Wöchentliche Beilagen: Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
“S TOS**eptiitto:8lrr«,9La^£^^«tSr-teS&l<r!l"e‘ Alluvrirtes Sonntagsblatt.
Srrmüwortttchrr iftebeäext: Friedrich Tolbaxky in M«b«m Eprechstxudcn her Redaktion: 10—11 Uhr VormittrZ-
O*x» xxfe
Erstes Blatt.
$f.
er» 81er
bestimrnuxgex z« rekurrire«, lediglich mit dem 8.
te«,
Lt-Z
) )
5
)
)
r
Sous zir tellexg«
uet.
c. 1895: :au mld
»fr ich Lager r«i». »erb- iNes reichen
preiS- '8973
lkatserS ausgesproche» wurde. Prozesse folge» cxf Prozesse, 3ahrzrh»te von Gefäug»tßhast »erde» Wirt, Tausende do» Strafgeldern auferkegt; zu gleicher Zeit sorge» polizeiliche Maßregel» dafür, die «rgedehute Orgarisatio» der sozialistische» Partei «fzuhebkn und ihr so de» Kopf zu zertrete». Diese Art der staatliche» Energie ist »en; wenn sie überall
sprcchunp, gege» Henn o. Satze auf Entfernuig anl de» Offiziers staube eiustiwmig erkannt.
* (Parlamentarisches.) Sitzung-»Go»einzelne» Fraktionen de» deutsche» Reichstages habe» heute Abend schon im neuen ReichShanse in Berlin stattgifnnden; die Besprechungen galten in erster Reihe der Präsidentenwahl. ES gehen da verschiedene Strömungen, und eS ist schwer z« sagen, welche von ihnen de» Lieg davontragen wird. Rur soviel ist sicher, daß der letzte Präsident Freiherr von Buol wieder erster Vizepräsident wird, falls Herr vo» Le- vetzow wieder Präsident werde« sollte. Aber ob da» Ltztcre eintrete» wird, entzieht sich hexte alle» Be- rechnungen, da kann e» in der letzten Stunde noch Ucberraschungen geben, an welche augenblicklich Niemand denkt. — 3m Reichstage find gegenwärtig fünf Mandate erledigt. Am 4. Dezember findet zunächst die Stichwahl in Herford-Halle statt, cm 13. folgt die Ersatzwahl i» Blaubeuren-Ehingen, die infolge der Ernennung des Abg. Gröber zu» Land- gerichtSrath «othwendig geworden ist. Endlich habe» am 9. 3a»»ar die beiden Wahle» in M'tz und BolcheX'Diedenhofe» und am 13. die Wahl in Köln für den verstorbknex Abg. Gleiß stattzsfixde».
* 3ub i l ä urn Sf eie r.) AxläßlichdeS100jährige« Bestehe«» der Pepteisre, wowit heute eine großartige Feier verbunden war, erließ der Kaiser eire Sabtnet»- ort«, die bestimmt, dcß die jetzt bestehenden militärärztlichin Bildungsanstalten, da» .Medizinisch- Chirurgische Friedrich - Wilhelms - Institut" und die „Medizinisch- Chirurgische Akademie für Militär" in Uebereinstim»u»g mit ihrer Entwickelung zu einer Anstalt vereinigt weiden unter dem Name» „Kaiser- Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildung»- »ese»". Die Genehmigung der weitere« Organisation sich vorbehaltcnd, erkennt der Kaiser die Verdienste der militärärztliche» Biltuugsanstalte» um die NuS- bilduxg der Militär- u»d Marineärzte o».
ST (Der Buudesratb) hat in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf eine» Gesetze», betreffend die Errichtnng von Handwerkskammern mit einige» von de» Ausschüsse» beantragte» Aenderrnge» die Zu- stimwung ertheilt.
"(Politik xxdVerwxltuxg.) DerLaud- rath de» Kreises Ober-Barni», vo» Berhman» Hollweg t» Eberswalde, hat kürzlich bei der Einführung de» neue« Bürgermeister» eine beachtenSwerthe Ansprache gehalten, iu der er u. ». bemerkte: „3ch habe e» al» eiuen besonderen Vorzug der Kommunal- Verwaltung in eigener Thärigkeit schätzen gelernt, daß diese im Stande ist, prinzipiell de» politischen Hader
Dezember-Abonnements^ auf die „Oberhessische Zeitung" werden immer «och entgegengenommen und die bereits erschienenen Nummern auf Wunsch nachgeliefert.
Die »eueste» Vorgänge auf de« hier berührten Gebiete werde» sicherlich im Reichstage zur Erörter«»g komme», und eine Handhabe bietet schon dir erste Berathung de» Reichs haurhalte», in welcher all jähr- ltch die gessmmten innerdeutschen Verhältniffe dmch- gesproche» werden.
Wiedergegebe» sei schließlich noch eine Mitthetlung de» „Borwärt»', der zufolge einstweilen die sozial, demokratische Reichstag!fraktton die Leitung der Partei «»grlegenheiten übernommen hat. Einer Meldnng der „Magdeb. Ztg.", nach welcher die sozialdemo kratische Part.ikaffe «ach Zürich gebracht worden sei, wo verschiedene Parteiführer, darunter Bebel, anwesend seien, tritt da» Parteiorgan mit der Bemerkung entgegen, daß Bebel fett einigen Tage» „te private« Angelegenheiten" bei seinen Kindern in der Schweiz sich aufhält, daß aber von den sonstige» Führern sich „kein einziger im AnSlande" befinde. Der .Vorwärt»' schließt seine Entgegnung charak teristisch wie folgt: „WaS aber die „sozialdemokratische Parteikaffe' betrifft, so braschen die Herren Gegner nuriu unseren Parteiprotokolleu nachzuschlagen, und sie werden Aufklärung darüber fixdeu, daß eS nicht erst de» neuesten Polizei Akte» bedurfte, um die Parteigelder davor zu schätzen, daß sie nicht „den Preußen i» die Hände falle«'.
* Die letzte Zeit hat etee reiche Fülle von Maß- regel« gegen die Sozialdemokratie gebracht; eS scheint, (IS ob unter der Leitung de» Herrn von Köller jetzt Einst gemacht werden soll mit der Durchführung tel Gedanken», der zunächst in der Sedanrede des
w-gung, wie sie hier sich aulprigt, kann und wird nicht durch Polizei uuv Gericht vernichtet. Aber sie kann eingeschränkt, eingedimmt «erdiu, »an kann eine Agitation, die sich vielfach de» gewissenloseste» Terrorismus bediente, lähmen. Die AsSschnilunge» der Seda»zeit — das muß auch der vernünftige Sozialdemokrat erkenneu — die widerwärtige Besudelung de» Andenken» unserer Größten, die Heran»- fordern»» de» nationalen Empfinden» steht i» keinem Zusammenhang mit dem «» und für sich berechtigte» Bemühe» des „vierte» Sta»de»', sri»e materielle Lage zu verbefferx u»d sich günstigere Existenz. bedi»gu»gen za sicher». Sine Arbeiterpartei die sich a»f de» könt^Streue» und nationalen Bode« stellt, die sich zugleich nach Kräfte» bemüht, die Härte» bei Leben» für die StandeSgeuoffen zu mildern, nürdk eix dxrchau» gesuxdeS Glied ex te« Körper unsere» polnischen Daseter bilde». Indem erber die Sozial- bewo'ratie sich te entschlossene« Gegensatz zu allem Bestehenden stellt, indem sie auch die wohlmeinendste Absicht der Reform durch den R> f »ach der Revolutio» »iederschreit, verläßt sie de» Rahme» he» im Staat», tetrresfe zu Duldenden u»d ruft de» Kampf aller Vertreter der Ordxu»g gege» sich wach.
Die jetzt stattgehabte Schließung der sozialdemo- kretische» Vereine te Berlin durch den dortigen Po ltzeipräfidenten, womit der Ker» der sozialdemokrotischen Parteiorganisation getrrffe» wird, hat begreiflicherweise viel Aufsehen erregt. Die Berechtig»» g zu dem Schritt ans Grund de» bestehenden preußischen Vereinsgesetze» kaun uicht »eiter bestritteu werde», uud te allerkürzester Zeit wird da» Gericht darüber zu entscheide» haben, ob diese Maßregel» aufrecht zu erhalte» feie«- oder nicht, ob also in Zukunft die Mitglieder der geschloffenen Vereinigungen sich ferner an Versammlungen dieser Vereine betheilige», Ber- eiulbeiträge zahlen, Zeitschriften verbreiten dürfen. Bemerkt möge bet dieser Gelegenheit fehl, daß die Aoflösmg der sozialdemokratischen Parteiorganisation die Sozialdemokratie uicht zum eiste» Male trifft. Schon te 3uli 1874 wurden der Allgemeine deutsche Arbeiterverein und die Berliner Mitgliedschaften der sozialdewokratischen Arbeiterpartei von diese» Schicksal betroffen. Nachdem sich dann die Sozialdemokratie in Gotha geeinigt hatte, wurde im April 1876 die Org«»isatto» der sozialistische» Arbeiterpartei Deutschlands abermals verboten. Die Partei blieb in Prenße» geschloffen bi» gern Erlaß bei Sozialistengesetzes, i>aS be»x etee Organisation für da» ganze Reich unmöalich machte. Die neue Or- ganisatiou stammt aus lern Jahre 189».
Der Schlag gegen die Sozialdemokratie.
gebene» rechnet, so liegt allerdings die Frage nahe: Warum hat man den» früher, warn« hat man seit de« 1. Oktober 1890, de« Verfalltage der Ausnahmegesetze, nicht hiervon Gebrauch gemacht ? Warum W «an e8 ruhig mit angesehen, wie immer neue Müsse in da» Bett der sozialistischen Partei strömten, sodaß der Strom zu der zerstörenden Stärke der
heutige» Zeit anschwoll? Sind die Maßregel», die heute getroffen werde», durchaus und vollständig te de» bestehenden Gesetzen begründet, so ergiebt sich »ob selbst, doß die Aer« Caprivi in dr« Kampfe legen de» Umsturz unentschuldbare Versäum: iss- besangen hat. Die Gefahr war in der Zeit de, zweiten Kanzler» ebenso deutlich und ebenso dringend :»ie heute: aber nicht eine einzige That wurde versucht, um ihr energisch zn begegnen und da» Rüstzeug de» Staate» te den Dienst der Staatsgewalt zu stellen.
Allerdings sind wir Wett davon entfernt, an» dem sttzigen Borgehen die Hoffnrng anf eine Lerxichtvug der Sozialdemokratie zn schöpfen. Eine große Be-
Deutsches Reich.
* Bertt«, 2. Dezbr. (Tagesbericht.) Se. Raj. der Kaiser ist heute Nachmittag te Breslau eiugetroffe», wo derselbe auf dem Bahnhofe vo» den Spitzen der Militär- uud Civilbehörden empfangen wurde. Unter bt« 3ubel der Bevölkerung begab sich der Mouarch nach der Kaserne de» Leibkürasfier- regimexts uud wohnte dort der ErteneruxgSfeier ax de» deutsch-französische« Feldzug bei, welche etee« überaus glänzende« Verlauf «ahm.
* (v. Kotze und v. Reischach.) Freihen v. Reischach, der Hofmarschall der Saiseri» Frieirich, welcher ix der Duellaxgelegeuheit mit de« Cere«o»iex «eist er v. Kotze zu 4 Moxaieu Festung« hast Der- xrtheilt worden war uxd seine Haft ««getreten hatte, ist, wie die „Post' meldet, begnadigt worden und hat die Festung Glotz a« Freitag verlaflen. Bei dieser Gelegenheit, schreibt die „Post' weiter, sei erwähnt, daß jetzt auch da» Ehrengericht iu dieser Angelegenheit seinen Spruch gefällt hat. Da» Uriheil liegt gegenwärtig be« Militärkabteet znr Bestätigung durch den Kaiser vor. Das Ehrengericht hat hte- fichtlich bei Sammerherr» v. Schrader auf Frei-
’&Tgtt, Mda Goßämwr» 9Ä?« ifj. GÄ Beielgtib) I-sßriistS,ckichi! kür di« Zeit,
sbe* feeres Rax» 10 U-., Rtflsaex ter di» Stil« Bia.
recte Biestes auf ssmbsr, auration iuaelare«.
rv»«rq. !k 1895; Henrierte ff eis uud
Sl9mttl W °uf dem »obex der bestehende» Gesetze bewegt, Regiment u>ed Umsturz.
rm _ . A-lz»!,ru acma:: entgegen dr« Srpeditiou dieses Blatte»,
lyluTvllTu. sowie die Almoncen-Bnreanr von Haasenstein ». Bögler in VW rx. t
Frmckfxtt «. M., Caffel, Magdebnrg >md Wie»; Rudolf XXX. JllhM
Mittwoch, 4 Dezember 1895. «Ä»LS?.-WLL
" u xxaoe x. »o. tn -rranmett #. we,, Berlin Hannover, Par«.
in Herrn mndteug
>er
Margarethe.
Original-Roman von M. Widdern.
(Nachdruck Verbote«.)
- (Fortsetzung.)
ilfr Er warf einen theilnehmenden Blick in das Mge, schöne Gesicht, aber er erwiderte keine Silbe cheu Ms — »ar er doch auch Gefühlsmensch genug, um zu wissen, es siebt Schmerzen in der Menschenbrust, 1161*, denen gegenüber jedes Trostwort eine Brutalität ist.
).
Silber, uud (7060 rrexhdlg.
Sattler» *. Schule der Zeit ch Frau llstäxdig ch Fra« terxbe»,
Ein paar Schritte vorwärts führte er sie noch s— dann öffnete er die erste beste Thür — sie führte zufällig in ein reizende» kleine« Vorzimmer, dann aber in da« eleganteste Gemach de« ganzen Hause«: Diese Pracht — dieser Luxu«!l
E» war beiden — der Herrin wie dem Bediensteten, al« sähen sie solche übertriebene Eleganz heute zum ersten Mal in diesem Hause, vielleicht, weil die funkelnde Pracht der riesigen Lüster — die silberblinkenden Umrandungen der ungeheuren Spiegel, die köstlichen mattrosa Serdenmöbel und dazu noch die theuren zartgemusterten Teppich«- die auch nicht I einen Zoll breit den Fußboden sehen ließen, einen so grellen Kontrast zu ihrer augenblicklichen Stimmung bilbeten — hier nur ein Gedanke an die größte Dissonanz de« Leben« — da Alle« Har- wonie — Alles Licht und Glanz, Alle« nur auf Genuß und Freude berechnet.
Mitten im Gemach, gerade unter dem ungeheuren Kronleuchter mit seinen wundervollen Be- hängen aus Silber und Bergkristall, von denen ttnzelne an sich ein Kunstwerk in solcher Arbeit, standen sie sich gegenüber, Margarethe nöthtgle den Geschäft«- fährer der Großhandlung nicht zum Riedersetzen — t* »ar nicht Hochmuth, den, wissen wir, kannte sie tt nicht, aber ihr graute mit einem Mal »or den
schwellenden. Seidenpolstern — nicht.um die Welt mochte sie jetzt ihre schmale Gestalt darauf finken taffen und doch hätte auch sie sich sitzen müssen, wenn er Platz genommen. „Und nun, Herr Werner, bitte, sprechen Siel'
Ein tiefer Athemzug hob seine Brust — er hatte sich bisher In jeder Lage des Lebens zurechtfinden können — hier zum ersten Mal wußte er nicht, wo da« rechte Wort zu finden war. Und dennoch, so oder so, längere« Schweigen war eine Grausam- kett! Die schlimmste Gewißheit ist ja leichter zu tragen, al« diese Qual — diese Angst — welche doch nur zu deutlich au« den großen blauen Augen Margarethen« sprach.
„Gnädige Frau, ich will Sie unumwundrn mit Allem bekannt machen, wa« hier passtrt ist. Ich hätte Sie gern in milder Weise auf da« Ungeheuerliche vorbereitet," setzte er bann hinzu, „aber meine Seele ist sitbst so au« ihrem Gleichgewicht, daß ich keinen Ausdruck finde.'
„Sprechen Sie nur, sprechen Sie nur,' hauchte sie, „ich bin bereit» auf Ale» vorberettet — nur sprechen Sie schnell!' Und dann die Hände auf oas stürmisch schlagende Herz drückend, setzte sie hinzu: „Ich weiß e» ja schon — mein Mann ist wahnsinnig!'
Sie wußte e« schon! Ihm fiel e« wie eine Centnerlast von der Seele. „Ja, gnädige grau, wir hatten lange etwa« Aehnliche« erwartet und trotzdem kam e« un« doch wieder unerwartet. Doch gestatten Sie mir, daß ich der Reihenfolge »ach Alle« berichte; vor Allem muß ich mich aber der traurigen Pflicht erledigen, Ihnen zu sagen — daß e« schon lange nicht mehr im Geschäft in der alten Weise geht — die Ausgaben standen in keinem Berhältniß zu den Einnahmen und ich würde
den sicheren Ruin gefürchtet haben, wenn mir Herr Herder nicht gesagt hätte, am ersten April würde ihm au« Amerika der Rest einer Erbschaft au«ge- zahlt werden, e« sei die« eine Summe van 200 000 Thalern; ich wußte, daß mein Ches vor einigen Jahren eine große amerikanische Erbschaft ange- treten und ich wußte auch, daß er immer in lebhafter Korrespondenz mit Amerika stand — und so glaubte ich ihm und schaute sorgte« in die Zukunft unsere« Hause«, ja, ich trug selbst durch Wieder- holung dieser Mittheilung unendlich viel dazu bei, den sinkenden Kredit wieder herzustellen — denn wie ich dem Chef geglaubt — so glaubte man nun mir — man kennt meinen Charakter, meine Gesinnungen."
„So kam e«, daß Ihr Gemahl gerade in den letzten Wochen die ungeheuersten Verpflichtungen eingeben konnte, e« existirt keine Juwelenhandlung am Orte, die ihm nicht bereitwilligste Kostbarkeiten von hohem Werth trebitirt hätte und alle diese Diamanten, diese Smaragden und Saphire, diese prachtvollen Bestecke und Tafelgeräthe in Silber wanderten — o, gnädige Frau, e« ist so traurig, Ihnen da» Alle« mitzutheilen — 1*
„Sprechen Sie e« doch, Herr Werner, sagen Sire» doch, auch darauf bin ich vorberettet, wanderten in da« Boudior Signora Minorettt«. Da« Hau» Augustin Herder, da« so sicher erbaut schien auf Dem Fundament eine« wirklich achtunggebietenden Besitze«, e« solltet zum Theil einer italienischen Sängerin wegen: Signora Minorettt hat meinem Satten sein Vermögen gekostet.'
(Fortsetzung folgt.)
Eine letzte Audienz.
Von Dr. F. Meld»in Marburg.
Da« Jahr 1866, für Manchen in unserem Heffenlande bedeutungsvoll, hatte auch für den Schreiber dieser Zeilen insofern besondere Beseutung, al» er in diesem Jahre zum Professor Ordinarius an der Universität Marburg ernannt wurde. E« kann diese Ernennung, von meiner Person ganz abgesehen, deßhalb noch al« eine merkwürdige betrachtet werden, weil sie die letzte Ernennung eine« Professor« gewesen ist, welche der hochselige Kurfürst Friedrich Wilhelm I. als letzter Kurfürst von Hessen vollzog. Schon deßhalb wird wohl ein Jeder, dem feine Stammesangehörigkeit noch etwa« gilt, e« in Ordnung finden, wenn man einem solchen Erlebnisse ein treue« Andenken bewahrt, wenn ich an diesen Zeitpunkt meiner Ernennung und an da«, wa« kurz daraus mit ihr in Verbindung kam, in einer pietätvollen Stimmung zu- rückdenke.
Rach dieser meiner Ernennung hatte ich mich, um meinen Dank abzustatten, dem Kurfürsten persön ich vorzustellen, was bereit« zwei Jahre vorher, al« ich zum Extraordinariu» ernannt worden war, hätte geschehen können, doch war mir damal« bekannt gegeben worden, daß Königl. Hoheit e« bei einem Extraordinariu« nicht gerade übel nehme, wenn dieser seinen Dank schriftlich abstattete, und hatte ich die« gethan. Jetzt aber, nach der Ernennung zum Ordinariu«, «ar et nothwendig, um eine Audienz nachzusuchen und fich persönlich vorzustellen. Ich erhielt diese und, mexlmürig genug, auch diese Audienz sollte die letzte sein, welche der Kurfürst einem akademischen Lehrer gewährte. Ich glaube wenigsten«, daß keiner meiner Kollegen noch ein«