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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für -ie Kreife Marburg «nd Kirchhai«.

^Stowtttet tttax: 66Mustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion: 10-^11 Uhr Vorm^tazk-

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Erschiiut täglich «a%n «n Ktttttgra «ach v»M- ank gütttxgen. Oxxrtxl»Xd«m««N»-V«i» M bet %®t» bttinx 8 Mk., bei alle» Pastärntern 2 9tt. 86 Bf», (ejfl. VNiellgeld). Jnserxti»«,ebShr für die ßeivaltwe Zeile »der deren Stanx 10 Wg-, Reklamen für die Zeile $6 $fg.

Marburg,

Mittwoch. 8 Mai 1895.

Alqeiger. nimmt entgegen die Expedition dieser Blatter, sowie die Aruwncen-Bnreaux von Haasmstein n. Vogler in Frankfurt e. M., Kassel, Magdeburg und Men; Rudolf Mofse fc Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube «. Eo. in Frankfurt «. M., Berlin Hannover, Bari«.

XXX. Jahrg.

** Die Raubstaaten auf der Balkanhalbinsel

-ehSrrx zu bex vornehmsten Schuldnern des deutschen Privatkapttalr, welche« also ein nicht unbeträchtlicher gntenffe an einer gedeihlichen Wirtdschaft in diesen Staaten hat. Vielleicht anderthalb Milliarden Mark find ix rumänischen, serbische», griechischen und auch bulgarische« Papieren angelegt, eine Summe, bereu Zilien fast ebenso viel ergäben, wie die letzte Mlitärvorlage alljährlich de« deutsche» Reiche kostet Mau fax» gerade nicht von deutscher Vorsicht und Behutsamkeit gegenüber diesen Schuldner« rede», die denn auch, zu« Theil wenigsten?, durchaus nicht das Vertraue» rechtfertigte«, welcher mau ix sie setzte.

811 die Türkenherrschaft sich nach dem letzte» -liege mit Rußland bedenklich de» Niedergange zweigte, Rumänien und Serbien selbstständige Staate» wmden und der Berliner Kongreß unter de« Vorsitz Übst Bismarcks die Neuschaffung des Fürstenthuml Bulgarien beschloß, da glaubte man in Europa Mach, daß Rumänien, Serbien, Bulgarien und Erieideuland, deren Nationalitäten um ihre Freiheit ,«d lluabhäugigkeit so manche» Strauß aus gefochten Men, berufen und auch politisch, wie moralisch be­fähigt seien, da» Erbe der Türkei anzutrete». Der Sieg des Christevthuml über de» Islam auf der Lalkanhalbiusel vnd die Zurückdräugung der Türke» «ch Aste» schien nur eine Frage kurzer Zeit zu sein. Heute wird «an zu ganz anderen Snschauungex ge­langt sei» und aus Grund der Erfahrung erkannt habe», daß die Türkexherrschaft allerdings außer- ordentlich viele Mängel hat, daß «an 1« Osmeneu- retche recht wohl von einer Mißwirthschaft und Pascharegierung reden kann. Aber in de» christlichen Leixstaate» der Balkanhalbinsel ist el nicht anders, selbst is Rumänien, das doch unter der kluge» Re- zierung des Königs Karl so gewaltig emporgekcmmen ist, giebt eS recht viele Dinge, welche das Licht del Tagei im allerhöchste» Maße scheue». Giebt es in den christliche» Balkanstaaten keine Pascha'«, welche de» Staat bestehle», so giebt el doch politische Parteien, welche dal Geschäft der StaatSanlbentuxg »it einer Gründlichkeit, die nichts zu wünsche« übrig läßt, besorgen. So grenzenlos bankerott wie Griechen land durch seine politische« Parteien ist die Türkei durch ihre Pascha'« noch lauge nicht geworden.

De« Bevölkerungen der Balkanstaaten fehlt in ganz bedenkliche« Maße die Empfixdvxg für Ehre und Recht, welche dal Ehristenthum eigmtlich schon «erzieht. Diese bunt gemischte« Nationalitäten

Paul patoff.

tut SrMlunß in 8 Bänden van F. Marton Crawford.

(Nachdruck verboten.) lffartfetzxna.)

Die Zeit, welche wir bei Tisch zubrachte», ver­ging mit dem Bespreche» der verschiedene» »ach der Reihenfolge vorzunehmenden Sxpeditiouen, um die Stadt und Umgegend kenne» zu lernen. Nach de« Effen blieben John und ich eine Weile zurück. Paul wollte mit Hermtone spreche», und Macaulay, welcher der häuslichste junge Mann der Welt war, zog die Gesellschaft seiner Mutter «nd Timten, welche er »ehrere Monate nicht gesehen, de« Duste der Eigarre» ttb del türkische» Kaffee« vor.

Wa« denken Sie von ihr?" ftagte John Earvel, al» wir allein warm. Sie erscheint vollkommm ge­sund, nicht war?"

Vollkommm; dm bestm Beweis dafür liefert, wie sie Paul behandelt. Sie ist wirklich herzlich gegen ihn. Ich glaube, el ist kein Rückfall zu be­fürchte».-

Das will ich hoffm, da« will ich hoffen!' wiederholte John eifrig.Sie hat sich ganz wunder- bar gut während der Reise benommen. Nun jedoch zu Paul", fuhr er fort, seine Stimme dämpfend. »Wie gefällt er Ihnen jetzt, wo Sie ihn besser lernten? Sie haben ihn jeden Tag gesehen schon eine Zeit lang.

Soll oder vielmehr darf ich Ihnen sagm, wa« ich denke?' ftagte ich dagegm.Ich habe Paul fchr gern, aber auch Sie müssen ihn lieb gewinnm. ehe Sie sich entscheiden. Meiner Ansicht nach ist «r ein Mann von feinem Wesm, peinlich gewissen­

habe» zu lauge unter der.kmherrschait gelebt, und von ihren frühere« Herren deren Laster, aber keine von ihre» Tugende» geerbt, den« die türkische Mäßigkeit und Nüchternheit sucht man ix de« christ ltchex Balkanstaaten vergeben». Wie nxexdiich weit die Eorruptirn überall um sich gegriffen, wie für Geld vielen Personen Alle« feil ist, das sieht «an in viele« Beispielen. Die bekannte Verschwörung gege« b;n Fürste« Alexander von Bulgarien, die Empör«!g» und tintige» Bürgerkämvfe in diese« Lande, die Verhältnisse tu Serbien »nd Griechenland beweisen das schlagend, «nd auch König Karl von Rumäuieu hat nicht verhindern könne», wa« »ach unsere« Begriffe« bittet all ehrlos g>ua»«t »erden muß.

Die Freihe t uud Selbstständigkeit, welche jere Nationen sich »ach langer Unterdrückung endlich erworben, ist ihnen von dm Staaten Europas von Herzen gegönnt, aber die traurige« Zustande i> Serbien und Griechenland zeigen zur Genüge, daß weder Serbe« «och Griechen gelernt habe«, sich clleix zu regiere», daß sie vielmehr eine« Vormund, und zwar eine» strenge» noch recht gut gebrauche« könne». Tiefer als der Exkönig Milan Serbien und die griechischen Parteiführer ihr Vaterland hemuter- gebracht haben, hätte auch et« türkischer Paschs diese Staate» nicht hrmnterdringe» tonne». Und düse Erniedrigung wäre überhaupt nicht möglich gewesen, wenn nicht die Bevölkemng selbst in bedenklicher Weise a« einem moralische» Defect gelitten hätte. Europa hat em» diesen Vorgänge» die Erfahrung gesammelt, daß e« zwar groß und edel genannt wird, Völker au» Bande» einer despotische« Fremd­herrschaft zu befreien, daß aber hinterher diese edle Handlung sich trotzdem al» ein rechter Thorcnstreich erweis«« kau». Für die Grieche» hat «a» ihrer ruhwvolle, Vergangenheit wegen eine besondere Theil »ahme empfunden, verdient haben die Leute in Athen die« Interesse nicht. Da» ganze Volk ist verrottet und demoralifirt.

Nächst Griechmlaud steht e» am bedenklichsten in Serbien, an dessen fiuenzieller Untergrabung der Nimmersatte und verschwenderische Exkönig Milan mit einer Ausdauer arbeitet, die eine» bessere» Zweckes würdig wäre. Alle halbe Jahre im Durchschnitt ist der Störenfried Mila» von Serbien au» mit einer bedeutende» Summe abgefunden worden, die aber stets am Spieltisch und im leichten Lebe« Milan'r verschwand. Wer weiß wie oft hat sich der ehemalige König in so bestimmte» Erklärungen für befriedigt erklärt, daß diese Erklärung beinahe einem Ehrenwort gleichkam. Gehalte» hat er sein Wort nie. Nicht ganz ohne Gründ werden hente Befürchtungen laut,

haft und ehrenhaft vnd ohne alle Launen- Mehr kann ich nicht sagen.'

Was denken Sie über die Geschichte von seinem Bruver?' fragte John, mich ernst und prüfend betrachend.

Ich glaube, an dessen Geschick ist Paul ebenso unschuldig, wie Sie und ich. Wir find jedoch der Entdeckung des Sachverhaltes sehr nahe; wir haben sehr werthvolle Endeckungen gemacht.'

Ich theilte Caroel jetzt mit, wa« wir erforscht hatten, und ohne de« Namen« der Saldi Khanum zu erwähnen, sagte ich ihm, wie weit wir mit der Lösung de« Geheimnisse« gekommen wären, und er lauschte meinem Berichte mit dem regsten Interesse

Ich hoffe, fie werden ihn lebend ausfinden", sagte er, al« er vom Tische aufstand.Für meinen Theil glaube ich allerdings nicht, daß wir ihn je- mal« in Fleisch und Blut vor un« sehen werden Paul war heute Nachmittag mit seiner Mutter allein, «nd e« ist wohl anzunehmen, daß er dasselbe mittheilte, was Sie mir soeben erzählt. Sie scheint nicht gern davon zu hören, «nd wir vermeiden thunlichst. darüber zu sprechen.'

Eine Stunde blieb ich noch in der Gesellschaft schlug den Heimweg ein, denn ich konnte e« kaum ermatten, Balsawide» zu sehen und von ihm zu hören, welchen Plan er zur Lösung unserer Schwiettg. ketten in diesem kritischen Momente gefaßt hatte. Ich fand ihn, mich erwartend.

Haben Sie sich zu etwa« entschlossen?' ftagte ich ihn sofort.

Balsamide« saß mit eine« Buch am Tische. Er sah bleicher au«, al« gewöhnlich und war augmscheinlich erregter, al« er er merken lassen wollte.

daß Serbien denselben Weg gehen «olle, den vor ihm Griechenland schon gegangen ist, den Weg des Bankerotts Ob cmch dann die europäische« Groß­mächte noch länger stillschweigend diese« Bruch ein gegangener Verträge gutheiße« werden, bleibt dann doch wohl abzuwarten. Es könnte sonst dahin komme», daß eta eigene» Gesetz zur Bestraftng von Staatsbaxkeiotteuren geschafft« »erben müßte, um die Ausbeutung be» Privatpublikums durchobrig kettlicke Gewalten' zu verhindern. Ranbstaate» nennt »an die kleinen Balkanländer üoxisch; Raubstaa'en find ei» Theil von ihnen aber auch im bnchstäblichen Sinne des Worte».

Deutsches Reich. -

* Kerlit», 6. Mai. (Tagesbericht.) Se. Maj. der Kaiser hörte heute Morgen dm Vortrag dc? Cbifs des Cioilkavi»ets nxd begab sich sodann rach be« Tempelhofer Felde, ho da» Garde Füfilier- Regi»e»t besichtigt wurde. Nach der Truppenschau kehrte der Kai'er nach Potsdam zurück. Im Kreise der Kaiserliche» Familie wurde auch heute der Ge­burtstag des Krouprinzen festlich begauge». Priuz Christin» zu Sch!e»»ig Holstein ist zum Besuch des Kaiserpaares im Neue» Palais eingetroffen. Prinzregeut Luitpold vo» Bayer« wird sich am 18. Juni zu be« Feierlich leite« anläßlich der Eröffnung del Norbostfeekauall »ach Hamburg begebe« und am 23. Juni früh an» Kiel wieder «ach München znrückkehren. Die Kronprinzessin von Schwede», bekanutlich eine Tochter de» Großherzogs von Baden hat sich von Rom, wo sie seit einiger Zeit weilte, nach Florenz begebe«. Staatssekretär v. Stephan empfing beute eine Deputation der Stadt Remscheid, die ihm den kunstvoll auSgestattettn Ehrenbürgerbrief überreichte. Da» preußische Staat» m i niste rin rn hielt hente Nachmittag unter Vorsitz des Fürste« Hohenlohe im RetchStagSgebäude eine Sitzung ab. Beim Reichskanzler Fürsten Hohenlohe findet morgen zn Ehre» de« neuen russische« Botschafters i« Berlin v. Osten-Sacken, ei« Tiner statt, zu dem sämmtliche Minister, sowie die am Berliner Hofe beglaubigten Gesandte« deutscher Staate« geladen find. Gestern hatte der Botschafter den Besuch de» Fürsten Hohenlohe, sowie bex des Staatssekretär» v. Marschall empfange«. Der bisherige Gesandte ht Oldenburg, Graf v. Monts, hat Oldenbnrg verlassen und sich auf seinen Poste» nach München begeben. Der Obertzkornmandttende der chilenischen Armee, General bei Canto, ist

Ja', antwortete er.Ich habe mich zu etwa« entschlossen. Die alte Fra« wird sterben denn türkische Frauen sterben stet«, sobald fie krank werden; ist fie jedoch erst ohne Beichte in« Jenseits binübersegangen, dann können wir unsere Hoffnung nur auch begraben.'

Dann bleibt un« immer noch Selim zum Aul- forschen', bemerkte ich.

Wenn Laleli Khanum stirbt, so verschwindet Selim zur selben Stunde selbstverständlich erst alle« zusammenraffend, wa» nur irgend in seinem Bereich ist. Wie sollen wir ihn denn fassen? Er fährt über den Bosporus, absichtlich ehe falsche Spur hinterlassend, und ist in Aegypten nerschwunden. Diese Kerle find rafstnirt bi« zum Aeußersten.'

So wollen Sie e« versuchen, der Laleli selbst ein Geständniß zu entlocken? Wie in aller Welt gebenden Sie da« nur anzufangen? El ist die« eine Frage, welche über Leben und Tod ent- scheidet.'

Ich habe da« Leben und den Tod in meiner Tasche', antwortete Balsamide«, und seine Augen begannen zu funkeln.Können Sie türkisch lesen? Selbstverständlich. Mo bitte, lefen Sie die«.'

Ich nahm da« Dokument zur Hand und prüfte e«.

Da« ist ein Jrade!' rief ich in höchster lieber, ralchung;ein kaiserlicher Befehl, Laleli Kbanuw Effendi zu verhaften großer Himmel! Ich hatte keine Idee, Balsamide», daß Sie über solche Müel verfügten l'

(Fortsetzung WO

mit Familie hier eingetroffen, um die deutschen Militäreinrichtuugen kennen ,« lerne». Der Präsident beiMusee Social' i» Pari», bessrn Einweihung der Präsident be» beutsüen Ser* ficheruxglamte», Dr. Bödiker, s. Z. beig-^ohnt hat, Jule» Siegfried, vormaliger Hanbelsm "ister, h zum Studium der deutsch,« sozialpolitische« Gesetze und Einrichtungen ix Berlin ei»getroffen und hat bereit» dal ReichSverstcherungSamt und bex Reichstag besucht. Nach ber EinweihnugSfeier deS Nordoftsee- kanalS, werdex sich, wie au» Pari» verlautet, die französischen und russischen Schiffe, wahrscheinlich auch die spanische», nach der dänischen Hauptstadt behebe», um dem ehemaligen Herrscher von Kiel ihre Achtung zu bezeugen.

(Umsturzvorlaae) Gestern Vormittag waren im Saale be»Kaiserhofes" die Vertreter der deutsche« Stätte znsammengekornmen, «m gegen da» drohende' Umsturzgesetz gemeinsam ihre Stimme zu erheben. 150 Städte hatten Vertreter entsandt, ebensoviel hatten telegraphisch nxb brieflich ihre Zu­stimmung ertheilt. Stadtverordxetenvorsteher Dr. Langerhan« leitete die Versammlung. Es nuten verschiedene Sprecher auf, unter ihnen auch Prinz zn Schönaich-Carolath. Schließlich »nrde folgende Resolution einstimmig angmommen:Die ix Berlin versammelte» Mttglitdrr deutscher communaler Körper­schaften erblicken in der sogenannten Umsturzvorlage eine Einschränkung derjenigen Freiheit ber öffentlichen Kritik, welche die unentbehrliche Voraussetzung einer gesunden Entwickelung be» öffentlichen Lebens und insbesondere kommunaler Selbstverwaltung ist. Erfüllt von ber Besorguiß, daß bk gesetzgeberische Zurück« dränguxg ber öffentlichen Kritik auf allen Gebieten tc» staatliche« Lebens bin Fortschritt hindern, vielfach die gewerbliche Thältgkeit ix hohem Maße beschränke», die Heilung sozialer Schäden erschweren ob damit die Unzufrieden heil vermehre» würbe, richtet die Ser* sammlog a» bex Reichstag das brixgenbe Er siche», die Umsturzvorlage i» jeder Gestalt ablehxe» zu wolle»'.

(Reichstagswahlen) Dir Reichstag»- siichwahl in Stuttgart zwischen Hähule und Ehemann finbet am 14 Mai statt Bei bet Reichstags, ersatzwahl in Köslin stellt die Ahlwardt - Böckel'sche Partei einen eigenen Kandidaten auf.

(Eine Resolution gegen das Duell.) Der eoangelische Pfartoetein der Provinz Branden­burg nahm in seiner letzte» Generalversammlung einstimmig folgende Resolution gegen da» Duell an: Sie Versammlung hält eS bei Gelegenheit der Be- rathung der kirchlichen Zuchtmittel für ihre Pflicht, im Hiublick auf die in letzter Zeit so häufig borge-

Kunst, Wissenschaft und Leben.

** Eisenach, 6. Mai. (Wagnermuseum.) Zwischen der Stadtverwaltung und dem Vorstand der Schillerstiftung ist nunmehr ein Abkommen getroffen, wonach die Reutersche Villa mit Ausnahme von zwei Zimmern, die für die Aufbewahrung von Reuter-Andenken reservirt bleiben, der Stadt Eisenach zur Unterbringung des Richard Wagner- Museums zur Verfügung gestellt wird. Ursprünglich war es der Plan gewesen, in den Räumen der Villa erholungs­bedürftigen Schriftstellern Aufenthalt zu bieten, leider fehlten dazu aber die nöthigen Mittel. Die Unterhaltung der Villa hat der Schillerstiftung aber so schwere Opfer auferlegt, daß man bereits dem Gedanken, fie zu verkaufen, nahegetteten war. Durch die Vereinigung eines Wagner- und Reuter- Museums in denselben Räumen wird nun die Frage der Erhaltung der Villa für ideale Zwecke in würdiger Weise gelöst, und Eisenach erhält einen neuen Anziehungspunkt für die vielen Fremden, die alljährlich dieliebe Stadt' Luthers aufsuchen.

* Genf, 7. Mai. (Karl Vogt f.) Der hier ver­storbene Naturforscher Vogt war bekanntlich einer der eisrigsteu Verkämpfer des wissenschaftlichen Materialismus und hat durch seine glänzend geschriebenen Bücher und Feuilletons zur Popularisirung (und leider auch zur falschen Auffaffung) der von ihm vertretenen Anschauungen sehr viel beigetragen. Eine lebhafte, unruhige Natur, nahm er auch starken Antheil an der Politik. Nach der Märzbewegung 1848 war er von Gießen in das Vorparlament und in die deutsche Nationalversammlung gesandt worden, wo er zur äußersten Linken gehörte. Er ging auch mit dem Parlament nach Stuttgart, wo er in die Reichsregentschast gewählt wurde. Seines Lehramts in Gießen enthoben er wirkte dort fett 1847 als Professor - wandte er sich nach der Schwetz. 1852 übernahm er die Professur der Geologie in Genf, 1878 wurde er zum schweizerischen Nationalrath erwählt. Von seinen zahlreichen Werken seien die folgenden hervorgehoben:Physiologische Briefe",Lehr­buch der Geologie und Petrefatten-Kunde",Altes und Steuer ans dem Thier- und Pflanzenleben',Köhlerglaube und Wiffenschast",Zoologische Briefe",Vorlesungen über den Menschen",Heber Mikrokephalen oder Affenmenschen", Lehrbuch der praktischen vergleichenden Anatomie". Geboren wurde Karl Vogt am 5. Juli 1817 zu Gießen.