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Marburg,

Donnerstag, 24. April 1890.

Erscheint täglich außer an Werktagen »ach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-WonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*'t Mk, bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnjerNonsgebühr füt die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfutt a. M., Eaffel, Magdeburg « Wien: Rudolf YYV Moste in Frankfutt a M., Berlin, München u. Köln: ®. L AA '' 'M Daube u. Eo. in Frankfurt <u M., Berlin, Hannover, Patt».

MO Beitafl

[ Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Für die Monate Mai und Juni kann die

Oberhesfische Zeitung mit ihren Beiblättern durch alle Postanstalten bezogen werden.

In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen und in hie­siger Stadt die Expedition.

Am 6. Mai

tritt der Reichstag zusammen, dessen Ver­handlungen besonders interessant zu werden versprechen.

Es empfiehlt sich daher ein Abonnement auf die Monate Mai und Juni.

Arr Kaiser in Kreme«.

Bremen, 22. April.

Nachdem der Kaiser um 4 Uhr die Tafel im Rathaussaale aufgehoben hatte, machte ihn beim Hinausgehen au» dem Festsaal Bürgermeister Buff noch aufmerksam auf die wunderbaren Gebilde der Güldenkammer, welche der hohe Herr längere Zeit mit Aufmerksamkeit betrachtete. Nachdem der Kaiser das Rathaus verlassen hatte, stattete er noch dem neuen Panorama einen kurzen Besuch ab und begab sich sodann um halb 5 Uhr nachmittags mit seinem Sonderzuge nach Bremerhaven, wo er um 6 Uhr ttntraf. Dort schritt er die Front der als Ehren­kompagnie vor dem Bahnhofe aufgestellten Matrosen- Artillerie-Abteilung ob und erwiderte auf die An­sprache des Stadtdirektors Gebhardt, daß er der Entwickelung Bremerhavens mit Jnterefse folge. Unter dem Jubel der Bevölkerung fuhr er darauf durch Bremerhaven und Geestemünde nach den Hafenanlagen, um diese sowie die Lloydwerkstätten zu besichtigen. In Geestemünde ward er von dem dortigen Bürgermeister Bleßmann begrüßt. Sodann fuhr der Kaiser mit dem Dampfer »Willkommen" nach dem SchnelldampferFulda", an deffen Bord um 7 Uhr ein von der Direktion deSNorddeutschen Lloyd" veranstaltetes Mahl fiattfand.

Während dieses Festmahles erwiderte der Kaiser auf eine Ansprache des Vorsitzenden des Verwal-

(Nachdruck verboten.)

Heiße Slnlhe«.

Erzählung von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Ei» juugrS Mädchen aar eifrig mit der SnS- schwückvng der Tafel beschäftigt. Sie faltete dir Serviette» i» zierliche Fächer, füllte mehrere Kiystall- schalen mit Blume», Kirsche» und Erdbeere» und steckte i» jede» Weinglas ei» Tannenzweigletn und eine RoseukuoSpe. Dann begauu fie auS einem mit Blume» gefüllte» Korbe die schönste» anSznwähle« und einen 6trat6 zu biodeu.

Die Abendröte wob eine» Purpvrfcheiu um die schlanke Mädcheagestalt und um das reiche blonde Haar, dar iu Flechte» aufgebuvde», ei» feite» schöner Antlitz umrahmte, deffeu höchster Reiz der uuverke»». bare Ausdruck vou Unschuld uud Kindlichkeit war und aus dem zwei dunkelblaue träumerische Augeu etwas verschleiert unter lauge» seideue» Wimper» iu die Welt blickte». Eine Kasawaika vou blauer Wolle schmiegte sich knapp um die volle Büste uud ein schwarzer kurzer Rock fiel iu reicheu Falteu auf wiuzig kleiue Füßchen herab, welche iu roten Strümpfen und zierliche» Leder Pantöffelchen stickte».

DaS juuge Mädchen hatte ihre» Sttauß fertig und hielt ihn prüfend vor fich hi». Dau» trat fie an das offene Fenster, um ins Freie zu blicke». Doch jäb errötend, wich fie rasch wieder zurück uud »achte fich vou Neuem au der Tafel zu schaffe». Deuu auS dem Gatten hatte fich mit hastigem Tritt ein jnvgrr Maua dem Fenster genähert, war davor stehen geblieben uud sah ruu mit offenbarer Ver- wuuderuvg in den festlich geschmückten Raum hiueio. ES war ein höchst «»mutiges Bild, welche» diese beide» jugevdfrischeu Menschen boten. So schön, so wohlgestaltet und vou so edler Hatwouir, jede für fich, mochte man fie nicht leicht vereinigt finden. Der hohe, schlanke Wuchs deS juuge» MauueS wurde durch deu eugauliegeudeu, mit Schnüre» besetzten

tuvgsrates desNorddeutschen Lloyd" etwa fol­gendes :

Er danke und spreche seine Freude darüber aus, daß es ihm vergönnt sei, das Treiben, Schaffen und Wollen des Lloyd kennen zu lernen; jeder Er­folg des Lloyd erfülle ihn mit Stolz, denn deffen Schiffe, welche von dem großen Emporium nach allen Windrichtungen ausgingen, seien Gegenstand nicht nur unserer, sondern auch fremder Bewun­derung ; sie feien Zeugen der tüchtigen Leistungen in der Schiffsbautechnik der Handelsmarine; überall könnten sie sich mit Stolz blicken lassen. Selbst­verständlich sei sein Streben auf den Frieden ge­richtet; Handel und Wandel könnten nur blühen, wenn durch den Frieden der sichere Geschäftsgang verbürgt wäre. Als Freund des Seewesens ver­folge er die Erscheinungen der Natur. Als er zum ersten male die Ostsee mit einem Geschwader befahren, habe es fich um einen Kurswechsel ge­handelt. Derselbe habe stattgefunden, aber die Schiffe seien dabei im Nebel getrennt worden; mit einem male sei aus dem Nebel hoch über den Wolken die deutsche Flagge aufgetaucht ein über­raschender Anblick, welcher alle zur Bewunderung der Naturerscheinung hingeriffen habe; später sei das ganze Geschwader, tadellos den neuen Kurs steuernd, aufgetaucht, nachdem der Nebel sich zer­streut: Dies sei ihm als Bild erschienen. Welch dunkle Stunden auch über unser Vaterland kommen möchten, wir würden dennoch in rüstigem Vorwärts streben unser Ziel erreichen nach dem schönen Grund­satz:Wir Deutsche fürchten Gott, sonst niemand auf der Welt." Wenn in der Preffe und dem öffentlichen Leben Anzeichen von Gefahren hervor­treten, Jo solle man getrost senken, daß r» lange nicht immer so schlimm sei, wie cs aussehe. Man solle ihm vertrauen, daß er den Frieden schützen werde, und wenn in der Preffe mitunter seine Worte anders gedeutet würden, so solle man des alten Wortes eingedenk sein, das einst auch ein Kaiser gesprochen:Ein Kaiserwort soll man nicht drehn noch deuteln." Er bitte die Anwescndeu, auf das stete Vorwärtsstreben und das Gedeihen des Lloyd ein Hoch auszubringen." Die Worte des Kaisers riesen stürmische Begeisterung hervor. Um 9 Uhr fuhr der Kaiser zurHohenzollern." Tie Lloyd- anlagen waren beleuchtet mit Raketengarben und bengalischem Licht, ebenso viele Dau pfer; der Leucht- lurm zeigte ein W aus elektrischen Lampen. Der Kaiser blieb die Nacht an Bord derHohenzollern." Am Dienstag Vormittag begab sich der Kaiser

Rock vou feinem Moskauer Tuch uoch mehr gehoben. Eine Couföderatka saß keck aus de» .klassisch ge- formte» Kopfe mit dem üppigen braune« Kraushaar, und der dunkle volle Schnurrbart gab dem iiefge« bräunte» Antlitz deu AuSdrrck vou Männlichkeit uud Kraft. Etnas uugcmeiu Ritterlichts und Zwang- loses in Haltung und Bewegung, sowie die feine Nationaltracht verrieten deu Edelman».

Einige Minute» verharrte er reguvgSloS au seinem Platze. Seine lebhafte» brouuc» Auge» musterte» mit Wohlgefalle» die hübsch arrangierte Tafel uud die mit Blumen uud Taunevgrüu geschmückten Wände. Doch schweiften sie geflissentlich au dem Mädchen vorüber, alS scheue er fich, es avzusehev. Nach einer Weile schlug er ungeduldig mit der Reitpeitsche au seine hohen Stulpenstiefel, klirrte mit den silberne« Spore» vnd stützte beide Arme aus da» Fensterbrett.

.Jadwiga", ries et leise, indem er ihr fitzt voll de» Blick znwaudte. »Jadwilnschka, bist Du »och böse?

Das Mädchen woudte fich nm unjb schüttelte das blonde Köpfchen. .Nein, Pan Roman 1*

.D°S ist gut", erwiderte er. .Dein Schmollen war avch nicht arszuhaltev. Da» mußt Du Dir abgewöhueo. Jadwischkal Aber host Tu hier heute alle» schön gewacht! Wohrhastig, ich bi» überrascht vou dem Glanz! Nun wirst Du Dich wohl deu ganze» Tag sür »vS abgc quält habe» und kein Mensch im House dankt e» Dir!"

.Ist auch gar nicht nötig, ich thue einfach meine Pflicht. Von klein ans hat man mir hier Wohlthoten erwiesen, da möchte ich gern erkenntlich dasür sein!'

,Wa» mau sür Dich that, war wenig genug! Dafür mußt Du Dich von früh bis spät in der Wirtschaft tummeln wie eine Magd, Trepp' ans, Trepp' ab springe», bügeln, koche», nähen, backen und tausend Sachen verrichten. Gott weiß allein, wak man Dir alle» ansbürdet. Wenn ich Dir »nr einmal eine Last abnehme», oder Dir helfe» könnte?

DaS Mädchen lachte hell auf.Ach Pau Roma»,

an Bord des SchnelldampfersLahn" und ging mit diesem, welchem die JachtHohenzollern" folgte, in See. Beide Schiffe passierten um 12/* Uhr mittags den Weser-Leuchtturm.

-erüschrs UM.

Berlin, 22. April. Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses beschloß, die Staatsregierung um einen Gesetzentwurf zu ersuchen, wodurch Be­ginn und Ende der Schulpflicht für den preußischen Staat derartig geregelt werden, daß für den Beginn das vollendete sechste, für das Ende das vollendete vierzehnte Lebensjahr festgesetzt wird. Der Reichsanzeiger" bestätigt, daß die Einfuhr lebender Schweine aus Dänemark auf dem Seewege behufs Schlachtung in den Ankunftshäfen vom Reichskanzler unter bestimmten Vorsichtsmaßregeln gestattet worden ist. Der Kronrat am Sonnabend hat sich nicht, wie vielfach angenommen wurde, mit der Volksschule, sondern mit der Enquete über die Reform des höheren Unterricht- beschäftigt, welche Minister von Goßler bei der zweiten Beratung des Etats in Aussicht stellte. Die aus ca. 40 Mitgliedern bestehende En­quete-Kommission soll im Herbste zusammentreten.

Die öffentliche Diskussion der letzten Tage hat fich vornehmlich auf die Frage der offiziösen Presse erstreckt. Von der freisinnigen Partei des preußischen Abgeordnetenhauses angeregt, hat die Erörterung darüber einen Umfang angenommen, der kaum erklärlich wäre, wenn man nicht wüßte, welche Hemmniffe die sogenannte offiziöse Presse den agitatorischen Verhetzungen der Freisinnigen, Demo­kraten und Sozialdemokraten entgegengesetzt hat. Man hat sich daran gewöhnt, mit dem Worteoffiziös" die gesamte Preffe zu bezeichnen, welche die Re­gierung im Allgemeinen unterstützt, also diejenige, welche nicht oppofitionell ist. Welchen Schmähungen diese Blätter auf der die Regierungspolitik grund­sätzlich bekämpfenden Seite ausgesetzt waren, braucht nicht näher auseinandergesetzt zu werden, es genügt, in dieser Beziehung daran zu erinnern, daß die frei sinnigen, demokratischen und sozialdemokratischen Blätter die UeberzeugungStreue allein gepachtet zu haben vorgaben. Nachdem Fürst Bismarck aus seinen Aemtern geschieden war, glaubte die Opposition die Zeit gekommen, sich des Gegners zu entledigen, der ihre Anstrengungen um Erregung von Unzu­friedenheit bisher am erfolgreichsten bekämpft hatte, sie bestürmte die neue Regierung mit der Aufforde­rung der Beseitigung der ojfiziösen Presse. Wenn schon die damit verbundene Auffassung, als reiche der

tcy muß lache«! So etwas würde fich prächtig schicke« für deu gnädige« Barou v. Bielinski. Mir eine Arbeit abuehme«? Ich bin doch kein Edelfränlein, nut die arme Gospodyna vom Hanse!"

.Leider, leider, Jadwilnschka, obgleich D» mit Deinem wunderhübschen Gesichtchen, Deinem Apartthn« und Deinem mächtigen Trotzköpfchen nicht nur ein Edelfränlein, sondern auch eine wirkliche Prinzessin abgeben könntest! Manchmal habe ich riesige» Respekt vor Dir, Dn bist immer so stolz so unnahbar so, so nun so kühl eiskalt bis an» Hetz hinan!"

.Wüßte gar nicht, wie ich ander» sein sollte, es ist einmal so meine Sri!" entgegnete fie rasch.

.Aber mich behandelst Dn besonders schlecht! Und Dn kannst Dich doch in keiner Weise über mich be­klagen, ich komme Dir mit jeder Rückficht entgegen, die Dn zu verlangen hast!"

Jadwiga senkte den Kops auf ihren Sttauß herab, den fie uoch immer in ihrer Hand hielt, dabei be. deckten fich ihre Wangen mir einem zarten Rot. .Es ist wahr, Pau Roman", sagte fie. .Sie halte« etwa» a«f mich und leiden nickt, daß mir jemand im Hanse zu nahe tritt, mich ausschllt oder mir zu viel Arbeit aufbürdet aber aber" fie stockte.

.Aber?" wiederholte Roman. .Nun sage doch, was Dir nicht au mir gefällt, heraus damit, ich nehme e» Dir nicht übel!"

.Ich will lieber schweige», eS ist nicht gut, wenn man anSplaudert, wo» man auf dem Herzen hat!"

Der junge Edelmann runzelte die Stirn. Er rief unwillig zu ihr hinüber: .Sch so, Du spielst aus gestern an, und doch versichertest Du mtt vor einer Minute, daß Du nicht mehr böse deshalb wärest. Und was habe ich denn eigentlich Schlimmes gethan ? Einen Kuß habe ich mtt geraubt, ein einziges kleiue» Küßchen. Du spentest Dich aber gerade so, als wärest Du wirklich eine vornehme Dame! War (8 da ein Wunder, wenn ich mir Gehorsam erzwang, wenn ich Dir zeigte, daß ich Herr im Hanse bin!"

Da» Mädchen hob langsam die dunklen Wimpern

Einfluß der Regierung auf die sie unterstützende Preffe bis zur Vernichtung der letzteren, naiv genug war, so war es geradezu lächerlich, von der Regierung zu verlangen, dieselbe solle im öffentlichen Meinungs­kampfe sich einer Waffe entäußern, welche die Opposition nur zu gut, wenn auch meist wenig anständig, zu handhaben versteht. Der Ansturm der Opposition nach dieser Richtung erlitt denn auch ein klägliches Fiasko, und die offiziöse Presse wird nach wie vor den Herren von der Opposition auf die Finger sehen und eventuell darauf klopfen.

Karlsruhe, 22. April. In der zweiten Kam­mer wurde seitens des Zentrums eine Interpellation eingebracht, ob die Regierung geneigt sei, einen Ge­setzentwurf vorzulegen, wodurch die Rechtsverhältnisse der Altkatholiken als besonderer Religionsgemeinschaft geregelt werden sollen.

Wien, 22. April. Nach einer Meldung der Blätter auS Wagstadt in Schlesien stellten die Ar­beiter der Salcherschen Fabrik infolge Aufwiegelung durch beschäftigungslose Arbeiter die Arbeit ein und zwangen die Arbeiter der übrige« Fabriken, da» Gleiche zu thun. Wegen der vorgekommenen Aus­schreitungen wurde Militär requiriert.

Mährisch-Ostra«, 22. April. Auf fast sämt­lichen Schachten der Nordbahn ist die Arbeit wieder ausgenommen. Gegenwärtig ruht noch der Bergbau in Zwierzina und Wichalkowitz. Die Wilkowitzer Werke sind in vollem Betriebe, ebenso diejenigen in Karlshütte, Baszka und Friedland. In Miste! sind Unruhen ausgebrochen. Eine Anzahl Ruhestörer durchzog die Stadt und schlug bei den Israeliten die Fensterscheiben ein, bis Kavallerie die Ordnung wiederherstellte. In Julnek kam gestern eine Bande von Excedenten aus Wagstadt an. Dieselben sprengten die Thore der Pollakscker Fabriken, zwangen die Arbeiter zur Arbeitseinstellung und zogen in die Stadt, wo sie zwei Branntweinschänken und eine Tabaksniederlage plünderten. Militär stellte die Ordnung wieder her. Heute streiken sämtliche Fabrikarbeiter.

Paris, 22. April. Mehrere Zeitungen bringen einen Aufruf, worin auch die Handlungsdiener auf­gefordert werden, an der Kundgebung vom 1. Mai teilzunehmen. Zur Aufrechthaltung der Ordnung werden umfaffende Maßnahmen getroffen. Die ge­samte Polizeimacht wird aufgeboten, die Truppen werden konsigniert und erhalten Berstärkung aus den Nachbargarnisonen.

und ttat an da» Fenster, an dem er lehnte. Sie standen nun dicht einander gegenüber und blickten sich ein paar Sekunden fest in die Augen, ohne ein Wort zn sprechen. Beider Antlitz ttng das Gepräge von Unmut und Berger. Endlich sagte Jadwiga: .Wissen Sie, Pan Roman, daß e» ein ganz unnützes Gerede ist, wa» wir da führen. Besser ists, Sie raten mir, wer den Sttauß bekommen soll. Eigentlich habe ich ihn für die Komtesse bestimmt sollten Sie indessen"

.Sieb die Blumen wem Du willst, wa» geht» mich an l" brauste er auf. .Ich habe mir die Gäste nicht eiugeladeu! Meinetwegen können fie bleiben, uo fie find!"

»Aber Pau Roman!" Sie sah ihn vorwurfsvoll a». »Die Kwilecki» find doch Ihre besten Freunde? Und die arme Komtesse hat solch' schwache Gesund­heit. Da ist c» doch ganz natürlich, daß fie hierher kommt, um zu unserem hestigeu Gnadenbilde zu beten. Und unsere Madonna wird ihr gewiß Helsen fie wird--

Roman brach in ein lautes Lache« a«S.

.Was ist denn darüber zu lachen", rief ärgerlich Jadwiga. .Wohin sollen den« die frommen Christen pilgern, die krank und leidend ober kummervollen Herzens find? Doch nur zur Madonna, zu nuferer Heben Himmelskönigin l"

.DaS glaube ich schon, daß Du die» thun würdest! Aber so viel ich weiß, hast Du keine Suadenbitte nötig. Du bist gesund wie ein Fisch und Dich drückt weder Liebes- noch anderes Leid!"

.Nein, Gott sei dafür gedankt «ein!" erwiderte fie schnell und schritt wieder in da» Gemach zmück. Sie nahm eine kleine Rccrcovase vo« Kredenztisch und stellte den Strauß hinein.

Eben wollte fie dieselbe auf die Tafel setzen, als Roman plötzlich mit einem mächtigen Satze durch da» Fenster in den Saal sprang. Jadwiga schrie laut anf vor Schreck. .Jesu», wa» machen Sie den», Pau Roman?" rief fie an». Ihre Stimme zitterte.