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Marburg,
Donnerstag, 23 Mai 1895.
Srfchetttt täglich ns« « SSertiegro nach t>»sa« «uL
Jt? 120 dtti-u ä DL, bei dien $egö*icn 2 M. 56 Kfg. tag.
** Neßellgeld). 3us«ati»n»g,bühr 'ür die griddteue Zeile
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Wöchentliche BeUaaenr Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
;»4aÄ USCTää Muyrirtes Sonntagsblatt. Sprechstunden der Redaktion: 10—11 Uhr Vormitta?«-
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese? Blatter, sowie die Aunoncea-Bureaux von Haasmstein u. Vogler in YYY A
Frankfurt «. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf AAA. rdptfl
Moffatt. Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. x ”
Daube u. Co. in Frankfurt t. M., Berlin Hannover, Paris.
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Zweites Blatt.
(Nachdruck verboten,)
Himmelfahrtstag.
Von HanS Wald.
In'» Grüne geht'» hinaus, iu de» frischen, freie» Wald, i» de» herrlichen Dom, i» welche« in der Pfingstzeit ei» Helles Jubellied »ach dem a»dere» erschallt, ei» Danklied und ei» Loblied.
Wie schö» e, ist! «tue jede Brvst jauchzt eS. Wie wonnig die Maienlaft, wie lieblich die ganze Natur! Leise erkli»ge» die Kirchexglocken auS der Ferne, und leise schwinge» die Klä»ge sich weiter und weiter dahin iu de» wogenden, schiwmernde» Wald. Und ei» ja»geS Paar zieht einsam dahi» am Nai», die Hä»de eng verschlungen, die Lippe» ge schlosse», aber bi8 Herz so voll.
Maienlust und Maienwonne allüberall, aber i» de« efichter» der Beide« leuchtet «icht die helle Freude und der f-ische Muth der Jugend; ans de» Wintertagen scheint etwas zurückgeblieben z» sei« von der Schwermuth n«b dem Duster jener Zeit.
ES soll ei« Scheide» heißen! Scheide» gerade in der Pfi»gstzeit, dar ist doppelt bstter. Und doch soll'» sei»! Treibt de» Ei»e» sei» Wagemuth t» die Weite, so jagt de» Andere» sei» Trotz. Und ei« herber Zug vo» Trotz ist'S, der auf der Stirn bet jungen Manne» lagert, und bex alle» schmeichelnde Streiche» der »eiche» Mädchenhand nicht befestigen kann, die über die gefurchte» Linie» dahi» fährt.
„Weshalb warst Du so heftig?" flüstert mit verhaltene» Schluchze, der Mädchenmund. Und wieder stürmt'- und tobt’» in de« junge« Manne und bricht hervor mtt elementarer Wucht, so daß seine Begleiterin zagend still steht und bang die Hände auf ihr angstvoll klopfendes Herz preßt. Und er spricht davon, wie gestrebt er hat, g:aibetirt und ge Nlugr», ohne Rast und Ruh. um die (Beliebte zu erwerbe», aber i««er »och hat das Glück nicht komme« »olle«.
Und va» ist Glück? Geld, sagen die Leute. Er lacht höhnisch auf.
Der Bater de» Mädchen» hat ihm gesagt, er könne noch keine Frau ernähre». Er müfle ruhiger und gesetzter werde«, seine Hast, seine Unruhe ablegen, die ihn von Eine» zum Andern führe, bei Keinem beharre» taffe. Und in ihm tobt’» »e.ter, fast schreit' er'» i» den Wald hinaus, daß er da» alltägliche Einerlei nicht ertrage» könne, er mflffe Abwechselung, er wolle »ach Oben!
Leise weinend lauscht daS Märchen seine» Worten. Dem Geliebte» will sie nicht widerspricht und dem Bater kann sie nicht Unrecht gebe». Sie kennt seine wilde Hast, seine Unruhe, seine Leibenschajt, die ihn fortreißt, ihm keine Ruhe gewährt.
Der Aufgeregte stutzt. Ihm ist'-!, all höre er wieder sein Mütterlein schluchz n, wenn e» ihn warnte vor dem rasenden Jagen nach «gut und Besitz „Wer langsa« geht, kommt am frühesten an!" das war ihr Wort gewesen, »immer hatte er'» befolge» kön»en, aber nimmer war er auch angekommen
Eine heftige Zorechtweisneg schwebte ihm aus der Zunge; aber da scholl'» au» de« Buschwerk uebeu ihm heran», ganz nahe, ein helle», lustige» Gezwitscher, unermüdlich immer froh. Da schwieg er. Feiertäglich still ring» umher, ein die Thiere deS Walde»
in unermüdlicher Bewegung. Da summte eS und brummte eS, und leise wogten und rauschten die Bü'che und Zweige im Winde.
Sie saßen wieder unter einer weithin schattenden Eiche und saßen lange, Hand in Hand. Himmel fahrtStagfriede!
Und sie dachten Beide an stühe Tage, au sorgenlose Kinderjahre, au den Pfiugstjubel und an die Pfingstfteude.....Endlich standen sie Beide wieder
auf, die jungen Lippe» zuckten: „Geschieden »uß sein!'
Sausend fuhr e» durch de» Baume» Stone, er« schrocken blickten Beide auf. In rasche» Züge» jagte der Wind, der sich aufgemacht, dichtes Gewölk vor sich her; ei» Gewitter »ahte, der Donuer grollte, die erste» Tropfe, begannen zu fallen. Die Leide» hatte» i» ihrem Stirnen Alle» um sich her vergesie».
„Bei« Gewitter im Wald!' Sie sprach eS zagend: „Wir warten hier am Besten, es wird bald vorüber sei»!', da» »ar seine tröstende Antwort. Im Sause» de» Sturmwinde», beim Falle» der Tropfe», unter de« rollende» Donner und leuchtenden Blitze» sta»de» sie e»g anei»a»der geschmiegt, unter dem bergende» Laub. Sie spräche» nicht», sie blickte» nur etieander i» die Auge». U»d er verstand, was ihre Blicke flehten: War es denn für ih» so ganz und gar unmöglich, sich zu bezwingen? Wenn ti den Bater nochmal» bat — — —
Finster blickte er hinan» in da» tobende Sewttter, um sie Hern« raschelte es im Laub, alle die kleine» Waldbewohner hatte» vor den tobende» Elemente» Schutz gesucht und gefunden. So tobte e» auch in seiner Brust, so bewegt war die ganze Zeit ....
„Ich--*, wollte er eben anheben. Da
krachte e», da leuchtete eS, daß sie di« Auge» geblendet schlöffe». Der Blitz hatte einen starken Ast des Waldrtese« zerschmettert, polternd stürzte dar Holz herab. Sie waren Beide in die Knie, in das senchte Moos gesunken, sie »ollteu spreche», aber aus bett Lippen la« doch kein Laut!.....
Das Gewitter verschwand rasch, wie eS gekommen, wieder in bte Ferne, der Regen ließ »ach und die Sonne leuchtete wieder. In doppelter Friste standen Flur und Wald, im ganzen Reiz der Pfirgtzz it. Sie schrüte» eilig dcr Stadt za; und nun standen sie zum letzte, Absch'edswort am Waldessaum. tzi««elfahrtstag und fein Frieden überall, nichts mehr vo« Tobe» und Rase» der Elemente. „Ich will mich ändern', stieß der junge Man, hervor.
Ein Jubelraf aus qualerlöster Menschenbrust Himmelfahrtstag!'
Vermischtes.
(Kleine Nachrichten.) Bei Sempach in der Schweiz wurre« beim Znsa«menbruch einer Scheune 1 Person getödtet, 1 schwer und gegen 20 leicht re letzt. — Zu dem Erdbeben in Jtalie« wird weiter berichtet, daß gegen 8000 Häuser beschädigt worden find. Da» Erdbeben wurde bi» Parma, Piacenza und Ischia wahrgenommen. Am meisten litten die kleinen Ortschaften Pontedera, Signa, Galluzzo, Grasfina, Son Martino, Lappaggi, »o viele Hänger einstürzten und die Bewohner begruben. Bei Floren > find Herr liche historische Ville» in Trümmerhanfe» vnwaxdelt — Aus den Trümmer» der dieser Tage niedrrge brannte» rn-fischen Stadt Breff-Litewsk find bereit» über 50 Leiche» hervorgeholt. Kau« ein Drittel der
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Marburg, Wendelgafft 4 :«pfiehlt fich jk» ethaetc» «re Kepariren der Klaviere. (8k
Stadt blieb verschont. Der Schaden beträgt mehrere Mill. Rubel.—Wieder wird eine gewaltige Feuersbrunst aus Rußland gemeldet. Die Stadt Ro,a,h («ouvern. Grodno) wurde vo» einem furchtbaren Brande heim gesucht 360 Häuser, das Post- und Telegraphen- gebäude, da» Rathhau» und die katholische Kttche wurde» eingeäschert. Ei»e Anzahl Personen hat meist schwere Brandwunde» davo,gettagen. Es liegt Bra,dstiftu»g vor. Die abgebrannten Häuser fi,d uur zum Theil verfichert. - Durch eine Feuer,, brunst in St.. Alban» (Nordamerika) find 500 Personen obdachlos geworden. Der Schaden beträgt 3 Millionen Mark.
(Von den glücklichen Gewinnern) des großen Looses der kürzlich beendigten preußischen Lotterie, zumeist kleinen Leuten in Berlin, wissen dortige Blätter allerlei zu erzählen. Ein Möbelpacker, der ein Zehntel gespielt hat, hat fast die ganze Summe von 42 000 Mk. sicher angelegt und geht nach wie vor seiner Arbeit nach. Dasselbe läßt sich von einem Postschaffner melden, der ein halbes Zehntel spielte und 21000 Mk. erhielt. Seit er für seine Verhältnisse ein vermögender M nn geworden ist, hat er noch nicht eine Minute seines Dienstes versäumt und gedenkt dies auch ferner nicht zu thun, nur sieht er jetzt sehr ruhig und mit einem Gefühl behaglicher Zufriedenheit der Zeit entgegen, wo er sich wird pensioniren lassen müssen. Eine Waschftau, die schon bei Jahren ist und ebenso wie der vorerwähnte Postschaffner im Oste« der Stadt wohnt, hat „blos vor 25 Pfennig" gespielt und dafür immerhin 2100 Mk erhalten. Sie steht noch alle Tage am Wascktrog und will so dabei bleiben. „Das Geld", so sagt die verständige Frau, „wird mir in meinen alten Tagen gut zu passe kommen". Im Norden Berlins wohnt ein Steiuttäger, dem die Glücksgöttin schon einmal einen Gewinn von 16 000 Mark in den Schooß warf. Er wurde von der Stunde an „Jongleur" und ließ mit größter Geschwindigkeit die 16 000 Mk. durch die Kehle rollen und mußte dann wieder zu seinem alten Gewerbe greifen, suchte seine verstaubten Holzpantienen hervor, und klapperte damit wieder rüstig die Leiter auf« und abwärts, bis ihm jetzt die Glücksgöttin wieder auf sein Zehntel 42000 Mark beschenke. Von dem Augenblick an, wo er die Glücksbotschäst erhielt, hat er seine „Mulle" bei Sette gestellt und keinen Stein mehr angerührt. Doch seine Pantienen hat er vorsorglich aufgehoben und seine bisherigen Arbeitsgenossen behaupten, er hätte dabei gesagt: „Wer wecß, ob man die Dinger nich noch mal gebrauche» tarnt 1" Recht »»verständig hat etil Posthilfsbote gehandelt. Am Morgen »ach dem Tage, ax dem da» große Loo» gezoge» worbex war, tarn er eine Stunde zu spät ,»« Dienst Er mußte sich bei« Borsteher melde« und erhielt eine« Verweis, bex er aber «it den Worten zurückwieS: „Sch wa», ich diene gar «icht mehr!" Der Vorsteher bemerkte: „Das werden Sie sich wohl überlegen, bexx Sie wissen, daß Eie kurz vor der etatSmäßigex Anstellung stehen!" Da lachte aber der Bote und rief: „Ich pfeife was auf dm Dienst und die ganze Post!" Ich bi« jetzt ei« reicher Man», ich bade gestern 2100 Mk. i« der Lotterie gewonnen, ein Stück vom große» Sooft". Jetzt wurde das Sestcht de» Vorstehers sehr ernst, er entließ den Bote» mit der Mahnung: „Sehen Sie sich vor, daß Sie da» „große" Loos nicht einst verwünschen!"
Stadttheater Frankfurt Op-rnhauS.
Mittwoch, den es. Mai: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. „Hänsel und Gretel." Hierauf: „Die Nürnberger Puppe." Außer Abom Donnerstag, den 23. M«i: Zum ersten Male wiederholt: „Dalibor." Im Abon. Große Preise. Freitag, de« $4. Mai: Geschloffen. Sonnabend, 25. Mai: „CavaUeria rusticana." Hinauf: „Bajazzo." Im Abon, Gewöhnt. Preise. Sonntag, den 26. Mai: „Dalibor." Im Abon. Große Preise. Montag, den 27. Mai: Geschloffen. Dienstag, den 28. Mai: „Don Pa!quäle." Im Abon. Gewöhnl. Preise.
Schauspielhaus. Mittwoch, den 22. Mai: „Der Veilchenfresser." Donnerstag, den 23, Mai: Vorstellung bei kleinen Preisen. „Madame SanS-GSne" Auß. Abon. Freitag, den 24. Mai: „Boccaccio." Sonnabend, den 25. Mai: „Die Journalisten." Im Abon. Gewöhnl. Preise. Sonntag, den 26. Mai: Nachmittags, Vorstellung b:i ermäßigten Preisen. „Götz von Berlichingen." Außer Abon. Abends: „Charleys Tante" Im Abon, Gewöhl. Preise, Montag: den 27. Mai: „Fatinitza." Im Abon. Gewöhnl. Preise. Dienstag, den 28. Mai: .GHiSmonda." Im Abon. Gewöhnl. Preise.
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Lauseudfacke^ Lod notariell bestätigt, über den Holl. Tabak von v. Becker in Seesen a. H. Ein 10 Pfd.< Beutel sco. 8 Mk. hat die Exp. d. Bl. eingesehen.
Limburger Käse, per Ltr. z« Mk. lös. Mk-26, haltbar, gelbschntttig, Kiste« vo« 50 bis 80 Ptd., liefert gegen Nach «ahme ober Vorauszahlung [2828 A d. Ottldenstein, Holzkirchcv (Oberboyeru).
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Ernst Schwaner.
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32741______Gärtner Scharf«
Umzüge N *
Gearg Kawrad, Schreiner, 1859] Hofstndt 2.
Bau- u.Möbe -Arbeiten sowie Reparaturen derselben werde» uxt-r rilliger Berech»ung feuber auSgeführt von
Earl Lextar, Schreiner, Pilgrttnstei» 11.
NB. Daselbst werde« auch Rohr»
Sühle geflochten._____________[1141
3um AufpOliere« vo«
MSbel«, sowie zu allen ix» Fach einschlagende« -ieparatnre» empfiehlt sich unter Zusicherung guter und billiger Ausführung
K. vr«st, Schreiner,
51)__________Setzerbach 51._______
Vorzügl. SlmcrklMt
empfiehlt «ar! Leypstldt«