Einzelbild herunterladen
 

Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Rcdakiion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

M 88.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnententS-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Btt., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 16. April 1890.

»«zeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowie die Annonren-Bureaux von Hänfenstem und Bögler m Fra»lfutta.M., Easiel Magdeburg «.Wien; Rudolf XXV Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; g. Dauben. Co.inFrankfutt<uM., Berlin,Hannover,Pari«.

Fürst Bismarck als Abgeordneter.

Al« Fürst Bismarck bei Gelegenheit seiner Ge- bultstagsfeier in Friedrichsruhe von Herrn Woeimann aus Hamburg gefragt wurde, ob er nie im Reichs­tage wieder erscheinen werde, wenn nicht als Kanzler, so als Abgeordneter, antwortete der Fürst nach­denklich:Das kann wohl fein!" Diese Aeußerung stimmt mit dem überein, was Fürst Bismarck vor einer Reihe von Jahren selbst im Reichstage gesagt hat, nämlich, cs sei durchaus nicht unmöglich, daß er einst mitten unter den Abgeordneten Platz nehmen würde, wenn es ihm vergönnt sein werde, die Würde und Bürde des Kanzleramtes niederzulegen. An diese Aeußerungen wird jetzt angeknüpft, indem die Mitteilung verbreitet wird, es werde der Versuch gemacht, den bisherigen Reichskanzler zu bewegen, schon jetzt in einem unbedingt sicheren Wahlkreise ein Mandat anzunehmen. Die Wahl Fürst Bismarcks zum Reichstogsabgcordneten würde sehr leicht sein, denn an sicheren konservativen Wahlkreisen, die dabei io Betracht kämen, ist ja kein Mangel, aber trotzdem kann man wohl annehmen, daß Fürst Bismarck nicht daran denkt, schon jetzt wieder in die politische Arena einzutreten. Kein Zweifel, der erste beutfde Reichs­kanzler nun als Rcichstageabgeordneter würde eine fo intcriffante Erscheinung sein, wie sie dieParlamcrns- gefchichte noch nicht geboten hat, und eine führende Rolle würde ihm vom Tage seines Eintritts an zufallen, aber Fürst Bismarck ist bejahrt, und wenn er den Reichstag aussucht, dürfte er cs nur ihun, wenn er hierfür eine zwingende Notwendigkeit er­blickt. Tie Dinge können sich wunderbar gestalten, und der Foliant der Bismarckreden mag künftig eine bemerkenswerte Fortsetzung recht gut noch erhalten, aber heute, so kurze Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Posten des ersten Reichsbeamten, liegt kein Anlaß, wenigstens kein sichtbarer vor, sofort wieder das Wort im parlamentorifchen Kampf zu nehmen. Bismarck ist gegangen,- er hatte im Reichstage zahl­reiche Gegner, aber auch von diesen Gegnern giebt ihm die große Mehrzahl doch wieder gern das Zeugnis, daß er ein ganzer Mann war. Weder der Volksvertreter, noch der Volksvertretung ist es würdig und es entspricht sicherlich auch nicht den Ideen des neuen Reichstages, wenn man die Thälig- kelt des ersten Staatsmannes b.r Jetztzeit, der zur Existenz des Reichsparlomentes selbst am meisten deigetragcn, hinterher bis ins Kleinste zergliedern wollte. Das wäre unrühmlich und des deutschen Reichstages nicht würdig. Die Acra Bismarck ist

(Nachdruck verboten.)

Nitterm Pantoffel.

Eine Wehstands-Erzählung von Carl Zastrow (Fortsetzung statt Schluß.)

Nicht wenig ad r erichiak «r, al» er in seine Wohnung trat »nd wiederum Niemand ihm bei seinem Eintritt entgegen kam. Er öffnete die Küchen- thür. Eine trostlose Gebe gähnte ihn an.

Kein verlockender Bratengernch wie sonst, kein Feuer «lf dem Herde. Nun stürmte er in die Wohnstube. Anck hier keine Seele. Im Schlafzimmer stand das Bett »llberührt. ES unterlag keinem Zweifel, die junge Frau hatte das Haus verlaffen.

Wohin war sie gegangen? Hatte sie vielleicht entsetzlicher Gedanke thatsüchlich avsgefühit, was er mit dem Popanz da oben nur von fern an- Stbentet hatte? Von diesem Gedanken kam er bald zurück. Sie war innerlich zu kerngesund, um fit ein Leid auzuthuu. Sie wollte ihn nur ins Bocks­horn jage», wie er es ihr gegenüber beabsichtigt. Das sollte ihr iudeffe» nicht gelingen.

Kollege Schulze, den er am Nachmittage iu vor- ffchtigcr Weise einweihte, bestärkte ihn in seiner Ansicht.

»Warte eS ruhig ab. Tie wird schon wieder, kommen. DaS wäre die Erste die ans der Welt mfe. Am besten sährst Du, wenn Du thnst, als «wwertest Du DiL nicht im Geringsten um sie. Wenn Du meinem Rate foleen willst, so gehst Du »ach dem Schluß der Dievststunden mll mir iu ein «estauraut und veikneipst den Abend in aller Ge- wüisluhe. Wenn Du bann nach Mitternacht heim, kehrst, wirst Du fie schon anhefftn.*

DaS leuchtete dem besorgten Ehemann ein, und » nahm keinen Anstand, den Rat zn befolgen. Er wtz aber doch während des ganzen Abends aus Kohlen, war zerstreut und einsilbig und nicht wie wüst wollte das Bier ihm munden. Aller Zureden bchnlze'S ungeachtet, brach er denn auch bereits uw lehn Uhr auf und rannte spornstreichs noch seiner

zu Ende, die Thätigkeit des deutschen Reichstages gilt der Zukunft. Es ist ja nun oft der Fall ge­wesen, daß gewesene Premierminister wieder Abge­ordnete geworden sind, aber von allen diesen Ministern war keiner ein Bismarck. Wenn Herr von Caprivi am Eckplätze des Bundesratstisches im Reichstage sitzt, Fürst Bismarck unten im Saale zwischen den Abgeordneten, nach wem werden sich die Blicke der meisten Abgeordneten richten? Die Frage bedar keiner deutlichen Antwort. Im Gange der Debatte, bei Abstimmungen, immer würde der Abg. Fürst von Bismarck die leitende, für viele Volksvertreter auch die bestimmende Person sein, wenigstens zum Beginn der Amtsthätigkeit des Herrn von Caprivi. Fürst Bismarck schätzt seinen Nachfolger sehr hoch. Beide sind in der herzlichsten Weise und als die besten Freunde geschieden. Schon darum wird der alte Reichskanzler sich hüten, dem neuen die Geschäfte zu erschweren und das würde, für's Erste ganz gewiß, durch seinen Eintritt in den Reichstag ge schchen. Fürst Bismarck wird zweifellos thun, was die Reichsregierung heute thut, und was alle Parteien thun, er wird abwartcn. Wir haben einen neuen Reichskanzler und einen neuen Reichstag, ob und wie sich Beide vertragen, das muß die Zeit ergeben. Es kann über Erwarten gut gehen, aber es kann auch das Gegenteil eintreten, und bei Allem bar nicht vergessen werden, daß Reichskanzler von Caprivi einen Hintermann hat, der da heißt: Kaiser Wilhelm II.

Deutsches Reich.

Verlier, 14. April. Der Kaiser empfing den Gcneraladjutanten des Kaiers von Oesterreich Generalmajor Bolsras von Ahnenburg, welcher ein Handschreiben des Kaisers Franz Josef überreichte. Nach der Audienz wurde General Bolsras zur kaiserlichen Tafel gezogen, an welcher auch der öster­reichische Militärbevollmächtigte Oberstlieutenant Frhr. von Steiniger tejlnahm. Bei der zweiten Lesung des Kultusetats hat dex Minister v. Goßler kurz erwähnt, daß er gewillt fei, eine Enquete zur Be­ratung der verschiedenen heut so vielfach besprochenen Fragen des höheren Untcrrichtswcsens zu berufen. Diese Absicht geht, wie nach derKrcuzztg." ver­lautet, in der Thal ihrer Verwirklichung entgegen. Im Kultusministerium sollen bereits die einleitenden Schritte vorbereitet sein. Es sollen ungefähr 40 Personen, teils Schulmänner, teils aus anderen Kreisen auch aus der Volksvertretung im Laufe dieses Jahres zu einer Kommission berufen

Wohnung, nm bet feinem Eintreffen die leidige Wahr- uehmnng zn machen, daß sei« Weib noch immer nicht znrückgekehrt war.

Nun wurde er ernstlich besorgt. Kopfschüttelnd und unwillig vor sich hin brummend, durchmaß er die anSgestorbeue Wohnung und kein Schlaf kam in seine Angen.

Kaum graute der Morgcu, al» er die Nachbarin hcrausklingelte, die aus der anderen Seite des Treppcn- fluiS wohnte.

Guten Morgen, Frau Nachbarin. Entschuldigen Sie gütigst, wenn ich so früh it commebkre. Haben Sie vielleicht meine Frau gesehen?'

.Ihre Fran? nein I* erwiderte die Nachbarin mit einem sehr verwunderten Gesicht, und schlüpfte, obwohl im Morgenrock, gänzlich heraus, um mehr zu erfahren.

Das paßte jedoch dem Frager nicht. Mit ein.m beruhigenden:

»Dann wird fie wohl ein taufen gegangen fein guten Morgen', empfahl er sich, und begab sich zu den Verwandten, um hier iu ebenso vorsichtiger Weise Erkundigungen einznziehen.

Jndeffen hatten dieselben ebenso wenig Erfolg. Niemand hatte die junge Frau gesehen.

Die Augst des Gatten stieg mit jeder Minute. Er dachte heute nicht daran, ic das Amt zu gehen. Er hätte mit dem besten Willen nicht arbeiten können Er suchte für den heutigen Tag Urlaub nach, der ihm auch bewilligt ward und ging bann nach dem Polizei-Bureau, um von dem rätselhaften Verschwinden seiner Frau Anzeige zu mache» und die Hilfe der Behörden tu Anspruch zu nehmen.

Eine gewiffe Beruhigung wurde ihm hier inso­fern, als in den letzten Tagen Berichte über Un. glücksfölle, Selbstmorde und dergleichen nicht ringe, laufen waren.

Der betreffende Beamte versprach, seine Schuldig, kett zu thun, riet aber doch zu einem kleinen Aufruf in den Zeitungen, wenn nicht an den Plakatsäulen.

werden. Durch die Blätter geht eine Verfügung des Kultusministers v. Goßler, durch die eine Beauf­sichtigung der Schulkinder während deS Gottesdienstes angeordnet wird. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: .In vielen Gemeinden besteht die Sitte, daß die evangelischen, bezw. katholischen Schulkinder an Sonn- und Feiertagen einem besonderen Schulgottes­dienst auf ihnen eigens angewiesenen Plätzen in der Kirche bewohnen. Wo des der Fall ist, haben die Lehrer und die Lehrerinnen die Verpflichtung) die Schulkinder bei diesem Gottesdienste zu beaufsichtigen. Darüber hinaus haben die Lehrer und die Lehre­rinnen aber auch dann die Aufsicht über die Schul­kinder zu führen, wenn dieselben sich an Sonn- und Feiertagen in ihrer Gefammtheit an bestimmten, ihnen von der Kirchengemeinde eingeräumten Plätzen überhaupt an dem Gottesdienst der Gemeinde be­teiligen. Selbstverständlich wird hierdurch das Recht der Eltern, an den Sonn- und Feiertagen selbst ihre schulpflichtigen Kinder mit sich zum Gottesdienst zu führen, in keiner Weise beschränkt. Die Königlichen Regierungen veranlaffe ich, das hiernach Erforderliche anzuordnen." Im Offiziers-Preisschießen, an welchem sich sämtliche 19 Armeekorps des deutschen Heeres beteiligten, haben die bayrischen Offiziere sich die Lorbeeren des Tages geholt, indem ihnen sämt liche erste Preise zufielen.

In dem kürzlich erschienenen vierten Bande des neuen Geschichtswerkes v. Sybels findet sich u. A. ein Bericht über den Minister- und Kronrat, welcher am 28. Februar 1866 unter dem Vorsitze des Kö­nigs über die Frage gehalten wurde, ob man es auf einen Krieg mit Oesterreich ankommen lassen sollte und an welchem neben sämtlichen Ministern der Kronprinz, Graf Goltz und die Generale Moltke, Manteuffel und Alvensleben teilnahmen. Der König eröffnete selbst die Verhandlung mit einem kurzen Resümee, welches damit schloß, der Besitz der Herzog­tümer sei in ganz Preußen nationaler Wunsch; ein Zurückgehcn von dieser Forderung würde das An­sehen der Regierung nach innen und außen schwächen. Wir wollen", schloß der König, .keinen Krieg pro­vozieren; aber wir müssen auf unserem Wege Vor­wärtsgehen, ohne vor-inem Kriege zurückzuschrecken." Bismarck legte in geschichtlichem Rückblick die gegen Preußen gerichteten Bestrebungen Oesterreichs dar, Moltke entwickelte die militärischen Machtverhältniffe. .Allen diesen Erörterungen gegenüber verharrte als zuletzt Abstiwmender der Kronprinz auf seinem schon im Mai 1865 bezeichneten Standpunkte. Der Krieg gegen Oesterreich sei ein Bruderkrieg, und die Ein-

Herr Müller wollte nichts nnterlaffen, was zur Aufklärung de» düsteren Geheimnisses dienen konnte, und fo trug er denn sofort ein Inserat In die Ex. pebition einer der geleseusten Zeitungen: ES lautete wörtlich:

Lieber Klärchen!

Sehre zurück zu Deinem tiefbetrübten eatteu! SS ist alles vergeben und bergeffen.

Augustin Müller.'

»Wenn daS nicht hilft, Hilst nichts«, seufzte er. al» er spät am Nachmittage zum Tode ermattet iu seine Wohnung zurückkehrte.

Klärchen war noch immer nicht anwesend.

Da er sich vor Erschöpfung nicht auf den Beinen halte» konnte, warf er sich auf das Sopha und war nach wenigen Minuten fest eiugeschlafe».

Zwei Stunden mochte er im ungestörten Schlummer zngebracht habe». Daun erwachte er von einem an. heimelnden wohlbekannten Geräusch, das wie ank nebelhafter Ferne in seine verworrene Traumwelt klang. Er sprang auf und traute kaum seinen Ohren. In der Küche knarrte eine Kaffeemühle. War die Durckgängeri» etwa znrückgekehrt?

Er stürzte hinaus »nd stieß die Thür zur Küche auf. Richtig! Da saß sie in ihrem einfache» HanS kleide mit der unschuldigste» Mteue vo» der Welt und drehte die Kaffeemühle so ruhig, als sei nickt daS Geringste vorgesallen, und al» er sie verblüfft anstarrte, lächelte fie ihm mit köstlicher Naivttöt zu.

.Nun sage mir um alle» in der Weit', Hub er an, ,maS ist den» das eigentlich?'

.Kaffeej' versetzte sie mit verblüffender Sinfack- heit, indem fie das Schubkästchen vorzog und di. Feinheit deS MehleS so angelegentlich prüfte, als gebe cS absolut nichts Wichtigeres für sie zu thun.

Und ohne weiter von feiner Anwesenheit Notiz zu nehmen, schüttete fie daS Pulver iu das siedende Waffer der Kaffer olle und hob die letztere vom F,ner.

(Schluß folgt.)

wischung des Auslandes in denselben gewiß. Nach Erwägung der vernommenen Voten entschied der König dahin: der Besitz der Herzogtümer fei eines Krieges wert, jedoch sollte der Ausbruch deffelben nicht übereilt werden, da eine friedliche Erlargung des Objektes, wenn möglich, immer wünschenswerter fei. Die Entscheidung über Krieg und Frieden werde daher von Oesterreichs fernerem Verhalten abhängen, und preußischerseits zur Zeit nur diplomatische Ein­leitungen zu treffen sein, um für den Fall des Kriege» günstige Chancen zu gewinnen. Die Schlußworte des Königs waren, er wünsche den Frieden, sei aber, wenn eS fein müsse, zum Kriege entschloflen, welchen er, nachdem er Gott gebeten, ihm den rechten Weg zu zeigen, für einen gerechten halte." (Nach einer Anmerkung beruht dieser Bericht auf Moltkes Auf- Zeichnungen.)

Der dem Landtag zugcgangene Entwurf eines Gesetzes über die Termine bet Verträgen über Wohnungsmietcn in den Provinzen Schleswig-Hol­stein, Hannover und Hessen-Naffau hat folgenden Wortlaut: Wir Wilhelm, von Gottes Gnadcn König von Preußen rc. verordnen für die Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau unter Zustimmung der beiden Häuser des Landtages der Monarchie was folgt: § 1. Wenn der An­fang oder daS Ende eines Wohnungsmietsvertrages auf Ostern oder die Frühlingszichzeit, auf Johannis, auf Michaelis oder die Herbstziehzeit oder auf Weih­nachten bestimmt ist, so soll unter diesen Ausdrücken der Anfang eines Kalendervierieljahrcs verstanden werden und demgemäß der 1. April, 1. Juli, 1. Oktober und 1. Januar als Umzugstermin gelten, sofern nicht der Vertrag ausdrücklich ein anderes bedingt. Das Gleiche gilt von den in den Woh­nungsmietsverträgen bestimmten Kündigungsfristen. § 2. Die Ortspolizelbchörde kann für die Räu­mung von Wohnungen mehrtägige Räumungsfristen durch eine aufgrund des Gesetzes über die Polizei­verwaltung vom 11. März 1850 Gesetzsamml. S. 265 beziehentlich aufgrund der Verordnung über denselben Gegenstand vom 20. September 1867 Gesktzsamml. S. 1529 und des Gesetzes vom 7. Januar 1870 für Laucnburg Offizielles Wochenblatt für das Herzogtum Lauenburg S. 13 sowie des Gesetzes über die allgemeine Landes­verwaltung vom 30. Juli 1883 Gesetzsamml. S. 195 zu erlassende Polizeiverordnung be­stimmen. § 3. An Sonn- «nd Feiertagen ruht die Verbindlichkeit des Mieters, die Wohnung zu räume».

Ueber die beabsichtigte Feier des 1. Mai sagt dieBoss. Ztg." sehr richtig: Der Gedanke zeugt von einer schier erhabenen Rücksichtslosigkeit gegen alle bestehenden Verhältnisse, Gesetze und Ver­träge. Daß Leute, welche eine Revolution je eher, je lieber haben möchten, oder auch Leute, welche einen Putsch herbeizuführen wünschen, sich für den Plan erwärmen, den 1. Mai einfach zu feiern, die Bergwerke, die Fabriken, die Druckereien, die Gas­anstalten still stehen zu lassen, ist begreiflich. Aber daß Arbeiter, welche Weib und Kind haben und die gewisse Gegenwart nicht für einen ungewissen Zukunfts­staat preisgeben wollen, solchen Verführern in die Falle gehen, muß Verwunderung erregen. Wir hoffen, daß ihre Zahl nur klein und daher die Be­deutung der Kundgebung eine verschwindende fein wird. Wer in der heutigen, den Arbeitern unzweifel­haft nicht ungünstigen Zeit ihnen den schwersten Nachteil zufügen wollte, der brauchte fie nur zu veranlassen, unbekümmert um den Arbeitsverttag und das Arbeitsverhällnis, unbekümmert auch um die Interessen des Arbeitgebers, am 1. Mai von der Arbeit fern zu bleiben. In England hat man die Beratungen über den Normalarbeitstag mit Fug auf den ersten Sonntag im Mai verlegt. Weshalb brauchen die Arbeiter außerhalb Englands zu dem- felben Zwecke einen Wochentag? Und weshalb müssen sie an diesem Tage die Arbeit ruhen lassen? Es liegt auf der Hand, daß man lediglich eine Herausforderung beabsichtigt. Niemand aber soll ich dann wundern, nachdem er am 1. Mai will­kürlich und frivol von der Arbeit fern geblieben ist daß er am 2. Mai die Thüre der Werkstätte ver- chloflen findet. Was aber bedeutet in Deutschland, elbft wenn man auf den Weltfeiertag verzichtet, der achtstündige Arbeitstag? Es war eine ganz hübsche, l«cht faßbare Formel, die (übrigens nicht zum