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Wöchentliche Beilage«: Krels-latt für -ie Kreise Marburg «nd Kirchhain. SrEiou:^M^21^^F^preche^Nr!'r^Jllnsirirtes Sonntagöblatt. 'lo^ll* UiVsoratiitt«.-

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Marburg,

Dienstag, 10 Dezember 1895.

foHtetu lmmat tiugcgiu Mi Erpiditton Mel«# Blatt«, Wii btt Kmwnctn>Snmt von Haasintziin x. Vogler in Frankfurt «. M., Lxflel, Magdeburg xnd Men; Rudolf Stoffe in Frankfurt «. M., Berlin, München n. Rita; S. L. Daube ». So. in Frankfurt« M.. Berlin Hannover, Bari#.

XXL. Jahrg.

Versammlung des Bundes der Landwirthe.

* Marßnrg, 9. Drzbr. Am letzten Sonnabend hielt die hiefige Sektion des Bundes der Landwirthe tat 6afe Quentin eine Versammlung ab, in der ein Abgesandter des C»ttalvorsta»deS, Herr Lehmann- Herlin, das Hauptreferat übernommen hatte. Nachdem Herr Gnt»befitzer Bene« Oberweimar die Erschienenen, deren Zahl ca. 100 betrug theilmeise bereit# Kitglieder, theilweise Gäste an» Landwirthschaft« < imb Handwerkertteis« begrüßt und ein Hoch o»f Se. Majestät de» Kaiser aukgebracht hatte, nahm Herr Lehmann das Wort. Zunächst verbreitete sich dieser nun über unsere jetzige wirthschastliche Lage. Die größte Gefahr, die uns g. Zt. droht, bilden die Bestrebung« der llmsturzpartei, und um diese», »ie e# Pflicht eines jeden Pattioteu ist, «tgegenznttet«, ist eine Stärkung des Mittelstände» nothwendig. Die Beranlaflungen, die die Sozialdemokratie erzeugt haben, haben anch die Schädigung des Mittelstände# bewirkt. Während ehedem die Regierungen die An- ficht verttat«, daß nnr durch Förderung der Land, »irthschaft der Mittelstand gesund erhalten werden kann, ist »an scheinbar von dieser Ueberzrugung nach Begründung deS deutschen Reiches abgekommen. Die StaatSregiermg versuchte nach 1870 nicht mehr, am alten Prinzip festzuhalten, sondern in derHmrah stimmnng", erfreut über dir französisch« Milliarden, wurde die neue Gesetzgebnug durchgeführt. Und diese Milliarden brachten den Handel und die Industrie zur höchsten Blüthe, vermehrten den Kapstalismus in den Großstädten, »ährend Handwerk, Gewerbe und Landwirthschaft von alledem so gut wie nichts erhielten. Und auf diesen gemach!« Fehler bastrt jetzt die Nothlage der Landwirthschaft, die naturgemäß auch daS Handwerk und das Gewerbe iu Mitleid«- schäft zieht. Alle Handelskmnmerberichte sprechen sich dahin aus, daß die geringe Kaufkraft der Landwirthe auch das übrige Geschäft iw Reiche lahm gelegt hat. Dieses hat auch zur Folge gehabt, daß der Sozial« demokratie große Massen in die Arme getrieben wurden. Redner ging sodann näher ans die Schädigungen ein, die die liberale Gesetzgebung zu Wege gebracht, dabei vorhexbemerkend, daß man nicht die Wohlthaten, die diese Gesetze bewirkt, sondern nur dir Schäden, die fie mit sich gebracht, befestigen will. Da ist zuerst die Freizügigkeit. Die großen Mafien unserer Arbeiter haben den meisten Borthetl davon gehabt. Wir gönnen e» ihnen anch, »enn fie dahin gehen,

Margarethe.

Original-Roman von M. W i b b e t n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Und was ich noch sagen wollte/ setzte sie mit wahr­haft beängstigender Zungengeläufigkeit und nachbar­licher Vertraulichkeit hinzu:Lassen Sie sich um Sottcswillm mit Niemand sonst hier ein im Hause, unsere Frau Wirthin ausgenommen, denn ich sage Ihnen, Leute wohnen hier!" sie schüttelte sich na, Sie »erstehen mich schon !"

Margarethe verstand fie nun freilich nicht, aber M log ihr auch nichts an einem näheren Angehen aus dieses Thema. Daß die Mitbewohner, wenigsten» der Etage, in der sie Quartier genommen, zum mindesten rohe, ungebildete Leute waren Frau Braun wenig ausgenommen hatte sie ja schon erfahren. Ohne Mahnung von außen wäre sie ihnen also so wie so au» dem Wege gegangen, auch Lieschen» Mutter, deren zudrinAiche Manier fie im höchsten Grade peinlich berührte. Dennoch aber besaß fie Wettklughett genug, um sich zu sagen: E» ist besser, du hast diese Person zur Seite, al» daß du dir schon am ersten Tage ihre Feindschaft zuziehst; nur vergeben darfst du dir nicht», auch Lieschen« Mutter muß fühlen, daß zwischen Margarethe Herder und ihr doch eine Schranke besteht, die nicht niedergeriffen werden kann, die Schranke wirklicher Bildung und Erziehung, die Schranke gänzlich anderer Lebensgewohnhriten und verfeinerter Leben#« bedürfniffe, und so erwiderte fie denn in ziemlich freundlichem, aber auch wieder sehr herablassendem Ton, auf den diekronprinzkiche Wäschest au' ganz gewiß nicht vorbereitet war. Frau Braun dachte, wem e» gut genug wäre, unter den Proletariern

»o fie den höchsten Lohn bekommen. Aber die Arbeiter sollen nur nicht glauben, daß fie den höheren Lohn umsonst bekomwe». Sie müffen in den große» Fabriken viel mehr Arbeitskraft einsrtzen und sich viel schneller ausnutzen, als int Kleingewerbe ober in der Lanbskthschast. Das ist statistisch nachweisbar an dem verschiedene» Prozentverhältxiß, mit »elchem diese Arbetterklaffen an der Alteisverfichernng einer fett», an der JnvalidititSverstchernng andererseits be- theiligt find. Wenn die Jndnstriearbriter da» be dächten »nd von ihrem höheren Loh»e auch für die Zukunft sorgten, bain möchte »a» ihnen denselben gern gewähren; aber sie verthun ihn lieber in Ver­gnügungen, die ihre Arbeitskraft noch mehr und noch schneller rnixiren. Wenn fie dann die Invaliden Pension bekomme», find fie erst recht unzufrieden, denn davon können fie ihr üppiges Leben steilich nicht mehr führen. Die höheren Löhne drücken fich aber die in den großen Städte» zusammenströmende» Arbeiter oft genug durch ihre eigene Konkurrenz selbst. Bald ist ein großer Theil arbeitslos und verbummelt. Diese vervollständigen dann die Haufen der Sozial demokratie. Wer den Vortheil hat non dieser AnS bentnng der Arbeiter, das ist olein der Großkapi- taliSmn», da» platte Land aber hat den Schaden! Mit der Gewerbeireiheit ist e» ebenso. Wir »ollen fie nicht abschcff«, aber eS geht nicht an, daß Leute auf Kredit in Fabriken die Erzeugnisse des Handwerk» in schundmäßiger Weise Herstellen und fie in großen Ramschbazaren ausbieten. Leider läßt fich die große Stoffe unsere» Volkes immer noch solche Schundwaaren aufschwindeln. Und alle Die, die in solchen Bazaren kaufe», machen fich mitschuldig a» de« Ruin des Mittelstandes (Sehr richtig I) ES ist daher die Pflicht eine» Jede», in Hau» und Familie dafür zu sorgen, daß solchen Existenzen immer «ehr der Boden entzogen wird (Bravo!) Doch »a» ist weiter für den Handel#stand, war für die Landwirth- schaft gethan? Wem habe» das ftühere Wuchergesetz, da» Wechselrecht, die Konkursordnuug, die Aktien- gesetzgebnug, da» Handelsgesetzbuch Nutzen gebracht? Doch nicht etwa der letzteren resp. de« Mittelstand, sondern dem ersteren resp. dem GroßkapitalismuS. Selcher Leine Manu kann aus de» Wechselrecht Vortheil ziehe»? Keiner, er wird höchstens durch daflelbe »och beschwindelt. Welcher Handwerker oder Landwttth vermöchte auf Grund der KonturSordnun» seine Lerhältniffe verbessern? Seiner, denn diese» Gesetz ist nur für SchundgeschLfte, die eine feine Pleite machen und durch dieselbe die kleinen Leute um ihren Verdienst bringen. Hat «an schon davon

zu wohnen, der wollte auch nur zu ihresgleichen gezählt werden und zählte auch zu ihres Gleichen.

Ich danke Ihnen für ihre freundliche Warnung, gute Frau, trotzdem Sie mir gegenüber nicht von Nöthen; ich bin so sehr in Kummer und Leid, daß Alle«, was außerhalb dieses Kummers und diese« Leide« steht, gar nicht für mich vorhanden ist!" Und al« fie einen mißtrauischen, fragenden Blick der grauen Augen auffing, fetzte sie schnell hinzu: Innerhalb nur der letzten beiden Monate habe ich Vater und Mutter verloren, bin um mein ganze« Vermögen gekommen und war gezwungen, meinen Mann in das Irrenhaus zu bringen."

Sie hatte die letzten Worte mit einem Aurdruck in Ton und Gebärde gesprochen, die den keimenden Zorn iu Frau Braun'« Seele schnell zu aufrichtiger Theilnahme verwandelt hatte, trotzdem sie durchau« nicht den Eindruck machte, als wenn fie sich viel auf Gesühlsregungen verließe.

Arme, arme kleine Frau," sagte fie,aber da« ist ja schrecklich! im Jrrenhause?!" Sie schüttelte fich und dann setzte sie leise hinzu: Dann kann ich Ihnen uachsühlen, war Sie empfinden, Fran, denn mein erster Mann ist auch im Irrenhaus« gestorben! O, und er war ein so guter Mensch!" Sie fuhr fich mit dem Schürzen« zipfel über die Augen, in denen jetzt zwei große Thränen standen, dem Andenken eine« lieben Testen geweiht. Margarethen aber war e», al« wenn mit einem Male die Schranken niedergeriffen, die fie noch vor wenigen Minuten zwischen sich und der einfachen Frau au» dem Volke gesehen; der @e- danke, fie hat gelitten, was du jetzt leidest, legte ein starke» Trittbrett Über die Kluft von hoch und niedrig, von wiffend und unwissend, und sich rasch

gehört, daß baS Aktiengesetz der Landwirthschaft ge­nützt hat? Rein, denn bis jetzt ist auf Last» der Landwirthschast noch kein Aktienunternehwen gegründet »erben, weil eben Jeder weiß, daß die Landwttth- schast heutzutage nicht« mehr abwirft. We« hat da» Handelsgesetzbuch Vortheil verschafft? Nur dem Handelsstand. Können wir nun nicht mit demselben Rechte, wie letzterer sein Gesetz hat, such ein Agrar­recht verlangen? Doch zu solchen Forderungen giebt es nur Achselzucken. Niemand bedenkt, daß die Landwirthschaft da» erste Recht hat, denn fie ist der erste Stand und der Handelt stand der letzte, denn er kann erst durch die produktiven Stände seine Erfolge erreichen. @« ist als» klar, daß die Landwirthe nicht» Einseitiges, feubtin auch für da» Handwerk, da» Jede« znko«»t. Recht verlangen. Warn« sollen wir nicht so et»a» Sehnliche» haben? Hat doch selbst Minister Miquel, der wahrlich kein Agrarier ist, erklärt: .80 Jahre hindurch die Gesetzgebung de» Großhandel und der Großindustrie zn Gute gekommen, jetzt könnten die Landwirthschaft und da# Kleingewerbe auch einmal 10 Jahre lang eine ähnliche Gesetzgebung beanspruchen." Ist nicht eigentlich jeder Mensch land wirthschaftlicher Interessent? Ja, denn Jeder will essen, und die Nahrungsmittel bringt die Landwirth­schaft hervor. Und wenn der Bauer Noth leidet und fich mit seinen Ausgaben einschränkt, dann erwächst dadurch auch de» Handwerkerstand rud den Gewerbe treibenden Schaden. Bisher haben fich nun letztere noch nicht aufraffen können, einen Handwerkerbuud zu gründen und deßhalb mögen fie, so schlug Redner vor, fich vorläufig dem Landwi.thschastSbnnd anschließen uud mit ih» kämpfen.

Redner bezeichnete sodann die Ziele, deren Ver­wirklichung der Bund der Landwirthe anstrebt. Zu­nächst gehört zn diesen eine Börsenreform, um durch fie de« Brodwucher der Börsenjobber zu steuern, wie ihn jetzt erst wieder ein»«! so recht drastisch der Fall Lohn uud Rosenberg gelehrt hat. Referent kennzeichnete daS Verfahren der Setteidespekulant«, die da nicht» Anderes be,»ecken, al» durch Schein- geschäfte fich die Taschen zu füllen und die Land­wirthe um be» Lohn ihrer Arbeit zu betrügen. Weiter will »an de« unlauteren Wettbewerb energisch zu Leibe gehe», und de» vefähigungruachweir im Handwerk eingeführt wissen. Eine Abänderung unserer sozialen Wohlfahrts-Arbeitergesetzgebung ist ebenfalls dahin »othweudig, daß nicht »nr die Ar­beitgeber und Arbeitnehmer die Kosten hierfür auf- bringen, sondern daß auch ein Theil von letzteren auf die entfällt, welche den «eisten Vortheil haben,

erhebend, reichte sie, vom Impuls be« Augenblick« geleitet, der weinenden Frau ihre Rechte.

Einen Moment lang blickte Frau Braun bei­nahe erschrocken auf die kleine schneeige Hand, die wie ein Lilienblatt in ihrer braunen, hartgearbeiteten lag, dann zuckte e» wie Wetterleuchten durch da» große, grobgesüzte Gesicht:Hab' schon gedacht, die armselige Waschftau ist Ihnen zu gering! Frauchen, nun, e» ist gut, daß ich Ihnen unrecht that, sehr gut für Sie. Nun aber will ich auch nicht länger stören, mein Alter wird ohnedies auch schon da sein und mit ihm die Andern, da gilt e» da« Abendbrot vertheilm. Gute Nacht, liebe Frau, und träumen Sie etwa« recht Schöne» in dieser ersten Nacht." Schon halb im Gehen, setzte fie noch hinzu:Zu fürchten brauchen Sie fich nicht, unser Korridor ist der ficherste, wir haben nämlich hier die meisten Mannsleute und wa» für welche; na, ich sage Ihnen, da müßte schon eine ganze Räuberbande kommen!'

Wunderbarerweise war die erste Nacht in diesem Hause, unter einem Dach mit so viel Armuth und gesellschaftlicher Unbedeutenheit, auch die erste, welche Margarethe seit Monat« wieder ruhig schlafend verbrachte. Freilich, Thränen hingen in dm langen seidenen Wimpern, al» sie, »och da» letzte Wort eine» innigen Gebete» auf dm Lippen, die äugen schloß.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, al» sie endlich wieder erwachte, wohl nm von einem schüchternen Klopfen an die Thür. Sie rieb sich verwundert die Augen, ein Trau» hatte sie fo ausdauernd in den früher gewohnten Umgebungen festgehalten, daß fie sich nun gar nicht in die neuen Umgebungen finden kannte.

(Fortsetzung folgt.)

die Kapttaliste». (Sehr richtig!) Denn diese trage» so gut »ie nichts dazu bei! Wer klebt z. B. bei» Alter»« und Invalidität»gesetz? Die Arbeiter und Arbeitgeber, zu» wenigste die Großkapttaliste», die da »ur für ihren Diener, ihre Karnmerjungfer, ihren Kutscher und ihr Hansmäbche» eine Karte gebrauche».

Zur Landwirthschaft zurückkehrenb. hält es Red­ner und mit ih» unstreitig auch Jeder, der den Landwttth« Interesse entgegenbringt, für ersorberlich, daß anch bei ihn« jeder Arbeiter seines Lohne» serth wird. ES kommt nicht mehr darauf an, nur die nothwenbigsten Unterhaltungskosten zu verbleuen, son­dern etwa» darüber, n» dadurch in der Lage zu sein, die Landwirthschaft rationeller betreiben zn können. Hätte letztere mit den Zettverhältnissen gleichen Schritt halten können, so wäre eS jetzt schon möglich, ganz Deutschland mit im eigenen Linde gebauten Gctteide zu versorgen, und das Korn anderer Länder wäre ent­behrlich. (Sehr richtig! Bravo!) Da wir aber nun vorläufig »och auf da» Ausland angewiesen find, so muß wenigstens die Einsnhr geregelt werben, und solche» bezweckt der Antrag Kanitz. Durch ihn soll die unlautere Spekulation mit dem Vio Getreide, da» zur Unterhaltung unseres Volke» vorn Ausland noch erforderlich ist die ander« 9/10 weiden in Deutschland produzirt unterbunden werden. Der Anttag verlangt und diese Ausführungen be» Redners seien, wenn anch zur Genüge bekannt, nochmals wiederholt die Festlegung eines Ein­heitspreises auf Grund de» 40jährigen Durchschnitts­preise» (auf Roggen wird dies ca. 8 Pfg. pro Pfund betragen). Der Antrag bedeutet durchaus kein Se- treidernonopol und keinen Brodwucher, sondern er will »nr für den armen Mann einen billigku Brod- preis erreich« und damit auch den Landwirthen einen gerechten Lohn für ihre Arbeit gewähre». Er will ihnen ein« möglichst gleichmäßigen Preis für ihre Produtte fichern, damit fie ihre Herstellungskosten, Löhne, Unterhalt für fich und ihre Familie, Stenern, wirthschaftliche Verbesserung« rc. bestreit« können. Die Brodpreise schwanken jetzt in gewaltigen Zick« zacklinteu von oben »ach unten und umgekehrt immer hin und her. Nach Einführung de» An­trages Sanitz würden wir immer mittlere Brodpreise haben, wovon die Konsumenten, die Arbeiter, Hand­werker, Beamten us». bin größten Vortheil hab« würden, denn fie können dann ihre Ausgaben i» Voraus berechnen, was jetzt die wüsten Spekulationen von Lohn und Rosenberg ihn« unmöglich machen. Weiter heißt eS, der Anttag Sanitz sei nicht verein­bar mti den Handelsverträgen, der EtantSrath habe

(Nachdruck Ottbohn.)

Die erste deutsche Eisenbahn.

Zur Erinnerung an den 7, Dezbr. 1835. Von Paul Ludwig Röth.

Alt-Nürnberg war in großer Anftegung. Etwa» ganz Neue» sollte hu Werke sein. Eine Anzahl von Leuten sollte fich zusammengethan hab«, um eine Dampfbahn nach dem b«achbart« Fürth zu bau«, und man sollte künftig diese Strecke von 11/2 Stunden in 15 Minuten znrückleg« können! Singe Leute erllärt« die Ausführung dieses Gedanken» für un­möglich. Die Menge verhantt in jener dumpfen, mißtrauisch« Neugier, die fie alle» Neu« geg«über an den Tag zu leg« pflegt. S» lautesten aber eifert« Die gegen den Plan, die von ih« Benach- theiligung gewärttgt«: die Inhaber der etwa 40000 Frachtwagrn, die auf der Fürth Nürnberger Pappel­chauffee alljährlich hin und wieder fuhr«.

Ja, e» hatten fich einige mnthige und thatttäfttge Männer vereinigt, um Deutschland die erste Eisen­bahn zu sch«k«. Die erste Eisenbahn! Lenke Deine Blicke, lieber Leser, auf diesen kurz« Augenblick im roll«d« Laufe der lln«dlichkeit und erinnere Dich, daß er die folgenschwere GeburtSstuude einer unerhörten Umwälzung war. Lächle nicht Über die kurzsichtig« Anffaffung«: denke, welch' ein Muth und welche Festigkeit dazu gehörte, geg« offenen und still« Widerstand da» Unerhörte burchzuführ«. Er­wäge, daß d« Leut« wohl ängstlich zu Muthe »erd« konnte, wenn fie die Naturkräfte, die ge- heimuißvoll gewalttgeu, fich so gefangen und gezähmt denken sollt«; und daß Manche» die Perspettive einer unberechenbar« Entwickelung fich eher erschreck«d, al» begeisternd öffn« mochte. Sang doch Heinrich Rückert, tief ergriff« von dieser n«« Erscheinung: