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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
W* Md Nerlag: JohjAug. Koch, UniverfitLtS-Buchdrnckerei ix MarbnrGi -*44- Verantwortlicher Redakteur -Friedrich Lolbatzkyin Marburg.
Redaktion und Expedition: Markt 2L UUjlTlTlCV WvlllltHyvPlUlt* Sprechstunden der Redaktion: 10—11 Uhr Vormittag».
JKL 291-
Erscheint täglich anher an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal-Abonnmentr-PreiS bei der Expedition 2 ML, bei allen Postämtern 2 Rk. 26 Bf«, («kl. Bestellgeld). Jnsertlonlgebühr für die «espaltrue Zeile »der der« Raum 10 Pfg. Reklamen für dir Zeil, 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 12. Dezember 1895.
Anzeigen nimmt eut-egen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen • Bureaux von H-asenstrin u. Vogler m Frankfurt a. Lasiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffr in Frankfurt«. R., Berlin, München n. Köln; E. L. Daube -. 6e. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Pari».
XXX. Jahrg.
Zweites Blatt.
Vermischtes.
(Klei»e Nnchrichte».) Die Stadt Charlotten birg bei Berit«, die a« 1. Dezember 182496 Seele» zählte, hat seit 1871 um nicht »ewiger als 112828 Einwohner zuzenomme», Da« ist also fast amerikanisch I — Adelheid Harder, bei älteste Mit glied bei Bismarck'iche» Hausstandes, eine J-gend fteunbi» der Fürstin, ist, 82 Jahre alt, i» Barzin gestorben. — Der Erfinder bei kugelsicheren Panzer» Schneider Dowe ist in Wiesbaden an der Schwind sucht gestorben. — I, Eickel bei Bochum erschoß bet Gensdai« Butchwan» seine Geliebte ud dann sich selbst. — Luf dem Bahnhöfe zu Je xheim ist die Lokomotive nebst sechs Wage» eine» Güterzuges infolge falscher Weichenstelanz entgleist. Ein Bremser wurde getüdtet und der Zugführer verwundet. — All ein Zeichen der Zeit ist Folgendes anzusehen. In Berlin ist jetzt in eine« Hause ein Barbier zugezoge». Derselbe hat folgende Inschrift «n seine« Lade» anbringen lassen: „Hamburger, Darziger, Stettiner Barbier Stube." „Jeder, b:r hier rasi t wird, erhält ehu» Wyk'sche» Kor« ober eine Ciga-re gratis." „Rafiien 10 Pfg." — Auf der Fahrt bei Dampfers „Perfia" ooa Hamburg nach New Dort entspann sich zwischen zwei an Bord hefinblichen Elephanten ei» fürchterlicher Kampf, ber zwei Stunden dauerte. Das Deck schwamm im Blute. Nur mit äußerster Mühe gelang er, bie Thiere, welche sich entsetzliche Wunde» beibrachten, zu trenne». — In Dresden wurde ei» italienischer Gipsfiguren- händler zu zehn Monrteu Gefänguiß verurtheilt, weil er auf offener Stiaße einer junge« Dame einen Kuß geraubt hatte. Für eine» heißblütige» Südländer war das doch etwa» hart. — 3» LsnigSberg schlief ei» Handwerttbursche auf ei«« fremden Haulflar bei 10 O:ad Kälte den Schlaf des Gerechte«. Al» er 6o« einem Schutzmann geweckt wurde, war er sehr ungehalten uns drohte mit etxer Klage wegen Ruhestörung. — In Luzern stürzte auf de« Uriothstetn der Student Franellich au» Triest ob Die L-iche ist noch nicht geborgen. — 3« Livorno erregt ungeheure« Aufsehen bie Verhaftung des 22jährigen Soh»ed des Bankiers «ab vielfache»Millionärs Semama wegen Erpreffunzsv-rfuch» gegen feix n Onkel. — Aul Liverpool w rd telegraphirt, daß der Paffagier- Dampfer „Tam-romc»' von der Warr« Linie mit eine« Lootjenschiff z:sa«Mt»stieß. Drei Lootseu wurden gerettet, seckrzehn ertranken. — Aus Genua wirb berichtet, daß btt Dampfer Chateau Iquem" »8tergeg«»gc« ist. Dnl Schiff ist a« 8. November «st 700 Italienern, Sckerbauarbeiter», die vo» eine« amerikanischen Millionär, Herr» Augustin Serbin, für eine Kolonie in Arkansas geheuert war«, »ach New > Orleans abgegaig«; dort war es bereit» am 28. November fällig. — Ei» dänischer Viehtrankport-Dampfer vo» Esbjerg, der schon für verloren gehalten wordc» »ar, ist nach viertägiger äußerst gefährlicher Reife in Hamburg
cingeiroff». Die Lucken mußt« geschlossen werd«; infolge beffex erstickten 100 Riader. Die Seeleute hatte» schwer »ater Proviautmangel zu leib«. — Der „Secolo* meldet a»S Konstantinopel: Auf Befehl des SuttanS wurden drei hohe Beamte in'S Meer geworfen, weil fie ein Attentat auf de» Suitas mittelst Gift geplant hatte». — Die russtsche Regierung zahlt 150 000 Nabel Entschädigung für die i» Podwide vo» ruf fische» •re»gfolbaten ermordete deutsche Gastwirthi». — Der weltbekau»te Akrobat Blo»dtu hat sich t» Loudon mit einer hübsche» junge» Brünette vermählt.
(Allerlei vo» der Volkszählung) Die diesmalige Volkszählung geschah bekanntlich »ach einer Pyritzer M»fterfa«<lie. Trotz der eingehendsten Belehrung übet de» 3»halt der Zählkarte» ui», wat aber ein Braunsberger Bürger in diese Pyr tz-r Dtllsterfamilie so verschossen, baß er bei bei Volkszählung bie Rubriken des HauShaltungSvetzeichniffeS einfach mit de« als Beispiel vorgedruckten Name, aus Py itz auSfüllte. — Ferner hatte die Ehefrau eines biederen Handwerker! ihren Stand im Haushalte m't „Frau Meisterin" bezeichnet — Tragikomisch ist schließlich der folgende Fall; SIS ei« Zähler im Bzrk 67 zu So:au zur Empfangnahme der Zählpapiere eine Dachstube betreten wollte, fand er fie verschlossen und deren 3»haber an einem Balke» erhängt. Der Selbstmordkandidat, bei welchem sich »och Lebeazeicheu bemerkbar »achte», wurde sofort abgeschnitteu, gerettet und konnte»»» »gezählt* »erb«.
(Wer ist der Schöpfer bei de»tsche» Reiches?) 3« „Sommerfelder Wochenblatt* wird augezeigt: „Reform Sandale». Hygienische Fußbekleidung, besonders für Turner, Radfahrer nnd Touristen. Alleiniger Fabrikant des deutschen Reichs, Th Reiche, Sommerfeld, Bez. Fr'f.-Od.* — Nun weiß man doch endlich, so schreibt ber „Kladderadatsch* launig, wer das deutsche Reich z» Staube gebracht hat nsb Fürst Bismarck wird seine schon von Pouliu y Btgelo» gebührend znrückge sieseneu Ansprüche schwerlich «och aufrecht erhalten I
(Den folgende» Soldateubrief) veröffentlicht bei „OSnabr. Tgbl.*: „Ich ergreife bie feier an aüch zuschreibe« sol Tatenprief. Soltaten brief den 27 Oktober Liebe Bitter. Liebe Vatter ich boch gut Zuwirbe» aber el get jehzt Anters wie sonst, wir «üsen jest abe Etrammage« aber bie zwei jare gehe» auch hin. Die reise hat «ihr nicht gut Gefühl« fier hate» Tage und eine Nacht Ge- foren diese geche» ist «ichz loß fier muffe» jezt alle Tage Stram. Bo» den Anzuch schickt etwas Kehlt ' fo» steter Schreibt mihr Wahr»« all Anaa nicht da gcfese» ist und schiekt »ihr doch Wußlaben und Sttüpfe nnd par Taschen Tüger de« hier ist »lleß Tauer. Scheibt «ihr doch wiß Minna jest geht obzie auch da hiufiel und fiez Katrin geht «tt seine« Loh« Schreibt wicht doch Eetfal uaühel. Meine Butter ist schon balrale. Fran! folde «ihr ja auch Sdfal Schi-ke» u-d Wilhelm vil »ihr auch »och Etwas schiike». hat »iht schon 1 Mark Rietgethan
Kriffel hat miht aber uichz »itgetan weht ko» ich aüg nicht schreb« den hatte keine Zeitmehr. Hier mid fil ich schliefe« el grüst Wiehlmahls aller Soh« W. K. el güst Siehlmahls alle Versande und Beckande Brüter und geschistru.' — El wäre intereffant, zu erfahren, in welchem Ort der Schreiber seine Schul- btldung erhalt« hat.
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Bom Weihnachts-Büchermarkt
— Der Verlag vo» Gustav Weise in Stu tt- gart hat tu diesem Jahre wieder eine stattliche Reihe von literarischen F.stgeschevkeu für die weibliche Jugend heraus gegeben. Alle diese Bände z ichnen sich ihrem Zweck entsprechend durch schöne Ausstattang, besonders durch die künstlerische, vornehme Verzierung der Einbände aus. Da erscheint zunächst die so sehnlichste,wartete Fortsetzung (also rechtzeitig vor Weihnachten) vor „Trotzkops' und „T'vtz- kopfs Brautzeit" unter dem Titel „Nus TrotzkopfS Ehe" von klseWildhagen, geb Friedrich-Friedrich, Wenn wir beifügen, daß dies die Tochter von Emmy von Rhoden (Emmy Friedrich Friedrich) ist und zugleich d:e Berfasicrin von Tretz'opfS Brautzeit, so wird eS einer weiteren Empfehlung nicht bedürfen. ES sollen nur alle Leserinnen der ersten beiden Bände — und deren sind eS unzählige — darauf aufmerksam gemacht werden, daß fie nur zu wünschen brauchen, wenn st- „TrotzkopfS Ehe" noch dieses Jahr auf ihrem Weihnachtsttschc sehen wollen. Der Preis in elrgautestrr Ausstattung ist 4,50 Mk. Für Alle, die die ersten beiden Bände aber noch nicht kennen, sei Folgende! bemerkt: „Der Trotzkops- ist eine PenstonSgeschtchte für erwachsene Mädchen von Emmy van Rhoden, Sie ist allerliebst, ohne Prüderie, mit einem herzlichen, frischen Ton geschrieben. Der erzieherische Werth de! Buches ist ganz bedeutend, um so mrhr, als sich die Lehrhaftigkeit nie anf- ditnglich breit macht. Der .Trotzkops' Ilse, der in der Pension, in der Strenge und Milde zugleich herrscht, manche Ecken seine- harten Kopfe! abschleift, wird allen jungen Leserinnen eine so liebe Freundin werden, daß sie seine Schicksale gern weiter v-rfolgeu. DaS können sie in „TrotzkopfS Brautzeit", dem zweiten Bande der Erzählung, der zu demselben Preise und tn gleich eleganter Ausstattung bei Gustav Weiss erschienen ist. Jlse'S äußere Formen sind wohl glatt und anmuthig, ihr Herzchen ist M'lder und weicher geworden, aber in mancher versteckten Ecke da lebt noch etwa« von der alten Ilse, So begeht sic nach einer Verstimmung mit ihrem Bräutigam, einem liebenswürdigen jungen Mann, einen rabiaten Schritt und flieht zu ihrer Freundin, der lieblichen, den Leserinnen wohl bekannten Nellte, die den in der Pension angeschwärmieu Dr. Althoff zum Mann bekommen hat. Hier in der fremden Stadt thut sie tiefe Einblicke in alle möglichen ehelichen Verhiltniffe und lernt »llmählig ihr Unrecht einsehen. Die Liebe des jungen Weibes erwacht, und wir scheiden mit der Hoffnung von ihr, daß sie ihrem Leo nach di-.scr Prüfung nicht nur eine tüchtige, sondern auch liebe und de müthige Frau sein wird. Ob diese Hoffnung sich erfüllen wird, wird der roch rechtzeitig vor Weihnachten erscheinende Band „TrotzkopfS Ehe" lehren. Jeder Band kostet 4,60 Mk. — Eine andere bedeutende Neuheit ist ein prächtiger, mit feinem LichtdruckTitelblld gezierterOkiavband: „Wilde Rose, Erzählung für junge Mädchen, von Agne! Hoffmann". Die Berfafferin ist zu bekannt und beliebt, all daß ihr bei bi fern neuen Werke die Gunst der Mädchenwelt fehlen könnte. Die „Wilde Rose" vereinigt aber auch Alles in sich, was da! Herz eine! BackfischchenS zu bewegen und zu entzücken vermag. Das Bildi iß der Heldin, welche! da! Buch al! Titelbild bringt, läßt un! den sympathischen Charakter erratheu, deffen Entwicklung und Veredlung im Laufe der spannenden Erzählung geschildert wird. Such dieses Buch sei hierdurch »lS Festgabe auf da» Wärmste empfohlen. Jeder Baud kostet in elegantester Ausstattung 4,60 Mk. Von derselben Berfafferin ist noch ein zweite!, etwa! weniger umfangreiche! Mädcheu-Uuterhaltunglbuch: „Else's erste Reise, eine einfache Geschichte für junge
Mädchen" (Preis 3 M.) erschienen, die sich durch f<ffelndeu Ja- h rlt und durch frischen, ge-u den Humor auSzeichriet, sowie recht darnach angeihan ist, bei den Leserinnen Begeisterung für dal Gute und Schöne zu wecken. Eine andere, in Mädchenkreisen wohl bekannte und beliebte Schriftstellerin, Bertha Elsment, ist mit einer neuen, für Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren berechneten prächtigen Erzählung „Hauptmanns Puck" (Preis 3 Mk.) vertteten, worin die Erlebnisse eines zu allerl-i tollen Stteichen aufgelegten jungen Mädchens, eines rechten Trotzkopfes, geschlldert werden. Die bedenklichen Eigenschaften werden jedoch von den guten überwogen, und so wird, nachdem die Schule des Leben! ihre Wirkung ausgeübt, aus dem anfänglich schwer zu lenkenden kleinen Mädchen eine recht gesittete, tüchtige Weltvürgerin. Für di- Kleinen bestimmt ist ein im genannten Verlage erscheinendes Bilderbuch ©in sehr werthvolles Geschenk für die reifere Jugend oder auch für Erwachsene ist der stattliche Folioband „Jllustrirte Naturgeschichte der drei Reiche für Schule und Hau!, nach dem neuesten Stande unsres Wiffens bearbeitet von Franz Matthes" (Gr. Fol. gebunden 20 Mark). Dem Thierreich allein sind 212 engbedruckte große d ppelspaltige Seiten Text mit zahlreichen erläuternden Textbildern gewidmet Am Schluffe folgen sodann 24 buntfarbige Bildertafeln, jede mit zahlreichen Einzelbildern, auf denen die bemerkenswerrhesten Vertreter der einzelnen Arten aller Familien der Thierwelt dargestcllt sind. Der zweite Theil, Pflanzen-eich nnd Mineralreich umfaffend, nimmt ungefähr 180 Seiten Text in An pruch und auch die gleiche Anzahl van 24 Farbentafeln, deren jede jedoch mehr Einze bilder aufwert als durchschnittlich die Tafeln über die Thierwelt. Im Ganzen zählen die Tafeln 500 farbige Bilder nach Aquarellen von I. Kißling; der Text ist außerdem mit 370 Bildern und Zeichnungen ausgestatttt. Jedem der beiden Theile ist ein alphabetischesNachschlageregister angefügt, beide Register weien etwa 10 000 Namen auf. Derselbe Verfasser wird uns in Kürze mit einem zweiten Werke, „Jllustrirte Naturgeschichte für die Jugend" betitelt, beglücken. (Preis 7,60 SJll.). Mit dem Unterschied daß dies- Ausgabe einen kurz zusammen- gefaßten Auszug aus obigem Werke bildet, ist sie sonst auf derselben Basis aufgebaut, wie die Ausgabe „Für Schule und Haus". Die ebenfalls geschmackvoll aulgestattete und mit zahlreichen Abbildungen versehene Ausgabe soll den Zweck erfüllen, auch die Jugend in erläuternder und anschaulicher Weife mit dem Naturreich vertraut zu machen. Das Erscheinen des BueteS wird, wie schon erwähnt, in allernächster Zeit stattfinden; noch rechtzeitig genug, um das Werk als Zierde den W.ihnachtsgaben für unsere jungen Freunde beifügen zu können.
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