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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg u«d Kirchhai«.

chtel mA Verlag. g^K o^^UM«sWs^chdr»ckerel in Marburg. Jllaftrirtes So««lagsblatt. Sprechenden^"der" Re^aktio n: 1011"llh^r^Bo rmitta^s^^^^

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pf,. Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 31. Oktober 1895.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Annoncen - Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; E. L. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Pari».

XXX. Iahrg.

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Zweites Blatt.

Henriette Masson.

* Wie bekamt, steht demnächst da» Gastspik l bei Dresdener Ensemble» te Mn'enmrsaale bevor. Z« den Hanptkräfte» gehört Frl. Henriette Masson. lieber ihre Persönlichkeit finde» wir tt de« von der Direktorin de» Ensemble», Frl. Adelheid Berrhard, heranSgegebene» Wrrkche, .Bühnen Erleb niffe* eine» Artikel, der zwei Erlebnisse der Künstleii' auf ihre« Gastspielreise« schildert. Dieselbe» find vo» Frl. Masson selbst »iedergeschrtebe» und möge» hier folge»:

Ranch' heitere» und ernste» Er leb » könnte ich an» meiner Bühnenthätigkeit »lebe schreiben, hier aber will ich «ur zweier Erlebnisse gedenke», welche fich a» «ei»e erste nnd a» met»e ebe» erst zurück gelegte Gastspielreise knüpfe». E» war in de» erste» Jahre «einer THSttgk-it am Dresdner Hof» IHeater, al» ich «eine erste Gastspiel Offerte nach Pyrmont erhielt. Mit aller Zuversicht »ahm ich da» Gastspiel a» und hoffte, daß die Eisenbahn mich bald an da» ersehet« Ziel dringe» werde, al» ich be Rei'e doethin angetcete» hatte. Wie entsetzt war ich deßhalb, al» am Abend der Schaffner verkündete: AuSsteigeu, nach Pyrmont mit Postbeförderung weiter/ Da stand ich denn nn», allein mit meinem Reisegepäck, »och immer nicht ah»eud, i» welcher traurigen Situation ich mich befand. Die Abende waren, da e» gegen Ende de» Sommer» war, schon länger geworden, und es war schon sehr du»kel, eit ich tu den Wartesaal eintrat, u« anf die Post zu warte», die »ich »ach Pyrmont befördern sollte. Niemand außer der Wirthi» war anwesend, und ich ließ «ich nun »it traurige« Gedanken bei schon nicht sehr glanzvoller Beleuchtung nieder, n» an die Wirthi« die Frage zu richt?«, »an« die Post weiter sühre. Die Antwort dieser guten Frau klingt »ir heute noch i« Ohr; fie lautete: in fünf Stunden, früh n« drei Uhr. Welch' fürchterliche Lage, mitten in der Nacht eine Fahrt «it der Post, und dieser Aufenthalt in einem Wartesaal, der auch nur dazu angetha« war, »ir allen Muth zu «ehmeu Al» nun gar die Wirthi» sagte, daß fie sehr bald schlafe» gehen wolle rnd fie die Beleuchtung bi» auf ein kleine» jämmerliche» Flämmche» beschränkte, da wurde »ir angst und bange. Ich horchte mit höchster Auftkgung auf jede Bi«egu«g von außen da fich auf dem Perron noch einige junge Leute be fanden, die mdnc einsame Lage benutzten, um mich zu ängstige», indem fie an die Fenster klopfte« und bau» verschucndku, um mich aus'» Neue zu erschrecke». Wahrlich, hätte »au mich gefragt, ob ich lieber »ach Dresden zurück oder dem »ahen Ziele, welche» mir eise gesicherte Einnahme in Ank sicht stellte, znfahreu wollte, ich wäre mit Freude» «ei»eu liebe» Dresden wieder zugeeilt, oh»e Pyrmont nnd dessen Gastspiel- Einnahme» ke»»e» zu lerueu. Da öffnet fich die Thür und herein tritt ein Eisenbah»wächter, auf seine« Raubgang begriffe». Nie hat ei» Eisenbah»- beam'er wieder eine» solchen Eindruck auf mich ge macht, und »te habe ich je wieder so.Jemand zu fessel» gesucht, weuigstrn» nicht a« de» Ort, al» diese» alte», gute», biederen Beamte», der keine Ruhe hatte und gleich wieder fort wollte. 81» er sich

endlich zu längerem Berweileu nicht berede» ließ, bat ich ihn, mich doch auf feixe» Rnndgange mit» zmeehmeu, denn ich betrachtete e» als eine Erlösung, daß ich endlich einen Menschen gesnuden hatte, dem ich mein Leid und «ich anverttaue» konnte. Er aber sagte, ttotzdem ihn meine Seelenangst ,« rühre» schien:Nein, Fränleinchen, da» geht nicht, darunter könnte «ein guter Ruf leiden, bleiben Sie ma» hier, ich sehe noch 'mal »ach Ihne», bevor die Post weiter geht/ Und mit diesen erschütternde» «orte» ging er dahin «ich ,urücklafle»d i» «eiset Furcht, bis endlich «it ihm der Postillon erschien, um «ich zu der noch ttaurigeren Fahtt abzuholen. Ich war die einzige Passagierin, die fich der Postkutsche an- verttautr und der schlaftrunkene Kutscher dünkte mich in »einet Angst keinerlei Schutz; denn in meiner Phantasie sah ich allerlei Gestalten fich der Postkutsche »äher«, ich sah mich schon te Geiste ge raubt nnd nie wieder hetekehrend. Al» ich endlich ohne Unfall Pyrmont erreicht hatte, da gelobte ich mit, nie wieder allein, wenigsten» nicht de» Nacht» ohne Begleitung zu reifen.

I» Pyrmont angelangt, wurde ich reichlich für meine auSgestandene Angst entschädigt; denn nicht allein, daß «an »ich durch reiche» Besuch »einer Vorstellungen auSzeichnete, so erfreute mich besonders ein Ständchen, da» mir die Badekapelle auf Veran­lassung vieler Kurgäste brachte. Einen kleine» Schreck sollte ich freilich »och habe». A« Nachmittag be» letzte» GastspielabenbS hatte ich mich ei» wenig »ach Tisch hingelegt and wat fest eingeschlafeu. Ich hatte vergesse», die Thüt zu schli.ße« was sonst stets meine Gewohnheit ist. Auf einmal schaue ich erwachend auf eine» Negerkuaben^. der dicht in strammer Haltnng vor meinem Läget steht uud mir ohne eine Miene zu verziehen ei» Bouquet präseu- tiite. Mei» Schreck war zuerst, als ich i» die blitzenden Auge» des Neger kaabe» sah, kein geringer; aber endlich merkte ich, volleub» erwachend, daß et mir gewiß Lin Leids thun, sondern mir »ur eine freudig« Uebertaschung bereiten wolle; denn da» Bouquet wat von einem schwungvollen Gedichte be­gleitet, der Ausdruck herzlicher Verehrung eine» Kur- gaste».

Den Abschluß einer vierwöchentlicheu Toutnöe, die ich vor wenigen Tagen erst zurückgelegt, bildete ei» Gastspiel i» einer kleinen fürstlichen Restdenz. 61 wat bekannt geworden, daß ich i» dieser Stabt meinen GebnrtStag feierte nnb hier sollte ich denn abermals ein Ständchm bekcmmen. Zu der Aus­führung diese» schönen Plane» hatte »an einen Theil der Stadtkapelle an»erwählt, und diese begann denn Punkt 8 Uhr mit dem ernste» MusikstückeDa» ist der Tag de» Henn" mich zu erfreue». A» eisern solch.» Tage ist es ja uatürlich, daß »cm zunächst Derer geben», die ewig vo» u,S getrennt find, und so verwischte fich die Freude über da» Stäubchen mit der Trauet nm verlorene» Glück, und ich begann z» weinen, so sehr aoch die Mafik selbst zur Heiterkeit «regte; den» e» waten verschiedene Töne, die ihre» eigenen Weg ginge». Mette a»wese»de Cousine wollte mich »n» tröste» uud sagte «ir:Aber bal begreife ich nicht, daß Du wettst, so schön spielen sie doch richt/ Da wat ich den« über fie und die folgenden Stückchen in heitere Stimmung gekommen, und al» nun gar meine Freundin hinan»trat und den Musiker» sagte:Nun find Sie wohl fertig? Sie habe» wundervoll gespielt/ hatte ich alle Ursache,

herzlich zu lache», was de»» auch, «achde» die Mufiket im Bollbewußtsett ihrer Kunst abzoge», vo» Seite» Aller geschah, die da» Stä»dche» mit angehört. Auch diese» Mal erhielt ich, zwar nicht durch eine» Negeiknaben, ein Gedicht, da» ei» junger Schauspieler, welche diese Touriöe «Ümachte, mir sandte uud welche» ich, da e» sehr origttell ist, hier folgen lasse:

Bald deckt fich schweigend Berg und Thal

Mit weißem Winterkleide Schon steht der Wald so öd und fahl Und einsam liegt die Haide. Auf der Natur ruht sanft und lind Der tiefste Gottesfriede, Und träumend flüstert nur der Wind In heimlich süßem Liede l

Ottober ist's der Wonnemond l In ihm (ihr müßt'S verstehen I) IstHenny Masson" ja gewohnt, Geburtstag zu begehen! WennRuhbedürftig" noch Sie heut' Der sanften Schlummer» pflegen, Beginnt's imLöwen" hocherfreut Sich wonnig ring» zu regen!

Denn Alle», war da Odem hat, Wo Menschen existiren In Wald und Flur, inDorf und Stadt" Kommt heut zu gratuliren l Und Fräulein Bernhardt wird e8 ganz AlsIntendantin" bill'gen Drum wird manDurch die Intendanz" In uns'ren Glückwunsch will'gen l

Zwar zum Geheimniß ward'» gemacht Uns Allen in der Runde, Doch einePlaudertasche" bracht' Uns dennoch uns're Knnde l Undwohlerzogen" wie wir find (Sie wissen wie ich'» meine 8) So machen wir un» heut geschwttd Zum Glückwunsch auf die Bein«-

Sehr lehrreich ist e» (wie ich seh') Und günstig nr-s'ren Zielen, Mituns'rem Lerchen" zur Tournee Komödie milzuspielen- Denn'» guteLorie" zieht un» sehr Mit seinem weisen Reihe Drum fehlen bei un» nimmermehr Erziehungs-Resultate"-

Die Blümlein d'rum soll al» Symbol

Der Bote übergeben Sie lebe glücklich, frei und wohl Ein wahre» Blumenlebeo! So wirke fie In Lust und Glück Noch lange un» erkoren, InDorf und Stadt", in Linda«'» Stück Die beiden Leonore«'-

D'rum möge fie der Muse Gunst Aus immerdar beglücken, Und möge ihre zarte Kuvst Un» lange noch entzücken- So legen wir die Blümlein Bescheiden ihr zu Füßen (Der Wille groß die Kraft war klett I) Und lassen herzlich grüßeo-

BermischteS.

(Englischer Adel nnd amerikanische» Geld) Rau» legt fich die Sensation über die Verlobung de» Herzog» von Marlborough mit der Tochter be» Milliorär» Vonberbilt, al» man schon wieder tt Newyork von etter Berbttdung mit einem englischen Aristokraten an» erster Familie spricht. 3» der Thal hat fich eben bet älteste Sohn be» Herzog» von Jankerville mit der Tochter eine» amerikanischen Krösn», Riß L-onota van Marler, verlobt. Die Hot zett wird Mitte nächsten Monat» stattfiaden.

(Die Spielbank von Monte- Latlo) geht stark zurück Da» ergiebt sich an» dem Berichte der ersten Sitzung be» neuen Verwaltn»g»rathe» bet Gesellschaft bet Seebäder tt Monte-Earlo" (recte der Spielbank), die jüngst stattgefunden hat. Man wählte in dieser Konferenz natürlich Eamillo Blanc, »um Präsidenten de» BerwaliongStathe» und einen gewissen Herrn Lastot zum «bmttistrator. Die Amt»« dauer de» BerwaltuugSrathe» wurde bi» nächsten April stipulirt. Interessant ist, daß die Spielbank tt den Monaten Juni, Juli, August und September circa 500000 Franc» weniger abgeworfen hat al» im vorhergehenden Jahre.

(Ein verhLugnißvoller Lotterie­gewinn) ist auf ein Loo» gefalle«, welche» vo« einem Konsortium von drei Spielern gemeinsam gespielt wurde. Der in Berlin tt bet Betnanersttaße wohnhafte Handwerker M. befand fich im Besitze zweier Biertelloose der preußischen Rlaffenlotterie, an welchem zw:l feiner Freunde partizipirten. Da» eine Loo» wurde vorgestern mit einem Gewinn von 3000 Mk. gezogen. Da M. au» Noth die Originalloose inzwischen verkauft halte, hat er sich nach bet Version eine» Berliner Blatt«» am Sonnabend Nacht au» Furcht vor Strafe und au« Schamgefühl erhängt.

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