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Hermans Wertheim

S»l BankgercUft, ae'ettMfcma?e, Bahuhafstr., gegenüber der Hauptpost.

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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

mA 814 Rt* t"* Jllnstrirtcs Sonntagsblatt. Sprechenden der Redattion: 10*-11$

M 91

Ent täglich «ßer iw Werktai« nach e»mr« nutz gen. Onartal-AbirmnueutS-Prri» bei der Gxpr » Mk., bei all« Peßämteru 2 Mk. 88 Pfg. («xkl Bestellgeld). Juseratiausßebühr für di» ßespaltm, Zeil, »der birra Rau» 10 Pf,., Steklvam für di, Zeile «l Pfß.

Marburg,

Freitag, 19. April 1895.

Anzeigen nimmt entgegen di» Expedition dieses Blattes, sowie bi, Amwucen-Bureaux von Haafmstein u. Vogler in Frankfurt <u M., Lafiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, Münch« «. Köln; G. L. Daube «. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.

XXX. Jahrg.

Zweites Blatt.

Erdbeben in Niederösterreich nnd Oberitalien.

lieber da» fürchterliche Erdbeben seien zur Er» gänznng bei gestrigen Bericht! noch folgende Einzel- heilen mitgetheilt:

Zwischen ein Mettel nach Elf «nd Mittemacht wurden tu Triest vier Erdstöße verspürt. Der erste war der heftigste. Die Vorstellung im Teatro Kommunale wurde unterbrochen. ES «ar die ext» setzlichste Nacht und seit Menschengedeuken wurde kein derartige! Erdbeben erlebt. Da! Erdbeben bauerte mit starkem, unterirdischem Getöse 8 bi! 10 Sekunden. Gleich beim ersten Stoß eilten die Menschen aus den überfüllte» Kaffeehäuser» und Restaurationen anf die Straße und au! allen Häusern flüchteten halbbe­kleidete Frauen und Kinder in! Freie. Bald waren die Straße» u»d Plätze überfüllt, ma» schrie, mau fing, wartete aber die Antwort nicht ab, sondern lief in Angst «eiter. Die Thore der Promenaden «neben geöffnet, alle! strömte in bie< selben hinein. Zwischen den Reihe« der Fliehenden rasten schmgemordene Pferde hinein nnd vermehrten die vngehenere Verwirrung. 3n allen Wohnungen blieben die Uhren stehen, die Teller fielen von den Tische», die Bilder von der Wand, die Fensterscheibe» barsten; zahlreiche Personen wurden aaS den Betten «st solcher Gewalt geworfen, daß fie Verletzungen erlitten, überall schrieen, stöhnten und jammerten Große und Kleine durcheinander. Nach de« ersten Stoß wollten die Männer ihre Franen nnd Kinder in die Hänser znrückführen; die meisten weigerten fich aber au! Angst. Am stützen Morgen wnrde da! Gerücht verbrtttet, daß nm 11 Uhr ein neues Erdbeben zu erwarte» sei, was »och «ehr Beunmhigung verursachte, 3« Theater spielte eine italienische Schauspielgesell- schäft, ar! plötzlich ein furchtbares Rumoren gehört wurde; die Couliffeu schwankten, der Kronleuchter pendette klirrend hin nnd her, der eiserne Vorhang klapperte. ES schien eine fürchterliche Panik zu ent­stehe», schon wurden Frauen ohnmächtig, doch bemhigten einige besonnene Herren die Menge, und das Theater leerte fich ohne Unfall. Mele Menschen flüchteten anf Schiffe nnd Barken. Die See war bei orkan- artiger Bora heftig bewegt. Anf einem großen Platze standen vier nnbespaunte Wage», in welchen «an die Kinder bettete. Nach der ersten Erderschütternng wnrden die Truppe» sofort allarmstt u»d bliebe» i» Reih und Glied marschbereit stehe»; die Besatzung der Gefängniffe! mußte verstärk «erde», da die Ge­fangenen sehr anfgeregt and reustent wurde».

Personen, die i« Eilzug von Triest nach Wien führe», erzähle», daß die Dvrfbewoh»er überall im Freie» kampire» und daß fie sehr viel geborstene Häuser gesehen habe«. Fiume: Nacht» 11 Uhr 30 Mi», war hier ein starke» Erdbeben, welche» 21 Sekunden bauerte und fich bi» Morgens dreimal wiederholte. Die Sttaßen waren überfüllt mit Menschen, die fich an» den Häusern flüchteten. Am Korso zeigt das Asphaltpflaster starke Riffe. Bo» viele» Gebäude» und Plafond» löst fich da» Mauer­werk los. Die Kaffee« und Gasthäuser, die überfüllt, waren bei« erste» Stoß i» wenigen Sekunden leer; eine allgemeine Panik erfaßte die Menge, die anf die Straße lief. Gleiche Aufregung entstand i« Kone mnnaltheater. Die Panik erreichte bei« gseiten Stoß ihren Höhepunkt, und Alle» stürmte wild hinaus. Man flüchtete fich auf die i« Hafen der ankerten Schiffe, die st» Nu überfüllt waren. 3n Görz, Abbazia, Suffek, Meran, Obermais, in Velden am Wörthersee, in Stein am Anger re., überall wurde das Erdbeben verspürt. 3» Cilli wurden 10 Personen schwer verletzt, ein Soldat blieb todt. 3n der Ortschaft Rodica find mehrere Häuser eingestürzt, wobei 3 Kinder getödtet wurden. In Krainburg wurden 16 Erdstöße wahrgcnömmcn. Die Bewohner kampiren im Freien. Viele Gebäude er­litten Beschädigungen. Von der Pfarrkirche in Bozen lösten fich Mvuerstücke los. In Agram, Gries, sowie in vielen Orten Bosniens und der Herzegowina fanden Erdstöße statt. AnS Rom wird berichtet: In der Nacht wurde eine starke Erderschütterung in Ferrara, Udine, Treviso and Padua verspürt; in Udine folgten dem ersten Stoße mehrere andere, aber weniger heftige; viele Leute flüchteten in» Freie. In Trevffo stürzte da» erschreckte Publikum aus dem Theater, «ehrere Schornsteine find eingestürzt. Das meteorologische Bureau meldet: Gestern Abens 11 Uhr 17 Mi». wurden in Verona, Bellvno, Padua, Penedig, Rovigoo, Piacenca, Ferrara, Pesaro, Macerata und Florenz Erderschütternngen verspürt. In Venedig dauerte die Erschütterung 12 Sekunde»; derselben waren andere kleinere Erdstöße mit tnter- irdischen Rollen vorauSgegange», die fich »ach dem Lrdbebeu wiederholte». Die seirmographischsn In tr»«ente zeigte» das Erdbebe» auch in Skua und stavia au. In Ravenna und in Acsteale wurde in der Nacht ebenfalls ein Erdbeben wahrgenommen

Laibach, 17. April. Heute Nacht erfolgten bi» zum Morgen vier Stöße; am stärksten war der Stoß um 4 Uhr. Leute, die auf der Erde schliefen i forte» ein unterirdisches Rollen schon eine halbe Stunde früher und erwarteten sorgenvoll den Erdstoß. Die Panik wächst von Stunde zn Stunde und erhält neue Nahrung durch da» alberne Gerücht, Falb habe telegraphisch noch heftigere Stöße in

AuSficht gestellt. Alles fluchtet, etwa 20000 Per­sonen kampiren auf Wiesen und Plätzen. Infolge der neuen Erdstöße werden die Schäden a» den Häusern immer größer. Die evangelische Kirche wird kaum noch benutzbar fein. I« LandeSmnseu« find die Sammlungen zerstört; die wetthvollen prähistorischen Funde, darunter zahlreiche Uuica, find verloren; das neue Theater ist vom Dach bis anf den Grund geborsten. Der historisch merkwürdige Fürstenhof, Eigenthum des Fürsten Auersperg, muß abgetragen werden. Auf deu öffentliche» Plätzen werde» unausgesetzt Meffen gelesen; das Volk betet laut.

Vermischtes.

(Die mittlere» Tiefe» der Ozeane) wurden neuerdings durch Karstens in Kiel aufs Nene berechnet. Murray und Pmck hatten 3797 und 3650 Meter gefunden, Heiderich nimmt 3438 und Krümmel 3320 Meter als Mittelzahl an. Auf Grund mehrerer, feit 1886 anSgeführter Lothungen erhöht Karsten» diese Zahl auf 3496 Meter. Die mittlere Tiefe der einzelnen Ozeane würde 3829 Meter für da, Stille Meer, 3593 für den Indischen und 3160 für den Atlantischen Ozean betrage».

(Der VIII. Allgemeine deutsche Hand« werk er tag), welcher am 21. bezw. 22. April zu Halle znsammentriü, wird nach den bisherigen An- meldunzeu außerordentlich stark beschickt. Die Be­theiligung an demselben dürfte hinter der an den beiden letzten imposanten Berliner JnnungS- und Handwerkertage» nicht zurückstehen. Wohl sehr wenige Haudwerkervereinigu»geu «erde» ei sei», die hiebei nicht vertreten sein werden, namentlich ans Berlin, Hamburg, Breslau, Köln, Dortmund, Hannover, Osnabrück Frankfurt a. M., Magdeburg, Merseburg, Dresden, Leipzig, Caffel, Greiz, Oldenburg, München ec. 2c, ist ganz namhafter Besuch angesagt. Such Seitens vieler Reichstagrabgeordneteu aller hand­werkerfreundlichen Fraktionen ist die Theilnahme an demselben angekündizt, wie auch die Reichs und Staatsbehörden ihre Vertteter hiezu abordnen werden.

(Kapitän v. Gössel.) Wie verlautet, soll jetzt die Leiche deS Kapitäns der .Elbe', v. Gössel, aufgefunden worden sein.

(Verhungert.) Im Jahre 1894 find nach amtlicher Statistik 51 Personen in London Hunger» gestorben, darunter 15 Frauen.

Bom Büchermarkt.

(.Unser Bismarck" von C. W. Aller»), Text von Hans Sraemer (Union Deutsche Verlag», gesellschast, Stuttgart, Berlin, Leipzig). Gerade zur rechten Zeit, da der Nachhall der festlichen Tage von

FriedrichSrvh noch alle Herzen bewegt, erscheint die achte Lieferung dieses patriotischen PrachtwrrkS. Sie versetzt un» in die Zeit, da der nun Achtzigjährige noch al» flotter Student die Straßen Göttingen» durchzog War au» vergilbten Dokumenten und spärlichen Erinnerungen der letzten Corpsbrüder Bismarck» fich noch feststellen ließ, ist hier zu einem fesselnden Bild jener Lebenspettode zusammengefügt, au» der, bei aller Ungebärdigkeit des noch gärenden Jugenddranges, doch so mancher Zug schon auf den künftigen großen Staatsmann hmweist. Und eine stattliche Zahl trefflicher Zeichnungen von Aller»' Meisterstift schmückt auch diese» Heft, von denen hier nur großen Kunstblätter: Göttinger, Phi­lister und Studenten au» dem Jahr 1832, Bi», marck im Anfang der dreißiger Jahre, die Getreuen von Jever, da» Rathhau» in Göttingen, Mitglieder de» Corps Hannovera im Jahr 1895, Oberförster Westphal in Varzin, genannt seien. So gestaltet fich aus Vergangenheit und Gegenwart ein ver­gleichendes Bild, wie es erschöpfender kaum gedacht werden kann. Ein Werk, da» so aus der Stimmung der Zeit und der Nation heraus entstanden ist, wie Unser Bismarck," kann der weitesten Verbreitung in allen Kreisen de» deutschen Volkes heute wie in der Zukunft gewiß sein.

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