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Wöchentliche Magen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg mb Kirchhain. Illustriertes Sonulaasblatt.

Expedition: Martt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. «och. 3

M 16.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Ouartal-MonnementS-PreiS bei der Expe- dition 2'/, Mk., bei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 19. Januar 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Saffet, Magdeburg u. Wien: Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. «An: @. g. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

XXV. Jahrgang.

-er «at.

Dir Rede, mit welcher der Herr Finanzminister im Abgeordnetenhause den preußischen StaatshauS- haltSetat überreicht hat, girbt ein durchaus befrie­digendes Bild von unserer Finanzlage. Wenn das Etalsjahr 1887/88 einen Ueberschuß von rund 50 Millionen Mark ergeben hatte, so ergab 1888/89 einen solchen von 68 Millionen Mark und für das laufende EtatSjahr 1889/90 konnte der Finanz­minister einen solchen von 79 bis 80 Millionen Mark in Aussicht nehmen. Man hat sich angesichts dieser Ergebnisse daran zu erinnern, daß noch daS Jahr 1885/86, als letztes der Defizitjahre, mit einem Minus von 12 Millionen abschloß, während 1886/87 zum erstevmale einen Ueberschuß von rund 16 Mill. Mark erbrachte. DaS Jahr 1888/89 hat aber nicht nur für die Staats firianzen einen günstigen Abschluß gebracht, sondern, indem statt im Etat an­genommener 15 Mill. Mark den Kreiskommunalver- bänden nach der lex Hueve 29'/, Mill Mark über­wiesen werden konnten, auch für diese letzteren. Denn selbst im Hinblicke auf solche Ergebnisie der frühere» Jahre der neue Etat mit großer Vorsicht ausgestellt ist, so entspricht das vollkommen den preußischen altbewährten Finanzgrundsätzen. Denn immerhin betragen die Urbrrschüsie für 1888/89 doch nur 5 pCt. der gesammteu Etatsziffer und nur 10 pCt. der Ziffer, welche im Etat der Etsenbahn- verwaltung figuriert. Wenn andererseits eine Reihe gesetzlich festgelegtrr Beschlüffe dem Staate neue Ausgaben dauernd auferlegt haben, wie z. B. die Uebernahme der Witwen- und Waisengeldrrbeiträge der Beamten mit 6 000 000 Mk., für die Lehrer mit 1000 000 Mk., der Zuschuß deS Staates zur Pension der Lehrer mit 4 000 000 Mk., die Zuschüsse zur Besoldung der Lehrer mit 26 000 000 Mark und die Uebernahme von 2000 000 Mk. mehr zur Verbesserung der äußeren Sagt der Geistlichen aller Konfessionen, sodaß diese neuen dauernden Ausgaben zusammen rund 40 Millionen erfordern, so ist die günstige Finanzlage nicht nur geeignet, mit Befrie­digung zurückzublicken, vielmehr muß der Umstand, daß sich bereits Stimmen geltend machen, nach denen der Aufschwung unserer Erwerbsvrrhältniffe seinen Höhepunkt bereits überschritten hätte, auch ohne Schwarzseherei zur Reserve in der Richtung mahnen, mit Steigerung der gesetzlich fixirten dauernden Aus­gaben nicht im gleichen Tempo fortzufahren. Dem­nach wird die Anschauung der Staatsregierung ge­rechtfertigt erscheinen, daß die, wenn auch sehr

günstige Finanzlage dennoch nicht gestaltet, die Bor- sicht für die Zukunft, also auch für daS nächste Etatsjahr, außer Acht zu lassen, mithin dessen ©tat dieser Auffassung entsprechend aufgestellt werden mußte. AlS ein befriedigendes Symptom durfte der Herr Finanzminister besonders hervorheben, wie aus den sehr günstigen Deranlagungszahlm der Einkommen- und Klassensteuer zu folgern sei, daß eine erfreuliche Hebung der persönlichen Steuerkraft im Lande wieder eingetreten ist und daß auch das platte Land an dieser Stärkung der Steuerkraft seinen Anteil habe. Die Wendung zum Besseren, die sich für daS platte Land seit 1886/87 gezeigt, hat nicht nur angehalten, sie hat sich sogar verstärkt. Aber dieses gilt allerdings leider nur vom platten Lande im ganzen genommen. Scheidet man die­jenigen Bezirke aus, welche wesentlich auf die land­wirtschaftliche Produktion angewiesen seien, im Osten der Monarchie, so zeigt sich dort wiederum ein effektiver Rückgang bei der Landwirtschaft. Die Wirkungen der schlechten Ernte und der durch daS Ausland so lange herabgedrückten Getreidepreise machen sich hierin bemerkbar, so daß der Finanzminister gewiß alle Ursache hatte, zur Vorsorge dafür aufzufordern, daß nicht etwa unsere Zollgesetzgebung rückwärts revidiert werde. Ein sehr erfreuliches Bild konnte der Herr Minister auch von den Erfolgen der StaatSschuldenvrrwaltung entwerfen. Währmd die gesamte Staatsschuld sich 1885 auf 5739 Millionen Mark belief, wird sich dieselbe am 1. April *). Js. auf 6319 Millionen beziffern, welche Steigerung indessen ausschließlich auf werbende Zwecke, Eisen­bahn- und Kanalbautm rc. zurückzuführen ist. In dem gleichen Zeitraum ist aber infolge der Konver- tietungen der 4'/»prozentigen Staatspapiere und der Umwandlung der PrioritätSobligattonen der ver­staatlichten Bahnen in KonsolS für den Staat eine Ermäßigung der Zinsenlast von rund 16 Millionen Mark erzielt worden. Jetzt bleibm nur noch 177 Millionen Eisenbahnprioritäten in Umlauf, die ent­weder von vomherein 3'/«prozentig ausgegeben warm oder aus anderen Gründe» von der Umwandlung ausgeschlossen sind, so daß nunmehr beabsichtigt wird, die Vermattung die'eS Restes der Staatsschulden­verwaltung zu übertragen. Damit ist eine zwar wmig geräuschvolle, aber doch sehr große Arbeit beendet, und dieses Ziel ist erreicht wordm, ohne daß jemals der Geldmartt erschüttert oder der KurS der Staatspapiere nachteüigt beeinflußt worden wäre. Dabei wurde mit aller billigen Rücksichtnahme vor­gegangen und ohne daß es nötig gewesen, wie sich

(Nachdruck verboten.)

r-le.

Rowan von Z. von Werth.

(Fortsetzung.)

.Aber ich wußte doch Ette«, der wette Quäle« teilte. Einmal schon hielt ich ben Hahn gespannt, «n meine Kugel in sein Herz zn bohren. Doch ich schmkte ihm da« Lebe« damit er leiben könne.

,Er hat Dich in feinen Armen gehalten, er hat Deine Lippen geküßt aber er ist von starken 8anben gefesselt, daß er bte Hände nicht nach Dir ««strecken kann. Er leidet wie ich. Doch weshalb Hebst Dn ihn, 6a I*

.Ich weiß e« wohl, weil fett Herz zn klein nad schwach, sei« Gefühl jämmerlich matt ist, well er ben R«t nicht hat, sich über ba« zu stellen, was bie Menschen, bie Zeit als sittlich und schicklich saucttonirt haben; well er nicht groß genug denkt, sich selbst und ba« Weib, ba« er liebt, über ba« lächerliche Altherge­brachte zu erhebe«, um bem innersten Gefühl feine« Herzen« nachzulebeu; weil er gedankenlos ben be­inernen, ««getretenen Weg vanbelt, ben fein Vater gegangen nnb auf bem feine Zeitgenosse« in dumpfer Gedankenlosigkeit neben ihm bei trotten."

Er sprach in fieberhafter Erregung, mit fliegendem Atem, nnb bie düsteren Angen hingen mit verzehrender int a« bet schlanken Mädchengestalt drüben. Er »einte da« Beben ihrer bleichen Lippe« z« sehe« nnb cht leise« atmen zu vernehmen.

Doch plötzlich richtete Rose fich hoch auf. Ihr Antlitz war ernst nnb noch immer bleich, aber ans ihren Augen strahlte ein hehrer Stolz, während fie »tt fester klarer Stimme sprach: .Sie haben da« Richtige erlauscht: jener Mann leibet und ich mit ihm. Doch weshalb er leidet va« wissen Sie «von? Weil er neben einem starken, liebenden Hetzen auch eine große, edle Gesinnung, einen scharfen eist hat. Er weiß, baß et bas Leben in allen Sagen «nb Verhältnissen um beherrscht, wen» et feine Gesetze

erfüllt. Et, bet jene Gesetze nicht brauchte, um niemals vom Pfabe be« Recht« abzuitten, lebt denselben nach, nm jener willen, bie zu schwach finb, ohne biefen Wegweiser ihren Weg bmch ba« Beben zu finden. Und sichet, wer fich Übet all ba« stellt, wa« unser Beben regeln nnb schützen soll, bet wird bald unter Sitte und Recht gesunken fein.*

.Doch endlich: jener Mann besitzt so Intel Mut, ben schwersten aller Siege, bet täglich von neuem erfochten werben muß, bavon zu tragen, ben Sieg Übet sich selbst. Er hat mutig ben Kampf aus­genommen und hat e« vermocht, da« schwache Mädchen, bem er fein Herz zu eigen gegeben, auf bie gleiche, reine Höhe zu erheben, auf bet fein Geist steht, daß le jetzt, fern von ihm, ihr einzig Glück bartn findet, für ihn zu beten, selbstlos zu wirken nnb feiner narbiger zu werden bis einst Gott selbst da« ErlösungSwort spricht."

Al« fie nun bie Augen auf ben Mann vor ihr entte, veränderte fich der fromme Ausdruck ihres Gestchte» und um bie Lippen zuckte e« verächtlich.

,We« aber einst bie ErlösuugSstunde schlagen sollte, daun totrb Sott nicht halben, daß bie Hand eine« Mörders fein Gnadenwerk zerstöre. Und bet Mann selbst, er wird bie Kugel im Lauf Ihrer Waffe nicht fürchten."

Stolz, wie sie gesprochen, w«bte fie sich jetzt mb schritt erhobenen Haupte? ben Weg zurück, ben ie gekommen.

.Et wirb fie nicht fürchten", schallte e« ihr mit höhnischem Lache« nach, .aber Du, Rose, Du wirst eS thuu. Die Herrin von Sttahleneck totrb erzittern »et feinem Brautkuß, ba fie fein Schicksal voran«, ehen kann."

Rose schritt, ohne bmch eine Bewegung zu ver­raten, baß fie bte Worte ve. stauben, vorwärts. Al« fie Benno« Blicken entschtombeu wat, preßte fie bie Hänbe auf ba« pochende H.tz mb sagte mit blut- eeren Lippen: .Die Zeit totrb niemals kommen, tt bet ich vor seiner Kugel bangen müßte."

der Herr Minister ausdrückte, irgend einem Ver­mittler die Hand zu drücken, geschweige zu vergolden. Dem großen Vertrauen, womit bie Lanbesvertretung si irrer Zeit bie Ordnung dieser Angelegenheit in die Hand des FinanzministerS gelegt, hat derselbe unzweifelhaft voll und ganz dmch deren Ab Wickelung entsprochen. Wenn in dem jetzt vor­gelegten Etat Beamtenbesoldungsverbesserungen nur in dem auch in anderen Jahren üblichen Um­fang vorgesehen sind und fich die Staatsregierung Vorbehalten hat, für bie in ber Thronrede ange­kündigte allgemeine Aufbesserung ber Besol­dungen namentlich der toteren Beamten zunächst sich der Zustimmung des Landtags zu versichern, so liegt darin eine gewiß bemerkenswerte Rücksicht auf den anderen gesetzgeberischen Faktor. Die Mittel für diesen Zweck sind ja in den zur außerordentlichen Schuldentilgung auSgeworfenen 18 Millionen Mark vorhanden finb, unb wenn nach erfolgtet Verständi­gung mit dem Landtage aus diesem Reservoir die erforderlichen Fonds bmch einen Nachttagsetat ent­nommen werden sollen, so trägt dieses Verfahren in dem als sicher anzunehmenden Entgegenkommen des Landtages unb in bem Vorhanbensett ber al8 bis« ponibel nachgewiesenen Mittel gute Bürgschaften deS Gelingens in sich unb entspricht dasselbe gewiß auch der Vorsicht, mit welcher auch eine günstige Finanz­lage stets zu beurteilen ist, soweit dauernde neue Verpflichtungen für die Zukunft eingegangen wer­den sollen.

Xti*.

®erlin, 17. Januar. In ber gestern unter dem Vorsitz deS Vize-Präsidenten deS StaatS- MinistermmS, Staatssekretärs des Innern Dr. von Bötticher abgehaltene» Plenarsitzung erteilte ber Bundesrat bem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lolhringe» zur Ausführung bes Gesetzes, betteffend ben Schutz von Vögett, vom 22. März 1888 bie Zustimmung. Bon ber Zusammenstellung ber Ge­schäfte bes Bundesamts für daS Heimatwesen int Geschäftsjahr 1888/89 nahm bie Versammlung Kennt­nis, erklärte sich mit ber bereits erfolgten lieber« Weisung beS Gesetzentwurfs für Elsaß - Lothringen, betreffenb die Zwangserziehung, an bie Ausschüsse für Justizwesen und für Elsaß - Lothringen einver­standen und beschloß bie Vorlage, betreffend bie Er­gänzung bes ReichshauShaltS - Etats für 1890/91, bem Ausschuß für Rechnungswesen zur Vor­beratung zu übergeben. Der Eingabe eines Eisenbahn - StattonSvorsteherS a. D., betreffenb die

xvn.

Schwere Gewitterwolke» hatten ben Himmel um- düstert unb jene brütende Schwüle über ben dunklen regungslosen Spiegel beS See'S nab feine grünen, bergigen Ufer gebreitet, welche alle lebenben Ge. schöpfe ermattet unb erschlafft. Enblich hatte fich ber £>immel oufgeflärt mb zu jener schwülen Luft hatte sich noch bie stechende Hitze ber Sonnenstrahlen ge. sellt, nm bie Atmosphäre fast unerträglich zu machen.

Signora Paccttini bestieg ihre Barke nnb nahm seufzenb unter bem schützenden Lettwanddach Platz. Sie versuchte vergeben«, fich bmch ben großen Fächer öou bunkleu Trappenfedern der Konsul hatte den Vogel einmell selbst erlegt - ein wenig Kühlung zu- zufächeln. Enblich legte fie ihn tolebet zusammen mb sagte: .Ja, wenn mir der Giovanni nicht so viel Sorge machte, mit feinem trüben Gesicht nnb feiner Manie für bie Einsamkeit, bann säße ich jetzt längst in Sranbüubten, hoch oben tat kühle» Davos mb brauchte nicht unter dieser entsetzlichen Hitze zu leiden." . 3 der Billa Löben angekommen, fragte fie nach bem Konsul mb erhielt ben Bescheid, er habe vor tarier Zeit einen Spaziergang in bie Berge an» getreten»

Signora Chiara streckte fich beshalb in bem kühlen 3lmmer auf eine Chaiselongue, bie Rückkehr ihres »ruber« zu erwarten. Es dauerte nicht lange, so I? ** Morpheus fich ihrer erbarmt mb fie tu kühlsten Schluchten ber Schweizer Berge versetzt. Währeub besten stieg Johannes in bte bergige ffialbetafamfrit empor. Auf ber Brücke, bie nahe bem Wasserfall über bie schmale Sa lucht führte, in » £ das Master braufenb unb rauschend

frtaen Weg zu Thal suchte, fich in ben See zu er« glefieu, wo auf einem vorspringenden Stein Rose vor wenigen Monaten ttänmeud gesessen, stmb er still. Er lehnte fich über dar Geländer, nm bte erquickende Kühle, welche vom Wasser herüberwehte, eiuznattneu und bie kleinen, kalten Tropfen, welche ber Luftzug mit fich führte, auf seine heiße Stirn fallen zu laste«.

Anrechnung eines Gehaltsteils bei Festsetzung seiner Pension, beschloß der Bundesrat eine Folge nicht zu geben. Endlich wurde über die Wiederbesetzung einer Mitgliedstelle bei dem Bundesamt für da« Heimatwesen Beschluß gefaßt. Die Budgetkom- Mission deS Reichstages beriet heute bie Anträge v. Ow, Richter-Baumbach unb Kalle, betteffend bie Verbesserung ber Lage bet unteren Beamten, lehnte diese Anttäge nach längerer Debatte ab und nahm einen Antrag Huene an, welcher dahin lautet: Der Reichskanzler wolle 1) spätestens in der nächsten Session einen Nachttagsetat vorlegen, demzufolge bereits für 1890/91 eine angemeffene einmalige Er­höhung ber Bezüge ber unteren unb mittleren Be­amten eintrete; 2) demnächst eine dauernde Aus­besserung der Bezüge dieser Beamten vom EtatSjahr 1891/92 ab herbeisühren. Reichstagsabgeord­neter Geh. Kommerzienrat Ziegler in Dessau, Mit­glied der nationalliberalen Partei, ist gestorben. Freiherr v. Frankenstein hatte zwar eine unruhige Nacht, aber Fieber und Husten haben sich im Laufe deS Tages vermindert und die Entzündung hat fich nicht weiter gesteigert. In London und hier ein» getroffene Depeschen aus Petersburg melden aber­mals AttentatSgerüchte. Ein Gardeoberst, Bajekow, soll fich erschossen haben, zahlreiche Offiziere und Beamte sollen verhaftet fein. Uebet die Teilnahme des Reichskanzlers an den ReichStagsverhandlunge» während der nächsten Woche steht noch nichts fest. Die Erkrankung des Papstes wird hier bestätigt. Der »Post" zufolge hättt der Reichskanzler Ver­anlassung genommen, nachstehende von ihm unter dem 2. Dezember 1881 erlassene Verfügung in Er­innerung zu bringen:Mehrere der Herren, welche Aktenstücke an mich einreichen, schreiben ihren Namen so, daß die Unterschrift zwar Ihnen selbst al« Aus­druck desselben gelten kann, für Andere indessen unverständlich bleibt. ES ist dies absolut »nzuläsfig, und eine deutliche Unterschrift nicht allein au8 Pflichten bes Amtes, sonbern schon auS beiten ber Höflichkeit notwendig. Auch abgesehen von meiner Person hat jedermann, welcher eine amtliche Zuschrift erhält, das Recht, den darunter befindlichen Namen mühelos unb ohne Zuhülfenahme des StaatShand- buchs außer Zweifel zu stelle». ES wirb mir uner­wünscht sein, wenn ich genötigt werbe, einzelne Herren besonberS unb persönlich auf diese Der- pflichttmg aufmerksam zu machen; ich werde aber dazu schreiten, sobald mir wieder Veranlassung ge­boten werden sollte. Ich stelle die dienstliche Forde­rung, daß jeder Beamte seinen Namen so schreibt,

Sein Antlitz war bleich, mb feine bnrchgeistigte» Züge »och ernster al« fonst. Da« liebe, verschönenbe Lächeln war ans diesem Gestcht ein seltener Gast ge- worben, feit fein HanS beiübet

Nach jenem Tage an welchem er Rose anf feinen Armen in bie Billa getragen, hatte er fie nnr noch einmal gesehen. Sie schlief. Signora Paccintai hatte für kurze Zett da« Zimmer be« jungen Mädchen« verlassen. Da war er an ihr Lager ge» treten nnb hatte lange in süßer Versunkenheit in bie lieblichen Züge geschaut Leise hatte er einen Segen«» spr-ch gemurmelt mb einen innigen Kuß auf ihr braune« Lockenhaar gebrückt So hatte er Abschied genommen von seiner letzten, Lebenshoffnung.

Dam war er gegangen und ruhelos umhergereist. In ben ersten Tagen be« Mai war er zurückgekehrt. Am Morgen vorher hatte Rose sein Hm« verlassen nnb am nächsten Tage übergab er seine beiben Töchter einet schweizer ErziehungS-Anstalt, in welcher auch Rose ein Jahr zugebracht

Seitbem führte er ein einsame« Leben mb in feinem Hetzen brannte vetzehteube Sehnsucht nach bem Glück, ba« eine Fata Morgan« ihm vorgesptegett nm ihm da« ganze ®enb seine« gefesselten Beben« klar zu zeigen. Aber kein Wort kam über bie fest- grschloffeuen Lippen, ba« verraten hätte, wie e« in feinem Herzen aussah. Nur bte Augen schienen ihren sonnigen Glanz verloren zu haben mb seine unschönen Züge schienen fast versteinert in ihrem strengen Emst. Wem fein Herz einmal gar zu heftig pochte bet einer Erinnerung an glückliche Momente, bam kreuzte er bte Arme über bet Brust nnb zwang e« zur Ruhe. Nur wenn er allein war, in tiefster Einsamkeit wie eben jetzt, bann löste fich wohl bie starre Ruhe und ein »usbruck bet Trauet milberte bie strengen Linien h* blEtze« während eine unsagbar süß schmerz

d® ^e« Verlangen an« feinen Auge« blitzte.

(Fortsetzung folgt)