Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Meise Marburg und Kirchhain
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i und wer etwa auf diese Zwistigkeiten spekalirte, würde recht bald es au seinem Stücken spüren,
so hat Fürst Hohealohe ihm seine SeungthuuRg die Worte des Monarchen ausgesprochen, die sein, der dritten Kanzlers Herz, „voll erfüllen". Herr v. Boetticher selbst hat freudig versichert.
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Ml brachten. Mit dem Kaiser veretnteu sich wie »Tage der Krönung Wilhelm des Zweiten sämmtltche
über auch Und daß
ersten Berather, und anch die 320, die sonst io selten zasammeuznt ringen find, vereinigte» sich, um als Gäste des Reich» zu gläuzen. Und nun wollte es auch die Fügung des Schicksals, daß an der Stelle, au der mau die Feste feierte und die um das Werk verdienten Männer ehrte, der Name de« Vornehmste» von Allen nicht gerannt wurde, obwohl doch Bismarck die meerumschlungeuen Laude zu Deutsch- land fügte, obwohl er allein gegen die Bedenklich feiten von Ministern, Generalen und Parlameute» den Plan durchsetzte! Statt seiner wurde Herr v. Boetticher geehrt, der selbst kaum eineu anderen A» sprach gemacht hat, als, um ein literarisches Bild zu gebrauchen — ein geschickter Hebers tzer zu sein, der einem Bismarck etwa wie da Ecker««»» gegenüber steht. Und Herr v. Boetticher wurde nicht allein geehrt, sondern er wurde gewiffermaßen in den Mittelpunkt deS GesammtiutereffeS gerückt, und wie der Kaiser ihn seiner fortdauernden Huld ver sicher te,
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Frage der ZwangSorganisatiou deS Handwerk» — der Entwurf soll auf der Grundlage der Zwang»- Fach-Innungen beruhen — nach jeder Richtung hin Aufschluß zu ertheileu, hat der Gewerbe« latster v. Berlepsch deu Borstand de» Central- Ausschusses der vereinigten Jununzk verbände auf dessen mehr« fache Vorstellunge« die Eutsenduug eine» RegierungS- kommifiars zu dieser Konferenz zugefichert. Wie übrigens die „8. N. N." schreiben, ist eS sehr fraglich, ob die Reihe der RegierungSkommiffare, die in Oesterreich die Haudwerkerftage studiren sollt«, überhaupt zur Ausführung ton men wird. Erst hieß eS bekanntlich, sie sei verschoben Word«.
* (Kieler Nachklänge.) In Kiel fand a« Sonnabend Abend 8 Uhr beim Priuzen Heirrich ein Bankett statt, zu de« alle Geschwader-Ko««li»da»tm geladen waren. Auf der „Jagd" befanden sich «ährend des Flottenmanövers etwa 25 englische, italienische und österreichische Osfiziere. — Der ,Berl. Lokalanz." läßt sich au» Pari» melden: Osficiös wird erklärt, Kaiser Wilhelm wünschte die französische» Marine« oistziere in Kiel zu dekorireu und gleichzeitig de« Pi äsident« Faure einen hohen Orden zu verleih«; aber auf Wunsch der Regierung wurde davon vorläufig abgesehen — Bi» auf da» nordamerikauische Geschwader, welches bi» in den Juli hinein in deutschen Gewässer» verbleibt, haben alle größeren fremden Flottillen Kiel wieder verlaffe». Die Mannschaften aller Nation«, welche Landurlaub erhalten haben, find deS Lobes voll über deu Empfang und den Aufenthalt auf deutsche« Bode». Unter den fremde» Matrosen sieht man fast unr freudige Gesichter. Die französischen Martnemannschaste« sollen mehrfach ihr Bebaue« darüber ausgesprochen hab«, daß ihn« der Besuch von Kiel unmöglich sei. Es läßt sich ja denke», daß ihnen der ständige Aufenthalt draußen auf de» Schiffen angesichts der Kieler Festlichkeit« und der häufigen Beurlaubung anderer Mannschaften keine Freude bereitete. — Der Pariser „Figaro" widmet den Kieler Festen ein« Epilog, tu deueu die urübertreffliche Aufnahme der Franzos« iu Deutschland anerkannt uud zugestandeu wird, daß die F-anzoseu durch höchste» Befehl gezwung« wäre», sich anders als die andere» Gäste zu verhalte» und der Herzlichkeit frostige Höflichkeit entgegenzusetzen. — In Bremerhaven trafen Montag Morgen die Lloyddawpfer „Kaiser Wilhel« II," und „Trav:" »it etwa 250 Reichs» und Landtagsabgeordnete» uud 50 Mitglieder»
BiStllßüd). Ius«ati»n»ßrbühr für Mi sfctt btritt Rax« 10 $f|., Rtklamm für bl
jetzt, wo der Kaiser über so „treue und uneigennützige Sumte" verfüge, lieb Ba'erlaub ruhig sein könne. Die Frage liegt da nahe: Wäre der Kaiser Wilhelm- Kanal vollendet, Härten wir Feste feier» könne», auch wen» el keinen Boetticher gab? Vielleicht lautet die Antwort doch anders, als die, welche die Gegenftage findet: Hätten wir die Feste gefeiert, könnten wir überhaupt Feste feier» ohne Bismarck? Ei» altes LerSche» sagt: „Die Welt ist rund uud läßt sich drehen" uud damit wolle» wir u»S de»» auch heute tröste».
fichtlich noch einige Zeit zu Bett zubriuge» müssen Die vier kaiserlichen Prinze» sind auS Siel nach Potsdam zurückgekehrt. — Zur NordlaudSreise des Kaisers meldet ei» Telegramm aus Stockholm: Kaiser Wilhelm, der i» diesem Jahre nicht »ach Notwege» geht, sondern Schwede» besucht, trifft am Mittwoch, de» 3. Juli, oder einem der Nächstfolge»' deu Tage in Stockholm ein. — Ans Schloß Camenz ia Schl-fi« ist am Sonnabend die Fran Prinzessin Albrecht von Preuße», vo» Blankenburg a. H. kommen», zu längerem Aufenthalte eingettoff eit. Prinz Albrecht von Preuße», Regent von Braunschweig, wird voraussichtlich am 25. d. M zu« So»«eraufenthalt dort ankommen und sich im September zur Theil nehme au deu Kaisermanöve« nach Stettin begeben. — Das preußischeStaatsmiuisterium hat am Montag Nachmittag unter Vorsitz deS Fürsten Hohen- lohe zu einer Sitzung zusammen. — Der Kultusminister Dr. Bosse ist von seiner UrlaubSreise hierher zurückgekehrt und hat die Geschäfte deS Ministeriums in vollem Umfange wieder übernommen. — Der „Berliner Correspondenz" zufolge ist der Staotsminister Thielen iu Folge äußerer Ver» letzungeu deS rechte» Beines, welche er sich vor 14 Tage» zuzog und Anfangs nicht beachtete, erkrankt und auf einige Zeit a»S Lager gefefielt. — Bo» zuständiger Seite wird der „Post" «itgetheilt, daß die Nachricht, nach welcher der Geheime Oberjustizrath vr. Holtgreve» zum Präfideui« deS OberlauneSgericht» zu Posen ernannt sein soll, nicht zuttiffend ist. — Die feierliche Einweihung des neuen Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig findet voraussichtlich am 26. Oktober in Gegenwart des Kaisers und der sämmtlich« deutsche» Bundes fürste» statt.
* (Zur Ha»dwerkerorganisatio».) Behufs Stellungnahme zu de» neueste» Plänen der Regierung in Bezug auf die Organisatio» deS Handwerks, sowie die Hebung de» Ledrlingsweseus har der Vorstand deS CentralauSschufleS der vereinigte» Iunirugsverbäude Deutschlands maßgebende Vertreter der bei dem letztere» als Mitglieder beiheiligttn Vorstände deutscher Jnnungsverbäude und Innungk- ansschüffe vereinigter Innungen, sowie Bertteter der Hanseatischen Gewerbekammern auf die Tage am 29. und 30. Juli d. I. zu einer vertraulichen Konferenz nach Berlin einberuftn. Um über den in neuester Zeit auSgearbeireten Gesetzentwurf bett, die
M. iso» jien seinen Platz einnimmt, ist das Bemühen »a!ür- t Beding. da» Facit der gesammte» Kundgebung festzu- nensteii film. Mau wird nicht umhin könne», daffelbe in g. [39a< flfacher, wen» auch nickt iu jeder Beziehung, als
Rückblick.
** Run die Feste vorüber sind uud das Alltags-
anb Verlag: Joh. Auq. Koch, Universitäts-Buchdruckerei in Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21. Fernsprecher Nr. 55.
P fil das Berhältuiß zwischen Volk und Kaiser — *• -J urtheilt besonder» der „Figaro" — merklich sich
1 zMhleu beginne. Aber anch da» ist eine Selbst I AYI ischnug. Die kleinen lites domesticea, die häus- IPi Em Zwistigkeiten, verstumme» in demselbenAugen- Lvl Ulk, wo ein Fremder seine Nase in unsere Thür«
tz«i«tagtm ^ Ö»artal.HS»ns«aswa-Prtt» M tej
ÄriÄ Mittwoch, 26. Juni 1895,
kgeaend 6*d)t« wüsten, daß man in Deutschland nicht daran stttttgj- über Feindseligkeiten und verstohlenen An l»ik und lslägen zu brüten, sie werden aber zugleich aus dem »g unter ,6Iict unserer kriegerischen Macht die lleberzeugung , öefU(4t jipfeu, daß wir weit entfernt find davon, UNS in ie Erved ®ltr Sicherheit zu wiegen und daß wir dauernd ein Giesse! «Mr bleib«, der Respekt erfordert. Jude» französische» [3938 sichten tritt diese Auffassung ziemlich scharf hervor, n man sucht Trost in der Behauptung, daß Deutsch eb doch vor einer Wendung zum Schlechteren stehe,
Deutsches Reich.
* Merkt», 24. Juni. (Tagesbericht.) Der Kaiser kehrte, wie au» Kiel berichtet wird, gestern Abend vom Bord der Jacht „Hohenzolle«" an das Land zurück. Der Monarch verließ die Pinaffe an der Barbaroffabrücke und besuchte das Schloß, wo bekanntlich die Kaiserin infolge Unpäßlichkeit das Bett hütet. Die Nacht verbrachte der Kaiser wieder an Lord der „Hohenzolle«". Heute segelte Se. Majestät auf der Jacht „Meteor" bei der Regatta mit. Da» Besindeu der Kaiserin ist den Umständen nach befriedigend, doch wird dieselbe voraus
her, 17, int. 'w >rten noch i garreu r- «a»
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x . de schmerzlich sei« Jrithum war. Ein Franzose
ll VM ng eg nicht versteh«, daß die Kaffertreue auch fest-
Anzeigm nimmt entgegen bi« Expedition bieseS Blatte», sowie bi« Ännoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Vvv rv-t.--
Frankfutt a. M., Castel, Magdeburg und Wen; Rudolf AÄÄ. -CQQtfl
Most» in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin Hannover, Patt».
larra- «fischt h am feindlichste» Blätter, zu werfe», um de» Janifmib, -sm Eindruck koustatire» zu können, de» vor Allfw imücker d FiiedenSrede unseres Kaiser» und seine taktvolle Giesser fi, das Einigende hervorzuheben, das Trennende
[^9zzteszuschließen, auf fein Auditorium, die ganze Kultur- —I—-teU, gemacht hat Die Fremde», die bei uni zu rrirr fee waren, werden al» ehrliche Männer daheim
Verantwortlicher Redakteur: Friedrich Colbatzky in Mn.dara. Sprechstunden der Redaktion: 10-11 Uhr Vormittag».
«zelt, wenn die eine oder andere Handlung der Al* «serlich« Kommiffare zur Opposition reizt; bei uns 9 man sich klar darüber, daß gerade die nicht immer L t treueste» Freunde eine» Herrscher» find, die die
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» Ghldeusteru zu vertausch«.
|- j i 60 erfreulich nun die Wirkung der Festlichkeiten d «h Außen hin ist, so liegt doch ihr Kernpunkt in Unten.; tt neuen Anregung, die fte dem nationalen Gemein
öer-atios bt utschen Fassius, Lehiettn, [3028
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Demnächst bcgiint eil neuer, besoiderS »anieuder Roman:
Wir sind Mensche«.
Autottsirte Uebersetzung von M. Behne.
Der Roman dürfte da» Jntereffe unserer Leser Ü Leserinnen von Anfang bis zu Ende in ungewöhnliche« Maße feffelu.
Wer auf die „Oberhesfische Zeitung" zu abountteu neigt ist, wolle uu» seine Adreffe angeb«, worauf * dar Blatt
OC* öis zum 1. Juli gratis *9Q
gestellt werdeu wird.________________________________
Ks Veilchen nnd die Napoleouiden.
histottsche Erzählung von Scheukltng-PrsvSt.
Das Vettchen steht seiner Klasficrlät der Rose Wt nächsten und dringt mit seinen Wurzeln wie fte Blumenkönigin tief in die Mythe und in da« Mkr leben hinein.
| Wir begegnen ihm nach der Kosmogonie der Mm Perser und anderer orientalischer Völker ■en in den Urtagen der Schöpfung. Auch die feen der Griechen und Römer find von Veilchen Mchwoben Pindar preist Athen al» die „Veilchen, ftkänzte", und die Bildsäulen der Laren waten Nt Veilchen geziert. Die Römer würzten den Wein mit Veilchen, so gut wie sie ihn über Rosen. Stet goffen, und ein an die Venu» gerichtete» ftmischc» Sonett besagt, daß aus ihrem Blute dar Mlchen geboren sei. Ja gleich hoher Achtung pnb da» Blümchen bei den Moslemin, und der Wße Prophet stellt die Herrlichkett de» Veilchens per alle Blumen, wie die Herrlichkeit de» Islam Rr allen Religionen steht. Bekannt ist e» auch» M da» ftinste Scherbett der Muhamedaner aus Nm Drccct von Veilchen und Zucker Bereitet
wird. In der nordischen Mythe war das Veilchen dem Gott Tyr geweiht, und auch die Wenden hatten es in ihren Sagenkreis ausgenommen Als unter diesem heidnischen Volke dar Christenthum immer weitere Verbreitung fand, soll sich Zernebog oer oberste Wendengott, sammt seinem Schlöffe in einen Felsen, sein wunderschönes Töchterlein aber in ein Veilchen verwandelt haben, das alle hundert Jahre nur einmal blüht und den der es findet und pflückt, Die reichste und schönste Maid des Lande« gewinnen läßt. Zudem galt das Veilchen nächst dem Vergiß- meinnicht und Himmelsschlüffel als Wunderblume, Die Armen und Nothleidenden verborgene Höhlen öffnete und unermeßliche Schätze finden ließ. Unter Friedrich Wilhelm III. erlangte das Veilchen für Preußen auch ein historisches Interesse. Wilhelm I hatte den ganzen Winter hindurch Veilchen in seiner Nähe, und sein Heldensohn erkor das bescheidene Blümchen zu seinem Liebling.
Gleich den Griechen, Römern, Muhamedaner und Deutschen sahen auch die alten Gallier im Veilchen da» Symbol der Unschuld und Jungfräu. lichkett; sie bestreuten wie die Griechen da» Lager der Braut und umkränzten auch den Sarg derselben mit seinen duftreichen Blüthen Das Veilchen wurde der Liebling des französischen Volke»; es wurde aber auch die Lieblingsblume seiner Könige, der Bourbon«, und durch Josephine wurde es zur Parteiblume der Rapoleonid«, in deren Leben e« eine romantisch, tragische Rolle spielt.
Es war am 9. März 1795 als spät Abends dne in Trauer gekleidete, junge Frau vor dem Temple erschien, in welchem ein Königskind gefangen saß Sie gab dem Wärter des kleinen Ge- «angenen einen in vollem Blüthenffor stehenden Veilchenstock, denn sie kannte die leidenschaftliche Liebe des kranken Kindes für diese Blumen; sie sollten ihm ein Frühlingsgruß hinter den finsteren Kerkermauern fein. Die anmuthige, junge Frau
aber war Josephine Beauharnais: ihr Gemahl war kur, vorher als einer der enragSs hingerichtet morden, und sie war nur mit Roth der Guillotine entgangen, denn auf Verwenden der mitgefangenen Therese Cabarru», der nachmaligen Gemahlin Tallien's, wurde sie durch diesen befreit und lebte j-tzt im Hause des bedeutendsten Mitgliedes de» Direktoriums, Barras. Gefahr drohte ihr noch immer; trotzdem führte sie, von Mitleid bewegt, an jenem Abend das Liebeswerk au«. — Andere, welche erzählen, der junge Dauphin Ludwig XVII sei in seinem Gefängniß der Rhachitis erlegen und am Abend des 10. Juni 1795 in aller Stille in einem Winkel de» Kirchhofs von Sie. Marguerite begraben, berichten auch, daß eine milde Hand den Veilchentzock, zu dem da» kranke Kind gesagt hatte: „Im Frühling werden wir uns wiedersehen, da werdet ihr wieder blühen" — au» dem Sterbezimmer geholt und auf das frische Grab gepflanzt habe. Da hat sich der eine Stock ausgebreitet und überzieht gleich einem Teppich den kleinen Hügel, alljährlich tausend Llüthchen tragend — die Veilchen der schönen Josephine Beauharnais.
Im Palais Luxembourg gab Barra«, der mäch. tige Schützer der jungen Wittwe, glänzende Feste. Aber der Boden des neuerrichteten Staatsgebäuder schwankte bereit«, und der vorsichtige Präsident über- trug nach dem Jakobiner-Aufstande im Oktober 1795 Dem General Bonaparte bas Kommando über die Armee. Auch er zählte von einer Zett an zu den Gästen des Hauses, und an einem der hellstrahlenden Abende lernte Josephine den Mann, der die Welt in Staunen setzte, kennen und lieben.
Richt wie die übrigen Damen etfäien sie mit funkelndem Geschmeide und sinnverwirrend duftenden Blüthen — ein bescheidener Veilchenstrauß schmückte ihre Brust, und in ihrem dunklen Haar saß ein Veilchenkranz. Schon in frühester Jugend waren die Veilchen die Lieblingsblume Josephinens ge-
wesen; aber seit dem Abend vor ihrer Befreiung au» dem Gefängniß, an welchem ihr ba« Töchterchen de« Gefangenenwärters ein Veilchensträußchen überreicht hatte, waren sie ihr bas Symbol de« Lebens unb bei Glücks geworben. Darum liebte sie es, Traurige unb Unglückliche mit Veilchen zu beschenken. Veilchenstickereien trugen ihre Kleiber, unb Veilchen- buft umgab sie. Dem jungen General gefiel bie liebliche Erscheinung, und nach Schluß be« Festes begleitete er sie an ihren Wag«. Beim Abschied- nehmen verneigte sie sich noch einmal dankend aus demselben; da fiel der Veilchenstrauß von ihrem Herzen zu seinen Füßen nieder — er nahm ihn auf und kühlte feine brennend heißen Lippen an den duftenden Lieblingen.
Am 9. März 1796 wurde bas junge Weib zu Paris seine Gattin. Ein mit Veilchen gesticktes Kleid umfloß die zierliche Gestalt, und einen Veilchen- strauß hielten bie Hände — Blumen bes Glückes und des Leben«. Während das verwählte Paar die Stufen des Rathhauses hinabschritt, schwammen die Augen Josephinens in Thränen, Thränen des Glückes! „Laß mich," bat sie ihren Gemahl, „an diesem Tage stets Veilchen tragen; gieb mir immer neu im Lenze den Strauß Deiner Liebe und meines Glückes; bringe mir nur Veilchen an diesem Tage!" Nie hat Napoleon diese Bitte vergessen, wo er auch weilte, umrauscht von seinen Siegen, Josephine fand an ihrem Hochzeitstage stets einen frischen Veilchenstrauß auf ihrem Betputte. An den Waffenthaten ihres Gemahl« nahm sie ben regsten An: hell und konnte kaum zurückgehalten werben, denselben in das Land der Pharaonen zu begleiten. Bereit« hatte ihr Napoleon die Kaiserkrone aufgesetzt — aber kein höheres Glück kannte sie, al» am 9. März jedes Jahre» den Veilchenstrauß auf ihrem Betpult zu finden.
Immer höher stieg der Ruhm ihre« kaiserliche Gemahls, aber ihr Glücksstern fing an, sich zu ve