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gebrachte dreimalige Hoch ein und erhielt hiernach igierungs-Rat und Vertreter des Regierungs- Herr Geh. Reg.-Rat Steinmetz das Wort zuIPräsidenten, aber ich habe die verschiedensten

und ein Gedanke uns alle verbindet, das ist die Liebe zum Vaterlande, zu rnftrm aller gnädigsten Kaiser und König!

Und um diesen unseren Gefühlen Ausdruck zu geben, stimmen Sie mit mir ein in ein dreifaches Hoch auf unseren geliebten Monarchen, Se. Majestät unser allergnädigster Kaiser und König lebe hoch!!!

Kräftig stimmte die auch von Landwirten ganz besonders stark besuchte Versammlung in das aus-

Frieden im Staatsleben entgegen, welcher die Grundlage aller Volkswohlfahrt ist.

Ja, m. H., dieFriedenspolitik des deutschen Reiches ist es in erster Linie, welche die großen staatserhaltenden Parteien zu stützen »erufen find. Daß wir den Traum der Vaterlandsfreunde aller Zeiten, ein herrlich geeintes Deutsches Reich, erfüllt gesehen jaben, daß uns nach den glorreichen Siegen »ereits 19 Jahre ruhiger friedlicher Ent­wickelung beschieden gewesen sind, wir danken )ies der ebenso kräftigen wie einsichtigen Politik unserer Staatslenker. Freilich sind die Lasten zur Erhaltung unserer Wehrkraft groß; indeffen m. H. in England fallen an Ausgaben für die Landesverteidigung fast 17 Mark auf den Kopf der Bevölkerung, in Frankreich 10 7», in Italien 10'/», in

jüdischen Einflusses auf unser Staatslebeis, und habe keinerlei natürliche Sympathie mit dem spezifischen Judentum. Aber, m. H., ich halte mich als Christ verpflichtet, mich davor zu hüten, daß dieses Gefühl nicht zu feind­seliger Antipathie anwächst; ich vergegen­wärtige mir, daß der unchristliche und un­menschliche Druck, welchem die vergangenen Jahrhunderte hindurch der jüdische Stamm ausgesetzt gewesen ist, eine wesentliche Mit­schuld trägt an der Entwickelung der schlimmen Eigenschaften, mit deren Hülfe die Juden sich dennoch das Leben zu gestalten gesucht und gelernt haben. Ja, m. H., finden sich denn diese Eigenschaften nicht auch bei Christen? Die antisemitische Presse sucht eifrig eklatante Fälle von Uebervorteilung durch Juden auf und wird nicht müde, dieselben mit den grassesten Farben ihren Lesern zu schildern, aber nicht etwa, um den Abscheu vor dem Schlechten zu mehren und ihre Leser vor solchem Thun zu warnen, sondern um den Haß gegen die Juden als die Uebelthäter zu schüren und zu steigern. Ja, m. H., was ist denn das Endziel? Glauben Sie wirk­lich, daß die Juden alle sich aus dem Lande drängen lassen? Würden nicht viele, blos um dem äußerlichen Ruin zu entgehen sich taufen lassen? Und was dann? find sie dann nicht mehr Objekte der Bekämpfung seitens des Antisemitismus? Wenn sie sich innerlich nicht geändert haben, was ist der Grund, daß die Verfolgung aufhört? In welcher Generation soll sie aufhören? Lassen Sie uns, m. H., die als besonders jüdisch hingestellten Eigenschaften auch bei uns selbst bekämpfen, die wir uns nach dem Stifter der milden Religion nennen, wir sind nicht frei davon. Durch Erregung des Rassen­hasses verhindern die. Antisemiten in phari­säischer Weise bei sich und ihrer Partei die eigene Schulderkenntnis und wirken dem

terung zu machen, so muß ich doch sagen, daß die leidenschaftliche und geräuschvolle Kampf­methode gerade der Partei von welcher wir vorwiegend die Bethätigung christlicher Tugenden z. B. der Nächstenliebe erwarten sollten, nicht zu Ehren gereichen kann und uns doppelt mahnen muß, den Wahlkampf bei aller grundsätzlichen Entschiedenheit rein und mit Toleranz gegen die Personen und Rassen zu führen. Auch ich bin, m. H., Antisemit, insofern ich lebhaft wünsche, eS möchten alle Judm im deutschen Reiche zum Evangelium bekehrt werden, auch ich wünsche alle erreichbaren Schutzwehren gegen das Bordrängen

Provinzen kennen gelernt, die Rheinprovinz, welche erst das Jahr 1870 wirklich mit Preußen verschmolzen hat, mit ihrer gewaltigen Industrie und kirchlichen Lebendigkeit, Bran­denburg und Berlin mit seiner centralen Thä- tigkeit, Ostpreußen, dessen dürftigere Verhält- niffe die äußerste Energie der Schifffahrt und Ackerbau treibenden Bevölkerung erfordern, uud endlich Pommern, wo ich als Kurator der 58 Landgüter und 6 Forstbeläufe besitzenden Uni­versität Greifswald, namentlich die gegenwär­tigen Bedürfnisse der Landwirtschaft praktisch kennen gelernt habe. Aus diesen verschiedenen Kreisen amtlicher Thätigkeit und der daran angeschloffenen privaten Teilnahme an des Lebens mannigfaltigen Anforderungen bringe ich Erfahrungen mit, welche ich zum Besten des Vaterlandes und hoffentlich dieses Landes­teiles, wenn ich zur Vertretung im Reichstag berufen werden sollte, zu verwerten den besten Willen hege. Endlich war die Annahme der Kandidatur bei mir auch ein Ergebnis der politischen Ueberzeugung. Ich stehe, meine Herren, auf dem Boden des positiven Christentum- und gehöre der gemäßigt-konser- vativen Richtung an, wie dieselbe in der Par­teibildung der fteikonservativen oder Reichs­partei Ausdruck findet. Wie der Zusammen­schluß der drei staatserhaltenden Parteien der konservativen, freikonservativen und national- liberalen bereit- heilsam für das Vater- land in der Erringung des Septennats sich gezeigt hat so beruht die heutige verstärkte Friedenszuversicht wesentlich auf dem Zusam- menhalten dieser Parteien mit der Regierung während der verflossenen drei Jahre. Ich mußte daher den Entschluß der genannten Parteien, bei der nächsten Reichstagswahl im hiesigen Wahlkreise fest zusammenzustehen, meinerseits freudig begrüßen, und darf aus naheliegenden Gründen hier nur kurz andeu­ten, weshalb ich von meinem Standpuntte aus ne derzeitige Vertretung des hiesigen Wahl­kreises für eine zum Wohle des Vaterlandes

Auch den besten Willen bringe ich der Sache entgegen, und bitte Sie, meine Herren, nicht in mir den vom Leben fernab stehenden, und hinter dem grünen Tisch grau gewordenen altpreußischen Beamten zu sehen. Ich stamme auS einem Landesteil, der noch bis zwanzig Jahre vor meiner Geburt zur Krone Schwe­den gehörte; meine Kindheit fällt in eine Zeit, wo in Neuvorpommern die ältere Gene­ration noch in den alten schwedischen Tradi­tionen lebte, und erst allmählich kam die Ein­gewöhnung in die Verhältnisse des großen rreußischen Staats. So wird eS mir vor anderen leicht, mich einzuleben in die Beson­derheiten des altehrwürdigen hessischen Lan- »esteilS; ich weiß aus Erfahrung, daß man nicht mit Gewalt preußische Gesinnung machen oll, sondern daß Schonung und Pflege der achtungswerten Besonderheiten die Liebe zum ! rößeren Baterlande ganz natürlich zur Folge at, zumal wenn der Gewinn und Auffchwung, en die Verhältnisse des Landes erfahren haben, 0 klar zu Tage liegt, wie in hiesiger Stadt mb ihrer nächsten Umgebung. Dann bin ich reilich durch die preußische Beamtenschule ge­gangen, anfangs als Richter, darauf als Re-

Deutschland nur 9*/i* Mk., etwas weniger nur noch in Rußland (8 V«) und Oesterreich 8 Mk.). Es wäre wohl schön, könnte eine Verminderung stattfinden; damit kann aber elbstredend ohne die allergrößten Gefahren Deutschland allein nicht vorgehen. Und so ange der westliche Nachbar den Groll nicht überwindet, der aus den durch leichtsinnigen Uebermut selbstverschuldeten Niederlagen ent- prungen ist, so lange ein gewisses Unbe­hagen nicht von unseren Ostgrenzen weicht, 0 lange bleibt die durch bewundernswerte Politik unseres Kaisers und Reichskanzlers erreichte feste Einigung des Kerns von Europa der Schutzwall, der aber eine starke

tiven Vereins

im Qutlitinschen Saale am 22. Januar 1890.

Herr Justizrat Dr. Grimm begrüßte zunächst im Auftrage des Vorstandes die verehrten Herren, welche zu der Versammlung erschienen waren und bemerkte, wie er sich freue, so manchen alten Freund wiederzusehen, an dessen Seite er schon öfters einen fröhlichen Wahlkampf bestanden, er heiße aber auch die Herren herzlich willkommen, denen wir seither nicht selten als Gegner gegenübergestanden haben, und fuhr dann fort:

ES ist nicht bloS der gemeinsame Gegner, die soziale-und antisemitische Demokratie, welche unS heute zu gemeinsamem Vorgehen ver­bindet, nein meine Herren, die Zeit hat auch große gemeinsame Grundlagen für unsere politische lieber zeugung geschaffen.

Die letzten zehn Jahre sind reich an Erfolgen auf politischem und sozialem Gebiete gewesen. Die neuen Schöpfungen, welche in ihrem Entstehen Gegenstand lebhafter Kämpfe zwischen der konser­vativen unb > nationalliberalen Partei waren, sie sind jetzt in ben vereinbarten Bestimmungen von Gesetzen niedergelegt und büden so die unS allen gemeinsame Grundlage einer friedlichen Weiteren t Wicklung unseres politischen LebenS.

Denke» Sie an den lebhaften Streit, welchen die Konservativen und Liberalen um den Kulturkampf und seine Beilegung geführt heute ist durch bas Friedensgesetz von 1887 dieser Streitpunkt beseitigt, der Friede zwischen Staat und Kirche hergestellt.

Ich erwähne die lebhaften Kämpfe um die wirtschaftlich«» Zölle und Verbrauchs steuern. Heute-erfreuen wir uns der gesetzlichen Regelung derselben. Die Schutzzölle find in Wirk samkeit, welche unsere Industrie dem Auslande gegenüber leistungsfähig erhalten, die Lant- wirtschast von dem unausbleiblichenUnter- g ang gerettet hat. Die Steife erfreuen sich der großen Einnahmen aus den landwirtschaftlichen Zöllen, die für dieses Jahr 29'/» Millionen betragen.

Sie erinnern sich der großen Mkinungsverschie- denheiten bei Bereinbarung der sozialen Ge­setze der Kranken- und Unfallversicherung, der Alters- und Jnvalidenversorgung heute sind diese großen Einrichtungen in Gesetzen festgelegt und teilweise schon in segensreicher Wirksamkeit.

Und wenn ich noch auf die Gebiete des öffentlichen Lebens Hinweise, auf welche» in wesenlltchem Ein­verständnisse der beiden Parteien große Resul­tate erzielt sind, wenn ich auf die Durchführung der inneren Staatsverwaltung, auf die Grundlage der Selbstverwaltung Hinweise, auf den großartigen Aufschwung unseres Verkehrs­lebens durch das Staatseisenbahnsystem, der Post, die großen Kanalbauten und die überseeische» Dampferlinien, wenn ich schließlich noch unsre erfolgreichen Bestrebungen zur Minderung der Sch ul la st en und Besierung der Stellung der Lehrer gedenke von vielem anderen zu schweigen so werden Sie mir zugeben, m. H , daß es große weite Gebiete des öffentlichen Lebens in Kirche und Schule, auf dem Gebiete der Recht­sprechung und Verwaltung des wirtschaftlichen und kommunalen Lebens find, welche durch weise Gesetze festgelegt und eine gemeinsame Grundlage ftiedlicher Werterentwickelung gewähren.

Ich bin weit entfernt davon anzunehmen, daß die politischen Gegensätze damit aus der Welt ver­schwunden, ich halte das Bestehen liberaler mrd , konservativer Parteien im Jntereffe einer gesunden Entwickelung unseres Volkslebens für notwendig, ober darin hoffe ich auf Ihr Einverständnis, daß der Wettstreit soeben ein mehr friedlicher sein werde

gereichende nicht halten kann. Die großen Fragen, von denen dieses Wohl abhängt, lassen sich, m. H., nicht von den Gesichts- punften eines engen Antisemitismus her lösen und, wenn seine Presse auch mit einigen all­gemeineren wohlklingenden Sätzen wieEr­haltung des deutschen Recht- im deutschen Staate" in seinem Programm aussteht, so hat das den besonderen Zielen gegenüber wohl wenig zu bedeuten. So gern ich anerkenne, daß im gegenwärtigen Wahlkampfe die Presse der hiesigen antisemitischen Partei bisher sich vorsichtig der persönlichen Angriffe gegen mich enthält und sowenig es mir anstehen würde, die mir übrigens ganz unbekannte Person des Gegenkandidaten zum Gegenstände der Erör-

iolgendkr, in ihrem vollen Wortlaute wiedcrgegebenen Rede:

Meine Herren!!

Nachdem die hiesigen 'staatserhaltenden Parteien mir daS ehrenvolle Vertrauen er­wiesen haben, mir die Kandidatur zum nächsten Reichstage für den hiesigen Wahlbezirk anzu- tragen, mußte ich, da ich unter Ihnen noch kein Jahr meinen Wohnsitz habe, es für meine Pflicht halten, die heutige Gelegenheit zu er­greifen, um die Wähler mit Meiner Person und meinen politischen Ansichten näher bekannt zu machen. Denn ich kann, iso sehr ich mich durch daS Vertrauen meiner Mitbürger ge­ehrt fühle, doch die Empfindung nicht loS werden, daß es einer gewissen Rechtfertigung meinerseits dafür bedarf, daß ich als ein dem Wahlkreise verhältnismäßig unbekannter Mann, doch die Kandidatur angenommen habe. Meine Rechtfertigung liegt, meine Herren, zunächst in meinem guten Gewissen, dann in dem den Wählern entgegengebrachten besten Willen und endlich in der Kraft meiner politischen Ueber- zeugung.

Ein gutes Gewissen habe ich, weil ich, beftiedigt in meiner dem Schutze und der Blüthe der so ersichtlich gesegneten Laudesuni­versität gewidmeten Amtsthätigkeit, getragen in derselben sowohl von dem Vertrauen deS vor­gesetzten Minister- wie des Lehrerkollegiums, keinerlei Wunsch und Streben nach der Reichs­tagskandidatur hatte. Im Gegenteil, die Auf­forderung dazu ist mir so unerwartet und über­raschend gekommen, daß es einiger Zeit be­durft hat, bis ich meine schweren und viel­fachen Bedenken niedergekämpft und dann schließ­lich fteilich freudig entschlossen zugesagt habe; denn meine Herren nicht meine Ehre suche ich die Sache kostet mich große Opfer sondern, wenn so viele gute und erprobte Männer mich für den richtigen Vertreter hal­ten, so erweckt solche« Vertrauen mein Selbst­vertrauen und so will ich es denn nicht an mir fehlen lassen, wenn die Stimme deS Wählers mich rufen sollte.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen.Bnreaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV QafilWttfl Stoffe tnFrankfurt a. M., Berlin,München u. Köln: <S. 8. AAf* Daube u. Co. in Frankfurt cu M., Berlin, Hannover, Paris.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und MH. *

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