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Wöchentliche Beilage«; Kriöblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Anzeigen mmmt entgegen die Expedition dies« Blattes, ssixtt di« Annoncen-Bureaux von Haasenstein x. Vogler in vvv - ,
Frankfurt s. M., Lass«!, Magdeburg und Wien; Rudolf XXX. 5c (101(1
Moff« in Frankfurt a. M., Berlin, München «. Köln; ®. L.
Daube x. So. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.
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Zum 18. Oktober.
♦ Wern« wir ix bex vergaegexeu Augusttage» die Siege ans'- Neue in füxfnxbzwaxzikjähriger Eliuxeruug stierten, die 1870 auf Frankreichs Boden von de« beut'chen Heeren erfochten warben, wen« in allen
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Ganen unserer Baterlanbes insonderheit die noch lebenden Kämpfer zu heiliger, erhebender Feier zusammenstriwten, Festtag fich an Festtag reihte, bif a« Sedantage noch eiumal in eine« einziges große» DankeSakkord das ganze deutsche Soll mit seinem Kaiser und seinen Fürsten an der Spitze Herz und Mund auSströmen ließ gegen den Herrn aller Herren, der so Große» an nur gethan, dann gedachte» wir auch wohl wieder der Äugusttage d s Befceiu»gSkampfe» vom «apoleonische» Joche im Jahre 1813; wir die denische Erde damals r»th gefärbt wurde nicht nur vom Blut der Unsere», sonder» auch von französtschem Blute, wie die ver bstndete» Heere i» immer wuchtigeren Schläge» gegen den bis dahi» unüberwindliche» Kaiser Napoleon au? holte», bis dann i« der dreitägige» gewaltig! n Schlacht bei Leipzig vo« 16. bis 18. Oktober seine
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Macht einen solche» Stoß erhielt, daß er Deutschland für immer de» Nücke» kehren mußte. Urd so well'n wir auch a» diesem 18. Oktober dieses gewaltige» Momentes i» der preußischen nutz deutsche» Geschichte gedenken und beste» nicht vergesse», w:» rns re Väter vor uns gethan, nm ben verhaßten Erofeind, der so lange Deutschland geknechtet, aus de« Saterlande zu jage». Aber wir »olle» auch Eo!t bankr», baß
— ; »ährenb eS damals »och fremder Hilfe zur Niederwerfung
M» . des korstfche» Eroberer» bedurfte, i« Iah e 1870 *,.-a8 deutsche Volk einig und stark die französische T’ zrmee allein überwand.
HI M/ Noch im Jahre 1831 war die Erinne.ung a» en für I rie Völkerschlacht vor Leipzig so mächtig, daß überall I i» ganz Deutschland am 18. Oktober Freudenfeuer A angezändet wurde». In jenem Jahre sollte aber ier> [ dieser Tag ei» biso»derer Freudeutag für das Hohe». ______ zollernhanS werde». Beglöckeen Herzens schaute» am 18. Oktober Prinz Wilhelm vo» Preußen, unser
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nachmaliger Kaiser und König, und seine Grmahliu die Prinzessin Augusta, auf die Wiege, in der ihr Erstgeborener, Prinz Friedrich Wilhelm, lag. Wie eine glückliche Vorbedeutung ruhte eS auf diesem juugen Haupte, das später so echt deutsch dachte, daß gerade an diesem nationalen Tage dem edle» Hohenzollernstamme ein neues Re iS ertsproß, daS bestimmt war, nicht nur die Reihe der Herrscher ans
Margarethe.
Original-Roman von M. Widder».
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Warum ruhten feine Augen nur so durchdringend auf ihrem Gesichtchen? und weßhalb zuckte er so seltsam leuchtend durch seine ernsten Züge, als Grethe in vollkommen gleichgiltigem Ton erwiderte: „So — nun, da kann man dem jungen Mann ja nur Glück wünschen. Er soll, so viel ich gehört, sein Personal sehr anständig behandeln — und ich denke, in B. wird es Ihrem Herrn Vetter auch gefallen — es ist ja ein so hübscher, gemüthlicher Ort.'
„Augustin kennt B. schon »cn früher her — er hatte schon mehrfach Stellungen hier gehabt.'
„So? Davon sagte er mir ja kein Wort,' und dann setzte ste hinzu: „Liebt er denn die Veränderung so sehr?"
Sie sagte die» eigentlich nur, um überhaupt etwa» zu tagen, denn in Wirklichkeit war e« ihr durchau» gleichgiltig, ob der schöne Vetter Frau Gottfrieden», wie viel Aufmerksamkeiten er ihr seiner Zett auch erwiesen, die Veränderung liebte oder nicht.
Und da der Doktor wohl diese ihre Gleichgiltig. kett erkannte, brach auch er da« Gesprächsthema ab und bald bewege sich der kleine Kreis in einer ganz anderen, aber durchau» allgemeinen Unterhaltung, man debattüte über die Interessen der Stadt, kam im Lause bet Gespräch» auf ben Verschönerung«. Verein B-« und Rath Stenson machte Doktor Herder bei dieser Gelegenheit auf verschiedene neue Anlagen außerhalb de» Weichbilde« der Stadt, be. stehend in Vergnügungsgärtm und dergleichen, aus. merksam, von denen derselbe noch kaum eine Ahnung
Preußen«, sonder» auf de« »tu errichtete» deutsche» Kaiserthron sortzusetzen.
Dreißig Jahre später halte Prinz Wilhelm den preußische» Königsthron eiugexoumu, und am 18. Oktober 1861 erstieg dann ix der alte» Schloß kirche zu Königsberg König Wilhel», wie einst sein Ahnherr Friedrich I., im KrönungSmantel die Stufe» be» Altar» und »ah« von ihm die Krore mit den Worten: „Ich empfange diese Krone von Gottes Handl' Alsdarn setzte er sie fich aus'« Haupt und k ö»te darauf auch seine Gemahlin, die Söxifcix Augusta. Wern die Erirneruxg an diesen weihe »ollen 18. Oktober unsere Blicke anj's Nene auf unseren alten Heldenkaiser und feine hochherzige Gemahlin, die Kaiserin Augusta, richtete, so wenden ste sich nun Wiedern« ihrem edlen Sohne zu. Und wo bleiben sie hast-». ? Nirgend« ander» als auf de« Schlachtfelde von Wörth Dort harrt ja seines Ante lens an seinem Geburtstage eine besondere Ehrung Soll doch an diesem Tage an be« Orte, wo er be» Feind zu Paaren trieb an der Spitze seiner nord- süddeutschen Armee, die Hülle von einem herrlichen Standbild fallen, das ihm daselbst errichtet ist.
Dieser an fich schon ei hebende Akt erhält aber »och ehe besondere Weihe durch die Gegenwart der Kaiserlichen Sohne» de» verblichenen Fürste», unseres jetzigen Kaisers Wilhelm, und seiner hohen Gemahlin der Kaiserin. Und die umgebenden Truppen präseu- ti ex, die Kanonen donner», die Hülle fällt, der hehre Feldherr wi b sichtbar, hoch zu Roß über das Feld lprengexd, seine Truppen zum Sieze führend. Wohl stiehlt fich eine Thräne der Wehmuth in des Kaisers, in der Kaiserin Auge und vor Allem, auch Derer, die uxt-r Friedrich kämpften und fiegten, aber bann erfüllte Jauchzen tie Brust über die lichte Gestalt, die, wie noch einmal in'S Leben gerufen, vor ihnen steht. Und im Geiste hören ste noch einmal das Jauchzen und Hurrah der Truppen, da» den Feld Herr» überall empfing, al» er »ach gewonnener Schlacht über die blutige Wahlstatt ritt, ihnen dankend für ihre Tapferkeit und Ausdauer.
Da» preußische, da» deutsche Volk in seiner Ge- samrnthett aber hört nicht auf zu Iranern um seinen „Liebling', um den edle» Fürsten, bet da war: ein Held im Frieden, ein Held deS Kriege», ein Held im Leiden und im Sterben!
Deutsches Reich.
* Zkertt», 16. Oktbr. (Tagesbericht.) Se. Mvfistät der Kaiser hörte heute in MogadorFerme
hatte. Aber auch Grethe waren all' diese Neuerungen in der Umgebung B—« böhmische Berge, — als ste da« jedoch unumwunden eingestand, konnte Johannes nicht umhin, zu sagen: „Aber wie ist denn das möglich, Fräulein!'
Sie sah vorwurfsvoll zu ihm auf. „Dmken Sie denn, daß auch ich nicht Pflichten zu erfüllen habe, die mich verhindern, fortwährend Ver- gnügungen nachzujagen?' sagte sie und setzte gleich darauf ernsthaft hinzu: „Wer wie ich die Aelteste einer Kinderschaar von Sieben ist, findet im Hause auch so reichlich zu thun, daß ihm nicht viel Zeit bleibt zu Aurflügen.'
„Muß ich Ihnen da mein Beileid ausdrücken?' fragte Johanne», nachdem er einen langen Zug aus feinem Glas gethan.
„Mir!' ste lachte hell auf. „O, Herr Doktor," sagte sie dann, „Sie müßten doch wissen, daß e« nichts Schönere« giebt, al» da» Bewußtsein, getreu seine Pflicht zu erfüllen — Sie erfüllen ja auch die Ihre mit anerkanntem Eifer — nun, und wo gäbe e« eine heiligere für mich, al« meinem Mütterchen zu helfen — nach Kräften! Leider halten diese Kräfte nicht mit meinem guten Willen stand — und ich nehme mir in der Regel, wenn ich be« Morgen« ausstehe, viel mehr zu thun vor, al« ich schließlich Abend«, wenn ich mich niedergelegt, gethan habe! Aber Sie glauben gar nicht,' plauderte ste in ihrer schlichten Weise wetter, „ein wie nachsichtige« Mütterchen ich habe!'
„Im Vertrauen gesagt,' setzte Grethe leise hinzu» während ein lieblicher, schelmischer Blick zu der Räthin hinüberflog, welche dem Doktor nur mit äußerer Reserve begegnet war, „ein viel zu nach, stchtige« Mütterchen ist e«, denn ste ist stet« zu. stieben mit Allem, roa« ich thue.'
den Vorttag de» Oberstli.-ntenantS v. Hüne, in St. Privat den de» General» v. ArentSschild. Nachmittags war Festessen beim KösigSreg'ment in Metz - Statthalter Fürst Hohenlohe- Langenburg hat fich von Straßburg zum Kaiser b'g ben. — Die Kaiserin Friedrich ist heute Mittag rach 6^/,monatigem Aufenthalt von Crouber« obgkieist. Allerhöchstdieselbe begiebt fich zunächst zum Besuche be» Großherzog» von Baden nach Bade»- Bade». Am Freitag wohnt bie Kaiserin der Ent hüllung be» Denkmal» Kaiser Friedrichs bei Wörth bei und reist bann auf einige Tage nach Trient. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat sich heute Abend nach Straßburg begeben zur Theilxahme an der Enthüllung bei Kaiser Friedrich > Denkmal» in Wörth. Als Vertreter bet bayerischen Armee be geben fich nach Sttaßburg bezw. Lörth bet Kriegs. Minister, bet kswmandirende General v. Parseval unb bet Chef des Generalstab» v. Giehrl. — LanbwirthschaftSmtnistet v. Hammerstein reist am Sorntag nach Schlefien, nm fich in weitstem Umfang über bie lanbwirthschaftlichen Verhältnisse dieser Provinz zu unterrichten. — Ein preußischer Ministerrath hat beute unter dem Vorsitz be» Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe stattgefunden. — Die nach Chile beurlaubten deutschen Offiziere find soeben in Santiago glücklich ange kommen. — Kanzler Lei st soll, wie die „Germania' zu melden weiß, nach Chirago abgereist sein, um sich dort al» Rechtsanwalt niederzulaflen.
* (Zn be« Kaiserworte) „Wenn unser Volk sich doch ermannte* schreibt die „Straßb. Post': Man fleht, der Kaiser erwartet da» Heil bet Zukunft nicht von Ausnahmegesetzen unb nicht von einer schärfer gespantten Wirkung bet Staatsgewalt, sondern er hofft auf eine Gesundung von innen heraus. Der fneppe Satz giebt mit inniger Herzlichkeit dem Wunsche Ausdruck, doß bie Volksseele fich auf fich selbst besinnen und ben glitzernden Schimmer, welcher fich in den Ange» so v'eler Bethört:» um die Lehrer falscher Volksbeglücker rankt, als Lug und T ug er kennen möge. In diesem Wunsche find wir wohl Alle mit be« Kaiserlichen Henn einig. Sette Ver. wirklichung hängt batiox ab, ob unb wann e» ge lingen wird, bie breiten Massen mit jener wirklichen Bildung im besten Sinne beS Wortes zu erfülle», bie ihren Trägern insbesondere auch biejerige feste Welt- und LebeuSanschaunng verleiht, welche allein im Sta»de ist, ihnen als Schutz vehr gegen alle Verleumdungen zu dienen. Schule und Prrffe find in erster Linie zur allgemeinen Herbeiführung dieser
„Und Dein verehrte« Mütterlein hat auch wahr, lich allen Grund dazu,' mischte sich Direktor Palzow jetzt in das Gespräch der Beiden, „schon, daß Du Dich mit solchem Eifer bett häuslichen Verrichtungen hingiebst, muß sie ja befriedigen. — Sie werden mir von Ihrem Standpunkte als Pädagoge au» Recht, gebe» Herr Doktor. Es wird auch Ihnen gewiß und zu allen Zeiten ein Wort der Anerkennung entlocken, wenn Sie die erfreuenbe Beobachtung machen, daß einer Ihrer Schüler fich mit Aufbietung seiner ganzen Kraft, ja über diese Kraft hinaus, Mühe giebt, Ihren Ansprüchen zu genügen, selbst für den Fall, daß es thatsächlich noch nicht geschieht!'
„Gewiß, Herr Direktor,' erwiderte Johanne» — „und um so lieber, al« un« Schulmännern und mir im Speziellen diese Freude äußerst selten widerfährt.'
„Ihnen im Speziellen!' Grethe sah ganz ver- wundert zu ihm auf —
„Ja, mir im Speziellen, mein Fräulein l Die Jungen lieben mich nicht unb ba sie mit wenigen Ausnahmen glauben, sie ärgern mich nur, keineswegs aber ben Schaden bedenken, den sie fich selbst zu. fügen, wenn sie ihren Aufgaben nicht genügen ober überhaupt nicht lernen, so habe ich, wie gesagt, nicht oft Gelegenheit, irgend welchen Äser anzuerkennen. E« gehören solche Erfahrungen aber viel zu sehr in bie alltägliche Misere meiner Stellung, al« daß ich sie mir besonder« zu Herzen nehmen sollte oder könnte"
Auch bie Räthin neigte jetzt zustimmend da« ehrwürbig.schöne graue Haupt. Dann legte sie ihr« Hand auf ben Arm be« Gatten, ber im Moment eifrig bamlt beschäftigt war, fich eine Portion Hühnerfrikassä schmecken zu lassen: „Stenson — hast Du gehört, war ber Herr Doktor gesagt — ?
Bildung berufe» und dürfe» ihrer hohen Aufgabe xiental« uneixgedeik fei».
* (Af faire v. Boetticher.) Der „Vorwärts' behauptet: Die aus de« Welfeufoxis für Boetticher'« Schwiegervater bergrgcbexe Summe erreicht bcirahe eine Million Mark. Märe ber Kaiser nicht von voruherei» felfet fest — irrthümlich — überzeugt gewesen, daß die Enthüllung biese» Vorgänge» ein Birmarck'scher Vendetta Akt gewesen sei, so wäre bie Bffaire vielleicht für Boetticher ungünstiger verlaufe». Der „Vorwärts' beutet a», daß beim Berg'schen Konkurs bestimmte amtliche Unter lassuuzex vo'gekommen seien, die eS Bismarck nicht wünschexSwerih hätten erscheinen lassen, bei eventueller prozessualischer Klärung der Angelegenhest als Zeuge ixkommodirt zu werbe».
* (Die Konvertirung»frage), die für das Volk allerdings von der allerg:ößten Bedeutung ist, wird noch immer lebhaft erörtert. Die Erklärungen des Reich'karzler» Fürste» zu Hohenlohe, einer Route t irrer g stöndeu gar zu wichtige Sehen len entgegen, haben vielfach zu ber Annahme g führt, baß eine Z'nlherabfi tzung unserer Staatspapiere in absehbarer Z tt nicht zu erwarten sei. Dem gegen» über muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die letzte Entscheidung In dieser Angelegenheit in b n Häuten bes F'nanzminister» Herrn M'quel ruht, und daß dieser, wie er j tzt wiederholt zur Kenxt. iß giebt, entschlossen ist, die Umraudluxg vor» zunehmen, wenn ste tie Lage de» Geldstandes erforderlich «acht.
* (Bürgerliches Gesetzbuch.) Nachdem jetzt begründete Aussicht vorhanden ist, so schreibt die „Köln. Zig.', daß der Entwurf deS Bürgerlichen Gesetzbuches, der z. Z. bekanntlich im Jnflizaurschuß des BundesrothS berathen wird, spätestens dir neu Jahresfrist vo« Reichstage erledigt werden wird, hat der Kultusminister seinerseits Vorkehrungen getroffen, daß zunächst an der Berliner Universität der Ent» Wurf einem weiteren Kreise von Zuhörern torgetragin und erklärt wird. Der Amtsrichter Dr. Crome (früher in Marburg. D Red.), der fich in der Wissenschaft einen kekaurteu Namen gemacht hat, ist zum außerordentlichen Professor an ber Berliner Universität ernannt worden mit dem Anfttage, fcho., in diese» Wintersemester Vorlesungen über ba» Bürgerliche Gesetzbuch zu halten. Es ist auzunehme, baß auch eine große Anzahl von Richtern unb Rechtsanwälten bie Gelegenheit wahrnehmen wird, fich eingehend und bequem mit be« Geiste unb be« Inhalt diese« großen nationalen Werkes bekannt zu machen.
Nicht wahr, genau eine Wiederholung dessen, roa« Du gestern an unfern Kindern so ernsthaft gerügt? Sie haben vollkommen recht, Herr Doftor, diese unverständige Jugend denkt wirklich so — ja, ich muß, so sehr e« mich auch beschämt, zugestehen: ich habe erst gestern au« dem Munde meine« elfjährigen Töchterchen« die Worte gehört: „Nun, mit dem Französischen gebe ich mir schon gar keine Mühe, dazu ist mir demoiselle Beaulieu eine viel zu unausstehliche Person!' Und tief Äthern holend, setzte die Matrone noch eifriger hinzu: „O, e« giebt meiner Ansicht nach überhaupt keinen undankbareren Beruf, al» den de» Pädagogen!'
„Nun ja,' erwiderte Herder ernst, „und doch befriebißt mich dieser Beruf, gnädige Frau, in einem so hohen Grade, daß ich ihn gegen keinen anderen in der Welt vertauschen möchte. — Schon als Knabe,' setzte er dann hinzu, „war es mein glühender Wunsch, Lehrer zu »erben, damals freilich hatte ich kaum die Hoffnung, fludiren zu dürfen — ich war ja so arm, lebte von der Gnade eine» alten, ebenfalls unbemittelten Verwandten, aber ich dachte e» mir schon al« ein hoher Glück, selbst in einer einfachen Provinzialfiadtschule unterrichten zu dürfen — mir ist mein Beruf eben Beruf in be« Worte« wirklicher Deutung '
„Unb doch bringt er Ihnen so viel Mühsal und von Seiten der Schüler so roenig Dank,' sagte Grethe bedauernd.
„Da« betrachte ich vielleicht nur al« etwas Zugehörige«, Fräulein l Wo giebt e» überhaupt eine Stellung, in welcher man Sehnliches nicht erführe?' fragte Johanne« mit ber Achsel zuckend.
Rath Stenson hatte bedächtig Messer unb Gabel au« der Hand gelegt, indem er nun eben so bedächtig den Serviettenzipfel au« dem Knopfloch zog