Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Marburg,
Mittwoch, 21 August 1895.
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Jllustrirtes Sonntagsblatt. Sprechstunden der RedEou: 10—11 Uhr Vormttta»»-
1 3ah»!- er«# gab Verlaß: Joh. Au g. Koch, Uoiverfitäts-Buchdruckerei in Marburg, in e Redaktion und Erpedüiou: Markt 21. Fernsprecher Nr. 55.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blattes, !»wie die Aunoncen-Bureaux von Haasmstrin e. Vogler ta Vvv rv c
Frankfurt «. M., Eassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXX. ftflyrQ«
Roste in Frankfurt a. M., Berlin, München ». Köln; <8. L.
Daube u. Lo. in Frankfurt e. M., Berlin Hannover, Pari».
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Der große Kriegerappell in Berlin.
» Die Kriegs- uud SiegeSertanemng» feier, die am Montag auf dem Tempelhoftr Felde bei Berlin die btti großen deutschen Kriegerverbände veranstaltete», hat einen glänzenden Verlauf genomm.'u. Unter den Menden Strahlen der Sonne hat der Kaiser sich Ma 16 000 alte Krieger und Soldaten vor Augen Wien lassen. Ein Feldgottesdienst ging de« Ab taten der langen Front voran, uud das Ganze fand
„Dem Beispiele meines glorreichen Großvaters folgend, haben wir die Erinnerung an den großen Tag von St. Pri at mit dem Dank gegen Gott anqcfangen, bas ec mit unseren Waffen gew sen und der gerechten Lache zum Siege verholsen 1 Ohne jedes Gefühl der Ielbsterbcbung, in voller Anerkenung der Tapferkeit und Ausdauer, mit der unser Gegner sich schlug, sind mir «lz darauf, daß durch den Sieg unser Vaterland wieder geeinigt worden, und es freut mich, so viele altbewährte Kämpfer meines Großvaters hier in Euch zu begrüßen. Möge der heutige Tag für Euch ein neuer Ausgangspunkt
Mi thtz : sein, um wiederum in friedlicher Weise, Eurem alten Fahnen- ' ,y eib getreu, den ihr Euerem König geschworen, f ü r u n s c r ™ Vaterland z u arbeiten in der Pflege des «toti t Kespektsvor demGesetz, in der Pflege der ____ Religion und in der Pflege der Liebe zum —S°niglichenHause,jedwedenTendenzen, die znmUmsturz führe n, entgegenzuarbeiten,
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,r ^jeinen Abschluß i# eieer Ansprache des obersten Kriegs- Nr l i018 an altcn Kämpfer utb die i# de# Krieger ,’L * «reinen vereinigte# Kameraden.
flhnit ■ 81 "bt soldatischer Manier Euch um Euren König zu 1 ",lu schaaren. In besonderer Anerkennung für die Leistungen bei Armee vor 25 Jahren habe ich unter dem gestrigen Tag eine Verordnung erlassen, in der befohlen wird,
daß sämmtliche Ritter des Eisernen Kreuzes silbernes Eichenlaub mit der Zahl 25 über dem Kreuz zu Nagen haben und daß sämmtliche Besitzer der Kricgs- iest. aiil beukmünze für Schlachten und Gefechte silberne tten Bit Riegel auf dem Ordensverbande erhalten, auf der die , ' Schlachten und Gefechte, die der Einzelne mitgemacht, ver- "• zeichnet sind, damit Der, der Euch begegnet, erkennen kann,
del» W "welchem Orte Ihr Euch hervorgethan. Aus diesem Beweise mögt Ihr entnehmen, wie dankbar Mein Herz De ”, 'jür Euch schlägt. Ich glaube hierbei wohl im Sinne t RG Meines Großvaters zu handeln. Und nun geht hin und (4S ihm Eure Arbeit, wie ich Euch befohlen."
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Jubelnd uud beseligt stimmte# die alte# Krieger N eie dreimaliges Kaiserhoch ein und fange# die stetionalhymue. Der Kaiser reichte de# Vorstands- liebem herzlich die Hand uud bat sie, dahin zu daß die Krieger vereine sich namentlich auch jüngere# Generativ# der Kameraden anaehme# u.
Die Theilnahme der Bevölkeru#g an der Feier auch durch Flaggeuschmuck, der in einigen en sehr reich war, zu« Ausdruck. In den
David vvd Goliath.
hmoreske aus dem Garnisonleben von Th. S chmidt.
(Nachdruck Verbote#.)
(Fortsetzung.)
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sicher, blauäugiges .Reschen* (Therese), über
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n hier zstr. Ni 2 01.' »0« Maus- Zub. etheu.
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en Liebreiz und Schönheit der lange ehemalige ml-kandidat in einsamen Frühlingsnächten lende Gedichte verbrochen hatte — da» war der chen die Freunde geschleuderte Erisapfel I hart mochte es freilich für den liebesehnsüchtigen tz sein, zu sehen, wie das Wesen, da« er seit Sem im Stillen verehrte, seine Neigung einem seinem Freunde, schenkte. O wie ver- töte er ben Tag, an dem er Jenen mitge- en hatte zum Hause seine« heißgeliebten », bei deffen Anblick er, schüchtern wie ein er Knabe, sich nicht getraut hatte, von Liebe, tzrung, Anbetung und dergleichen Dingen zu . Und jetzt hatte Ratzky, dieser Glückrpilz, seiner kecken gerochen Weise um ihre niedliche geworben und — o e« war schrecklich - war erhört. Zwar hatte der protzige Bärenwirth sang« .nickr van den lütten Dreikäsehoch* — er Ratzky immer genannt hatte — wissen wollen, Jener ihm aber aureinandergesetzt, daß er ge, im nächsten Jahre zum Zeugwesen tagehen und daß er in dieser Carriöre e« bi» Hauptmann bringen könnte, da hatte Ersterer Zustimmung zur Verlobung schließlich erthejlt, :.et doch inzwischen erfahren, daß Ratzky ohne später eine angesehene Stellung würde et-
tonnen, da er gute Kenntniffe besitze und bet
te 2. © Hnb die Ursache — der Grund diese« Zerwürf- vermies G»? — Wir können da« mit drei Worten sagen: eustadt^ tCherchez la femme 1“
De» wohlhabenden und angesehenen Bärenwirth»
2 S : nebst liechen f? grün
wurde Vars. Schloß er
Schavfiustetn seh man mehrfach von Blumen uvd Pflanz # umgebtn die Büße# der Kaiser Wilhelm L, II und Friedrich, des Fürsten Bit marck und des Gros n Moltke. Die O bnung im Zuge der Krieger war musterhaft, al» ob man eine aktive Truppe vor sich gehabt hätte Allerdings war das T-.mpo nicht so flott; den# Mancher marschirte in den Kolonnen ben die feindliche Kugel schwer getroffen hatte. Die Bürgersteige waren mit Zuschauern dicht besetzt und wo dec Zug vorbeikam, da öffn ten sich alle Fenster. Srgreif-nd war der Anblick eines Beterauen, der sich an der Spitze eines Verein» in einem Handwägelchen zum App ll saht en ließ. Ihm hatte ein Geschoß beide Beine weggerissrn. Respektvoll entblößten viele der Zuschauer vor dem Krüppel dos Haupt Auf dem Tewpelhoser Felde nahmen die Krieger in einem Recht ck Aufstellung Die Feier nahm mit dem Choral .Nvn danket alle Gott" ihre# Anfang. Hiernach hielten der evangelische Militär Obe!p'arrer 3361 fing und der katholische Militär-Obeipfarrer Vollmar die Festrede, den Schluß der Andacht bildete eine Hymne von Kunoth, vom Krieg»sänger- bund mit Mnfikbegleitung gesungen. In der nun folgenden Panse ordnettn sich die Vereine zur Be fichligung durch den Kaiser. Während der Pauseuvterhielt stch der Monarch mit den beide# Militär Obcrpfarrern Der Kaiser ging näher auf die Rede des katholischen Geistlichen ein und betonte, daß nach seiner Ansicht die vom Redner betonte Pflichttreue das einzige Mittel sei, um die Sozialdemokratie zurückzuweisen und daß namentlich in der Schule darauf gedrungen «erden müsse, daß die Kinder nicht allein mit btm Verstände lernen, sondern daß auch da» Herz ge bildet werden müsse. Nachdem er dann noch eigen händig ben beiden Militär geistlichen den Kronenorden 3. Klaffe überreicht halte, ließ er die Krieger vorbei- ziehen und lief denselben beim Abschied ein .Adieu, Kameraden" zu. Der Abmarsch der Krieger selbst vollzog sich programmmäßig.
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Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten fanden, wie schon theilveise drahtlich gemeldet, Sonntag ErtanerungSfeiern statt. Zur Feier in Dresden hatte der Kaiser den Generaloberst Frhr. v. See geschickt. Derselbe überbrachte dem König Albert ein Handschreiben bei Kaisers unb überreichte bem Grenabierregiment .Kaiser Wilhelm" vier vom Kaiser gestiftete Fahnenbänder. Bei der Parole- auSgabe richtete König Albert eine Ansprache an das Regiment, in der er der ruhmreichen Vergangenheit deffelben gedachte. Die Geschütze deS sächsische#
allen seinen Vorgesetzten beliebt sei, auch sei seine jetzige Stellung nur eine Art Durchgangrstellung für einen besseren und angeseheneren Posten.
Unterdeß unser Ratzky, in Unkennlniß de« dem Freunde zugefügten Kummer«, seine dienstfreie Zeit mit Kosen und Tändeln im Hause Reichen« verbrachte, versuchte Goliath vergeblich seinen Aerger und Groll niederzukämpsrn. Ratzky fiel de« Freunde» veränderte« Benehmen wohl auf, doch erklärte e» sich der Glückliche damit, daß dieser nur deshalb so ernst und wortkarg geworden war, weil er sich ihm jetzt weniger widmen konnte al» früher. Daß sein Freund ihn Haffen könnte, daran dachte er garnicht. Meister in der Kunst be» Heucheln«, verstand es Zacke-Goliath, den Freund über seine wahre Gesinnung zu täuschen. Bon jeher neidisch auf den Freund und Kameraden, weil dieser ihm im Dienst immer vorgezogen wurde, faßte er endlich den bo». hasten Entschluß, sich an Ratzky zu rächen und ihn »unächst au» der Gunst der Vorgesetzten zu verdrängen. Wie er seinen schwarzen Plan vollsührte, werden wir bald sehen.
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Wer .in Reih und Glied* gestanden hat, weiß, daß die Tage kurz vor einer Jnspizirung zu den schlimmsten im Sehen de» Soldaten gehören und daß dagegen die eigentliche Besichttgung ein wahre« Kinderspiel ist. Daß bei solcher Gelegmhett dem Herrn Obersten oder Brigadier ein Schnippchen geschlagen wird, sei'» dadurch, daß plötzlich ver- schiedene Leute am der sogenannten .Strassection" .krank*, und die an .übergroßer Schlauheit Leidenden* irgendwohin .kommandirt* werden, oder daß gewiffe Montirung». und Au«rüstunz»stücke, vor Alle« der .Schrecken de» Soldaten', die be-
Armei korps trüge# zum erste# Mal Eichenkiänze. Generaloberst v. Los »hielt den HauSorde# der Rautenkcom. — In Darmstadt hielt Großherzog Einst Ludwig eine Ansprache an die Veteranen, in der er sagte: .Bor 25 Jahre# habt Ihr unter meine« Vater Schulter an Schulter mit anderen Stämmen in stundenlange«, heißem Kampfe ge standen und unvergänglichen Ruh« erworben. Wer selbst so mitgekämpst für Deutschlands Einigung, wird auch stets dafür eintreter, das Errungene zu erhalten und seine Söhne in Treue gegen den Fürsten und das Vaterland und in hingebendem Gehorsam gegen den Kaiser und den obersten Kriegsherrn zu erziehen.* Der Kaiser Übersandte dem Großherzog ei» Telegramm, in welche« er der ruhmreichen Theil nähme bet Hessen bei Gravelotte gedachte. Der Großherzog dankte telegraphisch. — Auch in Olden bürg ist die KriegseriunerungSfeier glänzend verlaufen. Dem Festgottesdienst wohnten der Groß Herzog, die großherzogliche Familie, sowie die Veteranen rc bei. — Bei Posen fand auf bem Schloßberg zu Sruschtoitz in Gegenwart deS Ober» Präsidenten, gegen tanfenb alter Krieger unb zahl reicher Offiziere die Enthüllung deS Kaiser Wilhelm- Denkmals statt.
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lieber ben Verlauf der
Gedenkfeier auf be« Schlachtfelbe von Gravelotte
erhalten wir von unser« gelegentlichen R.< Mitarbeiter unter« 18. August aus Metz folgenden ausführliche# Bericht:
' In den Annalen der Stadt Metz toitb die heute beendete dritte Augustwoche be« Jahre» 1895 auf immer mit unauslöschlichen Lettern verzeichnet bleiben. Eine berattig große nnb babei ruhmreiche Versammlung hat Metz boch wohl kau« in früheren Kaiser tagen verfloffener Jahre gesehen. Unb welcher stolzen Art ist biefe Versammlung I Waren bie Straßen bei Stadt Metz schon zu Begin# bet Woche belebt, und zwar von zahlreichen Veteran« n, die mit berechtigtem Stolze gerade in diesen erhebenden Erinnerungstagen die Brust schmückten mit der KriegSden?münze oder gar dem Eisernen Kreuz, so steigerte sich in ben beiden letztver floffenen Tagen bie Menge dieser Ehrengäste in'» llngemeffeue. Schätzte »an doch schon gestern die Zahl der früher eingetroffenen Besucher auf mindestens 30,000. Und immer von Neuem brachten die Sonderzöge große Schaaren ehemaliger Krieger, so z. B. gestern im Laufe weniger
rüchtigte 5. ober 6 Garnitur, zusammengesitzt und gehalten au» unzähligen Flicken und einem Quantum Zwirn, deffen Länge dem Umfang der Erbe nahe kommen dürfte, plötzlich spurlos verschwinden und ihr so ost verfluchte« Dasein für einige Tage in beschaulicher Ruhe hinten weit in der dunkelsten Ecke der Montirungrkammer fristet, wohin nie dar Auge de« gestrengen Henn Oberst dringt, da« dürfte bekannt sein. Aber nicht immer gelingt die Täuschung! Unferm Oberst konnte wenigsten» so leicht kein X für ein U vorgemacht werden, namentlich in Bezug auf da« Geschütz, da» nebenbei bemerkt sein Stecken- pferd war. Da man letztere« im Regiment wußte, so war e« natürlich, daß auf Alle«, wa« mit bem Geschütz zusammenhing, die peinlichste Sorgfalt verwendet wurde.
Nun war unser Ratzky in seiner Art ein Genie: Bei Besichtigungen überraschte er seine Kameraden oft im letzten Augenblicke mit etwa« .Aparte«*, den Neid der Anderen Herausfordernde«. Auch bei dieser Frühjahrs-Jnspizirung, der ersten in meiner Dienstzeit, hatte er stch wieder etwa« .Aparte«* ausgedüftelt, um stch die Gunst be« Obersten damit zu erwerben. Am Abend vor ter Jnspizirung sandte er nämlich mit einer wichtigen, geheimnißvollen Miene einen Kanonier zum Krämer und ließ für fünf Silbergrofchen Rüböl holen .E« ist zwar .heidenmäßig* viel Geld,* meinte er sinnend, .aber ich denke die Geschichte soll sich schon bezahlt machen.* Hierauf befahl et uni: „Punkt vier Uhr morgen früh steht Jeder mtt einem wollenen Lappen beim 3. Geschütz im Geschützschuppen.*
Obgleich ich in der Stadt wohnte und er mich von Arbeiten, die stch auf da« Reinigen und Putzen be« Geschütze» bezogen, ein für alle Mal difpenstrt hatte, nahm ich mir doch vor, mich zur festgesetzten
Stunden an 900 Sachsen und an 700 ehemalige 67er. An Unterbringung bet Veteranen in Gasthöfen oder in den zahlreich vorhandenen Piioatlogi« körnte dieser Hochfluth gegenüber nicht gedacht werden und so wurden denn die alten Krieget in der vorsorglich dafür eingerichteter! Militärakademie unb in Militär- barocken eir quattirt, seht zur Zufriedenheit der Gäste; hierdurch entwickelte sich schnell zwischen ihnen und den aktiven Soldaten ein sehr herzliches kamerad« schastliche» Verhältniß, da» in gemeinsamen Ausflügen, Kommersen usw. auf'» Schönste zu Tage hat. Da» Rendezvous der Veteranen ist da» am Kaiser- Wilhelm? Platz, fünf Minuten vom Bahnhof entfernt belege« ganz reizende Gartenlokal .Germania*. Leidet ist e» in diesen Tagen für den gewaltigen Andrang ganz unzureichend. Solche Nächte wie die j folgen am Kaiser - Wilhelmsplafoe hat Metz noch nicht gesehen. Bi« tief in die Nacht hinein lassen in bet .Germania* preußische und bayerische Militärkapellen patriotische Weisen ertönen. Kau« ist die Hymne .Heil Dir i« Sieger ft an j* verklungen, so wird auf stürmisches Erlangen .Wa» ist deS Deutschen Vaterland* oder .Die Wacht am Rhein* tatonist unb jubelnd stimmen die Gäste, in diesen Tagen find e» nur Veteranen und Osfiziere der Garnison, in die tauschende Militärmufik ein. Tausendstimmige donnernde Hochrufe auf Kaiser und Reich, auf Vaterland und Armee ertönen ununterbrochen wett hinaus bi» ta die spätesten Nachtstunden. 68 ist bereits gesagt worden, daß die Gedenkfeiern der deutschen Veteranen auf den Schlachtfeldern einen durchaus würdigen, ta feine« Grundton tief ernsten Charakter haben. De« ursprünglichen Plane der Maite« der lothringischen Dörfer, durch Jahrmarkts- Veranstaltungen, al» Korcuffel», Schaubuden usw. ans den Gedenkfeiern ein lukratives Geschäft zu machen, haben die höheren Verwaltungsbehörde# erfreulicher Weise etaen Riegel vorgeschoben. Ander« jenseits der frauzöfischen Grenze. Während a« 16. d. Mts. die deutschen Veteranen auf der an herrlichen Denkmälern und Kriegergräbern so reichen blntgebrängtcn Wahlstatt von Rözonville, Götze, Vtonville umherwanbelten nnb stille Andachten hielten an ben Gräbern der gefallene« Kameraden, während auf de« historischen Boden von Lionville — wo am 16. August die Reiter-Brigade B edow durch ihren opfermulhigen und opferreichen TodeStitt dreitausend Meter hinein ta die Infanterie- und Artillerielinien bei Feinde« bie Schlacht für bie Deutschen rettete und bin zweiten Rückzugsversuch der Franzosen in’« Innere hemmte — das
Stunde einzufinden. Ich war gespannt darauf, wa« Ratzky mit bem Rüböl anfangen würde.
Als ich am nächsten Morgen kurz nach vier den Geschützschuppen betrat, waren die Kanoniere bereit« emsig bei unser m Geschütz beschäftigt. Schmunzelnd und sichtlich befriedigt Über den Ausfall feiner Idee, die ich in der That bewundern mußte, sah Ratzky dem Treiben bet Kanoniere zu, welche sämmtliche äußeren Theile des Geschütze» mtt bem gekauften Rüböl abrieben. Daburch erhielten bie blau gestrichenen Holztheile einen derartigen ftifchen Glanz, daß da» Geschütz neben ben andern wie neu gestrichen au»sah. (Fortsetzung folgt.)
Wissenschaft, Kunst uud Leben.
-Gießen, 19. August. (Universität.) Der Großherzog hat de» außerordentlichen Profeffor Dr. Otto Wiener zu Aachen zum ordentlichen Profeffor in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität und zum Direktor des physikalischen Instituts, mit Wirkmig vom 1. Oktober d. I. an, ernannt.
** Köln, 19. August. (Radfahrsport.) Bei dem gestrigen Weltmeisterschastsfahren über 100 km für Berufsfahrer war Michael (England) Erster, Luvton (Antwerpen) Zwetter und Hoffmann (München) Dritter.
** Aachen, 19. August. (Jngeuieurkongreß.) Heute begannen die Verhandlungm der 36. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure. Mehr als 300 Personen nahmen Theil. In der ersten Sitzung begrüßten der Oberpräsidrut der Rheinprovinz Raffe, der Rektor der technischen Hochschule, Profeffor Jutz«, und Namen» der Stadt Aachen Bürgermeister Veltmann die Hauptversammlung. Der Vorsitzende des Verein», LowSki, thellte mtt, daß dir Zahl der Mttgliedrr mehr al» 10 000 betrag«; das Vereinsvermögen sei nm 75 000 Mk. gewachsen. Profeffor Jntze hielt eine# intereffantrn Vortrag über größere Wafferkrastanlagen in Deutschland, der Schweiz und Oesterreich. Profeffor Schröter sprach über Linde'» Verfahren zur Gewinnung von Sauerstoff mittel» verflüssigter Lust.