr bleiche» Haupt gegen den Baumstamm und strich fich mll der Hand mechanisch die Stirn, al» gäbe e» dort etwas sortzuwischeu. Denn wie eine Liston war urplötzlich ihre ganze Der» gangenbeit in leuchtenden Farben vor ihre Seele ge. treten ta erschreckender Deutlichkeit. Schon al» Kind in der Schule hatte man fie zuweilen .Nirncka» oder .Zygauka» genannt. Sie hatte zornige Thräuen darüber vergossen, ohne recht zu wiflen warum. Auch im Herreuhanse von Lygotta war mitunter ein Wort über fie gefallen, deffen Sinn fie fich nicht zu deuten vermochte, von dem ste aber unwillkürlich verletzt

1876 führte die neue Gestaltung der Partei sich in das öffentliche Leben ein, und unter den Eisten hißte dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" das Banner der Deutschkonservativen, um für die darin ausgesprochenen Grundsätze in ihrem Leserkreise An­erkennung zu werben. Es war ein günstiger Stern, unter welchem die neue Parteigestaltung ins Leben getreten ist. Die Bedeutung der im ersten Kampfe einzig und allein auf die eigenen Kräfte gewiesenen Parteiorganisation hat sich mit jedem neuen Wahl­kampfe aufs neue bewährt, und die hervorragende Stellung, welche die Partei in den parlamentarischen Körperschaften des Reiches und Preußens einnimmt, legt beredtes Zeugnis dafür ab, daß die in dem Programm vom 13. Juli 1876 ausgesprochenen Grundsätze aus dem Denken und Empfinden aller konservativen Elemente in unserem Volke entsprungen waren. Mit den Deutschkonservativen hat die Nordd. Allgem. Ztg." die ganzen verflossenen Jahre hindurch treu an diesen Grundsätzen festge­halten, und in allen Kämpfen, welche die Partei mit prinzipiellen Gegnern zu bestehen hatte, hat unser Blatt Schulter an Schulter mit den Männern gefochten, mit denen sie an der grundlegenden Schöpfung des Jahres 1876 sich Eins gefühlt hatte. Wenn diese Identität der Ziele und des Strebens in den vergangenen Jahren nicht auch in einer organischen Verbindung mit der Parteiorganisation zum Ausdruck gekommen ist, so lag da» vornehmlich in dem beider­seitigen Wunsche, auS den traditionellen Beziehungen derNordd. Allg. Zeitung" zu der führenden Stelle der Reichspolitik nicht Mißverständnisse auskommen zu laffen, welche in dem allseitigen Verhältnis in keiner Weise begründet gewesen wären. Diese Be­denken walten nicht mehr ob, und es erscheint viel­mehr mit dem Beginn einer neuen Reichstagsperiode ein organisches Zusammenwirken mit der Partei, deren Grundsätze wir stets vertreten haben, nicht bloß mög­lich, sondern such für die Vertretung dieser Grund­sätze nützlich. Aufrichtig den politischen Freunden ergeben, aber stets eingedenk ihres jederzeit unent­wegt festgehaltenen Grundsatzes, alle Verantwortlichkeit für daS von ihr Gesagte nur auf die eigenen Schul­tern zu nehmen, wird dieNordd. All. Ztg." des­halb von nun an in Zukunft in dauernder Fühlung und Verständigung mit der Partei und deren parla- mentarifchen Organisationen bemüht sein, die Deutsch- konservativen in ihrer Arbeit für Gott, Kaiser und Vaterland auf Grundlage des Programms von 1876 zu unterstützen und zu fördern.

Köln, 5. Mai. Laut derKöln. Volkszeitung"

worden war. Atzt entsann fie fich auch, daß die Klosterschwestern in Krakau, bei denen fie in Pflege war, oft fo seltsam tröstende Anspielungen gemacht hatten, die fie damal» auf ihre Armut bezog. Nun wurde ihr plötzlich alle» klar alle», alle». SS war nicht mehr ein fürchterlicher Wahn, der fie ängstigte, sonder» Wahrhett, grausame Wahrhett, unb bie Leute hatte» recht. Sifige Schauer bnrchrieselten fie, aber immer Wetter, immer Wetter flöge» ihre Gr- banke» tob richteten fich bann auf einen Punkt: Roman. Jetzt begriff ste alles. Nun verstaub fie die Bebeutung seiner gestrigen Worte, fie waren ihr kein dunkle» Rätsel mehr, denn nun wußte fie, warum er fie niemals al» fein Weib an» Herz nehmen durfte, warum eine Verbindung mit ihr ihm zur Schmach gereichte. Sie war ja auSgestoßen von den Uebrigcn, das Wahrzeichen ihrer Abkunft hing ihr an. Und rin Edelmann vom reinsten ältesten Adel konnte, butfte sich nicht darüber hiuwegsetzen, ohne seine Ehre zu verletze». Diese letzte schreckliche Vor­stellung überwog alle erlittene Dual und Demütigung. Nun war jede Hoffnung für ste vorbei, jeder Wunsch eine Vermtffenheit; eine himmelhohe Schranke tag zwischen ihr und ihm, bi» in alle Ewigkeit waren fie von einander geschieden.

Jadwiga stieß eine» Jammerlaut an», der nn- heimlich über den jetzt gänzlich verödeten Klosterhof hinüberschallte. Dau» raffte sie fich gewattsam vom Boden ans und stürzte, wie von Dämonen gehetzt, in wildester Hast davon. Bald lausend, bald springend und stolpernd flog ste den JaSnagora hinab bis auf das wette kahle Feld, über dem die Sounensttahlen eine Glühhitze entwickelten, daß dir Luft ring» umher zitterte und flimmerte.

8» trieb fie fort ohne Rah nnb Rast, irgend wohin, in die wette Feme, wo kein Mensch fie kannte, wo Niemand wußte, daß ste ein Findelkind war, da» jeder »ach Belieben schimpfen, verspotten und miß­handeln konnte.

Hart am Rande der Wartha stand ein alter wett-