Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
JK 96.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnnnentr-Preir bei der Expedition 2*/t Mk-, btt den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. kexkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespallene Zeile 10 Pfg., Reklamen für dir Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 25. April 1890.
»ureigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS
sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler
in Frankfurt a. M., Taffet, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV QdfirflflttÖ
Moste m Frankfurt e. M., Berlin,München u. «An; ®. 2- “’'
Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Für die Monate Mai und Jrrni kann die
Oberhesfische Zeituus mit ihren Beiblättern durch alle Postaustalten bezogen werden.
In Kirchhain nimmt Herr Äuchbinder Rindt Bestellungen entgegen und in hiesiger Stadt die Expedition.
Am 6. Mai
tritt der Reichstag zusammen, dessen Verhandlungen besonders interessant zu werden versprechen.
Es empfiehlt sich daher ein Abonnement auf die Monate Mai uiüd Zum.
Fürst Bismarck und Seueral v. Caprivi.
In Hamburger Zeitungen, welche früher dem Fürsten Bismarck nahe standen und ihm fitzt noch nahe stehen sollen, wird der Versuch unternommen, die Welt auf ein plötzliches Wiederhervortreten Fürst BiSmarcks vorzubereiten, welches seine Spitze gegen den Reichskanzler von Caprivi richten sollte. Bis heute weiß Niemand, ob jener Versuch nicht etwa von jenen Zeitungen nut unternommen ist, um sich eine brillante geschäftliche Reklame zu bereiten, denn ein Organ des ersten deutschen Reichskanzlers kann immer auf einen stattlichen Abonnentenzuwachs rechnen. In jedem Falle hat der bisherige leitende deutsche Staatsmann so gut, wie jeder andere, daS Recht offen zu sagen, was er für nötig hält, und wenn er auf der Parlamentstribüne erscheinen will, wird jede Volksvertretung ihn freundlich begrüßen. Der Abgeordnete Fürst Bismarck ist eine nicht weniger interessante Erscheinung, als eS der Reichskanzler Fürst Bismarck war. Wir werden diesen Gerüchten gegenüber aber auch daran denken muffen, daß der bisherige Reichskanzler bei seiner Abreise von Berlin wiederholt versicherte, er werde so bald nicht nach der Reichshauptstadt zurückkehren. Auch in den letzten Tage» erst hat der Besitzer von Friedrichsruhe geäußert, er sei lange genug in Parlamenten gewesen, sein Wiedererscheinen sei nicht so eilig. Trotz alledem wäre es ja aber möglich, daß Fürst
(Nachdruck verboten.)
Heiße Slttthe«.
Erzählung von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
,WaS werden uns re Gäste davon denken?' fuhr die Dame fort. ,@8 ist ei» wahres Elend, daß eS in Czenstochau nur einen einzigen Konditor giebtl — Und gn dem vielen Berget kam noch dazu, daß der Frannsch, k wieder einmal so betrnrke» war, daß er beinahe vom Kntschbock fiel. Die Pferde ginge» wie Schnecken and Liren schließlich mitten ans der Land, straße stehen geblieben, wenn ich dem Schlingel nicht mit dem Sonnenschirme einen tüchtigen Puff versetzt hätte. Das rüttelte ihn auf! — Todtmatt, anfge. regt nnd verdrießlich komme ich endlich nach Hause Hab suche schon eine ganze Weile in allen Ecken nach Dir. Wo hast Da denn gesteckt? Immer wenn man Dich braucht, bist Du nicht dal'
»Ich habe den Saal hier in Ordnung gebracht, dorher war ich tu der Küche, um mit Michalina die Mohnstriegel zu backen', war JadwigaS bescheidene Antwort.
„Ach, erbarme Dich, die Mohnstriegel!' rief die "eine Dame, indem sie beide Hände über dem Kopfe znsammevschlng. „Ach Kind, was hast Dn damit »»gerichtet! Ich habe ste bereits gesehen, oder diel- wehr gerochen! Fi donc, sie duften nach Zitronen, welch ordinäres Parfüm! Und ich sagte Dir doch, Du Wöchtest Bau des fleuis d’orangee oder CrSme de rose dazu nehmen! Mein Gott, mein Gott, das ist zum Aasendwerden, wir blamire» nnS wirklich vor vuseren Güsten! Keine Torte nnd Mohnstriegel mit Odeur bou Zitronen I War habe ich doch für Onal nnd Plage auf der Wett uud ich weiß wirklich nicht mehr, wo wir der Kopf steht. — Und Du sagst gar nichts »azu, Dn stehst da, Vie eine Bildsäule! So thue doch deu Mund auf und rede ein Wort! Oder noch »effer, hole mir ein SlaS frisches Brunuenwaffer
Bismarck sehr bald wieder öffentlich auftritt; aber daß er eine Aktion gegen die Politik seines Nach- solgers einleiten sollte oder wollte, das ist nicht zu glauben, den» er weiß doch ganz genau, daß die Politik des Herrn von Caprivi die Kaiser Wilhelms II. ist- Fürst Bismarck kennt den Kaiser genau, er kennt dessen Energie und besten Pläne. Der Monarch regiert in Preußen, den Grundsatz hat Fürst Bismarck selbst proklamiert; aber was jene Hamburger Zeitungen erzählen, entspricht diesem Gedanken nicht. Darum kann man auch mit Fug und Recht solche Klatschereien nur bedauern, sie heben das Ansehen der deutschen Nation vor dem Auslande wahrhaftig nicht.
Herrn von Caprivis Rede im preußische» Abgeordnetenhause enthielt auch eine Kritik der Thätig- keil seines Vorgängers insofern, als der Reichskanzler sagte, unter dem Fürsten Bismarck hätten manche Wünsche zurücktreten müssen. Herr von Caprivi hat aber damit keine» Tadel oder Angriff erheben wollen, denn vorher sagte er ganz ausdrücklich, Fürst Bismarck habe so Großes geleistet, daß er nicht daran denke» könne, es ihm gleich zu thu». Fürst Bismark konnte sich durch diese Worte also unmöglich ge troffen sühlen, und zudem hat er während seiner Amtsthäligkeit sehr häufig noch viel offener über die Leistungen ehemaliger Minister gesprochen. Anders hätte die Sachlage sich jetzt gestaltet, wenn der neue Reichskanzler ein direkt gegen seinen Vorgänger gerichtetes Programm aufgestellt hätte, aber Herr von Caprivi sagte ausdrücklich: „Wir beginnen keine neue Aera!" Die Erklärung ist übrigens zweifellos vorher vom Kaiser gebilligt worden, und das weiß Fürst Bismarck so gut, wie jeder andere. Der bisherige Reichskanzler ist aber nicht nur einfacher Privatmann heute, er ist auch General-Oberst der Armee. Und nun erkennt man die ganze Thorheit des Klatsches der Hamburger Zeitungen: Wird der Kaiser die Opposition eines Offiziers gegen seine Regierung und seine Politik dulden, weiß nicht jeder Offizier, was einem solchen Vorgehen folgen würde? Es ist unnötig, hierauf weiter einzugehen; erscheint Fürst Bismarck im Parlament, so wird er auch der bleiben, der er früher war, ein Patriot und treuer Diener des Kaisers.
Es ist aber nicht immer zu glauben, daß der bisherige Reichskanzler so bald schon im Reichstage erscheinen wird, in dem ja, wenn er sonst wollte, für ihn ein Mandat schnell sreigemacht werden könnte. Er wird sich ruhig den Uebergang vollziehen lassen, abwarten, was geschieht, und sich dann äußern, und meine» Äarmelttergetft. Siehst Dn nicht, daß ich beinahe vor Erschöpfung umfaße!"
Das fange Mädch-u war längst au das gutmütige Poltern und Schelten der gnädigen Fra» v LieliuSka getröhnt. Sie eilte rasch hinaus, um bald wieder mit dem Verlangten zurückzukehren. Die Dame hatte sich nuterdeffeu in einen Lehnsessel geworfen , die Füße bequem von sich gestreckt nnd ein gesticktes Kiffen unter deu Kopf geschoben. Sie sah sehr erhitzt aus, ihre Wangen glühten und ste wehte sich hastig mit dem Taschentuche Kühlung zu.
Die Edelfrau vou Lygotta lebte wie eine Patriarchin anf ihrem Gute. Der einzige Sohn, sowie sämtliche Dienerschaft war stets bereit, fich in ihre tausend-
ost kindische» Wünsche zn fügen, auf liden Wink zu horchen und ihr unbegrenzten Respekt und Gehorsam entgegenznbringen.
Fran v. Bielivska war freundlich und gvtberzig, o?" zugleich selbstsüchtig, lauueuhaft uud eigen finnig, ©ie gehörte zu jenen weiblichen Wesen, deren TypnS man eigentlich nur unter den Polinnen-nnd Russinnen findet. Sie war heute liebe »swürdig ohne Grenzen, herablassend, kindisch — morgen strenge, hochmütig »»d haft bis zur Grausamkeit. Bald war ste zu nachsichtig, bald konnte das geringste Versehen fie zum maßlosen Zorn reize», ihre La»»e» wechselte» wie Apnlwetter. Sie war jedem eenen Eindruck unterworfen und liebte die Veränderung. Infolge ihrer Unbeständigkeit mußten oft ihre besten Freunde einer neuen Bekanntschaft Weichen, die nach kurzer Zeit wieder beseitigt wurde! Da ihr der richtige Takt und die wahre Würde des Herrschers fehlte, so schwatzte fie häufig mit der Dienerschaft und ließ fich von dieser die Neuigkeiten aus dem Städtchen erzählen, die großes Jntereffe für ste hatten. Ihre wichtigsten L-beuSaufgabeu schienen aber darin zu bestehen, Stunde» lang trüge anf einem Divan zu liegen, französische Romane z» lesen und Bonbons und Confitnren zu nasche». Trotzdem sie den Putz liebte, machte fie a»8 Bequemlichkeit nur dann Toüette,
wenn es angebracht ist. Ein Auftreten im preußischen Herrenhausc kann ja, wie oben schon gesagt, sofort erfolgen, da der Fürst diesem Hause angehört, und was dort eventuell sich ereignen würde, müffen wir abwarten. Daß sein Nachfolger ein sehr energischer Mann ist, ist außer Frage, und daß er die Politik des Kaisers mit Umsicht und Energie vertritt, ist sicher. Aber Herr v. Caprivi hat fich doch auch wohl für die Zukunft etwas gesichert, und in seinem Verkehr mit dem Fürsten Bismarck, welcher der Abreise des Letzteren aus Berlin voranging, wird er schon zuverlässig erfahren haben, was derselbe in Zukunft will. Alles in Allem scheint es, als ob bei dieser Gelegenheit reichlich viel Qualm gemacht und versucht würde, Verstimmung zu erregen. Wenn nur nicht einmal, wenn es zu arg wird, Kaiser Wilhelm II. gründlich dazwischcnfährt l
Deutsches Reich.
Berlin, 23. April. Der Kaiser ist heute mittag von Oldenburg nach Bremen gereist, und hat sich von dort auS nachmittags über Osnabrück, Köln, Koblenz, Münster u. s. w. zunächst nach Hagenau begeben. Dort wird der Monarch voraussichtlich Donnerstag früh 1 Uhr einttcffen und sich sofort zu Wagen zu einer Auerhahnbalz nach dem betreffenden Jagdrevier begeben. Bereits am selben Morgen um 7 Uhr wird alsdann die Reise nach Straßburg fortgesetzt werden, wo die Ankunft am Donnerstag morgens 8 Uhr erwartet wird. — Das Kaiserpaar wird am 3. Mai von Berlin zum Sommeraufent- halt nach dem Neuen Palais bei Potsdam übersiedeln. — Kaiserin Augusta Viktoria wird Freitag Vormittag von hier nach Darmstadt reisen, um dort mit dem Kaiser, welcher von Straß bürg kommt, zusammentreffen. An demselben Tage noch wird die Kaiserin wieder nach Berlin zurückkehren. — Wie das Bismarck - Komitee mitteilt, hat der Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für den Fürsten Bismarck in allen Teilen Deutschlands begeisterten Widerhall gefunden. An Hunderten von Orten des In- und Auslandes sind schon Ausschüsse in der Bildung begriffen und dem hiesigen Zentralkomitee strömen die Beiträge in ungeheurer Anzahl zu. Neben einzelnen Beträgen bis zu 10000 Mk. befinden sich solche von 10 Pfg., und namentlich die letzter» vielfach begleitet von Zustimmungsschreiben. — Die preußische Gehalts- Erhöhungsvorlage hat im Prinzip saft allgemeine Zustimmung gesunden. So schreibt die freisinnige Vosi. Ztg.: „Trotz mancher Ausstellungen im Ein
wen» fie ausfuhr ober Besuch empfing. Roman, ihr einzige» Kind, war ihr Abgott, fie liebte ihn leiden- schastlich, mit eifersüchtiger Unruhe; aber auch ihn konnte ste oft mit Kleinigkeiten quälen und zur Verzweiflung bringen, den» ihr Egoismus war stärker, als ihre Mutterliebe.
„So, »uu liege ich ziemlich bequem und Ian» ein wenig ausruhen', tief fie dem jungen Mädchen zu, welches ihr das Wasser reichte. Sie trank mit vollen Züge». „Ach, wie das erfrischt! Nun reibe mir die Stirn mit dem Karmelitergeist! — So, das ist gut, das ihut mobil* Sie schloß behaglich die Augen und gähnte. „Aber laufe doch nicht gleich wieder fort, komme her und erzähle mir, was wir heute Gutes zum Souper essen werden. Hoffentlich hat die Köchin die gemästeten Hühner mit Trüffeln gefüllt und die Karpfen in brauner Brühe gekocht. So lange die KwilrckiS hier bleiben, darf nur echter Karawanen- thee genommen werden, iS müssen noch zwei Pfund davon vorhanden fein. Hörst Du, nur echten Thee. Stelle auch SelterSwafler anf das Büffet, denn eS ist eine Hitze zum Ersticken. Papel muß auch Eis ans dem Keller holen, damit der Champagner adge- kühlt wird. JefuS, au was ich alles denken muß, und Niemand unterstützt mich darin!'
„Die Pani Cafimira braucht sich keine Sorgen deshalb zu machen-, sagte freundlich Jadwiga. „Ich bade bereits alles zur Aufnahme unserer Gäste in Ordnung gebracht, auch Michalina wird es an nichts fehlen lasse». Die Pani kann wirklich »och ein Bischen anSschlafen, bis ste kommen.'
„Ja, Du bist ein gutes Mädchen, ein wahrer Schatz fflr mich! Was sollte ich arme geplagte Frau wohl ohne Dich in der großen Wirtschaft anfangen ? Freilich, ich habe eS auch verdient um Dich, denn als ich Dich zu mir nahm, warst Dn noch ein uu- nützeS Seffcheu und konntest kaum stehen. Ich habe unendlich viel für Dich gethau, Jadwiga, vergiß das niemals!'
Die Edelfrau liebte eS sehr, dem jungen Mädchen
zelnen bleibt die Maßregel, welche die Regierung jetzt vorschlägt, immerhin erfreulich. Sie erfüllt nicht nur langjährige Verheißungen, sie entspricht auch einem unabweisbaren Gebote der Gerechtigkeit, nachdem zahlreiche Steuern und Zölle eingeführt ftnb, welche gerade die minder bemittelten Volksllasien belasten. Der Staat hat mit diesem Gesetz seine Pflicht gethan." — Die neue Militärvorlage für den Reichstag soll jetzt vom preußischen Kriegsmmister dem Reichskanzler von Caprivi übergeben worden sein. Sie kann also dem Reichstage unmittelbar nach dessen Zusammentritt zugehen.
Wilhelmshaven, 23. April. Der Kaiser ist kurz vor 9 Uhr nach Oldenburg abgereist; mit ihm Generalseldmarschall Moltke. — Das „Wilhelmsh. Tagebl.* meldet: Prinz Heinrich ist zum Kontre- Admiral, Geschwrderchef Holmann zum Vizeadmiral ernannt.
Darmstadt, 23. April. Die Königin Victoria von England traf heute vormittags punkt 9 Uhr mit einem Extrazuge ein. Auf dem Bahnhofe fand herzlicher Empfang statt. Eine Schwadron Dragoner und eine Ehrenkompagnie waren dort ausgestellt. Die Musik spielte bei der Ankunft des hohen GasteS die englische Nationalhymne. In einem vierspännigen Wagen fuhren die Königin, der Großherzog und Prinzessin Irene durch die festlich beflaggte Stadt nach dem Palais. Eine zahllose Menschenmenge brach in jubelnde Hochrufe aus.
Privoz in Mähren, 23. April. Im ganzen Streikgebiete ist gestern und heute nachts keine Störung vorgekommen. In den Kohlengruben von Zwierzina bei Polnisch - Ostrau und dann auch in Michalkowitz wurde heute die Arbeit wieder ausgenommen. Die Stimmung der Arbeiter fängt an, sich zu beruhigen/ Demzufolge findet heute unter dem Vorsitze des Regierungsrates Klingner eine Besprechung mit den Bergbauleitern wegen Anbahnung eines definitiven Ausgleichs mit den Arbeitern, welche die Arbeit wieder ausgenommen haben, statt.
Paris, 23. April, lieber die gestern gemeldeten Kämpfe in Dahome verlautet, daß die Verluste der Eingeborenen 400 Mann betrugen. Die Franzosen hatten 4 Tode und 21 Verwundete.
Brüste!, 23. April. Dem Festbankett im Börsensaale zu Ehren des Königs wohnten der König mit seiner Familie und Stanley bei. Ersterer bezeichnete in seiner Erwiderung auf die Begrüßungsrede die zu erbauende Kougobahn als einen Markstein
bet paffenden Gelegenheiten die Wohlthaten, die fie ihm erwiesen, ins Gedächtnis zu rufen und sich selbst habet in eine gerührte Stimmung zu versetzen. So blickte fie auch jetzt mit schwimmenden Augen zum Plafond empor. Nach einer Weile begann fie wieder: „Ich freue mich doch ungemein, daß die Kwileckis endlich einmal nach Lygotta kommen, das wird eine angenehme Abwechselung in unserem einförmigen Lebe» fein. ES ist oft schrecklich langweilig bei uns, kein Mensch vertreibt uuS die Zeit. Ei» köstlicher Einfall von der Gräfin, die Wallfahrt zu unserer Madonna zu machen, nicht wahr, Kind? — IS glaube, auch Roman wird eS lieb sei», er lenut die Familie schon lange und war früher sehr befreundet mit ihr. — Wenn er nur nicht solch EiSblock wäre! Denke Dir, er will durchaus keine Vifiteu anf den Nachbarsgütern machen, so viel ich auch zurede, ich habe oft furchtbaren Aerger mit ihm. Wie ei» Einsiedler lebt er, in der Woche reitet er aufs Feld und Sonntags läuft er im Walde spazieren. Und ich kann doch nicht mit ihm durch Dick und Dünn — solche Natur besitze ich nicht und--*
Die Edelfrau vollendete nicht, sie starrte plötzlich mit einem Blick des Schreckens die lange Schleppe hrcs Kleides an, welche beschmutzt und zerknittert über de» Boden geglitten mar. Dan» fuhr fie wie elekirifirt in die Höhe, raunte durch den Salon zur Thür, griff hastig nach dem dort befindlichen Kliugel- zuge, um mit einem wahren Sturmgeläute die Kammerzofe herbeizurnfen. Mttteu in dem Lärm hörte man aber den Hellen schrillen Kling-Klaug einer Brttschka, und da» feurige Viergespann derselben näherte fich laut mit den Hufen stampfend, im chuelleu Trabe dem Herreuhause von Lygotta.
„Heilige Mutter, fie kommen schon und ich kann mich so nicht sehen lassen', rief händeringend Fran v- BieliuSka. „Der Franuschek, der Hund, ist schuld, ist schuld daran, er hat den Weg nicht gesäubert und nun habe ich mein schönes Kleid verdorben! Aber Gott sei ihm gnädig, {feiner Strafe entgeht er