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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Jvh. Aug. Koch.

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Erfcheiut täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/4 MI., btt den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 17. April 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u-Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a- M., Berlin, München u. Köln; ®. L- Daube u. So. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXV. Jahrgang.

Landtag.

Berlin, 15. April 1890.

In der heutigen (40.) Plenarsitzung des Abge­ordnetenhauses , der ersten nach der Osterpause, welcher am Ministertische Ministerpräsident Reichs­kanzler v. Caprivi, der Vizepräsident des Staats­ministeriums v. Bötticher, sowie die anderen Mitglieder des Staatsministeriums beiwohnten, wurde zunächst das Andenken des in der Zwischen­zeit verstorbenen Abg. Plincke in der üblichen Weise durch Erheben von den Sitzen geehrt. Nach einer Reihe weiterer geschäftlicher Mitteilungen nahm »or der Tagesordnung das Wort

Ministerpräsident, Reichskanzler v. Caprivi: Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers »nd Königs zum Präsidenten des Staatsministeriums ernannt, habe ich heute zum ersten male die Ehre, »or diesem hohen Hause zu erscheinen. Wenn Ich mir vor der Tagesordnung das Wort erbeten habe, so ist es nicht etwa geschehen, um im Namen der Staatsregierung ein Programm vor Ihnen zu ent­wickeln. Solche Maßregel würde mir an sich und im allgemeinen fragwürdig erscheinen- sie wäre un­möglich heute gegenüber meiner Person. Den politi­schen Angelegenheiten bisher fremd, bin ich vor einen Wirkungskreis gestellt, den auch nur im all­gemeinen zu übersehen mir bis heute nicht möglich gewesen ist. Ich habe es aber für meine Pflicht gehalten und habe den Wunsch gehabt, hier zu er­scheinen, um den erste» Schritt zur Anknüpfung persönlicher Beziehungen zwischen Ihnen, meine Herren, und mir zu thun. (Beifall.) Sie werden begreifen, daß gegenüber meinem großen Vorgänger ich ein sehr lebhaftes Bestreben haben muß, in persönliche Beziehungen mit Ihnen wenigstens inso­weit zu treten, als solche persönliche Beziehungen die sachliche Erledigung der Geschäfte fördern. Ich müßte das Gefühl etwa eines Ministers haben, der seine amtliche Wirksamkeit mit einem bedenklichen Defizit anfängt, wenn ich nur meine Person an dieser Stelle in Betracht zöge. Wenn ich aber trotzdem unverzagt mein neues Amt angetreten habe, so geschieht es in der Erwägung, daß andere Mo­mente eS mir möglich machen werten, wenn auch nicht in dem Maße, wie mein großer Vorgänger, ober in bescheidener Weise die Geschäfte zum Segen des Landes zu führen. (Beifall.) Ich bin über­zeugt, daß das Gebäude, das unter ter hervor­ragenden Mitwirkung des Fürsten Bismarck ent­standen ist, seiner genialen Kraft, seines eisernen

(Nachdruck verboten.)

Nrrterm Uantoffel.

Eine Wehstands-Erzählung von Carl Zastrow.

(Schluß.)

»Aber so sage mir, Frau, wo hast Du deuu die gauze Zeit über gesteckt?'

»Wo ich gesteckt habe?* frug fie verwundert zurück, .wo deuu anders, als zu Haufe?*

.Ich habe Dich ja volle zwei Tage nicht gesehen I*

.Ich Dich ja auch nicht.*

Der Hausherr glich in keiner Weise einem strengen Examinator. Er kam sich vielmehr wie ein Schul, bube vor, der examinirt wird.

.Hier zu Hanse warst Du nicht. Ich habe Dich überall gesucht.*

»Ueberall? Auch aus dem Hängeboden?*

Er schlug sich mit der Faust vor die Stirn, von der Küche aus führte eine kleine Treppe auf. wärts tu einen utedereu, engen Raum, den fogeuauuteu Hängeboden. An diesen hatte er nicht gedacht.

Und in diesem entsetzlichen Gefängnis hast Du die zwei Tage*

.»Ute sehr. So dumm bin ich nicht. Nvr »ahreud der Zeit Deiner Anwesenheit hier war ich da oben.*

"ichi gesehen, was in der Kammer wsstrt tp?*

_ ®r sah sie bei dieser Frage aufmerksam au. ES »ar der letzte Trumpf, welchen er auSsptelte.

Die junge Frau schüttette lächelnd de» Kopf.

.Davon bin ich nichts gewahr geworden, August*, Ersetzte fie ruhig. .Ich Härte Dich da oben mit brettern rumpeln und ich vermutete sehr richtig, daß Du Dir einen kleinen Privatsalou einrichte» wolltest ihr Männer habt zuwelleu einen sonderbaren Se. chmack. Damtt Da jedoch nichts vor mir vorans »den solltest, richtete ich mir de» Hängeboden als vondoir ein. Unsere .BnudeSlade* diente mir als

Willens, seiner tiefen Vaterlandsliebe, daß dies Ge­bäude fest genug gefügt und gegründet ist, um auch, nachdem seine stützende Hand ihm fehlt, Wind und Wetter widerstehen zu können. (Lebhafter Beifall.) Ich halte es für eine überaus gnädige Fügung der Vorsehung, daß sie in dem Momente, wo die Treu nung des Fürsten Bismarck von dem öffentlichen Leben eintrat, die Person unseres jungen erhabenen Monarchen in ihrer Bedeutung für das In- und Ausland hat so klar hervortreten laffen, daß diese Person geeignet ist, die Lücke zu schließen und vor den Riß zu treten. (Beifall.) Ich habe drittens einen unverbrüchlichen Glauben an die Zukunft Preußens. (Beifall.) Ich glaube, daß die Fort­dauer des preußischen Staates und des an seine Schulter gelehnten Deutschen Reiches noch auf lange eine welthistorische Notwendigkeit ist, und ich glaube, daß dies Land und dies Reich noch einer hoffnungs­vollen Zukunft entgegengeht. (Lebhafter Beifall.) Sie werden daS Wort Sr. Majestät gelesen haben, daß der Kurs der alte bleiben solle, und schon der Umstand, daß meine Herren Kollegen unentwegt ihre Aemter fortführen, wird Ihnen beweisen, daß die Staatsregierung nicht die Absicht hat, eine neue Aera zu inaugurieren. (Beifall rechts.) Das liegt aber in der Natur der Verhältnisse und Menschen, daß einer Kraft, wie der des Fürsten Bismarck gegenüber, andere Kräfte schwer Platz finden können, daß unter seiner zielbewußten, auf sich selbst ge­stellten Weise, die Dinge anzusehen und zu treiben, manche andere Richtung hat in den Hintergrund treten müssen, daß manche Idee, mancher Wunsch, wenn sie auch berechtigt waren, nicht überall haben in Erfüllung gehen können. (Sehr richtig links.) Es wird die erste Folge des Personenwechsels in Bezug auf dir Regierung selbst die sein, daß die einzelnen Ressorts einen größeren Spielraum gewinnen und mehr hervortreten als bis­her (Beifall; sehr gut links). Es wird dann ganz unvermeidlich sein, daß innerhalb des preußischen Staatsministeriums die alte kollegiale Verfassung mehr zur Geltung kommt, als sie es unter diesem mäch­tigen'Ministerpräsidenten konnte. (Beifall.) Ohne formell dazu autorisiert zu sein, glaube ich auch im Einverständnis mit meinen Herren Kollegen aus- sprcchen zu können, daß die Staatsregierung überall bereit fein wird, solche zurückhaltenden Wünsche und Gedanken aufzunehmen, sie von Neuem zu prüfen und sie, soweit sie die Ueberzcugung von ihrer Durch­führbarkeit gewinnt, zu realisieren. (Beifall) Wir werden das Gute nehmen, von wo und durch wen

Bett. Ich habe »ie so gut geschlafen, als in nuferer alte» BnudeSlade.*

BnudeSlade war die scherzhafte Bezeichnung für die großmächtige Truhe der Großwutter, in welcher das mutwillige Weibchen feine AnSsteuer zu Neste gelootst hatte uud die beinahe den ganzen Raum des HäugebodenS einnahm.

.Aber Du hättest mir doch Mittags, weuu ich hungrig vom Bureau kam, ein wenig Essen bereit halten können*, lenkte er verstimmt ein.

.Gewiß! Hätte ich können. Da Dn jedoch fast Deine ganze Garderobe in Dein Privatlogis schlepptest, so vermntete ich, Du würdest in einem Restaurant essen, wie in den schönen Tagen Deiner Juuggeselleu- zeit. Hast Du da oben nicht Toilette gemacht znm AnSgehen?'

.Nein*, löste es sich stockend von feint» Lippen.

Er dachte an den Popanz, der in der Boden­kammer banmelte. Wie plump erschien ihm dieser Scher, dem klugen Verhalten seiner Kau gegenüber.

.Hast Du meinen Privot-Salou wirklich nicht in Augeuscheiu genommen?* fing er nochmals gespannt.

.Nein, August. Dazu hatte ich keine Verau- lassuug."

.Und gar nicht, nicht im Geringste» hast D» Dich währe»d dieser langen Zeit nm mich gekümmert?'

.Lieber August! Nimm mir's nicht Übel! Ich wußte ja, daß eS Dir gut ging. Ich hörte Dich so hübsch lamentieren von meinet Vogelperspektive aus.'

ES war doch zu arg! WaS sollte er dieser klasfischeu Ruhe gegenüber beginne»? ES war ficherlich am Besten, wen» rr sich gleichfalls mit philosophischem Gleichmut bewaffnete und die Ge­schichte nebensächlich behandelte. Unterlege» war er uu» doch einmal. EL war schade nm daS schöne Arrangement!

.Nnn, eS ist nicht zn leugne», daß die Privat- Saloar ihr SuttS habe»*, bemerkte er sarkastisch. »Wir wollen fie aber doch in Znknnft soviel als möglich vermeiden.*

es auch kommt (lebhafter Beifall), und wir werden ihm Folge geben, wenn unserer Ueberzeugung nach eine solche Folge mit dem Staatswohl vereinbar ist. (Beifall.) Wenn auf diese Weise die Staatsregierung dem hohen Hause und dem Wunsche des Landes entgegenzukommen bereit ist, so darf ich die Hoffnung aussprechen, daß auch ich in diesem Hause und bei den Herren auf Entgegenkommen rechnen kann. Wir werden gern mit allen Denen zusammen arbeiten, und wir hoffen auf einen engen Zusammenschluß aller Derjenigen angesichts der immerhin schwierigen Lage im Innern, vor der wir voraussichtlich stehen werden mit allen Denen, die ein Herz für Preußen haben und gesonnen sind, den Staat im monarchischen und das Reich im nationalen Sinne weiter zu führen, gründen und ausbauen zu helfen. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Rickert (deutschfr.) erklärt, daß die Aus­führungen des Herrn Ministerpräsidenten gewiß um so mehr auf allen Seiten des Hauses sympathisch berührt haben würden, als der Ton derselben ein freundlicher und entgegenkommender gewesen sei. Auch seine politischen Freunde teilten die Ueber­zeugung des Herrn Ministerpräsidenten von dem unverwüstlichen und festen Charakter Preußens und des Deutschen Reichs, allein dieselben seien auch davon überzeugt, daß die dauernde Verbindung Preußens mit dem Reiche nur dann wahrhaft segensreich sein könne, wenn der innere Friede durch volle Gewährung der verfassungsmäßig garantierten Volksrechte aufrecht erhalten werde, und sie hofften, daß die durch die Verfassung gewährleisteten Frei­heiten endlich eine Wahrheit werden würden. Wenn der Herr Ministerpräsident die Erklärung abgegeben, daß die Regierung nicht beabsichtige, eine neue Aera heraufzuführen, so könne er (Redner) erklären, daß auch seine politischen Freunde weder geglaubt noch gehofft hätten, daß der Anbruch einer neuen Aera zu erwarten sei. Der Herr Ministerpräsident habe weiter erklärt, daß sowohl in Rücksicht auf die mangelnde Zeit, als auch in Bezug auf seine Person die Verkündigung eines neuen Programms ausge­schlossen erscheine. Trotz der hierdurch geschaffenen Situation wolle er (Redner) seine Wünsche scharf bezeichnen, deren Erfüllung die Verfassung verheiße und deren Berücksichtigung unabweislich notwendig sei. Er bespricht hier zunächst die Notwendigkeit einer durchgreifenden Steuerreform, welche er jedoch nur in Verbindung mit dem Quotisierungssystem er­klärt gutheißen zu können. Ferner bezeichnet er eine Reform des Wahlrechtes, welches Fürst Bismarck als das denkbar elendeste charakterisiert habe, als

.Einverstanden*, nickte fie und reichte ihm ihre Hand.

Die Sache war aber Kamst noch lange nicht beendet.

Er dachte daran, fich in die ZeitnngS xprdition zu begeben, um das Inserat wieder znrückznnehmen. Vor allen Dingen aber wollte er seine Garderobe wieder in sicherem Gewahrsam haben. Fast über­kam eS ihn bei diesem Gedanke» wie eine unheim­liche Ahnung. Uud in der That hatte dieselbe ihn nicht getäuscht. Denn als er fich nach dem Boden begab und die Thür zn dem kleinen Verschlage öffnete, fand er die mit soviel Sorgfalt hergestellte Bogelschenche nicht mehr an ihrem Platze. Ver. schwuude» waren Beinkleider, Schlafrock nnb Stieseln. Alle» Suchen war vergebens. Ein verschlagener Bodendieb hatte die Räume abpattouilltrt und die Sachen des Mitnehmens wert erachtet.

ES war zu spät, nm das nnheilvolle Inserat znrückznnehmen, nnb seine Wirkungen zeigten sich benn auch bereits in den Vormittagsstunden des folgenden Tage», als die gefammte Gevatterschaft gemeinsam tu die Wohnung rückte, nm Näheres über das .bettübende Ereignis* zu erfahre».

Klärche» verstand e» indessen, der Sache einen scherzhafte» Anstrich zu gebe» nnb bie Besucher über bie eigentliche Veranlassung beS ominösen ZestungS- anfrnfes hinweg zu täuschen.

WaS Herrn Müller betraf, so war er von bet Sucht, mit seiner schöneren Hälfte Erstlingskäwpfe anSzufechten, für immer geheilt.

In Betteff ber Errichtung beS Kaiser-Wilhelw- DenkmalS in Berlin bestätigt jetzt bie .Kunst für Alle* die Meldung, daß dasselbe an ber Westseite des Schlosse» ans dem Terrain ber jetzigen Schloß- fretheit errichtet werbe» wirb, ferner, daß zur Er- langnng geeigneter Entwürfe vier Künstler anfgeforbert sind, Mobelle ei»,»reiche». Reinhold Begas arbeitet schon feit Wochen an dem Entwurf. Die Angabe,

erforderlich und verlangt des Weiteren die 33c5 seitigung der Steuerprivilegien der Reichsunmittel­baren. Im Einzelnen wendet sich Redner gegen die steigende Belastung gerade des ärmeren Teils der Bevölkerung und bezeichnet es immerhin als eine Art Fortschritt, daß ein Mitglied der rechten Seite deS HauseS, der Abg. Fihr. v. Zedlitz, jüngst auf den Gegenfatz der agrarischen Schutzzoll- und der regierungsseitigen Sozialpolitik aufmerksam ge­macht habe. Nachdem er darauf die Dringlichkeit des Erlasses einer Landgemeindeordnung betont und von neuem nachzuweisen versucht, daß auf dem Ge­biete der Unterrichtsverwaltung die staatsbürgerlichen Rechte noch nicht in vollem Umfang die erforder­liche Berücksichtigung fänden, kennzeichnet er die Mißstände auf dem Gebiete der offiziösen Presse und berührt bei dieser Gelegenheit auch das Verhältnis der »Nordd. Allg. Ztg." zu dem Fürsten Bismarck, um sich darauf ausführlicher mit den Verhältnissen derBerl. Pol. Nachr.' zu beschäftigen und dann die Frage aufzuwerfen, ob d<e Regierung überhaupt noch Subventionen an die Provinzialpresie zahle. Er schließt mit der Erklärung, daß er und seine politischen Freunde gewillt seien, wie bisher in sach­licher Weise mit der Regierung die Verhandlungen im Dienste des Vaterlandes zu führen.

Abg. Frhr. v. Zedlitz-Neukirch (freikons.) giebt zunächst seinem Vertrauen zu der Regierung Ausdruck und wendet sich sodann gegen einzelne Ausführungen des Vorredners, denen gegenüber er besonders betont, daß er durchaus nicht daran denke, wie man in gewaltsamer Deutung des be­treffenden Artikels imDeutsch. Wochenbl." habe behaupten wollen, gegen unsere derzeitige Wirth- schaftspolitik Sturm zu laufen. Er stellt vielmehr die Interessen der Landwirtschaft in entschiedener Weise in den Vordergrund, tritt für den Erlaß einer Wegeordnung, für die Einführung von Rentengütern für eine Reform unserer Wassergesetzgebung und für eine Ueberweisung eines Teils der Grundsteuer ein. Nachdem er sodann die dem Landtage auf dem Gebiete der Reformgesetzgebung erwachsende» Auf­gaben des Näheren erörtert, erklärt er, daß die Regierung bei diesen ihren gesetzgeberischen Be­strebungen auf das vollste Entgegenkommen auf allen Seiten des Hauses werde rechnen können.

Abg. Dr. Windthorst (Zentrum) spricht namens seiner Partei für die Eröffnungen des Herrn Ministerpräsidenten seinen Dank aus und erklärt, daß er den Eindruck derselben durch eine Spezial­diskussion nicht abschwächen wolle; der an alle Par- daß schon ei» bestimmter Beschluß über den Derk- malsplatz gefaßt ist, ist indessen falsch. Die Ge­nehmigung hierzu erteilt der Reichstag und der hat bisher keine Vorlage erhalten. Dos Denkmal wird auf ReichSkosteu errichtet, bie Volksvertretung hat also ein eutscheideubeS Wort rnitznsprechen. Die Schloßfreiheit ist höchste»» al» Denkmalsplatz in Aussicht genommen.

(Wieviel fiub 50 Prozent?) Kleine auekdoteu- haste Züge sind oft mehr als langatmige Abhand­lungen geeignet, scharfe Schlaglichter ans große, welt­bewegende Fragen zu werfen; vielleicht ist 'hierzu folgende wohlverbürgte drollige Geschichte zu zählen. Ein Beamter einer Zeche im Dortmund - Bochumer Kohleurevier kommt auf dem Heimwege mit einem der älteren Haner über die ueneste Forderung von 50 Prozent Lohnerhöhung ins Gespräch uud fragt diesen, von dem er weiß, daß er jetzt über 5 Mark die Schicht verdient: .Nun, A., wie ist'S mit Euch; Ihr wollt doch nicht auch wieder mitthnu?* »Nun*, sagt der Maun, .der Lohu ist ja ganz gut jetzt, aber die 50 Pfennig nähme ich zn meinen 5 Mk. recht gern noch mit.' Der Mann hatte keine Ahnnug, was 50 Prozent bedenken.

(Der Teufel als Geburtstagsgeschenk.) In Friedrichsruhe waren letzten Frestag noch 2 Arbeiter mit dem Oeffueu der Geburtstagskisten für den Fürsten Bismarck beschäfttgt. U. a. öffneten sie eine recht große Kiste, ohne von dem Inhalt Ahnung zu habe». Als aber der Deckel entfernt nnb fiele Pspierschuitzel weggeräumt waren, prallten bie Arbeiter entsetzt zurück. Sie hatten den Teufel in höchsteigener Person entdeckt. Die Figur soll ein Kunstwerk erste» Range» fein; fie ist ans Holz ge­schnitzt uud in ein sehr elegantes Kostüm im Ge- schwack des 17. Jahrhunderts gekleidet. Der Spender soll ein Berliner Herr fein, welcher die Figur aus Italic» rnitgedracht hat.