Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain. — Illustriertes Sonntaasblatt.
Expedition: Markt NI. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch. "
JH 14.
(Nachdruck verboten.)
Berlin, 15. Jan. In Gemäßheit der Allerhöchsten Verordnung vom 30. Dezember v. I. fand heute mittag im Weißen Saale des König!. Schlosses die feierliche Eröffnung des Landtages der Monarchie statt. Ter derselbe» vorangegangene Gottesdienst begann für die evangelischen Mitglieder des Landtages um 11 Uhr im Dome, wo der Hof- und Dowprediger Schrader die Predigt über Römer 12, B. 7—9: .Hat jemand ein Amt" hielt; für die katholischen Mitglieder um 11V* Uhr in ter St. Hedwigskirche, in welcher der Propst D. Jahnel unter Assistenz zweier Geistlichen eine Segensandacht abhielt. Nach Beendigung der kirchlichen Feier nahmen die Mitglieder des Landtages in dem mittleren, dem verhüllten Throne gegenüber belegenen Teile deS Weißen Saales Ausstellung. Für die Mitglieder des diplomatischen Korps war die Tribüne an der Kapellenseile des Weißen Saales bereit gehalten. Sobald die Ausstellung vollendet war, erschienen die Staatsminister unter Vortritt des Bize-Präsidenten des Staats-Ministeriums, Staats- Minister Dr. von Bötticher, und stellten sich links vom Throne auf. Der Bize-Präsident des Staats- Ministeriums verlas hierauf die nachstehende Rede:
.Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages:
Se. Majestät der Kaiser und König haben mir den Auftrag zu erteilen geruht, den Landtag der Monarchie zu begrüßen und auch an die'» Stelle Allerhöchstseinem Danke für die mannigfachen Beweise der Ergebenheit und Treue Ausdruck zu geben, welche Sr. Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin in verschiedenen Provinzen neuerdings entgegengebracht sind. Se. Majestät halten Sich versichert, daß die tiefe Trauer, in welche Aller- höchstdieselben und das Königliche Hans durch das Hinscheiden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Augusta versetzt worden sind, im ganzen Lande mitempfinden und daß das Andenken an die hohe Frau und an ihre segensreiche Thätigkeit auf dem Gebiete der-Nächstenliebe im Gedächtnis des Volkes fortleben wird. Die Finanzlage deS Staats ist nach dem Abschluß deS letzten und den bisherigen Ergebnissen deS laufenden Rechnungsjahres wiederum eine günstige. Die über die Voranschläge hinausgehenden Einnahmen wichtiger Verwaltungszweige sind indessen in gleicher Höhe für die nächsten Jahre nicht zu erwarten, während eine Verminderung des Ausgabebedarfs fast nirgends, ein weiteres notwendiges Wachsen desselben dagegen an zahlreichen
Roman von I. von Werth.
(Fortsetzung.)
,Ah, da» freut mich! Ich danke Ihnen", rie Rose. .So werde ich hente schon anSreiten könne».'
„Der Herr Predig» ist da »ud möchte dem gnädigen Freistäuleta seine Aufwartung machen', meldete Ignaz.
.Ich lasse bitten.'
Gleich darauf tret ein junger Mann mit ernstem, Reichem Anttitz ein.
Rose sah ihm einen Augenblick forschend in das Gesicht.
.Wie, Herr Hartung, Sie?' ries Sie dann er- staunt. .Wahrhaftig, das ist eine steudige Ueber- raschung, Sie hier im Amte zu finden.'
Er wurde noch um einen Schatten bleicher, als er ihre Hände ergriff. Er litß ste gleich wieder frei und bemühte sich, feiner Stimme einen heitern Klang in geben, als er erwiderte: .Noch fehlt mir die Bestätigung meiner Patronatsherrin, der ein .Grüß Gott' entgegenzurnfe» ich jetzt gekommen bin.'
Er »ahm ihr gegenüber Platz, lehnte dankend ab. a» ihrem Frühstück Zeil zu nehmen and sprach von seinem vorjährigen Aufenthalt ans dem Schlosse, von seiner Schwester, die kürzlich die Frau eines Arztes iu Süddevtschland geworden, von seiner kurze» Stellung in der Residenz und seinem Wirken in der Dorfgemeinde.
Während er fpiodi, sackte er in den Zögen des jungen Mädchens zu l,siv. — Als er dann auf der Dorfstraße wieder seinem ephennwravtteu Pfarrhanfe iuschritt, sagte er immer wieder vor sich hin: .Sie ist nicht glücklich.' Und fein Herz zuckte schmerzlich Wsammeu.
Rose hatte ihre ruhelose Wanderung durch da» Hans wieder anfgeuomwe». Sie ging umher, als lache ste etwa». Hätte Jemand ste danach gefragt,
Stellen in Aussicht steht. Schon für das nächste I
Jahr wirdeme erhebliche Steigerung des Matr.kular gleichzeitig zur Srkbtgung gebracht werden können, ge^geng^reten »eib? S» SoraTföTbi beitrages für das Reich Vorzusehen sein. Die Gunst Eine entsprechende Vorlage wird vorbereitet. Um fahrt der arbeitenden
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welche zwar erfreuliche und wertvolle Anfänge zu fähigkeit des Staatseisenbahnnetzes 7ur SSfi- V3'./ Fürsorge m
der erstrebten allgemeinen Erhöhung der Dienst- fassnng zugehen. Die vorMrt e ErnteTb Ä F?9'? bet
einnahmen bilden, hinter dem Bedürfnis, namentlich! mehreren Landesteilen eine unaünstiae aewefen I fein einer mehr dafür, daß das Bewußt- der unteren und mittleren Stellen ab» wesentlich I Dank der Förderung welche d"e Ällemricktun!en I «ZX b,e ^t» in
zuruckbleibe». Die Regierung hält sich deshalb ver-1 des Reiches der vaterländischen Landwirtschaft VI Vereinsackuna der werde. Zur
schaftlichen Gewerbes. Der Entwurf deS Staats-1 eigentum zu erwnben und sich seßhaft iu madien IherhurAhir Beseitigung
Haushalts-Etats für das Jahr vom 1. April 1890/91 mehr als bisher zu erleichtern. Es wird Ihnen Verbeer^nae? ^^,?°^eigeftihrten
werd Ihnen alsbald zur verfassungsmäßigen Be- deshalb ein Gesetzentwurf zugehen durch toekficn I Rur^reuhe (Sr Deukschrrst zugehen.
K“!ma-me bot9eIe9t toerben- Der Vertrag vom für den Erwerb landwirtschaftlicher Grundstücke das Md tae Beziebuuaen XutESE
10. Mai 1833, durch welchen die Verwaltung der Rechtsinstitut der Rentengüier einaefübrt werden I Sen iX "!* 8" bL" a±*ar”
Zölle und gemeinschaftlichen Steunn im Gebiete deslsoll. Das erfreuliche Bild 9 welches der Ausickwema I f^rr<>n^a@r. 9ute- Meine
thüringischen Zoll- und Handelsvereins geregelt ist,Ides Handels und der Gewerbthätiakeit im Laufe!^>K Ss/h.^^f^ö'ebtStch der Zuversicht hin, entspricht nicht mehr den vielfach veränderten Ver- des lchten Jahr« bn g.b^ bem Ee X “5 7 b” ®effion' *«
hältnissen. Es ist daher am 20. Novemb» v. I. durch die arteüerQuEe toetoe naEtE be: Iher Zusammenwirkens mit
zwischen den Bevollmächtigten der Bereinsstaaten I Steinkohlenbezirken in großem Umfange unter Nickt-! Möble« nnh ßlek V Zur Förd»u»g des
ein neuer Vertrag vereinbart worden, welcher die innehaltung der gesetzlichen MndchmaSsiffSund^trtl-1$rxbe!9erei$en roer&<n Fortsetzung der bisherigen Gemeinschaft in besserer weise nicht ohne Gewaltthätigkeiten stattgefunden haben Herzog von Rattbor K
We.se sichern soll. Der Vertrag wird zur ver- ES hat Se. Majestät den Ka.ser und Känia S.Ib°8 ^od) QUL@e' Majestät faffungsmäßige» Zustimmung torgelegt werden. DerI Befriedigung erfüllt, daß die Arbeitgeber vielfach sammluna beSistertS^seE bic Se,ä
für di, «oris, S-,si°» in *01, »it Surü«,L,», Kfa1 llÄ __
enttourf welch» die bisherige Klaffe», und Ein- wesen find, begründeten Beschwerden der Bergarbeit» kommensteuer m eine einheitliche Einkommensteuer Abhülfe zu schaffen und selbst weitaebevden =tnr
umzugestalten und weitere Reformen auf dem Gebiete 6erringen derselben entgegenzukommen Se Maststät Frbr v ft” Relchstagsabgeordnete
der direkten Steuern vorzubereiten bestimmt war, halten Sich danach zu berErwarturabereckOat I ? 9°^" o6mb plötzlich
s°9te die bestehende Grund- und Gebäudesteuer daß fernere Versuch/ zur Störung der Eintracht die Lunae erart^n Se b^,^uenza, welche auch zunächst unberührt lassen. Im Landtage vorweg zwischen den Grubenbesitzern und den Bergarbeitern!preußischen Älafimlotterie s,r ® r°$e 8°S ber geführte Verhandlungen ließen jedoch erkennen, daß la» dem gesunden Sinn der Bevölkerung rol* Klassen lotter ,e fiel auf Nummer 95 887.
°uf die seit geraumer Zeit beabsichtigte Ueberweisung und daß dst für 6k 8efamt^ ^aftänbme hT £k0U* ®onfi6ar * e”e
bon Grund- und Gebäudesteuer an die Kommunal- minder wie für den Bestand der Industrie aesäbr- Verständiau'na Mer v>"gb5'b^^loren fördernde vnbände der größere Wert gelegt und deren unmittel-1 lichen Unterbrechungen wirtschaftlich» Tbätwkeit I ©ultnn hnni™n£ b 3‘’flpa$tut,8 zwischen dem bare Verwirklichung in erster Linie erstrebt wurde. I fortan unterbleiben werden Die 9,1 L ,,5n Önnc®.an«b?t Un„ bem Bevollmächtigten der
Die Regierung Sr. Majestät des Kaisers und Königs I eine eingehende Untersnckuna der von h?« ° ostafrikanischen Gesellschaft, Vohsen, »zielt
hat daraus Beranlossung genommen, den Rahmen arbeitern »hobenen Beschwerden und Forderungen Resuttat'mit argß»° af^aft bE9^ßt das
der Vorlage d»gestatt zu »weitern, daß beide An- hat vornehmen lassen, roenbet biefer I Genugthuung
gelegenhetten — die Reform der Einkommensteuer gesetzt ihre Aufmerksamkeit zu Ander»sests bat sie vativen und ^E'"^^verschiebenheiten der Konser- und di, Uebcrwrtsung von n. .» „4..,' »a6 jfc ggg5
ÄUti'Ä'ÄJ Marburo, teüE >■ ------
h Freitag, 17. Januar 1890. ™ Jahrgang.
=^=—2=^—=- " 12? »auoe u. e.o. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
famme». Sie sahen sich verständnisvoll an. Jgua,Ischias hält.' 9 ihre» Mittags-1gehalten md dadurch doch nichts daran indem
flüsterte: .So bleich hat sie früh» nicht ausgesehen.' I Rose hatte ihren Arm nm bie Rre»nMit I t A.ö eI Entsetzliches erlebt in den
.So schweigsam nnd numhig ist ste auch nicht nnd geleitete fr fo?^ßeloHe^ ^ftab.
gewesen', entgegnete Louison. I weißen Vorhang zurück welck» der be,” 3$ dranche Zeit }nm Uebet»inben und eine freund.
Der nächtliche ruhelose Spuk schien bei Rose bie Ä?ef?nle! 61,1 ««
auch a« Tage fortbanern zu wollen. Sie fühlte, Mutterstolz flüsterte ste bran:"©ich nnrS?9 ift « b"teu: laß wich bei Dtt
ste mußte fich gewaltsam losreise». Sie kliugelte,! ste nicht ein süßes bolbea ifi I bleibe», für einige Tage nur, bi» ich mich ein wenig
befahl, baß Miß Sarah gesattelt »erbe Lb Iß Haralds blaj 1 ÄÄJNJi et"0eIebt ** Ich kannsttz?
sich °°u Louisou ba» Rettkleib überwerfe». Ihre Haut ist so weich wie Sm ? M »tragen.'
Dann sprengte fie, nachdem ste dem Tier fteuub-1 kleine Hände und Füße hat ste.' ' SS?. b “t? x a“? ,kD' tott f<8n, Vie
Ikb beu gluujenben ©als gestreichelt, von Hau» bemj Rose stimmte flüsternd ein tu das Lob »nb fieinK. 1 er^h-a” J®1*,®itb JÖ«alb fich freuen, wem,
Reitknecht gefolgt, üb» deu Hof. ließ ben Vorhaus wieder nieder Dan» SrÄ CTX€obalb l°ff-u wir Dich aber nicht
Als Rose nach einem langen Ritt ihr Pferb vor bie Hände, w2e das Gefickt und d?e S?» Iitb<6 H^rz. Du wirst uns sehr
dem Portal zu WtlberSbach anhielt, berichtete ei»I lichtlosen Augen »ach oben nnd sarte- Q ImäfIeK ^onr“? bem Schönen, was D» Diener, Herr von Kahden fei abwesend, aber die I herziger Gott wenn ich fie nur *1 ^9°’ | umß doch schon, sehr faiön fein, so iu
gnädige Frau hatte fich im Garten auf. Rose sprang l kömte.' etn '^g-S Mal sehen! die liebe SotteSwell hinaus zu fahr« uud all di-
vorn Pferde, warf bem Reitknecht bie Zügel zu, nahm I Sie verließen leike den sRnh.n»» , Wunder der Natur anzustauueu.' die lange Schleppe üb» den Arm und folgte dem dem Tisch zurück an welchem Heloffe Vorbe/Äesien" emffinrt6““ n 9ef?ro<6en- Nu» fahr ste tief Diener durch das Haus tu den Garten. I Roke wo etnen n.S« e Mt9er ßefeffen.lernüfort: „Und doch, wie gern würde ick bie Siemen
.Melden Sie mich. Frau ton flauen möchte .D»° hast mtt noch nickt «S“ ^S HanseS niemals überfchrette?, wenn ich dM
sonst über mein plötzliches Kommen erschrecken', sagte .ob Du Dich nicht von He»!u9so ?eckt^lücktt^äÜ» aW»8 ^aI b°s«»tlitz meines Kindes schen dürste. Rose nnd blieb stehe», einige Blüten von ein?m mieber in der Men SeW ' ’ ”* fühlst Das ist meta einige» Gebet.-
Strauche zu pflücke». Roseoeiate ihrePHm nnf ht. p.„„k Das Geräusch kräftiger Schritte klang iu ihre
.Rose, Rose, wo bist Du?'hörte ste gleich daraus I,Nein, Heloise nickt olücklick rauft nn » ?^^audi». I letzten Worte. .Das ist Harald', rief bie junge H-loisenS Stimme nnb eilte schnell ben Weg herab, geworden in Strahlen!^ DaS^stnd tackt «ehrV fe» ^ubi0w“Kb twcknete hastig eine verräterische Dann standen fie fest umschlungen. Zinn»», ta benei 16 all SfiÄa «M?e6rr W,.nt Do® 0n0e- ®1 durste nicht wissen, daß ihr
„Nun bist Du wieder daheim«, rief bie junge Es ist alles nen nnWalt mH? SnbiA8eL?L •“ ®I9cfe ör°n£e8 Genüge ward. °Der Frau entzückt. .Fühlst Du dich nicht glücklich?» »och einen Raum ftabe der gebltebm'iS K be0t8i*e freudig. Dann küßte er
Rose beantwortete ihre Frage nicht. Sie nahm l stüb» gekannt und aeiieht 8nt.a hl» »1fet” junges Weib und fragte nack dem Kinde, deu Kopf der Freundin zwischen beide Händen nnb sagteh alten Eriunerun^n "au taückttche^a? und wirck^ 'hen “fJrÄ Pavillons einen
Du vm mtiTÄf warVch rat KkbS, ?e-^^Hetat'st strich lauft 9mi7^d» H°an?^über°RoseS | m ftnden^^ Egeu S«der°L^ Mld«'rb!ch