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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Jvh. Aug. Koch.

M 105.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Ouartal-WonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Mk-, bei den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgcbühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 6. Mai 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u-Wien; Rudolf XXV QrtfirrtftttÄ Moffe in Frankfurt e. M., Berlin, München u. Köln: @. g. AA1' <v>

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Der achtstündige Arbeitstag.

Das Unsinnige der Forderung eines achtstündigen Arbeitstages wird von der „Allgem. Ztg" in einem längeren Artikel dargelegt, dem wir folgendes ent nehmen:

.Noch vor wenigen Jahren galt der zehnstündige Arbeitetag allgemein als der Noimalarbeitstag, in verschiedenen Ländern sind bis in die jüngste' Zeit hinein Ak kommen zwilchen Arbeitern und Arbeit xebern auf dieser Basis gefchlosien worden, und noch in den letzten Tagen haben Aibeitergruppen im Streite mit Arbeitgebern die Forderung der zehn­stündigen Arbeitszeit erhoben. Denken wir uns einen achtstündigen Arbeitstag, von 7 bis 12 Uhr und von 2 bis 5 Uhr oder von 8 bis 12 Uhr und von 2 bis 6 Uhr normiert — wie wenige Bcruse in der Welt giebt es, welche eine pflichtmäßige Thätigkeit innerhalb dieser Frist zu erledigen ver­möchten? Für die Bureaux der Behörden, für die größeren kaufmännischen Komptoirs, für die Künstler, welche auf ein bestimmtes Tageslicht angewiesen find, mag eine solche Arbeitsdauer als Regel ausreichen. Darüber hinaus werden alle wifienschaftlichen Berufs zweige, sowie alle diejenigen, welche für die Be frirdigung der tausendfältigen Bedürfnisse des Publi­kums thätig sind, mit einer achtstündigen Arbeits­zeit nicht ouskomwen. Was sollte der Landmann, der den Sommer hindurch vom ersten Morgengrauen bis zum Mittage und dann wieder bis zur sinkenden Sonne auf dem Felde arbeitet, mit einer achtstün­digen Arbeitszeit, für sich und seine Tienstleute, an­fangen? Wie viel Zeit würde der Bau eines Hauses mehr beanspruchen, an welchem die Maurer nur von 8 bis 12 Uhr und von 2 bis 6 Uhr thätig sein wollten, immer vorausgesetzt, daß in dieser Zeit auch wirklich gearbeitet wird! Um wie viel teurer würde dadurch jeder einzelne Bau werden, um wie viel teurer dadurch jede Wohnung!

Man wird vielleicht erwidern: Ihr könnt Euch ja doppeltes Personal halten, das mit Ablösung arbeitet. Gut. Aber dieses doppelte Personal würde mindestens das Doppelte des jetzigen kosten; denn kein Arbeiter kann und will in Zukunft bei dem achtstündigen Arbeitstage weniger verdienen, als gegenwärtig der Fall ist, scmdern er muß ganz «heblich wehr verdienen, einmal um für die acht- ßtzndige Erholungszeit genügende Mittel zu bcsitzen, zweitens um der allgemeinen und bedeutenden Preis­steigerung gewachsen zu sein, und zwar Preissteige­rung aller Lebensbedürfnisse, wttche sich als erste

(Nachdruck verboten.)

Heiße Glnthen.

Erzählung von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

»Seien Sie klug, Cafiwira, was ich Ihnen biete, wohl eines kleinen Kampfes Werth. Snch be» »»kin Sie, daß Sie jederzeit auf Rath und Hilfe don meiner Seite rechnen können. Wie ein Paar «tue Kameraden wollen wir nufer Ziel verfolge», das nns hoffentlich znm Glück nnd Segen verhelfen »trd. Also Verttanen und gute Freundschaft auch mner l — Uod j.tzt glaube ich, wird eS wohl Zeit für »US fein, die Pro cessio» auzuseheu.-

Die Grc'fi» deutete mit der Hand »ach der Kicht»»g deS Klosters, von welchem eS wie ein »nwpfes Brause» durch die Lüfte Hang. Dann ™ sie hastig auf und wirkte Pav l herzu.

Frau vou Bielirska lächelte verlegen, sie war t« aber schon seit Jahre» gewohnt, von der Freund in Angenehme Wahrheiten hören zu müssen. Sie erhob N langsam, musterte mit HSglicher Miene den vtwmel, an dem die Sonue höher gesttegeu war, ■ab dann den staubigen Weg, der bergan führte. Mit einem leisen Sufsenfzen uahm sie ihre Schleppe «er den Arm und trippelte verdrießlich hinter der Mäfiu her, welche mit ihrer fast männlichen Energie j®b Thatkraft den vollkommensten Gsgensatz zu Mim eigenen Hudischeu, »nselbstäudige» Wesen bildete.

Die Glockenstiwmea, welche während des feierliche» Hochamts geschwiegen, ertönten j.tzt vou Neuem und kündete» den Beginn der Prrcesfio», welche sich s® Berge herab durch die festlich geschmückten «ttaßen der Stadt bewegen sollte. Noch erkranke

Schluß cadeuz der Orgel, als durch das wett ge. «TTnete Kirchevportal eine Anzahl von Priester» i» Artu roten und schwarz» Ornaten heransttaten.

ihrer Mitte befand sich der Bischof, der i« lang« Mfc« Weiterschreiten mit lauten SegeuSsprüchen Itine Hände über die zu beide« Sette« der Wege»

und unmittelbare Folge der Achtstunden-Arbeit mit Naturnotwendigkeit Herausstellen muß. Jede Er­höhung des Lohnes, jede Verkürzung der Arbeitszeit in der einen Branche hat in kürzester Znt eine Preissteigerung in den verschiedensten anderen zur Folge, und so stehen wir dank der Lohnbewegung einer von Jahr zu Jahr fortschreitenden Ent- wcrwng, d. h. Verringerung der- Kaufkraft des Geldes gegenüber.

Man wird vielleicht auf einen übermäßig großen Nutzen der Fabrikanten und sonstigen Betriebsunter­nehmer Hinweisen. Ja, ohne Aussicht auf Gewinn geht doch niemand das Rifico irgend eines Unter­nehmens ein, welchem er außer feinem Vermögen die ganze Summe feines geistigen Kapitals und seiner Arbeitskraft widmet und in welchem er für alle Verluste und Ausfälle hasten muß. Ein jeder Unternehmer will und muß doch mehr als das tägliche Brot verdienen, wobei der Begriff des täglichen Brotes nach Lebensbedürfnisien, Kopfzahl und Gesundheitszustand der Familie u. f. w. noch recht verschieden bewertet werden kann. Und wenn heute an stelle jedes Einzelunternehmer- eine Produktiv- genosienschaft seiner Arbeiter träte, so würde — glauben wir — der bisherige Gewinn nicht zureichen, sondern erheblich größer ausfallen müssen. Die allgemeine Expropriation der Einzelbetriebe zu gunfien von Produktivaffociatioven wäre jedenfalls die kostspieligste Existenz, welche die Menschheit für sich ersinnen könnte, und würde die Grenze jedes Fortschrittes und damit jeder Kultur bezeichnen.

Aus diesem Grunde nennen wir die Acht stunden- bewegung einen Kulturkampf, und zwar einen solchen in des Wortes verwegenster Bedeutung. Will man aber einwenden, der Arbeiter solle ja gar nicht zu einer nur achtstündigen Arbeitszeit gezwungen werden, diese bedeute gewisiermaßen nur die Einheit des Arbeitstages, über welche hinaus alle Mehrleistungen lediglich teurer zu bezahlen seien, so läßt sich daraus nur erwidern, daß die Arbeiter eines solchen Ge­winnes nicht lange froh sein werden, weil auch da­mit naturrotwendig eine allgemein wachsende Preis­steigerung und eine allgemeine Zunahme der Steuern verknüpft ist; eine allgemeine Zunahme der Steuern deshalb, weil Staat und Gemeinde alle ihre Be dürsniffe erheblich teurer einkausen müßten, allen ihren Angestellten gleichfalls höhere Gehälter und wachsende Zulagen zahlen müßten, also auf höhere Einnahmen Bedacht zu nehmen gezwungen wären.

Das allgemeine Dekretieren einer achlstündigen Arbeitszeit, mögen Mehrleistungen verstattet kleiden (nteenben Wallfahrer erhob. Dan» kamen M'ßner mit den Kirchenfahnen, welche lustig im Winde flatterten, nvd dahinter ein Trupp Sptellente und Posannenbläser, die einen Choral bliesen. An diese schloffen sich Mönche mit wehenden Heiligenbilder» »ud zwei Chorknabe» an, von welchen der eine ein großes Krrcifix trug und der andere vou Zeit zu Zeit das Rauchfaß in der Luft schwenkte. Um eine große Fahne mit dem Konterfei der schwären Madonna hatte sich eine Schar Kinder gesammelt; sie trugen brennende Wachslichte ans buntbebänberten Stöcken und fangen mit frische» Stimme» ei» frommes Lied. Inmitten dieser Kinderschar schritten unter einem rotfammetne», mit Flittergold verzierten Baldachin zwölf weißgekleidete Jungfrauen daher, vir trugen zum Zeichen ihrer Unschuld und Sitt­samkeit weiße Rosenkränze auf den tief herabge. sentten Köpfen. Es waren dies die Marienmäbchen, die angesehensten und vornehmsten Edelfräulein bet Umgegend, und unter diesen befand sich auch die Komtksie Cpiridia. Hinter ihnen folgte ein unabseh. barer Meuschenstrom im langsamen ProzesfionSschrttt.

Die Wallfahrer waren meistens polnische Bauern in ihren langen weißen Schafpelzen, den bauten breiten Gürtel nm de» Leib, der dunkle» viereckige» Tvchwütze auf dem Kopse u»d de» Schuappsack mit Lebensmitteln über dem Röcken. Ihre Frauen und Töchter trugen heute die malerische Landestracht, de» runden scharlachroten Mantel, den dir an die Knöchel reichenden Rock und doS reich mit Gold und Perlen gestickte runde Häubchen. Doch sah man auch elegante Demen in seidene» Kleider» n»d Schleierhüten, sowie Männer im feinen Nattonalkostüm und unzählige Bettler in widerliche Lumpen gehüllt. Alle» wogte durcheinander ohne Ansehen des Ranges und Standes.

Auch Jadwiga hatte, ihrem Vorsatze geben, dem heutigen Gottesdienste beigewohut. Die fest zusammen, gefalteten Hände aus die Altarstufen gestützt, lag ie vor dem MnttergotteSbttde auf den Knien und hob die thräueuseuchte« Auge« ia stummer Bitte zu

oder nicht, ist gleichbedeutend mit einem Dekret, welches den Wert des Markstücks auf achzig, sechzig oder noch weniger Pfennige herabsetzt. Jedenfalls ist dieses System völlig unvereinbar mit dem Ge­danken, den Arbeitern einen prozentualen Gewinn­anteil an dem Ertrage ihrer Arbeit, etwa in Form einer vom Staate oder von der Berufsgenoffenschaft gewährleisteten Sicherheit für ihre alten Tage ein­zuräumen — der einzigen Lösung [bet Lohntage, falls diese überhaupt je zu lösen ist, die wenigstens bei größeren Betrieben möglich wäke.

Aber auch das angebliche Solidaritätsgesühl der Arbeiter aller Länder, welches durch die Kund­gebung vom 1. Mai manifestiert werden sollte, ist einfach eine großartige Selbsttäuschung. So lange eine geschäftliche Konkurrenz auf der Welt besteht, und diese wird bestehen so lange wie die Welt selbst, so lange werden die Arbeiter aller Länder vielleicht das gemeinsame Interesse einer ewig wach senden Lohnaufbesserung haben, aber ungleich größer wird stets ihr Jntereffe bleiben, einander durch Schnelligkeit und Tüchtigkeit der Produktion zu über­bieten, weil es doch vor allem auf die Erhaltung der Arbeitsgelegenheit, der Möglichkeit, zu arbeiten, ankommt.

Und in dieser Erkenntnis, zu welcher alle ein sichtigen Arbeiter beim Nachdenken über die Acht­stundenbewegung unschwer gelangen dürften, sehen wir denn auch die selbstthätige Schranke für die Wirksamkeit eines Gedankens, welcher groß aussieht, thatsächlich aber doch nur grotesk ist und sich wie ein blendendes Feuerwerk zur erleuchtenden und er wärmenden Sonne verhält; eine auf die Urteils­losigkeit der großen Masse berechnete Phrase.

Im Schweiße dines Angesichts sollst du dein Brod effen — diese Verheißung steht an der Wiege jedes Erdenkindes geschrieben; und wenn auf je tausend Menschen ein kleiner Bruchteil entfällt, dem das Los anscheinend heiterer gefallen ist, so wird bei genauerer Prüfung sich wahrscheinlich oft eine Last von Sorgen aller Art Herausstellen, welche selbst der kärglich bezahlte Arbeiter nur ungern ein­tauschen würde. Verbefferung des Loses der arbei­tenden Klaffen soll die durch keine so große Thor- heit verdunkelte Aufgabe unseres Zeitalters bleiben, deren Erfüllung aber darauf beruht, daß es über­haupt noch Arbeiter und — Arbeit giebt."

Potsdam, 3. Mai. Der Kaiser hat heute Nachmittag 1 Uhr mittelst Sonderzuges die Reise

demselben empor. Sie hatte ein schwarzes Kleid au- gelegt, die blonden Flechten hingen schwer über de» weißen Hals herab, den eine einfache Bernsteinkette zierte. Das farbige Licht, welches die bunten Glas Malereien der Fenster in der Kapelle verbreiteten, wob einen Glorienschein nm das bleiche, ganz in feinem Schmerz versunkene Mädchen, aus deffe» klarer Stirn eine schmale rote Narbe bemerkbar war. Bebend vor Scham hatte fie der Madonna ein stilles Geständnis gemacht und ihr Gebet mit einer Opfer­gabe in G-statt eines kleinen goldenen Herzchens be­kräftigt. Eine lange Zeit lag sie so auf ihren Knien, ihr ttüber Blick flog augstvoll zu der Heiligen hinüber bis sie ihr verweintes G-ficht in ihrem Gebetbuche vergrub. — Doch nun stießen ein paar scheltende Weiber, die schon eine Weile gewartet hatten, da? leise schluchzende Mädchen von den Altarstufen hinweg um selbst an die Reihe zu kommen. Jadwiga drückte sich scheu in eine Mauernische hinein, denn die gestern mit ihrem Vater gehabte furchtbare Scene hatte fie vollständig niebergebeugt. Sie preßte beibe Hände vor bas verstörte totblaffe Gesteht unb jammerte schmerzvoll in sich hinein.

Kaum aber hatte bet Bischof vor dem Hochaltäre das letzte Baterunser gesprochen, als auch Jadwiga sich schon bemühte, a»S dem Menschengewühl z» ent­kommen. Sie flüchtete rasch durch ein Seitenpförtchen der Kirche ins Freie. Daun blickte fie noch einmal zurück. Ans dem großen Portal drängten fich die llndächttgen in dichten Schaare» hervor, unter ihnen >er junge Edelmann von Lyzotta, der mit ungewohnt düsterm Gesichte vorwärts schritt. Dem Mädchen war es einen Moment, als hätte fein finstrer Blick hre Gestatt gettoffeu, und nun wurzelten ihre Füß? am »oben, als könnten fie nicht Wetter, unb ihr Atem stockte.

(Fortsetzung folgt.)

nach Altenburg angetreten. — Die Taufe der neu­geborenen Prinzessin, der Tochter des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold, wird, wie die „Post" hört, Mitte Juni, und zwar im Stadtschloffe zu Potsdam, stattfinden.

Berlin, 3. Mai. Der Kaiser besichtigte Vor­mittags in Potsdam in Gegenwart des Prinzen Rupprecht von Bayern, des Prinzen Leopold und der Generale Wittich, Hahnke und Versen das L»hr- Jnfanterie-Bataillon. Darauf fand eine Gefechts­übung unter Teilnahme des Gardejäger-Bataillons statt. — In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde der Entwurf des Gesetzes betreffend die Fest­stellung des Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für 1890/91 dem Ausschuß für Rechnungswesen über­wiesen. — Der Bundesrat stimmte in seiner heutigen Sitzung dem Gesttzenlwurfe zu bett. Abänderung der Gewerbeordnung. Der Entwurf der Bestimmungen über die Bearbeitungen des Ergebnisses der Volks­zählung im Jahre 1890 wurde den Ausschüssen für Rechnungswesen, für das Landheer und die Festungen und für das Zoll- und Steuerwesen zur Vorberatung übergeben. — Soviel hier bekannt ist, hat die bulgarische Regierung die der bulgarischen National­bank von der Banque de Paris et des Pays-Bas erteilten Quittungen über die russisch-bulgarische Okkupationsschuld dem mit der Vertretung der russischen Interessen betrauten deutschen Generalkon­sulat zugestellt. Die Quittungen sind bereits auf dem Wege nach Petersburg. — Die Novelle der Gewerbeordnung unterstellt alle Gewerbebetriebe der Aufsicht des Fabrikinspektors, nur das reine Handels­getriebe ausgenommen. Die notwendige Vermehrung der Inspektoren bleibt den Landesregierungen über­lassen. Die Strafe des Paragraphen 153 der Ge­werbeordnung findet hinfort Anwendung auf die­jenigen, die 'zu widerrechtlichem Kontraktbruche bet Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer öffentlich auf- sordern. — Der Stellvertreter deS Reichskanzlers, StaatsMinister v. Bötticher, macht bekannt, daß die Eröffnung des Reichstages am 6. Mai, Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königl. Schlosses statt­finden werde. Vorher wird Gottesdienst in der Schloßkapelle resp. Hedwigskirche gehalten. — Für die Präsidentenwahl im Reichstag wird eine Verständigung dahin vorbereitet, daß die Konservativen in Herrn von Levetzow den Präsidenten, das Centrum in Graf Ballestrem den ersten Vizepräsidenten, die Deutsch- Freisinnigen in Proseffor Hänel den zweiten Vize­präsidenten stellen werden.

— Schon ganz in der Kürze werden die In­fanterie-Truppenteile wieder mit dem Seitengewehre älteren Modells ausgerüstet. Das Gardekorps und die Unteroffizierschulen haben das alte Modell weiter getragen, welches bekanntlich mehr wie doppelt so schwer als das neue ist. — Das neue Gewehr (Modell 88) hat 3 Visiere: Standvisier 250 Meter, kleine Kloppe 350 Meter, große Klappe 450 bis 2050 Meter. Zum Nehmen weiter Ziele dient ein Schieber, welcher auf- und abbewegt werden kann. Die geraden Zahlen stehen links, die ungeradkn rechts, beide in mehr als doppelter Größe als die­jenige' des Gewehre» 71/84. Der Lauf des neuen Gewehres hat ein Kaliber von 7,9 Mm. gegen 11 Mm. beim alten Gewehr. Das alte Geschoß wiegt 25 Gr., das neue nur 14,5 Gr. Das alte Ge­wehr wiegt 4,6 Kgr., das neue nur 3,8 Kgr., ist also 800 Gr. leichter und außerdem 50 Zentimeter kürzer.

Altenburg, 3. Mai. Der Kaiser ist um 5*4 Uhr hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhose, wo eine Ehrenkompagnie aufgestellt war, und auch die Behörden sich eingefunden hatten, vom Herzog, sowie den Prinzen Albert und Emst herzlichst be­grüßt. (Eine zahlreiche Menschenmenge brachte bei der Einfahrt in die festlich geschmückte Stadt leb­hafte Ovationen dar.

Chemnitz, 3. Mai. Die gestrige Versammlung der Arbeitgeber der Eisenindustrie beschloß, da das gemeinsame Vorgehen sich so erfolgreich gezeigt hat, eine ständige Vereinigung für den Chemnitzer Jn- dustriebezirk zu gründen. Dieselbe soll mit anderen gleichartigen Vereinigungen Fühlung nehmen, um zur Bildung eines allgemeinen deutschen Verbandes zu gelangen, als Schutzwehr gegen mutwillig herauf­beschworene Streiks.