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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Jvh. Aug. Koch.

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Unsere künftige Politik.

Ein Teil der Preffe giebt sich die erdenklichste Mühe, in der Bevölkerung den Glauben zu erwecken, daß der Rücktritt des Fürsten Bismarck nichts weniger bedeute, als eine vollständige Änderung des Re­gierungssystems. Und zwar wollen sie an die wenig­stens teilweise Hinneigung zu den Prinzipien der deutschfreisinnigen Partei glauben machen. Wäre diese Unterstellung zutreffend, so müßten bei jedem Politiker, welcher die für die deutsche Industrie und Landwirtschaft und die in diesen Erwerbszweigen beschäftigten Maffen von Arbeitern gleich gefährlicten manchrfterlichen Anschauungen dieser Partei und ihre für die Stärke Deutschlands nach innen und nach außen gleich bedrohlichen auf Parlamentsherrschast gerichteten politischen Tendenzen kennt, die ernstesten Besorgnisse entstehen. Glücklicherweise entspringen jene Preßmanöoer nicht greifbaren Thatsachen, son­dern der Wunsch allein ist der Vater des Gedankens. Schon die einfache Erwägung, wie nach zahlreichen

Auslassungen der Kaiser die Rechte und Pflichten seiner Stellung auffaßt, läßt keinen Zweifel darüber auskommen, daß das parlamentarische Regiment nach dem Herzen der Deutschfreisinnigen im direktesten und unvereinbaren Gegensätze gegen die kaiserliche Politik steht. Aber es liegt inzwischen auch eine ausdrückliche Kundgebung des Kaisers vor, welche der bündigsten Weise der Mythenbildung, als ob mit der Personalveränderung inbezug auf den ersten Ratgeber eine Systqnsänderung verbunden sei, ein Ende macht. In einem Telegramm des Kaisers an den Großheriog von Weimar, in welchem zugleich in wohlthuendster Weise die Schwere des Entschluffes, von dem Fürsten Bismarck sich zu trennen, zum Ausdruck gelangt, wird zugleich mit Entschiedenheit erklärt, daß der Kurs unverändert derselbe bleibe.

Eine solche Erklärung ist doppelt erwünscht an­gesichts der sowohl im Jnlande, wie Auslande be­reits wahrnehmbaren Bestrebungen, aus Anlaß des Rücktritts des Fürsten Bismarck Unkraut zu säen, Mißtrauen und Unzufriedenheit hervorzurufen. Wie diese Kaiserliche Kundgebung nach Außen die friedkn- er halten den Kräfte stärken wird, so ist sie geeignet, alle Anhänger der inneren auf den Schutz der nationalen Arbeit und die Erhaltung unseres kräf­tigen Königtums gerichteten Politik zu beruhigen und die Ausstreuungen der Gegner wirkungslos zu machen.

Nachrichten sofort telegraphisch erhält und zur Kunde ihrer Leser bringt.

merksam, daß die Oberhesstsche Zeitung die einzige im hiesigen Kreise, wie in den Kreisen Kirchhain, Frankenberc [1763 r und Biedenkopf ist, welche mit der Kon-

ittd tinental - Telegraphen - Kompagnie in Verbin­dung steht und infolgedessen alle wichtigen

Marburg,

Freitag, 28. März 1890.

(Nachdruck verboten.)

Aas Osterei.

Eine Humoreske von Hans Wald.

ES lag im Fenster deS ersten Zuckerbäckers der Stadt, umgeben von einer ganzen Zahl größerer oder kleinerer Kunstwerke au» Zucker, das Riesen Osterei. Schneeweiß faß auf ihm ein pausbackiger Amor und spannte mit verschmitztem Lachen feinen Bogen, der fo viel seliges Leid und süße Freude bringen soll. An dem Osterei hatte der Zuckerbäcker aber auch fein höchstes Können versucht, uud es war ihm gelungen, etwas zu schaffen, welches die Bewuudernog der ganzen Stadt erregte. Doch der Preis betrug drei Mark, eS sollte wohl wehr ein Schaustück fein, und fo lag es denn ruhig im Schaufenster bis am Tage vor Ostern, während der übrige Vorrat sich schon be­denklich gelichtet hatte.

Im hellen FrühliugSsoaoeascheiu stand ein junger Mann vor dem Schanfeuster. ES war wohl mehr ein Zufall, daß er hier stehen blieb, denn feine Augen Slitten sehr gleichgiltig über die süße Waare. Der junge Manu machte einen recht angenehmen Eindruck, er ging elegant gekleidet, aber die übergroße Höflich­keit, mit welcher er jedem, der vor das Schaufenster diutrat, Platz machte, ließ erkennen, daß ein forscher Charakter gerade nicht zn feinen Tugenden gehörte.

Emil Brnuk war in der That von sehr sanftem und nachgiebigem Wesen. Die Ursache hierfür lag wohl in der Erziehung durch eine bejahrte und reiche Taute, die den Neffen abgöttisch liebte, aber ihn auch dermaßen verzärtelt hatte, daß dem jungen Manu daraus manche Verdrießlichkeiten entstanden. Ganz anderen Temperamentes war ein Oheim EwilS, der denselben Namen trng und, so oft er Fräulein Katharine Wild, daS war die Tante, besuchte, wetterte, daß sie den Jungen zum EtufallSpiusel und Schwach.' «Ps erziehe. SS war dabei schon zu so stürmischen Szenen gekommen, daß die 75jährige Jungfrau dem 5 Jahre älteren Junggesellen ihr HauS runtweg ver.

Die Postbestellungen auf das zweite Quartal (April bis Juni), wollen unsere Abonnenten recht bald erneuern, da ohne vor­herige Bestellung die Post keine Exemplare liefert. Auf dem Lande nehmen die Post­boten Bestellungen entgegen. In Kirchhain nimmt unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen an und in hiesiger Stadt unsere Zeitungsträger und die Ex­pedition.

Im Feuilleton kommt zunächst ein Höchs spannender Roman:

Heiße Gluthen

zum Abdruck. Außerdem kleinere interessante Novellen und Erzählungen.

Wir machen noch besonders darauf auf»

Deutsches Ueich.

Berlin, 26. März. Fürst Bismarck hat sich heute Mittag von Kaiser Wilhelm II. offiziell ver­abschiedet. Beide Männer waren sehr bewegt, sie hatten eine elnstünbige Unterredung. Als der Fürst das Zimmer des Kaisers verlaffen wollte, trat der Monarch auf ihn zu, umarmte ihn und drückte ihm nochmals kräftig die Hand. Der Fürst trug die Uniform der Halberstädter Kürassiere, und das große Band des Schwarzen Adlerordens. Eine Anzahl Damen und Herren hatten sich vor dem Kanzler­palais in der Wilhelmstraße ausgestellt, man warf Blumen in den fürstlichen Wagen, wofür der Jnsaffe lächelnd dankte. Zwei berittene Schutzleute sprengten dem Wagen voran, zwei folgten. Eine größere Menschenmenge wartete vor dem Schloß und rief dem Fürsten .Hurrah" und .Hoch" zu. Freundlich lächelnd grüßte er nach allen Seiten. In der einen Hand hatte er eine Rose. Der Kaiser, der noch nicht im Schlöffe war, kam gleich darauf angefahren. Um zwölf Uhr verließ der Fürst das Schloß wieder. Inzwischen hatten sich immer größere Menschen-

boten hatte. Aber Brunk kam loch wieder, und jeder neue Besuch endete in gleicher Weise.

Der Onkel hatte, ba er im Beisein der Tante nichts erreichte, im Geheimen den Versuch gemacht seinen Neffen zu allerlei tollen Streichen zu bewegen' um so einen Bruch zwischen Beiden herbeizuführen. Ein wenig selbständiger war Emil allerdings schon geworden, aber von einem Abschiede ans dem Hause der Tante waren die Dinge doch noch recht weit entfernt. Fräulein Käthcheu, wie sie am liebsten sich neunen hörte, verzieh ihrem .Schlingel von Neffen' immer wieder. Zuletzt war aber doch ein so arger Fall vorgekommen, daß Emil feierlich hatte rer> sprechen müssen, allen Umgang mit dem schlimmen Onkel zu meiden, wenn sie ihn nicht enterben solle.

Dos war fo gekommen: Brunk hatte feinen Neffen mit ,n einer fidelen Bo ckbie'kneip erei genommen, und man hatte sich dort gehörig gütlich gethan. Emil kam recht stark angeheitert nach Hanse, und tollte in der rabenschwarzen Nacht noch so viel im Hause umher, daß der Tante angst und bange wurde. Sie hatte ihm eine maßvolle Strafpredigt gehalten, nm ihn nicht zu sehr zu reizen, aber was hatte er erwidert: .Komm', gteb* mir einen Kuß, alte Schachtel wir wollen uns wieder vertragen I» Fräulein Käthcheu batte geglaubt, der Himmel stürze ein. Aw nächsten Tage aber hatte Emil geloben müssen, nie wieder dem verworfenen Onkel zn folgen, sonst werde er enterbt

Emil Brunk der Aeltere hielt auch ein gut Stück auf recht viel Geld, und er wollte eS deshalb ver­meiden, den .alten Drachen', wie er Käthcheu Wild nannte, gar zu sehr in Harnisch zu bringen. Er ann aber trotzdem unauSgesitzt darüber nach, wie er einem Neffen ans dem .unwürdigen Joche' befreien könne. Und endlich kam ihm ein Gedanke.

Vom Heiraten war der .alte Sünder', wie er von der erzürnten Tante tituliert wurde, nie ein Freund gewesen; .diese Einrichtung sei eine mehr als zweifel- bafte', pflegte er zu äußern, und darum war er Junggeselle geblieben. Aber wenn er auch kein Glück

Erscheint täglich außer au Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Quartal-UbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2*/t Mk., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

: Strebens würdigen Sache, welche feinen innigsten ! Wünschen begegne. Unter Hinweis auf feine die soziale Frage betreffende Encyklika erkennt der Papst

1 den hohen Wert einer internationalen Beratung und 1 des Versuches einer Regelung dieser Angelegenheiten

unter den Mächten, sowie die Erkenntnis des Kaisers 1 von der hohen Wirksamkeit der Religion und Kirche l bei der Lösung der sozialen Frage an und spricht ' die Hoffnung auS, daß die Diener der Kirche : demnach von den Behörden in der Ausübung ihrer : Wirksamkeit auf sozialem Gebiete unterstützt werden;

unter dem Ausdrucke der heißesten Wünsche für den Erfolg der Konferenz spricht der Papst seine Genng- lhuung für die Berufung des Fürstbischofs Kopp aus, der das Vertrauen des Kaisers in höchstem Maße ehre. Der Papst schließt mit den aufrichtigsten Wünschen für das Wohlergehen des Kaisers und der kaiserlichen Familie. Nach derPost" äußerte der Kaiser zu dem Grafen Waldersee vor dritten Personen seinen Unwillen über die verkehrten, über­triebenen Deutungen, welche die Blätter seiner neulichen militärischen Kritik gegeben hätten. lieber die Umstände, welche den Rücktritt deS Fürsten BiSmarck veranlaßten, gehen demBureau Reuter" folgende Mitteilungen zu: .Die Kanzlerkrifis, welche seit Längerem im Anzuge war, entsprang aus der Unvereinbarkeit der scharf pointierten persönlichen Regierungsmethode des Kaisers wie des Kanzlers, welche sich schließlich zum prinzipiellen Meinungs­gegensatz über die Stellung des Ministerpräsidenten zu den Reffortministern zuspitzte, eine Differenz, welche den förmlichen Anstoß zu dem Rücktritte des Reichskanzlers bildete. Längere Zeit hindurch glaubte Fürst Bismarck, der nicht brüsk auftreten wollte, die Friktionen beilegen zu können, bis ein Zwischen­fall ihm volle Klarheit brachte. Die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Herrn von Bötticher war nämlich erfolgt ohne daß der Reichskanzler vorher Kunde hiervon erhalten. Seine Beamten wagten ihm nichts darüber zu sagen. Fürst Bismarck erfuhr die Sache erst im häuslichen Kreise und zog Schlußfolgerungen aus diesem Symptom, die seinen Entschluß zurückzutreten rasch reifen ließ. Er glaubte in dieser Ordensgeschichte für ihn, den Eingeweihten, ein verständliches consilium abeundi erblicken zu müssen. Das Schreiben des Präsidenten des Staatsministeriums v. Caprivi welches Herr v. Köller in der Sitzung des Abgeordnetenhauses verlas (siehe Landtagsbericht) hat folgenden Wortlaut: .Ew. Excellenz beehre ich mich, zu benachrichtigen, daß deS Königs Majestät mittelst Allerhöchsten Erlaffes vom

lagen, wollte sich krank lachen. Nun kam eS darauf an, daß Emil die Taute von seinen Siebes» und Heiratsgedanken unterrichtete, wenn er dies nun einmal für unerläßlich hielt. Uud der junge Mann aßte auch den Beschluß, sich der Dame zu offen­

baren. Die Gelegenheit sand stch bald.

Fräulein Wild saß mit einer Näharbeit am Fenster, während der Neffe rauchend im Zimmer auf- und abschritt. «Ich bin sehr mit Dir zufrieden jetzt, Emil; Du siehst, wie sehr ich Recht hatte, Dich vor dem Umgang mit dem alten Sünder zu warnen.'

«Du hast Recht, Hebe Taute, wie immer', ver» etzte der junge Mann, .aber was meinst Du, wenn ich mich---verheiratete?' RanS war das ver-

hänguisvolle Wort. Tiefste Stille herrschte im Zimmer, die Tante blickte den Neffen ao, als sei derselbe plötzlich in ein wilde» Tier verwandelt.

«Du willst heiraten? Wie bist Du denn darauf gekommen?' .Nun, alle jungen Leute in meinem Alter fangen an, an eine Fran zu denken.' »Du bist noch viel zu jung zum Heiraten', antwortete Fräulein Käthcheu heftig. .Doch wohl nicht!' .Still! Ich muß daS bester wissen als Du!' .Aber Du warst doch gar nicht verheiratet, wie kannst Du daS bester wissen wollen!' DaS Fräulein wurde rot und wandte ihr Gesicht nach dem Fenster zu.

.Hast Du Dir denn schon eine Brant ausgesucht?' tagte sie endlich nach langer Pause. .Ja, ich möchte GerichtSratS Emilie heiraten!' Der Stuhl am Fenster fiel nm, so heftig war er zmückgestoßen worden. .Nimmermehr gebe ich dazu meine Ein, willignng.' .Aber Tante!' .Nein, hast Du chon mit dem dreisten Dinge gesprochen?' .Nein!' .Gut, ich verbiete eS Dir auch!' .Aber waS fast Du denn nur gegen das Mädchen?' .Was ich habe? Du weißt wohl gar nicht mehr, bei der Gesellschaft im letzten Winter, als ich tanzte, da agte das naseweise Ding, solche alte Jungfern könnten auch etwas Bessere» thnn, als tanzen. Dos ist eine unerhörte Beleidigung. Bin ich eine alte Jungfer?'

i mengen auf dem Wege bis zur Wrlhelmstraße ver- ' sammelt, die dem scheidenden Kanzler lebhafte Ovationen darbrachten. In der Gegend des Zeug­hauses stürmte die Menge so dicht an den Wagen heran, daß derselbe einen Augenblick zum Stillstand kam. Die Pferde hatten über die Stränge ge­schlagen , und der Fürst stieg kurze Zeit aus, von brausenden Zurufen umtost. Dann ging es langsam weiter in einem großartigen Triumphzuge. Bor dem Niederländischen Palai» machte der Wagen zum zweiten Male Halt. Der Fürst entstieg ihm elastischen Schrittes und ging langsam die Stufen hinauf, sich mehrmals dankend nach der Menge um­wendend. Förmlich eingekeilt konnte er kaum das Portal erreichen. Bis an die Thür drängten Männer und Frauen nach, ungeachtet des Doppelposten», der kaum präsentieren konnte. Oben auf der Treppen­stufe wendete sich der Kanzler nochmals um und verneigte sich. Nach einer Audienz von 20 Minuten beim Großherzoge von Baden wurde unter der Eskorte einer tausendköpfigen Menge weiter die Linden hinabgefahren. Ballone und Fenster der Häuser hatten sich gefüllt. Ueberall stürmische Zurufe, Hüteschwenken und Tücherwehen ohne Ende. Dichte Schaaren folgten dem Wagen bis zum Reichs- karzlerpalais. Fürst Bismarck trat nach dem Aus­steigen auf den Perron des Hofes und grüßte wiederholt militärisch und durch Verneigen die Menge. Mehrmals erschien er bann noch am Fenster. Vor dem Zeughause unter den Linden wurde sogar der Versuch gemacht, die Pferde des fürstlichen Wagens auszuspanne». Der Kanzler wehrte aber diesem Beginnen mit den Worten: .DaS geht denn doch wohl nicht!" Heute nachmittag fuhr ein großer Teil der Hofgesellschaft vor dem Reichskanzlerpalais vor, um sich zu verabschieden. In den Abend­stunden wurde nochmals dem greifen Staatsmanne eine brausende Ovation bargebracht.

Berlin, 26. März. DerReichsanzeiger" veröffentlicht ben Briefwechsel des Kaisers mit dem Papste anläßlich bet Arbeiterschutzkonferenz. Der Kaiser, anknüpfenb an bks Papstes Fürsorge'für die Armen und Verlaffenkn, übersendet dem Papste bas Programm für bie Konferenz unb teilt ihm bie Berufung des Fürstbischof» Kopp von Breslau als kaiserlichen Delegierten zur Teilnahme an der Konferenz mit, den er von des Papstes Ideen durch­drungen wiffe, und welcher den Erfolg des humanitären Werkes erfolgreich unterstützen könne. Der Papst dankt für diese Mitteilungen und beglückwünscht den Kaiser zur Inangriffnahme dieser eines ernsten und Heil in ben holden Banden bet Liebe suchte, sein Neffe mußte eine vernünftige Frau nehmen, denn wenn er einmal ohne Vormund nicht leben konnte, so war doch eine nette Fran bie nächste zu biefem Amt.

AIS bet besorgte Oheim erst bis zu diesem Ent­schluß beim Nachdenken gekommen war, fand sich alles andere von selbst. Da war sein Patheukind, bie hübsche Tochter feines alten Studienfreundes, beS GericktSrateS Streng; Emilie Streng würbe 18 Jahre alt, Emil Brunk 25, bie Jahre paßten also. DaS junge Mäbchen war frisch und resolut, und Brunk murmelte bei bem gebauten höhnisch in ben grauen Bart: .Emilie wirb bem alten Drachen schon ein. Heizen!'

ES war nicht schwer, bie jungen Leute einander näher zu bringen, der Oheim wußte seine Netze und Schlingen so vortrefflich zu legen, daß bie Selben sich chmll genug fingen. AIS er feinen Neffen einmal im Scherz fragte: .Du könntest nun auch eigentlich an eine Fran denken. WaS meinst Du zu Emilie?', da hatte bet junge Mann eifrig geantwortet, sie ge. alle ihm ausgezeichnet. Wenn bie Taute einver- stanbeu fei---

.Dummes Zeug!' hatte der Oheim ihn unter, »rochen, .wenn ein junger Manu heiraten will, so ragt er nicht eine alte Jungfer nm Rat. Sprich' mit bem Mädchen und bie Sache ist abgemacht!' .Leiber mag sie mich!' ,Na, also!' .aber der Taute muß ich es vorher doch sagen.' .Daß Du ein Esel bist, nicht wahr?' rief Brunk wütend. 1

Nächsten Tage» sprach er mit bem jungen Mädchen über ben Punkt. .Gewiß, Onkel', Emilie nannte ihren Pathen ans alter Angewohnheit Onkel, .Ihr Neffe ist ein ganz manierlicher Mensch. Nur an der Schürze von Fräulein Wild müßte er sich nicht 1 immer sesthalteu.' .Da» kann Ihm am besten eine i nnge Frau abgewöhnen. Heiraten Sie ben Schlingel nnb alles wirb anders!' .Ich mich ihm auf» bräunen? Nein!' Die junge Dame rauschte majestätisch zur Thür hinaus, und Brunk, der sah, wie die Dinge

Anzeigen nimmt entgegen bie Expedition b. Blattes, sowie bie Annoncen-Bnreaux von Haasensteiu unb Vogler m StanlfurtaJR., Saffel SRagbeburg u-SBien; Knbolf XXV Qtifirflllttfl Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. 2. DUUti'

Daube u. Io. in Frankfurt cu M., Berlin, Hannover, Pari».