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Ädwttien mb Expedition: Milkt 21* Fernsprecher Nr* 55.

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# Marschall Mac Mahrn war am 22. Juli 1870 Straßburg eingetroffen, mit ungeheurem Jabel

Zum bevorstehenden Quartalswechsel und zum Beginn Winterhalbjahres, in welchem die Nachfrage nach r guten Zeitungslektüre lebhafter zu sein pflegt, bringen unsereOberhessische Zeitung», Kreisblatt für die

ücher jenseits des Rheines die deutschen Stämme als Lheitsband die neue deutsche Kaiserkrone im !chl achtenfeuer geschmiedet haben, begonnenen WtzeDie Ruhmestage deS deutsch-französischen

en Leitartikeln, welche das w i ch t i g st e T a g e s - eigniß oder die bedeutendste Tagesfrage in «iner Jedermann verständlichen Weise besprechen, tagtäglich

Sandel, Landwirthschaft und Verkehr, Kunst, issenschäft und Literatur, Mittheilungcn aus engeren Heimath der Provinz Hessen-Nassau, be- ders Kreis und Stadt Marburg (hier auch besondere g- der heimischen Interessen), Vermischtes, Telegramme

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rnQa|& übrigen bedeutendsten politischen Nachrichten und ^ClöGltoftigcn bcmerkenswerthesten Tagesereignisse, auch aus

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Sopp, ;ein.

begrüßt und ü lerschwäuglch al« Zukunftsbild ge­feiert worden; man träumte weiter von französischen Siegen. Unsanft und jäh war das Eiwrchen, als die Einwohner von Straßburg am 6. August durch Mamrauschlag erfuhren:Die Stadt ist in Be­lagerungszustand versitzt!- Und auf der Straße von Hagenau tarnen schaumbedeckte, retterlose Rosse daher­gesprengt, ein blutüberströmter Rapphmgst brach am Thore verendend zusammen, die andern stürmten wie toll durch die Stadt; bald jagten auch Reiter daher, Kürassiere, LarclerS, Dragoner, alle» wild durch einander, jeder von ihnen nur immer rückwärts über die Schulter blickend, ob der Feind nicht folge. Bald wurde die niederschmetternde Nachricht bekannt, daß die Armee Mac Mahou's bei Wörth aus's Haupt ge­schlagen und die» ihre Trümmer seien.

In Straßburg kommandierte ein ehrenfester, energischer Mann, General Uhrich, bem eS heiliger Trust darum war, sein Wort wahr zu machen:die Festung zu vertheidigen, so lange ein Soldat, ein Zwieback, eine Patrone übrig bleibt.- Er war übe: all; in düsterer Ruhe, aber mit viel Umstcht ertheilte er seine Befehle, mährte zur Ruhe und Besonnenheit. Deutscherseits war schon gleich nach dem Siege von Wöith die Bezwingung von Straßburg in'S Auge gefaßt worden; der mächtige Kriegkplatz am Rhein bildete ja eine beständige Bedrohung Süddeutschlands. Bereits am 11. August war die badische Division zur Beobachtung vor der Festung erschienen, bald flog die erste deutsche Granate zischend in die Stadt, und bleicher Schrecken malte sich auf den Gesichtern der Einwohner. In den nächsten acht Tagen wurden die Badenser noch durch die Garde Landwehr und die 1. Reserve Division nebst einer Kavallerie« Brigade verstärkt; hierzu trat noch ein Belagerungstrain von 200 gezogenen Kanonen und 88 Mörsern mit 6000 Fußartilleristen und 10 FrstungS-Plonier-Krmpoguten. Den Oberbefehl über das nun 40 000 Mann starke BelagerungSkoipS überrahm am 15. August General v. Werder. Mit besonderem Staunen betrachteten die französischen Landbewohner die Hünengestalten der prenßischen Garde« Landwehr; in noch größerer Staunen aber geriethen die biederen Elsässer, als diese Hünen, meistens Familienväter, die Kinder ihrer Wirthe auf ihren Knieeu schaukelten. Waren dies die Horden der deutschen Barbaren?

General v. Werder beschloß, nachdem eine Auf­forderung zur Uebergabe, um die Stadt vor de« Untergänge zu retten, von General Uhrich mit der Berufung auf die militärische Ehre zurückgewiesen worben war, den »ersuch zu machen, die Festung durch ein Bombardement zur Uebergabe zu zwingen. Nach den nöthigen Vorbereitungen begann dasselbe in der Nacht vom 25. zum 26. August. Bald leuchtete ehe Helle Feuersbrunst in der Stadt auf, grauenvoll großartig strahlte der gluthgeröthete, ehr­würdige Müusterthur» über das Flammenmeer; auch wurde fein Dach getroffen, doch blieb es glücklicher­weise bei geringe» Beschädigungen, und der hehre Bau Meister Erwin» wurde gerettet. Dem drei­tägigen Bombardement folgte eine neue Aufforderung zur Uebergabe, die aber General Uhrich wiederum ablehnte mit den Worten:Unsere Mauern steheu noch, und ich kann nicht daran denken, einen Platz zn übergeben, welchen aus'S Seußerste zu vertheidigen, mir die Ehre sowohl wie da» Interesse Frankreichs

rüch Itzel.

Die »Lberhessische Zeitung" kostet einschließlich der Beilagen vierteljährlich nur 2 Mk. frei in's Haus, durch die Post bezogen 2.25 Mk. ohne Bestellgeld.

DieOberhessische Zeitung" ist das beste Blatt des Kreises Marburg. Dem Aufschwünge, welchen die Oberhessische Zeitung" in erfreulicher Weise für Stadt und Kreis Marburg genommen hat, wie sie das verbreitetste und meistgelesene Blatt in Marburg und Umgebung ge­worden ist, entspricht der wachsende Werth des Jnserateu- theils, sodaß auch der I n s e r a t e n p r e i s von 10 Pfg. ein äußerst niedriger ist und di« fleißige Benutzung der Anzeigen-Spalten im eigenen Interesse der Inserenten bestens empfohlen werden kann.

Die Besteller in Marburg und Nachbarorten, in welchen wir Zeitungkbeten haben, wollen sich an diese oder an die unterzeichnete Geschäftsstelle wenden, Auswärts ist die Zeitung auf dem Postamte, der Postagentur oder bei dem Landbriefträger zu bestellen.

Redaktion und Expedition der Oberheffifchen Zeitung".

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gebietet l* So blieb denn nicht» Wetter übrig, al» die förmliche Belagerung der Festung zu eröffnen; der Angriff richtete sich gegen das nordwestliche Steinthor und die dort liegenden Werke.

Solch eh Belagerung!krieg ist ja immer mühselig, und hier wurde die Herstellung der Laufgräben und Batterien noch wesentlich durch auhalteudeu Regen erschwert, der den zäheu Lehmboden in einen dicken Brei verwandelte. Am 3. September gelaugte die Nachricht von dem, wa» bei Sedan geschehen war, zu den Belagerern von Straßbmg. Da rückten die Mufikchöre in die Laufgräben, und dasHeil dir im Siegerkrauz" drang mächtig zu den Wällen der Festung hinüber; dann gaben wie mit einem Schlage sämmlliche Geschütze der Feld- und Belagerungs- Artillerie drei Salven, und diesem Salut folgte von tausend und abertausend Stimmen andächttg ge­sungen der Choral:Nun danket alle Gottl* Rüstig schritt ttotz aller Schwierigkeiten, und obwohl «aucher deutsche Mann, von feindliche« Geschoß getroffen, dahinsar k, die Belagerung» Arbeit vorwärts, und von mancher deutschen Heldenthat wissen auch diese Tage zu erzählen.

Ein besondere» Stückle!» führte Hauptmann Ledebonr von den Pionieren aus. Al» man bi» an da» Gleci» gekommen war, wurde entdeckt, daß sich dort Miueugänge befänden. Da ließ sich der wackere Offizier, mit ihm noch ein Pionier, an Stricken in den Graben hinab, sie erreichten schwimmend da» jenseitige Ufer und entfernten die Pulverladungen. Leider wurde der heldenmüthige Hauptmann wenige Tage darauf tödlich verwundet. Am 26. September war man so weit gelangt, daß nach gehöriger Vor- Bereitung durch starke Beschießung an die Ausführung des Sturme» gedacht werden konnte. Am 27. Septbr. spieen 200 deutsche Geschütze Tod und Verderben in die Statt hinein; da um 51/, Uhr Abend» erschien aus dem hohen Thurme de» Münster» die weiße Fahne als erste» Zeichen der Unterwerfung der stolzen, zuvor noch nie im Kriege bezwungenen Festung.

Nach dreißigtägiger stürmischer Umarmung war diewunderschöne Stadt- wieder deutsch, wieder unser; 45 Osfiziere, 952 Mann hatte die Wieder­erobern» g den Deutschen gekostet. 1200 Geschütze, 200000 Handfeuerwaffen und beträchtliche Vorräthe bildeten die reiche Kriegsbeute der Sieger. Nach Abschluß der Kapitulation unter denselben Bedingungen wie in Sedan zog cm 28. Septbr. die französische Besatzung nach Niederlegnng der Waffen ,n« Thor hinan», an ihrer Spitze der tapfere General Uhrich;

Die Ruhmestage deutsch - französischen Krieges XVII.

Straßburg wieder unser!

pßten Zeitungen und liefert die w i ch t i g st e n Tages- huigteiten unseren Lesern schon denselben Abend, »Hund sie die großstädtische Presse nach hier eist ain enden Morgen übermittelt. Auf ein fesselndes, auch gediegenes und literarisch werth­

elles Feuilleton legt die Redaktion derOberh. g." g a n z b e s o n d e r e n M e r t h, sie hat für das erhalbjahr den Abdruck mehrerer Erzählungen erworben, den vollen Beifall der Leser gewinnen werden. Di«

Lberh. Ztg." unterhält journalistische Beziehungen zu vielen Heren Städten und hat in zahlreichen Orten beä Kreises k« igenen Korrespondenten; jede Neuigkeit aus «feiern Hessenlande, jedes Ereigniß der verschiedenen Städte «d Ortschaften der Provinz, das nur einigermaßeu mit- siilmswerth erscheint, wird vermerkt.

Sonci sifg.

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Die im Monat Juli zur fünfundzwanzig- ihrigen Erinnerung an die große Zeit, in

8«hrh|in. £lntthl>*bcaamnis*»rti> bei der Exp» fit

Kion 2 Mk., bei allen Postämter» 2 Mk. M «fi («kl.

JÄUf'ÄÄMlrftästa Mittwoch, 25 September 1895.

die neuesten Tagesereignisse und ein vortreffliches sigg^Moman-Feuilleton. Der von derOberh. Ztg." eingerichtete 'cgraphen - Agentur - Dienst wetteifert mit dem der

Wöchentliche Beilage«: Kursblatt für die Kreise Marb«rg «nd Kirchhain.

Jllustrirtes Sonntagsblatt. Sprech^den der Redattion: *1011$Uhi^Vo^rmott^»^^''

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatt«, sowie die Auu-uc«u-B»re«r von H-asenstein x. Vogler in ,

Armckfurt » M., Cassel, Magdeburg »nd Wim; Rudolf XXX. SeQuin Ross« in Frankfurt a. M., Berlin, München n. Köln; G. L. "O 1

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Part».

lirnfc Marburg und Kirchhain, in empfehlende Erinnerung.

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tieges", eine vorzügliche Darstellung des Nationalkampfes t empfiehl Ü seinen großen militärischen und politischen Ereignissen, den zerbach 6. hitgenossen und Mitkämpfern zur stolzen Erinnerung, dem «-wachsenden Geschlechte zur Nacheiferung und Allen zur x 1 ft A Filterung für Kaiser und Reich, werden wir über die * eiteren wichtigen Etappen hin fortführen.

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Margarethe.

Original-Roman von M. Widdern.

tNachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

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Mrethe, nachdem ihr wiederholtes Klopfen über-

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Augustin hüllte sich jetzt in eine förmliche Wolke Bahuh-fiD Dampf, dann setzte er hinzu:Dafür müßte Ä die Cousine auch dankbar sein die faulen taten in der Küche bekommen doch etwa« zu thun, Ü ah I!" unterbrach er sich, denn erst rülf ^fem Augenblick gewahrte er, gleich den Andern Ln rißen s, daß sich die Thür geöffnet hatte und

kt worden in da» Zimmer getreten war. Tief aöthend stand sie nun in ter Nähe des Eingangs, ch lieblicher und reizvoller in der mädchenhaften ----Le Kkgenheit, die sich ihrer bemächtigt, al» sie das (564o ige be8 frem^n jungen Mannes mit so großer arlehe» Äerraschung und unverhehlter Bewunderung auf endeu.^ ch gerichtet sah.

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Gottfriede war in der kurzm Ehe mit einem

ie beide Ettern verloren.

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Frau Gottfriede aber athmete erleichtert auf, ihr «das junge Mädchen in diesem Augenblicke wirk- ff. Ust« h ein rettenter Engel, denn nichts in der tit war ihr fürchterlicher, al« diese nie endenden ribereien zwischen dem Doktor und ihremPflege- chn-, Augustin nannte.

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***|taine, den sie Ihrer sonst so kühlen Natur entgegen L___"hrnd geliebt, doch da« höchste Glück de« Weiber

^rachp »sagt worden: Gott hatte sie nicht Mutter werden kgepö» Stnl Und da sie, wie die meisten Frauen, doch den Ibex W tatog in sich fühlte, zu beschützen und zu sorgen, (18®* Serbem aber auch, wie schon gesagt, von tiefster M»« " Mbarleü gegen Augustin» Vater erfüllt war, so

$at sie mit Freuden den jungen Vetter unter ihre Wige, al« er, ein elfjähriger Knabe, innerhalb einer

Wie durch eine Feder emporgeschnellt so behend hatte sich Augustin von seinem Sitz erhoben. Muhme Gottfriede hatte ihm zwar gesagt, daß der Doktor ihr eine junge Dame al« Gast in das Hau« gebracht, sie erzählte ihm auch, welche Umstände ihn dazu genöthigt, aber sie war weit davon entfernt gewesen, ihn darauf vorzubereiten, wa» für eine unbeschreib­lich reizende Mädchenblüthe diese junge schutzbedürftige Dame sei, um so erstaunter ja betroffener zeigte er sich jetzt. Für einen Moment verlor er sogar vollkommen die ihm eigene Sicherheit des Benehmens (es gab freilich Leute, die diese Sicherheit nur mit dem Ausdruckedler Dreistigkeit- oder, was noch schlimmerUnverschämtheit- bezeichneten). Aber auch nur für einen Moment, dann verbeugte er sich tief und mit vollendeter Eleganz, und ohne Weiterer dem jungen Mädchen entgegengehend, sagte er:Ich habe gewiß die Ehre, Fräulein Stenson begrüßen zu dürfen ? Gestatten Sie mir,* setzte er dann hinzu, nachdem sie zustimmend dm Kopf geneigt,daß ich Sie nun auch mit meinem Namen bekannt mache: ich heiße Augustin Herder und*

Hat benn diese Vorstellung so große Eile?* unterbrach der Doktor hier ohne alle Umstände dm Redefluß seine« unliebsamen Verwandten, und sich dann rasch erhebend, ging er nun mit großen Schritten ebenfall« seiner Schutzbefohlmen entgegen, die verwirrt durch die wunderliche Annäherung Augustin Herder'« noch immer in der Nähe der Thür stand. Und wie dann seine kraftvolle, stolz aufgerichtete Gestalt der schlanken, kaum mittelgroßen seine« Verwandtm gegenüber stand, der nun nur noch wie ein hübsche« halbwüchsige« Bürschchen er» schien, sagte er, indem er sich leicht vor Margarethen vemeigte:Sellen Sie sich aber nicht zuvörderst zu Tisch führen lassen wir »arteten schon auf

Sie, und der Vetter kann da ja auch viel bequemer seine Rede fortsetzen.*

Ohne ein Wort zu erwidern, legte Margarethe ihr kleine» weißes grübchengeschmückte» Händchen auf den ihr gebotenen Arm des stattlichen Manne» feine athletische kraftvolle Gestalt war da» Einzige, worin er seiner Schwester ähnlich war; schweigend legte da» junge Paar den kurzen Weg zurück, der die Thür von der Tafel trennte, an der die Pastorin jetzt ihre Gäste erwartete. Ohne eine Miene zu verziehen, wie» sie dem jungen Mädchen einen Stuhl an. Und doch stürmte e» in diesen Momenten in ihr fie zürnte dem Bruder über die Niederlage, die er ihrem Pflegesohn be­reitet und fie zürnte auch Grethen, daß fie die Veranlassung gewesen zu dieser Niederlage. Die Liebe macht ungerecht gegen die, welche außerhalb dieser Liebe stehen, er ist da« eine alte, nur zu begründete Wahrheit.

Wir haben schon auf Sie gewartet," sagte jetzt auch Frau Gottfriedeund ich fürchte, das Abendessen wird in der Küche kalt geworden sein aber bitte, keine Entschuldigung, da» ist in meinem Hause ein für allemal verpönt Sie müssen eben vorlieb nehmen, wenn die Speisen nicht mehr schmecken. So, und nun setzen Eie sich auch, Fräulein!* fie sagte jetzt nicht liebe« Kind und kein Laut der tiefen männlichen Stimme ver- rieth irgend welche Stimmung, und doch fühlte unsere Freundin mit echt weiblichem Instinkt, daß Frau Gottftiede ihr böse war, ja, fie faßte sich innerlich auch ziemlich zutreffend, wodurch diese» ZÜrnm veranlaßt roorben . . . Wa» nun Augustin anbetraf, fo nahm er sich viel weniger al« feine Pflegemutter zu Herzen, daß er doch eigentlich von dem Doktor in einer Weise behandelt worden, die

ihn in den Augen de» scheuen Mädchen« ohne alle Frage herabsetzen mußte, und zeigte sich während de» einfachen, aber sehr reichlichen Mahler, da« freilich erst eingenommen wurde, nachdem die Pastorin nach herrnhutischem Brauch ein Tischgebet gesprochen, von einer Gesprächigkeit und Aufmerksam­keit Grethen gegenüber, die wirklich ihresgleichen suchen konnte.--

Augustin Herder gehörte in jene Kategorie junger Leute, die während ihrer Schulzeit ihre Lehrer durch Faulheit und Nachlässigkeit beinahe zur Verzweiflung bringen und nachher doch über jedes Thema mit Eleganz und Leichtigkeit zu sprechen wissen: Der Roman und da« Conversationslexikon find die Quellen, au» denen fie eine Weisheit schöpfen, mit welcher sie oft derart brilliren, daß fie hin und wieder sogar wirklich gescheite Menschen über den eigentlichen Fond» ihrer geistigen Errungenschaften zu täuschen wissen ....

(Fortsetzung folgt.)

Wissenschaft, Kunst und Leven.

* * Stuttgart, 23. Septbr. (Ni «ß f.) Der Professor der Mineralogie und Geologie, Friedrich Nieß in Hohen­heim ist gestern, 57 Jahre alt, gestorben.

* * Zürich, 23. Septbr. (F ick t.) Der Rechts- Professor Heinrich Fick, geboren 1822 zu Cassel, Bruder des Würzburger Physiologen, ist gestern hier gestorben.

* Pari», 21. Septbr. (Da» Befinden P a st e u r' s), der schon seit längerer Zeit krank ist, giebt zu großen Besorgnissen Anlaß. Die Doktoren Chantemesse und Roux halten abwechselnd an seinem Bette Nachtwach«.

(Eine juristische Poliklinik.) In Straß- burg i. E. ist auf Anregung der Univerfitätsprofefloren vr. Mayer und Pettt rin Rechtsschutz-Verein in'» Leben getreten. Zweck des Vereins ist unentgeltlich« RechtSbrrathung