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Wöchentliche Beilagen: Kreis Matt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlqg von Joh. Aug. Koch.

M 77.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» nick Feiertage». Ouartal-AbonnementS-Preir bei der Expe­dition 2*/4 Ml., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gefpallene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienrtag, 1. April 1890.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Taffel, Magdeburg u-Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. «öl»; ®. L- Daube u- Eo. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover, Paris.

XXV. Jahrgang.

Die Adresse, welche die politischen Vereine Marburgs Bismarck-Verein, konservativer Verein und nationalliberaler Verein an den Fürsten Bismarck zu seinem fünfundsiebenzigsten Geburtslage gerichtet und heute mittag (31.) noch Friedrichsruhe übersendet haben, bat lolgenden Wortlaut:

Durchlauchtigster Fürst!

In dem großen, weltgeschichtlichen Augenblicke, da Euer Durchlaucht nach einer an Ruhm und Segen reichen Thätigkeit sondergleichen Sich der wohlverdienten Ruhe hingeben wollen, wagen es die ehrerbietigst unterzeichneten politischen Ver­eine Marburgs Euer Durchlaucht mit dem Aus­druck tiefempfundener Dankbarkeit und aufrich­tiger Bewunderung zu nahen.

Was Euer Durchlaucht für unser deutsches Volk gethan, was Sie für Deutschlands Einheit, Macht und Ruhm geleistet, was Sie mit weit­schauendem Blicke für die soziale und wirtschaft­liche Entwickelung unseres Vaterlandes geschaffen und vorbereitet, was Sie als Leiter der Geschicke fast des ganzen Europas im Einklang mit unseren erhabenen Fürsten aus Hohenzollern - Stamme zur Wahrung des Völkerfriedens erreicht haben, das steht nicht blos mit unvergänglichen Lettern in den Büchern der Geschichte verzeichnet, das wird auch in der Brust jedes echten deutschen Mannes für alle Zeiten das Gefühl unauslösch­lichen Dankes wach erhalten.

Nie werden wir, denen es vergönnt war, unter der Führung des größten Staatsmannes unserer Zeit, Deutschland zur ersten Macht der Welt emporsteigen zu sehen, vergessen, was wir Ihrem tiefen Einblick und Ihrer gewaltigen Thatkraft verdanken; wir wagen es am heutigen Tage, an welchem Euer Durchlaucht Ihr sechs und siebenzigstes Lebensjahr beginnen, dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß Ihnen noch viele Jahre beschieden sein mögen, in denen Sie getragen von der Dankbarkeit und liebevollen Verehrung des deutschen Volkes Sich des Ge­deihens unseres geliebten Vaterlandes erfreuen können.

Die Adresse ist in Quartformat (Größe der Plüsch­decke 27 : 34 cm) aus Karton von Lithograph Becker in deutscher Schrift geschrieben und der Umschlag von blauem Sammt mit SilbcrbeschlLgen (den Farben des Fürsten Bismarck) von Buchbinder Schaaf geschmack doll ausgeführt. Von dem Auflegen einer Adresse zur allgemeinen Beteiligung mußte bei der Kürze der Zeit Abstand genommen werden.

(Nachdruck verboten.)

Xemests.

Eine Erzählung aus dem Leben von Arthur Stein.

(Fortsetzung statt Schluß.)

AIS sie erfahren, was geschehe» und daß der Be­sitzer ihren Knaben eingeschloffen und zur Polizei ge. sandt hatte, kam sie aufs Schloß zum erste» Mal fest jener Zeit, als der Vater des jetzigen Herrn and iugletch der Vater ihres eigene» Kindes sich herzlos abgewavdt vo» ihr uud erzählte dem junge» Edel- dlanu mit heiße« bitter» Thräueu den einzigen Grund, warum er Mitleid haben wöge mit ihrem Knabe».

Da lächeste er mit seinem herzlose» schö»e» Gesicht «>d gab ihr ruhig de» gute« Rat, wenn sie über- vupt lüge, sie doch nicht zu ihrer eigenen Schaube «gen mögel AIS uuu die Polizei kam, und sie das Etat»ihr nahweu, stand sie da weiß, mit zucken- der Lippe tu dem großeu Saal, ohne ihm auch nur «tt den Augen zu folgen, denn dieselben wäre» fest

das schöne Gesicht deS junge» MauveS geheftet.

Der Lstrabe, ei» hübsches, furchtsames Kind von «um 12 Jahre» wurde vorgeführt und erzählte seine Beschichte mit vielen Thräuen. Sn jenem Abend, :18 rn6ifl »ach Hause gehen wollte, wurde er von 2 Männern eingeholt, die ihu begleiteten. Sie wracheu sehr viel zusammen, jedoch uicht alles ihm derstärdltch, als er jedoch am Kreuzweg abbtcgend deu Weg zu seiuer Mutter etvschlageu wollte, geboten fte ihm, ei» wenig weiter mit ihm» z» gehe» uud sagte», sie wollte» ihm et» Geschenk für seine Mntter »stgebe». Er ging mit, wie es ihm schien, eine» recht langen Weg uud daun nahmen sie ihn in eine leerstehende Scheune, schlosse» die Thür »ud be- dielte» ihn dort, bis rS vollständig dunkel war, daun stugeu sie ihu bis zum Schloß, weil er deu Weg iw duukel» nicht fand, und steckteu ihn durch eine zer- «ocheue Fensterscheibe, ihm befehleud die Thür, die sich dicht bei ihm befäude, vo» Junen zu offnen, mit

Fürst Bismarck

feiert am bevorstehenden 1. April im stillen Friedrichs­ruhe seinen 75. Geburtstag; die herzlichen Glück­wünsche des deutschen Kaisers, der deutschen Fürsten und des deutschen Volkes werden ihm zu diesem Tage nicht fehlen. Vergessen ist an diesem Tage, was die Politik an Meinungsverschiedenheiten jemals hervorgerusen, heute besteht nur die Erkenntnis, daß es gilt, dem Manne, der unter den großen Männer i aller Zeiten mit in erster Reihe steht warmen Dank und wahren Herzensgruß darzubringen. Es ist un­nötig, aufzuzählen, was Fürst Bismarck für Deutsch­land gethan und was er uns gewonnen hat) seine Arbeit ist der Welt bekannt, der Erfolg seiner Arbeit war Deutschlands Größe. Fürst Bismarck ist dem Namen nach nicht mehr Kanzler des deutschen Reiches aber als deuscher Reichskanzler wird er doch im Herzen des Vokes allezeit seinen Ehrenplatz behalten. Der große Staatsmann ist Gott sei Dank noch rüstig für sein Greisenalter und im ruhigen, prächtigen Sachsenwalde wird er nach jüngsten schweren Tagen sicher wieder volle Manneskraft erlangen. So haben wir denn auch zu seinem Geburtstage keinen anderen Wunsch, als den: mag unserem ersten Reichskanzler noch eine lange Reihe friedlicher und glücklicher Jahre beschieden sein, in welchen er sich von Herzen freuen kann über Deutschlands Erstarken und Ge­deihen! Dem Fürsten Bismarck ein kräftiges Hoch aus deutschem Munde und aus deutschem Herzen.

Deutsches »eich.

Berlin, 29. März. Fürst Bismarck hat sich bei allen hiesigen königlichen Prinzen verabschiedet und gestern nachmittag auch an der Gruft Kaiser Wilhelms I. einen Scheidegruß dargebracht. Hebet diesen Besuch im Mausoleum berichtet die .Post": Rührenden Abschied nahm der scheidende Kanzler Fürst Bismarck von der Ruhestätte des großen Kaisers, unter dessen Aegide er mehr als ein Viertel­jahrhundert am Ausbau und an der ersten Einrich­tung des neuen Reiches unermüdlich und mit bei- pielloskm Erfolg gearbeitet hat. Schon ging der Tag zur Neige, da hielt am Seirenportal des Char­lottenburger Schlosses dicht neben der Schloßwache ein leichtes Cabriolet, und bevor die zahlreichen Spaziergänger, die in der Umgebung weilten, noch ihrem Erstaunen darüber Ausdruck geben konnten, wer denn wohl zu so vorgerückter Stunde noch dem Schloß eigen Besuch abstatten möchte, entstieg Fürst

>er Drohung, daß, wenn er sich dessen weigere, sie ihn für immer im Dunkel beiaffen würden.

Das war alles, was das Kind aussagte, uud man kouute deutlich wahruehmeu, wie es sich bei deu Drohungen der Schurken gefürchtet hatte.

Wenn ich nicht irre, sprach sich einer der Herren vom Magistrat dahin aus, daß die entsetzliche Furcht >ie der arme Junge ausgestanden, wohl Strafe genug ei für ihu, aber diese Idee wurde mit Achselzucken belächelt und das Sind zur Einzelhaft auf zwei Jahre verurteilt. Ja, trotzdem das arme fremde Weib den jungen Herrn auf ihren Kuien anflehte als ob es ei» Gott wäre.

Ehe jedoch die Zeit deS Urteils halb verflösse» Bar, befahl der Arzt, de» Knabe» ins Hospital zu befördern. .Diese Einzelhaft ist höchst ungesund fir einen zarte» im Wachstum begriffene» Knabe«" sagte er wst bedeutsamem Schüttel« feine» KopfeS, .men« er »icht stirbt, wird er jetoch ein hoffuuugS. loser Idiot bleibe« so lange er lebt?

Dieses schlimmste aller Schicksale blieb ihm er- spart; er starb, «ud seine «uglückliche Mntter welcher dieser Schlag den Todesstoß gegeben, ob. gleich sie eS znr Zeit nicht wnßte, schleppte sich her z« diesem Heneuhanse und wünschte den Eigentümer zu sprechen.

Seine Diener berichtigten ihn und mit grausamem Lächeln ans deu Lippe» sprach er. .Gebt ihr Geld eine wie sie wünscht nichts andres."

Geistesabwesend blickte sie anf das ihr darge- iotene Gold, dann schnell einige Schritte rückwärts chreitend, hob sie ihre Arme gen Himmel, deu R'^ter !>ort oben aurufeud, sein göttlich Gericht zu 6u..:n über den Herrn dieses Hauses «ud um dieselbe 1 stiafe flehend, zu welcher der Grausame ihr eiuzig !kiud berm teilt und der gefeierte, geehrte Herr diese» schöne» Schlosse» blickte ruhig anf diesen Auf­tritt herab und lächelte.---

Fünf Jahre vergingen nab immer noch lebte Liudliy Warwick sein genußreiches, verschwenderische»

Bismarck in der Uniform der Seydlitz - Kürassiere dem Wagen und dankte lebhaft für die ehrerbietigen Grüße, die ihm alsbald von allen Seiten dargebracht wurden. Vom Hofgärtner erbat er sich drei Rosen. Diese in der Hand haltend, schritt er langsam durch die einsamen Gänge des Parkes dem Mausoleum zu. Leutselig grüßte er die Aufseher, aber ein tiefer Ernst bemächtigte sich feiner, als er die Stufen zu der geweihten Stätte emporstieg, um die Vorhalle zu durchschreiten und zunächst einige Augenblicke an den Grabdenkmälern König Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise zu verweilen. Dann stieg der große Kanzler hinab zur Gruft des großen Kaiser Wilhelms I. und der Kaiserin Augusta. Mehr als 10 Minuten lang verweilte er dort und legte die Rosen an den Särgen der hohen Toten nieder. Tiefe Ergriffenheit sprach aus seinen Zügen, als er die Gruft verließ; kaum vermochte der Mann, den seine Zeitgenossen den Eisernen nennen, seiner inneren Bewegung Herr zu werden. Langsam wandelte er zum Schloßportale zurück. Hier hatte sich unterdessen eine große Menschenmenge ange­sammelt. Mit enthusiastischen Kundgebungen empfing sie den Scheidenden, der tief gerührt wiederholt seinen Dank zu erkennen gab und noch vom Wagen aus den Abschiedsgruß erwiderte. DieNordd. Allg. Ztg." teilt mit, daß dem Fürsten Bismarc anläßlich seines Scheidens aus dem Dienste so zahl­reiche teilnehmende Kundgebungen zugegangen seien, daß ihm ohne amtlichen Beistand im Drange des Umzuges nicht möglich sei, dieselben einzeln zu be- antworten. Fürst Bismarck bittet, seinen Dank auf diesem Wege entgegenzunehmen. Einzelne Abend­blätter widmen Abschiedsartikel. Der .Reichsbote" schreibt am Schluß desselben: Der große Kanzler geht, und mit Wehmut sehen wir ihn aus seinem großen Tagewerke scheiden; manche Herzen sind auch von Sorgen darüber erfüllt, daß feine Meister­hand nicht mehr das Ruder führt. Aber das ist gewiß nicht im Sinne dieses Willensstärken kraft­vollen Mannes, dem jede Sentimentalität fern war. Lassen wir ihn uns ein Vorbild echter deutscher Manneskraft und hingebender Arbeitssreudigkeit für des Vaterlandes Bestes sein, damit er von seinem Ruhesitze aus seine Freude haben kann an dem weiteren fröhlichen Gedeihen ferne» großen Werkes. DasDeutsche Tageblatt" schreibt: Der amtliche Telegraph, der das Schloß in Friedrichsruh mit dem Palais in der Wilhelmsstraße verband und die Weltgeschichte machte, ist zerschnitten. Unsere Herzen aber bleiben mit dem künftigen

Lebe», geschwe ,dt bewundert u»d gesucht, kriue der Sünde« feine» Vater» begehend nur ein Leben kalter mitleidsloser Selbstsucht.

Am Ende aber dieser fünf Jahre kam er einst unerwartet und still allein in sein Schloß z» London. Er ging ans an jenem Morgen und benutzte ein ge­wirtetes Fuhrwerk, fein Gesicht verborge» i» einem weißseidene« Shaw! nab nachdem er lange Zeit mit einem berühmten Arzt bet verschlossenen Thürn be raten hatte, kam er zurück, Befehl gebend, das Haus zu schließe», weil er auss Land zöge.

Er kam direkt hierher »ab ehe er »och seine» leberzieher nebst Shawl, welcher immer »och sei» Gesicht bedeckte, abgelegt, tief er vier seiner älteste» Diener, die, so lange er lebte »m ihn gewesen, zu ich. ES war »eseS Zimmer, i» welches sie tiabi und Lindley Warwick stand do t am Heerde, halb vo» ihnen avgewendet. Die Tb ner waren Überrascht bei seiner unerwarteten alleinwe» Ankunft er, bet gewohnt wat, zn kommen wie .in Prinz vo» Geblüt weo» jedes Zimmer bereitet war zum Empfang seiner Gäste, die mit ihm kamen und ihm halbsten. Noch größer aber war ihr Erstaunen über alle» dessen, was ihrer wartete. Er sagte ihnen, daß jeder Diener deSHanseS anßer ihnen selbst sofort entlassen ueiben olle; daß jeder von ihnen sofort gehe» könne, wer ch ihm nicht fügen wolle, ober ihm nicht buchstäblichen Gehorsam zu leiste» sich verpflichtet-. Es möge jeber unumwunden seinen Willen knudgeben, ehe er weiter ireche.

Da mm keiner seine gvte Brotstelle aufzugebeu geneigt war, an toi teten sie alle mit Schweigen.

Damit zufriebeu gestellt, legte er ihnen an» Herz > sie «nn auf das genaueste und pünktlichste seine Befehle anSzufÜhreu hätte». Er sagte Urnen, d.h niemals ihre Arbeit und Wartung keinerlei Kräfte « Anspruch nehmen würden. Er sagte ihnen, daß vo.: diesem Tage an weder Mann »och Weib ihn sehen olle, und ihnen et» geladenes Pistol mit doppeltem Lauf zeigend, setzte er Hinz», daß eine Kugel für

Aufenthalt unseres alten Reichskanzlers für immer verbunden. Wir werden nach wie vor unsere Augen gespannt auf Friedrichsruh halten, die geringste Nachricht von dem Befinden dessen, den wir ver­loren haben, wird unS so teilnahmsvoll finden, als die einstigen historischen Meldungen, die der nun ruhende Telegraph uns brachte. DiePost" be­zeichnet die Meldung, daß Fürst BiSmarck den Herzogstitel abgelehnt habe, als unrichtig. Die von einigen Blättern gebrachte Nachricht, wonach das Schutzmann» - Kommando, welches bisher den Fürsten Bismarck auf seine Besitzungen begleitete, auch ferner dort belassen werden sollte, ist unrichtig. Bestätigt wird, daß der Schwiegersohn des Fürsten Bismarck, Graf Rantzau, zur Zeit preußischer Gesandter in München, seine Entlassung au» dem preußischen Staatsdienste beantragt hat. Auch der Rücktritt aus dem letzteren seitens des Regierungs- Präsidenten in Hannover, Grafen Wilhelm Bismarck, soll in kurzer Zeit bevorstehen, obschon diese Nach­richt mit Recht für jetzt dementiert worden ist. Die Abschiedsaudienz, die der Kaiser dem Staats- minister Grafen Herbert Bismarck erteilt hat, hatte, wie man derK. Z." meldet, einen überaus herz­lichen Charakter; der Kaiser hängte dem Grafen die Kette de» Hohenzollernschen Hausordens persönlich um, küßte und umarmte ihn dabei wiederholt und sagte ihm, er habe gerade diesen Orden, den er nur sehr selten verleihe, gewählt, weil die Kette da» Symbol der Vereinigung und Befestigung und nicht der Trennung sei. Er hoffe, daß der Graf seine Gesundheit, die unter der langjährigen Last der Amtsgeschäfte schwer gelitten, bald völlig wieder­hergestellt haßen werde, und er hoffe, dann seine bewährten Kräfte, wie er da» schon in der Ent­lassungsurkunde betont habe, wieder im Reichsdienste verwenden zu können. Der Kaiser wollte aber diese Abschiedsaudienz noch nicht zu einem förmlichen Ab­schied werden lassen, er lud sich vielmehr auf einen der ersten Tage nach der Charwoche zu Tisch beim Grafen Bismarck ein. Dieser wird daher von Friedrichsruh nach dem Geburtstag des Fürsten Bismarck hierher zurückkehren und bis etwa zum 10. ober 11. April hier bleiben, um dann wieder nach Friedrichsruh zurückzufahren, wo am 11. der 66. Geburtstag der Frau Fürstin gefeiert werden wird.

Berlin, 29. März. DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht einen kaiserlichen Erlaß vom 17. Februar betreffend die Abtrennung des staatlichen Berg-, Hütten- und Salinenwesens einschließlich der polizei- benjeutgen bestimmt sei, der es wagen würde, einzn- dringen oder sein Gesicht z» sehen; die andre Kugel würde er bann anf sich selbst richten.

In diesen drei Gemächer» wollte er für sich leben agte er, und Thüreu wollte er anbringen lassen, durch welche kein neugierige» Auge dringe» und Schlösser, die keine Hand al» seine eigene z» öffne» verstände, den Rest seiner Befehle würde et schrift. ich gebot, nachdem die übrige» Diener entlassen den.

So mit einen Mal begann diese» traurige Da­rin schmerzhaftester Einsamkeit »nd obgleich seit enent Tage niemand mehr den jungen Edelmann >on Angesicht zn Angesicht g sehen »nd obgleich er ein Geheimnis niemand ano< tränt, wurde e» doch verraten, und die Stille be» geflüsterten Wortes war Schrecken. Es herrschte kein Zweifel, eine furcht­bare, schleichende Krankheit fraß an seinem Lebe», und mußte vor allem die Schönheit seines Antlitzes, anf welches et ja so empfindlich stolz war, zerstören.

Jahr anf Jabr verfloß in dieser schreckhaften Oede. In diese Zimmer sammelte er um sich alles, was fähig war, solch ein Lebe» erträglich zu machen und schmückt- die Wänd- mit den ausgezeichnetsten Gemälde» erster Künstl r.

Wert» er diese Klingel zog, fand her alte Diener unter jener verschlossenen Thür die g fw »ebenen Be- ehle seine» Gebieters. SBenn er die Zimmerklingel n Bewegung setzte, wat die Thür zwischen beiden Räumen geschlossen und der Vorhang bewegte sich chwer dazwischen; die äußere Thür jedoch war offen und der Diener konnte die Mahlzeiten sowohl Her­richten als auch hinwegränmen. Während der Dauer der Mahlzett wurde der junge Herr von »iemond »dient. Auf dies-lbe Weise wurden Lampen ober das Feuer im Kam,» angezündet, kurz alle» nötige besorgt.

(Schluß folgt.)