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Wöchentliche Beilagen: Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
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Marvura.
Sonntag, 28 April 1895.
Tintigen alMNt emgegen die Expedition diele? Blatter, iowie ote Amwncen-Bnreanx von Haasen stein u. Vogler in ivrarttfutt e. M., Tasiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofir wt Frankfurt«. M., Berlin, München n. Köln; G. L. Daube u. s,o. tu Frenkfurt a. M., Berlin Hannover. Pari».
XXX. Jahrg.
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gSE*- Bestellungen -'M» für die Monate Mai und Juni auf die W-rhsff.
nebst deren Gratisbeilagen
„Kreisblatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain, „Illustriertes Sonntags blatt" und „Verloosungsliste de:
preußischen Klassenlotterie" werden von allen Pofianstalten, Land« briefträgem. in der Expedition (Markt 21:, sowie von unseren Filial- Expeditionen in Kirchhain, Neustadt und Wetter ent gegengenommen. Neuzugehende Abonnentcr erhalten die „Oberhessische Zeitung"
llkl s! bis zum 1. Mai unentgeltlich.
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Wir machen darauf aufmerksam, daß von der am 1. April anläßlich des Geburtstages des Fürsten Bismarck erschienenen Fest-
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nummer noch ein kleiner Borrath vorhanden ist und daß neuhinzutretende Abonnenten, so lange dieser reicht, je ein Exemplar umsonst erhalten werden.
Die Exped. der „Oberh. Ztg"
Die Sozialdemokratie und die Studenten
* Nachstehende Aurlaflungen über daS Verhältniß der sozialdemokrattscheu Partei zu de» deutschen Studeutenthu«, die „Genosse" Karl KautSky in der »Neuen Zeit" Str. 29 veröffentlicht, verdienen besondere Leachtusg:
„Am Leichtesten für uns zu gewinnen find die Studenten. Man hat gegen fie eingewendet, daß ste keinen Beruf repräsentiren und daher keine BerufS- dezw. Klassenintetessen besäßen, die mit denen de» Proletariats gemeinsam wären. Aber letzteres gilt ja, wie wir wissen, für die gejammte höhere Intelligenz, und die Einzelne« aus ihr, die gewonnen werden können, find dem Sozialismus tun so zugänglicher, je weniger ihre Einficht durch materielle
8 Zeitgemäße Betrachtungen.
(Nachdruck verboten.)
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Eine brennende Frage.
E« geht ein leiser Klageton Trotz lichten Lenzestagen, Von theuren Zeiten spricht man schon Mit größtem Unbehagen.
Die Hausfrau spricht den Hausherrn an, O gieb mir Zuschuß, lieber Mann, Kaum lös' ich dieser Tage Die brennend heiße Frage. Der Gatte brummt: „In aller Welt War machst du für Geschichten, Verstehst du mit dem Wirtschaftsgeld Dich gar nicht einzurichten?
Was soll dein banger Klageton, Machst du vielleicht, Ich merke schon, Apell an meine Güte Betreff» der Frühjahrshüte?" Die Theure steht ihn schmollend an Und sagt dann stolz: «mit Nichten, E» plagen mich, verehrter Mann, Ganz andere Geschichten;
Arg geht mir in dem Kopf herum. Das schreckliche Petroleum, Er stiegen seine Preise In ganz horribler Weisel Ich thell mir alles peinlich ein, Mit scharfem Blick erkenn' ich, Wir dürfen nicht zu üppig sein, Wir brauchen jeden Pfennig. Nun stößt es meine Rechnung um Das schreckliche Petroleum;
3nteieffrM getrübt wird. Dies ist aber bei de« Studenten am meisten der Fall, eben weil fie keine» Berufe angehören, sondern nur dem vorbereitende« Stadium zu eine» solchen...... Man kann
wobl sagen, daß nnter den bewährten offenen oder stillen Parteigenossen an» der Intelligenz neun Zehntel «18 Studenten zu uns gekommen sind. Ist es also wichtig, die beste» Elemente der Intelligenz für n«8 zu gewinnen — und Ni'wand wird bestreiten wollen, laß dies von großer Wichtigkeit ist —, dann ist die sozialistische Studentenbe« wegnng ein Faktor, dessen Bedentnng man nicht gering anschlagen darf. Unsere Partei hat da» größte Interesse daran, Alles zn fördern, war geeignet ist, die Kenntniß nnserer Be- »egnng in studentischen Kreisen zn verbreiten, x«b fie hat alle Ursache, den Studenten, die sich nur «»schließen »ollen, freundschaftlichst entgeßenzukommen, sobald sie nur de« Bedingungen erMpreches, die au einen Parteigenoffen überhaupt gestellt werden. Ei« Fehler aber ist eS, wie e» »ituuter geschieht, jeden Studenten, der zu uns kommt, ohne Weitere» in die Parteithätigkeit hineinzuziehe». Die Partei thätigkett der Studenten ist im Allgemeinen weder für die Partei, «och für die Studenten von Bortheil. Für die Partei nicht, weil ein Student, der on vielen Kenntnissen den Arbeitern überlegen ist, ihnen leicht tmpovirt und so bald zur Arbeit an Aufgabe« herangezogen wird, zn denen ihm tie Reife und die Erfahrung fehlt. Für den Studenten nicht, weil für ihn die Theilnahme en der Parteithätigkeit gleichbedeutend ist »it dem Verbrenne»! der Schiffe hinter fich. ES liegt weder im Interesse de» Be- treffenden, noch in de» der Partei, daß er seine ganze Existenz von der Partei abhängig »acht, ehe er diese getan kennt und fie ihn erprobt hat."
Die gehei»e Minirarbeit, die die Sozialde»okratie nnter den heererpflichtigeu Deutschen betreibt, n» die „Bajonette" zu gewinnen, soll also auch in stärkste« Maße unter die Stndtrenden getragen werden, um der Sozialdemokratie die „Intelligenzen" znznführen. Möge« Alle, die el angeht, dieses von langer Hand verbreitete sozialdemokratische Unter- nefaun, „dessen Bedentnng man nicht gering an- schlagen darf", aufmerksam im Ange behalten.
Die Berliner Stadtverordneten und die Umsturzvorlage.
* Das Verbot des Oberpräfidenten Dr. von Achenbach an den Berliner Oberbürgermeister Zelle
Des Lampenlichtes Strahlen Sind kaum noch zu bezahlen." Der Gatte hört'», der Gatte spricht: „Aha, soso, deswegen, Man gönnt uns nicht einmal das Licht, An dem uns so gelegen." Und seine Zornesader schwillt, „Dar ist ein düsterer Schattenbild In diesen lichten Tagen!" Ruft er voll Unbehagen.
„Ich seh es ein, ich fast' es nicht. Du hast ja Recht, du Theure, Es geht der Preis für Lampenlicht Ja bald ins Ungeheure;
Hütt' ich die Spekulanten da Au» Rußland und Amerika, Die uns so bitter kränken, Sie sollten an mich denken! Run überleg ich lang und breit Wie wir uns helfen können, Laß uns, wie einst in alter Zeit Den Kienspan wieder brennen, So lange bis da« neue Licht Sich Bahn in allen Häusern bricht, Ich mein die hellen Strahlen Elektrischer Centralen." Der Gatte sprack's und in der Thai, Ich geb ihm Recht dem Braven, Doch müßt ich wohl noch best'ren Rach: Geht Abends zeitig schlafen, Tann geht Euch nicht im Kopf hemm. Das schreckliche Petroleum, Weiß nicht, wie man gescheidter, Sich helfen könnt!
Ernst Heiter-
be-ügltch einer Petition des Magistrats gege« die Umsturzvorlage steht noch ferner im Vordergründe des Jntereffe». ter Oberbürgermeister war auch, »ir erinnerlich, «gewiesen worden, eine Stellungnahme der Stadtverordnete» Versammlung ist dieser Angelegenheit zu verhindern. Dir Stadtverordnete«. Verfamwlung hat nun jedoch «uf eigene Faust den Beschluß gefaßt, eine Petition gegen die Umsturz- Vorlage an de« Reichstag zu richten, womit ein weites er Konflikt mit der Regierung gegeben ist, der schließlich vor dem Oberverwaltungsgericht zu» Sustrag gelangen wird. Handelt es fich hier um eine Gemeindeangelegenheit, so ist dagegen die Ein ladu«g, durch welche von eiter Anzahl Magistrats- Mitgliedern und Stadtoerordneten bereu Collegen im Reiche ans de« 5. Mai «ach Berlin berufen werden, um gegen die Umsturzvorlage zu protestiren, rein prriönliche» Charakters. Eine Anzahl Privatpersonen, sie der Stadtverwaltung angehören, gedenkt mit anbeie« Privatpersonen, die ebenfalls Stadtber» »almngen angehöre», ihre Ansicht über die Umsturzvorlage auSzutausche» und dem Reichstag von dem Ergebniffe mit dem Ersuche« Mit theilung zu mache«, er möge sich darnach richte». Im Name» her Städte zu spreche» find die Herre» nicht befugt u»d darum würden sie besser zu Hause bleiben und jeder a» seinem Orte mitthrm, was dort eventuell gegen die Umsturzvorlage gethan wird, falls fie sich überhaupt zu Protestiren gegen die Vorlage gemüßigt sehen. Zuverwnndern ist, daß ter Oberbürgermeister der Reichshauptstadt sich an einer Sache betheiligt, deren Hauptzweck ist, einige Flecke» zu verwischen, die das Ansehen des Berliner StaatSrath» über die Grenzen des Deutsche» Reiches hteaus getrübt habe», an eher Sache, die an ihrem Ende nur der Sozialdemokratie zur Genugthuung gereiche» wird, deren Kern in Berlin fitzt und die Beschlüffe der StadtverordAete« wesentlich beeinflußt. Die Herren Singer und Consorte« würde« fich die Hände vor Vergnüge« reibe«, wen« «attoral und monarchisch gesinnte deutsche Stadträthe ihre Name« zusammen mit de« Herren Sozialdemokrate« unter eine Petition gege« die Um ßurzvorlage setze« würden, denn eine solche Petition könnte nur bedeuten, daß überhaupt nichts gegen die Sozialdemokratie geschehe« soll, u«d laut würde» dir Blätter der Umstürzler in die Welt hiaauSrnfe», daß die deutsche» Städte ihre Verbündeten seien. Ser- artige Erwägungen dürften wohl sämmtliche Stadt räche, die nicht der Demokratie oder Sozialdemokratie an gehöre», veranlassen, ess 5. Mai Berlin zu meide».
ikml Vatoff.
■Jia- HrzLHKmz m L Bäudeu d»u F. Marton Crawfoid.
(Nachdruck verboten.) (sornetzimgi)
Ich bemerkte dabei, daß er die Menschen, welchen wir begegneten, stets mit dem aufmerksamsten Jntereffe beobachtete, indem er ihnen schweigend mit den Augen folgte oder versuchte, in die vergitterten Fenster hineinzublicken. Allmählich mürben mir die Leute auch bekannt, und mit der Zeit kam es mir vor, als bringe Paul eine bestimmte Methode in unsere Wanderungen. Er war es, nicht ich, welcher die Richtung unserer Wege angab, und ich bemerkte, daß er an gewissen Tagen gewisse Gegenden auf, suchte Montags z. B. verfehlte er nie den Bazaren einen Besuch abzustatten. Dienstag pflegten wir nach dem Bosporus und Mittwochs in Stambul umherzugehen.
Währenddessen lachte Balsamides mich ans, daß ich Pauls Geschichte glaubte, drückte aber mit dem nächsten Athemzuge schon die Hoffnung au», daß Alexander gefunden werden möchte. Er war in der Santa Sophia gewesen und hatte festgestellt, daß die zweite Treppenthür gewöhnlich an jenem Tage offen stand, wenn die Moschee erleuchtet war, zur Benutzung für die Leute, welche die Lampen anzündeten, und dieses bestätigte seine Vermuthnng, daß Alexander die Moschee an jener Seite der Gallerie verlassen hatte. Hier jedoch hörte wiederum jede Spur auf und Balsamides stand im Begriff, abermals alle Nachforschungen aufzugeben, als wir eine Entoeckung machten, welche unsere Energie und Hoffnung aufs Neue anfachte und Paul in die größte Aufregung versetzte.
Der Stadtoerordnete»'Borsteher Dr. Langerha»» ist, wie die „Rat. Ztg." hört, von dem Oberpräfi« deuten v. Achenbach telegraphisch angewiesen worden, bei 300 Mark Geldstrafe die Absendung der beschlossene» Petition gegen die Umsturzvorlage an den Reichstag zu unterlasse». Die Absendung war indessen bereits erfolgt.
Z» dieser Angelegenheit schreibt die vo» Henn Minister vo» Köller ins Lebe« gerufene Correspondenz: „Nachdem der Magistrat vo» Berit» die Abse«du»g ei»es gege» die sogenannte Umsturz. Vorlage gerichteten Protestes a» de» Reichstag und eine bezügliche Vorlage an die Stadtverordnete» wegen Ertheilung ihrer Zustimmung zu diesem Proteste beschlossen hat, ist dem Magistrat eine Verfügung de» Oberpräfidenten in PotSda» zugegauge», welche den Bemeindebehörde» das beabsichtigte Vor« gehe» untersagt. ES muß auffalle», daß eS eines solchen Eingreifens des staatliche« AusfichtsrechtS überhaupt bedurft hat, da die Gemeindeverwaltung darüber nicht hätte im Unklaren sein soll«, daß die in Frage stehende« Berathungen und Beschlüffe der Gemeindebehörde keine Gemeindeangelegenheit betreffe«. lleber andere al» Gemeindeangelegenheiten dürfen die Stadtverordneten nur dann berathen, wenn solche durch besondere Gesetze ober in einzelnen Fälle» dnrch Aufträge der AuffichtSbehörde an fie gewiesen find; die Ausgabe de» Magistrats, die Beschlüsse der Stadtverordneten vorzuberette« und zur Anisührnng zu bringe», ist an dieselbe« Schranke« gebnnde», und auch das verfassungsmäßige PetitiouS- recht der Gemeindebehörde» kann fich »ur innerhalb dieser Grenzen ihrer rechtliche» Existenz bewege». Daß eine Petitton der Gemetedeorgase in Sache» der Staats- oder Reichsgesttzgebung jedenfalls da»» keine Gemetndeangelegenheit darßellt, wenn ste nicht in besonderen Verhältnisse» der Gemeinde ihre Be« gründung findet, ist i» der Judikatur be? Oberver- waltnngsgerichtS anerkannt, und es kau» in dieser Beziehung ebensowenig ei» Zweifel bestehe», wie darüber, daß die beabfichttgt gewesene Petition unter de« vorstehende» Gesichtspunkte eine Gemeindeange- legenheit nicht ist, daß e» fich dabet also um eine gesetzwidrige Ueberfchreitung der Befugnisse der Se- mrindebehörde» handelte."
Deutsches Reich.
* Werkin, 26. April. (Tagesbericht.) Seine Majestät der Kaiser kehrte gestern ftüh «« 9 Uhr von der Auerhahnbalze »ach Kalte»bro«« zurück u»d gedachte auch heute n»d morgen ftüh i» daS dortige
Eine« Tages wanderten wir unter den düsteren Bogen der mächtigen Bazare einher und hatten den Theil erreicht, in welchem die spanischen Juden ihre kleinen Läden haben, in denen ste die werihvollsten Antiquitäten zum Kaufe anbieten. Wir schlenderten rauchend und plaudert einher, al» ein Jude Namen« Marchetto, mit welchem ich ftüher zu thun gehabt und der mich sehr gut kannte, plötzlich in dm bedeckten Gang hinauskam und uns einlud, in feinen Laden einzutreten. Er sagte, er habe einen Gegenstand von ganz seltener Schönheit, von welchem er überzeugt sei, daß ich ihn kaufen würde. Mr folgten feiner Aufforderung und nahmen auf dem fich lang» der Wand hinziehenden Divan Platz.
Marchetto verschwand einen Augenblick und kehrte mit einem Stück herrlicher Tapete von Rhodus, von jener Art, welche früher für die MaÜheser- Ritter angefertigt, im letzten Jahrhundert aber nicht mehr gewebt wurde, zurück.
Marchetto'» Gesicht nahm den Ausdruck der Enttäuschung an, denn er wußte, daß wir den Handel nicht mit dem Zugeständniß de» geringsten Werthe» de« angebotenen Gegenstandes beginnen würden. Er begann uns andere Dinge zu zeigen: einen Giordös-Teppich, ein herrliches Stück alter Brocat - Goldstickerei auf mattblauem Atlas und vieles Andere. Born Stillefitzen ermüdet, stand ich auf und trat an einen in der Ecke stehenden Glas« schrank. In demselben sah ich eine Uhr, welche meine Aufmerksamkeit auf fich lenkte. Sie war oon Silber, aber sehr schön gravirt und mit russischen Charakteren geschmückt. Der gerippte Knops, Micher zum Aufziehen diente, war von Gold. Die