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Wöchentliche Beilagen: Kroisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg.
Sonntag, 17 November 1895.
■wie« nimmt «tgegm di« Expedition dies«- Blatt«, I»wu di« 8ltmencto»jBxt««nti von Hoasmstrin «. Boglre in Frankfurt «. M., Taffrl, Magdeburg nnd Wim; Rudolf Stoff« in Frankfurt«. M., Brrlin, Münchm u. Köln; <8. L. Daub« x. Co. in Frankfurt «. M., Brrlin Hauuovrr, Paris.
XXX. Jahrg.
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Die Auswanderung und der Militärdienst.
i?j Die deutsche überseeische 8n8»axbeiu«g i eine der umfangreichste, unter dexjenigeu der cniopä ■ scher» Staate», besonders, wenn man bedenkt, daß «ai von einer Auswanderung nach unseren Kolonie, fo« rede» kann; somit geht also ein bedeutendes ktück von deutscher Vollkraft dem Vaterlande rnlore». Die stärkste AnrWanderung im Jahr hat z«z zweifellos England, nut daß die britischen Ans Wanderer sich in der Hauptzahl den englische» Kolonien Piwende», immerhin also im Dienste ihre« Ratio»al prirnögens thätig bleiben, Von Auswanderer», welche
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sich, wie die deutsche», in fremde Staate» begebe», stehe» obenan Italiener und Irländer, aber doch ist bet Auswanderungsgrund dort nicht derselbe, wie in Deutschland. Die wirthschaftliche» Zustände in Italic nnd England können mit denen des deutsche» Reiches gxr nicht verglichen werde», fie stehe» weit hinter den wsrige» zurück. Wen» also die italienische und irländische arbeitende Bevölkerung in erheblichen Massen mSwoudert, so geschieht dies zvm wesentUchen Thüle allerdings deßhalb, weil keine lohnende Arbeit mehr zs finden ist; und was in beiden Länder» al» ge> wgender Lohn betrachtet wird, ist vi-lfach so wenig, daß man diese Lohnsätze bd uns in Deutschland überhaupt nicht mehr kennt. Bo» ei»em Mangel an Arbeit kann bei uuS aber nicht im Ernst die Rede sei»; gewiß überwiegt in einzelnen Großstädten das Arbeitsangebot bei Weitem die N.chfiaze rach Arbtils- käste», aber eS steht allen Personen, die in großen Städten keine Arbeit finden, ja frei, den heißen Soden ihre» bisherigen Wohnsitzes zu verlafseu und orßerhalb desselben Verdienst und Beschäftigung zu sichen, die fie auch sicher finden werden. An minirte», einmal selbstständig gewesenen Existenzen schlt e» uns nun allerdings nicht, die kritische» Jahre, sie mit »icht allzulange» Unterbrechungen eigentlich Hon seit 1873 «»dauer», habe» manche» braven «an» seine» eigenen Herd unmöglich gemacht. Diesen Leuten erscheint die Auswanderung am Meiste» verlockend, de»» «e»» auch die Heimath den Schiffbruch bet eigene» Existenz nicht verschuldet hat, ei» Gefühl bei Verbitterung steigt leicht empor und treibt zu» Kortwandern. Das ist aber »och immer nicht das Sro» der AuSwaudervug, die» fetzt stch vielmehr ans 3e»t» zusammen, die im jugendlichen Wagemuth, oder « spätere» Jahre» aus Wander- und Unternehmung», inst in die Weite ziehe», die alle Brücken hinter fich
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vnrde estern lbend »ihr. loh». 11.
Margarethe.
Original-Roman von M. Widdern.
(Nachdruck verbot«».) (Fortsetzung.)
Vielleicht wollte die Matrone noch hinzufügen: ,Und ich weiß Dir auch den rechten Mann zu lernten," schwieg aber wohlweislich; man mußte ’ »ch erst abwarten, wie die Kleine solche Worte vfnahm — mit Genugthuung — mit Zorn?
„O, Mama, sprich nicht so: Ich will keinen «deren," schwebte e» zuerst auf Grethchen« Lippen, inen Moment war sie wirklich beinahe entrüstet, ernt aber dachte sie auch schon wieder der ihr an- kthanen Beleidigung und der eine Gdeanke verseuchte alle Übrigen. Und nun leuchtete es in ten Augen: ,3a, Mama, Du hast vollkommen Ht," sagte sie mit fieberhaftem Eifer.
,Ach und ich würde mich zu jeder Parthie ent« Meßen," fuhr Margarethe fort, ,zu jeder, Mama, letm ich damit nur meinen Zweck erreichte."
Al» wenn da» Schicksal selbst ihr zeigen wollte, » die Gewährung diese» Wunsche» zu finden sei, i unterbrach in diesem Augenblick die alte Magd » Gespräch zwischen Mutter und Tochter. »Herr «gustin Herder wünscht den Damen seine Auf- «tttung zu machen," sagte sie, ,er kommt, um sich i empfehlen, denn schon morgen gedenke er die Habt zu verlassen."
v »Führe den Herrn in da» Besuchszimmer, Sfette," befahl die Räthin, aber ihre Stimme vibrirte.
Die Thüie hatte fich hinter der Dienerin gr- lloffen, in dem hübschen behaglichen Wohnzimmer toben fich Äug' in Äug' wieder Mutter und «chter gegenüber; aber welch' eine Wandlung hatte ch denn so urplötzlich mit Margarethen vollzogen,
abbreche», um späterhin ost, sehr oft auch »icht ernt- feixt das z» finde», was sie e wartet haben,
Wir habe» Anlaß unsere Sufmerkfamkdt be sondn» be» jn»ge» Leute» za widme», welche be bet Auswanderung die Tragweite ihre» Entschlüsse» »och gar »icht zu übersehe» vermöge», und die da glaube», in fremde» Länder» würde» zu ihrer Bewillkornm»u»g Ehrenpforte» gebaut »»d weißgekleidete Jungfrauen aufgestellt. Sie habe» bei einer frühzeitige» Auswanderung in der Regel »och die Nebenabsicht, stch dem Militärdienst zu entziehe», und diesem Lelüst sollte heute, wo die Dienstzeit bei der Infanterie nur »och zwei Jahre bet agt, schärfer als je eutgegengetteten werde». Es ist nicht nur uupatliotisch, fich der Dieuflpfl cht zu entziehen, e» liegt auch Ungerechtigkeit gegen die große Mehrzahl Derjenige» darin, welche prompt ihrer Verpflichtung Nachkommen Heute geschieht es »icht selten, daß solche Durchbrenner, deren Name in den Zeitungen genannt ist, als nordamerikanische Bürger nach Deutschland heiwk-hren, denn wer drüben die Pfiffe und Kniffe kennt, mag das amerikanische Bürgerrecht für Geld in sehr verhältnißmäßig kurzer Zeit erwerbe», und fich der vollbrachten Heldeuthat rühmen ES stehl ji den Behörden frei den Renommisten innerhalb bestimmter Frist zur Grenze zu bringen, aber die Verhältuiffe find i« dieser Beziehung schwankende und er sollte» hier feste Normen gezogen werde». Zn einer Auswanderung vor Regelung der Dienstpflicht liegt absolut kein Grund vor, und wer ungeachtet dessen das Weite sucht, mag die strengen Folgen davon auch tragen Aber fest müssen diese Folgen dastehe», dann weiß ein Jeder Befchdd und braucht sich keinen trügerischen Erwerbungen hi» zugeben.
Wir mögen ht diesem Kapitel Manches von unseren Nachbarn im Weste», von den Franzose», lernen. Nicht nur, daß die Auswanderung dort sehr viel geringer ist, als bei uns, der Franzose tritt im AuNaxde auch sehr selten in einen fremden Unter thaneuverband ein. Es ist das nicht gerade für uns erfreulich, wenn wir sehe», wie so sehr viele Deutsche die frembe Nationalität annehmen Der Franzose ist auf seine Heimath stolz bis zum Chauvinismus und bis zur Eitelkeit, und häßliche Erscheinungen sind die Folge. Ab« diese weitgehende Anhänglichkeit der allermeisten im Auslände lebenden Franzosen a» ihr Vaterland könnten wir wirklich de« deutschen Charakter wünsche». Die Republik Frankreich, die doch gewiß nicht al» Militärstaat gelten will, Hai nun über die Entziehung von bei Militärpflicht sehr
was war'» denn, da» an» dem weißen, unschuldigen Gesichtchen mit den tiefen, seelenvollen Blauaugen, zu denen da» schwarze Haar so wunderbar kontrastirte, jeden Ausdruck von kindlicher Weichheit genommen, was war'», da» um den kleinen Mund einen Zug von Trutz und Entschlossenheit gelegt, den man hier noch nie bemerkt?
Die Räthin wäre wohl imstande gewesen, un» diese Frage zu beantworten — sie empfand, wie ihr Kind empfand, und sie la» auch jetzt in ihre» Kindes Seele Wort für Wort — wie in einem aufge- schlagenen Buche.
* * *
Reizender, begehrenswerther denn je erschien Grethe Stenson heute dem jungen Pflegesohn der Pastorin, über den mit einem Mal Göttin Fortuna ihre Güt« in so verschwenderischem Maße gestreut. Und e» preßte ihm da» Herz zusammen, wenn er daran dachte, daß sie die Braut de« Vetters sein sollte. Hatte er doch keine Ahnung davon, was sich während der letzten Wochen zugetragen/ denn seit jenem zweiten Besuch, von dem die Eltern Grethen erzählt, betrat er da» Stensonsche Haus nicht wieder, erstens war feine Zeit infolge der gemachten Erk. chaft und der dadurch geweckten Pläne für die Zu- unft sehr in Anspruch genommen, dann aber hatte er sich bei reiflicher Ueberlegung auch gesagt, daß es besser für ihn sei, da» junge Mädchen, für dar er sich wirklich sehr interessirte, so wenig al« mög- ich zu sehen — weßhalb fich selbst Qualen und Inruhen bereiten — ganz abgesehen davon, daß er Johannes wohl ein Recht zuerkennen mußte, ihm eine Besuche in der Familie des Raths zu verbieten.
Eine Lbschiedsvisite-aber-umßte schon anstand«, alber gemacht werden. —
Und so sehen wir ihn denn hexte, wie immer
knappe und unzweideutige GesetzeSbestimrnuuge», be keine» Zweifel bar über lasse», was dnent Durch- brerner bevorsteht, llib diese Bestimmung lautet: „Jeder Franzose, bei fich durch Aufenthalt im AuS- lanbe dem Militärdienst in Frankreich entzieht, wird beim Betrete» des französischen Bodens, so lange er »icht daS siebzigste Lebensjahr überschritte» hat, bestraft und muß, wen» er noch köip erlich rüstig ist, uachdieue». Der Umstand, daß der Betreff.nde in eine» fremden Untertha»e»verband getreten ist, befreit nicht von der Bestrafung i» Frankreich." Dieses Gesetz ist allen Franzosen bekannt und die Fälle von Dienstentziehung find daher kaum «enuenswerth Mancher Deutsche wird dies republikanische Gese hart nennen; dar ist eS aber nicht, es ist nur gerecht und behütet zudem manchen jungen Menschen vor der Begehung bitterer Thorheite», den» »ach dem aktiven Dienst denkt so manch« junge Man» ganz, ganz anders, als vorher.
Deutsches Reich.
* Zkerttn, 15. Nov. (Tagesbericht.) Seine Majestät d« Kaiser ist mit seinen hohen Gästen in Letzlingen zur Jagd eingetroffen. Heute brach die Jagdgesellschaft um 9 Uhr früh zur Pürsche auf. Es fanden zwei Lapptreiben auf Damwild in den Oberförßereien Colbitz und Planke« statt. Zwischen beide» Trete en wurde ein Frühstück im Jagdzeit ein ge: »simen. Die Rückkehr nach dem Lrtzliuger Schloß erfolgte gegen Abend. — Der rusfischr Großfürst Wladimir Alexandrowitsch, der 6etanxtliei zum Besuch au unserem Kaiserhofe weilt, ist, wir verlautet, der Träg« eines Handschreibens des Zaren an unsere» Kaiser. Der Brief soll de« Wunsch des Zare» auSsprechen, mit Deutschland stets gute Be- ziehunge» zu unterhalten; man messe ihm daher hohe Bedeutung bei. — Nach dem „Wiener Fremdenbl." wird die Chefredaktion der „Kreuzzeitung" in Berlin vorn 1. April ab Graf Klinkowströ« übernehmen. — Wege» Majestätlbeleidignng veiurtheilte das Kieler Landgericht den sozialistischen Redakteur Poller zu neun Monaten Gefäiguiß.
* (Konferenz.) ließet den Verlauf der Konferenz über die Revifion der ArbeiterverfichernngS' gesetze veröffentlicht jetzt der „Reichsanzeiger" einen längeren Bericht, der fast durchweg Bekanntes enthält. Bezüglich bet ixtereffanteften Frage, ber Abschaffung >e» Markenklebens ließ fich auch ohne Abstimmung, bie in ber Konferenz grundsätzlich ausgeschlossen blieb, erkennen, baß bie Mehrheit bet Theilnehm«, wenngleich
„elegant* vom Scheitel bi» zur Sohle, in dem traulichenBesuchrzimmer des hübschen Gartenhäuschens auf der Heldewinger Vorstadt der Räthin und Grethe gegenüber, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben kokett wat — wirklich kokett und noch dazu eine» Mannes wegen, der sie bisher so wenig be- achtenswerth gefunden.
Ja, sie wollte ihn für sich gewinnen, wollte so chnell wie möglich sich seine Braut nennen dürfen — nur von dem Wunsch beseelt, daß der Eine es erführe, der Eine, der ihre Liebe verschmäht hatte, nun fie sie reuig ihm geboten. — Daß einer Verlobung auch die Ehe folgt und daß man möglicherweise in einer Ehe, die nur auf dem Fundament übertriebenen Mädchenstolzes bafirt — unglücklich — unsäglich unglücklich werden konnte, daran dachte Margarethe Stenson nicht. Die widerstreitendsten Gefühle in der Brust, diese» Schwanken zwischen dn aufrichtigsten treuesten Liebe und dem Zorn über die ihr angethane Schmach hatten so deptimirend auf ihr geistige« Leben gewirkt, daß fie die möglichen Konsequenzen ihr« Handlungen gar nicht berücksichtigte.
Dazu glühten ihre Wangen und leuchteten die Mauen Augen, daß Augustin Herder am liebsten die kleinen Hände gefaßt und ihr zugeflüstert hätte: „Ich liebe Dich, schöne holde, Blume l" — Aber nein, so viel Rücksicht glaubte er doch auf den Vetter nehmen zu müssen, um diese« Wort wenigsten» nicht auszusprechen. Aber al» die Räthin da« Besuchszimmer verlassen, ob fie in der Küche Be» fehle ertheilen wollte, ob« nur ihre Absicht war, Augustin das unbehagliche Gefühl zu nehmen, daß er beobachtet würde, wir wissen es nicht — genug, fie ging und ließ die jungen Leute allein.
Sie faßen in der tiefen Fensternische — Grethe
fie bie Beseitigung des Markensystem» biingeeb wünschte, bie bisherige» Vorschläge als bedexkenfreie Verbesserungen roch »icht weiter ne» konnte u«b zunächst eine weitere eingehenbe Prüfung ihr« Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit für erforderlich erachtete. Bei be» bisherige» Vorschläge» werbe, wie nm» hervorhob, »icht genügend beachtet, baß bie Marke» nicht als Quittungen über bie Beitrags« ent.ichtung, welche allerbiugs auch in anderer Form möglich feie», sonber» auch als Nachweis Sb« bie verficheruxgrpflichtige Beschäftigung biene». Zum Schluffe bei Betonungen wurde mehrfach hervor- gehoben, baß bie vorliegende« Reformvorschläge noch nicht als genügend aus gereift zu betrachte» seien, sonber» eine eingehendere Durcharbeitung nxb Er- wägung erfordern. Die zuständigen Behörden *«ben fich unter diesen Umständen die Frage vorzulege» haben, ob eS fich empfiehlt, die Revifionsarbett so lange auSznsetzen, bis fich ei« einwandsfreier Weg für eine Zusammenlegung verschiedener VerficherunzS- zweige oder für andere grundlegende Abänderungen der Arbeiterverfichernugsgesktzgebung gefunden habe» wird, oder ob nicht vorbehaltlich später weitergehender Maßnahmen zunächst mit einer Revision der Eixzel- gesttze unter Aufrechterhaltung ihr« grundlegende« Bestimmungen fortzufahren sein wird.
* (Parlamentarischer.) Beid«Reichstags- Wahl i« Gerabronn (Württemberg) hat der Volks- parteiler Kupferschmied Augst mit 5823 Stimmen den Sieg davongetragen. Seine Gegexkandidate» Gröber (Ceutr.) und Kloß (Soz.) erhielt.« 2718 bezw. 236 Stimmen, während 110 zersplitterte«.
* (Zum Prozeß Liebknecht) wird noch aus
BreSla» g>meldet: Die unter A»klage gestellte« Sätze i« der Eröffnungsrede Liebknecht'« zum Partestag der sozialdemokratische« Partei Teutschla«ds am 6. Oktober begänne«, nachdem unmittelbar vorher von ber Umsturzvorlage und bereu Scheitern gesprochen war, mit den Worten: „Aber jetzt fängt Dieb« eine neue Bewegung an. Unter be« Schutze der höchste« Staatsmacht beleidigt man bie Sozialdemokratie ; unter bem Schutze bet höchsten Staatsmacht uxb mit Hilfe der Staatsmacht ist ber Partei ber Fehdehandschuh zum Kampfe auf Lebe« nnb Tod hingeworfen. Was bie Beleidig»« ge« unserer Partei betrifft, so stehen wir so hoch, daß . . ." Der Redner gebrauchte hier einen nicht wieder- zugebenden Ausdruck. Da» Gericht hat nun, wie i» der Begründung des Urtheil» gesagt wird, in de« Ausdrücke« „unter dem Schutze der höchste« Staatsmacht* und „mit Hilfe der Staatsmacht* eine
zeigte ihrem Gaste eine Sammlung reizender Aquarellen — fie sprach eifrig dabei, mit einer Art fieberhaft« Beredsamkeit, die aber ihrem Wesen einen ganz neuen Reiz verlieh; — da begegneten ich zufällig ihre Blicke — sie sah die Leidenschaft n den Augen de» jungen Manner und — schwieg plötzlich — erschrocken — doch erschrocken, trotzdem ie eben noch gewünscht, da» begehrende Wort von »en Lippen ihre» Gaste» zu hören. — Augustin aber prang plötzlich von seinem Sitz in die Höhe und griff nach seinem Hut: „Leben Sie wohl, gnädige» Fräulein — leben Sie wohl — 1"
„Aber, Herr Herder — wa« ist Ihnen — habe ich Sie beleidigt —
Und von Neuem trafen sich ihre Blicke und neben der Leidenschaft la» das Mädchen in de« jungen Mannes Augen auch noch etwa» And«es: Sie la» Schmerz — tiefen, auftichtigen Schm«z darin.
„Beleidigt — Sie mich?"
Er rang mit stch. Zu seiner Ehre sei e» ge- ägt: er kämpfte einen schweren Kampf, dann ab« äßte « doch die kleinen, weißen Hände, die nun o zitternd und eisig kalt in den seinen lagen:
„O, nein, da« ''haben Sie nicht — ab« ich muß gehen, gnädiges Fräulein — weil ich mich »avor bewahren will, zu d« Braut eines And«en Worte zu sprechen, die — nun, die ihr verralhen müßten, daß noch ein zweite« Herz für fie schlägt."
„Zu der Braut eine» Anderen? Herr Augustin H«d«, meinen Sie damit, daß —"
„Daß Sie sich dem Doktor verlobt haben? Ja, da» meine ich, Fräulein Margarethe, da» meine ich, weil ich e» aus seinem eigenen Munde gehört." Augustin» Stimme vibrirte, er sah in da» chöne Mädchengeficht fich gegenüber, al» wenn von