M 261
IC
*
Whist Ü«l!ch an« cs »«ttete* xt* Ssw sei
Mrrt«,«. — O*«trLa!-W»8*»««-VniD Sei brr Lxp» jUldt Ihitd
¥&»x S «L, b«j sS« V-««i«* SMk. W Pf,, («rll.
»ÄÄJ» Mittwoch, 6 November 1895.
Wöchentliche Beilagen; KreMlatt für die Kreise Marburg «ud Kirchhain.
Stpebitton:$Allnsirirtes Sonntagsblatt.
UMixvr nimmt mtgeg«? di« Expedition dieser Blatt«,
'»»i, bi-AMSllcen-Bsreesr von H-asenstein *. Vogl« i» - ,
Zraukfmt r. M„ Gaffel, Magdeburg und Mm; Rudolf ÄÄZ. 5?(TOTO, Moff« in Frankfurt a. M., Berlin, München *. Köln; S. L. U Y
Daube n. Ts. in Frsnkfurt 8. M., Berlin Hannover, Pari!.
Ländliche Arbeiterverhältniffe.
,69
n ; Erhebung er strickt, doch find dabei 198 Dörfer, 13 ^^^SMerk fleck n und 22 Statt-', darunter vier mit »ehr
neit
frage berücksichtigt. Tie ermsttelte Wohudichtigkcit
tenantheil
tmantheil
1593
ichen.
pxig.
tkN
193
etwas männlichen Erscheinungen seiner Schüler
&Co
Verleitung Einfahrt
elhem itfere»,
onstige lerhingen.
als 50 C O E n »ohne» birückfichtigt. Es wurden 1000 Fragebogen vorzugsweise an e'ngesessinr Ber tranenkmänner gesandt und nur, wo solche nicht zu haben waren, en städtische Genossen, die uit den ländlichen Verhältnisien vertraut find. Bo» diese» 1000 Fragebogen find 234 cusgefüllt wieder zurück psandt und zwar meist ohne Namen.
Wie eingehend die Erhebungen find, kam man daraus ersehe», daß nicht weniger als <0 Fragen
4. geschlagen haben. Ra, wie schon gesagt, ich für kine Person kann den finsteren Menschen über-
Sleichplatz il. Mass it stet Eina. Zubehör
W nicht leiden — wenn gewisse Leute ander» ^über denken, nun, dann ist da» nicht meine Sache,
Original-Roman von M. Widdern.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
du eigentliche« Laudorten wohue» eine, höchstens zi»ei Familien in einem Hanse. Bemelkcuswerth ist das sozialdtmekratische Urthetl über die Wohuuuze». $k Häuser der ländliche» Arbeiter fi»d nicht Ville», tifi noch weniger „Schweiueställe'. Dan« heißt es: denfalls schließt dies Wohu-Ystem eiae Reihe von erwikgesden Mißständen aus, welche deu Wohsuugk» hältuiss-n des städtische» Proletariats anhafte».*
Der Gegensatz zwischen Reich und Arm, so heißt im Belichte, präge fich wenig oder garxicht i» der ichen Lebenshaltung, wohl aber i» der Ehe- lietzung und in der Gemeindeverwaltung aus, is Lohnsätze der Tagelöhner find besonder» gfälrig g-prüft worden. 74 Proz, der TrhebungS e weise» tu» Durchschnitt eine» JrhreSloh« für Rechte von 150 bis 300 Mk. auf; t» 14 Prozent er Orte find die Löhne im Durchschnitt geringer, 12 Prozent der Orte höher. Bet diesen Lohn kn find jedoch Kost, Wohnung und die ständige» benetnnahmen und Trinkgelder nicht mitgerechnet.
Auch über die Beha»dlu»g de» Gesinde» Ermittelungen eingezoge». Wo reichere Bauer»,
* Um die Laudagitatio« mit Nachdruck betreiben p köumn, hat die sozialdemokratische Agrar-Kou- »isio« Erhebungen über die ländlichen Arbeiter »eihältsisse veranstaltet. Die Ergebnisse liegen noch licht vollständig vor, nur über die ländlichen Ver- hiltrtffe Südd-utsch'asds, md zwar i» Hessen- Kassau, im Sroßherzogthu« Hesse?, im Rheinland rechts der Mosel, in Elsaß Lothringen, Baden, Wrttemberg und B her» find Mittheilunge» ver- fffuil'cht worden. Nicht auf alle Orte hat fich die
Und wirklich, er kam nicht. Gegen zehn Uhr Wen die älteren Glieder der Stensonschen Familie •«in in der Laube, ohne den Doktor, deffen aber jemand Erwähnung that, außer dem Juristen in •Ift der zu Beginn der Mahlzeit mit einem tieft n Aemzuge sagte: «Ist recht gut, daß un« der schwarze nicht mit seiner holden Gegenwart beehrt, •kr war heute in einer Laune — brr — ich glaube,
ch. ittel
rßEQi *vutcn, jicmcy cipi Tiuvyußm jic lyr L Unb ihre Thränen stoffen reichlich.
»Asten«
Und ste war e» auch für da» arme aufgeregte ib — nun konnte ste fich doch wenigsten» aus- «einen, freilich erst, nachdem ste ihrer Pflicht genügt.
f io ' ?T.tm erinnert gesehen hätte, daß er fich in der mma befand, er würde mit dem Rohrstock um 16. OntfAfÄ*»« tnie Mnn
iS für zwei Drittel der Orte 4 bis 7, für 24 Orte '^7 bis 10 Persoseu für ii» Hau» angegeben. Zu
-chulftr.24 p bea»t«ortkn wäre»; vo« diesen wollt« wir die sichtigste» h:raue greife». Zunächst ist di- W 0 h nu» g S.
> ^te bei den letzten Worten einen sehr dehnenden Blick auf Grethe geworfen, deren Augen ■» sofort von Neuem wieder mtt Thränm füllten,
Wie ein schriller Wehlaut klang e« ihr dabei «rch die Seele: ,6t kommt heute nicht mehrt «nd gerade heute nicht, wo e« doch galt, mich «lebet zu versöhnen- Aber Mama hat ganz recht „ ** et liebt mich nicht! Und dann: Alle Rück-
g-ößrre Güter vorwiegen, wird i» dem Berichte die Behandlung des Gestades i» 15 Ort-n als schros und grob bezeichnet. 3« 158 Fällen lauteten die Antworten: umgäsglich, verträglich, annehmbar z> mlich grt, und für 32 Orte wird da» Verhältniß zwischen Herrn und Gesinde al» gut, recht verträglich, als schöne» Patriarch lisches Be-Hält«iß, als sehr be f.ied gend b-zelchuet und die Behandlung der Knechte und Mägde als wie zur Familie gehörig anerkannt.
Wie in dem Berichte hervorgehob-n wird, be ruhen diese E mid: uege« größteutheilS auf subjektiver Schätzung und stelle» die eigene Meinung der ländlich-» Bevölk'tuug dar. Wer» man jedoch berücksichtigt, daß die Mittelspersonen Sozialdemokraten find, die bei der Beurtheilung vo» Arbeiterverhältniffen erfahrunasmäßig schwarz sehe», so wird man wohl in der Vermuthnrg nicht fehl gehe», daß auch das Bild, das dieser sozialdemokratische Bericht von der Lage der ländlichen Arbeiter eotwiift, ein wenig dunkler gerathen ist, all es der Wi klichkeit ent pricht. Daß el trotzdem so hell ausgefallen ist, beweist, daß die Lage der ländliche» Arbeiter bei Weitem nicht so traurig ist, wie fie die Sozialdemokrati- immer hi»- stellt. Die Enttäuschung der Sozialdemokraten ist daher begreiflich.
Deutsches Reich.
* Berlin, 4. Novor. (Tagesbericht.) Der Kaiser und die Kaiseri» wohnten gestern Vormittag dem Gottesdienste in be« Kommuus d-.S Neue» PalaiS bei, während ihr Gast König Karl vo« Portugal be* «ottesdirxst ix der katholische» Kirche zu Potsdam besuchte. Später begäbe« fich die drei Majestät«« «ach dem Schlosse Glienicke zur Tafel bet dem Prinzen Friedrich Leopold und sodarn mittell SouderzugeS «ach Berlin zn« Besuch des Opernhauses. Nach der Vorstellung erfolgte die Rückkehr nach dem Neue» Palais. Heute früh machte der Kaiser eine« Spazierritt i» di- Umgebung de» Sch'offes, hörte hierauf de« Vortrag de» Ehrfs del Civilkabimt» ur d daran anschlteßeud Marinevorträge. Mittags hat im Beisei» de» Kaiserpaares, de» Kron- Prinzen und des König» vo» Portugal die Set» eidigung der Rekruten der Potsdamer Garnison im Langen Stall stattgefunden, deffen Eingang mit «uirlanden, dem Reichsadler und schwär, - weißen Fahnen dekorirt war. Nach den Ansprachen der evangelischen und katholischen Geistlichen erfolgte die Vereidigung. Al» die Ceremonie beendet war, hielt der Kaiser eine Rede, in we'cher er di- Rekruten auf
ja, so schmerzbewegt fühlte fich dar Mädchen, daß er nun plötz ich vorbei war auch mit dem letzter. Rest ihrer Selbstbeherrschung und fie nun in leiden- schastliche» Weinen ausbrechend, von ihrem Platze aufsprang, und au» dem Garten eilte. Man hotte, wie ste die Treppe hinaufging, um ihr Stübchen zu erreichen. Al» die Mutter ihr jedoch tief bekümmert folgen wollte, legte der Rath freundlich seine Hand auf ihren Arm, aber er klang doch sehr bestimmt, al» er sagte: .Bleib nur, Lutschen, Derartiges muß allein durchgekämpst werden! Trauen wir Margartthen die Kraft zu, daß ste sich auch ohne äußeres Zuthun zu der Erkenntniß der einzig für sie Richtigen durcharbeite!!'
Die Räthin gehorchte, wenn auch mit einem Seufzer, und bald darauf legte man fich auch zur Ruhe. Da« treue Mutterauge vermochte fich aber nicht zu schließen und als Frau Luise endlich an den regelmäßigen Athemzügen des Gatten hörte, er war eingeschlafen, endlich, nachdem auch er gewiß für da« liebe Kind gebangt, erhob fie fich leise wieder von ihrem Lager. Behutsam schlüpfte sie, nur in ein leichte« Morgenkleid gehüllt, durch die nebenliegenden Zimmer, über den kleinen Korridor und die Treppe hinauf. Bor der Aeltesten Stübchen beugte fie fich und legte horchend ihr Ohr an da» Schlüsselloch; Grethe weinte — ba« Rntterherz hörte mit den Ohren zugleich — und e« zuckte schmerzhaft bei diesem leisen qualvollen Schluchzen —
Und dennoch, sie öffnete nicht die Thür — mußte ste fich doch der Vernunft de« Gatten beugen. — Ja, wirklich, e« giebt Kämpfe im Menschenleben, die „allein" unbedingt.allein', durchgekämpst werden müffen. — Aber wenn die Mutter auch nicht mit liebendem Wott den Versuch machen durfte, Trost zu spenden, ein» konnte fie doch und die» Eine that
b-:n eben geleisteten Eid hiuwie» nab ihnen bin u« bedivgt-n Gehorsam zur Pflicht machte. Eis vom Generalmajor Frhrn. vo» Bülow auSgebrachns dreimalige» Hurrah auf be» Kaiser beende!e die Feilt. Der Kaiser ließ dem König vo« Portugal die Kette zum Hohenzollernsche» HauSorde» üb-rreiche» und stellte ihn ä la suite des 20. Infanterie. Regime» t» Gras Ten-vtzm. Abend» fand bei de» Majestäten AbschiedStafel für König Karl statt, welcher sobans dir Weiterreise nach England vo« der Wildparkstatio« aus augktretere hat. Der Kaiser geleitete feinen Gast nach dem Bahnhof, woselbst die beiden Majestäten sich in der herzlichsten Weise verabschiedeten. — Prinz Heinrich vo« Preußen ist in Detmold ei»getroffen und dort vom Prinzen Adolph zu Schaumburg Lippe empfange« worden. — Reich» kanzlet Fürst Hohenlohe gedenkt fich morgen zu einem zwestägigi« Aufenthalt auf feine B-fitzungen srabowo und KaiserSwalde in Posen zu begebe« Er gedenkt auch einem Kreistage beizuwohnen. — Da» preußische Staatsministerium hat gestern Nachmittag unter Vorsitz des Fürsten Hohenlohe eine Sitzung abgehalten. An derselben, die über 3 Stunden dauerte, betheiligte fich auch Reichs justiz sekretär Niebei ding.
* (Konferenz) Im Reichsamt dis Innern ist heute Vormittag die Konferenz vo« Vertrauen» männern eröffn-1 wo:de», ix derdie gesetzlichen Maß nahmen zur «rbeiterverficherung berathen werden solle». 3m Vordergrund der Berathrng steht die Frage der Revifio» der Alters- und Jnvaliditäts Versicherung. Das RcichSamt te» Inner» und das Reichsveifichirungsamt habe» bet Konferruz hierüber eine Vorlage unterbreitet. Außerdem soll die Frage der Verschmelzung der Unfallversicherung, der Krarken- Versicherung, der Alters- und Jnvalidiiätsverfichrrung zur Erörterung gestellt werden. Von dem Ausfall dieser Erörterung wird es abhänge», ob die ver bündete« Regi-runge» gesetzgeberisch Vorgehen werde».
• (Landwirthschaftiiches.) 3m Reichk- tagSgebäude trat heute Vormittag der Ausschuß des Bunde» der Landwirihe zur Lorberathung de» Anträge» Kanitz, betreffend da» Getreide Einfuhrmonopol, zusammen. Der stellvertretende Vorftzsrde Dr. Röstcke leitete die Verhandlungen. Dr. Ruhland ans Zürich erstattete ein ausführliche» Referat über diese Frage. Die Debatte knüpfte an diefm Bericht as. Bekinntlich ist bei ursprüngliche Antrag Sanitz vom Bunde der Landwirthe umgestaltet und in dieser Form in voriger ReichSta^ssessio» eingebracht worden. Nach bei ersten Plenarberathnng war der Antrag an
ste auch: Sie beugte ihr Knie und betete zu Gott dem Allmächtigen mit voller Inbrunst, daß daarme, ringende Kind bald zur Klarheit gelangen und dann einer Zukunft voller Licht und Sonnenschein entgegen gehen möchte.
Er war ein köstlicher Herbstmorgen, bet auf diesen Freitag folgte. Der Rath hatte sich mit Sonnenaufgang erhoben und war in den Gartm gegangen, um, wie er feiner Gattin sagte, nachzu- sehen, ob die blauschwarzr Georgine (ein seltene» Prachtexemplar, beten Knollen ihm bet Direktor, >en lieben Freund zu erfreuen, aus Erfurt hatte chicken lassen) fich heute zur vollen Blüthe entöltet habe.
In Wahrheit duldete ihn aber (ganz wie am Morgen vor Grethe» Heimkehr) nur die Angst und Sorge um feinen Liebling nicht im Bett. Und al» er dann wirklich die schwarze Blüthe voll entfaltet n ihrer ganzen seltenen Schönheit sah, vermochte er ich auch kaum dieses Unikum» zu erfreuen, ba» ihn >och sonst so stolz gemacht hätte, kein Kunstgärtner in ganz B. konnte ja etwa» Aehnliche« auf seifen — denn sein Grethchen ging ihm doch Über die Blüthe.
Und so wandte bet Rath mit einem tiefen Seufzer ber Staude den Rücken und schlenderte langsam durch die kieebestteute« Wege be» Gärtchen» ohne Plan unb ohne Ziel. E» schlug gerabe sechs vom Kitchthmm, al» er ba plötzlich leise seine Schulter berührt fühlte, — unser alter Herr hätte nicht nöthig gehabt, fich umzusehen, xm zu wissen, >a» war fein Töchterchen, dennoch wandte et rasch >en Kopf mit dem gestickten schwarzen Sammet- käppchen darauf nach rückwart«.
„Grethchen, Du?' sagte er unb mit angstvoller VaterzärtlichkeÜ in da» feine, liebreizende Gesichtchen
eine Kommisstou verwiesen unb hier bi» zum Sessiovs- schluß berathen tooibex. 3n bei Kommission hatte Gras Schwittn (Löwitz) eine Resolution eingebracht und in derselben eine Billigung be» oUgewduex Zwecks des Antrages, vorbehaltlich jeder weiteren Entscheidung sowohl übet die Zweckmäßigkeit und Turchfühtba keit der Mittel, al» auch über die Pieishöhe. bei ber ein Ausgleich wün'cheu?Werth ist, befürwortet. Diese Resolutiox war mit nur 13 tzegex 12 Stimmen (eis Mitglied enthielt fich btt Äbstimsuxg) aögelehrit worden. — Mit ber Errichtung von Getretbeligerhäuse:», b. h des genossen- schastliche« Zusammengehens bet Laudwirthe beim Getreidevirkauf wirb fich auch ber sächsische Laube»- kulturrath in Hier bevorstehende» Gesammttagrmg eingehend beschäftige«.
* (Genossen unter sich.) Der „Vorwärts' bebanert da» Mißgeschick, ba» seinen verantwortliche» Redakteur Dicrl getroffen, und behauptet, daß et niemcU Sitzredakteure gehabt habe, sonder» daß feine verantwortlichen Redakteure stets nur redaktionell thätige bewährte Parteigenossen gewesen seien; auch Dierl sei schon Jahre lang auf ber Redaktion beschäftigt gewesen und habe fich freiwillig für die gefährliche Stelle axgeboteu Diese Behauptunge» t; ff-n, wie die „Post' anSführt, im Allgemeine» nicht zu u»d speziell Dietl, ber frühere Schauspieler mit bem nom de guerre Roland, ber seinen Beruf segeu vorgerückte» Alter» aufgebe» mußte — er zählt jetzt 63 Jahre —, wat als RebaktionSsekretät des „Vorwärts' beschäftigt unb im vorige» Sabre ohne vorangegangere redaktionelle Beschäftigung zum verantwortliche« Redakteur, zum „Sttzknli', ernannt worden. Kl» Sekretär bezog Dierl 112,50 Mark Monatsgehalt; als Verantwortlicher erhielt er eine Zulage von 12,50 Mk. Mehr wollte der Reichs- tagrabgeordrete Auer, der 125 Mk, al» Jssp zient des „Vorwärts' «eben seine» 3000 Mk. Gehalt al» Parteisekretär bezieht, nicht bewillige». Er bemerkte dabei, düß Dierl ja nur da» Gnadenkrot erhalt-.' Für diese» „Gnadenbrot' hat Tierl länger als Andere, ein Jahr lang, zeichnen müssen, und «euer- ding» zwang man ihn wieder zur Zeichnuug einer sehr gefährlich;» Nummer. Das Gsadeulrot hat ihn bereits l’/2 Jahre Gefängniß g> kostet. Was schließlich aus dem „alten, bewährte« Genoffen' werde» soll, kümmert den Parteivorstcud nicht, von dessen Anerkennung für geleistete Dienste auch der frühere Redakteur der „Volksstimme' ix Solisgex, Wilde, eix Lied fixgen kau». Dieser hatte fich ix seiner jahrelange« Thätigkeit 11/2 Jahre Gefängniß znge-
sehend, ba» heute so bleich, setzte er hinzu: „Grethchen, Grethchen, Du bist mir Über Nacht eine Andere geworden I' Und ihr liebevoll mit ber hageren Hind Über die heiße Stirn streichend, fuhr er fort: „Und denken zu müssen, um diesen finsteren Menschen, vor dem wie gebannt jeder Frohsinn verstummt, leidet mein Töchterchen!' Er schüttelte zornig den würdigen grauen Kopf.
„O, Papa,' sagte Grethe bittend, „sprich nicht so —' Sie konnte nicht weiter, leidenschaftliche» Schluchzen erstickte ihre Stimme, dann aber bezwang fie fich, und nun ihren Kopf fest an die Schulter de» alten Vaters legend, in dessen Brust, trotz ber beginnenden Hinfälligkeit ihres Körpers, doch ein so ugendlich empfindende« Herz schlug, daß er bem heuren Kinde vollständig nachfühlen konnte, wie er litt — flüsterte Grethe dann: „Papa, während der ganzen Nacht haben fich meine Augen auch nicht ür die Dauer einer Minute zum Schlaf geschlossen, ch hatte also Muße, um mit Aller noch einmal zu »edenken. Alle», Papa, war mir in diesen letzten Tagen so unendlich schwer auf die Seele fiel, und oa bin denn zu dem Resultat gekommen fie chluckzte wieder und ihre Stimme klang halberstickt, al» fie hinzusetzte: „daß ich an ber Seite be« Doktor« doch nur unglücklich würbe — ber Schatten be« armen geopferten Weibe« steht zwischen mir unb ihm.'
„Und bann, 0, Mama hat ja ganz recht, er liebt mich nicht,' fuhr Grethe fort „Al« er mir seinen Antrag machte, da hat er auch nicht mit einer Silbe einer besonderen Zuneigung seinerseits Erwähnung gethan — damal« fiel ei mir nicht auf, jetzt denke ch mit Scham und Erbitterung daran, nur davon prach er mir, daß ich fein Leben verschönen sollte. Papa, Johanne« ist ein Egoist, ein herzloser Egoist 1