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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Jvh. Ang. Koch.
M 104.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnementr-PreiS bei der Expedition 2»/t Ml., bet den Postämtern 2 UM. 50 Pfg. (etfl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaUene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 4. Mai 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfutt a. M., Caflel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. 8. Daube u. Lo. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Pan».
XXV. Jahrgang.
Für die Monate Mai und Juni kann die
vberhesfische Zeitung
mit ihren Beiblättern durch alle Postaustalten bezogen werden.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rind^ Bestellungen entgegen und in hiesiger Stadt die Erpedition.
Am 6. Mai
tritt der Reichstag zusammen, dessen Verhandlungen besonders interessant zu werden versprechen.
Es empfiehlt sich daher ein Abonnement auf die Monate Mai und Juni.
Wochettscha«.
(Schluß aus voriger Nr.)
Kaiser Wilhelut II. ist von seinem weitausgedehnten, aber schnell durchgeführten Ausflug- rach der Nordsee und nach Elsaß - Lothringen wieder in Berlin angekommen. Den Mittelpunkt der Reise Mete der Besuch bei der Königin Viktoria von England in Darmstadt, ein Zeichen, daß die Beziehungen zwischen den Fürstenhöfen von Berlin und London, die eine Weile hindurch bekanntlich ziemlich gettübt waren, nun dauernd gute geworden sind. In diesen Tagen erfolgt auch die Uebersiedelung der kaiserlichen Familie von Berlin nach Potsdam doch wird der Monarch zu den nunmehr stattfindenden Rkgimentsbksichtigungen noch häufig genug nach Berlin kommen. Der Prinz Rupprecht von Bayern, der voraussichtliche Thronfolger des Königreichs, studiert jetzt auf der Berliner Universität.
Im Auslande bildete allgemein die Maifeier der Arbeiter den Mittelpunkt des Tagcsinteresses. Die schärfsten Vorsichtsmaßregeln waren in Oesterreich-Ungarn und in Frankreich ergriffen worden. Sm Donaustaate war allerdings hierfür sehr triff- tige Ursache vorhanden, denn die bedauerlichen Ge waltszenen, welche die dortigen Ausstände begleiten, scheinen leider gar kein Ende nehmen zu wollen. Besonders heftig war der Tumult in der Jndustrie- Mdt Biala, wo es zu einem sehr blutigen Zu
sammenstöße mit dem Militär kam, dem mehr als ein Dutzend Menschen zum Opfer gefallen sind. Am lebhaftesten dürfte sich die Demonstration vom 1. Mai in Belgien gestaltet haben, wo überhaupt auch der Herd der ganzen Bewegung für den achtstündigen Arbeitstag ist, sowie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In Frankreich hatten, wie oben schon angedeutet, die Anarchisten bei dieser G-legenhett im Trüben zu fischen versucht, aber Minister Constans hatte kurzen Prozeß gemacht und alle verdächtigen Personen einsperren laflen. Ebenso ist es in Italien gegangen.
Am letzten Sonntag hatten in Paris die Wahlen zum Glmeinderat stattgefunden, für welche die Boulangisten gewaltige Anstrengungen gemacht hatten, um die bei der Deputiertenwahl erlittene schwere Niederlage wenigstens etwas wieder auszuwetzen, und es ist auch ziemlich allgemein geglaubt worden, sie würden nicht unbeträchtlich gewinnen. Aber der Ausfall der Wahl brachte nur eine ganz klägliche boulangistische Niederlage, die beweist, daß die einstmals so übermütige Partei sich ihrem Verfalle unaufhaltsam nähert. Boulangers Freunde bieten jetzt alles auf, um den General zur Rückkehr nach Frankreich zu bewegen» aber es ist doch recht fraglich, ob dieser Lust hat, die politische Märtyrerrolle auf sich zu nehmen. Präsident Carnot ist wieder in Paris von seiner Reise angekommen und ruht sich von den Strapazen derselben aus. Nicht eben beneidenswert ist die Lage der Franzosen in Dahomey in Westafrika. Sie müssen sich alle Augenblick mit den Schwarzen umheischlagen, die ihnen geschickt ausweichen, haben unendliche Strapazen und keine Erfolge, sondern nur Verluste. Aus allen Pariser Journalen ergiebt sich der Wunsch, diese höchst lästige Expedition, die viel Geld kostet und nichts einbringt, bald beendet zu sehen.
Ein kleines Revolutiönchen war aus Bulgarien gemeldet. Als die Sache genauer untersucht wurde, stellte sich indessen heraus, daß es kein politischer Krawall, sondern nur eine heftige Wirtshausschlägerei gewesen war. Im Lande herrscht volle Ruhe und die Bulgaren befreunden sich mit ihrem Fürsten mehr und rnefr, seitdem dieser seine stolze Unnahbarkeit ablegt und sich den manchmal freilich etwas rauhen bulgarischen Sitten anbequemt.
Deutsches Reich.
yerlitt, 2. Mai. Der Bui-desrar erklärte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der bereits erfolgten Ueberweisung des Gesetzentwurfs betreffend die
(Nachdruck verboten.)
Heiße Älrrtheri.
Erzählung von Johanna Berger.
(Fottfetzung.)
»Wenn ich mi« ganz zu Jhueu ausgesprochen JÜt*, fuhr die Gräfin fort, .werde» Sie sich pudern, wie merkwürdig «ufere Gedavkeu und «llnsche übereiustimme», und wie richtig ich, ohne vollständig mit Ihre» Verhältuiffeu bekannt zu sein, kombiniert Habel-
. »Ach, ich wundere mich selten über etwas, was 2» ^”tn Zusammenhänge steht, theure Antonia, «te find eine kluge, erfahrene Frau und fiudeu für «lles das Rechte I»
„Darke schön für Ihre gute Meinung. Und f°rnn Sie solches Vertraue» zu mir haben, dann will
auch offen mit Ihnen reden, ganz so, tote es mir D^erz ist." Die Gräfin schwieg plötzlich, zog ihr Meutuch hervor und rieb eifrig an ihrem seidenen h-ruru, als wolle sie ein paar, in Wirklichkeit 8« nicht vorhandene Staubflecken davon fortwischeu, « ste endlich mit etwas gepreßter Stimme fortfuhr: & °hueu wohl gar nicht, welches der eigentliche Beweggrund unserer Reise uach Czeustochau ist?'
Fra» v. BieliuSka riß ganz erstaunt die Augen st« ahnte gewiß nichts. .Ich,-ich', sagte sie, - e?0. doch — ich denke, der lieben Spirtdia zarte Wundheit ist die hauptsächlichste Veranlaffung dazu. Ä. fix hofft auf die Gnade unterer Madonna.
vergebens hoffen, denn wenn l,.?.^rzt mehr helfen kann, so ist man ihrer Hülfe Wiß. Das habe ich kürzlich erst bei meinen Gicht. 2®78tn erfahren. VierWocheu carirte der Doktor U r herum, da legte mir die Michalina ein wollenes ein mst dem Bilde der Gebeuedetteu auf, uud
Au waren die Schmerzen fort.«
Die Gräfin lächelte überlege». ,Ru», vielleicht
wird meine Tochter durch die Goade der Mutter Gottes auch wieder gesund! — Doch ich habe noch andere Dinge bei unserer Wallfahrt ivs Auge gefaßt, liebe Casimira, uud was mich aubetrifft, verlasse ich mich mehr auf die natürlichen Zufälle des Lebens, die urS entweder verhäuguisvoll, oder glückbringend werden. Wir sind alle intime Frenndioneu nud Sie kennen mich genau; da habe ich wohl nicht erst nötig unnütze Rede» zu machen, damit Sie mich völlig verstehen!*
»Ciel! Da bin ich doch neugierig I« rief die Herrin wu Lygotta, iudem fie rasch der Gräfin näher rückte. Diese zog ruhig, ohne eine Miene zu verziehen, ihre Handschuhe au und sagte mit leiser, Halboerschleierter Stimme: .Ihr Roma» ist ein guter, liebenswürdiger Miosch. toirleruten ihn schätzen, als er in Wilua fast täglich bei nns verkehrte. Sein Charaller ist zuverlässig und ehrenwert, und jede Mutter, uud säße ie auf dem Königsthron, könnte stolz ans ihn fein. Ich stelle auch die Behauptung auf, daß, wenn er nur den Willen hätte, es ihm gar nicht schwer fallen würde, eines der reichsten nnb schönsten Edelfräuleiu zur Frau bekommen. Bei seiner bestrickenden Persönlichkeit würde er überall mit offenen Armen empfangen werden, dessen bin ich gewiß. — Ja, es ft eine große Gnade von Gott, gute und brave Kinder zu haben. Sie wissen gar nicht, Casimira welches Glück Sie tu Rowan besitzen!* Sie seufzte Ärz auf uud sentte eine» Moment deu Kopf auf •ie Brust, daun sprach fie hastig weiter: .Auch wir haben ein einziges Kind, auch unsere Spiridia ist lut, aber — fie steckt voller Schwärmereien uud phantastischer Ideen. Aber fie muß wieder zur Ber. nuuft gebracht werde» uud das beste Mittel ist eine chleuaige Verheiratung. Wie wäre es, Casimira, nenn wir Beide aus unseren Kinder ein glückliches Paar machten, dann wäre u«S Allen geholfen!*
Fran v. BielinSka schlug ganz entzückt die runden Händchen zusammen. , Siu Brautpaar!' ries fie aus. .Roma« uud Spiridia eiu glücklicher Paar! Ach,
Friederispräsenzstärke des Heeres an die Ausschüsse einverstanden. — In der Budgetkommissinn des Abgeordnetenhauses wurde heute die Generaldebatte über die im Nachtragsetat ausgeworfenen 18 Millionen für Ausbesserung der Beamtengehälter fortgesetzt. Abgeordneter von Huene führte aus, daß man entweder die 18 Millionen alS Pauschalsumme bewilligen könne, dann aber jede Verantwortlichkeit und Verpflichtung des Abgeordnetenhauses abzulehnen sei; oder man müsse in die Spezialerörterung ein- Ireten und bei den einzelnen Positionen des Etats die erforderlichen Zusätze machen. Geh. Rat Lehnert erkannte an, daß auf beiden Wegen eine Erledigung der Vorlage zu erreichen fei. Schließlich kam man überein, eine Subkommission niederzufetzen, welche die Grundsätze seststellen soll, unter denen der Nachtragsetat budgetmäßig in den ordentlichen Etat ein- zusügen ist. Eine längere Debatte schloß sich noch an eine Anregung des Abgeordneten Bödiker, daß mit dem Aufrücken in eine höhere Stelle häufig ein Gehaltsverlust verbunden ist; im Anschluß hieran wurde das System der Alterszulagen erörtert, doch hatte diese Diskussion zunächst kein praktisches Re sultat. — Die Sperrgesetz - Kommission des Abgeordnetenhauses lehnte heute mit 12 gegen 8 Stimmen den Antrag des Abgeordnete Brüel ab, welcher dahin geht, die Vorlage abzulehnen und die Regierung zur Vorlegung eines Gesetzentwurfs aufzufordern, durch welchen den durch das Sperrgefetz Geschädigten, bezw. deren Rechtsnachfolgern, ein Entschädigungsanspruch gewährt würde. — Die „Post" erfährt, von Caprivi sei von aktiven Kolonialpolitikern wegen seiner Stellungnahme zur Kolonialpolitik befragt worden und habe sein reges Interesse für diese Unternehmungen bekundet, die er nach Kräften fördern werde. — Die „National-Zeitung" bestreitet, daß der Kaiser mit der Königin Viktoria die Frage des Welfenfonds besprochen habe. Ebenso seien die Gerüchte über die Paßzwangfrage grundlos. — Die neue Militärvorlage fordert 54 (nicht 74) neue Feldbatterieen. Die Präsenzstärke der Artillerie steigt um über 6000, diejenige der Infanterie um über 5000 Mann.
— (Fürst Bismarck und die Sozialdemokratie). Aus dem Gespräche, dos Fürst Bismarck mit dem Berichterstatter des „New - York Herald" hatte, ist folgende Stelle bisher nicht mitgeteilt worden: Aber in unserem Leben des Kampfes und des Strebens, der den Fortschritt und die Civilisation durch Reibungen der menschlichen Konkurrenz hervorbringt, muß die Gesellschaft, wenn sie Ruhe haben will, Antonia, ich kenne mich nicht vor Frende! Aber ist es wirklich wahr, scherzen Sie nicht?*
.Mit solchen Angelegenheiten scherze ich nicht! Im Gegenteil, ich habe alles ernstlich in Erwägung gezogen. Roman hat eine reiche Fran nötig — mein thörtchtes Kind einen verständigen Mann, der im Stande ist, ihr die romanhaften Grillen ans dem Kopfe zu treibe». Ich hatte unenbltchen Aerger und Verdruß mit ihr. Denken Sie nur, das unbesonnene Mädchen knüpfte hinter dem Rücken der Pension svorsteherin einen Liebeshandel mit einem deutschen Studenten an!*
.Barmherziger Himmel! la petite? Und das sage» Sie mit heute erst?*
Ein leichtes, sarkastisches Lächeln glitt über die Appru der Gräfin, doch beachtete fie den Einwurf hier Freundin nicht, sondern fuhr im ernsten Tone ort: .Das gedankenlose Kind wußte natürlich nicht, was es that, es war auch nur ein ganz unschuldiges Verhältnis. Er hatte ein paar schöne Redensarten gemacht und fie dieselbe für baare Münze genommen. DaS ist Alles. Sie sehen, wie es so im Leben geht, da führen die Kinder mitunter kleine Romane auf, ohne daß man fie verhindern kann! Aber dieser LiebeStrödel war das Schlimmste nicht, was geschah. Die Vorsteherin hatte dem Kinde die wahufiunigsten Vorwürfe deshalb gemacht, fie einer V-rbrecherin gleich Tage laug eingesperrt und fie von allem Ver. !ehr mit den anderen Pensionärinnen abgeschlossen. In Folge dessen häft fich Spiridia für eine große Sünderin, fie ist schwermütig und traurig, kränkelt häufig uud ihre Reue, ihr Schmerz über die von hr begangene Unbesonnenheit ist so groß, daß fie keinen andern Ausweg kennt, als ins Kloster zn gehe» uud Buße zu thuu. Aber mein Mann nnb ch denken gar nicht daran, solche Schwärmereien gut zu heißen, wir werden vielmehr Alles anfbieten, um unser einziges Kind dem Leben und der Welt zn erhalte». Eine Verbindung mit Roma», den wir achten nud lieben, denn auch Spiridia schon als Kind die
niemals aufhören zum Kampfe bereit zu sein. Ebenso wie zwischen Nationen der Friede durch die Kriegsgefahr und die Entschlossenheit für den Frieden zu kämpfen, wenn er bedroht sein sollte, aufrecht erhalten wird, so könnte auch innerhalb einer politischen Gesellschaft, die aus Individuen von starkem Willen besteht, weder der innere Friede noch die Gerechtigkeit aufrecht erhalten werden, wenn sie nicht durch die ausübende Gewalt verteidigt werden. Wenn die Richter nicht das Recht hätten, die Vollziehung ihres Urteils durch die physische Gewalt der Exekutive zu verlangen, so würde die Gerechtigkeit bald vollständig verschwinden und ohnmächtig werden. Dasselbe gilt meiner Meinung nach von der menschlichen Gesellschaft und dem Sozialismus. Wenn die politischen Parteien, welche dem Sozialismus sich entgegenstellen, sich nicht zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und zum Besten ihrer Mitbürger und ihrer Familien vereinigen, so müssen sie der Herrschaft des Sozialismus unterliegen, bis der Sozialismus seinerzeit wieder durch das Uebermaß des in ihm wie in der Sklaverei liegenden Elends erliegt. Denn das sozialistische Regierungssystem ist eine Alt Sklaverei, eine Art Strafsystem; für die Vereinigung der in Aussicht genommenen Opfer eines solchen Systems wird die für den ersten Mai geplante Kraftprobe nicht ohne Nutzen sein. BtS jetzt ist der Haß jeder Partei gegen ihren nächsten Nachbarn in der Politik noch stärker als die Furcht vor der Herrschaft der Sozialisten, weil man nicht an die Stärke der Sozialisten glaubt und in ihren Kämpftn unter einander jede Partei sich um die Gunst und das Bündnis und die Stimmen der Sozialisten bewirbt. Auch behalten sie in ihrer Gier, Stimmen zu erwerben, nicht die Gefahr und die Leiden im Auge, welchen die zivilisierte Gesellschaft ausgesetzt sein würde, wenn sie von dem am wenigsten gebildeten und am wenigsten intelligenten Teil der Gesellschaft beherrscht würde, dessen Unwissenheit leicht von irgend einem beredten Lügner ausgenutzt wird, dessen Ge- schäftsgegenstand „die tausend natürlichen Uebel sind, denen der Mensch unterworfen ist", für welche sie jede bestehende Regierung verantwortlich machen vollen, während sie selbst in großen billigen Ber- prechungen arbeiten. DaS nenne ich eben ein Lügner sein; der Pöbel ist ein Herrscher, der ebenso geschmeichelt sein will, wie irgend ein Sultan.
Potsdam, 2. Mai. Der Kaiser besichtigte Ijeute Vormittag auf dem Bornstädter Felde das 1. Garde-Regiment zu Fuß. Der Besichtigung wohnten bei der Fürst von Hohenzollern, Prinz herzlichste Zuneigung zeigte, ist unser größter Wunsch nud wir find Beide überzeugt davon, eine gute Wahl getroffen zn haben!*
.O gewiß, eine gute und kluge Wahl, Autolka! Zu der That, Alles, was Sie beschließen, ist ver- tfabig und bewuuderungswerth l Doch — Pardon l — was wird Spiridia dazu sagen? Wenn fie fich Iränbt, weint, kurz, wenn fie nicht will?'
Die Gräfin zog die Augenbrauen in die Höhe und erwiderte scharf: Spiridia ist an Gehorrnsam gewöhnt uud kennt keinen Widerspruch I Ich sage ihr Du heiratest Roman, ich will es, und fie nimmt ihn ichrr. Oder zweifeln Sie daran? Möglich ist es wohl, daß ein paar Thränen dabei fli.ßen, aber meine Tochter ist zu gut erzogen, um nicht zu wissen, laß ein junges Mädchen der hautenoblesse den Gatten nur ans der Hand ihrer Eltern empfangen darf, und daß eS nichts TattlosereS geben kann, als sich einer olchen Wahl zu widersetze». Und nun vollends, wenn »er liebe Roman, den fie früher schon gern hatte ihr Gemahl werden soll!
.Ja, ja, Antonia, mein Roman ist wohl der rechte Mann dazu, einem überspannten Mädchen die thörichten Gedanken zu verscheuchen. Aber —', sie blickte ein wenig unsicher und ängstlich vor sich hin, .aber damtt st noch nicht Alles abgemacht! Er ist nicht so füg- am tote Spiridia — er wird fich vielleicht weigern — nnb er hat so eigentümliche Ansichten. Ich fürchte wenn er erfährt, baß bie Petite schon ein kleines Abenteuer — man muß ihn doch babon in Kenntnis etzen, nicht wahr? Mit einem Wort, dieser kleinen unschuldigen Liaison wegen, würde er fich vielleicht veranlaßt fühlen, die vorteilhafte Partie auszuschlagen und Nein zn sagen!*
Die Gräfin wurde bleich, fie biß zornig die Zähne auf einander. Eine lange peinliche Pause entstaub. Endlich rief fie heftig anS: .Wirklich, Castmira, auf eiue so ktubische Auffassung vo» Ihrer Sette war ch nicht gefaßt! Nehmen Sie mir es nicht Übel, aber zuweilen find Sie schrecklich schwer vo» Begriffen!