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Gymnasium, trat 1849 in das Kaiser-Franz-Grenadier-

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler m Frankfmt a. M., Eaffel Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV Stoffe m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. g. 44 *

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Düechsslich 3rihiih|

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Zoh. Aug. Koch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Qll a^L**** .

Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe- tl iDlI T U

dition 2«/t Mk., bet den Postämtern 2 Ml. 50 Pfg. (exkl.

^rRrite9Äne Freitag, 21. März 1890.

iu Pfg., znetlamen für Die Zeile 2o Pfg. v vr u

Die Postbestellungen auf das zweite Quartal (April bis Juni), wollen unsere Abonnenten recht bald erneuern, da ohne vor­herige Bestellung die Post keine Exemplare liefert. Auf dem Lande nehmen die Post­boten Bestellungen entgegen. In Kirchhain nimmt unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen an und in hiesiger Stadt unsere Zeitungsträger und die Ex­pedition.

Im Feuilleton kommt zunächst ein höchst spannender Roman:

Heiße Gluthen

zum Abdruck. Außerdem kleinere interessante Novellen und Erzählungen.

Wir machen noch besonders darauf auf­merksam, daß die Oberhesstsche Zeitung die einzige im hiesigen Kreise, wie in den Kreisen Kirchhain, Frankenberg und Biedenkopf ist, welche mit derKon- tinental - Telegraphen - Kompagnie in Verbin­dung steht und infolgedessen alle wichtigen Nachrichten sofort telegraphisch erhält und zur Kunde ihrer Leser bringt.

Köln, 19. März. DieKölnische Zig." meldet aus Berlin vom heutigen Tage: Der Kaiser hat den Rücktritt des Fürsten BiSmarck von sämtlichen Reichs- und Staatsämtern genehmigt. Der kommandierende General des X. Armeekorps v. Caprivi hat sicherem Vernehmen nach die Berufung als Nachfolger des Fürsten Bismarck angenommen.

Der nach vorstehender Meldung sicher an- zunehmende Rücktritt des Fürste« Bismarck ruft die unsterblichen Verdienste in Erinnerung, welche der Reichskanzler in einer mehr als 25j8hrigen Thätigkeit sich um das deutsche Vaterland erworben hat. Unverstanden und deshalb so ziemlich von allen preußischen Politikern bekämpft, hat er während der Konfliktszeit Preußens Waffen zur Erfüllung seines deutschen Berufes scharf und stark «halten, Md durch das Uebergangsstadium des Norddeutschen

(Nachdruck verboten.)

Der Jager.

AuS dem Holländischen von E. Senden.

A (Fortsetzung.)

Er pfiff leise. Felotu war näher, als er geglaubt hatte und sprang auS dem hohen Land hervor, unter dem sich dicht au der Hütte eine Meine Dünevqaelle verbarg.

.Verteufelter Hund, mußt Du nnn schon fanfen?* brummte er mürrisch. Aber angenblickltch verändert sagte er leise zu sich selbst: ,Weu» Zytje wüßte, daß ich auf den Hund böse war. Ich verdiene heute Unglück zu hoben.

Eine unheilvolle Ueberzeuguug für jemand, der auf die Jagd geht.

Teun, der Jäger, beeilte nun feine Schritte und erreichte bald daS Dorf. Der Hnod schien aber daS Ackerland für seine Bestimmung zu halten und ent ferute sich rechts ab. Tenn rief ihn zurück.

.Hierher, Feldtn', sagte er freundlich, .D» muß Mettern, Manul sie brauchen die Stoppen noch nicht, i» deu Dünen ist genug zom grasen.' Und er wendete sich links.

»Mußt Dn herauf, Teun?' fragte ein Mann, bet tote es schien auch so früh anfsteheu mußte und plötzlich zum Vorschein kam. Er hatte em graues WarnS mit Jagdknöpfe» an, einen Hot mit einem grünen Baud auf und einen Stock in der Hand.

»Ja. Jautj«', antwortete der Jäger, .fie find »och zu geschäftig auf dem Gest.' (Geest ist ein gewifier saudiger Landstrich in FrbSlaud.)

.Da sprichst Du ein wahres Warf, sagte der Jagdwächter des BergerwaldeS, denn daS war er. »Willst Du nicht mal au,Süden?' fügte er, feine Pfeife hinhaltend, freundlich hinzu.

.Dank schön, Jantje! bade heute meinen Tabak doch nicht verdient', erwiderte Teun. .Du bist schon zeitig dabei. Hast 'n Wilddieb aus'm Kor», »der wie kommt'-?'

Bundes Deutschland zur staatlichen Einigung unter dem Kaisertum der Hohenzollern geführt. Weise ist durch Indemnität nach dem österreichisch - deutschen Kriege und durch die auf das Notwendige einge­schränkte Begrenzung der Souveränitätsrechte der Bundesstaaten dem neuen deutschen Reiche die feste Grundlage des Vertrauens zwischen Volk und Herr­scherhaus, zwischen den Gliedern und der kaiser­lichen Spitze des Reiches gesichert. Die Erhaltung des Friedens während nahezu 20 Jahren unter dauernder Spannung der europäischen Lage und dauernder Mißgunst unserer Nachbaren im Osten und Westen ist ein Verdienst, welches weniger äugen fällig als die glorreiche Erringung der Einheit Deutschlands, derselben doch an Bedeutung wenig nachsteht und unter dem Gesichtspunkte meisterhafter Staatskunst vielleicht noch höher zu stellen ist. Dem einheitlichen Ausbau der Reichskonstitution in der ersten Hälfte des vorigen Jahrzehntes folgte die doppelte Aufgabe, das feste monarchische Gefüge unseres Staatswesens vor der Neigung zur Par­lamentsherrschaft und das deutsche Erwerbsleben vor den verheerenden Rückwirkungen eines tiefen Nieder­ganges der Weltwirtschaft mit stetig sinkenden Preisen zu bewahren. Mit der Sicherung der Macht und Stärke Deutschlands nach außen, durch die Stärkung der militärischen und finanziellen Kräfte des Reiches ging sodann Hand in Hand die Abwehr gegen die auf den Umsturz der Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokratie, und zwar nicht bloS durch Repression, sondern vor allem im Wege der positiven Sozialreform auf der Grund­lage des positiven Christentums. So bildet das Wirken des Fürsten Bismarck an der Spitze der Räte des Kaisers und Königs eine ununterbrochene Kette unsterblicher Verdienste.

Als Nachfolger des Fürsten Bismarck wird der bisherige kommandierende General des 10. Armee korps, General v Caprivi, in Hannover, der frühere Minister der Marine genannt. Derselbe erfreut sich großer Beliebthett bei allen Reichstagsparteien wegen seiner ruhigen und entgegenkommenden Haltung. Seine Ernennung, die eines Mannes, der kein Poll, tischcr Parteimann ist, würde deutlich beweisen, daß der Kaiser versuchen will, eine neue Parteigruppie­rung herbeizuführen. Der eigentliche Reichskanzler ist darnach fortan der Kaiser selbst, Herr von Caprivi ist nur der Vollführer seiner Willensäußerungen. General Georg Leo von Caprivi ist am 24. Februar 1831 als Sohn des Obertribunalsrates von Caprivi in Berlin geboren. Er besuchte das Werder'sche

.Nein Geselle!' antwortete der Wächter. .Ich gehe nach Schoorldam hi», rnnß heute in »Ilmar fein und fahre mit Papier. Glückliche Jagd!'

.Dank schön, hörst!' sagte der andere. Und von seinem Hande gefolgt, näherte er sich der Düne dahate sich einen Weg durch daS vom Nebel noch »affe Knüppelholz, ans dem taufende nichtswürdiger Sperlinge aniflog-n, nnb stieg hinauf.

Als er den Gipfel deS Hügels erreicht hatte, sah er auf das Dörfchen zurück. Die Sonne fing an stch zu heben nnb warf schon ihre ersten Strahlen.

Der Herbstnebel nahm all bte farbigen Einten an, bnrch bte eS scheint, ein Regenbogen sei auf bie Erbe herabgesunken, d"S Kreuz ber Turmspitze »er. flolbete sich und bte Tropfen, bte an den Spitzen bet Blätter bebten, nahmen ihre poetische Aehultchkett mit strahleubeu Juwelen an. Sein Auge suchte baS Plätzchen, wo fich ZytjeS Hütte unter ben Bäumen oei barg.

Nichts bewegte fich dort, nnb auch bad ganze Dorf schien noch in Stille begraben zu fein; nur ein einzelner Hahn krähte, ein einzelner Hunb kam langsam auS feiner Hütte zum Vorschein: aber kein menschliches Wesen rührte fich.

Nur recktS, ans dem Pfade nach SchoorlSdam sah er ben Jagdwächter, ber feinen Weg mit hastigen Schlitten verfolgte.

.an. 8 schläft noch', sagte Tenn ber Jäger zu sich selbst; »nnb gewiß ist auch Zy,je wteber einge- '(tlnmmert. Ob fie alle wohl gerne träumen mögen? Unftnul* fuhr er fort, indem er feine Feldflasche hervorholte und that, als tränke er seinem Hunde zu: .Wohlan, Feldiu, Tob bem ersten I'

Darauf spannte er betbe Hähne seiner Doppel­flinte nnb begann baS Jagdfelb zu durchschreiten.

In ganz Echoorl nnb Bergen wat lein besserer Schütze als Tenn. Er gehörte zu ben wenigen Sluck, heben, bie ihres Schusses so gut als gewiß find. .Wißt Ihr wohl', hatte einst ber alte KreliS gesagt, als er mit einigen Bauern auf bet Bierbank im

Regiment, würbe 1850 zum Sekondelieutenavt, 1859 zum Premierlieutenant, 1861 zum Hauptmann irrt Genenalstabe ernannt uvb 1864 als Kompagniechef in das 64. Regiment versetzt. 1866 wurde er in den großen Generalstab als Major cinrangiert, 1870 als Oberstlieutenant zum Chef des Generalstabes des 10. Korps ernannt, 1872 als Oberst mit der Leitung einer Abteilung im Kriegsministerium beauf­tragt. 1877 wurde er zum Generalmajor befördert und erhielt 1878 das Kommando einer Jnsanteric- brigade in Stettin, 1881 das einer Brigade in Berlin. Im Dezember 1882 zum Generallieutenant und Kommandeur der 30. Division in Metz ernannt, wurde er im März 1883 berufen nach Stosch's Rücktritt die Leitung der Admiralität zu übernehmen. Bis 1888, nach dem Tode Kaiser Wilhelm's 1, blieb er an der Spitze derselben; sein Nachfolger wurde der inzwischen verstorbene Graf Monts. Caprivi wurde kommandierender General des 10. Armeekorps; Kaiser Wilhelm II. behandelte den aus­gezeichneten Offizier stets mit besonderer Zuvor­kommenheit.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. März. An der gestrigen mili­tärischen Konferenz bei dem Kaiser nahmen Graf Moltke, sämtliche kommandierenden Generäle, sowie die Inspekteure und Generaladjutanten teil. Heule morgen empfing der Kaiser den Minister von Bötticher und konferierte später mit dem General von Caprivi. Bis gestern abend hatte fich die vom Kaiser als Nachfolger des Fürsten Bismarck ausersehene Persönlichkeit noch nicht schlüssig gemacht. Gerüchtweise verlautet auch von der Ernennung eines Vizekanzlers. Der Herzog von Coburg soll erklärt haben:Wir find zu spät gekommen." Fürst Bismarck erschien gestern mit seinen Hunden in den Nebensälen des Kongreßsaales und unterhielt sich freundlich mit verschiedenen Mitgliedern der Konferenz. DerReichs-Anz." bringt die erwartete Mitteilung nicht, sondern meldet nur, daß der Kaiser heute mit dem Minister von Bötticher, später mit dem General von Caprivi konseriert hat. Nach derNational- Zeilung' ist die Ernennung Caprivis zum Reichs­kanzler und wahrscheinlich auch zum Minister- Präsidenten gewiß. Graf Herbert Bismarck soll durch Herrn von Radowitz oder den Grafen Hatz- feldt ersetzt werden. Der Rücktritt des Grafen Herbert v. Bismarck wird demjenigen seines Vaters unmittelbar folgen. Die Minrster waren gestern

roten Löwen saß und Teun mit schwerer Jagdbeute beladen vorübergeheu sah: .wißt Ihr wohl, woher eS kommt, daß Teun ber Jäger, wenn zwei Hühner ansfliegen, baS eine vor, das andere hinter ihm, doch alle betbe runter schießt?'Nun bavou, baß er ne Doppelflinte hat', würbe ihm geantwortet.

Falsch, Geselle', hatte K,eliS darauf erwidert; davon, daß er ein Doppelmanu ist.' Daher kam eS denn auch, daß Teun ber Jäger niemals über die hindernden Umstände ber vier Elemente Klage führte, denen eine große Anzahl Jäger eS ganz allein zn- fchreibt, wenn fie mtt leeren Taschen nach Hanse kommen unb nicht selten von ben Hasen nnb Red, bühnern große Aufzählungen machen können, bte fie freilich nicht mtibrtngen, bte aber boch, wie fie gewiß fiub, tu bem einen ober anbetn nnaufipürbareu Versteck an ihren Wunbeu nmlommen müssen.

DaS einem Jäger so wohlthueube Knacken seines FltntenhahnS, ber Trank, ber fröhliche Sonnenschein schienen bte Düsterheit beS Jägers Teun zu Der- scheuchen nnb ihn zu ermutigen; ber Umstand, daß er baS Jagbfeld wirklich betreten hatte, regte feinen Geist an. Feldiu sprang munter vor ihm her nnb frag bald gtnng an, bedeutsam mtt ber Schnauze auf bem Beben herum zu schnüffeln.

Da fängt ber Hunb schon an zu arbeiten*, sagte Tenn,bas wirb gut gehen.'

SS währte auch wirklich nicht lange, da sprang ein schüchterner Hase ans.

Zwei Schüsse fielen, ber eine nach bem anbern. Der Hnn schlug an; aber ber Hase blieb unverletzt. »WaS Teufel!' rief Tenn ber Jäger nnb warf feine Flinte nieder. Erstaunt sah er bem Langohr nach, baS nirgends eerrounbet war und, von bem Hnnbe verfolgt, bte Fläche durch flog, bis eS an ber anbern Seite hinter einer Düne verfchwanb, wohin ihm Feldiu auch noch mtt unaufhörlichem kurzem Gebell wütend nachf tzte, aber boch immer bebentenber hinter ihm znrdckdlteb.

Er pfiff ben Hund zurück nnb lnb anfS neue.

bet Herrn von Bötticher bis zum späten Abend versammelt. DiePost' verzeichnet als möglichen Nachfolger Bismarcks auch Miquel. Seit 31/* tthr nachmittags findet in den Räumen des Ab­geordnetenhauses ein Ministerrat unter dem Vorsitze des Ministers von Bötticher statt. Das förmliche schriftliche Entlassungsgesuch des Reichskanzlers ist gestern abend an den Kaiser abgegangen. AuS vorzüglicher Quelle wird folgende zuverlässige Mit­teilung über den Rücktritt des Fürsten Bismarck veröffentlicht:Die Kanzlerkrisis steht allerdings im Zusammenhang mit den Differenzen über die Ar­beiterkonferenz und daS sozialpolitische Programm des Katsers, ist aber erst dadurch akut geworden, daß der Kanzler das Präsidium des Staatsmini- steriumS niederlegen und künftig jeder Minister für sein Reffort allein die Verantwortlichkeit tragen sollte. Gewissermaßen wollte also der Kaiser sein eigener Ministerpräsident werden, oder doch diese Zwischen­stelle künfltg Wegfällen lassen. Der Kanzler sollte über diese Frage, die ihm Mannehmbar schien, bis Montag seinen Bericht einreichen, was jedoch nicht geschah, worauf der Kaiser noch am nämlichen Abend nach dem Berichte durch einen Adjutanten Nachfragen ließ. Die Antwort des Reichskanzlers ging dahin, daß er unmöglich auf das an ihn gestellte Ansinnen eingehen könne, zumal nicht am Ende seiner Minister­zeit; er müsse deshalb um seine Entlassung bitten. Die Entscheidung des Kaisers ist bis zur Stunde (Dienstag abend) noch nicht erfolgt, wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach dahin lauten, daß die Demis­sion angenommen wird. Graf Herbert Bismarck hat seine Entlassung gleichfalls eingereicht und ist ebenfalls entschlossen, seinen Abschied zu nehmen.' Die Ernennung Caprivis zum Reichskanzler soll feststehen. Fürst Bismarck trifft Anstalten zur Ab­reise ; er wird seinen Geburtstag (1. April) bereits in FriedrichSruh verleben. Graf Herbert Bismarck wird einen Botschasterposten erhalten. DieNatio­nal-Zeitung" will aus zuverlässiger Quelle wissen, General Caprivi fei zum Reichskanzler und dem An­scheine nach auch zum preußischen Ministerpräsibenten bestimmt. Graf Bismarck sei entschlossen, mit dem Reichskanzler auszuscheiden; er würde durch den Bot­schafter Radowitz oder Hatzfeldt ersetzt werden.

Vor einiger Zeit wurde verbreitet, der Kaiser habe geäußert: Was die Sszialdemokraten angehe, so werde er mit diesen schon selbst fertig werden. Die Aeußerung lautet nach denHamb. Nachr." anders und zwar:Wenn die Sozialdemokraten nicht schlimmer sind, wie der ist (Putzer Buchholtz),

»Ich wußte eS wohl, daß ich kein Glück haben würde', rief er ans.Nun, 's war ja nur ein Hase. Ruhig Feldiu', damit setzte er seinen Weg fort

»'s war nur ein Hase', sagte Teun ber Jäger, aber waS wollte er denn? Erlaubt, daß ich Euch etwas von Zytje erzähle, so werbet Ihr es begreifen. Ich totil bamit nicht etwa behaupten: Zytje war daS schönste Mädchen von Schoorl; denn ein solcher AuS« sprich sagt ost zu viel, oft aber auch nichts, nnb ist in jebem Falle abgenutzt.

In tausend Erzählungen ist baS Mädchen immer baS schönste ber ganzen Gegend. Aber ganz gewiß war fie ein allerliebstes Kind, zarter und feiner als die meisten Bäuerinnen, das in ber Woche sehr gut das silberne Ohreis n*) missen konnte, mit bem fie sich Sonntags schmückte, nnb boch anmutig anSsah. Sie war ein armeS Waisenkind, aber ber Trost und die Stütze einer alten Großmutter unb eines stummen BrnberS von zehn Jahren. Aus biefen bret Menschen bestaub bie Familie beS Hüttchens unter ben grünen Bäumen. Außer ihrer Großmutter unb bem unglück­liche» Stube hatte Zytje »iemaob so lieb als T-nn den Jäger, nnb wenn fie j-malS baS Herz gehabt hätte, an ben Tob ihrer Mutter zu beuten, so würde fie vielleicht nahe barg» gewesen sei», fich vorznsttlle», daß fie bann die Frau von T uu bem Jäger sein möchte. Wie bie Sachen aber jetzt standen, begnügte fie fich bamit, Teun ben Jäger aus allen Kräften zu necken unb sich von ihm necken zu lassen, aber weiter kam es nicht. Die alte Großmutter te gern zu, wenn ber Jäger scherzte, das stumme Kind war überglücklich, wenn eS ihn kommen sah, ober von ihm lernte, wie eS Vogelschläge von Steinen mache» und darin Spatzen fangen konnte, und Zytje

') Ohreisen, eine brette Spange, die den Kopf hinten nmschließt und sich an den Ohren herunter biegt Sie ist von Silber oder Bold, erbt in der Familie fort und wird in den meisten Provinzen, mit kleinen Abweichungen in Form und Zierraten getragen. Selbst die armen Fischerinnen tragen fie unter ihrer Haube.