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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für dir Kreise Marburg uud Kirchhain. Illustriertes Sountagsblatt.

Expedition: Markt 81. Redaktion, Druck uud «erlog Mm Zoh. Lag. Koch.

M 6.

Erscheint.' täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-Preir bei der Expe­dition 2*/4 Mk., »ei den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.

Marburg,

Mittwoch, 8. Januar 1890

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasensttin und Bögler in Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt e. TL, Berlin, München u. Köln: S. L Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

XXV. Jahrgang.

Sämtliche Postanstalten, wie auf dem Lande die Postboten nehmen noch BesteLmgen auf das L Quartal der vberhesfische« Zeitung mit ihren Gratisbeilagen

Krei-dlatt fite dir Kreise Marburg mrd Kirchhai« und

Ill«Kkiertes Ssnulagsblait

entgegen.

Die erschienenen Rr«. und der W«ttb- rmd Schreibkalenver für 1890 werden auf Verlangen nachgeliefert.

In Kirchhain nimmt unsere Agentur (Herr Buchbinder Rindt) Bestellungen ent­gegen, ebenso in hiesiger Stadt unsere Zeitungsträger und unsere Expedition.

Druischlands Handel mit -rm Ans lande.

Die Reichsregierung hat vor kurzem die amtliche Ueberficht über Deutschlands Handel mit dem Aus­lande im Jahre 1888 herausgegeben. Diese Statistik bietet sehr interessante Resultate, wenngleich sie, der Natur der Sache gemäß, nicht recht erschöpfend sein kann. Manches wird auS- und eingeführt, was nicht in den Zolllisten figuriert, doch geben die Ziffern immerhin ein annäherndes Bild de» deutschen Han­delsverkehrs. Nehmen wir zunächst daS Verhältnis Deutschland» zu den eueopäi^en Großstaaten. Viel­fach wird angenommen, infolge der gespannten poli­tischen Verhältnisse seien die wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland und Frankreich aus Null gesunken. DaS ist aber durchaus nicht so. Nach den amtlichen Angaben erhielten wir aus Frankreich für 216 Millionen Waren und führten für 220 Millionen Mark dorthin auS, ein sehr hübscher Geschäftsverkehr also, der sich in dem ruhigen Jahre 1889 noch wesentlich erhöht haben dürfte. Sehr schlecht ist hingegen der Berkehr mit Rußland, eine Folge der überaus hohen Zölle im Zarenreiche. Wir erhielten auS Rußland für 455 Millionen Mark Waren und führten noch nicht einmal für den halben Betrag dorthin aus, nämlich nur für knapp 200 Millionen. Wie bei Rußland spielt die Getreideeinfuhr nach Deutschland auch bei

(Nachdruck verboten.)

K-fe.

Roman von I. von Werth.

(Fortsetzung.)

Je tiefer der Abend berabsank. desto »ehr steigerte sich die Fieberhitze. Rose saß mit angsterfüllten Blicken und gequälte« Herze» « de» Krankenbett, jeden Laut, jede Bewegung beobachtend. Bisweilen bewegten sich ihre blaffen Lippen; e» war wie zu einem unterdrückten Angstschrei.

Endlich, endlich zeigte die Uhr Mitternacht und bald darauf hörte Rose den Doktor im Nebenzimmer, wo Clemrnto einer Befehles harrend wachte. Sie rührte fich nicht von ihrem Platz und begrüßte den Arzt nur mit leisem Sopsnetaeu. Er ttat au bei Lett und beobachtete lauge Zeit den Kranken, der j.tzt mit wett offenen Augen tu den Kiffen lag und biSwetteu heftig gestikulierte und nnzusawweuhäugende Worte anSstieß. Seine Augen waren starr auf den Arzt gerichtet, aber mit so leere« Blick, daß «an wußte, et sah ihn nicht.

Al» Signor Tatuttt fich endlich uwwaudte, ent­gegnete er auf die angstvolle Frage, die er in RoseS Augen laS: .Wir müssen abwarten.* Dawit zog er einen Stuhl au das Lager und ließ fich darauf nieder.

Rose hatte die Hände fo fest in einander ver- schlnngen, al» brauche fie olle Kraft, fich standhaft aufrecht zu erhalten. Der Arzt hielt tu der einen Hand die Nhr, die Finger der anderen hotte et au den Puls deS Kranken gelegt. So saßen fie un­endlich lange Minuten. Eine starre Ruhe hatte fich allmählich wieder der Kranken bemächtigt und nur die kurzen, ungleichmäßigen Atemzüge zeigten, daß noch Leben in ihm war. Endlich schloffen fich die starren Augen, die Atemzüge wurden langsam regel­mäßiger und tiefer er schlief.

Doktor Eattnti steckte die Uhr wieder ein und flüsterte Rose zu: .Hören Sie jetzt aus, die «rprei

Oesterreich - Ungarn eine bedeutende Rolle; wir er­hielten auS Oesterreich - Ungarn für 454 Millionen Mark Ware und sandten dorthin nur für 320 Millionen. Recht günstig sielt fich da­gegen der Verkehr mit England, wenn wir in Be­tracht ziehen, daß manche englische Industrie vor der unserigen einen jahrelangen Borsprnng hat. Wir empfingen au» Großbritannien für 498 Millionen Mark Waren und führten für 481 Millionen dort­hin au». Roch bester werden muß die Verbindung mit Italien, daS unS für 111 Millionen lieferte, aber nur für 84 Millionen empfing. Ein prächtiges Absatzgebiet für uns ist die kleine Schweiz, wohin wir jährlich für 163 Millionen senden, auch Däne­mark uud Schweden-Norwegen find gute Felder für uns, sie beanspruchten für über 130 Millionen. Der Verkehr nach Spanien und Portugal ist gegen früher stark gesunken, er beträgt nur noch 33 Mill. Mark. Biel geschehen kann und muß noch im Orient. Die gesamten Balkanstaaten, Rumänien, Griechenland und die Türkei erhalten zusammen nur für 45 Millionen. Die österreichische und besonders auch die ftanzöfische Konkurrenz sind hier noch recht stark, Griechenland besonder- ist fast ganz in ftan- zösischen Händen. Ein flottes Absatzgebiet find für unS die vereinigten Staaten von Nordamerika ge­blieben, die von un» für 236 Millionen erhielten, während wir nur für 158 Millionen von dort be­zogen. DaS übrige Amerika erhielt im ganzen für rund 110 Millionen. Ganz Asien erhielt von unS noch nicht 40 Millionen. Hier wirkt die englische, französische und russische Konkurrenz stark ein, in- desten ist bei China und Japan doch ein vielver­sprechender Anfang gemacht. Afrika erhielt für 10 Millionen, aber hier besteht «ine große Lücke, da im Berichtsjahre Hamburg, welches besonders stark nach Afrika Handel treibt, noch Zollausschluß war. Die deutschen Zollausschlüffe Hamburg, Bremen rc. be­zogen 1888 auS dem übrigen Deutschland für 808 Millionen Mark Waren und ein ganz erheblicher Teil dieser Waren ist dann sicher weiter nach ver- chiedenen Ländern exportiert worden.

Wie aus der Zusammenstellung sich ergiebt, haben die deutschen Produkte in allen großen Industrie­ländern, selbst in dem uns so wenig geneigten Frank­reich einen recht hübschen Absatz. Der Kaufmann khrt fich im allgemeinen wenig, so lange es ihm möglich ist, an die Politik, sondern kaust da, wo er die beste Ware für dm billigsten Preis erzielt. Bedauerlich ist nur, daß die deutsche Ware sich so tarke Umtaufen gefallen lassen muß. Wir sehm

z» verabreichen. Ich denke, der Schlaf wird einige Stunden dauern. Morgen früh bin ich wieder hier. Ich denke sagen zu dürfen, fein Leben wird nnS er» hatten bleiben, nur fürchte ich* Er brach ab und wandte fich nm. Da legte fich eine kalte, zitternde Hand auf die seine nnd Rose fragte: ,WaS sürchten Sie?*

Er wich ihre« Blick ans and erwiderte in leisem, aber fast heftige« Tone: .DaS Fieber hat fein Gehirn ungeheuer angegriffen. @6 wäre möglich, daß fein Verstand gelitten hätte.* Die Hand war von feine« Ar« geglitten und Davor Eatntti verließ, ohne fich nwznblicken, das Krankenzimmer.

Rose war zurückgetaumelt bei feinen letzten Worten. Jetzt brach st« lautlos zusammen. Ihre stummen Lippen zitterten, «in leise» Beben lief durch ihren Körper, während die schlanken Finger fich vawpfhaft fist in einander verschlangen. In ihrem Herzen aber schrie eS zu Gott empor: .Nur dar nicht, nur dar nicht! Dann lieber den Tod!*

Stunden auf Stunden vergingen, aber fie wußte eS nicht. Sie lag noch immer auf den Knieen und ihre Seele rang i« Gebete nist Gott in tiefster In­brunst nm den freien', varen, vaftvollen Geist de» Manner dort ans dem Krankenlager. Die Dämmerung meldete den kommenden Tag, die Sonne ging auf. Während draußen ihre erfreu Strahlen über die Baumvoueu zitterten, öffneten fich auch die Augen bis Kranken, der junge Tag und etukWteder- fchetu de» sonnigen Glanze» draußen brach auS ihnen hervor, während fie fich ans die knirende Mädchengefralt richteten.

Al» Rose fich bald daraus erhob unb leisen Schritte» an da» Krankenlager trat, begrüßte fie mit frohem Herzschlage ba» wehmütig glückliche Lächeln ans Johanne»' Antlitz gleich einer unttüglicheu, frohen Verheißung. Und wieder vergingen Stunden, für den kranken in ruhigem Schlaf, für die Andern in hoffender, bangender Erwartung. Endlich, endlich schlug er die Augen auf und schaute mtt vetfräuduiS-

das besonder» bei der Ausfuhr nach Australien, die im ganzen nur 12 Millionen betrug. In Wahrheit werden sehr viele deutsche Artikel in Australim ab gesetzt, ober fie werden von englischen Agentm al» englische Fabrikate geliefert und den deutschen Fabri kanten gehen die sehr erheblichm Prozente verloren, welche der Zwischenhändler für sich beansprucht. Aehnlich liegen die Dinge in Asien und im Orient und damit wird bewiesen, daß die deutsche Industrie sortgesetzt alle Kraft einsetzen muß, um zum direkten Vertriebe ihrer Artikel zu kommen. Die gesamte deutsche Ausfuhr beträgt etwa viertausend Millionen Mark im Jahr. Zehn Prozent mindestens, also vierhundert Millionen, gehen aber dabei al» Pro­vision für fremde Kommissionäre und Zwischenhändler verloren. Wozu? Warum sollen wir nicht ebenso gut direkt liefern können, wie Engländer und Fran­zosen? Allerdings find unS die Engländer in industrieller Beziehung Jahre lang voraus und wir haben trotzdem ihnen wie den Franzosen viel abge­nommen. Aber es kann noch mehr geschehen, wenn nur die Hände gerührt werden. Und diese werden gerührt werden müssen. Die Pariser Weltausstellung ist für die französische Industrie eine kostbare Re­klame gewesen, ist doch selbst nach Deutschland die ftanzöfische Ausfuhr erheblich gestiegen, im ganzen südlichen Europa, Asien, Amerika und Australien hat Frankreich neue Absatzquellen fich erobert. Ob der Absatz dauernd fein wird, bleibt abzuwarten. Jn- drffen Deutschland kann fich nicht auf sein Glück allein verlaffen; wir werden bald, sehr bald sogar dahin kommen, einzusehen, daß auch wir der ganzen zivilisierten Welt eine Schaustellung der Stiftungen der deutschen Industrie bieten müssen. Ein triviales Geschäft-wort, das aber sehr wahr ist, sagt: Klappern gehört zum Handwerk!" Da» paßt auch auf den gesamten Geschäftsverkehr eine- großen Lande-; wir arbeiten stramm, aber wir zeigen dem Auslande noch nicht genug, und darin muß eS anders werden.

Deutsches Keich.

Verlm, 6. Jan. Die Kaiserin Augusta hatte infolge des gestern Abend wieder eingetretenen Fiebers eine unruhige Nacht ohne erquickenden Schlaf. Der KrankheitSverlaus ist indessen dem Charatter der Influenza entsprecheud; die Kräfte erhalten sich noch aus ausreichender Höhe. Wie dieNordd. Allg. Ztg." vernimmt, wurde von dem Reichskanzler eine Aeußerung des preußischen Staatsministeriums über die weitere Behandlung der Angelegenheit des vollem Blick iu ba» liebe Gesicht bei jungen Mädchens, da» er, durch all die schrecklichen Fieberttäume hin. durch, über fich gebeugt gesehen. Eine namenlose Schwäche hatte ihn überwältigt. Er tonnte nicht fragen, weshalb bet Arzt an seinem Lager stand und so forschend seinen PnlSschlag zähtt«. Er lächelte nur, um dann die Augen von Neuem zu schließen. Aber er hörte ganz deutlich, wie Rose leise und dankerfüllt die Worte deS Arzte» wiederholle: .Er ist gerettet!'

Nun kamen die Tage der RekonvaleScenz, wo dem Genesenden die Erde doppelt schön, die Sonne doppelt golden und da» Leben so köstlich, so be. gehrenSwert erscheint. Bon welch liebevoller Sorgfalt war er auch umgeben. Rose wußte ihm jeden Wunsch an den Augen ckzuseheu. Nicht», war ihm eine Be. qnemlichkett gewähren, eine Freude beretten konnte, fehtte. Sie dachte an alles, fie sorgte für alle». Und Johanne»? Er hatte unwillkürlich seine Zett» etnteilnng darnach gemacht: Stunden, in denen Rose um ihn war, wo et ihre liebe Stimme hören, sie sehen durste, und Stunden, während welcher fie ihm fernblieb, in denen et nut von ihr träumen, an fie denken konnte. In solchen einsamen Stunden, wenn nur ein Dienet in Vorzimmer auf den Ton seiner Klingel wartete, dann ließ et da» ganze wohlige Gefühl der beseligenden Gewißheit ihrer Liebe auf fich wirken und träumte, wie er diese süße, junge Blume an seinem Herzen hegen wolle, wenn et erst feine volle Kraft wiedergewonuen. Er berttefte fich immer mehr in die ganze Seligkett diese» ZnkunstS. bilde», et träumte.

Da legte Clements einen Brief vor ihn hin. Johanne» öffnete ihn, noch immer ba» traumhafte Lächeln auf den Lippen. Plötzlich erbleichte er. ES mar einet der Briefe, welche regelmäßig alle vierzehn Tage an» F. eintrafett. Ihm war, al» höre er feine Fesseln klirren und fühle schmerzhaften Druck der Handschellen. Wo waten nun feine glänzenden Luft­schlösser und all feine erträumten Seligkeiten?

Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm L gefordert. Die .Naiionalzeitung" schreibt: In der Presse wird bezüglich de- Sozialistengesetzes unter Be­nutzung der Thatsache, daß Sachsen und Hamburg besonders lebhaft für die Ausweisungsbefugnisse ein» treten, eine angebliche Meinungsverschiedenheit zwischen dem Reichskanzler und dem Minister Herrsurth 1ombintrt, indem ersterer den gedachten Regierungen iiUftünme, letzterer nicht; infolge dessen sei die Stellung Herrsurths erschüttert. Wir halten diese Angaben für völlig grundlos. Kaiser Wilhelm jat bekanntlich am Neujahrstage im großen Licht- jose des Zeughauses der Paroleaukgabe für die Generalität und die Osfizierkorps der Berliner Gar­nison persönlich beigewohnt. Der Kaiser hat dabei an die Versammelten eine kurze militärische Ansprache gerichtet, über deren Inhalt einem hiesigen Blatte zufolge nachträglich folgendes bekannt wird. Nach­dem der Kaiser daraus hingewiesen hatte, daß die Armee in jeder Minute bereit sein müsse zur Ver­teidigung des Vaterlandes, fuhr derselbe fort, daß zwar alle Mächte und allen Mächten voran Deutsch­land ernstlich darnach trachteten, der Wett bit Seg­nungen de» Frieden- zu erhalten. DaS entbinde aber daS Heer nicht von seiner Pflicht, jederzett ertig und bereit zu sein, um an die Grenze zu eilen. Die besondere Pflicht bet Generäle und Offiziere fei es, ;biefe8 StetSfertigsein vorzubereiten. Jetzt namentlich gelte eS, sich in die Neuformationen und in die durch das neue kleinkalibrige Gewehr und daS rauchlose Pulver bedingten Aenderuugen einzuleben und die Soldaten zu möglichster Selbst- tändigktit zu erziehen. Er erwarte, daß die Gene­räle und Offiziere das Ihrige thäten, damit dies alles in dem beginnenden Jahre zu gutem Ende gelange. Bei dem kaiserlichen Paar findet morgen abend 6 Uhr da» herkömmliche Botschafterdiner statt, wozu gegen vierzig Einladungen ergangen find. Die Frau Fürstin BiSmarck ist, dem »Hamb. Korr," zufolge, an der Influenza, heftig erkrankt. Professor Schwenninger ist nach Friedrichsruh hinberufen. Ge- jeirnrath Rottenburg ist aus Anlaß seiner Erkrankung an der Influenza nach Berlin zurückgekehrt. In Halle a. S. und in Posen bleiben wegen Zunahme >er Erkrankungen an Influenza sämmtliche Schulen vorläufig bis zum 13. Januar geschlossen. Das Gleiche wird auS Luzern gemeldet. Ja Nord­amerika und in Mexiko greift die Epidemie immer mehr um sich. Im Entwurf des preußischen Staatshaushalte- für 1890/91 ist nach der Köln. Ztg. auch eine Verbesserung der Gehälter der Gen-

Die Genesung des Konsul» machte gute Fort- schrttte. Der Arzt wat zuftieden uud erlaubte, baßer jetzt die Nachmittagsstunden im Garten zubringe, wo unter dem warmen Sonnenschein ein frische», fröh­liche» Keimen und Sprossen erwachte. Rose leistete ihm bann meist Gesellschaft, während die beiden kleinen Mädchen bei dem Professor ihre Mufikstunden nahmen und Signora Pacciuini eine Spazierfahrt machte. Johanne» saß bann Rose gegenüber in einem bequemen Lehnstuhl, in der schattigen Dämmerung be» kleinen Pavillon». Draußen auf dem Sietoege der den Hügel hinauf zum Eingang führte, lag goldiger, warmer Sonnenschein, und jenseits desselben stand ein hohe» dichtes Gebüsch von RHendem Rothdoru, die Zugluft und neugierige Blick von bem Innern be» Pavillons zugleich abhaltend.

Rose blicke in ba» ernste Gesicht bei Konsul», baS noch so deutlich die Sputen der kaum überwundenen Krankheit trug. Ohne daß fie e» wußte, traten ihr bei diese« Anblick große Thräneu in die Augen.

Bitte*, wandte er fich zu ihr,vollen Sie wohl so gut sein, «ft einmal diesen Abschnitt votzulesen?* Dabei bezeichnete et eine Stelle in bem Buche, dar aufgeschlageu auf seinen Knie en lag.

»Gern*, erwiderte fie und trat zu ihm. Als fie fich nieberbeugte, ba» Buch zu nehmen, hob er saust ihr Gesicht empor und fah ihr in die thräneufeuchten Augen.

»Sie müssen nicht weinen*, sagte er leise. .Thräneu in Ihren Augen thun mir weh.* Dann nahm et ihr Köpfchen zoischen beide Hände und drücke einen leisen Kuß aus ihre Stirn: .Liede, liebe Rose.*

Sie nah« da» Luch und la», aber ihre Stimme zitterte, ihre Gedanken waren nicht bei dem, wo» ihre Lippen sprachen. Sie verlor Mtotilen die Zelle und stockte. Endlich legte fie da» Buch ans den Tisch und stammelte: .Verzeihen Sie, ich kann jetzt nicht.* Sie hatte die Augen niedergeschlagen, tiefe Röte auf den Wangen.

So saßen fie eine Welle schweigend einander gegen-