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Wöchentliche Beilagenr Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Jllnstrirtes Sonntagsblatt

-Serennoorüi-drr Redakteur: Friedrich Tolbatzky tv ületoxrg Sprechstunden der Redakt'ou: 1011 Uhr Vormittaz«.

«* Menr,r Sah. äk» Mach. NnisersttLts'EirchdnkLkrri la WU;b«n. SEtiwtis® «KtMstiex: R«rkt 91. F^rr-Iprecher $h. 56.

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Erscheint täglich ex »er an Krttts«« nach Sv-m- and Mertaren. Oxxrtal-»M«ient»-P«is bei der Erp» ditian 3 ML, bei eilen PrstÄntern 2 ML 85 $fg. (tja Seß,L,eld). 3nser«tia»»,ebühr für die ,efpaltene Zelle S6et deren Rax» 10 Pf». RSaaun für di, Zeile 25 Sßfg.

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Marburg,

Donnerstag, 9 Mai 1895.

Aryeißen niunnt entgegen die Expedition dieser Blatter, sowie die Amwncen-Bureaux von Haasmstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Eassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.

XXX. Jahrg

Kultur', dieErschütterarg d-r Grurdpfeiler unserer sittliche« Weltorsxnug' bebeme«? Würde die Parte für solche HaxdluxgSweise nicht den Vorwurf per bienen daß fie weder vaterlaxdsfreuxdlich, noch volksfreundlich sei? Und wie will ste noch de« Widerstand re!prctirt scheu, den sie Gesetz entwürfe» leistet, die dar Ziel i« Ange habe» unsere Kultur vor Bestrebuxgeu zu schütze«, die ihr Ver

Erstes Blatt.

Freisinniges Doppelspiel.

3» der Stichwahl Lexnepp-Mettmann hat der Richter'l'chr Freifix«, der fast alle seine übrigen Mandate der Sozialdemokratie verdankt und dieser darum tributpflichtig ist, mit Hilfe der gesummten übrigen nichtsozialdemokratischeu Wählerschaft ein Mandat errungen Der Freisinn hat sich, um zu diesem Mandat zu gelange«, überaus soüaldewo- kratenfcindltch geberdet; so erließ er ei« Flugblatt utt: folgende« Sätzen:

.Wähler! Welches find die Ziele, die die sozial- demokratische Weltanschauung erstrebt? Sie will an die Stelle der heutigen BesellschsstSordunug den sozialistischen Staat setzen. Das bedeutet: der Staat soll alleiniger Eigeuthümcr alle» Kapitals werden, aller Grundstücke, Häuser, Maschinen, Vonäthe. Die Folge davon wäre, daß jeder selbstständige Betrieb aufhörte und jeder Bürger zum Sklaven des Staates herabsänke. Zugleich würden die ®ruxblageu des Familienlebens vernichtet und damit die Grund' Pfeiler unserer sittlichen Weltordnuxg erschüttert werden. Die Sozialdemokratie be zeichnet sich selbst als eine internationale und als ei«revolutionäre Partei. Erst auf den Trümmer« txfereg nationalen Staatswesens, des feit 25 Jahre« geeilten Reiches, würde fie ihre «ne Weliordsuug aufrichter, die, wenn fie über­haupt durchführbar wäre, nicht nur keine« Fortschritt, sonder« geradezu die Vernichtung j eder Kultur bedeutete. Gegen eine solche Partei mit solche« Zielen muß jeder Vaterlands, und Volks­freund mit aller Macht ankämpfe«.'

Diese Ausführungen sind gewiß sehr wahr und sehr schön. Allein wenn fie von freist«iger Seite gemacht werde«, so ist das nur Komödie. Noch mag die Feder des Flugblattschreibers von dec Auf­forderung im Kreiie Eisenach für den Sozialdemo traten zu stimme«, Licht trocken gewesen sein; schon rüstet der nämliche greift«« sich zu Weimar, um der Sozialdemokratie zum Siege zu verhelfe«. Tas steifinnige Flugblatt ist also nur auf Täuschung her Wähler berechnet gewesen. Die demokratische »Frankfurter Zeitung" schreibt darum mit Recht:

,38 da» ernst gemeint, wie will eS dann die freifinnige Partei verantworten, daß fie fich öfter bei Nachwahlen zwischen Sozialdemokraten und Agrariern oder Antisemiten sicht nur dem Kampfe, den "fie als Pflicht für jeden Vaterlands» und Lolksfteund proHamirt, vollständig entzieht, sondern in einzelne« Fällen an ihre Anhänger die Aufforderung ergehen läßt, für den sozialdemokratisch en Kandi­daten zu stimmen, für den Ar Hänger einer Partei, deren Bestrebungen für sie die .Vernichtung der

Valoff.

Eixe Erzählung in 9 Bänden von F. Marton Crawsord.

(Nachdruck verboten) (Fortsetzung.)

.Ihnen erzählen, auf welche Weise ich es erhielt, hieße Ihnen meine Lebensgeschichte der letzten zehn Jahre erzählen", antwortete ich.Ich vertraue Ihnen, Griggs, es find jedoch andere Gründe vor­handen, weshalb ich Ihnen das nicht erzählen kann. Sie sehen da» Resultat und, e» ist wahrscheinlich theuer genug bezahlt', fügte er ernst hinzu.Doch, ich habe das Ding, und was noch mehr ist, die Erlaubnitz, mich als des Sultan» Leib» arzt vorzustellen.

Wozu dar? Ich sollte meinen, der Jrade ge­nüge.'

.Laleli könnte vor Furcht sterben, wenn ich fa­hrt mit meinem Haftbefehl herausrückte. Ich be­suche fie jedoch im Charakter eines Hofarztes. Laleli ist eine Türkin, welche keine andere Sprache als ihre Muttersprache und griechisch versteht. Sie ist sehr abergläubisch und daher allm Arten von Zaubereien und Spuk zugänglich: fie hat keine Ahnung von westländischer Wissenschaft, mst Aus- nähme, daß dieselbe dem Koran gerade zuwiderläuft Ich kann die Sprache eines alten Hadjt genügend nachahmen und habe überdem einige Kenntniffe in der Medizin, zwar nur geringe, doch fie reichen hin, nm mich erkennen zu (offen, ob sie wirklich im

»ichtuxg axdrrhes, wöge« solcke Gesetz-xtwäife au dien Ausrahmezustard ausgeheu oder fich auf de» Bode« des gemeinen Recht» halte« ?'

Die Richtcr'sche Presse wird auf diese p'inlicheL Frages die ästoori schuldig bleibex. Dffes aus sprechen, daß das Flugblatt nicht ernst gemeint war, fax« der Früfinx nicht, ohne fich total zu bftkredi tire«, und sich zu dem Jrh^lt des Flugblattes zu bikexue« wird die Richter'sche Partei noch viel scriger Lust haben.

Deutsches Reich.

* ÄetHtt, 7. Mai. (Tagesbericht.) I« Neue« Palais sand gestern bei Ihre« Majestäten anläßlich des Geburtstages deS Krouprixzeu eise größere Frühstuckstafel statt. Heute früh fahr Ee. Majestät «ach Berits. um die Bataillone des zweiten Garse-Regimests z. F. zu befichtigen. ux'i «ahm ras Frühstück im Kasino se» Regiments ei». Später hörte bet Monarch im König!. Schlöffe den Vonrag des stellvertretenden Chef, de» Militärkabixeis, worauf die Rückiehr nach dem Neue« Palais erfolgte. Zum Besuche deS Kaiserpaares find Prinz und PrinzessinSdolph von Schaumburg-Lippe in Potsdam eixgeircffe». Reichskanzler Fürst Hohenlohe, der vor feixe« Amtsantritt den Vsrfitz der vom 12. bis 15. Mai i« Nürnberg tagenden Waz derverfammlung der baheriichert Land wirthe übernommen hatte, telegraphine dem zweite Vorsitzenden, Amtsgeschäfle verhirderte« sei« Kommen. Dem Regierul-gSpräfibeute« o. 3tzenplitz zu Cablexz ist der nachgesuchte Abschied zum 1. Juli b. 3. Allerhöchst ertheilt und der Stern zum Rothen Adlet Olde« zweiter Klasse mit Eichenlaub verlieh, n worden. Au seine Stelle wurde der Geheime Ober- RegierusgS-Rath und Vortragende Rath im Misisterium für Landwirthschast, Domänen und Forste« Dr. jur Richard Ada« Wentzel hierselbst (ftüher Laxdrath in Marburg. D. Red) zu« RegiitUAgspräfidexte» ernannt. General v. Sichart, der Som maxbant der Festung Rairz, hat sein Aoschiedsgesuch eiugereicht. Sei« Rücktritt erfolgt künftigen Mosat.

* (Generaloberst v. Pape f.) Der Ge­neraloberst Ä. v. Pape ist soeben ix Berlin im Alter von 82 3ahtkn infolge zunehmender Alterschwäche gestorben. Der Tod seiner Anfangs dieses Jahres verstorbenen Liebliugstochter Elisabeth hatte seine Ertkräftmg beschleunigt und dazu »ar ein Lungen

Sterben liegt Es ist Seiten» des Sultans eine große Höflichkeit, sei-en Leibarzt zu schicken; ist sie bei Bewußtsein, so wird ste sich dadurch ungemein geschmeichelt fühlen und ihre Wächter fortschicken Wenn es mir gelingt, ihre Sklaven zu entfernen, so weiß ich, daß ich ihr da» Geständniß entlocke. Gelingt mir dieser Versuch nicht, so habe ich da« Mittel in der Hand, sie zu ängstigen. Stirbt sie so bin ich auch mit allem Röthigen versorgt, um Selim verhaften zu können, ehe er entwischt. Es ist Alle» wohl erwogen und vorbereitet, und er bleibt nichts zu thun, als den Plan zur Ausführung zu bringen. Als Sie mich verließen, hatte ich den Jrade noch nicht; er gelangte erst vor einer Stunde in meinen Besitz.'

«Und womit kann ich Jhnm helfen?' ftagte ich.

»Sie muffen sich ebenfalls zu einer Täuschung hergeben. Wenn der Leibarzt geschickt wird, um eine Person von Ansehen zu besuchen, so ist er allemal von einem Adjunkten des Palastes begleitet. Die Rolle müssen Sie übernehmen. Zch habe zu diesem Zwecke von einem Kollegen eine Uniform geliehen, welche Ihnen passen wird. Dieselbe ist in ihrem Zimmer, und ich werde Ihnen Helsen, sie an« zulegen. Sie dürfen nichts sprechen oder irgend eine von den Selaven an Sie gerichtete Frage be­antworten, wenn Sie Ihrer Ausdrucksweise nicht ganz sicher sind. Sie haben eine militärische Ge- statt und der Anblick einer Uniform wirkt mit magischer Gewalt auf solche Burschen, wie Lala und

katarrh getreten, der erst vor eisigen Tagen gelobe« worden war. General v. Pape hinterläßt die Wittse im Alter von 75 Jahren, sowie zwei Töchter und mehrere Erkelktnder. Im letzten Kriege hat er all Führer beä 1. GarderegimentS fich in der blutige« Schlacht öo« St. Privat nuverwelklichen Lorbeer er­worben und wesentlich zum Siege beigetragex, ebenso in den Schlachte« von Beaumont und Sedan. Seit einem Jahre schon war der greife Feldmarschall in der O^ffexttichkest nicht «ehr erschienen; zu« letzte» Male sah er die Karbetruppen bei der am 18. August 1893, an welchem Tage er 23 Jahre zuvor die Garde ins Feuer führte und des Steg von Si. Privrt errang, stattgefundene« Herbfiparabe auf dem Tempel- Hofer Felde und zum große« Erstaunen der Etn- wohn-r Moabits ritt bir 80jährige am Tage vorher, am 17. August 1893 noch durch die Straße« dieses StodttheilS nach dem Großen Stern im Thiergaue«, um daselbst das 4. Garde-egiment zu Fuß bei seinem Einzuge in B-rli« zu bewillkommnen. Lls Komman- btur des 3. Armeekorps und später des Garbekorps in Berlin ist v. Pape unausgesttzt für die Ver­besserung her Infanteriewaffen thätig gewesen. Der Kaiser hat der Witwe sein tiefstes Beileid ausgesprochen.

Der Kaiser hielt gelegentlich der heuttgen Befich- tignsp des zweites Garderegiwexts bei de« Schluß bei Kritik an das Osfizterkorps eine Ansprache, wort« er die hohen Verdienste des verstorbenen General- oberfies v. Pape um He Armee, die außerordentliche Tüchtigkeit und die hervorragende Pflichterfüllung des Deistorbexe«, der der älteste Offizier des Re giments gewesen, würdigte. Der Kaiser befahl, daß das Begräbniß am Freitag Nachmittag mit allen eine« Generalfeldmarschall zukommen dm militärischen Ehren stattfinde.

* (Staatssekretär von Stephan) 6er öff:» tlicht soeben seinen Dank für die zahlreiches Glückwünsche 2c anläßlich seines 25jährigen Dimst- jubiläums. In der Danksagung heißt es:Ich din mir wohlbev-ußt, baß, wenn meine Bestrebungen von einigem Nutze, für bas Gesrmmtwohl gewesen sein sollten, der Hauptaxtheil hieran lediglich ber großen Zeit zufällt, die wir Alle burchlebt haben uxb in welcher der germanische Geist wiederum seine mächligen Schwinge«, bie historischen TrägerinLe» einer kosmo politischen Misston entfaltet und der beutsche Charakter seine eherne« Eitzenschafte» bewährt hat. Was »einen besch-.idenen Aviheil bettifft, au welchem der pflichttreuen Unterstützung Seitens der bewährter Beamtenschaft der deutschen Post und Telegraphie eine rühmliche Mit- wirkuxg zukommt, so ka«n ich nur sagen: e» war Gottes K.aft zu verdanken, welche wiederum in dem Schwachen mächtig gewesen ist.'

* (Umsturzvorlage.) Gelegentlich der zweiten Berathung ber Umsturzvorlage hat die Reichipartet beschlösse«, auf das Wort zu verzichten und es bet einer Erklärung zu belassen. Damit ist nicht gesagt,

seine Genossen. Da ich selbst Adjutant bin, kann ich Ihnen genau sagen, was Sie zu thun haben, so daß Niemand die Maskerade endeckt. Sind Sie Willen», die» zu thun?'

Selbstverständlich', sagte ich, aufspringend und nach meinem Zimmer gehend

In zehn Minuten waren wir fertig, und ich glaube nicht, daß mein bester Freund mich in dieser eng anliegenden Kleidung erkannt hätte, welche un­gefähr den Schnitt einer preußischen Dragoner» Paradeuniform hat, jedoch von dunklem Tuch ge­fertigt und mit rothern Paspol versehen ist.

Mir ist zu Muth, als ginge ich zu einem Maskenballe', sagte ich lachend.Noch nie in meinem Leben habe ich mich verkleidet '

.Ich hoffe, Sie werden noch dasselbe angenehme Gefühl haben, wenn Sie nach Hause kommen', antwortete Balsamide» lächelnd.Jetzt müssen Sie einen eigenen Anzug in eine Reisetasche stecken. Wir kommen vielleicht vor Morgen nicht nach Hause und tonnen möglicherweise einem Adjutanten be gegnen, wenn wir zurückkehren. Dieser würde die Täuschung bemerken und wir könnten Unannehm. Weiten haben. Auch etwa» Geld müssen wir bei- stecken. Vielleicht wird es erforderlich, ein Boot over Pterde zu miethen. Bei derartigen Expeditionen muß man auf Alles gefaßt sein.'

Balsamide» betrachtete mich einen Moment, augenscheinlich von meinem Aussehen höchst befriedigt. Dann öffnete er da» Fenster, um nach dem Wagen

daß die Partei fich nun durchaus ablehnend gegen alle Beschlüsse verhalten wird, welche im Laufe der Verhandlungen «och auftrete« könnte«. Das Zentrum beschloß, wie wir erfahre«, den Lerhardluuge« gegenüber zunächst eine abwartende Stellung e'nzu- nehmen, die Nationalliberalen endlich faßte« den Beschluß, gegen bie Anträge bet Kommission einzu» treten; ihrerseits jedoch Beträge zu stellen, die ge« eignet erscheinen können, eine Vereinbarung he.beizu» führen und ein annehmbares Gesetz zu Stai-.de zu bringen.

Zu der am Sorntag stattgehabttu Proteßver« sawmlung ber deutschen Städte schreibt dieKrzztg.': DieSntrüßungsver sammluug', welche einige hundert liberale Stadträthe u$b Stadt­verordneteaus alle« Thetlex des Reiches' am 5. d. Mts. in Berlin in Sachen beiUmsturzes' abgehaltkn habe», gewinnt durch die dabei entfaltete Feierlichkeit' einen Anstrich von Komik, ber über bas Maß dls Gewöhnlichen hinausgeht. Ban be« bei bitter Gelegenheit gehaltenen Rede« kau« man diel nicht sage», am wenigste» von der des Reichstags- Abgeordneten Prinzen vonSchönaich-Carolath, der fich seiner äußeren Lebensstellung nach in dieser Gesellschaft von städtische» Philifiern ausnahm, wieSaul unter den Propheten', im Ucbrige« aber offenbar ganz an seinem Platze ®ar und den unvermeidlichenstürmischen Beifall' einzvheimsen wußte. Unter dem Eiudrncke der .hiureißeuben' Worte deS prinzlichen Redners und Logengroßmeisters was nicht üdersthe» werde» darf kamen fich die «ach der vorfichttge« Ausdrucksweise des Stadtveiordnettnvorstehers Dr. Langerhan», wie schon bemerkt, reinprivatim' zusammengetretemn Heiden desfreien BürgitthumS' besonderstapfer' vor und bei de« geringen Ansprüchen, die namentlich derFreisinn' in dieser Hixficht stellt, karn man fich das auch wohl erklären. In eitern Saal sich zu versammeln, dessen Besuch bie Polizei ursprünglich, wenn auch nur aus Grüudrn äußerer Sicherheit, hatte verbieten woll-n das ist schonetwa»'; dazu gehören Nerven'. Noch mehrNerven', sollte «an m-inen, müßte eS freilich e;fordern, den breite» Strom unend­licher Trivialität ax fick vorüberrausche« zu lassen, der fich am 5. d. M. alle Schleuse» geöffsrt sah; aber dal steht fich vom Standpunkte derTnrch- ichxitisphilister' eben doch ganz anders an, weil fich dieserPhilister' i» solche» Augenblicken in seiner eigenenGröße' spiegelt, weil er alles Ernste» meint, eine That zu thun, wenner au» Weimar oder gar au» demfernen' Stuttgart «ach Berlin gefahren kommt, um hier dasVaterland' ix Gefahr zu erkläre» und e» baxx alsbald mit feinerMauneSkraff zu rette»? Wir bedauern um die, welche fich durch DermtigeSimpoxiren' lassen, denen dieserRummel' nicht den Eiudmck

zu sehen, derselbe war jedoch noch nicht angelangt. Wir kehrten nach seinem Zimmer zurück.

Während wir warten, will ick Ihnen den Plan erklärm, nach welchem wir handeln müssen', sagte er, ein Schreibpult öffnend und demselben eine Rolle Goldstücke und eine Hand voll Silber­münzen entnehmend.

Wir fahren am Hause vor, und wenn wir klopfen, wird Selim ober ein anderer Lala, wenn noch mehrere vorhanden find, uns die Thür öffnen. Er wird Sie sehen und Ihre Uniform erkennen, wie er schon die Limee der Palastequipage erkannt hat. Er wird uns begrüßen und Sie müssen natürlich den Gruß erwidern. Ich werde ihm rann erklären, daß ich der Leibarzt bin und daß Se. Majestät von der Krankheit der Khanum ge- sört habe und mich sendet, ihr beizustehen. Dann wird Selim uns nochmal« begrüßen und uns in ras Haus weisen. Sie werden dann im Salamlek n der unteren Halle zurückbleiben und ich in den sarem geführt werden, nachdem einige Minuten ür die erforderlichen Vorbereitungen vergangen sind. Sie werden dann zu warten haben, ohne weiter gestört zu werden, außer daß ein Eclave Ihnen Kaffee und Cigarretten bringt. Selim wird ebenfalls so lange im Harem bleiben, als ich in demselben bin. Hören Sie jedoch irgend etwas wie Handgemenge, so müffen Sie herbeieilen, sobald Sie meine Stimme erkennen.

(Fortsetzung folgt.)