nähme der spanische» Krone durch eine» der Prinzen scu Hehenzolleru wiederholt und mit der giijtee Entschiedenheit für eine politische NothwendigkeÜ erklärte wie Lothar Bucher und Major v. Versen, vom preußisches Krneralstabe, »ach Spa»te» geschickt werde», um dort die Lage zu studireu re. Profeffor Delbrück bestreitet, daß Bismarck durch die Thron kandidatnr den Krieg habe herbeiführr« wollen, und rr d-kennt »seine» Unverstand" gegenüber der Frage, weiche Vorth,tle sich Bismarck non dem hcherzollern- sche» Prinzen ans de« spanischen Thron eigentlich versprochen habt. Die Annahme der Thronkandidatur gescheh infolge eine» „FomilieuratheS", an dem anßer dem König und de» hoheuzoll r,scheu Fürstlichk-ites noch thetlnvhmen: Bismarck, Roon, Moltke, Schleinitz, Thiele und Delbrück. Einer der Theilnehmer an liefern Familirurath i« Berliner Schloß har nachher di« Profeffor Delbrück selber erzählt, daß zwar die Frage des Verhältnisse» zu Frankreich in dieser Ver- sammln» g überhaupt nicht zur Sprach« gekommen sei, bi 6 aber hinterher bei« Effe» er, der Erzähler, da er gerade «eben Moltke saß, diese» gefragt hrbk t »Wenn «8 aber Napoleon übel ui«wt, find wir doch bereit?" Moltke habe mit behaglicher Zuversicht bejaht.
M: können heute in weitere Einzelhe teu beb hschbemerkrnSwertheu Aufsatzes von Delbrück, der voraussichtlich »och zu weiteren Erörterungen führe» wird, nicht ei»gh». Der Leser fei auf die Lektüre dieser iutereffarte» Darstellung selber »erwiesen. Er wird stch reichlich beloh»t finde»'.
Deutsches Reich.
* Jerli«, 11. Oktbr. (Tagesbericht.) Tas Staats Ministerium trat heute Nachmittag unter d!M Vorsitz des Niuißerprästde»ttn Fürsten zu Hohe» lohe za einer Sitzung zusammen. — Wegen Be ichimpfusg der protestantischen Kirche durch einen Artikel in der katholischen „Volkszeitung" wurde der Red kteur Ritter zu einer Woche Gefä-eguiß vermthetlt. — I» Brau» schweig istConstftorialpröstdent v. Schmidt-Phiselbeck im 57. Jahre heute as einem Llasenleide» gestorben. — Aus Breslcu wird g. mell et: Wie berlautet, ist Liebknecht für Souuabend ver ben UrtersuchurgSrichter des Land gertchtS gelobe»; er wirb der MajestSIS beleibt gu«g c «geklagt, begangen in der Eröffnungsrede am Sountag. — Tie Entschädigungssumme von 100 000 M. ist im Auftrage der marokkanischen Regierung soeben der Mutter der ermordeten Rrckstroh in Leipzig auSgezahlt.
* (Jubiläum.) AaS Snleß der Frier der L5jähligen Jubiläums der Präsidenten der ReichS- bs»k Dr. Koch brachte heute das Direktorin« feite Glückwünsche dar. Vizepräsident Dr. Eallen« kemp hielt eine Anfprache, in der er des Jubilars große Verdienste mit schwungvollen Worten beleuchtete. Hierauf wurde btm Jubilar das Ehrengeschenk, ei» prachtvolles Tinte»zeug, übeneicht „als Symbol be» Handwerks" und auch um zu kern zeichne», daß der G-fefirte wie des gesprochenen, so de» geschriebene» Wortes vollendeter Meister sei. Der Jubilar hielt eine ebenso geistvolle al» herzliche Ansprache, in der er der Wandlungen des vo» ih« geleitete» Institut» gedachte und de» Mitgliedern ter Direktoriums für ihre Mitarbeiterschaft und Unterstützung darkte. Nachher empfing der Präsident eine Deputation des BeamteskörperS, die als Ehrengeschenk zwei L.rd- schasten überbrachte. Dr. Koch gedachte her Pflichttreue des Beamtenköipers sehr «»erkennend. Weitere Klückwün che überbrachte» der Centralausschuß der RcichSba»!, der Ha»del!tag rc Auf die Ansprache» et»ite;te der Jubilar, baß die Reichl bank auch ferner ihre besondere Fürsvrge dem Handel und der Industrie widmen werde, und daß er eS namentlich auch i» der Folge als seine Pflicht erachten werde, für Sr- haltunz und Schutz der deutsche» Währung eiuzu- trete» und den auf Gefährdung derselbe» gerichtete» Bestrebungen entgegenzuarbeite».
* (Die zweijährige Die»ßzeit.) Der KrikgSminister ließ in der „Verl. Korr." erklären, (»ergl. gestrige» Telegramm. D. Red.), er habe sich über die mit der zweijährige» Dienstzeit gemechten Erfahrungen bisher keinem Abgeordneten gegenüber privatim geärßert. Die Erklärung ist, wie die „Rat. Ztss." schreibt, so zu versteh n. daß nach erst zwei- jährigem Bestehe» der zweijährige» Dienstzeit bisher noch garnicht die Möglichkeit vorgelegen hat, sich e'n Urtheil darüber zu bilde», welche nachhaltige Vi.kutgen sie im Begleich zu der fiühere« Tteustzc't har. Ei» 'olcheS wirb sich erst ergebe», wenn die Erfahrung» über weitere Jahrgänge vorliege!-, was vor Allem za bkobachte^ ist, Wen» die Mau» schäften, welche die zweijährige Dienstzeit dmchgemacht haben, als Reservisten und Landwehrleute Mich gethan haben. Dar» ist wird sich erweisen, ob die Schulung der Masn- ichaften in der zweijährigem Dienstzeit dieselbe nachhaltige Wirkung wie bei der früheren Dienstzeit hat. Das hat aber noch bis zum Jahre 1889 Zeit.
♦ (Der sozialdemokratische Parteitag) in Breslau hat die Agrardebatte nunmehr be uret. Er »ahm mit 158 gegen 63 Stimme» eine» Antrag
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tfabrik, ebnen am Bogen haben, md die Mözltchk.it
laerwq »xemburg dem französischen Kaiser zu
rnde über die Vorgänge von 1870 besitze der leial L-brun; aus diese VeröffentlichLng sollte i warten Der Prinz hat Recht gehabt, denn
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Heime« Motive be» Kaisers Napoleon bei seinem ivzögeru bet Bündnißabschlüffe eine icha fsinuige ckläruug. Hiernach wollte Napoleon zwei
a Verständigung mit Preuße-, sollte die eine, die {igUchkeit eines Bündnisses mit Oesterreich und ilien die zwe te sein. Hätte stch Sie preußische litik damals darauf eixgeltffey, Belgien und
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ielbrück im Oktober heft der „Preußischen Jahr tcher" widerlegt. Dieser Aufsatz ist ei» Lr- zniß. Er ruckt die Vorgänge, die zum AuSbruÄ
,-geschichte des Kriege» 1870/71, aus die bekannten »thüllungen deS Generals Lebrun, den
Auxmgru nsrntt sugrgen di« Expedition diese» Blatte», sottie sie Annoncen-Bnreaur von Haasenstein ». Vogler in Frankfurt st. M., Tasiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Rosie in Frankfurt ». M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube i. So. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Pari».
iüberantworteu, so wäre der Krieg nur zum Scheite geführt worbe», so hätte er vielleicht schon vor der erst?» Schlacht eis E de gehabt »ud dem Et«tri.t der südd utsche» Staaten tu den Nord deutsche» Bund hätte man stch in Pari» nicht «eiter entgegeugestellt. Um diese Möglichkeit bis zu« letzten Auge» blick lest in der Hand zu beholte», behandelte der Kaiser Napoleon die Freunde in Florenz und Wien dilatorisch. ES konnte ihm durchaus nicht ge- :arhe» erscheine», »ach beide» Seite» hi» bindende Engagements einzugehen, die ih» an der erstrebten Verßäadigung mit Bismarck verhiedert hätten. Liest man die gründliches Beweise für diese, hier in großen Umr ssen skizziite Ausfassang Telbrrck'S von den d» maligen Er iguiffeu, so muß man »ohl sage», baß seine Darstellung vollllmme« überreugeud wirkt, und man kann eS de« Verfasser nicht verdenken, wenn er gegen Sybel gelegentlich eis sta keS Wort gebraucht und vo» ihm sogt, er habe sich „in geradezu ungeheutrlicher Weise getäuscht", er fei auf die Me mitten de» Gräfin Vitzthum „herewgefallen", und der fiedeute Band seines Werkes über die Errichtung des deutschen Reiches werde durch die Lebrunsche Enthüllung „einfach umgeworfen".
Sehr bemerke uswerth in dem Aus sitz ton Delbrück sind auch die Mitlheiluugen über die Borgeschichte der spanischen Thloskandidatur des Prinzen Leopold, die bekanntlich für Frankreich den Anlaß zum Kriege hergebe« mußte. Delbrück schreibt: „Die Franzos » haben von je die Ueberzesguug gehabt, ste sei ein Werk Bismarck'» gewesen; in Deutschland ha! man das nicht glauben wollen, auch ich selbst, auch «och §ybel hat diesen Vorwurf scharf zmuckß.wiefi». Gr h.t sich aber gez-igt daß in diesem Falle der Argwohs der Franzosen doch im Recht gewesen ist. Der Körig von Rumänien tz-t av» schwer veistiüd licke» Gründen — wie ich höre, hat er geglaubt, Mn Haus von der Verantwortmg für diese Thst entlasten zu mftffen — da» G.hitsmß, das das Äurv äit'ge Amt in Berlin mit der höchsten Sorgfalt hütete, h-rauSgeltsffrn, und es r vier liegt keine« Zweifel mehr, daß, mag auch der Gedenke urfprü«glich vo» den Spanier» rusgegarges fein, diese Kandidatur doch ein Werk Bismarck'» gewesen ist." Delbrück berichtet »ach der Darstellung de» Königs Karl von Rumänien, wie die Spanier wieder holt, zuletzt im März 1870, mit ihrem Anträge käsen, wie Graf fei?ward mit großer Wärme für ih Annahme der Krone durch den Erbsrivzen plaidiite, wie sich der Prinz und König Wilhelm fträxbte», wie c« 3. April 1870 Bi»m«rck die «n-
_2^l ib von d r damit zusammenhängenden Grupp rurg a Ereignisse giebt, nicht mehr der mindeste veifel daran sei», d aß der wahre Urheber li Kriege» Napoleon selber ist, drß die aiseri» Eugenie seine Auifassnsg getheilt und be«falls für ben Krieg gewirkt hat wsgs öhreud Sybel sie erheblich entlasten wollte, und daß nut an der über sch lauen Politik des Kaised AbhMpoleou lag, wenn das beabsichtigte Bündreiß ietzern it Oest^reich nnd Italien nicht zur rechte« Zeit straße, i Stande kam. Profeffor Delbrück giebt für die
♦ Krieges geführt haben, in dee bis dahin sott» »me« unbekannt gewesene Beleuchtueg, und die , , tschichtschreiburg bei uns und anderwärts, die artige wie die zukünftige, wird stch mit dieser «lbrück'scheu Darstellung abfi«d.n muffen. Nack
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Erscheint täglich «sftn an «irma»« «»sw nnd nm *
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Sonntag, 13 Oktober 1895
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Der Ursprung des Krieges ri von 1870.
städtist it werd, * Unseres großen Geschichtsforschers v. Sybel ber IRQ ckrvnte Darstellung vom Ursprünge de» Krieges von ”^70 wird durch eine» Auffitz vo» Prof-ssor
t Kaiser Napoleon im Frühjahre 1870 nach Wie» 8g schickt hatte, um dort den französisch-öfter „ eichischen Feldzugsplan gegen Preußen W I verein ater. Schon in de« 70er Jahre» hat rinz Napoleon einmal gesagt, die entscheidende
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ronntaM tsnx »ach der Darsiellung, die Professor Delbrück Rixrcki ih dem Berichte Lebrur's an den Kaiser Nspsleo?
. -bei ist der Kaiser Napoleon nur durch fehe Rath irr in de» Krieg hineingehetzt worden. Dieser ybee'sche» Auffaffung gegenüber fußt Professor ielbrück ans die jüngste Veröffestlichnng über die
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"1 Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
t8tl «Hb Vrrlnz: Ieh. Ang. Koch, Uuiv-rfitätS-Buchdruckerre in Marburgs QVfY44S Verantwortlicher Rednktenr: Friedrich C0lb a tz ky in M«rb»r-l.
Nif Rednktiou «nd Sipeditiori: Mnrkt 21. Fernsprecher Nr. 55. Sprechstunden der Redoüiou: 10—11 Uhr Vormitt«s>.
zalirm wollte, war — im Grunde genommen,
rttt ch eigentlich nicht recht paffend zu einem GesprächS' "w t®a zwischen Mutter und Tochter, besonder» wenn
sfe Tochter erst da» achtzehnte Lebenrjahr über
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ritten hatte. Aber unsere junge Fteundin halte imal A gesagt und mußte nun auch B. sagen, e sehr sie es auch jetzt schon bereute, überhaupt t Geschichte erwähnt zu haben, und so erzählte sie in, die Augen unausgesetzt aus ihre Arbeit gesenkt i, was ihr die kleine Magd Frau Gottsriedens tgetheilt »nd sie au» de» Doktor» eigenem Munde >ßte.
Ohne durch einen Blick, eine Miene zu verrathen,
Margarethe.
Original-Roman von M. Widdern.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Die Geschichte, mit der Grethe jetzt die Mutter
s ’ ad znrS« enden
, „Mamachen, Du irrst, im Gegentheil, ich sagt« s ir, daß ich, da mich der Doktor in D. in ein 1S8, omencoupee unterbrachte, während er selbst in ein 0 wischte« stieg, gar nicht weiter Gelegenheit fand, it ihm zu sprechen — hier auf dem Bahnhof aber
___J sichen Eindruck e» auf die alte Dame machte, diese - _ 'schichte, in der man fteilich dar Hauptsächlichste taihen mußte, gerade von ihrem Töchterchen zu welch» fahren, hatte die Räthin Grethchen'» Worten ge- leD.d* nscht und auch al» ste am Ende war, kam nicht le Silbe weiter über die Lippen» als die kurzen n«e» »tte: „Es wäre mir lieber gewesen, mein Kind, m hätte Deine junge unschuldige Seele nicht mit ^artigem beschwert — denk' auch nicht mehr daran.
t ‘ Hebetbie«, was geht D ch der Doktor an, für 2—-" h Dienst, den er Dir auf jener unglückseligen iftf life erwiesen, hast Du Dich ja, wie Du mir er- ’ Hit, pflichtschuldigst bedankt —"
i-utie ich g'eich fe stürmisch ton den Schwestern und Hänschen in Beschlag genommen, daß ich keinen Moment fand, mich nach meinem Beschützer umjusehen — und da» drückt mich, Mama. — Weißt Du keinen Weg," setzte sie dann mit flüchtigem Erröthrn hinzu, während die kleine Rechte, die die Nadel regierte, merklich jbebte — „wie man der Dankbarkeit Genüge thun kann, ohne roch — zudringlich werden?"
Die Augen der Matrone hatten verstohlen einen aufmerksamen Blick in da» gesenkte Antlitz der Töchterchen» gethan — aber etwa» wie llnzu- sriedenkeit zuckte dabei »m den noch immer schönen Mund
„Gewiß, mein Kind, ich weiß einen/ sagte sie vollkommen ruhig; „Papa muß" ste unterbrach sich, „aber da kommt ja auch Papa eben — (Seit sei Dank, daß die langersehnten Gerichtsserien doch nun endlich da sind und damit wenigsten« sür ein paar Wochen den leidigen Jnjurienprozeffen ein Ziel gefitzt ist! Und nun, mein Kind, spring auch schnell in’« Hau« und trage da« Mittags- brod auf."
Grethe hotte sich schon erhoben — sie sah heute elseuhast reizend au« in dem mattblauen Muselinkleide — durch die gläi zendschwarzen Locken ein blaue» Band geschlungen.
„Zuerst hole ich mir einen Wittkommen»gruß, Mütterchen," lief sie und eilte flüchtigen Fuße« den kierbedeckten Gartenweg hinab. Der Herr Rath hatte schon die Thür geöffnet und wie er die kind- lich zarte Gestalt seine« Töchterchen« sah, da zuckte es durch da« verwitterte Gesicht und seine Arme breiteten stch aus: „Kömmst Du mir schon entgegen, kleiner Sonnenstrahl?" sagte er und die magere Rechte glitt kosend über da« dunkle Haupt. Sie
hatte sich zärtlich an ihn geschmiegt und wie sie so ii inniger Umarmung fikundenlang verharrten, da batten sie wohl einem Maler als Vorwurf dienen können zum reizendsten Geurebilde und doch schien es beinahe unbegreiflich, daß diese« liebliche junge Mädchen, da« in jeder seiner keuschen Bewegungen die Grazie selbst, eine Tochter war des langen hageren, unschönen Manne«, teff-n Antlitz stet« den Eindruck machte, al« wäre e« zollstark mit Aktenstaub bedeckt."
„Wenn Du Dich mit Mama begrüßt, kommt r»r gleich in’« Hau«, Pepa/ sagte sie in jenem Ton, den junge Mädchen arzunehmen pflegen, wenn sie sich irgend eines Nutzen» bewußt sind, „ich gehe schon, die Suppe aufzutrazen: Citronensuppe, Papa, und ich habe sie heute ganz allein zubereitet."
Damit hatte sie stch auch au« seiner Umschlingung befreit und eilte dem Hause zu; zwei Augen folgten dem kleinen Figürchen mit dem Aurdruck innigster Glückskligkeit. Dann aber eilte der Rath schnell auf die Laube zu und seiner Gattin mit freundlichem Kopfnicken die Hand zum Gruß reichend, sagte er: '„Heute bin doch auch ich einmal zur rechten Zeit vaheim; und doch hätte ich noch früher hier sein können, Louirchen, wenn mich Kollege Walter nicht zu einer kleinen Kneipextravaganz verleitet."
„Aber, Stenson, da« bedarf jr gar keiner Er- wähnung," erwiderte die Matrone in dem gleichen lienswüroigen Ton, den da« Ehepaar, trctz aller Sorgen, die die Jahre für sie gebracht, nicht ver- lernt hatte; dabei schickte auch sie stch an, den Gatten in da« Hau» zu begleiten. Wußte sie doch au« alter Erfahrung, daß ihm da« Essen nur schmeckte, wenn sie an seiner Seite war; und wenn auch die Kinder be« Schulbesuch« wegen zu einer ganz bestimmten Stunde das Mittagbrot einnehmen
mußten, sie und auch Grethe warteten stet«, bi« der Vater vom Gericht kam.
Und während ste dann, noch Arm in Arm, dem Hause zuschritten, sagte der alte Herr: „Louirchcn, ich freue mich von Tag zu Tag immer mehr, daß wir unsere Grethe wieder hi-.r haben; mir ist'« wi.klich, al« wenn e« mit ihrem Kommen noch Heller geworden wäre in unserem Hause, und Dir ist sie doch auch eine rechte Stütze."
Die Räthin nickte. Während sie sich noch fester auf den Arm de« Gatten lehnte, erwiderte sie: „Gewiß, ganz gewiß, und doch," ste zögerte einen Moment, dann aber sagte sie schnell, „und doch macht mir tos Kind — wirklich zum erstenmal in meinem» Leben Rummerl" Und al« der Gatte sie ver, wundert ansah, fitzte sie schnell hinzu: „Stenson bas Mutterauge steht scharf — e« lieft in ber der Seele des Kinde«, besonder« wenn diese» Kind rein und unschuldig ist, gleich unserer Grethe, wie in einem aufgefchlagenen Buche, und ich sage Dir Stenson, in dem Herzen de» Mädchen« keimt eine Neigung, die ich nie und nimmer gutheißen kann, selbst für den Fall, daß sie Erwiderung fände, woran zu zweifeln ich allen Grund habe."
Der Rath war erschrocken stehen geblieben; wie ein dunkle« Schreckgespenst trat ja plötzlich der Gedanke vor seine Seele, e» sei der Tag vielleicht nicht mehr gar fern, an dem auch an Grethe, an seinen Sonnenstrahl, der Mahnruf: „Du sollst Vater und Mutter verlassen und dem Manne folgen, der Dir an feinem Herzen eine neue Heimath erschließt!" tönen würde.
„Louirchen, Du meinsttz" wiederholte der alte Herr ängstlich
„Ich meine, wa« ich sage, lieber Stenson — unsere Kleine liebt, — liebt jenen Doktor Herber