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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sountagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 94.
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Marburg,
Mittwoch, 23. April 1890.
An,eigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler io Frankfurt a.M., Cassel Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV Stoffe io Frankfurt e. M-, Berlin, München u. Köln; ®. 8. 1' 'Uu74
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Für die Monate Mai und Juni kann die
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Der Kaiser in Kreme«.
Bremen, 21. April.
Der Kaiser traf heute Vormittag um 9 Uhr mit dem Feldmarschall Grafen Moltke und großem Gefolge mittels Sonderzuges auf dem Centralbahnhos hier ein, wo der Präsident des Senats, Bürgermeister Buff und Senator Dr. Luermann, die Generalität und die Spitzen der Behörden zum Empfang anwesend waren. Bürgermeister Buff begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache, in welcher er den Dank der Stadt ausdrückte für die ihr durch den Allerhöchsten Besuch zu Theil gewordene Ehre und Se. Majestät in Bremen ehrfurchtsvoll willkommen hieß. Der Kaiser dankte huldvollst, schritt die auf dem Bahnhof aufgestellte Ehrcnkompagnie deS 1. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 75 ab, begab sich sodann durch die Fürstenzimmer zu dem vor dem Bahnhofe bereitstehenden Wagen und fuhr unter dem Jubel der Bevölkerung durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Hause des Senators Dr. Luermann. Neben Sr. Majestät saß der Bürgermister Buff; im zweiten Wagen hatte der Generalfeldmarschall Graf Moltke mit dem Bürgermeister Dr. Pauli Platz genommen. Um 10 Uhr verließ der Kai er das Absteigequartier und trat in Begleitung des Bürgermeisters Buff und des Gefolges eine Rundfahrt durch die mit Fahnen und Guirlanden geschmückten Feststraßen an, welche an vielen Stellen großartige Ehrenpforten aufwiesen. Ueberall wurde der hohe Herr durch die Bevölkerung und die Spalier bildenden Kriegervereine, Gewerkschaften, und Schulen begeistert begrüßt. Bei der Ankunft im Freihafen begab sich Se. Majestät an Bord des Lloyddampfers .Lachs" und machte in Begleitung einer Dampfer- fiottille eine Fahrt durch den Freihafen. Nach Beendigung derselben kehrte der Kaiser über die Promenaden nach der Stadt zurück und fuhr nach dem Vörsenhauptgebäude, wo er durch den Handels-
(Nachdruck verboten.)
Heiße Glnthe«.
Erzählung von Johanna Berger.
ES war in der zweiten Hälfte des Jovi, gleich «ach Petrus und Paulus. Etu prachtvoller Sommer- tag neigte sich feinem Eade zu. Die weite, sich in leichten Hügelwillen dahin,i.heude Landschaft war Noch vom Sonuengolde Übei flutet, während die filberue Mondsichel bereits verstohlen hinter rosenrot angehauchten Wolken hervorlugte. Soweit das Auge reichte, gewahrte mau blauen Himmel, klare Lnft und warmen Souueuscheiu, nur die in blauer Ferne «egende Bergkette der Karpathen hob sich dunkel und drohend, fast schwarz von der lachenden, hellleuchtenden Ebene empor, welche wst ihren duftigen Linien «nd herrlichen Farbeutönen schon manchen Maler be- geistert hat. Dos Flachland breitet sich mit seinen gofjen Wäldern, frnchlbaren Siedern und sandigen Haidestrecken über viele Quadratmeilen aus. Bald taucht die Windung eines FluffeS, bald ein blauer «ee, eine Stadt ober ein Dorf aus grünen Fluren auf, und hier und dort erzählt ein halbvervitterteS, Holzes Schloß, ein altes ehrwürdiges Kloster von «ergangenen Zahrhnuderten und der längst ver- buchenen und versunkenen Macht nud Größe deS ehemaligen Königreiches Polen.
Die Stadt Czenstochan liegt ein Abhänge eines xuen Berges, .JaSnagora- genannt. Auf feinem Kipfel steht dar altersgraue Kloster der heiligen Paul, deS Eremiten. ES ist der berühmteste und besuchteste Wallfahrtsort Polens, den» in feiner prachtvollen, mit verschwenderischem LuxnS anSge- Mieten Kapelle befindet sich das wunderthättge Marienbild, welcher bet den frommen gläubigen «Uholike« unter dem Namen der schwarzen Madonna die höchste Verehrung erworben hat. Das Bildnis wll thzanttnischen llrsprnug» sein und von LrcaS felbst gemalt, sich lange im Besitze der heiligiu Helena befunden haben. Später wnrde er von dem rutheuifcheu
kammerpräsidenten Dr. H. H. Meier mit einer An spräche begrüßt wurde, die besonders des Kaisers Friedenspolitik, seine Sorge für Vermehrung der Flotte und des deutschen Handels hervorhob und dem Tanke der Bremischen Kaufmannschaft Ausdruck verlieh durch ein begeistert aufgenommenes dreimaliges Hoch auf den Kaiser. Es folgten Musik und Gesang, worauf der Kaiser die Börse verließ und sich zu Fuß nach dem alten Börsenplätze zur Grundsteinlegung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. begab. Seine Majestät wurde hier von dem Präsidenten des Komitees, dem Präsidenten der Bürgerschaft Heinrich Clausen, empfangen. Derselbe betonte in seiner Rede, daß das Denkmal die Erinnerung wach halten solle an die Persönlichkeit des Kaisers Wilhelm I. und an die von ihm vollbrachten weltgeschichtlichen Thaten. Er führte aus, daß mit Kaiser Wilhelm I für Deutschland ein neues Zeitalter begonnen habe, und bat schließlich Kaiser Wilhelm II. im Namen des Komitees, das nur aus freiwilligen Spenden der Bürger das Denkmal errichten ließe, durch die altüberlieferte Form der Hammerschläge auf den die Urkunden über die heutige Feier umschließenden Stein den Grund des Denkmals zu legen. Der Kaiser that hierauf drei Hammerschläge mit den Worten: .Dem Heimgegangenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Erinnerung und den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung." Präsident Clausen übergab nunmehr den Grundstein dem Senate, dessen Vertreter Bürgermeister Dr. Pauli ihn entgegennahm. Derselbe wies darauf hin, daß auf der anderen Seite des Rathauses der Roland stehe, der dem Volke das Sinnbild des freien Gemeinwesens geworden fei. .. Mit dem Serifer» denkmale aber werde das neue Reich verkörpert. Dieses Denkmal solle ein Symbol werden von Kaiser und Reich. Mit einem Hoch auf den Kaiser schloß der Redner und begeistert stimmten Alle ein. Unter unausgesetzten stürmischen Hochrufen begab sich der Kaiser sodann auf kurze Zeit in den Ratskeller und fuhr von dort nach seinem Absteigequartier zurück. — Wie die .Post" meldet, wurde der Kaiser im Ratskeller von zwei Herren des Senates empfangen und ging zuerst in den Bacchussaal, wo ihm der Ehrentrunk durch den Konsul Segnitz in altem Krystallpokale überreicht wurde. Es wurden darauf die Keller der 12 Apostel, sowie der Keller der Rose besichtigt und verschiedene Sorten geprobt. — Um 2 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Senator Luermann nach dem Rathouse. Auf dem Balkon des Künstlerhauses befanden sich dreißig Damen
Fürsten Laon nach Galizien gebracht nud endlich im Jahre 1332 reitete eS WladiSlaw, der Herzog von Oppeln, der Erbaner deS Klosters, vor den wilden Horden der Tartaren, indem er eS den frommen Mönchen anvertraute.
Dieses Marienbild erlangte durch eine wunderbare Begebenheit feine Berühmtheit. Vor Jahrhunderten war eS, als eines Tages die Hussiten das Kloster auf dem JaSnagora überfielen, nm das Bild nud andere Kostbarketten zu rauben nud nach Schlesien zu entführen. Aber kaum taufend Schritte vom Kloster entfernt, blieb plötzlich der Karren mit der reichen Bente wie angewurzelt stehen und war in feinet Weife mehr vom Fl> d zu bringen. Auch das Bildnis der Himmelskönigin war nicht zu entfernen, eS schien mit dem Karren wie festgewachsen. Die Hussiten ließen nach vergeblicher Mühe nnb Au- ftienflnn8 flne8 im Stich nnb ergriffen voller Angst und Grausen die Flucht AIS später die verschenchten Mönche ins Kloster znrüdkehrten, zeigte die heilige Barbara de» Abte die Stelle, wo sich der Karren mit den geraubten Schätzen befand. Nnn wnrde das Marienbild in feierlicher Prozession in die Kapelle zurüdgebracht. An dem Platze aber, wo der Karren gestanden, sprudelte gleich darauf ein wunder klares, silberhelles Brünnlein hervor, welchem das gläubige Volk bis auf den heutigen Tag gar mächtige Kräfte znschreibt. — Dies ist jetzt roch die im Munde der Polen erhaltene Sage von der schwarzen Madonna: Eie ist von einer eigenartigen Poesie durchweht, welche nicht verfehlt, auf Her, nnb Gemüt einen wunderbaren Einfluß anSzuübeu. Etu Prior und eine Schar ehrwürdiger Mönche bewohnt das Kloster auf bet einsamen Berghöhe nnb verwaltet die reichen Opferspendeu, welche die von Fern nnb Nah her- kommenden Wallfahrer vor de« Zitat des Gnaden- bilde s niebetltflen.
Das Städtchen bietet, wenn auch ringsum von malerischer Landschaft umgeben, leinen anmutigen Anblick. Der große Marktplatz, sowie die schlecht
und Herren in altdeutscher Tracht. Vier ebenso gekleidete Trompeter begrüßten den Grafen Moltke und den Grafen Waldetsee mit Fanfaren, den Kaiser mit einet Hymne. An der Rathaustreppe wurde Seine Majestät vom Bürgermeister Buff empfangen. Während des Festmahls saßen links von dem Kaiser Senator Pauli und Staatsminister v. Bötticher, rechts der Präsident des Senates Buff. Feldmarschall Graf Moltke und Graf Waldersee, gegenüber Sr. Majestät Dr. Luermann, rechts davon Herr von Kufferow, die General-Leutnants v. Hahnke und v. Wittich, links die Staatssekretäre v. Stephan und v. Maltzan. Es waren 83 Gedecke. Die Musik stellte das 75. Regiment.
Während des Festmahls erhob sich der Bürgermeister zu folgendem Trinkspruch:
.Die Halle, in der wir die Ehre haben, uns um Ew. Kaiserliche Majestät versammelt zu finden, war Jahrhunderte lang der Mittelpunkt des politischen Lebens dieser Stadt, zumal in den Jahrhunderten, wo Hader und Zwietracht deutsches Land zerrütteten und feindliche Kriegsvölker es verwüsteten. Auf diesem dunklen Hintergründe hebt sich leuchtend das Bild ab, welches die politische Gegenwart uns bietet. Aus dem Wirrsale jener trüben Zeiten unserer Geschichte treten zwei Namen hervor, welche die Wendung zum Besieren vorbereiteten und dieselbe unter GotteS Beistand in unseren Tagen glücklich und glorreich dnrchgesührt haben. Diese Namen sind Brandenburg und Hohenzollern! Mit diesen Namen ist alles Große und Herrliche verbunden, was in stetem Fortschreiten die neue Zeit hat heranreifen sehen, was das heutige Geschlecht mit Stolz und Freude erfüllt. Bremen hat im Jahre 1866 ohne Zaudern sich der Seite angeschloffen, welche zum Norddeutschen Bunde leitete, es ist in den denkwürdigen Monaten 1870/71 mit nie irre werdender Zuversicht den Begebenheiten gefolgt, welche auf feindlichem Boden den erhabenen Hohenzollern-König mit der Kaiscrwürde umkleideten. So ist es denn nur die Bethätigung oft bewährter treuer Gesinnung, wenn der Jubel der Begeisterung, welcher vor 21 Jahren dem hohen Schirmherrn des Norddeutschen Bundes in dieser Stadt und in dieser Halle ent- gkgenbraufte, heute voll und kräftig wieder erschallt. — Gilt es doch Ew. Kaiserliche Majestät, in Höchst- deffen fester Hand nunmehr die hohe Wacht des Reiches sicher ruht, zu feiern. Die Reihe der Bildnisse Deutscher Kaiser, welche die Decke dieser Halle schmücken, endet mit dem des Kaisers Sigismund. Und an diesen Kaiser knüpft sich eine, grade in
gepflasterten Straßen haben ein unsauberes Aussehen, nur die alte architektonische sehr schöne Pfarrkirche 48 deiner kenSwe't. Dicht hinter der Stadt fließt die Wartha dahin, ein breiter, aber träge strömender Fluß, dessen steile Ufer von freundlichen Landhäusern umsäumt find, in welchen die besser fttutrten Bürger von Czenstochan wohnen, welche fast alle polnischer Nattonalttät find.
Eine halbe Stunde davon entfernt, unweit der alten Backsteimnaner, welche die Stadt in einem wetten Bogen umspannt, befand fich seit langen Jahren ein hübscher kleiner Ebelhof. Das Herren- haus war ein etwa» verwitterter, aber zierlicher Ban von gothischer Art, beffen schlanker Turm weit ins polnische Laub hinaus grüßte. ES machte mit feiner grfinumlaubten Veranda einen gar traulichen Eindruck. Kunst und Natur hatten nm dasselbe einen zwar etwas verwilderten, aber desto lauschigeren Garten geschaffen, woselbst uralte prächtige Lindenbänme standen, in deren schattigen gegen Hunderte von kleinen Sängern ihre lieblichen Lieder in die duft- getränkte Lust schmetterten.
Wenn man aber dem Landhanse näher kam, mußte man bemerken, daß das Aussehen desselben fich be» deutend verlor. Stellenweise war der Putz von den Manern abgebröckest und das dichte Blätternetz des SphenS, welcher da» ganze Gebäude in Üppigen FestonS umrankte, vermochte die mancherlei Schäden nicht ganz zu verbergen. Leider waren die Nachkommen der stolzen Magnaten, welche schon fett einem Jahrhundert von Geschlecht zu Geschlecht den Edelfitz besessen hatten, nicht mehr in der Lage, den ehemaligen Glanz und da» Ansehen desselben aufrecht zu erhallen.
In Flur nnb Feld hatten die Landlente Feier- abend gemacht; Frieden und Ruhe herrschte überall. Vom heiligen Berge schwebte melodisch feierlicher «lockenklang herab nnb läutete ba» Ave Maria ein. Heber bet Stabt wirbelten blaue Rauchsänlln auf, bte fich allmälig mit ben feuchten Nebeln, die von
der gegenwärtigen Stunde bedeutsame Erinnerung. AuS seinem Besitze gingen die Brandenburgischen Marken mit der Kurwürde über an den Burggrafen von Nürnberg, Friedrich VI. aus dem Hause Zollern! In dem Jubel, welcher heute die Straßen unserer froh erregten Stadt durchwogt, huldigt Bremen Ew. Kaiserliche Majestät, dem mächtigen Kriegsherrn zu Lande und zu Wasser, dem Hort deS Friedens nach Außen, der friedlichen Entwickelung int Innern. Gott segne Ew. Kaiserliche Majestät in den Arbeiten für die Wohlfahrt des Reiches! Eine köstliche Ehre ist es mir, diese Versammlung auffordern zu dürfen, die Gefühle, von denen Ew. Kaiserlichen Majestät gegenüber Senat und Bürgerschaft Bremens und alle Anwesenden beseelt sind, zum gemeinsamen Ausdruck zu bringen. Die Herren wollen sich mir anschließen in dem Rufe: Se. Majestät unser allerdurchlauchtigster, allergnädigster Kaiser, KaiserWilhelm II., Er lebe hoch V*
Se. Majestät der Kaiser richtete in Seiner Erwiderung zunächst herzliche Dankesworte für den Ihm seitens der Bevölkerung Bremens bereiteten Empfang. Er habe wohl empfunden, daß dieser Dank aus warmem Herzen gekommen sei, und der Jubel der Bevölkerung habe Seinem Herzen wohl- gethan. Bor 21 Jahren sei Er in Bremen gewesen: diese festliche Halle habe schon damals einen unauslöschlichen Eindruck auf Ihn gemacht. Bürgermeister Buff habe in freundlicher Weise Seiner Familie Erwähnung gethan, das habe Ihn besonders gefreut, und Er wolle darauf eingehen. Die Tradition Seines Hauses sei immer die gewesen, daß der Herrscher fein Amt von Gott erhalten und daß er dessen Wille» auszuführen habe. Als Er damals in diesem Saale geweilt, habe Er nicht geahnt, daß Er einmal als deutscher Kaiser hier stehen würde. Die höchste Pflicht des Herrschers sei, für die Erhaltung des Friedens zu sorgen. Im Jnlande fühle man sich hingezogen zu den Seestädten. Er könne sagen, man habe großen Respekt vor Bremen, wo Solidität unter den Handelsherren und treuer deutscher Bürgersinn wohne. Davon hätten auch der Ihm heute bereitete Empfang und die eben gehörten Reden von Neuem Zeugnis abgelegt. WaS an Ihm liege, so wolle Er dafür sorgen, daß Bremens Entwicklung sich ungestört vollziehen könne. Er erhebe Sein Glas, gefüllt mit deutschem Wein, auf das Blühen, Wachsen und Gedeihen Bremens, Er wiederhole, daß Er alles emsetzen werde, den Frieden zu erhalten. In dieser Gesinnung leere er das Glas und rufe: „Die Stadt Bremen und ihr Senat, sie leben hoch!"
der Wartha kamen, zu duftigen Schleiern verwoben und langsam Über bte Landschaft dahinzogen. Nur da» stattliche Kloster ragte, vergoldet vom letzten Sonnenstrahl, noch klar und dentttch in bte Dämmerung beS Abends empor.
Die hohen Spitzbogenfenster des tm Parterre gelegenen Speisesaales im Herrenhause standen weit offen, um der frischen Abendlust und dem Staben« blütenduft Einlaß zu gewähren. Die Wände waren mit altmodischer Malerei bedeckt und fast bis zur Hälfte mit Eichenholz getäfelt Auf de« ungeheuren Kamtaofen von grünen Kacheln befanden sich eine Anzahl alterthümlicher Krüge, Humpen und Schalen aus gebranntem bunten Thon. Daneben thronten auf geschnitzten Holzfimsen zwei koloflale Brouce« bützen. Eine Menge Hirschgeweihe, Bärenklauen, Eberzähne nnb da» mächtige Hörnerpaar eines wilbeu Stieres hingen an ben Wänben herum, welche heute noch anßerbem mit niebrigen Tannen nnb Fichten- bäumchen betörirt to-ren. Ein schön polirter Waffen- schrank mit zum Teil wertvollem Inhalt — ein groß«S eichene» Büffet, ein Kredenztisch, hochlehnige Lederstühle nnb ein Paar mächtige Lehnsessel bildeten da» Meublement be» hohen, sehr geräumigen Saale», welcher heute ein gar festliche» Aussehen hatte. Denn über ber breiten EtagangSlhür prangte eine große bitte vlumenguirlaude nnb sogar ber alte, au» Reh- krönen kunstlos zusammengefügte Kronleuchter trug ein ansehnliche» Kränzleta von Kornblumen nnb Rosen nnb war zur Feier be» Tage» mit zwölf rosenroten Wachskerzen besteckt.
Mitten im Saal staub eine lange Tafel, welche mit einem feinen weißen Damastgewebe bedeckt war. Da» darauf bcstabliche Geschirr war von Meißener Porzellan, doch befremdete e», baß fich ba und boxt eta ganz ordinärer Teller sehr breit machte. Auch neben ben klaren feingeschliffenen Weingläsern nnb Römern befanden fich mehrere von der schlechten Qualität, die auf ben Jahrmärkten be» Städtchen» geboten wurden.
(Fortsetzung folgt)