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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt fit die Kreise Marburg und Kirchhain.

mtz Verlag: Johi Aug. Koch, Univerfitätr-Buchdruckeret tu Marburg. Ät|W".aA.Cj4AaI,*a.A.<<D Verantwortlicher Redakteur:FritdrichColbatzkyin Marburg.

Redaktion uud Expedition: Markt 2L Vvwvv* Sprechstunden der Redaktion: 1011 Uhr Vormittags.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 23. Oktober 1895.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie di« Annoncen - Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; E. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.

m. Jahrg.

Zweites Blatt.

Gartenkalender für den Monat Oktober.

Zu Rutz und Frommen aller Blumen- und Gartenfreunde zusammengestellt von Dr. Friedr. Schäfer, Schrift­führer des hiesigen GartenbauvereinS.

Nässe nnb Kälte nehmen in diese« Monate schnell zn, kalte Nächte verkünden die Ankunft bei nahenden Winter»; daher kann man keine Saaten «ehr i« Freien machen.

Zimmerpflanzen. Auch die härteren Pflanzen, sog. Kalthanrpflanzen, find zu Anfang diese» Monat» in ein ungeheiztes Zimmer von 58 0 C. zu bringen. Fuchsten, Hortenfie», Lorbeer u. a. «. können in eine« frostfreien, luftigen Keller überwint.rt werden. Die frühesten Hyazinthen, wie Hsmeiu», Regina Lictoria »erden auf Gläser gesetzt. Borficht beim Gießen; Fettpflanzen, wie Agaven, Aloe rc. garnicht.

Ziergarten. Gepflanzt »erden: Hyazinthen, Tulpen, krccuS, Narzissen, Jorqaille», Tazetteu und andere frühblührude Zwiebelgewächse. Nicht winter­harte Zwiebel- und Knollengewächse, wie Georginen, Tanna, Begonien u, a. werden herauSgenom»eu und bn Kalthause eingeschlagen. Gepflanzt werden Mai­blumen, Ziersträucher; abgeblühte Stauden «erden zurückgeschnitten.

Gemüsegarten. Beginn bei trockene« Weiter mit de« Heraukneh«en der Wurzelgemüse, die i« Keller einzuschlagen oder in Grube* fcostfrei aufzuheben find. Die grünen Gemüse läßt «au bi» Ende de» Monat» stehen. Rose» kohl und Grün­kohl bleiben im Freien, Airfiug und Krrnt »erben nur leicht gedeckt. Die abgeschnt'-tenen Köpfe hallen fich gut, wenn fie auf Rasen gelegt und bei ein- tretende« Froste mit etwas Laub gedeckt werde». Jetzt werden a« besten neue Spargelanlagen vor­bereitet. Alte Spargelbeete find zu graben nnb zu düngen, Peterstlie und Schnittlauch zu« Winter- gebrauch in Töpfe zu pflanzen. Winter-Endivien kann noch i»«er gebleicht «erden. Ab geerntete Beete werden gedüngt und rauh nmgeg-aben damit Frost und Regen eindriagen kann. Bon Meerrettig nnb Scorzoneren macht man nur soviel aus, als «an sür den Winter bebarf. Sellerie wirb bis auf die Herzblättchen entblättert nnb in tiefen Gruben «it den Wurzeln eingefchlagen, bei Frost mit Stroh und Erde gedeckt; für täglich bringt «an etwas in

den Keller. Porree wird auSgehobeu, wenn man ihn nicht i« Freien lasten will.

Obstgarten. Winterobst wird geerntet, Aepfel uud Birne» sorgfältig gepflückt. Junge Obst bäume können gepflanzt werden. Die Herbst- pfla-zang ist in leichtem Boden am vortheilhaftesten; aber in schwerem Boden ist die F-ühjahrSpflanzurg vorzuziehen. Wen» i« September unterlasse», können j tzt noch die Klebgürtel ar gelegt werden; die Stämme find abzukratzen; gegen Wildschaden schützt man die Bäume durch Umbinden von Wachholderzweigen oder Stroh uud durch Drahtgeflecht.

Vermischtes.

(Folgenden huldvollen Akt des Kaisers) weiß ein Berliner Lokalblatt zu berichten. Am vorigen Donnerstag erhielt der im Köuiglicheu Wild park beim Neuen Palai» angestellte Wildmeister Weber, welcher während des Krieges 1870/71 als Leitjäger i» Dienste de» Krouprinz n Friedrich Wilhelm, des späteren Kaiser» Friedrich, stand und als solch-r a« Feldzug in dessen Hauptquartier iheil- nahm, vo« Hofmarschallamt ans den ReichSlanden den telegraphischen Befehl, sofort auf Kosten deS Kaiser» abzmeisen und der Einweihung de» Denk­mal» seine» verewigten hohen Herrn anf dem Schlacht­felde von Wörth beizuwohnen. Mit welcher Freude der Veteran diesen kaiserlichen Befehl erfüllte, braucht nicht geschildert zu werden.

(Rhetnschtfffahrt.) Gegenüber den Nach­richten, die von einer Wiederaufnahme der Rhein- schifffahrt sprechen, muß konflatirt werde», daß an> geficht» de» stetig zurückgehenden WLsserstande» dar LerfrachtungSgeschäft in den Ruhrhäfen für den Berg­verkehr wieder vollständig ruht. Lei trockenem, neb tigern Wetter ist die Wiederaufnahme bet Verladungen für bie nächste Zeit kaum abzusehen. Jm Gegentheil verfichern bie Schifffahrltreibeudeu, daß bie Betrieb» Verhältnisse auf bem Rhein sich noch ungünstiger ge­stalten dürfen nnb eine trostlose Z it bevorstände,

(Einen charakteristischen Einblick) in die Schiebungen, welche »it Grundstücken vorge­nommen werden, gewährte eine Berhandlung vor be« Schöffengericht zu Tharlotteuburg - Berlin. Anf der Anklagebank befand fich ein Mann, der in 4 Jahren viermal den OffenbarungSeid geleistet hatte und t» derselben Zeit für nicht weniger al» 21/* Millionen Mark Grundstück in den verschiedensten Gegenden er worben hatte.

(Sine eiserne Kirche.) Eine griechisch katholische Gemeinde in Konstantinop-I erwarb für eine Kirche einen Bauplatz am BoSporu». Infolge de» schlechten Baugrundes konnte an einen Steiubau nicht gedacht werden und mau entschloß fich daher für eine eiserne Kirche. Dieselbe wurde von dem Eisenwerke R. PH. Wagner in Wien koustrastt und ruht auf eine« au» eine« einzigen Stück bestehenden eisernen Roste, den «ehrere eingerammte Stützen tragen. Das Gebäude, ive'che» ta. 5000 Personen faßt und 25 000 Mk. kostet, ist 30 Meter lang und 15 Meter breit; der Thurm hat eine Höhe von 45 Siete, u. Die Eisenkonstruktion wiegt 8"00 Seltner.

(Eine Selbstmörderfarnilie.) Bor mehreren Wochen ging in Schöubeck a. b. Elbe eine Frau mit ihrem Kinde in die Elbe nnb sand den gesuchten Tob. Mutter nnb Kind wurden i« be­nachbarten Grünewald beerdigt. Jetzt hat der Mann der unglücklichen Fran fich zu vergiften versucht wurde aber hieran gehindert. Vorher hatte er an einen Tischlermeister da» Geld für seinen Sarg ge­sandt und ihn gebeten, für seine Beerdigung in Grüne­wald zu sorgen, wohin er da» Geld für bie Grab­stätte und bie Bemühungen ber Todtenfrau gesandt hatte. Nach bem mißglückten Selbstmordversuch hat ber Manu sein Geld wieder abgeholt.

(Wann die Welt untergeht.) Ja einem Psarrdorse bei Straubing predigte jüngst ein Coopator vom Ende der Welt nnb stellte dabei den Satz auf, daß es unzweifelhaft in 105 Jahren er­folgen müsse. Diese kühne Behauptung versuchte er wie folgt m begründen; ,Jn 6 Tagen hat Gott die Welt erschaffen, am 7. Tage ruhte er. 1 Tag sind bei Gott 1000 Jahre; 6 Tage find 6000 Jahre. Der 7. Tag, der Ruhetag, ist der Zeit­punkt de» Weltunterganges. Seit Erschaffung der Will find verfloffen 4000 und 1895, zusammen 5895 Jahre, somit haben wir bi« zu 6000 Jahren noch 105 Jahre, nach Ablauf welcher Zeit ber Weltuntergang unabweisbar erfolgen wird.

(Der Sperling ein Singvogel. Wie man den 'M. 31 N' au« Greiz berichtet, wurde in ber jüngsten Sitzung de« dortigenVereins ber Naturfreunde' die Mittheilung gemacht, baß der Kriegsinvalide Pfeifer in Greiz einem ungefähr seit einem Jahre in Gefangenschaft gehaltenen Sperling dar Singen beigebracht habe, wozu ihm eine früher durch die Zeitungen gegangene Notiz, daß der Haussperling von Natur aus alle physischen Vorbedingungen zumKunstgesang'

ebenso wie die anderen Singvögel besitze, die An­regung gegeben habe. Welch' freundliche Aussichten eröffnen sich da sür alle Vogelliebhaber 1

Marlltv-richt-.

Frankfurt, 21. Oktober (Getreide-Marky) Infolge allgemein befestigter Preisgestaltung und bei an­haltend schwachem Angebot greifbarer Waare wurde von Brodfrüchten namentlich Weizen bei lebhaftem Handel heut« weiter bester bezahlt- Roggen blieb ohne w sentliche Preis- Veränderung fest. Geiste mehr gefragt, gute Qualitäten kuapp efferirt und etwas höher bezahlt. Hafer sowohl al» Mais in disponibler Waare ebenfalls höher in den Preisen, jedoch bei kleinem Angebot ohne lebhaften Umsatz. Mired Mais besonders bevorzugt, weil Laplata Mais größten- theils stark beschädigt sich erweist. Zu votireu Md)Qualität: Weizen, hiesige: Wetterauer Mk. 16,25 -16,00, kurhesfischer Mk. 15,7515,90, norddeutscher Mk. 15,75 15,90, russischer Mk. 14,75-16,00, Redwinter alter Mf. 16,25 bis 16,60, neuer Mk. 15,90-16,25, Laplata Mk. 15,25 bis 15,75, Rumänischer Mk. 15,0015,75, Roggen, hiesiger Mk. 12,25-13,00, Pfälzer M.-, russisch. M 12,80-13,00, Gerste hiesige Mk. 15,75-16,50, Pfälzer Mk. 17,25 bi, 18,50, fiänk. 17,2517,75, Riedgeiste 17.0017,75, Hafer, hiesiger Mk. 12 50-13,00, Württemb Mk-12,50-1,00 bayerischer Mark 12,4014,00 russischer Mk- 13,50 bi» 16,00, Mai» mixed Mk. 10,40-10,80, Donaumai». La Plata Mk. 9,0010.50. Aller per 100 Kilo nett» effektiv loko hier.

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Schauspielhaus:

Mittwoch den 23. Okt.: Julius Cäsar. Donnerstag den 24 Okt.: Gräfin Fritzi- Sonnabend den 26. Okt.: Ottilie- Sonntag den 27. Okt., Nachm. 3'/i Uhr: Berühmte Frau. Abends 7 Uhr: Fell Clemercrau. Montag den 28. Okt.: Ottilie.

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