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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei in Marburg. ^4-4-
Redaktion und Expedition: Markt 21, Fernsprecher Nr. 55. ^UU|ultlC9 ^VtlUlUßvvlUll
Verrrttwvttltcher Redakteur: Friedrich Colb a tzky tu Äardura.
Sprechstunden der Redaktion: 10—11 Uhr Vormittag.
JK 154
Arschtint täglich »her « Wnktages «ach Sous- und Feiertag«:. — Quattal-Lbrnumuttz-Prri» Sri der 6Qw» bitte« 2 Mk., bei allen Posiämt-ru 2 Mk. 25 Pf,. («kl. Bestellgeld). JnseratieuggebShr für di, gespaltm« Zeil, eb« dereu Rau» 10 Pf,., Reklasen für di, ZüLe 85 Pfg.
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Marburg,
Donnerstag, 4 Juli 1895.
Auzeigeu nimmt entgegen di, Expedition dieser Blatter, sowie di« Aunoncrn-Bureaux von Haasmstein u. Vogler in Frankfutt a. M., Eaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt t. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Eo. in Frankfurt«. M., Berlin Hannover, Paris.
XXX. Jahrg.
Zweites Blatt.
Vermischtes.
(Das „Schmuhrnache«" der Schneider ist eine Unterschlagung) Vor dem Berliner Schöffengericht stand der Schneidermeister H., der sich im verflossenen Herbst an die Firma B. und S. nm Arbeit wandte. Er erhielt zunächst Stoff geliefert, anS dem er einige Beinkleider herzustellen hatte. Dieser Auftrag wurde zur Zufriedenheit ausgeführt und H. erhielt na« Stoff zu 85 Beinkleidein. Als er diese ablieferte, zeigte er sich, daß sie nicht die vorschriftsmäßige Weite hatten und deshalb entwerthet waren. Der Meister erklärte auf Vorhalt, daß er de« gesammten Stoff verschnitten habe, doch glaubte man ihm nicht Einer der Angestellte» der Firma mußte sich zu H. begeben und sich ein Beinkleid »ach Maß bestellen. Der Meister ging t» die Falle; unter des Stoffe», die er dem Besteller vorlegte, befand sich auch solcher, de» er von der Firma geliefert erhalten hatte und „erspart* haben mußte. Er wurde »egen Unterschlagung angeklagt. I« Termine ver trat er den Standpunkt, daß einem uralten Brauch zufol e der Stoffrest, der durch geschicktes Zuschneiden erübrigt werde, immer Eigenthu« des Schneiders werde. Es köuutm tausend Schneider aus Berlin geladen werdin, übereinstimmend würde« sie dies be künden Durch die Beweisaufnahme wurde festge- stellt, daß dem Angeklagte» ausdrücklich zur Bedingung gemacht worde» war, die Ueberbleibsel zurückzulieferu. Der Gerichtshof war mit de« Staatsanwalt der Ansicht, daß et« vielleicht üblicher Mißbrauch de« Angeklagte» nicht entlasten könne. Ein Schneider habe alle Ueberbleibsel von dem ihm anvertraute« Stoff zurückzulieferu. Bei der bisherige» Unbe scholtenheit des Angeklagten seien ihm aber mildernde Umstände zugebilligt und sei nur auf eint Geldstrafe von 30 Mk erkannt worden.
(Die echte Mtllioneu'Erbiu Hulda Bär in Rixdori) [vergl. die Notiz in Nr. 147 D. Red.) ist, nachdem die Kunde von ihrem fabel haften Glück in die Welt hinauSgedrunz n ist, eine vielbegehrte Partie, und von alle» Seite» werden ihr tzeiratSanthräge, sowie Vorschläge über Vorth tl- hafte Kapital-Anlage gemacht, und auch an Bettel' brief-n fehlt eS nicht, obwohl Frl. B. von ihrem Mtllionensegen bisher selbst noch keine» Pfennig erhalte» hat. Zu ihrem Glück besitzt die Million en» Erbt», die gegenwärtig noch in der Kopfstraße in Schlafstelle wohnt, eine geradezu bewundeinswerthe GemüihSruhe, die sich durch nichts aus der Fassung bringen läßt. Ilm den lästigen Heirathsar trägen zu ent-,eh a, will sich Fräulein B. so schnell wie möglich mit ihrem Bräutigam, eisern armen Gärtner gehilfe», der sich natürlich jetzt ob fetter klugen Brautwahl i»'S Fäustchen lacht, Verheiratheu, und das Aufgebot soll bereits bestellt sein. Also für Glücksritter ist hier vorläufig kein Feld, ei» Geschäft zu machen.
(Ein sonderbarer Prozeß.) Ein Student in Brüssel hatte einen jungen Löwen gekauft, dessen Entwickelung er studiren wollte. Das noch unschädliche „Leuchen" erhielt einen Stall zur Wahrung, der neben dem Pferdsstalle eines Nachbarhauses '«g in dem ein Pferd stand. Inzwischen war
der junge Löwe fast unmerklich gewachsen, ohne daß etwas Beunruhigendes oder Aufregendes vorgekommen wäre. Man kennt den scharfen Geruch, den eingesperrte Bestien verbreiten. So kam er, daß auch das Pferd die nahe Gefahr witterte, und eine« Tages wurde es von solcher Furcht ergriffen, daß er durch Ausschlagen die nicht sehr feste Back- steinwand zerbrach, die es von dem Löwen trennte. Als der Letztere sich so plötzlich dem unerwarteten Gaste gegenüber sah, wurde er etwas stutzig und wich scheu zurück; dann aber that er sofort seine Pflicht al» König der Thiere, setzte sich auf dar Pferd und erwürgte es. Jetzt fordert der Besitzer des Pferdes Bezahlung für das von dem Löwen getötete Reitthier, und der Besitzer de» Löwen behauptet, daß der Besitzer der Pferdes auf seine Kosten die Scheidewand wieder Herstellen lassen müsse, da dar Pferd in unerhört frecher Weise den Wohnsitz der Löwen verletzt und sich gewissermaßen eine» Hausfriedensbruchs schuldig gemacht habe. Da man sich nicht in Güte einigen konnte, wird die merkwürdige Geschichte auch noch die Gerichte beschäftigen.
(Briefmarken von der Kanalfeier.) Briefmarkensammler fahnden jetzt eifrigst auf Briefmarken, welche in Kiel abgestempelt sind. Die während der Festtage einem b-stimmten Postamts eingelieferten Briefe tragen nämlich den Stempel: „Kiel-Marine-Akademie" und darunter den historischen Vermerk: „Canaleröffnung *
(Die Pariser Studenten nach Laurent Tailhade) Im Pariser Quartier Latin herrscht große Aufregung unter den Studen'en wegen eines Aufsatzes, welchen der Dichter Laurent Tailh de im Echo de Pari» hat erscheinen lassen. Tailhade giebt eine Beschreibung der Pariser Studenten worin er unter anderm sagt: „Der Student im Naturzustand: zukünftiger Quacksalber, Notar atr- schreiber oder Pillendreher, macht sich bis zu der Stunde der einträglichen Stellung und der bürgerlichen Heuchelei nur durch die Rohheit eines Protons und die Dummheit eines Rhinoc ros bemerklich. Alls schmutzigen Instinkte, Gemeinheit, Feigheit, Unredlichkeit, Verlogenheit, Haß gegen die Armuth und Verachtung des Schönen find bei diesem jungen Duckmäuser (pied plat) in rohestem Zustande vorhanden. Dummes Geschrei, unzüchtige Lieder, kaffern- mäßige Völlerei und Unreinlichkeit eines Eskimo, nichts fehlt in dem Lotterleben, worin die anständigen Leute der Zukunft sich gefallen."
(Originelle Namsn.) In einer kürzlich von der Landerkanzlei in Appenzell (Schweiz) veröffentlichten Liste von entvogteten Personen erhalten mehrere neben Familien- und Vornamen noch einen Spezialnamen. So: „Schnetzlerrkuretebubenwiitwe", ,Batistensepantonis", „Ruschesranzbüblis", „Mällir- rothebubes", „Schniderlissranzes", „Kollerhanr- jäcklir", „Wettmersbischelisbube»".
(Kuriosum von der Berufszählung.) Von der Berufs- und Gewerbezählnug wird der „Danziger Ztg." folgende Blüthe vo» soge»a»«tem „Galgenhumor" mitgetheilt: Ei» „Gezählter", settem Hauptberuf nach Hausbesitzer, «achte in die Rubrik „Nebenberuf" des Zählbogens wörtlich folgende Eint-aguug: „Die Einwohnern ihr unbesoldeter HanSknecht, die Miether ihre Asche und Gemüll zu benetze», daß eS nickt stäuben thut, den« anstatt der
Magistrat vorschriftsmäßige Gemüllwagen auschafft, erhöht derselbe die Gebäudestenern n« 25 % *
(Ein Kaffee-Automat.) Automaten für Chocoladeu, Bonbon», Cigarren, WachSkerzche«, Seifen, für Eisinbahnfahrlartes, Briefmarken rc. sind etwas bekannte» und rufen auch tu kleineren Städten kau» noch Ueberraschung hervor. Neuartig ist ein Apparat, den wir im neuesten (22 ) Heft der beliebten Familie» Zeitschrift „Zur gute» Stunde" (Berlin W. 57, Deutsches VerlagShau» Bong & Co., Preis d:S Vierzehn! azS Heftes 40 Pfg.) beschrieben und abge bildet finden: Der Apparat, der äußerlich den anderen Automaten ähnlich ist, verabreicht guten, heiße» Kaffee. Die Benutzung de» Kaffee Automaten ist einfach genug: Man stellt eine der bereitstehenden Tassen auf eine kleine, unter eine» Hahn befindliche Kon'ole, wirft ei» Zehnpfennigstück wie bei allen Automaten in die dafür bestimmte Oeffnnng, nnb das Täßchen Wied alsbald bu ch den Hahn bis an den Rand mit de« dampfenden braunen Getränk gefüllt. Der Kaffee ist schwarz, Milch und Zucker find zur Hand. Auch Weine, Cogn-acS rc werden durch ähnliche Automaten verschänkt.
Bom Büchermarkt
— Um für Anfertigung, Veränderung und Aus befseruug der Kiudergaraerobe selbst zu sorgen, dazu findet sich nirgends bessere Anleitung und vollkommenere Hilfsmittel als in der im zweiten Jahrgang im Verlage von Joh« Henry Schwerin, Berlin W., erscheinenden „Kindergarderobe", die anch eine Zeitschrift zur handarbeitlicheu Beschäftigung nab Unterhaltung der Kleinen (Seibstanfetttgnng eines Segelbootes. Dampfschiff.s, Floßes, eines Bade« cpparateS rc.) ist und die be onderS in ihrer Beilage „Für die Jugend" reizende Gesellschaftsspiele (für Zimmer und im Freien), Modellirboge» rc. bringt, so daß Mutter und Kind mit diesem Blatt ihre freie Zeit vollkommen auSfüllen können. Ueber 100 Bilder mit Text und 150 Schnitte enthält diese Juli- Nummer, Selche bei d-m bekannt billigen Abonnements- preise von nur 60 Pfa. vierteljährlich eine weitere EmpfehluLg diese» i« seiner Eigenart einzigen Blattes ist. Gratis-Probenummern liefert jede Buchhandlung und der Verlag vo» John Herrh Schwerin, Berlin W. 35.
MsE
Frankfurt, L Juli. (Getreide- Markt) Der heutige Markt verkehr verlief still; von Brodfrüchteu vermochten namentlich hierlärdifche den vo-wöchentlichen Preis nicht voll zu behaupten, während die W-tth: aus- lärdisch-r Sotten sich weniger nachgiebig zeigten. In Hafer und MaiS war heute die Nachfrage bst nicht ve • änderten Preisen gebessert. Zu totsten rach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterauei Mark 16,Oo bis —, kurh-sfischer Mk. 15,00 - 00,00, «ordd. Mk. — russischer Mk. 14,50—16,75, Redwinter Mk. 16,CO -16,40 Laplatt Mk. 16,60—16,00, Roggen, hiesiger Mk. 13,00 bi»
, Pfälzer Mk. 13,00- 00,00 russisch. Mk 13,00—13,25 Gerste, Futter nach Qualität Mkttl,50—12,00, Hafer, hiesige 11,25-12,75 Württemb Mk. 11,50-12,50, bayerischer Mk 11,25—13,25 russischer Mk. 11,75-14,75, MaiS mixed Mk. 12,30—12,60 DonanmaiS —. Alle» per 100 Kilo netto effekttr loko hier.
Frankfurt e. M., 1. Juli. (Biehmarki) Der heutige Vühmarkt war mtt 431 Ochsen, 29 Bulliv 693 Küben, Stieren und Rindern, 2K Kälbern 143 Hamm l und 733 Schweinen befahren. Die Preise stellten fia
wie folgt: Ochsen 1, Qual. int. 66—68, 2. Qual. Marl 58-62 Bullen 1. Qual. Mk. 57-59,2; Qual. Mk. 53-55, Kühe, Rinder und Stiert 1. Qual. Mk. 57-59, 2. Qual. Mk. 46-52. Alles per 50 Kilo Schlachtgewicht. Kälber 1. Qualität 70 75 Pfg., 2. Qual. 60-65 Pfg., Hammel L Qual. 62-64 Pfg., 2- Qual. 58-60 Pfg., Schweine L Qual. 49-50 Pfg., 9. Qual. 47- 48 Pfg. Alle» per V» Kilo Schlachtgewichst
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Bedeutendes Lager in abgelagerten Cognacs.
Hennesy Martell und Normandin, Grande Champagne, 1858, 1865.
Ungarische Weine.
Tokayer, Rüster, Menescher Ausbruch.
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Specialität alte abgelagerte Flaschenweine.
Sherry, Madeira, Portwein, Malasa, Marsala, Muscat.
Deutsche Mousseux.
Mattbeus Müller, Kupferberg, Burgeff Höhl Kaiserblume. Champagner.
Pommery und Greno, Veuve Clicquet Hetdaiec,
Mo et und Chandon, Mercier.
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