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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Mrchhain.
Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
M 83.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-MonnementS-PreiS bei der Expedition 2*/4 Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 10. April 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoneen-Bnreaux von Haasenstein und Vogler in Frankfutt a. M., Eaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV. Hakraana. Moffe in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. 8.
Daube u. Lo- in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, PanS.
Bcftellungkn
für das zweite Quartal auf die vberhesfische Zeitung nebst Areisblatt
fSr dir Kreise Marburg und Kirchhai«
und
-lln-rieetes Sovutagsblatt werden noch fortwährend von allen Postanstalten, in Kirchhain von unserer Agentur und für hiesige Stadt bei uns wen Zeitungsträgern und der Unterzeichneten entgegengenommen.
Die Exped. der Oberh. Zeit.
Veutschrs »eich.
Berlin, 8. April. Der „Reichsanzeigkr" meldet: Nach Ablauf der Hoftrauer um die Kaiserin Augusta trägt die königliche Familie »och bis zum 7. Oktober Familientrauer. — Der „Reichsavzeiger" veröffenl licht eine kaiserliche Kabinettsordre, wodurch der Reichstag auf den 6. Mai einberufen wird. — Nach der „Kreuzztg." hat der Reichskanzler v. Caprivi an den italienischen Ministerpräsidenten Crispi einen Brief von rein privatem Charakter gerichtet. Caprivi versichert, wie schwere Pflichten ihm auch sein Amr auferlege, so werde er es stets entsprechend den Ideen seines Vorgängers verwalten, welche der Aus fluß des kaiserlichen Willens und des friedfertigen deutschen NationalgeisteS seien. — Die „Timer" erfährt über Wien, der Kaiser plane ernstlich die Errichtung von Reichsmivisterien. Caprivi werde die Stellung eines Premiermiwsters einnehmen. — Dem „Rcichsanzeiger" zufolge wurde dem Wirklichen Geheimen Legationsrat Humbert die Leitung der Personalien-Abteilung des Auswärtigen Amtes, sowie dem Geheimen Legationsrat Krauel die Leitung der neu errichteten Kolonial - Abteilung übertragen. — lieber die Kaiserliche Kabinettsordre schreibt der .Hamb. Korr.": „Kaiser Wilhelm hat der Armee und dem deutschen Volke durch seinen Erlaß vom 29. März eine rechte Osterfreude bereitet. Aus jedem Worte der hochbedcutsamen Kaiserlichen Kund geburg spricht der hohe sittliche Ernst, mit welchem der Monarch seine Aufgabe als oberster Kriegsherr des „deutschen Volks in Waffen" erfaßt. Durch
(Nachdruck verboten.)
Lana.
Eine Episode aus dem Kaukasus von S. Karow.
Es war um die Zeit, als der FretheilSkawps der Tscherkeffeu gegen die Raffen seinen heftigsten und wildeste» Charakter angenommen hatte. Die Söhne der Berge hatten erkannt, daß ihr Schicksal entschieden sei, wenn nicht ein besonderer Glücksumstand ihnen z» Hilfe komme, und sie boten das Aevßerste nun ans, dieses Glück z» erzwingen. Knaben selbst griffen »ach dem krummen Säbel und dem lauge» Gewehr, um die Todfeinde zu bekämpfen, und nicht wenige Frauen waren tapfer zur Haud, wenn es galt, das Vordringen der rusfischeu Truppen durch geschleuderte Felsblöcke zu erschwere». Zu den kleiueu Händen und edelgesormteo Arme» der Tscherkesfiuueu wohnte eine Kraft, die schon manchem rusfischeu Soldaten deu Tod gebracht hatte.
Aber der Russen wurden immer mehr, der Tscherkeffeu immer weniger. Die Soldaten des Lzaren drangen laugsam, aber stetig vor, und flammende Feuersänlev, die von deu Dörfer» herrührteu, um bereu Besitz erbittert gekämpft wordeu war, bezeichueteu ihren Weg. Die Tscherkeffeu wicheu uur Schritt für Schritt zurück, jede Gelegeuhett, deu heraustürmeudeu Gegnern Widerstand zu leiste», wurde begierig ergriffen und aus genützt.
Am weiteste» in das Tscherkeffeulavd vorgedruugeu war die Koloaue, welche vom Oberst Namirowllsch befehligt wurde. Graf Alrxei Nawirowitsch war ei» tüchtiger Soldat, aber auch ein harter Mann, der es mit dem Lebe» seiner Leute wenig genau nahm »ud für den der Grundsatz feststavd, das unruhig Bergvolk köuv« uur durch de» Schrecke» zum Gehorfaw gebracht werde». Und er handelte »ach feinen Prinzipien. Die Tscherkeffeu hatten eiust einen rusfischeu Gefangenen mit abgeschuitteoer Nase uud Ohren zurückgesaudt. Graf Alexei lachte grimmig, als er deu Lerstümmetteu sah. Er hatte au hundert
Vermehrung d>r Kadres der Armee ist auch eine Verstärkung des Offizierkorps notwendig geworden. Kaiser Wilhelm giebt nun seinen Willen dahin kund, daß neben den Sproffen der adeligen Geschlechter, neben den Söhnen der Offiziere und Beamten, welche nach alter Tradition die Grundpfeiler des preußischen Osfizierkorps gebildet haben, auch den Sö nen solcher bürgerlicher Familien der Eintritt in dos Osfizierkorps dcr Armee erleichtert werde, in welchen Liebe zum Vaterlande und christliche Gesittung gepflegt werden. Von den Trägern der Zukunft der Armee verlangt der Kaiser vor Allem Adel der Gesinnung. Das ist ein Wort, welches im deutschen Bürgertum freudigen Widerhall finden wird, ein Wort, welches das Herz deS eigentlichen Volkes berührt und deffen Wirkung nimmer verloren gehen kann. Richt minder bedeutend sind die Sätze in der Königlichen Kabinettsordre, welche von der einfachen Lebensführung des Offiziers handeln und sich gegen len Luxus im Haushalte der höheren Offiziere richten. Nach echter Hohenzollernart giebt Kaiser Wilhelm seinem Willen kurz und bündig dahin Ausdruck, es sei sein Wunsch, daß jeder Offizier nach erfüllter Pflicht seines Lebens froh werde, aber dem überhand nehmenden Luxus müsse mit Nachdruck g>steuert werden." — Auch andere größere deutsche Zeitungen besprechen den Erlaß in gleich günstiger Weise.
— (Allgemeiner Deutscher Realschulmänner-Ver- ein ] Die 14. Delegiertenversammlung, an der sich 71 Delegierte beteiligen, wurde heute vormittag 11 Uhr im Saale des Architektenhausis vom Direktor Schauenburg-Krefeld mit einem Hinweis aus die Ziele des Vereins und seine bisherigen Erfolge eröffnet. Tie Realschulfrage habe in der letzten Zeit mehr als einen kräftigen Impuls von außen erhalten, die diesjährigen Verhandlungen würden gewiß dazu beitragen, die gemeinschastliche Sache weiter zu fördern. — Dem vom Prof. Schmeding- DuiSburg erstatteten Jahresberichte ist folgendes zu entnehmen: Die beiden letzten Reden des Ministers v. Goßler, in denen derselbe aussprach, daß von ihm eine Mithülfe zur Erreichung der Ziele des Vereins nicht zu erhoffen sei, hätten eine gewisse Verzagtheit hervorgerufen, welche jedoch bald neuen Hoffnungen Platz gemacht habe. Der Berichterstatter verweist auf eine von ihm selbst verfaßte Arbeit zur Bekämpfung der Bedenken des Ministers, auch sei arzunehmen, daß "die jetzige Begünstigung lateinloser Schulen nicht die Mißstimmung über unfei e Schulverhältnifle heben wird. In der aller-
Tschetkessenkrteger bet sich, darunter mehrere Häuptlinge und deren Angehörige. Die Gefangenen wurden an den Rand einer tiefen Schlucht geführt, eine Salve, und die Getroffenen stürzten in deu Abgrund hinab, für immer dem menschlichen Auge enttückt. Allerdings hatte Gras Nawirowitsch wegen dieser That vom Kommando entfernt werden solle», aber man hatte nur wenig so tüchtige Führer, wie er es war, und so ließ der Höchst kommandierende eS bei einem scharfen Verweise bewenden, anS dem fich der Oberst nickt viel machte.
Graf Alcxet Nawirowitsch war gegen 50 Jahre alt; seine Familie lebte bis ans seinen ältesten Sohn Sergei, welcher den Vater als Adjndant begleitete, tn Petersburg. Sergei Nawirowitsch war seinem Vater so unähnlich, wie nur möglich, ein froher, jugendlustiger, zuweilen selbst überwütiger Offizier, der seine Kameraden zu allen möglichen Tollheiten vortrefflich anzustiften wußte. Oberst Alixei sah seinem Sohne, den er einmal bereits mit Arrest bestraft hatte, jetzt viel nach. Sergei hatte seinen Vater tu einem hitzige» Gefecht, in welchem die Rnfle» zettweise zum Rückzug- genöttgt gewesen waren, mit großer Tapferkeit aus dem Getümmel herankgehon-r und dadurch vor einem schmählickeu Tode bewahrt, denn die Tscherkeffeu haßten den Oberst Nawirowitsch unter allen ihren Gegnern am erdtttertze».
Vater und Sohn bewohnten gemeinsam ein Zelt. Sergei kam eines Abends von einem heiteren Zechgelage im Steife gleichgefiunter Freunde in dasselbe und bemerkte erstaunt, wie sei» Vater trotz der vorgerückte» Stunde noch mit mehrere» höheren Offizieren konferierte. ES wußte etwas sehr Wichtiges geschehe» fein. Er ging still zur Seite und wartete daS Ende der Beratung ab. Endlich war diese zuw Abschluß gekommen.
»Bringe wir »och eine Flasche Wein", besah! der Oberst. »Einige Stärkung kann nicht schaden, den» eS wird morgen ein heißer Tag werde». Sergei blickte seine» Vater überrascht a». Niemand hatte
neuesten Zeit ist ein günstiger Umschwung in den Anfichten der maßgebenden Kreise einceireten der ich namentlich in dem Allerhöchsten Erlaß betr. Organisation des Kadettenkorps zeigt, dessen Lehr plan auch die anderen höheren Lehranstalten sich mehr nähern sollen. Der Berichterstatter verweist ferner auf die Aussprüche des Kaisers gegenüber den Militärgeistlichen in Hannover, beim Empfange der Göttinger Professoren und bei der Aufführung der „Perser" in Charlottenburg, die nicht mit den bis dahin in der Pädagogik maßgebenden Anschauungen der Altphilologen im Einklang stehen. Nach einer Schilderung der auf die Bestrebungen des Vereins bezüglichen parlamentarischen Erscheinungen des letzten Jahres, der Petitionen des Vereins und der zur Realschulfrage erschienenen Schriften stellte der Berichterstatter fest, daß durch die bekannten Preisschriften das Vorurteil bett. Uebersüllung abgenommen und sich immer mehr die Ansicht Bahn breche, daß die Uebersüllung durch das Monopol der Gymnasien herbeigeführt werde. Im Auslar de ist, nach dem Berichte, die Frage über die künftige Stellung der alten Sprachen vielfach und immer im Sinne des Vereins vorgekommen; in dieser Beziehung ist namentlich auf die Verhandlungen des Storthing in Norwegen und die des ungarischen Abgeordnetenhauses hinzuweisen. In Bern und Genf ist ein Abschluß der Gesetzgebung im Sinne des Vereins erzielt. In Paris hat sich eine „Affociation" ge bildet mit Zielen, wie sie der Verein für Schulreform hat. Im ganzen hat das Jahr 1889/90 die Angelegenheiten des Vereins wesentlich vorwärts gebracht; der Berichterstatter schloß seinen Bericht mit den hoffnungsfreudigen Worten: „Wen» wir auch noch weit davon entfernt find, unsere Hände in den Schooß legen zu können, so dürfen wir doch ausrufen: Mit der Realschulfrage hat es keine Not, so lange sie in dem Kurs bleibt, welchen ihr das Jahr 1889/90 gab." (Lebhafter Beifall) Anden Bericht des Professors Schmeding schlossen sich einige Bemerkungen des Herrn Direktors Steinbart gegen die Schrift Jaegers, welche er selbst litterarisch be kämpft hat. Die Jaegersche Schrift gehe weit über das hinaus, was bei Streitschriften üblich sei, und er halte es für nötig, Protest zu erheben gegen die Art und Weise, wie Sanitätsrat Graf in Elberfeld in einer Schrift im Sinne von Jaeger dem Verein entgegentrat. — Nach dem vom Professor Dr. Budde erstatteten Kassenbericht gehören 60 Zweigvereine mit ca. 3000 Mitgliedern dem Vereine an. Der Nachmittag war den Berichten der Delegierten, den An
im russischen Lager ein Geseckt vermutet, denn die Tscherkeffeu standen mehrere Stunde» entfernt auf einer Bergkuppe, die man bisher für völlig unzugänglich gehalten hatte. Oberst Namtrowitsch hatte selbst gesagt, eS werde hier nichts Übrig bleibe», als die Feinde anszuhnnger». Und nun sprach er von einem nahen Kampfe, kein Wunder, daß sei» Sohu auf das Höchste überrascht war.
Bevor er aber »och fragen konnte, tief Oberst Al xei mit lauter Stimme: „Komm herein, Lana!' Aus einem kleine» Seiteugewache des ZeltcS schlüpfte eine schlanke Gestalt hervor. Es war ein junger Tfcherktfle, kaum dem Knabenalter entwachsen. „Ich will Dir jetzt ein Geheimnis offenbaren, Sergei", sagte bet Alte mit tiefem Ernst. „Lana ist die Tochter eines TscheikeffenfÜrsteu, der von einem Verwandten erschlagen ist. Der Mörder war Häuptling deto, der uns gegenüber steht. Du weißt, daß auch tn diesen Sergen die Blutrache herrscht, und das übrige wagst Du Dir denken."
Graf Setgei schaute das Mädchen mit große» Augen an. Wer eS nicht wußte, hätte i» dieser zierlichen und schlanke» Knabengestalt, die aber dock io sichet auftrat und so energisch die Hand an den b t4tn Säbel legte, kaum ein weibliches Wese» auch nur geahnt. DaS Gesicht war gebräunt, aber, wie eS schien, mehr durch die Kunst, als durch die Natur. Die Hände waren ebenfalls brau» angehaucht. Das faltige WamwS der Tscherkeffeu umschloß die junge Gestalt, an den Stiefeln klirrten kleine Spore», das Haupt bedeckte die hohe Mütze.
Oberst Alexei fuhr nach kurzer Panse fort: „Lana wird unS einen Weg zeige», der nnS die Erstürmung von deto'S Stellung ermöglicht. I» zwei Stunde» brechen mir auf. Ich werde selbst an der Spitze bleibe». Aber vorher frage ich Dich »och einmal, Lana, ist es Dein fester Wille, Seinen Todfeind, der doch immer Dein Landsmann ist, i» unsere Hände ig geben.*
„Ich will Rache an meinem Todfeind*, war die
trägen der Zweigvereine und der Erledigung innerer Angelegenheiten Vorbehalten.
Wien, 8. April. Der Streik der Maurer- Arbeiter dauert fort. In dem Vororte Neulerchen- :eld fanden große Ansammlungen statt, welche das Einschreiten der Sicherheitswache und die Absperrung ganzer Straßen notwendig machten. Auf dem Schmelz sammelten sich 3000 Arbeiter verschiedener Berufe an, dieselben wurden durch ein Massenaufgebot von Wachmännern zerstreut.
Paris, 8. April. Der Ministerrat beschloß, den Kammern sofort nach ihrem Zusammentritte Gesetzentwürfe vorzulegen, betreffend Arbeitsunfälle, betreffend die Fabrikation von Wein aus getrockneten Trauben und betreffend die Pfandleihanstalten. Der letztere Gesetzentwurf bezweckt eine Verbilligung des Zinsfußes.
Madrid, 8. April. Der Grand von Spanien, Marquis von Castel Rodrigo, und ein Adjutant der Königin sind zum Ehrendienste bei dem Prinzen Heinrich von Preußen besohlen. An dem zu Ehren des Prinzen stattfindenden Galadiner nehmen auch die Minister des Aeußern, des Kriegs und der Marine teil.
Hesse« - Nassau.
Marburg, 9. April. (Landwirtschaftlicher Kreisverein-Marburg.) Der hiesige landwirtschaftliche Kreisverein hielt gestern im großen Saale des Cafs Quentin eine Versammlung ab, an welcher 66 Mitglieder teilnahmen. Dieselbe wurde durch den Schriftführer des Vereins, Herrn Ruth-Bellnhausen, eröffnet, welcher als einzig anwesendes Vorstandsmitglied, von dem staiutengemLß zustehenden Rechte Gebrauch machend, die Leitung der Versammlung dem Herrn KreislierarztKümmell- Marburg übertrug. Nachdem hiernach das Protokoll der vorherigen Sitzung verlesen und der Versammlung die Anmeldung von weiteren 5 Mitgliedern bekannt gegeben war, fand die als 2. Gegenstand der Tagesordnung vorgesehene Neuwahl des ersten Vereinsvorsitzenden statt. Anstelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen langjährigen Leiters des Vereins, Herrn Ed. Hoffmann-Görzhausen, wurde per Akklamation und zwar einstimmig der seitherige 2. Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Hesse- Marburg, und an dessen Stelle als 1. Stellvertreter des Vorsitzenden Herr Landrat So bemann« Marburg gewählt. — Die Versammlung beschloß
ruhige Antwort, „keine größere Freude wirb es für mich geben, als ihm ben Todesstreich zu versetze». Die» habe ich mir gelobt, unb btts werde ich halte».*
„ES ist gut", antwortete Graf Nawirowitsch, „ruht noch einige Zett, bann brechen wir auf.* — „Ich bebarf keiner Ruhe", antwortete Sana, „wachend will ich ben Tag nahen feben, an bem fich mein Wunsch erfüllen wird." — „Unb ich werbe mit wachen", rief ber junge Offizier, „auch ich bin nicht mübe.* — „Gut!" entschied ber Oberst kurz unb ging selbst in sein Schlafgemach, um auf feinem knappen Feldbett einige Zeit zu ruhe».
Lana und Graf Sergei saßen längere Zett einander schweigend gegenüber. Endlich Hub der Oifizier au: „Ich wundere mich doch, Lana, daß in Ihnen, einem Mädchen, der Wunsch nach Rache so mächtig ist, daß Sie mit Ihrem Feinde auch so viele Ihrer Stammes- genoffen u»S überliefern. Ist das nicht sehr hart?*
Die Tscherkeffi» lächelte eigenartig. „Sie kennen die Sitten ber KaukasuSvölker zu wenig, Graf Sergei. Für nrs ist baS süßeste Gefühl erfüllte Rache. Uebrigen» hat Oberst Nawirowitsch mir versprochen, daß unnützes Vlulvergteßen vermieden werden soll.*
Der junge Offizier schüttelte nichtsdestoweniger den Kopf: „Sie drücke» fich ganz anders ans, als sonst die Töchter dieses Landes.* — „Ich habe eine französische Lehrerin gehabt!* war die kurze Aut- wort. — „Um so wunderbarer ist eS aber, daß Sie von so blutigen Gedanken erfüllt find!* wandte der Offizier ein.
Sana schwieg eine Zeitlang. „Mein Herz ist das einer Tscheikesfiu gebliebe», Graf Sergei, trotz aller europäischen Erziehung, meine Gedanke» find die einer Tochter deS Kaukasus, und ich schwöre, daß ich Sie zur Ausführung bringen werde. Eie wundern fich über meine blutigen Pläne. Aber find Sie schon auf da» Tiefste verletzt worden? Nein! Oh, Eie wissen nicht, was eS heißt, Vater, Brüder und ben Bräutigam durch ben Willen eines einzigen Unmenschen z» verliere»!* (Schluß folgt.)