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btt Prozesse üäme selbstverständlich tut v»x der Zn irhme der Belridig»»ge», besoxdrr» ix der sozial
einem Bortragr gesagt habe: »Das Wort Vaterland, dar Ihr ixt Munde führt, hat keinen Zander für uns, ist für «ns ein überwundener Standpunkt, ein reaktionärer, kulturfeindlicher Begriff/ 63 sei aller Grob vorhanden, gegen die Sozialdemokratie Vorzüge Heu; venu übe: dak Gebühren der Sozialdemokraten im letzten Sommer an bestimmter Stelle Aeußerogen der Entrüstung gefallen seien, so mären diese Aeußer- ungen berechtigt, und er, Redner, »erbe sich hüten, de» Rathe der Abg. Bebel zu folgen und die be treffende Stelle abzuhelte», ihrer Entrüstung auch künftig kräftigen ÄHlbrai zn geben. Abg. Freiherr von Manteuffel (kons.): Die Berwetthog von Prioatbriefen, in deren Lefitz »an auf dunkle Art gekommen, sei manständig, aber »olle «an sie benutzen, so solle »an es thu«. Die bloße Drohung sei lächerlich, also heranS mit den Briefen. Abg. Liebknecht (sozd.): Sr habe iu seine» Bortrage da« Wort „Baierhab* nicht in dem Sinne gemeint, mir e« die Sozialdemokraten verstehen, sonder» da« Vaterland Hammersteix's; die Briefe »ärex ix anständiger »eise erworben und würden, wen» nöthig, rückhaltrlo» gebraucht werde». (Zuruf: Heraus damit!) Nach weitere« kurzen Bemerkungen der Abgg. Bebel, v. Stum«, Singer nxb Bielhabe» wurde die Debatte geschlosse» und einzelne Theile des Stets der Budgetkommtsfion zur Borberaihung überwiese».
Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr: Unlauterer Wettbewerb, Erwerbs- und »irthschastsgenoffenschastrn.
eventualis 1) Der dolus eventualis sei ein alter juristischer Schnldbegriff, dessen Anwendung nicht zu umgehen sei. (Abg. Liebknecht: Da« glaube» Sie ja selber »icht.) ®l feie« zweierlei Majestärs- beleidtgunge» z» unterscheide»: einerseits unüberlegte »nd übereilte — ob bei diesen käme» sehr viele Begodigungen vor — andererseits mir größte: Vor- ficht und in der bestimmte n Absicht der Beleidigung «»«gesprochene Aenßerungen. Hier fei es die besondere Pflicht, aufmnksa» zu prüfen. Wir hätte» i» Deutsch' land keine tendenziöse Justiz, und die Behörde» würde» sich durch die gege» sie gerichtete» Angriffe nicht abhalte» lassen, ihre Pflicht gewiffe»haft zu erfüllen. (Bize Präsident Spahn rügt nachttäglich de» Zuruf deS Abg. Liebknecht al, unschicklich.) «bg.«euschner(Reichrp ) tritt für den BimetalliSmu» ein, durch den der Bolts- Wohlstand gehoben werde» könne. Abg. Bebel (sozd.) bemerkt, »an habe die Sozialdemokratie in rücksichtsloser Weise zur Selbsthilfe pronozirt. (Zurnf von rechts: U»verschä»tl Präsident Freiherr v. Buol rügt den Zuruf.) Die Staatsanwälte hätten zweierlei Ohren: wenn Sozialdemokraten sich gegen die Gesetze vergingen, so würde» sie verhaftet, die Verbrecher aus obere» Streife», wie Hammerßei», ließe »an unbehelligt. Hoffentlich würbe» aber die Konservative» be« sozialdemokratische» Antrag, bitt, die MajestätSbeleidiguxgex unterstütze«, »eil gewiffe Briefe Vorhände» seien, welche Majestätsbeleidigunge» enthielten. (Znruf: Heraus damit I) Er selbst habe sie nicht, es fei ihm dies aber von zuverlässiger Seite «itgetheilt worden. Ma« sorge dafür, baß bie Provokationen nicht mehr vorkommen, so »erde »an sich über bie Sozialdexokratie nicht wegen MajestätS> beleidigusge» zu beklage» habe». Preußischer Justiz- Minister Schönstedt betont, es wider!preche den Thatsache», wenn behauptet werde, daß die sozial- demokratische Presse ihre Ausschreitungen nur in der Abwehr »dm Angriffen begehe. Jene Aenßerungen von allerhöchster Stelle seien ja erst »ach vorher gegangene» Aeußeruuge» des „Vorwärts* erfolgt. Man müsse bei de» ix Rede stehenden Strafthaten den alten juristische» Grundsatz beobachte»: Wenn zwei dasselbe thu», so ist es nicht dasselbe. Die Sozialdemokratie müsse es sich gefalle» lasse», daß mau darauf zurückgehe, was da« Ziel ihrer Be strebungeu sei. Bet be« Falle Hammerstei» sei die Staatsanweltschast eingeschritte», sobald sie iu glaub. Hafter Weise vo» de» Strafthaten des «»geschuldigte» Ae»ntniß hatte. Reichska»zler Fürst zu Hohe« lohe stellt gegenüber den gestrigen Bemängelungen des Abg. Bebel fest, daß der Abg. Liebknecht in
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bewährten Einrichtungen in Heffen »öglichst an, die Wünsche des Pro»i»zialla»dtageS hättenBerückfit tigung gesunde«. Recht ei«gehe»d beleuchtete der Herr Redner die Frage der Herabsetzung des Zinsfußes der Staatspapiere vo» 4% auf 31/: °/o dem Wege der Konvertirog, die er mit durchschlagende» Gründe» al« eixe Schwächung de« nationale» Wohlstandes herbeiführend und zur Börse ausschlegend erfolgreich bekämpfte. Scharf ob einbringlich warnte Herr von Poppexheim vor be« Fortschreite» auf be» Wege der Kanalisationen, die eine völlige Verschiebung der GrweibSverhältxiffe i» Gefolge zu habe» drohte», hierbei auch de» Nutze» der Fuldaka»alisatio» skeptisch betrachtend. Boll und ganz betonte der Herr Abgeordnete bei diese» Gegenstand die große Nothlage der LaudwKthschaftauch i» Weste» ob bere» besonderen Interessen, die in »ocher Hinsicht, z. B. in Bezug auf Staffeltarife nxd Identitätsnachweis mit denen de» ostelbischen Ostens nicht übereinstimmten. Große» Gewicht legte Herr von Pappenhei« ferner auf baldige» Erlaß ei»e« Schulgesetzes, a» dessen Spitz; da» „mit Gott' »icht zu bergeffe» fei ob erklärte sich gege» Loslösung einzelner Materien, wie eine» Schul- besoldogrgesetze» au» de» R«h«e« be» Ganze», so sehr be» Lehrer» eixe Verbesserung ihrer Lage auch pl gönnen fei. E» fei erste ob ernste Pflicht, daß Alle» gethan würbe, uw unsere Kinder zu christlichen Mitbürger» herauzuziehen.
• Merlin, 12. Dez. (Tagesbericht.) Se. Majestät der Kaiser hörte heute die Vorträge de» Kriegsministers und be» Chefs de« Militär kaoineis und empfing sodann in besonderer Audienz den neuernannten englischen Botschafter Sir Frank Lacelle» behufs Entgegennahme be« Beglaubigungsschreiben«. Der Audienz wohnte der Staatssekretär de« Auswärtigen Amt« ». Marschall bei Unmittelbar darauf wurde dem Botschafter die Ehre de« Empfanges bei der Kaiserin zu Theil. Der Kaiser »flog später noch mit dem Minister des Königlichen Hause« v. Wedel, dem Obrrstallmeißer Grafen Wedel und dem Hofbaurath Ihne Be- raihungen. — Von den 30 Mitgliedern des Norddeutschen Reichstags, welche unter Führung oe« PräsiLernen Simson im Dezember 1870 in Versailles die sog. Karseradresse überreichten, fins, nach der „Germania', nur folgende noch am Leben: Herz v Ujest, Fürst Pleß, v. Arnim-Kröchlendorf (Bismarck'« Schwager), Frhr. v Romberg, , Diest (früher Regierungspräsident von Meist bürg), v. Hagemeist (früher Oberpräfident von Westfalen), v. Salze und Lichtenau, Graf Hompesch. Der
f N»rli», 12. Dezbr. («. Sitzung.) Der »ti^ltag beendigte heute bie erste Lesung be» Ht a t S. Es spräche» zumeist die Rebner der kleinere» «Kttiex. Abg. Zimmer««»» (dtschsoz. Refp.) «eint, baß die Gesetzgebog nur das mobile Aapttxl gb die Arbeiter berücksichtige, der Mittelstanb aber «he leer auS. Der Börsengesetzentwurf befriedige jh, nicht, und ebenso halte er die gege« die Sozial- zrwottatte eingeschlagexe Polttik für fehlerhaft. Abg Hanßmaxx (sübd. Bolksp.) betont, daß die Haupt- «beit bezüglich be» bürgerliche« «esrtzb«ch» nicht im Pleuum, sonder» i» der Kommission getha» werde» ,iffe, spricht sich ferner für eine Herabfetzuug des Marineetat» sowie für eine Bekämpfung der Kolonial- Politik au«, wobei er die Amtsführung be» ix »x- klagezustaxd versetzte« AffefforS Wehlau keitifirt, xxb »e«bet sich gege« bie «estrige« Ausführungen bei preußischen Krtegsmixister», bet eine« Ton ange- schlage« habe, durch be« der gute Gesch«ack be« Houses degradirt würde. (Vizepräsident Spahn rügt diese Bemerkung all parlamentarisch unzulässig.) Der Redner bespricht be« Wechsel im preußischen Staatsministerin«, hält bie gegen bie Sozialdemokratie «gewandte Politik für unrichtig, bedauert die große Zahl vo« MajestätSbeleibigungrprozessen, findet den
Zeitxxgex einmüthig ihrer Snttüstung Ausdruck ge. gebe* hätte«. Da fei e» die Aufgabe der Jasti, gewesen, einzufchreite» ob tiefe Lendeuz fände die große Mehrhett des Volkes richtig. (Zuruf: dolus
Deutsches Reich.
□ Kassel, 11. Dez. (Konservative Ser lamm lang.) Zu den gestern nur ganz kurz skizzirten Axssührunge« del Herr» Fr eiher r x »ox P appex- hei» über die Thätizkeit de» Landtag» sei heute och Folgende» uachgettagex. Der genannte Herr betonte, wie mit den kleine« Mittel« allem der Laxdwttthschaft »icht zu helfe« fei, wie vielmehr die Regieru«g mit alle» Mitteln i» ei» energischeres Fahrwaffer getrieben werde» müffe. Gleichmäßigere Lertheilog der Laste» und Rücksicht auf die schon schwer belastete Laudwttihschaft fei mit allem Nachdruck zu erstrebe«. Unter diesem Gesichtspunkte fei da« Siempelstenergesetz, ebenso dal Jagdschein gesetz zubetrachtex. ObbieLaxdwirthschaftl- kam«er», die durch Gesetz eingerichtet, das leiste» würde», was man erwarte, hänge vo» de» Kammern selbst ab. Die Kreis- »ab Kommuualord- nu»g fürHessen-Nassau, welche all bald zur Vorlage gelange» würbe, knöpfe an die bestehende»
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Sr'cheÄ täglich atn an Sttktag« nach Smr» xx$ LUM» .
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tSgrtch frisch, loldt
|«ite Regierung mit eine» echt liberale« Programm, dal de« allgemeine« DolkSwillen entspräche. Der Staatsmixtster Frhr. v. Marschall bedauert, daß der »orrebner gege» be« Assessor Wehlau so
Wöchentliche Beilage«; Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
! ***ftfiÄ'iiSfS'gSSSBÄÄ? * Jllnstrirtes Sonntagsblatt. SS$6e^iM>Mtbtt^eb<^a: *10^11* W?Vsrmttt^S^ *
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[7315 Sorwxrf ei»er tendenziöse» Justiz nicht ogerecht, fertigt ob wünscht schließlich ei»e einheitliche ob
Lnzsixm uimn-t «ntgegen di, Expedition dirse» Blatt«, iosi, di, Amwucm-Bnttanr vo« Haasmstein n. Bogltt iu VW Frankfxrt a. SR., Lassä, Ragdebur» xnb Wim; Rudolf 2ULÄ. Steift in Fraukfntt e. R., Berlin, Münch« «. Köln; <8.8.
Daxb, n. 6e. iu FraMert e. M., Berlin Hannover, Pari«.
„ , s^ch«rf «theile, roch btv»r dal Gericht bei llrtheil
wwvwfcl iber ihn gefällt habe; er, Redner, haste selbst die »«klage gegen Wehla« erhoben, er lehne aber jede [UutJ fc$t«xft ab, so Icnje da» Gericht «icht gesprochen . [705» efrbe. Preußischer J«tzizmixister Schöxstebt findet irexla-ek e» unverständlich, wie max bie straffere Axwexdxxg B der Gesetze für gleichbedextend ansehex könne mit tendenziöser Rechtspflege. Die bedaxerliche Thatsache - der Znxahme an Majestätlbeleidigxxglproz-ssex werbe »,u Niemande« schmerzreicher empfuxdex, als vox den
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[729» her.
Margarethe.
Original-Roman vo« M. Widdern.
(Nachdruck verbot«.)
(Fortsetzung.)
rüge
[«834 »IT, !g2.
nagen . [728» »ranchter hr«xk.
Margarethe konnte darin nimmer einen Trost finden und da« Einzige, roc« sie wenigsten« in etwa« schadlo« hielt für all diese« Ungemach, war die wahrhaft schwärmerische Zuneigung ihrer jungen Luswärterin — und so nahm sie denn da« kleine brave Mädchen au« dem Volke mit wirklicher Siebe an« Herz, unterwies sie in Allem, war gut und schön, und suchte durch manche kleine Ueberraschung dem Kinde zu vergelten, war er ihr an Siebe und Hingebung gab.
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»einfaf),an verschiedene der renomwirteüen Placement« bureaux gewendet — man hatte sie überall mit
vielen Hoffnungen vertröstet, ihr Name war in
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sehr geschäftsmäßig — und sie sollte einem baldigen Bescheide entgegensehen. Dabei blieb es auch — nur bei der Hoffnung — und eines Tages — es war schon Herbst geworden — sah sich Margarethe verzweifelnd — dem Nicht« gegenüber — ihre Schatulle war beinahe leer. Jetzt galt e« also, keine Minute« länger warte» und arbeiten, wenn
Talente besaß — von ihren Ettern mit unendlichen Opfern eixe außerordentliche Schulbildung erhalten hatte — »nd so ging sie m Geschäft z» Geschäft
Margarethe gedacht, sich ihren Sebeniunterhatt z» erwerben. Sie m»ßte z» vergessen suchen, daß sie
»rwche. l-hxuxi (7816
S.d.M.
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t Rose» vielen Hoffnungen vertröstet, ihr Name war in xb zu» großen Bücher notirt worden — sehr wichtig und
1 B ® So verging die Zeit, Tag reihte sich an Tag, Woche an Woche, Neonat an Monat, Margarethe hatte sich, da sie die Nutzlosigkeit de« Jnferiren«
9eauch nicht in dem Sinne, »eie e« die Nachbarinnen verstanden, so doch in ganz anderer Weise, al« »gatt«fr# — — - - * * *•
und suchte sich Aufträge in Handarbeiten zu verschaffen. Gott sei Dank, wenigstens d e« gelang ihr und nun saß sie Tag für Tag — o, nicht blo« den Tag, sondern auch bi« in die Nächte hinein, bei dm mühevollen Stickereien, um fich wenigstens dm Sebenruxterhalt zu erwerben, aber die Sachen wurden so schlecht bezahlt, die arme Margarethe mußte oft hungrig zu Bette gehen — und dann — ja, »a« war's nur, daß sie oft die Arbeit au« der Hand legen mußte? Sie rieb sich die Augen — Die seinen Fäden im zarten Tüllgeweste, aus dem sie Blumen und Blätter schuf, verwirrtm sich ihr, kleine blinkende Sterne tanzten vor ihren Blickm und dann — Gott im Himmel und nun lag e» Grau in Grau vor ihren Lugen, sie konnte reiben, so viel sie wollte, gewaltsam die Lider aut einander halten — Alle» um sie her war (Brau in Grau.
Lr war der Morgen vor dem Christfest, Lieschen Braun scheuerte, ein lustige« Liedchen trällernd, bie hübschen Geräthschaften in Madame« Küche — da« liebe, schöne Weihnachttfest mußte ja Alle« blitzblank findm. Trotz allem Eifer lauschte sie aber doch hin und wieder nach der Zimmerthüre hin Madame pflegte doch sonst mit ihr zu sprechen, während sie an ihre« ewigen Tüllschleier stickte — wie tarn’« mir, daß sie heute so still war? Aber horch, wa« war dal? Da« kleine Mädchm hatte »en Wo floppen aus der Hand gelegt, mit dem sie dis jetzt hanttrt hatte und mit wenigen Schritten stand sie nun im Gemach — Margarethe lag am Bodm, bleich »nd starr.
Eixe» Moment war das Kind wie erstarrt, dann abte stieß sie einen gellenden Schrei au« und auf ben Korridor hinausstürzend, rief fie die Nachbarn herbei: »Meine Madame ist tobt, «eine
Madame ist tobt!' jammerte sie dabei und die Frauen mußten sie erst energisch zur Ruhe ver- weisen, ehe sie endlich das laute Samentiren aufgab, um nur leise vor sich hin zu meinen. Es war schier ein Unglück, daß Frau Braun noch nicht zu Hause, denn nun drängte sich Alles in das Stübchen der „Prinzessin', wie man spöttelnd die kleine Fran mit dem weißen Gesichtchen nannte, sie hatten ja auch schon lange danach gestrebt, sich einmal nach Herzenslust umzusehen in der eleganten Woh- nung, von der man im ganzen Hause wie von einem Märchenreich sprach — na, aber so fein hatten sie sich'« doch nicht gedacht — da» war ja hier beinahe sündhaft prächtig' und auch die grauen vermeinten — ganz, wie e« Lieschen gedacht — schöner könnte e» auch nicht bei der Frau Kaiserin sein. Erst, al« sie ihre Neugierde vollständig befriedigt, mit ihren groben sauberen Händen Alle« betastet und traxirt hatten, gingen sie daran, die kleine leblose Person, die im Besitze solcher Reichthümcr war, oom Boden aufzuheben, man rieb ibr die Stirn mit Wasser, aber als sie trotz aller Bemühungeu doch noch immer nicht zum Bewußtsein kommen wollte, sagte eine» der Weiber mit rohem Lachen: „Gießt der feinen Puppe d«h einen tüchtigen Nordhäuser in den Hal«!' Der Vorschlag wurde acceptirt, Lieschen nach der nächsten Destillation ge- schickt, um da» Ltben»elixir herbeizuholen.
Und wirklich, kaum hatte man da» scharfe Ge- tränk an die Lippen der Ohnmächtigen gebracht, so hob ein tiefer Seufzer die arme Brust, und bann öffneten sich die großen blauen Augen — ober sie sahen nicht licht und glanzvoll, e» war ein leerer, trostloser Blick, mit dem sie zu ihrer Umgebung in die Höhe starrten. „Wal geht um mich vor?' flüsterten bie blaffen Lippen — es klang wie traum
verloren. Dann aber fuhr sich bas arme junge Weib mit beiden Händen an ben Kops, und den Oberkörper gewaltsam aufrichtend, gellte e« in den höchsten Tönen menschenmöglicher Verzweiflung durch da» Gemach: „Ich bin blind.'
E« giebt Menschen, und leider sind sie nicht vereinzelt ba, von denen man sagen könnte, sie sind wie zum Elend prädestinirt — und zu diesen Unglückselichen schien auch Margarethe zu gehören — freilich hatte sie eine heitere Jugend hinter fich, hatte jahrelang in Glanz und Uebrrflnß gelebt, dafür ballte sich aber, gerade in einer Ze t, die man bie schönste im Leben zu nennen pflegt, so viel Fürchterlich«« für sie zusammen, daß das Glück der Dergangenheü wirklich gäiqlich dagegen verschwand.
Augustin war seinen Leiden erlegen, noch Wochen, bevor da« Jahr um war, während dessen chm durch Vorausbezahlung der Aufenthatt in der Anstalt des Doktor Menett gesichert, war und Margarethe hatte in eine Augenklinik überführt werben müssen, vorläufig auf Kosten der Armendirektion, später — nun, später würde sie wohl durch Verkauf ihrer luxuriösen Zimmereinrichtung oie Mittel herbeischaffen müssen, um sich dieser Schuld zu entledigen — Halle sie doch ganz bestimmt erklärt, ihre Verwandten seien nicht in der Sage, etwas für sie zu thxn, ja, sie hatte ihre Aerzte und ihre Wärterinnen gebeten, nichts von ihrem Unglück in die Heimach zu schreiben.
Sell dem Tode der Mutter war da» Band, das
sie noch mit den Geschwistern verknüpfte, überdies um vieles lockerer geworden. Die Schwestern
gingen in ihren Häuslichkeiten auf, sie waren brave, zärlliche Gattinnen, sparsame Wirthinnen, gewiffew-
gafte Müller.
folgt.)